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Branner Barth Sciences Library
ABHANDLUNGEN
zoa
GEOLOGISCHEN SPEGIALKARTE
VON
ELSASS-LOTHRINGEN.
Band H.
/:?u(.S / .^ ... Lr t ^ iA_ • r< i V C t . . ^
ABHANDLUNGEN
ZUR
GEOLOGISCHEN SPEGIALKARTE
VON
ELSASS-LOTHRINGEN.
Bctnd II<
MIT VIERZIG LITHOGRAPHIRTEN TAFELN UND ZWEI ICARTENZKIZZEN (IN ATLAS),
SOWIE DREIZEHN ZINKOGRAPHIEEN.
STRASSBURa,
DRUCK UND VERLAG VON R. SCHULTZ & C*«
(Berger-Levrault*s Nachfolger).
1884
V
" W7ST " 005 ' 2 2013
QUAUTV OONTNOL MARK
Inhalts-Yerzeiobniss.
Seit«.
Der untere Dogger Deatsch-LothrlngeiiB von Dr. W. Branco.
(Mit zehn lithographlrten Tafeln) :
Einleitung 1
A. Geognostischer Tbeil.
L Der Lias *9
II. Der Dogger.
1. Die Schichlea mit Harpoceras striatulum 14
2. Die Schichten mit Gryphaea ferruginea und Trig. navis, 32
3. Die Schichten mit Harpoceras Murchisonae und Phola-
domya reticulata 42
4. Die Schichten mit Uarp. Sowerbyi und Gryph. sublobata. 47
5. Die hölieren Schichten des braunen Jura 51
ß. Paläontologischer Theil 57
Yergleichung des unteren Doggers von Lothringen mit demjenigen
Schwabens und anderer Länder 135
Tabellarische Uebersicht der Ablagerungen des Lias und unteren
Doggers in Lothringen, Luxemburg und dem Elsass 147
UebersichiBtabelle der fossilen Arten im unteren Dogger Lothringens. 151
Litteraturverzeichniss 155
Die Brachiopoden der Juraformation von Eisass-Lothrlngen
Ton Dr. Hippolyt Haas and Dr. Gamilie Petri. (Hit
achtzehn lithographirten Tafeln und drei Zinkographieen) :
Vorwort VII
LiUeraturverzeichniss XI
Seite.
RkvncheneUa 161
Tertbratula 244
WaUlieimia 268
Spirife7'ina 296
Orthoidea 303
Thecidium 304
Discina 304
Lingula 309
Nachtrag 314
Scblusswort 315
Register 317
Bin Beitrag zur Kenntniss des Elsässer Tertiärs tod
Dr. A. Andreae. (Mit zwölf iithographirten Tafeln, zwei
^Kartenskizzen nnd zehn Ziokographieen) :
[Aus Verseben wurde in diesem Hefte eine neue Paginirung angefangen.]
Vorwort 1
I. Der Buchsweiler-Kalk ui^d gleichalterlge Bildungen am
Oberrhein 3
Wichtigste Litteratur 5
1. Geologische Verhältnisse 5
2. Palaeontologische Verhältnisse.
A. Säugethiere 18
B. Mollusken 32
Allgemeiner Charakter der Buchsweiler Fauna und Schluss-
betrachtungen 57
Tabellarische üebersicht der Buchsweiler Gonchylien-Fauna. 62
U. Der Melanienkalk oder Brunnstatter-Kalk 63
Wichtigste Litteratur 66
Allgemeiner geologischer Ueberblick 66
Flora von Niederspechbach 71
1. Wirbelthiere des Melanienkalkes 73
2. Conchylien des Melanienkalkes.* 74
Allgemeine Bemerkungen über den Melanienkalk . . 87
Tabelle: Vergleichende üebersicht der Genera des
Melanienkalkes und des Buchs weiler-Kalkes .... 92
* Seite.
in. Das OJigocän im Elsass 93
Wichtigste Litteralur 95
Allgemeines aber die Oligocänschicbten im Elsass 99
I. Das oligocJine Petrolgebiet im Unter-Elsass in der Ge-
gend von Sulz u. d. Wald 105
A. Bilumenführende Schicblen von Lobsann 106
B. Bitumenführende Schiebten von Pecbelbronn. ... 126
G. Petroleumsandführende Oligocänschicbten von
Schwabweiler 150
II. Das Petroleumgebiet von Hirzbach im Ober-Elsass . . 165
Theorien über die Entstehung des Erdöls im Elsass 169
III. Meeressand im Elsass und in der Oberrheinebene. . . 173
IV. Der Septarienthon im Ünter-Elsass 187
V. Mergel mit Oürta callifera und reicher Foraminiferen-
fauna im Ober-Elsass zwischen Gebweiler und Sent*
heim 226
VI. Die Amphisyle- Schichten im Elsass und am Oberrhein. 241
Wichtigste Litteralur über die Amphisyle-Schichten im
Allgemeinen 241
Geologische Verhältnisse und geographische Verbrei-
tung der Fischschiefer 243
Blättersandstein von Habsheim mit Melelta-Schuppen. 264
VIL Das Oberoligocän im Elsass und in der Oberrheinebene. 267
VIIL Oligocflne Gonglomerate und Küstenbildungen im Elsass. 291
Tabellarische Uebersicht der Tertiärschichten im Elsass. 313
IV. Die Miocänschichten im Oberrhemlhale 315
Nachtrag 322
ABHANDLUNGEN
ZUR
GEOLOGISCHEN SPEZIALKARTE
VON
ELSASS-LOTHRINGEN
Band H. — Heft I.
STRASSBURe,
DRUCK UND VERLAG VON R. SCHULTZ k C"
(Bergsr-Lbvbault's Nachfolger).
1879.
DER
UNTERE DOGGER
DEUTSCH-LOTHRINGENS
VON
Dr. W. BRANCO.
Mit lO litliographirten Tafeln.
^^0^^^^*^^0^^*0*^m^*0*^t^^0^0*0^0^0^^^ß^0^ß^0^
STRASSBÜRG,
DRUCK UND VERLAG VON R. SCHULTZ Sc C«
(Bergbr-Levrault's Nachfolger).
1879.
Inhalt.
Btt!t6.
Einleitung 1
A. eMgoMÜioker TkiU.
I. Der Lias 9
II. Der Dogger 14
1. Die Schichten mit Harpoeeras striatulum:
a) Unterregion. Thone mit Astarte Voltzi und Cerith, armatum 14
b) Oberregion 17
Allgemeinem über die Scliichten mit Trig. navis und Harpoc.
Murchisona. — Das EisensteinTorkommen 20
2. Die Schichten mit Gryphcea ferruginea und Trig. navis :
a) ünterregion 32
b) Oberregion 39
3. Die Schichten mit Barpoceras Murchisona und Pholadamya
reticulata :
a) Unterregion 42
b) Oberregion 44
4. Die Schichten mit Barpoceras Sowerbyi und Gryphcea sublobata 47
5. Die höheren Schichten des brannen Jura 51
B. Paläontologiioktr Thiil.
Nautilus 57
Amaltheus 58
Lytoceras 62
Stephanoceras 66
Harpoceras.
1. Gruppe des Barp. radians 71
2. Gruppe des Barp. undulatum Stahl sp 82
3. Gruppe des Barp, comptum 88
4. Gruppe des Barp. Sowerbyi 92
Gruppe des Ammonites insignis 94
VI
Seite.
Belemnites 97
Ostrea 106
Grypbaea 107
Pecten HO
Lima 111
ATicola 113
Inoccramus 114
Modiola 115
Trigonia 115
Isocardia 124
Rhynchonella 127
Lingula 13t
Defrancia 131
Berenicea 132
Chondrites 133
Vi rgleiohnBg daa ontoron Doggen voii Lothringon mit demjt nigen Sokwabeiii
und andoror Ländor 135
Tabf llarisolio üeborsiolit der Ablagonuigeii dn Liai and nnteren Doggere in
Lothringeii, Luxemburg und dem Eleaes 147
üebereiebiBtabelle der foeiilen Arten im unteren Dogger Lothringern. ... 151
Litteratur-VorieiohniBi 155
Es ist eine oft heryorgehobene Thatsache, dass die auf der
Westseite der Vogesen ausstreichenden Schichten des grossen
anglo-gallischen Beckens sich dem allgemeinen Qesetze concen-
trischen Aufbaues fügen, so dass, wer vom Qebirge nach den
Niederungen der Seille und Mosel hinabsteigt, zunächst Trias-,
dann Lias-, zuletzt Doggerbildungen zu überschreiten hat.
So klar dies Verhältniss im Grossen und Ganzen ist, so
mannigfach sind die Abweichungen im Einzelnen und das Bild,
welches uns eine in grösserem Massstabe ausgeführte geologische
Spezial-Earte von Lothringen zeigt, weicht nicht unwesentlich
von demjenigen ab, welches uns auf einer Uebersichtskarte
des ganzen Pariser Beckens entgegentritt.
Auf zwei Momente lassen sich diese Unregelmässigkeiten zu-
rückführen. Zunächst verschoben sich die Schichten längs zahl-
reicher, hauptsächlich von Südwesten nach Nordosten, doch
auch in anderen Richtungen aufreissender Spalten. Dann waren
die Gewässer unablässig thätig, einzelne Parthieen von der
Hauptmasse einer Formation zu lösen, indem sie sich tief ein-
schneidende Abzugskanäle gruben.
Das in die Augen fallendste Resultat der Verwerfungen war
ein mehrfach gebrochener Verlauf der ursprünglich concentrisch
auf einander folgenden Begrenzungslinien der Formationen. Auch
die energischste Denudation war bis auf den heutigen Tag nicht
im Stande , so tief einspringende Winkel wie jene des Buntsand-
steins bei Lubeln zu verwischen , wohl aber konnte sie die einst
zusammenhängende Decke liasischer und jurassischer Ablage-
n. 1
rungen, deren äusserste Vorposten gegen Osten an den Quellen
der deutschen Nied liegen, in eine Anzahl oft durch beträchtliche
Abstände getrennte Schollen zerlegen. So ragen, um nur einige
der letzteren zu nennen, die Liasplateaus von Vahl-Ebersing ,
Einschweiler und Morville bei Vic ringsum frei über Keuper-
bildungen empor. Die jurassische C6te de Delme und der Berg
von Tincry sind durch Lias getrennt von dem Höhenzuge süd-
lich Comy, wie diesen wiederum die Mosel von den gleich-
altrigen Bildungen des gegenüberliegenden Ufers abschneidet.
Am tiefsten hat sich unter den Flüssen die Mosel ihr Bett
gegraben. Ihr fallen denn auch in Deutsch-Lothringen alle Ge-
wässer zu. Sie bespült auf ihrem Laufe von Pagny bis Sierck
nur Trias und Lias und der Dogger bleibt immer beträchtlich
über ihrem Spiegel. Berücksichtigt man aber die Lage alter
Uferränder auf dem Gehänge östlich Königsmachern , so sieht man
leicht ein, dass es einmal eine — geologisch gesprochen noch
gar nicht so lange hinter uns liegende — Zeit gab, wo die
Mosel in der Enge zwischen Pagny und Nov^ant noch aus-
schliesslich im Dogger floss. Jetzt hat sie sich hindurchgesägt bis
beinahe auf die Basis des mittleren Lias. Dieser letztere und
der obere Lias bilden zu beiden Seiten ein sanft ansteigendes
Gehänge, welches durch die steil abstürzenden Bänke des
Dogger gekrönt wird.
Gleich unterhalb des oben genannten engen Theiles des
Flusslaufes tritt eine auffallende Aenderung in der Beschaffenheit
des rechten Ufers ein. Indem die Jurabildungen verschwinden und
Lias, der mit seinen untersten Schichten nahe am Einfluss der
Seilte in die Mosel ansteht, allein herrscht, hat sich nach Osten
hin eine sanfte Böschung gebildet, welche in der Höhe des
Fort Goeben ihr Ende erreicht. Das von hier nach Peltre hin-
überziehende wellige Plateau hat eine Decke von mittlerem
Lias.
Das linke Ufer behält hingegen den Charakter, den es weiter
oberhalb hatte, noch bei, und steil steigt man nach den Alles
äberragenden Forts im Westen hinauf, deren Basis noch um
100 Meter höher liegt, als das jenseitige Plateau.
Unmittelbar unterhalb Metz wendet sich die Mosel etwas
nach Osten und unterspült fortwährend das Liasufer, so dass
dieses dem Charakter des Gesteins entgegen einen steilen Ab-
sturz bildet, ein Verhalten, welches an das bekannte B^B'sche
Gesetz erinnert. Dem nach Osten gerichteten Anprall des Was-
sers ist der schöne Aufschluss im mittleren Lias bei Malroy zu
danken.
Auf der anderen Seite des Flusses breitet sich eine bis
6 Kilometer breite Ebene aus, jenseits welcher sich der Dogger,
ganz wie bei Metz, steil erhebt. Erst bei Diedenhofen treten
auch auf dem linken Ufer Liasbildungen wieder näher an den
Fluss heran.
Den Gegenstand der vorliegenden Arbeit bilden die zusam-
menhängenden Doggerablagerungen des linken Moselufers, welche
die Köpfe ihrer Schichten dem Moselthal zukehren und auf der
Höhe des Plateaus sich weit nach Westen hin erstrecken, doch
nur in dem Umfang, als sie noch auf deutsches Gebiet fallen.
Auf dem rechten Ufer, nahe am Flusse, sind die Aufschlüsse
im Dogger mangelhaft. Die etwas entfernte gegen Osten lie-
gende Cöte de Dehne zu besuchen, erlaubte mir meine Zeit
nicht. Dass aber die dort entwickelten Verhältnisse die von
mir auf dem linken Ufer gewonnenen Anschauungen wohl be-
stätigen, nicht aber eine Aenderung derselben veranlassen
können, ergiebt sich aus mir freundlichst gemachten Mitthei-
lungen, deren ich weiter unten noch zu gedenken habe.
Als nächsten Zweck meiner Arbeit betrachtete ich eine mög-
lichst genaue Gliederung der Schichten des unteren eisenstein-
führenden Dogger und sorgfaltige kritische Zusammenstellung
der in denselben eingeschlossenen Fossilien. Die Schwierig-
keiten, die sich mir dabei in den Weg stellten, waren sehr viel
grösser, als ich anfangs vermuthet hatte. Die Aufischlüsse sind
nicht so schön, als man bei einem ersten Blick auf das viel-
fach geschnittene Terrain vermuthet; die Versteinerungen treten
nur an einzelnen Punkten häufiger und in guter Erhaltung auf,
meist sind sie innig mit dem harten Qesteine verwachsen und
eine einmal abgesuchte Lokalität bietet bei erneuertem Besuche
nur selten etwas Brauchbares.
Nun ist allerdings schon früher in Metz viel gesammelt wor-
den, vor allem durch den unermüdlichen Tebquem. Doch nur
ein Theil des von ihm zusammengebrachten Materials befindet
sich noch in Metz und zwar in dem dortigen städtischen Mu-
seum, leider nicht immer mit Angaben des Vorkommens und
der Lagerung, die für den Zweck einer spezielleren paläonto-
logischen Gliederung die wünschenswerthe Genauigkeit besässen.
Eine von bewundernswerthem Eifer und Geschick zeugende
Sammlung besitzt Herr Abb6 Fbiben in Montigny bei Metz , die
freilich in erster Linie Vorkommnisse des Lias, weniger solche
des Dogger enthält. Doch konnte ich aus ihr mannigfache Be-
lehrung schöpfen.
So war ich denn wesentlich auf eigenes Sammeln angewiesen ,
wobei ich allerdings den Vortheil genoss, über Herkunft und
Lager eines jeden Stückes mir volle Gewissheit zu verschaffen.
Es liegt aber auf der Hand, dass so das von mir Gebotene
nicht entfernt den Anspruch auf Vollständigkeit machen kann.
Nur die Ueberzeugung, dass in den nächsten Jahren die Ver-
hältnisse sich nicht wesentlich günstiger gestalten werden, be-
weg mich, nicht länger zu warten und was mir bis jetzt bekannt
geworden ist, zu veröffentlichen.
Eine besondere Schwierigkeit erwuchs noch aus der Eigen-
artigkeit der Entwicklung des lothringischen Dogger. Wollte ich
dem den Verhältnissen ferner Stehenden verständlich werden, so
musste ich einen Vergleich mit anderen bekannteren Gebieten
versuchen , also etwa mit Württemberg oder mit England. Denn
die Eintheilungen, die L. v. Buch für das eine, Conybeabb und
PhiliiIps für das andre Land schufen, bilden doch noch immer
die Ausgangspunkte aller Gliederungen, erstere zumal wo es sich
um die Grenzbestimmung zwischen Lias und Dogger handelt.
Es wäre eine interessante und lohnende Aufgabe, den Ver-
gleich nach beiden Richtungen, sowohl nach Osten als nach
Westen hin, vollständig durchzuführen. Ein Besuch typischer
englischer Lokalitäten wäre dann aber vor allem erforderlich
gewesen, und dazu war mir leider die Möglichkeit nicht ge-
geben. So zog ich es denn vor, mich an die schwäbischen Ver-
hältnisse anzulehnen, die ja schon oft als Basis für ähnliche
Versuche benutzt worden sind, so dass ich den Boden in dieser
Hinsicht gewissermassen geebnet fand. Ich möchte aber schon hier
ausdrücklich hervorheben , dass ich nicht etwa die Ansicht ge-
wonnen habe, als sei der lothringische Dogger dem schwäbischen
besonders ähnlich entwickelt. Es scheinen im Gegentheil Be-
ziehungen verschiedenster Art zu dem englischen zu bestehen,
wie ich weiter unten gelegentlich andeuten werde. Aber mit
gutem Bedachte beschränkte ich mich auf das wenige unten
gesagte, um nicht Beobachtetes mit Vermuthetem zu vermengen.
Sollte es mir für jetzt nur gelungen sein, Anderen für umfas-
sendere Untersuchungen durch eine verständliche Darstellung
der lothringischen Verhältnisse das Material geliefert zu haben,
so würde ich das mir vorschwebende Ziel als erreicht ansehen.
Die erste Anregung zu meiner Arbeit ging von Herrn Pro-
fessor Bbnecks in Strassburg aus, dem ich mich für mannig-
fache Belehrung und Unterstützung zu aufrichtigem Dank ver-
pflichtet fühle. Auf seinen Bath siedelte ich vor Abschluss meiner
paläontologischen Untersuchungen nach München über, um die
6
dort befindlichen reichen Sammlungen zum Vergleich zu 8tu-
diren. Ich erfreute mich der zuvorkommendsten Aufnahme des
Herrn Professor Zittel, der mir mit bekannter Liberalit&t den
Zutritt zu den seiner Obhut anvertrauten Schätzen gestattete.
In liebenswürdigster und uneigennützigster Weise förderte auch
Herr von Sutneb, der ausgezeichnete Kenner fossiler Cephalo-
poden, meine Zwecke.
Ich erfülle schliesslich eine angenehme Pflicht, indem ich
den Herren meinen Dank öffentlich ausspreche , die mir im Reichs-
lande nach den verschiedensten Richtungen ihre Hülfe ange-
deihen Hessen : Herrn Professor Schimpeb und Herrn Oberberg-
rath von Roenne in Strassburg; Herrn Bergmeister Gilbebt,
Herrn Abb^ Fbibek, Herrn Major von Roehl und Herrn Pro-
fessor Fbidebici in Metz; Herrn Bergwerksdirektor Gebbebt
in Hayingen; Herrn Hauptmann LESSBEsa in Esch, sowie den
zahlreichen Herren Bergwerksbeamten im ganzen Lande.
A. GEOGNOSTISCHER THEIL.
I. DerLias.
Der obere Eeuper Lothringens scUiesst über dem Bhätischen
Sandstein (gr^s infiraliasique französischer Autoren) mit wenige
Meter mächtigen, meist rothen Thonen ab, welche durch ihre
Verbreitung sowohl in Luxemburg als auch in den angrenzenden
französischen Departements und im Elsass eine mehr als lokale
Bedeutung beanspruchen dürfen. Der Umstand, dass Kalke mit
Äeg. planorhis erst über diesen . Thonen folgen, lässt es in
Uebereinstimmung mit unseren deutschen Verhältnissen zweck-
mässig erscheinen, sie noch zum Keuper zu stellen und nicht,
wie z. B. Jagquot es thut, als untersten Lias zu betrachten^**.
Der Lias gliedert sich, trotz mancher lokaler Eigenthümlich-
keiteui doch ungezwungen in die, in anderen Gebieten ziemlich
1. Yergl. E. W. Benecke, Ueber die Trias pp. In Abhandlungen z. geolog.
8pez.-Karte tod Elsass-Lothringen, Bd. I, Heft lY. Strassbuig 1877. S. 621, 655-657,
661, 694.
2. Im Allgemeinen tritt das Rhät erst in einer gewissen Entfernung Ton
dem rechten Moselufer za Tage. In Folge einer Verwerfung Jedoch Iftsst sich das-
selbe auch in der nächsten Umgebung Ton Metz beobachten. (Yergl. die Proflltafel.)
Die Aufschlüsse liegen bei dem Dorfe Yalliöres (N.-O. Ton Metz) auf dem rechten
Ufer des dortigen kleinen Baches, ziemlich nahe der Thalsohle, hinter dem dor-
tigen Kalkofen und in einer Grube eines mehr östlich gelegenen Weinberges. Der
hellgerärbte Sandstein steht deutlich an, während die überlagernden Thone wegen
des Weinbergsbetriebes nicht gut zu sehen sind; oben auf demselben Thalgehänge
wird der Arietenkalk gebrochen.
10
allgemein aDgenommenen drei Abtheilungen , eine untere, mitt-
lere und obere.
Den unteren Lias eröffnen wenig mächtige Kalkbänke mit
Aeg. planorbis und angulatum, auf welche ein ausgedehntes
System von Kalken und Thonen mit Gryphtea arcuaia und Am-
moniten aus der Familie der Arieten folgt, welches in Thon«
schichten mit Bekmnites acutus seinen Abschluss findet'. Wir
haben hier also das vollständige Aequivalent des QuEMSTEDT^schen
Lias OL vor uns, ja sogar die OppEL'schen Zonen lassen sich
trennen. Um so auffallender ist es, dass die mächtigen und an
Versteinerungen reichen Thone, welche in Schwaben die obere
Hälfte des unteren Lias bilden (ß Quekstedt's) , uns in Loth-
ringen fehlen, oder doch nur durch fossilarme sandige Thone
repräsentirt werden*.
Der mittlere Lias beginnt nun ohne scharfe Grenze in den
genannten Thonen, in deren Oberregion sich einige Bänke
blaugrauen, braun verwitterten Kalkes einstellen, die neben
einer Menge anderer Formen besonders Gtyphea ohliqua und
Aeg. Davcei einschliessen (calcaire ocreux)'.
1. Aufschlüsse in der Nähe Ton Metz : Die grossen Steinbrüche bei Gri-
mont (östlich von Fort Manteuffel) und bei Grigy (östlich Yon Fort Göben). In
Letzterem lassen sich — in dem Theile, welcher östlich der Strasse Grigy-Bomy
liegt — sehr gnt die oberen Schichten mit Bei, actUus beobachten, welche dann
weiter westlich, am Ufer der Seille, abermals zu Tage treten. — Während der
unterste Lias im S. Lothringens auf dem rechten Moselufer ansteht, tritt er im
nördlichen Theile des Landes, weil sich die Mosel dort nach N.-W. wendet, auch
auf das linke Ufer hinüber. Hier gibt er, als Sandstein entwickelt, Veranlassung zu
dem grossen Steinbruchsbetriebe Yon Gross-Hettingen. Aegoceras angulatum ist
daselbst nicht selten.
2. T£RQUEM citirt keine Versteinerung aus diesen Schichten. Vergl. Paläon-
tologie dela Moselle, S. 15. Doch liegt im städtischen Museum in Metz ein Belemnit,
der hierher gehört.
3. Aufschlüsse: Auf den Aeckern hart an der südwestlichen Spitze Yon
Fort Goeben bei Metz. In der Umgegend von Peltre.
11
Das nächste mächtige Glied wird von blauen, auffallend
blättrigen Thonen (marnes feuillet^es) , mit zahlreichen, doch
vereinzelt vorkommenden Fossilien gebildet. Dieselben enthalten
in den oberen Schichten im frischen Zustande blaue, bei der
Verwitterung ockergelb werdende Concretionen mit concentrisch
schaliger Absonderung, die sogen, ovoides ferrugineux (daher
marnes k ovoides), und über diesen liegen ganz aus Muscheln
bestehende Knollen. Am. margaritaius bezeichnet sowohl die
Thone, als auch die in demselben vorkommenden Knollen ^ Inte-
ressant ist das Vorkommen des Atüacocertis elongaium Dsla-
BECKS sp. und der Orthoidea liasina Fbibbn, durch welche Letz-
tere die Zahl der sich bis in den Lias hineinziehenden Genera
von paläozoischem Habitus vermehrt wird*.
Den Schluss des mittleren Lias endlich machen sandig kalkige
Bänke (gres m^dioUasique mit Plicat spinosa und Am. spinatus)
aus, mit und über welchen nochmals Knollen einer lumachelle
folgen, unter deren Einschlössen wiederum die eben genannten
Fossilien zu den häufigsten gehören '-^
Der obere Lias lässt sich in Lothringen genau ebenso ab-
grenzen wie in Schwaben, wenn man auf einige weit verbreitete
Versteinerungen ein besonderes Gewicht legen will. Andere
Fossilien jedoch, insbesondere Ammoniten, lassen eine grosse
Verwandtschaft mit dem unteren Dogger erkennen, ein Ver-
1. Aufschlüsse : Am östlichen Gehänge der Mosel bei Malroy und Illingen
(nördlich Ton Metz); bei Fey (südlich Yon Metz). Im Thale ?on Elingen.
2. fioU. Soc. bist. nat. de Metz, Bd. 14, Tf. I u. II.
3. Die Knollen mit Am. margaritaius und jene mit Am, spinahis sind in
den bisherigen Lokalbeschreibnngen oft zusammeiogeworfen worden.
4. Aufschlüsse: Oberhalb Voisage (südlich Ton Metz); an der Strasse
Ton st. Julien bei Metz nach Ghailly, da wo sie an der östlichen Seite des Fort
Manteuffel Torbeigeht; am westlichen Thalgehänge Ton Elingen, östl. Ton BcBTingen
und Entringen (bei Diedenhofen) und Tielfach zwischen der Eisenbahn Metz-Saar-
borg und der südlichen Landesgrenze, westlich einer Linie Ton RemiUy nach
Ghäteau-Salins.
12
hältniss, auf welches unten noch wiederholt hingewiesen werden
wird. Aber auch die petrographische Beschaffenheit der beiden
Formationen hat in der Nähe der hier angenommenen Grenze
zwischen Lias und Dogger so viel Aehnlichkeit, dass es begreif*
lieh erscheint, wenn die französischen Autoren anders eintheilten
und den Lias beträchtlich höher hinaufgehen liessen.
An der Basis des oberen Lias liegen die Posidonomyen-
Schichten (mames bitumineuses), zwar nur wenig mächtig, aber
doch in derselben Beschaffenheit entwickelt, welche diese Schichten
ausserhalb der Alpen zu einem so ausgezeichneten Horizonte
stempelt. Auf denselben ruht ein System schwarzer Thone, in
welchen sich Schichten oder häufiger nur grosse EUipsoide von
Kalk ausscheiden (calcaire noduleuz), welche dieselben Verstei-
nerungen in gutem Erhaltungszustande enthalten, die sich in den
bituminösen Schiefern flach gedrückt finden. Schiefer und Thone
mit den eingelagerten Kalken bilden, wie es scheint, ein palä-
ontologisch zusammengehöriges Ganze, welches den Lias • reprä-
sentirt. Im Norden Lothringens gesellt sich zu diesen zwei Gliedern
noch ein drittes, jene überlagerndes, gebildet durch einen san-
digen, gelben Kalk oder Mergel (calcaire grfoeux), welcher im
südlichen Theile des Landes nicht zur Ausbildung gelangt zu
sein scheint. Auch die Zugehörigkeit dieser Schichten noch zum
Lias • geht aus ihren organischen Einschlüssen hervor. Dass
sich eine speziellere paläontologische Gliederung des Lias • in
Lothringen nicht durchführen lassen wird, ist bereits von Oppel,
auf Grund der TEBQüSM'schen Versteinerungslisten, sehr wahr-
scheinlich gemacht worden'*'.
lieber dem Lias • setzen sich nun die dunklen Thone weiter
1. Oppel, Jura, S. 212.
2. Aufschlüsse: Dieselben, welche bei den Schichten mit Astarte VoUzi
und Cerithium armatum weiter nnten erwähnt werden. Die obersten sandigen
Mergel stehen auf den Aeckern Ostlich von Elingen an.
13
fort, enthalten aber neben einigen durchgehenden, auch eine
Anzahl neu auftretender Versteinerungen, jedenfalls eine andere
Association von Formen und andere Verhaltnisse der Häufigkeit.
An gewissen Orten sind die Schalen der Muscheln weiss, und
es giebt Stellen, wo in Folge der massenhaften Anhäufung der
Letzteren der Thon grau wird. Wie ein helles Band zieht sich
dieser Horizont dann über die frisch gepflügten Aecker. Die
besten und reichsten Aufschlüsse findet man in den Umgebungen
der Cdte de Delme, gegenüber dem Dorfe Juville*. Auch die
oft erwähnten Punkte bei Elingen unter dem Berge St Michel
zeigen die Aufeinanderfolge der Schichten; doch ist hier wegen
der häufig vorkommenden Butschungen der verschiedenen Hori-
zonten angehörigen Knollen Vorsicht geboten. Die relative
Häufigkeit von Harp. bifrons hat diesem letzten liasischen Hori-
zont Lothringens, den wir als Aequivalent der schwäbischen
Jurensis-Mergel ansehen dürfen, seinen Namen verschafft (zöne
k Am. bifrons.) Durchaus nicht überall sind die Versteinerungen
so häufig als bei dem genannten Dorfe JuviUe; oft genug muss
man in den Thonen lange suchen, um einen vereinzelten Harp.
sMaUdum, Belemn. acuarias oder irregtdaris zu finden. Beson-
ders gilt dies von Hatp. bifrons ^ welcher in Lothringen —
abgesehen von den Umgebungen des Dorfes Juville — ein
äusserst seltenes Fossil zu sein scheint
Mitten in den gleichartig bleibenden Thonen gewährt uns
nun, etwas höher, das Auftreten sparsamer Exemplare von
Asiarte VolUi und Ceriihium armaium einen sicheren Anhalts-
punkt Mit diesen Repräsentanten der schwäbischen Torulosus-
Schichten beginnen wir den Dogger.
1. Diese Angabe über die Cöte de Delme und die auf der Proflltafel mitge-
theilte Schichtenfolge yerdanlce ich einer gQtigen Mittheilung des Hm. D' Stbin-
UAxn, welcher dieselbe bei Gelegenheit der geognostischen Kartirong genauer
untersuchte.
14
IL Der Dogger.
1. Die Sehichten mit Harpoceras strüshjUum.
a) Unterregion : Thone mit Astarie Voltzi und Cerithium armatum^
(Oppel's Zone des Amm, tondosua,)
Genau wie in Norddeutschland, Franken und Schwaben, im
Elsass und in Baden, in der nordwestlichen Schweiz und dem
südlichen und östlichen Frankreich, bestehen auch in Lothringen
und Luxemburg die Schichten, welche die mit Ästarte Voltzi
vergesellschaftete Fauna einschliessen, aus einem dunklen Thone ;
sie zeigen also, wenn man sich des OppEL'schen Ausdruckes
bedienen will, in ihrer petrographischen Entwickelung den deut-
schen Typus. Hie und da finden sich eingesprengte Erystalle
von Gyps und kalkhaltige Knollen in diesem Thone, bei dem
übrigens sehr häufig ein wenig Glimmer und Sand eine magerere
Beschaffenheit und etwas hellere Färbung hervorrufen, wie sie
im Allgemeinen den liegenden Thonen gar nicht, den hangenden
nur in ihrem oberen Niveau zukommen.
An einem Punkte in der Nähe von Metz war das Vorkommen
dieser Schicht bereits seit längerer Zeit bekannte Für den
weiteren Nachweis derselben aber waren ihre minimale Mächtig-
keit, die Armuth an Individuen der in ihr begrabenen Fauna,
sowie der Umstand, dass sie sich petrographisch doch nur wenig
von den hangenden und liegenden Thonen unterscheidet, er-
schwerende Momente. Es gelang mir daher nicht, dieselbe —
1. Jacquot, Description g6ol. et minöral. du d6p. de la Hoselle, S. 241. —
Frioerici, Apercu g^ologiqne du d^p. de la MoseUe. Hetz 1862, S. 85.
15
80 ZU sagen — Schritt für Schritt zu verfolgen. Doch konnte
ich mich von ihrem Vorhandensein an einer Beihe von Punkten
überzeugen, welche an der äussersten S. Grenze Lothringens
beginnend sich nach N. bis hart an das Luxemburgische Gebiet
ziehend Es ist damit wohl der genügende Nachweis geliefert,
dass die in Bede stehende Fauna durch ganz Lothringen einen
durchgreifenden Horizont bezeichnet.
Die in demselben liegenden Versteinerungen sind meist
charakterisirt durch die vollkommene Art ihrer Erhaltung mit
unversehrten Schaalen, wie dies ja auch an vielen anderen Orten
in diesen Schichten der Fall ist.
• Ich führe im Nachfolgenden ihr Verzeichniss auf*:
H. H. Harpoceras siriatülum Sow. sp. üeberall.
S. S. „ sp. (S. 81, Taf. I, Fig. 6). Voisage.
S. S. Stephanoceras n. sp. (S. 66, Taf. I, Fig. 5). Voisage.
H. Belemnites (icuarius Schlth. Voisage, Scj, Boevingen,
Oetringen, Esch.
H. BeUmniies irregularis Schlth. Voisage, Scy, Boevingen,
Oetringen, Esch, Moulins.
Z. H. Belemnites subdavatus Voltz. Voisage, Scy, Oetringen,
Juville, Delme.
Z. S. CerUhium armaium Gldf. Voisage, Bcevingen.
S. Turbo duplicaius Gldf. Voisage, Bcevingen.
S. S. Dentalium elongatum Mnbt. Oetringen.
Z. H. Mytilus gryphoides Qüknst. Oetringen, Voisage.
S. S. Area cf. liasiana B(eh. Oetringen.
1. Aufschlüsse: 1) Zwischen Corny und Voisage; 2) im Mance-Thale bei
Ars; 3) bei Moulins am Wasserthurme; 4) hart unterhalb Ghazelles bei Metz;
5) bei BoeTingen am Berge St. Michel; 6) bei Oetringen am Wege nach Escheringen ;
7) am Wege tou Esch nach Audun-Ie-Tiche.
2. Es bedeuten H. H. = sehr häufig; H. = häufig; Z. H. = xiemlich häufig ;
S. S. = sehr selten; S. = selten; Z. S. = liemlich selten.
1. Wenn ich hierund später am Schlosse der Tabellen Leitfossilien beifUgre,
so beziehen sich dieselben stets nur auf das untersuchte Gebiet. Der Werth der-
selben kann aber — wie in jedem nicht ganz uniform ausgebildeten grosseren
Gebiete — häufig ein problematischer sein, indem beispielsweise eine im N. des
Landes häufige Form im S. desselben selten ist oder ganz fehlt
16
Z. S. Nucula Hausmanni Bosif. Deberall.
S. Leda daoifarmis Sow. sp. Esch.
Z. S. Drigonia pulcheüa Aa. Esch, Yoisage, Bcevingen, Delme.
H. Astarte VoUei Hobk., Oetringen, Yoisage, Bcevingen, Delme.
S. S. Discina sp. Oetringen.
S. S. Erebsscheere. Oetringen.
Z. S. Thecocyaihus mactra Gldf. sp. Oetringen, Yoisage.
18 Ari;en.
Leitfossilien': HarpocercLS striatulumy Bei. irregularis
und ctcuariuSy Astarte Volizi^ Trig. pulcheüaj Nucula Hausmanni.
Yon den aufgeführten 18 Arten gehört etwa die Hälfte
einer so charakteristischen Fauna an, dass über die Berechü- i
gung, diese Thone mit der schwäbischen Torulosus-Schicht im
Allgemeinen zu parallelisiren , kaum ein Zweifel sein dürfte.
Wenn wir aber die übrigen Spezies in Betracht ziehen, so tritt
uns in einem Theile derselben {Harp. striatulum^ Bd. acuarius
und irregularis) ein zwar kleiner, aber doch sehr bezeichnender '
Formencomplex entgegen, den wir in Schwaben und an vielen
anderen Orten nur in tieferer Lage zu sehen gewöhnt sind.
Diese eigenthümliche Association von Formen, dieses Hinauf-
greifen von Spezies, welche nach Oppel nur dem Lias in
höheren Schichten angehören, betrifft übrigens diese Schichten
nicht allein. Denn auch in dei^enigen mit Trig. navis finden
wir Arten von — nach schwäbischen BegrüBTen — echt liasi-
. schem Typus. Es sind dies Umstände, welche eine vollständige
Identifizirung der einzelnen Abtheilungen des Doggers in Loth-
17
ringen mit den OppEL*schen Zonen und eine Bezeichnung der-
selben mit den von Oppbl gegebenen Namen, als unthunlich
erscheinen liessen.
Hervorzuheben ist ferner, dass Lyt. torulosum in Lothringen
— wie auch in Luxemburg — gänzlich zu fehlen scheint; weder
Tbbquem noch Chapuis und Dewalqüe zitiren die Form. Auch
Harp. opcdinumi eine Art, die sich sonst nicht selten bereits
in der Zone des Lyt. torulosum zeigt, dürfte in den hier be-
sprochenen Schichten Lothringens noch nicht vqrhanden sein.
b) Oberregion: Thone. (? Quenstedt'b und Ofpel's obere
fossilarme Thone der Schichten mit Amm, tomlosus, ? Zone
des Amm. concaviu französ. Autoren ^)
Ueber den wenig mächtigen Schichten, welche die eben
besprochene Fauna einschliessen , geht die Thonablagerung an-
fangs ununterbrochen weiter fort. Li den höheren Lagen jedoch
pflegen sich dem dunklen Thone Glimmer und Sand beizu-
mengen, welcher Letztere schliesslich derartig überwiegt, dass
eine Sandsteinbildung an die Stelle der Thonablagerung tritt,
die jedoch nach ihrer Fauna bereits in die Zone der Trig.
navis zu stellen ist. Wir haben es hier also nur noch mit
Thonen zu thun , deren Mächtigkeit aber diejenige der Unter-
region ganz bedeutend überwiegt.
Die von mir in diesen Schichten gefundenen Versteinerungen
sind die folgenden:
H. H. Harpoceras striatulum Sow. sp. Ueberall.
Z. S. BeUmniies irregularis Schloth. Voisage, Boevingen, Scy.
S. „ suhclavatus Yoltz. Voisage.
S. „ Rhenanus Oppel. Oetringen.
S. „ acuarius Schloth. Boevingen, Voisage.
1. Aufschlüsse: Dieselben wie bei der ünterregion.
18
Z. S. Nucula Hausmanni Rcem. Ueberall.
S. S. Leda claviformis Sow. sp. Voisage. Esch.
7 Arten.
Leitfossil: Harpoceras striatulum.
Wie das kurze Yerzeichniss zeigt, ist die Fauna dieser
Schichten eine im höchsten Grade monotone. Sie ist scharf
charakterisirt durch ein negatives Kennzeichen. Es fehlen ihr
diejenigen Formen, welche von Oppel als allgemein leitend für
seine Zone des Lyt torulosum angegeben werden, fast gänzlich.
Von den Gastropoden der Unterregion zeigt sich keine Spur
mehr, von den Bivalven treten uns nur noch vereinzelte Exem-
plare entgegen. An Stelle der gemischten Fauna der Unter-
region hat sich eine fast reine Cephalopoden-Fauna angesiedelt,
die allerdings artenarm ist, deren wesentlichster Vertreter jedoch,
Harp. striatulum, stellenweise einen überraschenden Reichthum
an Individuen aufweist. Als eine bezeichnende Eigenthümlichkeit
kommt der Erhaltungszustand dieses Ammoniten hinzu. Selten
findet sich nämlich ein ganzes Exemplar, überall fast nur aus-
gefüllte Wohnkammern und flachgedrückte Dunstkammern.
Wenn ich nun bisher betonte, dass die Trennung in eine
Unter- und Oberregion nach der Fauna durchführbar ist, so
tritt doch auch auf der andern Seite der genetische Zusammen-
hang beider Faunen deutlich hervor, so dass Beide zu einem
Ganzen vereinigt werden müssen. Der Oberregion gehören fast
nur solche Arten an, welche in der Unterregion bereits existirten;
jedoch ist es nur ein Theil der Fauna der Letzteren, welcher
in die Oberregion übergeht. Ausserdem hat in diese keine
bemerkenswerthe Einwanderung neuer Formen Statt gefunden;
denn von der später folgenden reichen Fauna der Schichten
mit Trig, navis sind es nur Belemn. compressus und subclavatus,
welche als Vorläufer bereits in der Oberregion der Schichten
mit Astarte Voltzi auftreten.
19
Aus Alledem folgt, dass in Lothringen die £nt Wickelung
der Fauna dieser Zone ihren eigenen Weg gegangen ist. Sie
fügt sich nur den grossen Zügen des von Oppel aufgestellten
Schemas an. Die Unterregion passt mit einem Theile ihrer
Fauna völlig in den Rahmen der OppEL'schen Zone des Lyt.
torulosum. Die Oberregion dagegen ist eine abweichende, aber
— wie gleich zu erörtern — wahrscheinlich nicht blos Lothringen
und Luxemburg eigenthümliche Bildung. Beiden Regionen gemein-
sam ist die höchst charakteristische Eigenthümlichkeit, dass von
ihrer kleinen Fauna die meisten Cephalopoden solchen Formen
angehören, welche in Schwaben und vielen anderen Gegenden
um diese Zeitperiode bereits längst verschwunden sind.
Es wird bisweilen von französischen Autoren, in Lothringen
speziell von Jaoquot, eine Zone des Ämm. concavus aufge-
stellt, welche über den Schichten mit Asiarte Volizi und unter
denjenigen mit Trig. navis liegt. Wahrscheinlich ist diese Zone
ident mit meiner Oberregion. Auch dürfte in Lothringen ein
dem Harp. concavum ähnUcher Ammonit in derselben vorkom-
men; er scheint jedoch so überaus selten zu sein, dass sein
Name bei Benennung dieser Schichten gegenüber demjenigen
des massenhaft auftretenden Harp. striatulum nicht in Betracht
kommen konnte. Herr Professor Benecke fand bei Bcevingen,
wie ich einer kürzlich erhaltenen gütigen Mittheilung ent-
nehme, in dieser Oberregion einen Harp. concavum ähnlichen
Ammoniten; ich selber sammelte früher dort ebenfalls ein ähn-
liches Exemplar, dessen Lager mir damals indess zweifelhaft
blieb.
Es scheint also, dass nicht nur in Lothringen und Luxem-
burg, sondern auch in manchen Gegenden Frankreichs eine
Zwischenbildung zwischen den Schichten mit Ast. Voltzi und
denen mit Trig. navis existirt, welche sich paläontologisch ge-
nügend charakterisiren lässt. Für Schwaben haben Qüenstedt
20
und Oppel ebenfalls auf eine Thonbildung hingewiesen, die über
der eigentlichen Zone des Lyt tortdosum liegt und wegen ihrer
Armuth an Fossilien mit derselben vereinigt wurde.
AllgremeineB Aber die Sohlohten mit Trig, navis und Härpoeeras
MurchisancB. •— Das EiseiuteiiiTorkommeD«
Das System der Eisenerz fährenden Schichten Lothringens
bildet in petrographischer Beziehung ein zusammengehöriges
Ganze , welches sich jedoch paläontologisch in verschiedene Ab-
theilungen gliedern lässt. Bevor dieselben einzeln betrachtet
werden, mögen hier erst einige allgemeine Bemerkungen über
diesen Schichtenkomplex ihre Stelle finden. Auf die im Vorher-
gehenden besprochene Thonablagerung folgt eine Sandstein-
biidung, über welcher das Eisenerz liegt, und dieses wiederum
wird überlagert von heller oder dunkler gefärbten Mergeln,
welche nach oben ihren Abschluss finden in den Ealkgesteinen
der Schichten mit Harp. Sowerhyi, Die einzelnen Glieder die-
ses ansehnlichen Schichtensystemes sind an verscliiedenen Orten
in wechselnder Mächtigkeit ausgebildet und können theilweise
einander vertreten. So ist z. B. bei Ars und Gorze der Sand-
stein unter dem Eisenerze stark reduzirt. Seine Stelle wird
durch dunkle Thone in der Weise eingenommen, dass sich die
Thonablagerung, welche auf den vorhergehenden Seiten geschil-
dert wurde, in wenig veränderter petrographischer Beschafifenheit
noch weiter nach oben fortsetzt. Auch an der sogenannten Cöte
de Delme, auf dem rechten Moselufer, ist das der Fall; denn
! hier wie dort beweisen die in dem obersten Thone auftretenden
■Versteinerungen, dass man sich bereits in den Schichten mit
, Trig. navis befindet. Diese Verhältnisse gelten aber nur für das
südliche Lothringen, im Norden des Landes gehören selbst die
obersten Thone noch den Schichten mit Harp. siriaiulum an,
und die Schichten mit lüg, navis beginnen erst mit dem Sand-
21
steine. Eine weitere Stellvertretung findet bei dem Eisenerze
Statt. Dasselbe kann gänzlich fehlen oder eine grössere oder
geringere Mächtigkeit besitzen und wird in diesen Fällen durch
Sandsteine ersetzt. Ebenso ist die Stärke der Mergelablagerung,
welche über dem Eisenerze liegt, eine wechselnde; nirgends
jedoch scheint dieselbe gänzlich verdrängt zu sein. Die Mächtig-
keit dieses gesammten Schichtensystemes nimmt von N. nach S.
ab. Was die paläontologische Stellung dieses Gesteinscomplexes
anbetrifft, so repräsentirt er im Allgemeinen die OppEL'schen
Zonen der Trig, navis und des Harp. Murchisonae. Ersterer
gehören der Sandstein (resp. auch die obersten Thone) und ein
Theil des Eisenerzes an, letzterer die höheren Schichten des
Erzes und die Mergel über demselben. Es rouss aber ausdrück-
lich hervorgehoben werden, dass sich zwar im Allgemeinen ein
Vergleich mit den genannten zwei Zonen ziehen lässt, dass
jedoch eine völlige Uebereinstimmung hier ebensowenig statt-
findet, wie dies zwischen den Schichten mit Harp. striaMum
und der OppEL'schen Zone des Lyt. torulosum der Fall ist. Es
hat sich in demjenigen Theile des Jurameeres, dessen Schichten
im heutigen Lothringen anstehen, die Fauna in einer Weise
entwickelt, die sich nur ungefähr dem von Oppel aufgestellten
Schema anpassen lässt, ein Umstand, in Folge dessen, wie
schon gesagt, die Bezeichnung der einzelnen Glieder mit den
OppEL'schen Zonennamen nicht statthaft erschien. Bevor ich
mich nun zur Besprechung des Lothringischen Eisensteinvor-
kommens wende, möchte ich kurz die Verhältnisse derjenigen
Erzablagerungen auseinandersetzen, welche im Lias und unteren
Dogger des östlichen Frankreich auftreten.
Auf einer ungefähren Längserstreckung von 4 Breitengraden
zieht sich durch das östliche Frankreich und durch Lothringen
bis nach Luxemburg hinein ein oolithisches Eisensteinvorkommen,
welches im S. nur in Gestalt vereinzelter kleinerer Inseln auf-
22
tritt, im N. jedoch als ein ausgedehntes Lager erscheint. Ganz
im S. liegt zuerst das Eisen bei Avelas (Ardiche). Dann treffen
wir die bekannten Vorkommen von La Verpilliäre S.-O. von
Lyon. Weiter nach N. zeigen sich ähnliche Erzlager bei Autun ,
im Departement der Saöne-et-Loire und in der Haute-Saöne.
An dieses reihen sich, noch weiter nördlich, die zahlreichen
Eisensteinablagerungen im Departement der Haute-Marne, wie
z. B. die von Dampierre bei Langres, von Bussiere-les-Bel-
mont bei Cuves. Im weiteren nördlichen Verlaufe treffen wir
ferner isolirte Vorkommen von Eisenstein bei Nancy und auf
diese folgt — durch das ganze Land einen beinahe ununter-
brochenen Horizont bildend — das grosse Erzlager Lothringens,
welches fast die Länge eines Breitengrades erreicht, ohne je-
doch überall abbauwürdig zu sein.
An alle diese im 0. auftretenden Eisenerze schliessen sich
die im S. und 0. des französischen Gentralplateaus liegenden
Vorkommen in den Departements Aveyron, Lot, Lot-et-6aronne,
Tarn, Tam-et-6aronne und Charente-Inf^rieure an.
Prüft man die genannten Erzablagerungen mittelst der in
ihnen vorkommenden Versteinerungen auf ihre paläontologische
Aequivalenz, so stellt sich das in der tabellarischen Uebersicht
(S. 24 u. 25) dargestellte Resultat heraus.
Das Resultat dieser Tabelle ist, dass ganz im S. das
Eisenerz nur im Lias auftritt, dass es weiter nördlich noch in
demselben beginnt, aber schon in den Dogger hinaufgeht, und
dass es schliesslich ganz im N. nur im Dogger vorkommt.
Betrachten wir jetzt das lothringische Eisensteinlager
etwas näher.
Im S. des Landes beginnend, zieht sich das Erz in fast S.-N.
Richtung durch ganz Lothringen bis Diedenhofen — wo sich
der Muss nach N.-O. wendet — parallel der Mosel laufend. In
horizontaler Ausdehnung ist die Breite der Erzablagerung weit
23
geringer als die Länge; denn von der Mosel nach W. zu ver-
schwindet bald jede Spur des Erzes. Ein Umstand, aus welchem
Meuoy* die etwas eigenthümliche Folgerung zieht, dass sich
durch Senkung ein von S. nach N. langgezogenes, schmales
Becken gebildet habe , auf dessen Boden sich bereits der ganze
Lias und mit späteren Schichten auch diese Erze abgelagert
hätten. Während dieser Zeit soll in der Richtung der Queraxe
dieses Beckens, also von 0. nach W., ein stetes Auf- und
Äbschaukeln des Bodens stattgefunden haben, welche Annahme
Meugy auf die Beobachtung gründet, dass sich die fibereinander-
folgenden Schichten bald nach 0., bald nach W. hin auskeilen
sollen. Thatsache ist allerdings, dass in den Departements des
Ardennes* und de la Meuse — also im W. — einerseits und
südlich von Nancy andererseits das Eisenerz in diesem Niveau
nicht mehr vorhanden ist, und dass im 0. überhaupt nur unterer
und mittlerer Lias zu Tage ansteht.
Verfolgt man nun das Erzlager von S. nach N. durch
Lothringen, so findet man, dass seine Mächtigkeit im selben
Sinne — also mit der Annäherung an die Nordküste des früheren
Meeres, die Ardennen — zunimmt. Ganz ungefähr kommt dieses
von S. nach N. stattfindende Anschwellen durch die folgenden
Zahlen zum Ausdruck, welche die Mächtigkeit des gesammten
erzführenden Schichtensystemes — also incl. der Zwischenmittel
— angeben; nur „ungefähr", denn die sehr zahlreichen Bohr-
tabellen ergeben auch auf kurze Entfernung ziemlich wechselnde
Besultate '.
1. MEuaY, BuU. Soc. gäol France 11^ Bd. 26, S. 510.
2. Mit Ausnahme des Lsolirten Eisensteinvorkommens im Tliale der Bar
(VUlers-sur-Bar) bei Sedao. Bull. Soc. g6oI. France II, Bd. 27, S. 286 und Saüvaoe
et BuYiONiBR, Statistique min. et göol. du döp. des Ardenneä, S. 261.
3. E. 6]E8LBR, Das oolith. EisensteinYorkommen. Zeitschr. f. d. BerghQtten-
u. Salineowesea im Preuss. Staate, 1875. S. 9—41.
24
Tabellai
Sflden.
I.
AT§7r«ii, Lot, L«i-fi-Ck-
roBB«, Tun, Tkn-ti-
ChffoiM, QkutiW-Iift-
II.
ATtlM(AHMt)*.
III.
La Ytfpimirt M Lyon '.
lY.
Havia-Saonc«.
—
7 Unterste Seh. m. Harp.
MursehisofUB,
—
—
Seh. m. Trig, naoit.
Seh. m. 7>-t^. navu
0,70 M,
—
—
Seh. m. Lft toruiosum.
In oder anter den 8(
m. LyL iorulosum
2,10 — 2,80 M.nBcl
•
Hürp, bifroM.
Barp. serpetitinum.
Seh. m. LyLjurefue,
Seh. m. PoiidL Bronni.
1 M. machtig.
—
Peeten (Bquivaiüit, Gry-
phma eymbium, Tere-
brat numismalü, ete.
—
—
—
1. GoQUAND, Bnll. See. göol. Franee H, Bd. 6, S. 328.
2. Dumas, Bull. See. g6ol. Franee II, Bd. 3, S. 611.
3. Oppbl, Jora S. 233, 294, 313, 330.
4. Thirria, Statistiqne de la Hante-Saöne. S. 284-287.
5. Ostrea Piciaviensis'RkuEKT ist eine der Ostrea Knorri sehr nahestehende
Form, welche Ton Ebray aus den Schichten der Trig. navU citirt wird (Bull. See.
göol. Franee II, Bd. 18, S. 510), während sie Dumortisr gar aus einem Horizonte
anlTÜhrt, der Ober der Zone des Barp, MurchismuB liegt (Bull. Soc. göol. France
IT, Bd. 20, S. 113). H6BBRT (Bull. Soc. g^ol. France IT, Bd. 13, S. 216) führt sie aus
>er8icht (siehe s. n.
Norden.
V.
Hftutt-Muni« •.
VI.
Naney, MiBiAr« dt Ohavigny '•
VlI.
Lothringtn, Luxemburg ud du
angronieBd« Frankreieh.
—
Eisensteinconglomerat mit Harp,
MurchisoneB, 0,60 H.'
Untere Seh. m. Barp. Murchisonce,
'p. Aalensef Bei. irregularis,
iuUad. fidicula, Osirea picta-
iensis ».
Oolith. Eisenerz mit Trig. na vis
6M.
6,60 H. machtig.
Obere Seh. m. Trig, naois.
2,30 M. m&chtig.
—
—
—
—
—
—
—
—
dem oberen Lias an, wohin aber — nach deutscher Auffassung — auch unterer
brauner Jura zählt. Auch Bd. 15, S. 719 und Bd. 22, S. 205 ders. Zeitschr. wird
sie mit Barp. opalinum und Aalense zusammenliegend erwfthnt.
6. Tomdeck, Bull. Soc. g6ol. France II, Bd. 27, S. 286.
7. Ibid., Bd. 26, S. 353.
M. ScHLUMBERGER jst allerdings der Ansicht, dass das Eisenerz von Nancy
noch in die Zone des Harp. Sowerbyi hinaufreiche. Eine paläontologische Begrün-
daog dieser Behauptung konnte ich trotz alles Suchens nicht finden. Ich folgere
seine Ansicht nur aus dem Titel einer kleinen Brochttre : Note sur trois espöces
(yAlaria au nlTeau des Am. Sowerbyi et Murchisonce,
26
Süden. Norden.
An. Brt&?au b. Mtisilns. MoytuTrt u. Hftyiiif on. lielu
2 Meter. 12 Meter. 16 Meter. 20—30 Meter.
1 Flötz. 2 Flötze. 3 Flötze. 4—5 Flötze.
Ausser dieser ersteren ist es noch eine zweite Eigenthöm-
lichkeit, welche sich beim Durchwandern des Landes in der an-
gegebenen Richtung aufdrängt; während nämlich im südlichen
und mittleren Theile Lothringens das Erz fast durchweg ver-
mittelst Stollenbetrieb gefördert wird, gewinnt man es in den
nördlichsten Gegenden und in Luxemburg durch Tagebaue. Der
Grund dieser Erscheinung liegt darin , dass im S. ein mächtiges
Schichtensystem von Kalken auf dem Erze liegt, während im
N. diese Decke theilweis schon fehlt. Dies erklärt sich aus dem
Einfallen der Schichten nach S.-W., demzufolge im N. die tie-
feren Schichten zu Tage ausstreichen. Gerade auf der N.-W.
laufenden Strecke, zwischen Esch und Longwy, bilden der un-
tere und zum Theil mittlere braune Jura einen Steilabfall, an
dessen Fusse sich die Schichten des Lias ausbreiten. Dieser
Absturz aber und die mannigfach in ihn einschneidenden Thä-
1er haben dort auf stundenweite Erstreckung die Anlage von
Tagebauen ermöglicht, deren Grösse und Anzahl imponirend
wirken.
Während also im N. gute Aufschlüsse, im Vereine mit einer
ansehnlichen Mächtigkeit der erzführenden Schichten zu Gebote
standen, war im übrigen Theile Lothringens die genauere
Beobachtung derselben in stratigraphischer Hinsicht erschwert,
in paläontologischer unmöglich gemacht. Denn da die Fossilien
nur auf den Halden gesammelt werden konnten, so war eine
Trennung derselben nach ihrer Lagerung nicht durchführbar.
Es war mithin geboten, zuerst die Gliederung der Eisensteine
im Luxemburgischen festzustellen, und dann mit den gewonne-
nen Resultaten rückwärts auf diejenige der lothringischen Ab-
27
lagerungen zu schliessen. Ich werde daher im Folgenden zuerst
ein kurzes Bild der erzführenden Schichten geben, welche in
der Umgebung von Esch in Luxemburg aufgeschlossen sind.
Es tritt uns hier ein System von wechsellagernden Kalken
und Eisensteinflötzen entgegen, dessen Liegendes aus thonigem
Sandsteine, dessen Hangendes aus thonigen Mergeln besteht.
Die Kalke sind krystallinisch oder dicht und durch Eisenoxyd-
roth gefärbt. Das Eisenerz ähnelt seiner Struktur nach sehr
dem bekannten Aalener Vorkommen, und erscheint meist in
festeren Bänken, bisweilen auch lose, in Gestalt eines groben
Scbiesspulvers. Im ersteren Falle ist es wiederum von feinen
Kalkschichten durchzogen, im letzteren bildet der Kalk in dem
Eisenerze Concretionen in Gestalt rundlicher Massen (rognons).
Die Körner des Erzes weisen aber keine concentrisch-schaalige
Struktur auf, wie dies auch Fabbe von dem Vorkommen bei
Nancy berichtete Es ist mithin kein echt oolithisches Erz. Als
Bindemittel der Körnchen dient bald eine mehr kalkige, bald
mehr thonige Masse. Bei Esch sind 4-— 5 abbauwürdige Flötze
vorhanden, welche sich durch verschiedene Farbe und abweichende
chemische Zusammensetzung unterscheiden. In horizontaler Er-
streckung wechselt die Anzahl der über einander liegenden
Flötze und in jedem derselben die oben genannten Eigen-
schaften.
Das Vorkommen der Fossilien in diesen Ablagerungen ist
insofern ein Verschiedenes, als bald das Eisenerz, bald der
Kalk reich an Versteinerungen sind. Ich habe bei Aufstellung
der später folgenden Tabellen nur die 4 hauptsächlichen Flötze
von Esch berücksichtigt, welche von unten nach oben die Na-
men des „schwarzen, grauen, rothen, sandigen" tragen. Wo
diese Namen angewendet sind, bedeutet z. B. der Ausdruck
1. BulL Sog. g^ol. France 11, Bd. 26, S. 355. ÄDmerkung.
28
„schwarzes Flötz' nicht nur das Lager selbst, sondern auch das
hangende Zwischenmittel bis an das nächsthöhere Flötz.
Wie sich nun aus den oben angeführten Tabellen ergiebt, lässt
sich das System der eisensteinführenden Schichten bei Esch
paläontologisch in 2 Glieder trennen. Die untere Abtheilung
gehört noch den Schichten mit Trig. natis an (welche bereits
in dem Sandsteine unter dem Erze beginnen); sie ist haupt-
sächlich charakterisirt durch das massenhafte Auftreten der
Qryphtea ferruginea Tebq. Hierher gehören das schwarze und
graue Flötz. Die obere Abtheilung dagegen — das rothe
und sandige Flötz — bildet die Schichten mit Harp. Murchi-
sontß (welche sich noch weiter in die über dem Erze liegenden
Mergel fortsetzen.) Sie zeichnet sich durch die zahllosen Exem-
plare von Pecien demissus Schübl. und QermanuB D'Obb. (die
aber bereits tiefer erscheinen) , sowie durch eine versteinerungs-
reiche Ealkbank aus, welche von Bivalven erfüllt ist
Versucht man nun die beiden Abtheilungen dieses Systemes
an anderen Orten nachzuweisen, so lassen sich dieselben durch
Luxemburg weithin nach W. gegen Longwy zu, und ebenso in
südlicher Richtung über Villerupt in Frankreich, wie über Oet'
tingen in Lothringen bis nach Hayingen und Knütingen hin
verfolgen. Noch weiter südlich, bei Bronvaux, wo nur noch
2 Flötze vorhanden sind , werden die Verhältnisse bereits unklar.
Die dortige Grube ist auflässig; was ich von Fossilien auf der
Halde fand, spricht für die untere Abtheilung. Hart unter dem
oberen Flötze, welches allein abgebaut wurde, liegt noch in
einer dünnen Sandstein-Schicht die Grjfphtßa ferruginea in sel-
tenen Exemplaren. Wir hätten also wahrscheinlich in den dor-
tigen 2 Flötzen ganz vorwiegend die Vertreter der Schichten
mit Triff, navis zu sehen, während die Schichten des Harp.
MurchisontB allein den darüber liegenden Mergeln angehören
würden. Und Aehnliches gilt von Ars, welches ganz im S. liegt.
29
Diese Anschauung harmonirt auch recht gut mit dem Profile,
welches Fabee von Chavigny bei Nancy — also noch weiter
südlich — aufgestellt hat*. Dort steht 6 M. mächtiges oolithisches
Eisenerz an, welches die Schichten der Trig. navis repräsentirt,
während darüber nur ein 0,20 Meter starkes Eisenerz-Conglo-
merat liegt, in dem Harp. Murchisonts vorkommt, lieber diesem
findet man schon die Mergel, denen allerdings noch eisenhaltige
Bänke eingeschaltet sind. Wichtig ist, dass Fabbe dort aus den
Schichten mit Trig. navis ebenfalls die Oryphcea ferruginea
Tebq. anführt, welche im Norden Lothringens ein so äusserst
charakteristisches Fossil dieses Horizontes bildet und es ist
auffallend, dass ich weder bei Ars noch am St. Quentin bei
Metz diese Versteinerung in irgend einer Schicht auffinden
konnte.
Es würde also nach Obigem das Eisenerz Lothringens im
Süden nur oder doch zum überwiegenden Theile den Schichten
mit Trig. navis ^ im Norden aber, wie in den dort angrenzenden
Theilen Frankreichs und Luxemburgs, in seinem unteren Niveau
diesen Schiebten, in seinem oberen aber denen mit Harp.
MurchisontB angehören.
Ich habe denn auch die auf den Halden der südlich gele-
genen Eisensteingruben gesammelten Fossilien in meiner Tabelle
alle unter der Rubrik: ^ Schichten mit Trig. navis Oberregion **
aufgeführt Es ist dies aber natürlich nicht willkürlich geschehen;
denn ein jedes Fossil, welches ich aus diesen Gruben in der
erwähnten Zone citire, würde auch ohnehin in derselben Tabelle
stehen, weil ich dasselbe stets auch in den nordlich gelegenen
Aufschlüssen gefunden habe, welche eine deutliche Gliederung
zulassen. Es ist mithin durch diesen Analogieschluss in der
erwähnten Tabelle nur die Anzahl der Fundorte durch die
l. Bull Soc. g^ol. France U, Bd. 26, S. 353.
30
Namen der südlich gelegenen Gruben vermehrt worden *. Anders
dagegen verhält es sich mit einigen Versteinerungen, welche
aus den Schichtep mit Trig, navis in diejenigen mit H. Murchi^
sofice übergehen. So weit ich solche in den südlichen Gruben
fand', musste ich sie consequenterweise allein der Oberregion
der Schichten mit Trig. navis zuweisen, worin allerdings eine
Willkürlichkeit liegt. Zwischen dieser Zone und derjenigen des
Harp. Murchisontß existirt übrigens in sofern eine Grenz-
region, als ich letzteren Ammoniten zusammen mit Harp. opa-
linum im rothen (2. obersten) Flötze von Esch fand, ebenso
wie auch in Ars einzelne Formen auftreten, die von Harp.
Murchisonce schwer zu trennen sind; es mag also das Erz an
letzterem Orte noch etwas in die Schichten des Ammonites
Murchisonce hineinreichen.
Um eine Anschauung von der petrographischen Entwicke-
lung des Eisenerz führenden Schichtensystemes zu geben, führe
ich im Nachstehenden einige Profile desselben auf, deren Mit-
theilung ich der Güte der betreflFenden Herrn Gruben vorstände
verdanke. Die Profile beginnen im S. Lothringens und enden
im N. in Luxemburg. Das Hangende des Eisenerzes steht immer
oben, das Liegende unten in den Tabellen.
1) Ars a. d. MoseL
Glimmerhaltige Mergel .... 16 — 27 M.
Eisenerz. Einziges Flötz ... 2 „ ~ 2 M.
Glimmerhaltige Thone .... V „
2) Bronvanx bei Maizitoes.
Bohrloch bei Jaumont angesetzt:
Kalk 66 M.
Dunkle Mergel 16 „
1. Eine Ausnahme macbennur: Bei subciavtUus , Lingnia sp., Trichites,
für welche ich nur den südlichen Fundort Ars angeben kann.
2. Es sind hierher zu reebnen die Erzlager bei Ars, Bronyaux bei Haiziöres
und das nicht abbauwürdige Vorkommen am St. Quentin bei Metz.
31
Oberes Flötz 2 M.
Hellgelber Sandsteiu 0*2 5 „
Schwarze Mergel 8,52 „
Unteres Flötz 1,10 „
3) Moyeuvre S.-W. v. Diedenholen.
Kalk ? M.
Dunkle Giimmermergel 8—9 „
11,87 M.
n
Kalk
Oberstes Flötz
Kalkbank m. Ted. personaius . . .
Eisenhaltiger Kalk
2. Flötz
Eisenhaltiger Kalk
3. Flötz
Blauer Kalk
Eisenhaltiger Kalk
4. Flötz
4) Hayingen W. v. Dledenhofen.
93 M.
4
2
0,10
1,30
1,80
0,90
2,40
3
3
2
16,50 M.
»
»
Kalk
20
Dunkle Giimmermergel
1. Flötz
2. Flötz
3. Flötz
5) Rollingen (Luzembnrg) "W. v. Esch.
17
M.
Dunkle Mergel
Oberstes Flötz
Zwischenmittel
2. Flötz
Graue Mergel
3. Flötz
Mergel und gelber Sandstein . .
4. Flötz
Gelber Sandstein, lieber
?
2
?.
8
1,20
0,90
1,60
4
20
M.
17,60 M.
»
32
6) Probesohacht bei SchlosBbftsch b. Esch.
»
n
»
43,35 M.
Oberstes Flötz (sandiges)
Zwischenmittel
2. Flötz
Zwischenmittel
3. Flötz
Zwischenmittel
4. Flötz
Zwischenmittel
5. Flötz
Zwischenmittel
6. Flötz (Rothes)
Zwischenmittel
7. Flötz
Zwischenmittel
8. Flötz (Graues)
Zwischenmittel
9. Flötz (Schwarzes)
Von diesen vielen Flötzen sind indess nur 3-4 abbauwürdig.
Es bestätigt sich aus diesen Tabellen der früher erwähnte
Umstand, dass das System der Eisenerz führenden Schichten
von S. nach N. an Mächtigkeit zunimmt.
3,30 M. \
3,10 ,
1,90 „
1,50 .
0,90
2,80
1,10
1,15
1,30
1,15
3,30
1,45
4,90
2,50
4
6
3
2. Die Schichten mit Oryphcea fermginea und Trtgonia
navis\
a) Unterregion: Der Sandstein, welcher das Liegende der
Eisenerze bildet und im südlichen Lothringen in seinem
unteren Niveau durch Thone vertreten wird. (Grfes supra-
liasique ou Marlysandstone Terqüem's z. Th.')
Der diese Abtheilung zusammensetzende Sandstein ist im
frischen Zustande blau, erscheint aber in Folge der Verwitte-
1. Diese Schichten sind in yorliegender Arbeit der Kürze halber stets : Sch.
m. Trig, navU genannt.
2. Aufschlüsse : 1) Am Wege von Longerille b. Metz auf den St. Quentin;
33
rung gewöhnlich gelb. Gegen oben mit der Annäherung an die
Eisenerze stellen sich Schnüre von Eisenoxydhydrat ein. Der
Zusammenhalt desselben ist sehr verschieden, bald fester, bald
lockerer; nicht minder schwankt die Zusammensetzung, indem
bald der Thon, bald der Kalkgehalt vorwiegt. Auch die Mächtig-
keit wechselt auf kurze Entfernungen.
Wenn auch im Allgemeinen in Lothringen neue Faunen
unabhängig von der Beschaffenheit des Gesteins erscheinen, so
ist doch in dem vorliegenden Falle die bei Weitem grössere
Mannigfaltigkeit der Formen, die mit dem Verdrängen des Thones
durch den Sandstein sich einstellen, ganz augenfällig.
Nach dem oben Mitgetheilten kann ich sogleich zur Auf-
zählung der einzelnen Arten übergehen:
Z. S. Harp. striatulum Sow. sp. Nur in der alleruntersten
Grenzregion des Sandstein. St. Quentin.
S. S. Ancyloceras Mosellense Tebqüeh. Bull. soc. d'hist. nat.
de Metz, Heft 8, S. 160. Nicht von mir gefunden.
Vielleicht liegt die interessante Art in der Oberregion
dieser Schichten.
Z. H. Belemnites hrevtformis\ ojjTZ. St. Quentin, Oetringen, Esch.
Z. S. „ Rhenanus Opp. St. Quentin, Oetringen.
Z. S. „ subclavaius Voltz. St. Quentin.
S. Aciceonina sp. St. Quentin.
8. Pecten disciformis Sohübl. Esch, Tetingen.
2) zwischen dem St. Quentin und Plappeville am Wege nach Lessy, hart unterhalb
der Passhöhe ; 3) im Dorfe Marange bei Maiziöres ; 4) in dem Thälchen, welches N.
des Bahnhofes Ton Hayingen b. Diedcnhofen liegt; 5) hart an der Eisenbahn von
Diedenhofen nach Fontoy bei Kncuttingen; 6) am WegeTonBcevingen in das Algringer
Thal (W. von Diedenhofen); 7) am Signalberge bei fiüevingen; 8) am Wege von
Oetringen nach Escheringen; 9) am Wege von Kaufen nach Wolmeringen; 10) am
Wege von Wolmeringen nach Molvingen (7, 8, 9, 10 N. W. von Diedenhofen);
11) in der Umgebung von Esch in Luxemburg.
I. s
34
S. S. Pecten Lotharingicus n. sp. St. Quentin.
S. S. „ lens QuEKST. Jura 44, 12. Ars.
Z. S. Ävicula Münsteri Bbonn. St. Quentin.
S. Gerviüia Hartmanni Gldf. Esch.
S. S. Pinna cf. miiis Phill. St. Quentin.
S. S. Mytilus gryphoides Quenst. Ars.
S. Modiola cuneata Sow. Oetringen.
S. Nucula Hammeri Defb. Gorze.
Z. H. Trigonia ZUteli n. sp. St. Quentin, Ars.
S. „ navis Lam. St. Quentin.
S. Protocardia striaUda Phill. sp. Esch, Ars.
S. S. Tancredia donaciformis Lyc. St. Quentin.
Z. S. Pholadomya fidicida Sow. St. Quentin.
S. » cordata Quekst. Esch.
S. S. Ooniomya Knorri Ao. St. Quentin.
S. Lyonsia abducia Phill. sp. Esch.
Z. S. Bynchonella infraoolithica O^p. Ars.
Z.- S. » cf. sübdecorata Day. Ars.
H. Chondrites scoparius Thiolliebe. St. Quentin, Berg St.
Michel bei Bcevingen, Ars.
Durchgehende Leitfossilien von praktischer Brauchbarkeit
kenne ich nicht, da die Versteinerungen lokal verschieden ver-
theilt sind. Trig. ZiUelli n. sp. ist eine sehr charakteristische
Spezies dieser Schichten, scheint aber im nördlichen Theile des
Landes gänzlich zu fehlen und ist auch im S. nicht sehr häufig.
Trig. navis dagegen geht aus dieser Unterregion in die Obere
über, ist aber recht selten.
Wie das vorliegende Verzeichniss der Versteinerungen be-
weist, ist die Grenze zwischen den Schichten mit Harp. siria-
iulum und denen mit IHg. navis in faunaler Beziehung eine
äusserst scharfe. Nur 2 Cephalopoden, Bei, compressus Voltz
und Bei. subclavatus Voltz gehen aus den erstgenannten
35
Schichten in die letzterwähnten über; Harp. striatulum fand
ich — wie in der Tabelle vermerkt — nur am St. Quentin in den
alleniutersten Grenzschichten des Sandsteins. Harp. opaUnum^
welches in anderen Gegenden recht häufig ein weiteres Binde-
glied beider Faunen ist, fehlt zunächst noch völlig und erscheint
erst in der Oberregion der Schichten mit Trig. navis.
Die Berechtigung einer Zweitheilung dieser letzteren Schichten
in eine Unter- und Oberregion dürfte sich genügend motiviren
lassen, da sie auf die Entwickelung der Fauna derselben basirt
ist. Denn wenn auch der grösste Theil der Formen aus der
unteren Region in die obere übergeht, so fehlt doch der Er-
steren noch eine grosse Reihe von Formen, welche erst in der
Letzteren auftreten, und unter diesen sind es gerade die Oe-
phalopoden, welche der Oberregion ihr eigenthümliches Gepräge
verleihen. Auch in petrographischer Beziehung findet im Allge-
meinen ein scharfer Abschnitt zwischen beiden Regionen statt,
indem unten Sandsteine, oben Eisenerze und Kalksteine liegen.
Es existiren aber, in dem vorhergehenden allgemeinen Theile,
über diese Schichten bereits erwähnte Ausnahmen von dieser
Regel, deren interessanteste der Signalberg von Boevingen^
(W. von Diedenhofen) ist. Hier fehlt die ganze Eisenerzablage-
rung und ist durch Sandstein ersetzt, so dass die untere Region
ohne Unterbrechung in die obere übergeht und beide aus dem-
selben Gestein bestehen. Dass die Annahme des Fehlens der
Eisenerze an diesem Punkte, somit auch der Gleichwerthigkeit
der mittleren und der oberen Schichten des Boevinger Sand-
steines mit der Erzablagerung des übrigen Landes eine richtige
ist, lässt sich nicht nur paläontologisch, sondern auch strati-
1. Der Berg ist auf den Etiquetten der Mctzcr Sammlung als cötc pel6e be-
zeiclinet; auf den Karten hat er keinen Namen; er trägt das Triangulations-Signal
der neuen topographischen Laudesaufnahme.
36
graphisch nachweisen. Es wire a priori mo^eh, dass am Signal-
berge eine Verwerfung vorläge, wonach der Berg gehoben wäre;
es wfirde dadurch naturlich der nnter dem Eisenerze liegende Sand-
stein in ein höheres Niveau gerückt worden sein und das oben auf
dem Gipfel liegende Erz 'wäre bis auf den letzten Rest spurlos
weggewaschen worden. In der That kommt man auch beim
ersten Anblick des Berges auf diese Annahme; denn die herr-
lich entblösste Südseite desselben zeigt den Sandstein in dem
gewöhnlichen Niveau der Eisenerze, welche auch in nicht zu
grosser Entfernung von diesem Berge anstehen. Allein die Sache
klärt sich auf, wenn man den Gipfel des Berges erstiegen hat.
Derselbe besteht aus einem hellen Mergel, und Mergel, hell
oder dunkel, liegen stets über dem Eisenerze. Ueber diesen
Mergeln kommen stets Kalke und zwar den Schichten mit Harp.
Sowerhyi angehörig. Nun findet man auf dem Gipfel des Berges
eine grosse Anzahl von Ealkstücken mit den charakteristischen
Versteinerungen dieser Zone; es sind dies die letzten Beste
einer einstigen Decke von Kalkstein, welche jetzt durch Denu-
dation entfernt ist Wir haben also von oben nach unten am
Signalberge ein Profil, das sich vollständig dem von mir über-
haupt aufgestellten parallelisiren lässt:
1) Seh. m. Earp. Sawerlfifi Kalk.
2} Oberregion der Sch. m. Barp. Murchismat, Mergel. Fastversteineningsleer
3) Uuterregioa der Sch. m. Barp. Murehisona \ Barp, Murchisonet ge-
J fanden.
4) Oberregion der Sch. m. Trig. novit > Sandstein. Mit einer sehr fossil-
i reichen Bank.
5) Dnterregion der Sch. m. Trig. navis '
6) Oberregibn der Sch. m. Barp, siriahthim \ Noch am Signalbeige
J sichtbar.
> Thone.
7) Unterregion der Sch. m. Barp. striaiuium l Am angrenzenden Berge
/ St. Michel sichtbar.
An anderen Orten treten ähnliche Verhältnisse auf, indem
das Eisenerz zwar nicht völlig fehlt, aber doch von reduzirter
37
Mächtigkeit and durch starke Beimengung von Thon unbau-
würdig erscheint, wie z. B. zwischen dem St. Quentin und Plappe-
ville. Hier sind dann Sandstein- und Mergelbildung einander
sehr nahe gerückt, ohne sich doch direkt zu berühren.
Wie hier also das Eisenerz durch Sandstein ersetzt ist,
so ist andererseits, südlich von Metz — bei Ars und Gorze —
ein Theil der Unterregion der Schichten mit IVig. navis (des
Sandsteines) durch Thon vertreten. Im Mancethale\ bei Ars,
liegt ein grosser Thonhaufen, welcher aus einem schräg aufwärts
getriebenen Stollen gefördert wurde. In demselben fand ich:
Harp. siriatulum Sow. sp. Man hat also zuerst die Oberregion
der Schichten mit Harp. siriatulum durchfahren.
Pecien Uns Quenst. Jura 44, 12.
Protocardia siriatula. Phill. sp.
Inoceramus sp.
Rhynchonella infraoolithica Opp.
BhynchoneUa cf. subdecorata Dav., weniger aufgebläht als die
echte Bh. subdecorata.
Femer findet man beim Verfolgen der Spuren der Wasser-
leitungsarbeiten von Gorze bergaufwärts nach Metz zu :
Nucula Hammeri Defa. Diese Form unterscheidet sich in Loth-
ringen scharf von der Nuc. Hausmanni Bcem., indem sie
weit grösser und aufgeblähter ist. Sie wurde von mir nir-
gends in der Unterregion der Schichten mit Harp. siriatu-
lum gefunden, wärend die Nucula Hausmanni in derselben
ziemlich häufig ist.
Diese wenn auch wenigen Versteinerungen sprechen für
die Annahme, dass der Thon, in welchem sie liegen, bereits in
1. Gegenüber der ersten Eisensteingrube, welche im Thale selbst liegt, und
zwar unten am Bache, da wo die Wasserleitung denselben auf einer Brücke über-
schreitet.
38
die Schichten mit IHg. navis zu steilen sei. Es würden also
im S. Lothringens diese Schichten in ihrem unteren Theile aus
einer Thonablagerung , in ihrem oberen aus Sandstein und Eisen-
erz besteben, während sie im nördlichen Theile des Landes
nur von den letzteren 2wei Gesteinen gebildet werden. Man
könnte zwar aus petrographischen Gründen geneigt sein, auch
im N. die obersten Schichten der Thone als bereits zu den
Schichten mit Trig. navis gehörig zu betrachten. Allein es fehlt
dieser Annahme die paläontologische Begründung; vielmehr deu-
ten das massenhafte Vorkommen des Harp. siriatulum und das
allerdings seltene von Bei. acuarius in den obersten Thonlagen
darauf hin, dass hier die Schichten mit Trig. navis erst mit
dem Sandsteine beginnen. Der Signalberg bei Boßvingen bietet
hierfür ein sehr instruktives Profil und zwar da, wo die Chaus-
see von Boevingen nach Oetringen sich um ihn herumwindet.
Die hier ausgesprochene Ansicht wird übrigens bereits von Fbi-
BEBioi^ vertreten.
Einer gütigen Mittheilung des Herrn Dr. Steinmann ver-
danke ich nachträglich das folgende, bei der kürzlich begon-
nenen geognostischen Landesaufnahme beobachtete Profil an der
sogenannten Göte de Delme, durch welches nun auch auf dem
rechten Moselufer nachgewiesen ist , dass im südlichen Lothringen
bereits die oberen Thone den Schichten mit IVig. navis zuge-
rechnet werden müssen.
Wir haben hier von oben nach unten:
1) Sandstein.
2) Thone, den Schichten mit Trig, navis zugehörend.
3) Thone, » » » Harp. ^/Wa^^um zugehörend.
IAequivalent der sogen. Jurensis-Schichten
Schwabens mit Harp. hifrons und sehr
zahhreichen Versteinerungen.
t. Apercu gMogique da d^part. de la Moselle. S. 86.
39
b) Oberregion: Untere Flötze (schwarzes und graues) des
Eisenerzes bei Esch, Oetringen, Villerupt, Hayingen etc.;
die Eisenerze von Ars und Bronvaux zum überwiegend
grössten Theile resp. ganz. Ferner die mittlere Abtheilung
des — die Eisensteine ersetzenden — Sandsteines vom
Signalberge bei Boevingen bis incl. der dort anstehenden
reichen fossilführenden Bank. (Hydroxide oolitique Ter-
QüEM pars. Qrhs supraliasique Tebqueh pars.)
Nach dem früher Gesagten kann ich auch hier sogleich zur
Aufführung der Versteinerungen übergehen*.
Z. H. Nautilus inomaius d'Obb. Esch, Hayingen, Villerupt.
? Ämaltheus Fridericii n. sp. Longwy. Liegt möglicherweise
in der Unterregion der Zone des Harp. Murchisonte.
Z. H. Ämaltheus subserrodens n. sp. Signalberg bei Boßvingen.
Z. H. Ammonites äff. Sieboldi Opp. Hayingen, Moyeuvre.
Z. H „ subinsignis (Opp.) Dum. Hayingen, Moyeuvre.
H. Harpoceras Aalense Zist. sp. Ars, St Quentin, Bronvaux,
Hayingen.
S. S. Harpoceras cosiula Beik. sp. Signalberg bei Boevingen.
S. S. n Lotharingicum n. sp. Hayingen.
S. S. » Lessbergi n. sp. Signalberg bei Boevingen.
Z. S. „ mactra Dum. sp. Signalberg bei Boevingen,
Bronvaux.
Z. S. Harpoceras opalinum. Ars, St. Quentin, Bronvaux.
Z. H. ;, pseudoradiosum n. sp. Signalberg bei Boe-
vingen.
S. Harpoceras äff. radians Reik. sp. Signalberg bei Boevingen.
1. Die Anführung you Aufschlüssen in dieser und der nächsten Ahtheilung
ist unnöthig, da die Namen der Lokalitäten in der Tabelle stehen und Gruben wie
Tagebaue genügend in die Augen fallen.
40
Z. H. Harpoceras subcomptum n. sp. Signalberg bei Boevingen,
HayiDgen, BronvaiUL
H. Harpoceras subunduiaium n. sp. Signalberg bei BcDvingen,
St. Qaentin.
Z. H. Lyioceras düucidum (Opp.) Dum. sp. HayiDgen, MoyeuYre,
ViUerupt
H. Belemniies breviformis Voltz. Esch, Oettingen, Kneuttingen,
Villerupt, Ars, Signalberg bei Bcevingen.
H. H. Belemnites Bheiuinus Oppsl. Esch, Oettingen, Villempt,
Hayingen, Bronvaux, Ars.
S. Belemniies n. sp. Ars, Villempt, SL Qaentin.
Z. H. „ incurvaius Ziet. Ars, Bronvaux, Hayingen,
Signalbei^ bei Bcevingen.
S. Belemnites spinaius Quekst. Ars, Hayingen.
Z. S. 9 subclavatus Voltz. Ars.
S. S. lürbo sp. QusNST. (Jura Taf. 47, 2) Signalberg bei Bce-
vingen.
S. S. Pleurotomaria cf. opalifUi Qubnst. Kneuttingen.
H. Ostrea cdkeola Zietkn. Esch, Oettingen, Ars.
H. a sandalina Zietek. Esch, Oettingen, Hayingen.
H. H. Gryphea ferruginea Te&qukm . Esch, Oettingen, Hayingen,
Kneuttingen, Bronvaux, Villerupt, Signalberg bei Boc-
Yingen, Klein Moyeuvre.
H. Pecten disciformis Schübl. Esch, Oettingen, Moyeuvre, Ars.
S. „ lens QususT. (Jura 47, 12). Esch, Ars.
H. 9 GermaniiB b'Obb. Esch, Oettingen.
H. S. „ pumüus Lam. Hayingen, Bronvaux.
S. S. Avicula elegans Mün. Esch.
S. S. 9 Münsieri Bbonv. Hayingen.
H. OerviUia Hartmanni Gldp. Villerupt, Signalberg bei
Boevingen.
Z. B. GerviUia suhiortuosa Opp. Villerupt,
41
Z. S. Inoceramus cf. polyplocus Rcem. Signalberg bei Boevingen.
Z. H. Pinna cf. miüs Phill. Yiilerupt, Escb.
H. Trichites sp. Ars.
Z. H. Modiola cuneata Sow. ViUerupt.
H. » gregaria Gldf. Villerupt, Hayingen, Signalberg
bei Bcevingen.
S. Modiola plicata Sow. Signalberg bei Ba3vingen.
Z. S. Trigonia navis Lam. Signalberg bei Boevingen, Villerupt.
S. I, cf. Leckenbyi Lyo. Hayingen.
H. H. B cf. fomiosa Yg. a. Bibd. Hayingen.
Z. H. Tancredia donaciformis Lyc. Signalberg bei Bosvingen.
Z. H. Ästarte elegans Sow. Esch, Moyeuvre, Differdingen.
H. H. Pholadomya fidicula Sow. Ars, Kneuttingen, Hayingen,
Villerupt, Escb.
H. H. Homomya cf. ohtinsa Aa. Ars, Villerupt, Esch.
H. Myadtes unioides opalinus Qubnst. Ars, Kneuttingen, Esch,
Signalberg bei Boevingen.
H. H. Gresslya pinguis Ag. Ars, Esch.
H. Lyonsia abducta Phill. sp. Ars, Esch, Villerupt, Kneut-
tingen, Hayingen, Signalberg bei Boevingen.
S. LingtUa sp. Ars.
Z. H. Bhynchonella Frirefii n. sp. St. Quentiu bei Metz.
Z. H. Tcrebratula ovoides Sow, Villerupt.
S. S. Ästerias sp. Bollingen.
H. Chondrites scoparius Thiolliebe. Kneuttingen, Kümelingen.
57 Arten.
■
Leitfossilien : Gryph. ferrugifiea^ Harp. opalinum,
suhcomptum, Äalense, GervilUa Hartmanni.
Wir finden in diesem Verzeichnisse die grosse Mehrzahl
derjenigen Formen wieder, welche bereits in der Unterregion
erschienen. Das Hinzutreten einer immerhin stattlichen Anzahl
42
neuer Fonnen aber gibt die paläontologische Rechtfertigung für
die Abscbeidung dieser oberen Region von der unteren, und
dies um so mehr, als hier die sonst den oberen Lias bezeich-
nende Gruppe des Harp. radians in zahlreichen Vertretern
wieder erscheint.
3. Die Sehichten mit Marpoeeras Murchisance und
Pholadomya reHeulaUi *•
a) Unterregion : Obere Flötze (rothes und sandiges) des Eisen-
erzes in der Umgegend von Esch, Oettingen etc. Ferner
die oberste Abtheilung des Sandsteines vom Signalberge
bei Bcdvingen. (Hydroxide oolitique Terquem z. Th.)
Auch hier kann, unter Hinweis auf das Seite 20 ff. Gesagte,
von einer Darlegung der stratigraphischen und petrographischen
Verhaltnisse Abstand genommen werden.
Es folgt das Verzeichniss der von mir gefundenen Ver-
steinerungen :
S. Ichthyosaurus sp. ) „ , ^
> Esch, Eneuttmgen.
S. Ii€Stos€nirus sp. )
S. Harpoceras Murchisontß Sow. sp. Esch, Oettingen, Ars,
Algringen, Kneuttingen, Signalberg b. Bcevingen.
S. S. Harpoceras opalinum Reik. sp. Esch.
Z. H. ^ cf. fluüans. Duic. sp. Esch, Kneuttingen.
H. H. BelemniUs breriformis Voltz. Esch, Oettingen.
H. , Bhenanus Opp. Esch, Oettingen.
S. S. Anomia Gingensis Qcsnst. Holvingen.
H. H. Pecten disciformis^ Schübl. Esch, Oettingen, Rümelingen,
Tetingen.
H. Peeien Um Quehst. (Jura 44, 12). Esch, Oettingen.
1. Der KOne halber steU Schichten mit Barp, Uiaxkitomm genannt
43
H« H. Pecten Germanice cI'Obb. Esch, Oettingen, Mmeliogen,
Tetingcn.
Z. H. Pecten pumilus Lam. Esch, Moyeuvre.
Z. S. Hinnites aljecius Mobb« u. Lyg. Esch.
Z. S. Lima duplicaia Sow. sp. Esch, Oettingen.
H. y^ Lesshergi n. sp. Esch, Bümelingen.
H. Pinna cf. mitis Phill. Esch.
S. Modiola cuneata Sow. Esch.
S. CucuUaea cf. canceUata Phill. Esch, MolviDgcn.
S. S. Trigonia angulata Lyg. La Sauvage b. LoDgwy.
H. „ similis Aa. Esch, Oettiugen, Molvingen.
S. S. „ prcßcostata n. sp. Molvingen.
S. Tancredia donaciformis Lyc. Molvingen.
H. Astarte elegans Sov^. Molvingen, Oettingen, Esch.
Z. H. Pholadomya fidicula Sov^. Molvingen.
Z. S. Ceromya cf. Aalensis Quenst. Esch, Eneuttingen.
S. S. Serpula socialis Gldf. Esch, Kneuttingen.
S. S. Pentacrinus cf. pentagonalis Quenst. Esch.
Z. S. Montlivaultia Delabechi Edw. u. Hatmk. Esch.
Z. S. „ trochoides Edw. u. Haime. Esch.
S. I%amna^^esa cf. Umitata M'Goy. Esch.
29 Arten.
Leitfossilien: Harp. Murchtsonce, Lima Lessbergi, Trig.
similis.
Vergleicht man dieses Verzeichniss mit dem der Ober-
region dieser Schichten, so stellt sich heraus, dass die untere
Abtheilung mehr eine Grenzregion ist. Harp. opalinum liegt
noch — aber nur im rothen Flötze bei Esch — neben Hafp.
Murchisontß. Auch Formen, die der Gruppe des Harp. radians
angehören, finden sich, wenn auch in zu schlechter Erhaltung,
um bestimmt werden zu können.
Nimmt man dazu den Umstand, dass von der Gesammt-
44
summe der in diesen beiden Erzlagern auftretenden Formen
etwa Vi den zwei Plötzen eigenthümlich ist, so liegt die Noth-
wendigkeit auf der Hand, dieselben nach unten wie oben ab-
zutrennen. Aber, wie früher gesagt, die untersuchte Strecke
Landes — obgleich noch nicht von der Länge eines Breiten-
grades — bietet bereits im N. andere Verhältnisse als im S.,
so dass sich Beide nicht mit peinlicher Genauigkeit in den-
selben Rahmen einfügen lassen. Im N. lässt sich diese Unter-
region der Schichten mit Harp. Murchisonte recht gut paläonto-
logisch charakterisiren, im S. dagegen hat das nicht nur seine
praktischen Schwierigkeiten , sondern es scheinen auch diejenigen
Formen zu fehlen, welche im N. den 2 Flötzen ausschliesslich
eigenthümlich sind. Irgend eine Aequivalentbildung muss im S.
existiren; während im N., in der Nähe der Ardennen, sich
mächtige Schichten bildeten, müssen sich, 70 — 80 Kilometer
weiter südlich, doch jedenfalls auch Sedimente niedergeschlagen
haben. Aber diese besitzen eine geringe Mächtigkeit; die Schichten
sind zusammengezogen; Aufschlüsse und die charakteristischen
Versteinerungen fehlen S so dass ich keine sichere Angabe zu
machen im Stande bin. Auch die zahlreichen Bohrtabellen geben
keine festen Anhaltspunkte, theils weil sich das Hangende der
Eisensteine wechselnd ausbildete, theils wohl weil die Bohr-
proben wesentlich nur auf ihren Eisengehalt geprüft wurden.
b) Oberregion: Die Mergel über dem Eisenerze resp. über
dem Sandsteine des Signalberges bei Boevingen (Marnes
grises micac^es T£BQuem)*.
Das System der Eisenerz führenden Schichten wird von
Thonen und Mergeln überlagert und diese bilden, ähnlich wie
1. Doch fand ich, wie sclion frUlier gesagt, Harp. Murchisonce auch in dem
Eisenerze von Ars.
2. Tbrquem führt keine Versteinerungen aus denselben au. Vergl. : Paläon-
tologie du d6p. de la Moselle, S. 24.
45
dies bei dem Sandsteine im Liegenden des Erzes der Fall ist,
einen petrographiscben Horizont, welcher sich von Nancy an
durch ganz Lothringen bis nach Luxemburg und Longwy ver-
folgen lässt^ Meist von dunklerer Farbe, werden sie auch
hellgelb; hier sind sie thoniger, dort sandiger und Glimmer füh-
rend, und ebenso wechselnd ist ihre Mächtigkeit und ihr Beich-
thum an Fossilien*.
Die gesammelten Versteinerungen sind die folgenden:
H. Harpoceras Murchisoncß Sow. sp. var. acutum Quenst.
Oettingen.
S. S. Harpoceras cf. crasse falcatum Dum. sp. (non Waagen).
Oettingen.
Z. H. Belemnites spinatus Qoenst. Oettingen.
H.. H. „ brevifomiis Voltz, Oettingen.
Z. H. „ Qingensis Oppel. Oettingen, Esch, Ars.
Z. S. „ incurvaius Ziet. St. Quentin.
S. S. Pleuroiomarta sp. St. Quentin.
1. Levallois, Apercu g6o]. du d^p. de la Meurtbe. Nancy 1862. S. 38.
Odibal, Memoire sur le tcrrain jnrassique du d^p. de la Mourtho in M^moiros
de rXc. de Nancy. (840. S. 19. Ebenda 1850. S. 118.
Ferner Dewalque, Description du lias de la proYincc de Luxembourg-, S. 4
u. 62.
Wies (Wegweiser zur gcolog. Karte des Grossberzogtbums Luxemburg.
1877. S. 63) sagt zwar: dass die Annabme, der Sandstein (der^ wie icb früber
erwäbnte, oft gelb und tbonig ist) liege stets zwiscben den schwarzen, unteren
Thonen und dem Eisenerze, unrichtig sei und dass derselbe in Luxemburg nur
lokal auftrete. Indess abgesehen von dem Mt. St. Martin b. Longwy habe ich selber
ihn bei Rollingeo, Tetingen, Esch, Rümlingen gesehen; er ist also von W. nach 0.
durch das ganze südliche Luxemburg nachgewiesen.
2. Aufschlösse : 1) Zwischen dem St. Quentin u. Plappeville b. Metz, am
Wege nach Lessy; 2) am Wege von Hayingen nach RangwaU; 3) am Signalbergc
bei Boevingen; 4) im Thale von Molvingon, nach Wolmeringen zu; 5) bei Oettingen
in der Nähe des Bahnhofes; 6) am Wege von Esch nach Oettingen, oben auf dem
Plateau; 7) V4 Stunde hinter Villerupt, an der neuen Bahnstrecke, auf dem franzö-
sischen Gebiet.
46
S. Ostrea subirregtUaris n. sp. St. Quentin, Molvingen.
S. S. „ cf. eduliformis Schloth. Oettingen.
Z. H. Gryphtea calceola Quenst. St. Quentin.
Z. S. Pecten pumütis Lam. St. Qnentin.
S. y, lens QuENßT. (Jura, Taf. 44, Fig. 12). St. Quentin.
S. Lima tenuistria Mü. St Quentin.
S. Inoceramus RtßhU n. 8p. Villerupt, Lessy b. Metz.
Z. S. Modiola plicata Sow. St. Quentin, Molvingen.
S. Pinna cf. mitis Phill. St. Quentin.
Z. S. Area sp. (Steinkerne). Esch, Oettingen.
S. S. Trigonia cf. Moutierensis Lyc. St. Quentin.
S. S. „ cosiahUa Lyc. St Quentin.
S. S. Pholadomya Murchisoni Ao. St. Quentin.
Z. S. r, fidicula Sow. St Quentin, £sch, Molvingen.
H. H. „ reticuiata Ao. St. Quentin, Oettingen.
Z. S. „ cordaia Quenst. St. Quentin.
Z. H. Myaciies cf. unioides opalinus Qüekbt. St QueDtin.
H. Pleuromya elongata Aa. Oettingen.
Z. S. Terebraiula Eudesi Desl. St Quentin.
Z. S. Bhynchonella subdecoraia Dav. St. Quentin.
Z. S. „ paucispinosa n. sp. St. Quentin.
S. S. „ ienuispina Waao. Oettingen.
Z. S. Serpula sodalis Gldf. St Quentin.
S. S. Qaleropygas agariciformis Fobb. Signalberg b. Boevingen.
S. Thecosmilia gregaria M'Coy. St Quentin.
Z. S. MonÜivauliia Delabechi. Ebw. u. Haime. Molvingen,
St Quentin.
Z. S. MontUvaultia trochoides Edw. u. Haime. St Quentin.
S. Bituminöses Holz. Oettingen.
36 Arten.
Leitfossilien: Harp. Murchisonte; Beh breviformis; Pho^
lad, reticuiata.
47
Harp. Murchisantß, den Bepräsentanten dieser nach ihm
benannten Schichten, habe ich nur an einer einzigen Lokalität
finden können; dort ist er häufig, aber immer nur, wie auch
in der Unterregion dieser Schichten, habe ich die var. acutum
QuENST. gesehen, niemals var. obtusum. Von den übrigen
Formen ist etwa die Hälfte dieser Oberregion eigenthfimlich,
während durch den Rest der in ihr vorkommenden Arten eine
Verbindung theils mit den liegenden Schichten, theils mit den
hangenden des Harp, Sowerbyi hergestellt wird.
4. Die Schichten mit Harpoceras Sowerbyi und
Oryphwa sitblobata.
Kalke und kalkhaltige Sandsteine (Calcaire ferrugineux
Terqüem z. Th. •).
üeber den auf den vorhergehenden Seiten besprochenen
Thonen und Mergeln liegt eine mächtige Beihe von Kalken. Bei
Villerupt ist der Wechsel aus Ersteren in Letztere ein ganz
schroffer; bei Oettingen wird er gewissermassen erst vorbereitet,
indem sich in den Mergeln eine kleine kalkreiche Bank aus-
scheidet.
Untersucht man nun die tiefsten Schichten dieser Kalke
für sich allein, so stellt sich heraus, dass sie durch eine Fauna
charakterisirt sind, welche die Gleichwerthigkeit dieser Schichten
mit der Zone des Harp. Sowerbyi darthut. Der petrographische
Habitus derselben ist ein etwas verschiedener, indem sie ent-
weder rein kalkig ausgebildet sind (Villerupt), oder aus wechsel-
lagernden Kalk- und Sandstein -Schichten bestehen (St. Quen-
tin), oder schliesslich ein weicheres, halbmergeliges Kalkgestein
1. Der Kürze halber stets nur Scliiclitcn mit Harp. Sowerbyi genannt.
48
darstellen, welches mit unregelmässig gestalteten Körnern von
Brauneisenstein erfüllt ist; Letztere pflegen aber einem soge-
nannten Bohnerze zu gleichen und an Grösse die Körnchen des
tieferliegenden, eigentlichen Eisenerzes weit zu übertreffen
(Moyeuvre).
Eine Gliederung dieser Schichten, auf Grund der verschiede-
nen Aufeinanderfolge der Organismen, scheint möglich zu sein.
Allein wohl in Folge der Ueberschüttung dieser verschieden mäch-
tigen Schichten konnte ich nur einen einzigen völlig günstigen
Aufschluss entdecken. Hinter YiUerupt, in Frankreich, sind diese
Kalke zwar sehr schön biosgelegt, aber bis auf wenige an Pec-
ten pumüus reiche Bänke äusserst arm an Versteinerungen; die
weitere Fortsetzung der dortigen neuen Bahnstrecke wird viel-
leicht reichere Schichten durchschneiden. Am St. Quentin da-
gegen scheinen sich eine untere Bank, dicht erfüllt mit €hy'
ph{ca süblohata Desh., mittlere Bank mit Bryoecen^ obere Bank
mit Pecten pumüus Lam. ausscheiden zu lassen. Wenn ich trotz
des vorher Gesagten behaupten kann, dass die Schichten mit
Harp, Sowerbyi wenigstens durch den grösseren Theil Lothringens
mit Sicherheit einen durchgreifenden Horizont bilden, so ge-
schieht dies auf Grund einer genügenden Anzahl von Fundorten ,
welche die Existenz dieser Fauna dokumentiren. Dieselben sind
unten — wie immer von S. nach N. — aufgeführte
1. 1) Im Maoce-Thal b. Ars am Wege nach Gravelotte bei der 2. Eisenstein-
grübe iinl^s (gefördertes Material); 2) am Wege von Jussy nach Vaux; 3) zwischen
81. Ouentin und Plappeville oben auf der Passhöhe (Steinbruch); 4) N.-O. von Lessy
auf dem Plateau (Bohrloch); 5) im Monvaux-Thale, W. von Chßne de la Yicrge, hart
an der Eisenbahn , dort wo der Tunnel unter derselben hlndurchfUhrt (Bohrloch) ;
6) am Wege von Moyeuvre-la-Grande nach Moyeuvre-la-Petite , auf der rechten
Seite des Baches und zwar am Rande zwischen Feld und Wald, etwa 15 Minuten
hinter ersterem Orte: 7) oben auf dem Signalbergc b. Boevingen; 8) bei Yillerupl
an der neuen Bahn, auf französischem Gebiete. Der Lagerung nach gehören die
dort aufgeschlossenen Schichten hierher; Versteinerungen aber fehlen fast ganz.
^
49
Ich fand die folgenden Versteinerungen :
S. S. Harpoceras Sutneri n. sp. St. Quentin. (Möglicherweise
schon der nächsthöheren Schicht zuzurechnen.)
S. S. Harpoceras Sotcerbyi. Mill. sp. Moyeuvre.
S. S. „ disdtes YfjLAa. sp. Montvauxthal.
Z. H. BeUmnites Qingensis Ovv, St. Quentin, Moyeuvre.
S. „ cf. spinatus Quenst. Moyeuyre.
S. Ostrea crenata Gldf. St. Quentin, Moyeuvre, Signalberg.
S. a subirregularis n. sp. St. Quentin.
H. H. Qryphisa sublobata Desh. sp. St. Quentin, Moyeuvre,
Ars, Jussy, Montvauxthal, Lessy.
Z. H. QryphtBa calceola Qüenbt. Ars , Moyeuvre.
S. S. Anomia Qingensis Qübnbt. St. Quentin.
S. Pecten diseiformis Schübl. St. Quentin, Ars.
S. , lens QusNBT. (Jura Taf. 44, Fig. 12). St, Quentin,
Ars.
Z. H. Pecten pumilus Lam. Ars, Villerupt.
Z. H. Lima proboscidea Sow. St. Quentin, Ars, Signalberg.
S. 9 sidcata Gldf. Ars.
Z. H. a Schimperi n. sp., St. Quentin.
S. Hinnites abjectus Mobb. u. Lto. St Quentin.
S. S. Pema isognomonoides Stahl. Moyeuvre.
S. S. ÄvictUa Münsteri Bbonn. Ars.
S. S. Modiola cf. scalaia Waag. Ars.
8. „ plicata Sow. Ars, St. Quentin.
Z. S. ji cuneata Sow. St. Quentin. •
S. Pinna sp. St. Quentin.
H. Drichites sp. Ars, St Quentin.
S. IVigonia Ooldfussi Aa. Moyeuvre, Hayingen.
Z. S. „ striata Mill. Ars.
Z. S. Pholadomya Murchisoni Aa. St. Quentin.
8. JI fidicula Sow. Moyeuvre.
so
S. S. Terebratula submaxülata Mobb. St. Quentin.
Z. S. RhtfnchoneUa oUgacantha n. sp. St. Quentin , Ars.
S. Serpula flaccida Gldf. St. Quentin.
H. , socialts Gldf., St. Quentin, Ars.
Z. H. „ ßlaria Gldf. St. Quentin.
S. S. Berenicea düuviana Lamoüboux sp. Ars.
S. S. Defrancia diplopora n. sp. Ars.
H. Pusivlopora Quenstedii Waag. St. Quentin.
Z. H. Monilwaultia trochoides Edw. u. Haihb. St Quentin,
Moyeuvre.
S. MontlivaulUa Delahechi Edw. u. Haime. Moyeuvre,
Signalberg, St Quentin.
39 Arten.
Leitfossilien : Gryph<sa suhlohaia^ Lima Schitnperiy
Belemniies GingensiSy Harp, Sowerhyi.
In diesem Verzeichnisse sind '/> der aufgeführten Formen
den Schichten mit Harp. Sotoerhyi eigenthümlich. Die übrigen
Vb vertheilen sich derartig, dass etwa Vi &ller Arten bereits in
den Schichten mit Harp, Murchisonte lebte und aus diesen in
jene hinübergeht Das letzte Vi ^^^^ besteht aus solchen Spezies,
welche bereits in den Schichten mit Trig. navis vorhanden sind;
doch sind darunter unsichere Dinge, wie Trichites, bei denen
die Art sich nicht feststellen last, oder indifferente Arten, wie
Modiala cuneaia und Pecten disctformis , zum Theil aber Arten ,
deren grosse vertikale Verbreitung längst bekannt ist, wie Pecten
pumilus , Pholad. fidicula und Modiola plicata.
Wie viele Arten hingegen aus den Schichten des Harp,
Sowerhyi in diejenigen des Steph, Humphriesianum übergehen,
vermag ich nicht anzugeben, da die genauere paläontologische
Bearbeitung derselben ausserhalb der Grenzen dieser Arbeit lag.
51
6. Die höheren Schichten des brannen Jura.
Ueber den Schichten mit Harp. Sotverbyi folgt in Loth-
ringen ein ziemlich mächtiges System von Kalken mit einge-
schalteten Lagen von mergeligen und sandigen Gesteinen, wel-
ches nach oben seinen Abschluss findet in den als Korallenkalk
ausgebildeten Schichten mit Steph. Humphriesianum. Die petro-
graphische Beschaffenheit der zwischen den Schichten mit Harp.
Bowerhyi und St^h. Humphriesianum liegenden Schichten ist
im Süden des Landes eine etwas andere als im Norden. Wäh-
rend sie im Süden' aus z. Th. dunkelblauen, z. Th. hellgefarb-
ten, dickbankigen Kalken besteht, denen schmutzig-graubraune
Schichten eines weichen Gesteines untergeordnet sind, folgt im
Norden* auf wechsellagemde Schichten von hellen Kalken und
gelben bis braunen, thonigen Mergeln eine Ablagerung sehr
charakteristischer dfinnplattiger Kalke. Was ich hier von Ver-
steinerungen sammelte , lässt sich paläontologisch , wie es scheint,
sowohl von der Fauna, welche in den Schichten mit Harp.
Sowerbffi liegt, als auch von deijenigen, welche mit Skpha-
noceras Humphriesianum vergesellschaftet ist, abtrennen. Fer-
nere Untersuchungen werden hoffentlich zeigen, ob wir es hier
mit einer Bildung zu thun haben, welche der Zone des Sieph.
Sauzei äquivalent ist, oder nicht.
1. ÄQf demSt. Onentin im Fort Manstein. Zahlreiche Fossilien flndet man
hart Yor demselben in dem Gesteinsschutte an der Seite des Berges, welche nach
Scy nnd LongeTille hinabschaut. An der Eisenbahn von Metz nach Amanweiler.
Die blauen Kalke zeigen sich in dem Steinbruche, welcher an der alten Strasse
liegt, die von Rozerieulles auf das Plateau hinaulTQhrt
2. Am Wege ?on Moyeuvre Ober Rangwall nach Hayingen. An den Gastine-
Gruben Ton Hayingen.
52
Die Schichten mit Steph. Humphrtesianum scheinen petro-
graphisch und wohl auch paläontologisch in zwiefacher Facies
ausgebildet zu sein. Vorwiegend sind es plumpe, ungeschichtete
weisse Felsenkalke von zuckerkörniger Beschaffenheit, welche
sich, reich an Fossilien und besonders an Korallen, in Gestalt
eines mächtigen Korallenriffes von S. nach N. durch das Land
ziehen. Auf dem linken Moselufer nahe an den Fluss heran-
tretend, auf dem rechten entfernter von ihm in den Umgebungen
der Göte de Delme , krönt dieses Riff äberall die Höhen, welche
das Moselthal im W. begleiten. Hat man das Plateau des linken
Ufers erstiegen und nimmt seinen Weg nach W. gegen Frank-
reich zu — also etwa in der Richtung, in welcher das Ein-
fallen der Schichten stattfindet — so trifft man nicht selten, in
demselben Niveau mit den Korallenkalken ', Schichten eines
Gesteines, welches zahbreiche Bruchstücke von Muscheln und
kleine oolithische Körner enthält. Wenn auch die Verwerfungen
in Lothringen zahlreich sind, so lässt sich doch das gemein-
schaftliche Niveau beider Ablagerungen an manchen Orten
schwer durch eine Verwerfung erklären; es scheint vielmehr,
als wenn wir hier verschiedene Facies vor uns hätten, eine
Anschauung, die bereits Tbbqubm vertritt. (Paläontologie de
la Moselle, S. 28.)
Obgleich die Mächtigkeit der eben besprochenen Schichten
keine überall gleichbleibende sein dürfte, so möchte ich doch,
zur ungefähren Orientirung, das folgende Profil mittheilen, wel-
ches ich der Güte des Herrn Grubendirektors Gbsbebt in
Hayingen verdanke; dasselbe zeigt in einem Bohrloche in der
Umgegend von Hayingen:
I . Bei Amanweiler. Zwiscbeu Audun-Ie-Tiche und Oettiogen oben auf der
HObe.
53
Oolith von Jaumont, ) ^
.,, , ^ , > Cosm. suofurcatum 21 M.
Thone (Marnes de Longwy) )
Korallenkalk . . . .j 15 „
Dichte Kalke, z. Th. > Steph, Humphriesianum
mit Steph. Sawei) 46 „
Eisenhaltiger Kalk, Harp. Sowerhyi 10 „
Glimmermergel, Harp. MurchisontB 20 ;,
Eisenerz. 3. Flötz, Harp. Murchisonte ... 17 „
2.
n •"• »
ff
1. «
Drig. navis 17
»
lieber den Korallenkalken beginnt nun eine Beihe theils
mergliger, theils kalkiger Schichten von wesentlich anderem
petrographischem und paläontologischem Habitus. Es gehören
dahin die gelben oolithischen Kalksteine, welche in grossen
Brüchen am Bahnhofe von Amanweiler und bei Jaumont gebro-
chen werden (Galcaire de Jaumont). Sie sind arm an Versteine-
rungen, doch trifft man gelegentlich einen Cosmoceras subfur-
eatum^ nach welchem die Schichten auch benannt worden sind.
Etwas höher liegen leichter zerfallende gelbe, ebenfalls oolithische
Gesteine, welche sehr reich an Versteinerungen sind. Gute
Fundstellen liegen auf den Aeckern zwischen Amanweiler und
St. Privat, besonders in der Nähe des Denkmals des Garde-
corps. Cosmoceras Parkinsoni und mehrere Seeigel sind hier
leitend. Die gelbe Farbe des Ackerbodens, die diese näher an
der französischen Grenze gelegenen Schichten des Cosmoceras
subfurcatum und ParMnsoni liefern, steht in auffallendem Gegen-
satz zu dem rothen Schimmer der Oberfläche der längs des
Steilrandes gegen die Mosel hinziehenden Korallenkalke.
Schon mitten in diesen Kalken, dann aber über denselben,
so im Dorfe Bezonville und am Waschhause zwischen diesem 1
Ort und Gravelotte, kommen eigenthümliche Thone mit einge- I
54
backenen oolithischen Körnern vor, welche stellenweise sehr
versteinerungsreich sind. Tebquem bezeichnet sie, wenigstens
z. Th., als fuUers earthj und in der That scheinen auch Aequi-
valente der ächten Bathonien vorhanden zu sein. Eine genauere
Untersuchung dieser so verschieden gedeuteten Grenzbildungen
lag jedoch nicht in meiner Absicht.
PAUIONTOLOGISCHER THEIL.
Nantilng.
yauUius et inamaiua d'OsB.
1843. Nautilus inonuUtu d*OBB. Terr. jar. Geph. Taf. 28.
Ein im Eisenerze Lothringen nicht selten vorkommender
Nautilus stimmt im Querschnitte, in der Flachheit der Extern-
Seite nnd im Verlaufe der Eammerscheidewände mit der oben
angeführten Abbildung b'Obbiont's der Hauptsache nach uberein.
Nur die Skulptur weicht etwas ab. Nautilus inomatus zeigt
nämlich in allen Alterszuständen nur Anwachsstreifen; bei unserer
Form tritt aber in der Jugend noch eine deutliche Längs-
streifung auf. Da auch die Nabelweite etwas geringer ist, als
sie B'OBBiaNT zeichnet, so entsteht eine gewisse Aehnlichkeit
mit N. lineatus Sow. (d'Obb., 1. c, Taf. 31), bei dem die
gitterformige Streifung aber auf einen kleineren Theil der Intern-
Windungen beschränkt zu sein scheint als bei meinen Exemplaren.
Ein solches Schwanken zwischen den Charakteren der Bist'
phites und SimpUces deutet Qubnbtsdt bereits für Nautilus
aus dem Dogger an. (Gephalop., S. 66.)
Vorkommen: Oberregion d. Seh. m. IVig. navis. Ziemlich
häufig: Oettingen, Hayingen, Esch. (Eisenerz.)
58
Amaltheua.
Onippe des Am. serradena
mit folgenden Formen :
Am. Driderieü n. sp.
Am. subserrodens n. ep.
TU. in, Fiff. 1.
? Ammonites ser rodens {Qu.) Dumort. Bassin dn Rhönc, IV, Taf. 58, Fig. 2, 3, S. 277.
Höbe des letzten Umganges 50,5
GrOsste Breite desselben 22
Darcbmesser des Nabels 16
Durchmesser der ganzen Schaale 100
Wirklicher Durchmesser des gemessenen Exemplars. 113 Hill
InYolntion 0,77
Es steht mir nur ein Exemplar ohne Schaale zur Ver-
fügung, welches sich im städtischen Museum zu Metz befindet;
ich erlaube mir dasselbe nach Herrn Professor Fnn>BBici , durch
dessen Oüte es mir zur Untersuchung anvertraut wurde, zu
benennen.
Der diskusartige Steinkem ist stark involut und zeigt kei-
nerlei Andeutung von Skulptur. Die Schaale war mithin im
Innern glatt; aber «uch die Aussenseite dürfte, nach dem Ver-
halten verwandter Formen zu schliessen, keinesfalls stark ver-
ziert gewesen sein. Die grösste Breite des letzten Umganges
liegt am Nabel und von diesem aus convergiren die nur wenig
gewölbten Seiten gleichmässig nach der Eztemseite hin, in
deren Nähe sich der Querschnitt plötzlich zuschärft. Die Extern-
59
Seite ist schneidig, hat aber keinen abgesetzten Kiel. Eine
Nathfläche fehlt in der Jugend gänzlich; mit dem Beginne der
letzten Windung jedoch stellt sich eine solche ein und nimmt
von da an sehr schnell an Höhe zu. Sie fällt schräg gegen den
Nabel hin ab, mit den Seiten der Schaale einen Winkel von
ungefähr 140® bildend. Die Nabelkante der Figur 1 ist übrigens
zu scharfkantig gezeichnet. Von der Wohnkammer ist an vor-
liegendem Exemplare nichts erhalten.
Die Sutur dieser Art bildet eine höchst charakteristische,
weniggezackte, flachwellige Linie. Der breite Extemsattel ist
zweitheilig und zerfällt in eine kleinere externe and in eine
grössere interne Hälfte.
Die vorliegende Spezies stammt aus dem unteren Dogger
und zeigt sich nahe verwandt mit einer Form des obersten
Lias, dem Am. serrodens Quenbt. sp. (Cepb. VIH, 14). Doch unter-
scheidet sich dieser leicht durch das Fehlen einer eigentlichen
Nathfläche, wie auch durch die weniger plötzlich eintretende
Zuschärfung der Externseite. In der Sutur ist allerdings eben-
falls ein Unterschied bemerkbar, wenn man die von Quenstbdt
gegebene Abbildung mit der meinigen vergleicht; erstere zeigt
nämlich tiefere und schmälere Loben. An mir vorliegenden
Exemplaren des Am. serrodens sehe ich jedoch, dass bisweilen
auch bei dieser Art die Lobenlinie einen mehr fiachwelligen
Charakter annimmt. In dieser Eigenschaft stimmt das von Du-
MOBTisB abgebildete, oben citirte Exemplar eines Am. serrodefts
vortrefflich mit meiner Form; auch stammt dasselbe ebenfalls
aus dem untersten Dogger. Da es jedoch keine Nathfläche zu
besitzen scheint, wodurch es sich dem Am. serrodens Schwabens
nähert, so glaubte ich dasselbe nicht ohne Weiteres mit der
vorliegenden Art identifiziren zu dürfen; es scheint vielmehr
eine Uebergangsform zwischen dieser jurassischen und jener
Kasiscben zu sein.
60
Ebenfalls mit Am. FÜdericü verwandt ist der weiter unten
beschriebene Am. suhserrodens (Taf. 3, Fig. 2), der jedoch
schon früher eine Nathfläche erh&It und eine schnellere Wachs-
thumszunahme zeigt. Auch in der Lobirung beider Arten zeigen
sich geringe Unterschiede, auf welche ich Gewicht lege. Da
nimlich die mir vorliegenden Exemplare von Am. subserrodens
kleiner als das des Am. Fridericü sind, so könnte man geneigt
sein, jene als junge Individuen des Letzteren anzusehen. Es
ist nun eine allgemeine Erfahrung, dass mit zunehmendem Alter
die Lobirung der Ammoniten complicirter wird. Hier würde
aber gerade das Umgekehrte stattfinden. Bei dem kleinen Am.
subserrodens sind der 1. und 2. Seitenlobus relativ schmäler
und tiefer und enden dreispitzig; bei dem grösseren Am. Fri-
dericü ist Alles einfacher.
Vorkommen : Aus dem Eisenerze von Longwy in Frank-
reich. Oberreg. d. Seh. m. Trig. navis oder Unterreg. d. Seh.
m. Harp. Murchisonad.
AnuMheus subserrodens n. sp«
Taf. III, Fi«. 2.
Höhe des letzten UmgaDges 43 47 46 49
Grösstc Breite desselben 27 24 22 20
Darchmesser des Nabels 29 30 26 25
Durchmesser der ganxen Schaale 100 100 100 100
Wirklicher Durchmesser der gemessenen
Exemplare 18,6 MUl. 23,5 Ml. 39 Mill. 48 MUl.
Involution 0,54 0,60 0,59 0,67
Im ausgewachsenen Zustande besitzt diese, der vorigen
verwandte Art 5 Umgänge, welche mSssig rasch in die Höhe
wachsen. Vom Nabel aus steigen die wenig gewölbten Seiten
anfangs mit geringer Gonvergenz empor, um sich später rasch
in der scharfen Externseite zu vereinigen, die keinen abge-
61
setzten Kiel trägt. Die Schaale zeigt feine Anwachsstreifen, von
welchen auf dem Steinkerne jedoch keine Spur bemerkbar ist.
Auf dem letzten Umgange stellt sich eine (auf der Abbildung
ungenügend wiedergegebene) Nathfläche * ein , welche ziemlich
steil gegen den Nabel hinabiäUt.
Die Lobenlinie ist einfach, wenig eingeschnitten. Der brei-
tere Extern- und der 1. Seiten-Sattel zerfallen je in eine kleinere
externe und eine grössere interne Hälfte.
Im Jugendzustande ist der Querschnitt unserer Art bis zu
einer Grösse von etwa 9 Millimeter gerundet; dann wird der-
selbe oval und von ungefähr 30 Millimeter Grösse an schärft
sich die Externseite allmählich zu, in welchem Stadium auch
zugleich die Bildung der Nathfläche beginnt. Die übrigen Eigen-
thümlichkeiten wurden bei der vorigen Art berührt.
Vorkommen. Oberregion d. Seh. m. Trig. navis. Ziemlich
häufig. Signalberg bei Boevingen.
Die Verbreitung der Gruppe des Am. serrodens, welche
von NsüMAYB zu den oxynoten Amaltheen gestellt wird , scheint
eine sehr beschränkte zu sein. Nach Oppel (Jura, S. 257) war
Am. serrodens bis dahin nur aus dem obersten Lias Schwabens
bekannt. Sohlcbnbach berichtete später über ein Bruchstück dieser
Art aus denselben Schichten bei Braunschweig (Pakeonto-
graphica, Bd. 13, Taf. 27, 2), welches nach Bbaüns (Mittl.
Jura, S. 114) jedoch ein Harp. affine v. Seeb. sp. (Hannov.,
Jura, S. 143, 8, 4) sein soll. Jedenfalls zeigt die Sutur beider
Formen , die nach der neueren Eintheilung verschiedenen Genera
angehören würden, eine sehr grosse Aehnlichkeit. Durch die
von DuMOBTiEB bei St. Romain nachgewiesene und durch die
von mir als Am. Frideridi^ und Am. sübserrodens abgetrennten
Formen vermehrt sich die Zahl der aus dem obersten Lias in
den untersten Dogger übergehenden verwandten Arten. Bemer-
kenswerth ist aber, .dass dieselben nirgends häufig sind.
62
Lytoceras
mit folgenden Formen :
Lyi, torulonun Schübl. sp.
Lyt. düucidum Opp. sp.
Ijyi. iorutOBum SchObl. tp. <tüKRBT. Cef h. YI9 1^«
In Lothringen und Luxemburg* scheint Ljft tarulosum
ebensowenig vorzukommen wie im nördlichen Frankreich. Oppel*
hat seine Zone des Lyt. tonUosum über einen grossen Theil
Frankreichs verfolgt. Seinen Angaben zufolge findet sich die-
selbe., jedoch ohne das namengebende Fossil, in den Departe-
ments Calvados, Sarthe, Deux-S^vres (hier fehlten noch genauere
Untersuchungen), Yonne, Jura und Doubs. Ueber die sich an
Letzteres nach N. hin anschliessenden Departements der Haute-
Sadne, Haute-Marne, Vosges, Meurthe wird nichts erwähnt.
Gefunden wurde Lyt, tarulosum in den Departements der
Vend^e, Aveyron, Loz&re, Is^re.
Unter der Voraussetzung, dass die Form dort, wo sie
Oppsii nicht nachweisen konnte, auch nicht vorkommt, würde
sie in der ganzen nördlichen Hälfte Frankreichs, etwa bis zum
47. Breitengrade, fehlen, während sie in der südlichen Hälfte
und zwar im W., in der Mitte und im O. des Landes vor-
handen ist. d^Obbioky citirt im Prodrome Lyt. torulosum nur
aus der Vend^e, was jedenfalls auch als ein Beweis für die
Seltenheit desselben dienen kann.
1. Ghapuis und Dewalqub führen das Fossil aas Luxemburg nicht auf.
2. Oppel, Jura S. 309.
63
Oestlich von den Vogesen erscheint die Spezies im Schweizer
Jura bei Aarau und in der Fortsetzung desselben in Süddeutsch-
land; hier liegt sie häufig in der nach ihr benannten Zone. In
Norddeutschland dagegen und im Elsass tritt sie erst in den
Schichten mit IVig. navis auf* '^.
Ijytoeeras düuddufn (Opp.) Duhobt. «p.
1 874. Ammoniies dilucidus (Opp.) Duhort. Bassin du RbOne, IV, S. 273, Taf. 58, Fig. 4,5.
? 1 856. > » » (Jura S. 373).
Höhe des letzten Umganges 47 48
Grdsste Breite desselben 36 35
Durchmesser des Nabels 25 22
Durchmesser der ganzen Scbaale tOO 100
Wirklicher Durchmesser des gemessenen Exemplares 99 Mill. 113 Mill.
Inyolution ; 0,50
Die Mundöffnung der vorliegenden Form ist etwa bis zu
einer Grösse von 20 MiUim. kreisrund; sehr bald aber wird sie
höher als breit und bildet im ausgewachsenen Zustande ein
ziemlich regelmässiges Oval, doch so, dass die grösste Breite
mehr nach der Nath zu liegt. Die Involution ist in der Jugend
gering, im Alter etwa */,. Die Skulptur der Schaale besteht auf
den inneren Windungen aus bis an den Nabel hinab geraden
Anwachsstreifen , unter denen sich von Zeit zu Zeit ein kräf-
tiger auszeichnet. Auf der letzten Windung jedoch ist, obgleich
die Schaale erhalten blieb, nichts von dieser Skulptur zu sehen.
Auch von concentrischer Streifung zeigt sich keine Spur.
Die Lobenlinie ist die des D^O&BiaNr'schen Am. jurensis.
Die vorliegenden Exemplare unterscheiden sich von deijenigen
Form, welche Duhobtieb als Ämm, diltmdus abbildet, durch
1. Brauns. Mittl. Jura S. 105.
2. Lspsius. Unter-ElsasB S. 42.
64
stärkere Involotion und etwas andere Form der Mnndöfinitiig,
stimmen aber mit derselben in Betreff der geraden Anwachs-
streifen äberein, während diese bei nahestehenden Formen etwas
geschwangen zu sein pflegen. (In dem Texte erwähnt Duxobtieb
der geraden Streifen; auf seiner Abbildung fallt dies nicht so
sehr in die Augen.)
Was Ämm. düucidus Oppsl (Jura, S. 372) anbetrifft, so
hat derselbe diese Art nie abbilden lassen. Ein Exemplar jedoch,
welches von Oppsl selber bestimmt wurde, liegt in der Strass-
burger Universitäts-Sammlung und zeigt eine etwas compiimirte
Mundöffiiung. Ebenso besitzen sänmitliche Vertreter dieser Art
in der Mfinchener Sammlung (darunter 3 Bruchstücke mit der
OppsL'schen Handschrift) Windungen T(m einem Querschnitte,
welcher in der Jugend rund, im Alter höher wie breit ist.
Dieselben Verhältnisse zeigt Ammon. Uneatus opaUnus Quskst.,
welchen dieser Autor mit Ammon. jurensis bei b^Osbiokt
identifizirt. AuflEedlender Weise versieht aber Oppsl in seiner
Synonymik (Jura, S. 372) Ammon. Uneatus opdUnus Qushst.,
also gerade die comprimirte Form, mit einem Fragezeichen,
während jlmmon. fimbriatus opaUnus Quskst., den Qusnstsdt
(Gephalop., S. 103) mit Ammon. comucopi4e t>^Obb. (Terr. jurr.
Ceph., Taf. 99), der einen deutlich deprimirten Querschnitt
zeigt, identifizirt, als unzweifelhaft übereinstimmend aufgeführt
wird. Sollte da vielleicht eine Verwechslung der Fragezeichen
stattgefunden haben?
Mit Amm. jurensis Zisr. (Taf. 68 , Fig. 1) kann die in Rede
stehende Art aus Lothringen nicht verwechselt werden, da sie
Y, involut, jener aber fast ganz evolut ist. Amm. jurensis, bei
D^QsBioNT (Tal 100), ist schon etwas involuter als die gleich-
namige schwäbische Art. Doch macht Lbpsius (Unter-Elsass ,
S. 37) wohl mit Recht darauf aufinerksam, dass das Original
von d^Obbiqmy's Amm. jurensis (Taf. 100) von ührweiler
65
stamme, also mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit dem obersten
Lias angehöre, während es von Quenstedt (Jura, S. 307) und
von Seebaoh (Hann. Jura, S. 139) mit zwei verschiedenen For-
men des unteren Dogger identifizirt werde; woraus denn folge,
dass diese Form wohl ununterscheidbar aus ersteren in letztere
Schichten übergehen müsse. Ich kann bestätigen, dass in der
Strassburger städtischen Sammlung ein aus dem Eisenerze
Lothringens, also aus dem unteren Dogger stammendes Exemplar
eines grossen Lytoceras liegt, welches von dem LyU jurense
aus dem obersten Lias Schwabens sich nicht unterscheiden lässt.
Vorkommen: Oberregion der Schichten mit IHg. navis.
Moyeuvre, Hayingen, Yillerupt (im Eisenerz) ziemlich
häufig.
n.
i>
6G
Stephanooeras.
Siephanoeeraa b. sp.
Taf. I, Fig. 5.
Dem einzigen von mir gefundenen Bruchstucke möchte ich
keinen neuen Namen geben, obwohl ich sicher zu sein glaube,
dass hier eine neue Art vorliegt. Veranlassung zur Abbildung
dieses Ammoniten war nur der Umstand , dass er in den Schichten
mit Astarte Voltei gefunden wurde , deren kleine aber weit ver-
breitete Fauna durch sie einen neuen Zuwachs erhält.
Der Querschnitt der Windung ist breiter wie hoch (100: 70)
und zeigt eine flachgewölbte, breite Extemseite. Wie das Bruch'-
stück erkennen lässt, muss die Involution eine geringe gewesen
sein. Von der Schaale ist nichts erhalten; der Steinkem jedoch
zeigt eine Berippung in der Weise, dass sich auf den Seiten
ziemlich entfernt stehende, langgezogene Knoten erheben, welche,
an der Nath schwach einsetzend, sich gerade aufwärts bis an
den Beginn der Externseite erstrecken. Quer über die letztere
verlaufen dichtgedrängte, regelmässige feine Rippen, welche
theils aus den erwähnten Knoten entspringen, theils aber in
den zwischen diesen befindlichen Zwischenräumen ihren Anfang
nehmen.
Der Extern- und 1 . Seitenlobus endigen auf gleicher Höhe.
Der letztere ist sehr breit und durch einen kleinen Sattel
getheilt, während der 2. Seitenlobus schmal ist; seine Erhaltung
ist indess mangelhaft. Der lange Internlobus läuft in drei kleine
Spitzen aus.
Von Sieph. Alberti Retnes:^ Oppeli Rbtnes (Aveyron , Taf. 2,
Fig. 2, S. 93), aus der Zone des Am. margaritatus , unter-
6t
scheidet sich vorliegende Form durch ihre weniger zahlreichen
und dafür dickeren Knoten auf den Seiten; auch ist die
Sutur eine andere. Die zahlreichen Rippen trennen sie ebenso
von Steph, acanthopsis d^Obb. aus der Zone des Harp, bifrons
(Prodrome, Toaboien, n^ 59; Dumobtieb, Bassin du Rh6ne, IV,
S. 265, Taf. 56, Fig. 1—4; Reynes, Aveyron, Taf. 5, Fig. 7,
S. 104), während auf der anderen Seite die Lobenlinie beider
Formen eine ähnliche ist. Dagegen giebt es gewisse Varietäten
des Steph. Desplacei d'Obb. (Terr. jur., Taf. 107) aus dem
oberen Lias von Avallon, die unserer Form durch ihre dickeren
Knoten schon näher stehen. Bei keiner dieser Arten aber ziehen
sich die Knoten so tief nach der Nath hinab, wie dies bei der
in Rede stehenden Spezies der Fall ist.
Vorkommen : ünterregion der Seh. m. Harp. striatulnm.
Voisage bei Nov^ant. Sehr selten.
Eine der charakteristischen Eigenthümlichkeiten des unteren
Doggers von Lothringen besteht in dem Auftreten einer nicht
unbeträchtlichen Anzahl von Ammoniten, welche der Gruppe
des Harp. radians im weiteren Sinne angehören. Zur leichteren
Uebersicht habe ich versucht, dieselben in einige Abtheilungen
zu bringen, von denen zwei Formenreihen darzustellen scheinen,
während eine dritte aus Arten besteht, die sich vor der Hand
nur als Bindeglieder auffassen lassen. Auch sie gehören vielleicht
einer besonderen, noch unvollkommen bekannten Formenreihe
an. Ich behalte vor der Hand die Bezeichnung Gruppe bei.
Unter Gruppe des Harp. radians, im engeren Sinne,
begreife ich Ammoniten , welche eine kräftige , mehr oder weniger
sichelförmige Berippung zeigen, die nie durch feine Anwachs-
streifung vollständig verdrängt wird. Harp. pseudoradiosum
stelle ich hierher, weil seine Streifen nur in gewissem Alter
68
auftreten und stets mit kräftigen zusammen. Harp. sirioMum
hat zwar feine Streifung über die ganze Schaale, allein immer
in Gesellschaft stärkerer Rippen. Es besteht hier bei den
lothringischen Arten immer eine Neigung, im Alter eine kleine
Nathfläche zu bilden.
Bei den Zwischenformen, welche sich an Harp. undülatum
Stahl sp. anschliessen , und zu welchen ich mein Harp. suhun-
dulatum rechne , sind wohl auch starke Rippen vorhanden , doch
verlaufen dieselben nicht sichelförmig, sondern gerade und nur
an der Externseite nach vorn gebogen. Hatp. Lesshergi behält
die Rippen bis in's Alter; andere Formen zeigen sie nur in der
Jugend und tragen im Alter ausschliesslich feine Streifung,
wodurch eine Annäherung an die folgende - Gruppe des Harp.
comptum bereitet wird.
Bei dieser endlich sind stets nur feine Anwachsstreifen vor-
handen, welche gebündelt oder ungebündelt auf der Seite hin-
aufziehen und stets über die scharfe Extemseite hinwegUufen.
Der Nabel ist theils weit, theils eng und somit die Involution
grösser, wie z. B. bei Hatp. opaUnum.
Diese drei Gruppen würden der grossen Familie des Harp.
radians angehören und sich durch sehr ähnliche , einfache Sutur
auszeichnen.
Die im unteren Dogger so verbreitete Gruppe des Harp.
Sowerhyi ist bei dem hier bearbeiteten Materiale nur durch
die genannte Spezies selbst und durch Harp. Sutneri (Taf. V,
Fig. 2) vertreten. Diese neue Art besitzt, ebenso wie einige
wenige andere, neben dem Kiele zwei Furchen, während die
Hauptmasse der Arten keine Furchen trägt. Alle sind durch
einen grossen ersten Seitenlobus ausgezeichnet, in dessen Tiefe
sich ein Sattel erhebt; die Sutur pflegt nicht mehr so einfach
wie diejenige der Familie des Hatp. radians zu sein.
Soweit es das mir zur Verfiigung stehende Material gestat-
69
tete, liess ich es mir angelegen sein, durch Herauspräpariren
der inneren Windungen Beobachtungen über dieEntwickelung
der Sutur und des Querschnittes der Windungen zu
machen. Es waren Formen von Harpoceras und AmaltheuSj welche
ich untersuchtet Die Resultate dieser Beobachtungen lassen sich
folgendermassen zusammenfassen :
Während man bei einer nicht geringen Anzahl triadischer
Ammoniten (wie bereits früher von von Hatjeb, Quenstbdt,
Laube u. a. Autoren z. Th. dargethan) von einem Ceratiten-
Stadium sprechen kann, liess sich bei keiner der untersuchten
jurassischen oder cretacischen Formen ein solches Stadium in
voller Deutlichkeit nachweisen. In den meisten Fällen muss die
Existenz desselben sogar völlig bestritten werden, während bei
einigen wenigen, wenn man durchaus will, sich Spuren ent-
decken lassen, die man als letzte Reste eines Ceratiten-Stadiums
auslegen kann. Ich sehe im Folgenden von triadischen Ammo-
niten ab lind setze kurz die normale Entwickelung der Sutur
bei den jurassischen und cretacischen Formen auseinander.
Die erste Phase, welche die Sutur eines solchen Ammo-
niten durchläuft, ist das sogenannte Goniatiten-Stadium, in
welchem eine einfache ungezackte Wellenlinie vorhanden ist.
Der Extemlobus wird bereits bei der 2. bis 6. Sutur zwei-
theilig. Im weiteren Verlaufe des Wachsthumes entwickelt sich
die Sutur von der Medianlinie der Schaale, also von der Extern-
seite aus, allmählich nach dem Nabel zu; dergestalt, dass erst
der Externsattel, dann der 1. Seitenlobus, später der 1 . Seiten-
1. Ich habe, nach Abschluss der vorliegenden Arbeit, diese Untersucliungen
über eine grossere RQibe ron Ammoniten ausgedehnt, deren Resultate in nicht
ferner Zeit in einer besonderen Arbeit veröffentlicht werden sollen. Ich bin daher
im Stande, mich schon Jetzt etwas allgemeiner auszudrücken, und mich nicht blos
anf Harpoceras und AmaHheus ZQ stützen.
70
8attel, zuletzt der 2. Seitenlobus u. s. w. die beginnende
Zackung erkennen lassen, wie alle meine darauf bezüglichen
Zeichnungen zeigen. Doch kommt es auch vor, dass der Extern-
Sattel und der erste Seitenlobus zu gleicher Zeit aus dem
Goniatiten- in das Ammoniten-Stadium übergehen. Die Sutur auf
der Intemseite zeigt im Allgemeinen einen analogen , also auch
vom Internlobus nach der Nath hin vorschreitenden Entwick-
lungsgang; doch scheint derselbe weniger regehnässig zu ver-
laufen.
Was nun die Veränderungen anbetrifft, welche der Quer-
schnitt der Windungen eines Ammoniten während seines Wachs-
thumes erleidet, so iBt derselbe in der ersten Jugend stets
breiter wie hoch. Bei den breit- und niedrig-mündigen Formen
dauert dieses Jugendstadium auch im Alter noch fort. Alte
hochmündigen dagegen müssen, um aus dem breitmündigen
Stadium in das schmalmündige überzugehen, ein rundmündiges
durchlaufen, denn nur auf diese Weise kann aus einem liegen-
den Oval durch allmähliche Veränderung ein aufrecht stehendes
hervorgehen.
71
Harpoceras.
1. Gruppe des H.arp. radia/ns
mit folgenden Formen :
Harp. striaiulum Sow. sp.
0 äff. radians Rsin. sp.
„ costula Rein. sp.
„ psetidoradiosum d. sp.
„ cf. fluüans Dum. sp.
;; Loiharingicum n. sp.
Harpoceras strlatnlam Sow. sp.
Taf. I. Fig. 1, X.
1823. AmmonUes slrialulus Sow. Taf. 421, Fig. I.
1842. » ThouarsensU d'Orb. Terr. jur., Taf. 57, S. 222.
1849. • radians depressus Quenst. Gephal. 1 1 1, Taf. 7, Fig. 4.
1851. * Comcfisis (Bogh.) Ghap. u. Dew. Luxemb. S. 63, Taf. 8, Flg. 4;
Taf. 9, Fig. 1.
1856. » Thouarsensis d*Orb. Oppel. Jara S. 248.
1856. * striatului Sow. Oppel. Jura S. 248.
1858. > radians Quenstedt. Jura S. 281. Taf. 40, Fig. 14 (nou 13).
1864. • Btriatultu Sow. y. Seebagh. Hann. Jura S. 140.
1874. » • DuMORTiBR. Bass. du Rhöoe, IV, S. 6i, Taf. 16, Fig. 1.
Höhe des letzten UmgaDges 44 44
Grösste Breite desselben 36 40
Höhe des Nabels 28 29
Durchmesser der ganzen Schaale 100 100
Wirl^lieher Durchmesser der gemessenen Exemplare 25 Mill. 17 Miil.
iQTOiotion 0,45 0,49.
In der ersten Jugend sind die Windungen breiter wie
hoch; aber dieses Yerhältniss ändert sich schnell, denn schon bei
72
8 Millim. Grösse ist der Querschnitt kreisrund. Allmählich nimmt
dann die Höhe« zu, so dass sich bei ganz alten Exemplaren
diese zur Breite etwa wie 100 : 70 verhält. Bis zu der Grösse
von 6 Millim. bleibt die Schaale glatt; dann stellen sich Rippen
ein, die sich von der Jugend bis in's Alter unverändert erhalten.
Nach dem Verhalten derselben kann man zwei Varietäten unter-
scheiden. Die eine, welche den Namen Harp. sirtatulum Sow.
sp. oder Thouarsense d'Obb. sp. trägt, hat Rippen, welche nicht
gleich am Nabel, sondern erst am unteren Drittel der Seite
beginnen, gewöhnlich entfernter stehen und meist stärker rfick-
wärts gebogen sind. Bei der anderen hingegen, welche Quen-
BTEDT radians depressus nennt, beginnen die Rippen schon am
Nabel, stehen etwas dichter und sind weniger stark rückwärts
gebogen. Im Allgemeinen kann man in Lothringen gut nach
diesen Kriterien unterscheiden, doch zeigen sich Uebergangs-
formen, was auch an anderen Orten der FaU sein muss, da
QuENSTSBT , Opp£l , Y. Seebach u. A. beide Varietäten , die im
selben Lager auftreten, vereinigen.
Die Externseite ist in der Jugend ungekielt; mit dem Auf-
treten der Rippen erscheint aber auch ein Kiel, welcher im
späteren Alter scharf und etwas abgesetzt zu sein pflegt,
ein Verhältniss, welches jedoch ebenso wie die grössere oder
geringere Breite der Externseite ziemlichem Wechsel unterworfen
ist. Meist kommen nicht nur in Lothringen, sondern auch an
anderen Orten allein Steinkeme vor. Doch finden sich unter
den Hunderten von Bruchstucken, welche man in unseren Auf-
schlüssen sammeln kann, immer einzelne Exemplare, die mit
Ueberresten der Schaale versehen sind. Diese lässt deutlich
erkennen, dass jede der beiden obengenannten Varietäten eine
fein gestreifte Schaale besitzt, wie sie dem Harp. striattdum
zukommt. Ich glaube daher H(xrp. Thouarsense und radians
depressum um so mehr zu Havp. siriatulum stellen zu müssen,
73
als sie auch in den übrigen Eigenschaften mit demselben über-
einstimmen. Ausser der feinen Streifung besitzt die Schaale
dieselben starken Rippen wie der Steinkern. Eine Nathfläche
fehlt; die Länge der Wohnkammer muss mindestens \/| Umgang
betragen haben. Die Sutur stimmt mit der bekannten des Harp.
rcidianSi &uch ist der Internlobus zweispitzig.
Von den beiden oben besprochenen Varietäten ist diejenige,
welche kurze, stark geschwungene Rippen besitzt, Amman.
Thouarsensis b'Obbigny's in Lothringen die bei weitem häufigste.
Nach dem in den Sammlungen liegenden Materiale scheint sie
mir überhaupt für Frankreich und England die verbreitetere
Form zu sein, während in Schwaben mehr jene andere, mit
längeren Rippen versehene, vorherrschen dürfte. Solche rück-
wärts gebogenen Rippen, wie sie der ersteren Varietät eigen-
thümlich sind^ treffen wir bei einer ziemlichen Anzahl anderer
Harpoceras-Formen wieder. Ein Theil derselben ist aber durch
den Besitz zweier den Kiel begleitenden Furchen scharf von
der vorliegenden Form untierschieden, wie Amman. Bascenzis
Reynes (Aveyron, Taf. 3, Fig. 2) aus den Schichten mit Am.
margaritatus , Amman. Levisani Simps. (Dumobtieb, Bassin du
Rhone, IV, S. 49, Taf. 9, Fig. 3) aus dem obersten Lias und
Amman. Tablianus Catulla {Calcare rassa ammanitica, Taf. 2,
Fig. 2). Amman, barealis v. Seeb. hat zwar nur in der Jugend
solche Furchen, doch schon so genügen sie zur Unterscheidung;
ausserdem aber ist nach der Abbildung eine Nathfläche vor-
handen, auch zeigt sich im Alter die Andeutung einer Seiten-
furche. Ohne den Kiel begleitende Furchen ist Amman. Narman-
nianus (d'Obb., Terr. jurr., Täf. 88) aus dem mittleren Lias;
doch zeichnet sich diese Art durch abwechselnd lange und kurze
Rippen aus. Amman, radians amalthei Oppel (Mittl. Lias Schwa-
bens, Taf. 3, Fig. 1) schliesslich, von Oppel mit Amman. Norman-
nianus vereinigt, trägt ebenfalls den Kiel begleitende Furchen.
74
Die von Qdenstedt als Amnion, radians depressus bezeich-
nete Varietät ist am nächsten mit Uarp. radians (cf. Oppel,
Jura, S. 247) verwandt Bei Beiden beginnen die Rippen schon
an der Nath; sie verUufen jedoch bei letzterer Art geradliniger,
während sie bei ersterer in der Nähe des Nabels rfickwärts
gebogen sind und vielleicht weniger dicht stehen. Jedenfalls ist
s^OaBiaNY's Amman. Thouarsensis weit besser von Harp. radians
geschieden, als dies bei Amm, radians depressus Quekbtkpt'b
der Fall ist.
Vorkommen: Erscheint in dem Aequivalente der Seh. ro.
Lyt. jurense und geht durch die Unterregion der Seh. m. Harp.
siriaMum in die Oberregion über, in welcher letzterer er eine
sehr grosse Verbreitung erlangt. Ganz vereinzelt in dem untersten
Niveau der Unterregion der Seh. m. Trig, navis. Ueberall in
Lothringen häufig. Auch von Chapuis und Dewalque (als Ammon.
Comensis) aus den Marnes de Grandcour in Luxemburg erwähnt
und abgebildet , welche den hier genannten Schichten entsprechen.
Anmerkung: Das unter Tal. 1, Fig. 4 abgebildete
Exemplar weicht durch stärkere Involution und breitere Extern-
seite, daher viereckigeren Querschnitt, etwas ab, schliesst sich
aber in der Berippung an d'Orbigky's Ammon. Thouarsensis
an. Es stammt aus der Unterregion d. Seh. mit Harp. striatulum.
Harpoceras äff. radians Rsnf. gp.
T»f. I, Pig. 7.
Höbe der letzten Windun«: 39
Grösste Breite derselben 25
Durcbmesser des Nabels 34
Durcbmesser der ganzen Scbaale 100
Wirklicber Durchmesser des gemessenen Exemplares 37 Mill.
InYoIation 0,43
Die untersuchten Exemplare dieser Form sind bis zu einer
Grösse von 2 MiUim. stark involut; jedoch schon bei 4'/, Millim.
75
Durchmesser umfasseD dch die Umgänge nur noch zur Hälfte
4
und im Alter noch etwas weniger. Auch der Querschnitt wech-
selt in den verschiedenen Altersstadien; bei den Jugend Windungen
zeigt er sich gerundet, bei den älteren oval. Eine Skulptur
stellt sich erst mit einer ungefähren Grösse von 4'/, MiUim.
ein und zwar in Gestalt mehr oder weniger gedrängt stehender
Rippen, welche sich nie gabeln, vom Nabel aufwärts mit geringer
Biegung verlaufen und sich an der Externseite nach vorn wen-
den. Letztere ist mit einem ziemlich schwachen aber scharfen
Kiele versehen.
Bis auf den 1. Seitensattel, welcher schmaler ist, zeigt die
Sutur grosse Uebereinstimmung mit derjenigen des Hat^f.
radians. Auch der Internlobus endet zweispitzig.
Wesentliche Unterschiede zwischen dieser Form des unteren
Dogger und Harp. radians Rein. sp. aus dem obersten Lias
vermag ich nicht anzugeben. Wenn ich trotzdem keine absolute
Identität mit demselben aussprechen mochte, so lag dies daran,
dass mir nur junge Individuen zu Gebote standen und ältere
sich möglicherweise doch von jener liasischen Spezies abtrennen
lassen würden. Auch aus dem untersten Dogger anderer Gegenden
I werden übrigens nicht selten Formen beschrieben und citirt,
welche die betreffenden Autoren mit Harp. radians identifiziren ,
so dass daraus gefolgert werden muss, dass diese Art, wenn
nicht in unveränderter, so doch in sehr wenig modifizirter
Gestalt aus dem Lias in den Dogger übergeht.
Vorkommen: Selten in der Oberreg. d. Seh. m. IViff,
nafyis. Signalberg bei Boevingen,
76
Harp, eoHula Beut. sp.
Taf. I,Flg. 9.
1818. Amtnonites cosiula Rein. S. 68, Taf. 33, 34.
1830. • costulatus ZtST. S. 10, Taf. 7, Fig. 7.
1846. > radians costuia Qubnst. Geph. S. UO, ( 13, Taf. 7, Fig. 1 1.
1858. • Aalensü » » Jura. S. 282, Taf. 40, Fig. U.
1874.? » cosiula (Rem.) Duhort. Bassin da Rhone, I V, S . 252, Taf. 5 i , Fig. 1, 2.
Höhe des letzten Umganges 42
Grösste Breite desselben 21
Durchmesser des Nabels 40
Durchmesser der ganzen Schaale 100
Wirklicher Durchmesser des gemessenen Exemplares 24 Hill.
Involution 0,33
Das einzige mir Yorliegende Exemplar scheint bis zu einer
Grösse Yon 10 Millim. völlig glatt zu sein. Später erheben sich
zunächst schwächere, dicht stehende, dann stärkere, durch
grössere Zwischenrätmie getrennte Rippen. Letztere haben einen
ziemlich geraden Verlauf, biegen sich nur an der Extemseite
etwas nach vom und sind einfach. Die Wohukammer des ab-
gebildeten Exemplares beträgt reichlich '/^ Umgang und zeigt
einen ovalen Querschnitt mit zugeschärfter Externseite. Eine
Nathfläche fehlt.
Die Sutur trägt den Charakter derer des Harp. radians. Wenn
dieselbe auf der Abbildung einfacher als bei diesem erscheint,
so rührt dies von der geringen Grösse (Jugend) des Exemplares
her, bei welchem schon bei 18 Millim. Durchmesser die Wohn-
kammer beginnt.
Harp. costula, in Schwaben im oberen Lias, in Lothringen
im unleren Dogger liegend, wird allgemein zur Gruppe des
Harp. radians gestellt. Diejenige Form, welche Duhobtieb
unter dem Namen des Ämm. cosUüa aus den Schichten mit Trig.
navis abbildet, besitzt einen gerundeteren Querschnitt, öfters
77
sich gabelnde Rippen und eine deutliche Nathfläche. Schon aus
der Zone des Äw, margaritatus bildet Reynes (Aveyron, Taf. 4, 1)
eine ähnlich entferntrippige Spezies als Ammon. Fieldingi ab;
die Rippen derselben verschwinden jedoch in der Nähe der
Extemseite. Auch die Sutur zeigt Unterschiede; besonders ist
der 1. Seitenlobus sehr tief, was aber — da die citirte Ab-
bildung derselben vergrössert ist — stärker in die Augen fallen
muss, als bei einer Zeichnung in natürlicher Grösse.
Vorkommen: Sehr selten in der Oberreg. d. Seh. m.
Ih'g. navis. Signalberg bei Bcevingen,
Harpoeeras paeudaraddoaufn bu sp,
Taf. IT, Flg. 5,4.
1874. Amm. radioms Dum. Bassin du RhÖDe, IV, S. 66, Taf. 14, Fig. 2—5. (Non
» • y. Seeb. Hannov. Jura S. 142, Taf. 1 1, Fig. 2.)
Hohe des letzten Umganges 34 39 36
GrOsste Breite desselben 19 22 20
Durchmesser des Nabels 39 28 36
Durchmesser der ganzen Schaale. . . .* 100 100 100
Wirklicher Durchmesser der gemessenen Exemplare SOMill. 72 Mill. 72Min.
Involution 0,31 0,47 0,40
Die Art ist in der ersten Jugend etwas evoluter als im
Alter. Der Querschnitt der Windungen zeigt sich bis zu 2 Millim.
Grösse noch breiter wi6 hoch, ist bei 5 Millim. bereits fast
kreisrund und von nun an wird er höher wie breit, welches
Verhältniss sich mit zunehmendem Alter steigert. Die innersten
Windungen sind bis zu einem Durchmesser von 5 Millim. ganz
glatt und ungekielt. Im späteren Wachsthum stellen sich zuerst
entfemtstehende, dann sehr dicht gedrängte und zuletzt aber-
mals weiter auseinandergerückte Rippen ein. Bei den ver-
schiedenen Exemplaren wechselt aber die Ausdehnung dieser
3 Zonen der Berippung insofern, als das eine Exemplar frfiher^
das andere später aus der ersten in die zweite tritt, u. s. w. Die
Rippen sind von Anfang an gerade , schmal , nicht sehr hoch nnd
nur an der Extemseite vorwärts gebogen; bei der weitergena-
belten Varietät (Fig. 1) zeigen sie sich jedoch auf dem letzten
Umgange etwas sichelförmiger. Der Steinkem trägt dieselbe
Skulptur wie die Schaale. Auf der Extemseite befindet sich ein
stumpfer, niedriger, nicht von derselben abgesetzter Kiel. Die
Weite des Nabels variirt ziemlich bedeutend, und zwar liegt der*
selbe bei den engergenabelten Formen tiefer als bei den weiter-
genabelten. Eine kleine Nathfläche ist vorhanden und verläuft
in sanfterer Biegung in die Seiten der Schaale.
Die Stttur ist einfach, der von Harp, radians ähnlich,
doch endet der Internlobus einspitzig; der 1. Seitensattel ist
etwas höher als der Externsattel.
DuMOBTiEB identifizirt eine Form aus den Schichten mit
Lyt jurense im Rhonebecken mit Amm. radiosus v. Sesb.,
welcher im N.-W. Deutschland im unteren Dogger vorkommt.
Meine Exemplare stammen aus den Schichten mit lüg. navis
und sind, wie mir scheint, ident mit den von Dumobtieb
gegebenen Abbildungen. Nur in der Sutur zeigen sich kleine
Unterschiede; die DuMOBTiEB'sche Form ist allerdings auch
etwas weitergenabelt, ich erwähnte aber schon, dass meine
Exemplare darin beträchtlich variiren. Dagegen glaube ich
weder die französische noch die lothringische Form mit der N.-W.
deutschen identifiziren zu dürfen, wenngleich dieselbe jenen
nahe verwandt ist. Die Vergleichung mit Exemplaren des Har^^.
radiosum aus Hannover ergab die folgenden Unterschiede:
Amm. radiosus v. Sbeb. Amm, radiosus Dum. Harp, pseudoradiosum n. sp.
1. Jagend : Querschnitt mehr ? Nur ganz im Anfange rund,
Tiereckig. sehr bald OTal.
2. Steinkernglattodeirfastglatt ? Steinkem sehr deutlich be-
rippt.
3. Rippen unregelmässig. Jede Rippe regelmässig verlaufend.
4. Auf dem letzten Umgange Letzter Umgang deutlich berippt (bei entsprechen-
nur feine Anwachsstreifen. der Grösse).
79
Vorkommen: Oberregion der Schiebten der Trig, ^mvis.
Signdberg bei Boevingen, ziemlich häufig.
HarpacertM et fluUans Düx. sp.
T»f. II, Fig. 6.
1874. Ammonites fluitans Dumort. Bassin du RhÖDe, lY, Taf. 51, Fig. 7, S, S. 253.
Höbe des letzten Umganges 34
GrOsste Breite desselben 18
Durchmesser des Nabels 40
Durchmesser der ganzen Schaale 100
Wirklicher Durchmesser des gemessenen Exemplares 88 Mill.
Involution 0,40
Bis zu einer Grösse von 6 Millimeter ist diese Art glatt;
dann stellen sich hohe, einzelnstehende Rippen ein, die auf den
inneren Windungen relativ etwas breiter und noch weniger
gebogen erscheinen als auf der äusseren; sie stehen massig von
einander entfernt, so dass die Breite der Zwischenräume die-
jenige der Rippen um etwas übertrifit. Die Seiten der Schaale
verlaufen ziemlich parallel und bilden auf dem letzten Umgange
eine schräg abfallende, nicht sehr hohe Nathfiäche^ ohne jedoch
bei ihrem Uebergange in diese eine eigentliche Nabelkante zu
erzeugen. Die massig breite Externseite trägt keinen abgesetzten
Eiel, wohl aber eine zugescbärfte Kante. Die Wohnkammer des
abgebildeten Exemplares hat mindestens die Länge eines halben
Umganges eingenommen.
In der Sutur zeigt sich der einfache Charakter, wie ihn
uns Harp. radians repräsentirt.
Die vorliegende Form unterscheidet sich von der citirtcn
DuMOBTiEB^schen nur dadurch, dass sie weiter genabelt ist und
stets einfache Rippen trägt, während bei jener bisweilen eine
Gabelung eintritt. Eine Vergleichung der Lobenlinie war jedoch
unmöglich, da Duhobtieb dieselbe nicht abbildet.
80
Von Harp, rctdians Rein. sp. — in der Begrenzung, wie
sie Oppel, Jura S. 247 giebt — weicht diese Art durch ent-
fernter stehende, von Harp. undulaium Stahl sp. durch weniger
gerade Rippen, von Beiden zugleich durch den Besitz einer
Nathfläche ab. Von Hatp. Äaletise Zibt. sp. schliesslich ist sie
durch den Mangel einer sich gabelnden oder gebündelten Be-
rippung geschieden.
Vorkommen. Unterregion der Seh. m. Hatp. Murchisants.
Kneuttingen, Esch. Ziemlich häufig. Das Original befindet
sich im städtischen Museum zu Metz. (Eisenerz.)
HarpacertM Latharingieum n. gp.
Taf. II, Flg. 6.
Höhe des letzten Umganges 36
Grösste Breite desselben 14
Durchmesser des Nabels 37
Durchmesser der ganzen Schaale 100
Wirklicher Durchmesser des gemessenen Exemplares 94 Hill.
Involution 0,35
Von der innersten Windung ist bei dem einzigen mir vor-
liegenden Exemplare nichts erhalten. Dasselbe zeichnet sich vor
allen bisher aus Lothringen besprochenen Formen aus der
Gruppe des Harp. radians durch den schmalen Querschnitt und
die dadurch sehr scharf erscheinende Extemseite aus; die Seiten
der Schaale sind flach und Men nach dem Nabel zu in Gestalt
einer niedrigen, aber ziemlich steilen Nathfläche ab, bilden jedoch
keine Nabelkante. Die schmalen, äusserst flachen und Sichel-
förmig gebogenen Rippen stehen in der Jugend entfernter und
sind einfach. Später rücken sie dichter zusammen und gabeln
sich in grosser Regelmässigkeit in der Nähe des Nabels. Auf
der Wohnkammer, welche etwas mehr als einen halben Umgang
umfasste, werden sie noch flacher, undeutlich und scheinen sich
81
nicht mehr zu gabeln. Die Sutur ist einfach wie diejenige des
Harp. radians,
Harp, Aalense Ziet. sp. unterscheidet sich von der vor-
liegenden Art durch engeren Nabel und stärkere, überhaupt
abweichende Berippung, während die vorher beschriebene Spezies
aus der Gruppe des Harp. radians allein schon durch den
Mangel sich gabelnder Rippen von Harp, Lciharingicum getrennt
sind.
Vorkommen : Oberregion der Seh. m. IW^. navis.
Hayingen (Eisenerz). Sehr selten.
Harpoceras gp.
TtJ. I, Fig. 6.
Ich schliesse hier noch die Beschreibung einer Art an,
welche ebenso wie die auf Seite 66 aufgeführte durch ihr Vor-
kommen in den Schichten mit Astarte Voltei interessant ist.
Der Querschnitt ist fast viereckig, die Seiten sind leicht
gerundet und die breite Externseite trägt einen Kiel, welcher
von zwei Furchen begleitet wird. Die Rippen entspringen meist zu
je zweien an der Nath und steigen mit geringer Krümmung
empor; nur an der Externseite sind sie etwas vorwärts gebogen.
Der Externlobus ist so tief wie der dreispitzige 1. Seitenlobus.
Der 2. Seitenlobus ist flach und hinter ihm folgen nur noch
2 Zacken. Der Internlobus ist schmal und endet zweispitzig;
ausserdem zeigt die Intemseite einen Hül&lobus.
Die in Rede stehende Form gehört in die Gruppe des
Harp, Mercati Haüeb.
Vorkommen: Seh. m. Astarte VolUd. Voisage bei
Nov^ant. Sehr selten.
II. 6
82
2. Gruppe des Harpoeeras v/ndulatmn Stahl sp«
mit folgenden Formen :
Harp, undulatum Stahl sp.
» Lessbergi n. ap.
» »ubundtdcthim n. ap.
J9aftpoc«r<w undtdaiufn Stahl sp.
1824. Ammoniies undulaitis (Stahl). Zicten. Ttf. 10, Fig. 5.
1830. • solaris (Phill.; Ziet. sp. Taf. 14, Fig. 7.
1813. » levesquei d'Orb. Terr. Jur. Taf. 60.
1851. • • • Ghap. et Dew. Lnxembaig. Taf. 11, Fig. 2.
Formen, welche ich nicht von Harp. undulatum Stahl sp.
abtrennen möchte, ÜEUid ich in dem unteren Dogger Lothringens.
Auch Ghapuib und Dewalque fuhren diese Art aus genau den-
selben Schichten Luxemburg's an, während dieselbe in Schwaben
und im Rhonebecken im obersten Lias erscheint. (VergL Oppsl,
Jura, S. 247 und Dumobtisb, Bassin du Rhone, IV, S. 66.)
Die Spezies zeichnet sich durch gerade Rippen aus, welche
nicht selten auf der Extemseite etwas undeutlich werden. Man
kann zwei Varietäten unterscheiden. Diejenige Form, welche
d'Obbigny als Amm, Levesquei bezeichnet hat, besitzt dichter
gedrängte Rippen, wird wohl auch im Alter etwas hochmOndiger,
während die von Zibten unter dem Namen Amman, undulatus
und solaris abgebildete eine entfernter stehende Berippung
zeigt. Die erstere der ZisTBN^schen Zeichnungen weicht aller-e
dings durch eine mehr viereckige Mundöffhung von der letzteren
ab ; indess ist zu erwägen , dass sie auch ein sehr viel kleineres
Exemplar darstellt und dass alle Formen , deren Querschnitt im
Alter höher wie breit ist, in der Jugend, wie oben schon
erwähnt (S. 70) das umgekehrte Verhältniss zeigen. Uebrigens
83
mögen auch beide Formen an sich einen etwas verschiedenen
Querschnitt besitzen, der wohl der Variation unterworfen ist.
Vorkommen : ünterregion der Seh. m. Trig. navis. Signal-
berg bei Boßvingen.
Harpaeeraa LeMbergi b« gp.
Taf. V, Flg. 1.
Höhe der letzten Windung 38 32
GrOsste Breite derselben 42 24
Durchmesser des Nabels 39,5 43
Durchmesser der gansen Schaale 100 iOO
Wirklicher Durchmesser der gemessenen Exemplare 19 Mill. 72 Hill.
InTOlution 0,30 0,39
Bis zu einem Durchmesser von 7 MiUim. ist die Schaale
glatt. Dann erscheinen Rippen, welche in unveränderter Be-
schaffenheit bis in das Alter verbleiben. Dieselben sind einfach,
dicht stehend, £Eist gerade und nur an der Externseite vorwärts
gebogen, steigen aber öfters nicht senkrecht in die Höhe,
sondern fallen schräg nach vorn; in der Jugend sind sie schärfer,
im Alter gerundeter, auf der Eztemseite werden sie undeutlich.
Auf dem Steinkeme zeigt sich dieselbe Skulptur wie auf der
Schaale. Die Extemseite ist breit, mit einem stumpfen, niedrigen
Kiele versehen. Bis zu einer Grösse von 20 Millim. ist der
Querschnitt der Windungen breiter wie hoch; später wird dies
Verhältniss zwar ein umgekehrtes, allein nie wird die Form
hochmündig. Der Nabel ist von Jugend auf weit und flach , eine
Nathfiäche fehlt gänzlich.
Der 1. Seiten- wie der Extemsattel sind schmal und hoch,
der 1. Seitenlobus tief. In der Einfachheit der Sutur spricht
sich aber ebenfalls der Charakter deijenigen des Harp. radians
aus.
Diese Art ist mit Harp. undt/Uatum Stahl sp. nahe ver-
wandt und bildet insofern einen Uebergang zwischen den beiden
84
Varietäten desselben (S. 82), als sie dichter stehende Rippen
wie die Varietät Ämm, solaris , dagegen weiter auseinander
gerückte wie die Varietät Ämm. Levesquei besitzt. Bei keiner
derselben aber fallen die Rippen derartig nach vorwärts, wie
dies bei Harp. Leshergi häufig der Fall ist. Eine nahe Ueber-
einstimmung zeigt sich auch mit Amm. Dumoriieri Thioll. (Du-
MOBTiEB, Bassin du Rhone, IV, S. 269, Taf. 57, Fig. 3, 4),
welcher aus denselben Schichten stammt; doch ist dieser etwas
weiter genabelt und hat im Alter einen anderen Querschnitt
der Mflndung. Vor Allem aber soll er allerdings kaum bemerk-
bare Einschnürungen besitzen, welche ihm eine ganz andere
Stellung im Systeme geben würden, falls dieselben nicht etwa
nur zufällige Erscheinungen sein sollten.
Ich erlaube mir, die vorliegende Art nach Herrn Haupt-
mann Lessbebg, in Esch, zu benennen.
Vorkommen. Oberregion der Seh. m. Trig. navis. Signal-
berg bei Boevingen. Selten.
Harpoeeras suhundtOatuim n. sp.
Ich fasse unter obigem Namen drei Formen zusammen,
welche in der Sutur übereinstimmen und eine sehr ähnliche
Jugendgestalt haben, die sich, meines Erachtens nach, an
Harp. unduhtum Stahl sp. anschliesst. In ihrer äusseren Win-
dung dififeriren sie jedoch bedeutend. Da sie in denselben Schich-
ten, meist auch am selben Fundorte auftreten, da die, äusserst
seltenen, erwachsenen Exemplare wohl unterscheidbar, die jungen,
häufigen, dagegen (und zwar bis zu ziemlicher Grösse) alle mög-
lichen Schattirungen zwischen grösserem und geringerem Quer-
schnitte, zwischen dichter und entfernter stehender Berippung
aufweisen, so glaubte ich hier für jetzt nur Varietäten unter-
85
ficheiden zu sollen, bis weitere Funde erwachsener Exemplare
die Kenntniss derselben erweitern könnten.
Bis zu einer Grösse von etwa 4 Millim. sind die innersten
Windungen glatt, kiellos und ihr Querschnitt ist breiter wie
hoch. Bald aber wird derselbe kreisförmig und später wächst
er mehr in die Höhe als in die Breite. Bei 4 — 6 Millim. Durch-
messer stellen sich die Rippen ein, welche jedoch anfangs, am
Nabel beginnend, nur etwa die halbe Höhe der Seite erreichen
und erst im späteren Wacbsthum allmählich länger werden. Der
Verlauf dieser Hippen auf den inneren Umgängen ist ein ziem-
lich gerader; nur an der Externseite sind sie etwas nach vor-
wärts gebogen. Sie stehen einzeln und ziemlich entfernt von
einander, sind schmal und scharf auf der Schaale, gerundet auf
dem Steinkerne. Die Involution ist stets gering , der Querschnitt
annähernd oval. Die Sutur ist bei allen die gleich einfache; der
1. Seitenlobus ist tief und schmal, der 2. ganz kurz, der
1. Seitensattel schmal und hoch. Ein Unterschied findet inso-
fern statt, als bei der Varietät externe punctatum der Intern-
lobns zweitheilig ist, während er bei den zwei anderen in einer
Spitze endet.
ft) Varletit «gbC«- m6 eottai^mn*
Taf. III, Fig. 5.
Höhe des letzten Umganges 37 39 38 44
Grösste Breite desselben 25 33 42 50
Durchmesser des Nabels 38,5 33 34 31
Durchmesser der ganzen Schaale 100 100 100 100
Wirklicher Durchmesser des gemessenen
Sxemplares ! 65 MiU. 33 MUl. 16 Mm. 8 MUl.
Involution 0,38 0,41 0,44 ?
An die Stelle der höheren und schmaleren Rippen der
inneren Umgänge treten auf der Schaale der letzten Windung
breitere und flachere, zwischen denen sich bisweilen eine feine
Streifung zeigt. Diese Varietät besitzt eine etwas grössere Breite
86
des Querschnittes wie die folgende, was sich mehr noch auf den
inneren Umgängen wie auf dem äusseren zeigt.
Von Harp. undulafum Stahl sp. weicht diese Form durch
anderen Querschnitt ab; auch bildet ihre zum Theil fein ge-
streifte Schaale ein Unterscheidungsmerkmal.
Vorkommen: Sehr selten in der Oberreg. d. Seh. mit
Trig. navis. St. Quentin bei Metz. (Eisenerz.)
b) Tuletit M0<0m« eomptmn*
Taf. III,Fig.4,6.
Hülie des letzten ümgaDges 37 40
Grösste Breite desselben 20 19
Durchmesser des Nabels 39 34
Darcbmesser der ganzen Scbaale ICD 100
Wirklicher Durchmesser der gemessenen Exemplare 49 Mill. 37 Mill.
Involution 0,40 0,59
Ich bilde unter diesem Namen 2 Individuen ab, bei welchen
sich die Tendenz der Schaale, feine Streifung zu bilden, noch
mehr hervortritt. Bei Figur 4 zeigt sich eine solche auf dem
letzten Umgange bereits so stark, dass die ursprüngliche Be-
rippung unter derselben gar nicht mehr erkennbar ist. Das
zweite Individuum (Fig. 5) zeigt eine noch weiter gehende
Modifikation der äusseren Windung, indem um den Nabel herum
eine Fältelung der feingestreifken Schaale eintritt, wodurch die*
seihe ein dem Harp. comptum ähnliches Aussehen erlangt; auch
laufen, wie bei diesem, die feinen Streifen über die Extem-
seite hinweg. Bei beiden Individuen stehen die Rippen der
inneren Windungen etwas dichter als bei der erstbeschriebenen
Varietät.
Die Skulptur der letzten Windung, besonders bei dem
Originale zu Figur 5, hat grosse Aehnlichkeit mit der Orna-
mentik der Schaale bei Harp. comptum und opdlinum. Doch
sind letztere Arten durch die andere Beschaffenheit ihrer inneren
87
Windangen wie durch den engen Nabel hinreichend zu unter-
scheiden. Harp. opaMnum weicht ausserdem noch durch die
starke Nathfläche ab. Von Harp. subcomptum n. sp. (Taf. 5,
Fig. 3 und 4) ist diese Varietät dagegen durch die inneren
Windungen unterschieden, welche bei ihr entfernter stehende,
scharfe, bei jenem aber dichter gedrängte, feine Rippen besitzen.
Vorkommen: Oberregion der Schichten mit IHg. navis.
Signalberg bei Boevingen, St. Quentin bei Metz. Sehr selten.
(Eisenerz.)
e) T«ri«tit «aoUrme punctelMm.
Taf. IV, Fig. 1.
Höhe der letzten WinduDg 36
« . « . 3 « i 29 auf den Rippen.
Grösste Breite derselben i' , . ^ ; «.
( 24 zwischen den Rippen.
Höhe des Nabels. 39
Dnrchmesser der ganzen Schaale 100
Wirklicher Durchmesser des gemessenen Exemplares . 25 Mill.
Involution 0,33
Die Rippen der inneren Umgänge sind bei dieser Varietät
etwas stumpfer als bei den beiden anderen. Auf der äusseren
Windung werden dieselben zunächst an ihrem unteren Ende
etwas stärker, schwellen aber bald darauf zu einer langge-
zogenen Erhöhung an, aus welcher zwei scharf rückwärts aus-
gebogene Rippen entspringen.
Durch die Eigenschaft der sich gabelnden und am unteren
Ende knotenförmig verdickten Rippen nähert sich diese Varietät
gewissen Abänderungen des Harp. Murchisonte; doch ist sie
hinreichend von demselben durch die starke Evolution und den
Mangel einer Nathfläche geschieden. Mehr Aehnlichkeit hat der
letzte Umgang mit Harp. Krakowiense Neum. (Geph. v. Balin,
S. 28, Taf. 9, Fig. 5) aus der Zone des Cosmoc. omatum.
Wenn nun der von Wübtembebgeb ausgesprochene Grundsatz
richtig ist, das6 Veränderungen der Ammoniten sich zuerst auf
88
den letzten Windungen zeigen und allmählich nach innen zu vor-
schreiten, so müsste schliesslich aus dieser Varietät eine der
Oruppe des Harp. punctatum nahestehende Form entstehen können.
Vorkommen: Sehr selten. Oberregion der Schichten mit
IHg. navis. Signalberg b. Boßvingen.
3. Gmppe des Harp. comptuni
in folgenden Formen :
Harp. macira Dum. sp.
» 9ubcomptum n. sp.
Harp, mactra Dux. sp.
T»f. I, Pig. 10.
1874. Amm. tnacira Dum. Dumortier, Bassin du Rhone, IV, S. 251, Taf. 50, Fig. 4, 5.
1857. » Moorei Lycett, Gottbswold Hills, S. 122, Taf. 1, Fig. 2.
1875. » 9 » Lbpsius, Ünter-Elsass, S. 59, Taf. 2, Fig. 6. (Ron 1856.
Amm. Moorei Oppel (Perisphinctes), Jura, S. 476.)
Höhe des letzten Umganges .... 41 44 41 38 36
GrOsste Breite desselben 38 31 26 19 15
Dniehmesser des Nabels 31 33 33 34 38
Durchmesser der ganzen Schaale . 100 100 100 100 100
Wirklicher Durchmesser der ge-
messenen Exemplare 8M111. 13Mm. 22 Hill. 62 MiU. 81 MUl.
InYolotion 0,43 0,40 0,40 ? 0,39
Das weitnabelige Gehäuse zeigt einen Querschnitt, dessen
grösste Breite in der Nähe des Nabels liegt; von diesem Punkte
aus convergiren die wenig gewölbten Seiten, bis sie sich in der
schmalen, scharfrückigen, nicht mit einem abgesetzten Kiele
versehenen Extemseite treffen. Die Schaale ist mit dicht stehen-
den, wenig geschwungenen Anwachsstreifen bedeckt, welche sich
an der Externseite weit nach vorwärts biegen und über die-
selbe hinweglaufen. Auf dem Steinkerne sieht man nichts von
dieser Skulptur; nur einzelne, äusserst schwache Rippen machen
89
sich bemerklich. Von einer Nathfläche zeigt sich keine Spur.
Die Wohnkammer des abgebildeten Exemplares umfasst min-
destens Vi Umgang.
Die Lobenlinie zeichnet sich im ausgewachsenen Zustande
durch einen aufEEÜlend breiten, zweitheiligen Externsattel aus,
welches Verhältniss sich im Alter noch steigert. Figur 10 c
zeigt die letzte, Figur 10 b eine um 7 Dunstkammern zurück-
liegende Sutur. Interessant ist die geringe Tiefe der Loben und
die geringe Höhe der Sättel in der letzten Lobenlinie (Fig. 10 c),
welche andeuten, dass die den Loben und Sätteln entsprechen-
den Fältungen des hinteren Manteltheiles im Alter in ihrer
kräftigen, tiefen Bildung nachliessen, gewissermassen zusammen-
schrumpften.
In der Jugend zeigt sich bis gegen 3 Millimeter Durch-
messer die Breite der Umgänge grösser als die Höhe dersel-
ben. Bei 4 Millim. ist der Querschnitt bereits kreisrund und
fast Vi involut, dabei fehlen noch Hippen und Kiel. Später
stellen sich relativ stärkere und entfernter stehende Bippen ein,
welche erst bei weiterer Entwickelung der charakteristischen
feinen Streifung den Platz räumen. Bei einer Grösse von
8 Millim. ist der Querschnitt bereits höher wie breit geworden
und es hat sich ein schwacher Kiel gebildet, Verhältnisse, die
sich mit zunehmendem Alter verschärfen.
Die vorliegende Form ist in den Schichten der Trig. navis
bisher im Elsass und jetzt von mir in Lothringen gefunden
worden. In England liegt sie im Ämmonite bed, welches nach
Angabe der englischen Schriftsteller die Ammoniten der Schich-
ten des IJytoc, jurense und des untersten braunen Jura vereint
enthält. Opp£L (Jura, S. 234, 274) giebt zwar an, dass sich
dort beide Zonen scharf trennen liessen; Lepsiub (Unt. -Elsass,
S. 39 — 41) bestätigt aber die Angabe der Engländer. In Frank-
reich kommt, nach Dumobtieb, Ilarp. niactra im Rhonebecken
90
•
in der Zone des Harp. opalinum vor, allerdings zusammen mit
Leitfossilien der Schichten mit Lyt iortdosum. Da dort aber
letztere Schichten nicht von denen mit IHg. navis abgetrennt
wurden, so bleibt über das genauere Lager ein Zweifel bestehen.
Harp. mactra ist eine dem Hatp. opalinum verwandte
Form. Dies ergiebt sich aus dem Fehlen eigentlicher Rippen,
aus dem Verlaufe der Anwachsstreifen über die Extemseite und
aus dem Mangel eines abgesetzten Kieles. Der weite Nabel, die
nicht gebündelten Anwachsstreifen, das Fehlen einer Nathfläche
unterscheiden jedoch Harp, mactra von Harp. opalinum. Es
treten aber Varietäten des letzteren auf, wie z. B. Lepbiüs
(Unt.-EIsass, Taf. 2, Fig. 5) deren eine abbildet, welche weiter
genabelt sind, als die typischen Exemplare dieser Spezies
und welche möglicherweise einen Uebergang zu Harp. mactra
bilden könnten. Doch besitzt auch das Originalexemplar der
LKPSius'schen Abbildung eine Nathfläche, was auf der Zeich-
nung nicht hervortritt. Lyoett ist der Ansicht, dass Harp.
mactra (sein Ämm. Moorei) sich am nächsten an Harp. radians
anschliesse. Die Lobenlinie, welche Lyoett giebt, entbehrt
übrigens der Hilfsloben resp. Zacken, während diese bei den
Exemplaren des Elsass und Lothringens vorhanden sind.
Vorkommen: Oberregion der Schichten mit Trig. navis.
Signalberg bei Boevingen. Ziemlich selten.
Harpoceraa aubeamptum n. sp.
Taf. V, Flg. 8, 4.
. Höhe der letzten Windung 38 40
GrOsste Breite derselben 21 23
Durchmesser des Nabels 33 36
Dnrchmesser der ganzen Schaale 100 100
Wirklicher Durchmesser der gemessenen Exemplare 60 MilL 45 Hill.
Involution 0,43 0,40
Die Jugendformen dieser Spezies sind bis zu einer un-
ge&hren Grösse von 13 Millim. Windungen von rundem
9t
Querschnitte; dieselben werden jedoch im späteren Wachsthum
comprimirter und erhalten im Alter eine zugeschärfte Extern-
seite. Die ersten Anfange einer Skulptur zeigen sich bei 3 Millim.
Durchschnitt als kurze, entfernt stehende, rückwärts gebogene
Rippen. Nachdem die Art eine Grösse von 8 Millim. erlangt
hat, werden dieselben zahlreicher und nähern sich bereits mehr
der Extemseite; bei einigen Exemplaren behalten sie die anfäng-
liche, rückwärts gebogene Bichtung, bei anderen sind sie mehr
gerade. Im späteren Wachsthum werden sie schwach sichel-
förmig, biegen sich an der Externseite stark nach vorn und
laufen über dieselbe hinweg. Auf der letzten Windung besteht
die Schaale nur aus feinen Anwachsstreifen und lässt kaum eine
Spur von Fältelung um den Nabel herum erkennen. Dagegen
zeigt der Steinkem eine solche sehr deutlich, so dass auf ihm
die Rippen, welche kräftiger sind wie die der Schaale, eine
echte Bündelung erkennen lassen; mit zunehmendem Alter wer-
den diese Rippen des Steinkernes immer gröber und es bleiben
zuletzt nur kräftige, wulstartige Rippen bestehen, welche sich
auf dem unteren Drittel der Seite in 2 — 3 Theile spalten. Den
ziemlich weiten Nabel begrenzt bisweilen eine kleine Nath-
fläche, die aber auch gänzlich fehlen kann.
Die Loben ähneln denen des Harp, radians^ doch ist der
Intemlobus einspitzig.
Harp. opalinum Rein. sp. und Hatp. mactra Dum. sp. (diese
Arbeit, Taf. 1, Fig. 10) besitzen, wie die vorliegende Art, nur
feine Anwachsstreifen, welche über die Externseite laufen.
Ersteres aber ist sehr involut, hat eine starke Nathfläche und
auch einen Lobus mehr; letzteres ist zwar evoluter, besitzt
jedoch eine von Harp, subcompium abweichende Berippung, vor
Allem keine Bündelung der Rippen auf dem Steinkeme. Alle
3 Formen liegen in den Schichten der IVig. navis und haben
einen einspitzigen Intemlobus, Harp. compium Reik. sp. (Rbxn-
92
ECKE, Fig. 5 und 6) aus dem oberen Lias — nach Oppel
(Jura, S. 248 und Quenst. , Geph., S. 113) — hat ebenfalls
nur Anwachsstreifen, ist aber sehr engnabelig, und die Bün-
delung seiner Bippen beginnt schon in früher Jugend; es stehen
mir jedoch keine echten engnabeügen Exemplare desselben zur
Verfügung. Harp. suhundulalum var. externe comptum n. sp.
(Taf. 3, Fig. 4, S. 85) schliesslich besitzt auf den inneren Win-
dungen weiter stehende, scharfe Bippen und ist weiter genabelt.
Vorkommen: Ziemlich häufig in der Oberregion der
Schichten mit IHg. navis. Signalberg b. Boevingen, Bron-
vaux b. Maizi&res, Hayingen. (Eisenerz.)
4. Grappe des Harpoceras Sowerbyi
mit folgenden Formen :
Harp, Sowerbyi MiLL. sp.
» Sutneri n, sp.
Harpoceras Sknverbtfi Xill. sp.
1818. Ammoniies Sowerbyi Mill. Sowbrby, Taf. 213.
Im Gegensatze zu Württemberg ist Harp. Sowerbyi in
Lothringen recht selten. Ich fand nur ein einziges Exemplar
bei Moyeuvre. Aus Luxemburg führen Ghap. und Dewalque
die Art an und zwar aus demselben Horizonte, der sie anderswo
charakterisirt.
JHarpoeer€is Sutneri n. sp.
Taf. V, Flg. «.
Hohe des letzten Umganges 44
Orösste Breite desselben 29
Durchmesser des Nabels 30
Darchmesser der ganzen Scbaale 100
Wirklieber Darchmesser des gemessenen Exemplares 61 Mill.
InTolution 0,52
Diese zu der Gruppe des Harp. Sowerbyi gehörende Art
zeichnet sich vor den meisten Vertretern derselben durch zwei,
93
den Kiel begleitende Furchen aus, welche bereits bei einer
Grösse von 20 Millim. deutlich entwickelt sind. In diesem Alter
ist die Mundöffnung ungefähr quadratisch, während sie später-
hin comprimirter wird. Die ausgewachsene Form ist mit Bippen
verziert, deren untere Hälfte aus einem langgezogenen, dicken
Knoten besteht,, während oben eine mehrfache Theilung statt*
findet. Auf den inneren Windungen fehlen diese wulstartigen
Anschwellungen und bleiben die Rippen in ihrem ganzen Ver-
laufe von gleicher Dicke; sie sind einfach oder vereinigen sich
zu je zweien zu einem kleinen Knötchen am Nabel. Auf der
Schaale zeigt sich dieselbe Skulptur wie auf dem Steinkerne.
Den massig weiten Nabel umgiebt eine steile Nathfläche, welche,
ohne eine Nabelkante zu bilden, in die flachgewölbten Seiten
des Gehäuses übergeht.
Die Sutur stimmt mit der von Harp. Sowerbyi; aus dem
grossen 1. Seitenlobus steigt ein Sattel empor. Auffallend ist
die geringe Tiefe des 2. Seitenlobus.
Die vorliegende Form schliesst sich an Harp. Qingense
Waag. sp. (Beneoke, Beitr. I, S. 595, Taf. 26, Fig. 3)
an, dem sie im Querschnitte, sowie in der Berippung des
Jugendstadiums nahe steht. Doch ist sie weitergenabelt und im
ferneren Wachsthum nähern sich ihre Rippen denen des Harp.
adicrum Waag. sp. (Benecke, Beitrag I, S. 39, Taf. 25,
Fig. 1), welcher aber einen ganz anderen Querschnitt hat.
Hauptsächlich liegt der Unterschied jedoch in den zwei
deutlichen Furchen, welche den Kiel bei Harp. ISutneri be-
gleiten.
Aehnliche furchentragende Formen aus der Gruppe des
Harp. Sowerbyi konmien bei Gingen und im Unteroolith von
Burton CliflBs, Dorsetshire vor; beide weichen aber in der Be-
rippung von einander und von meinem Exemplare ab. Es giebt
also auch in der Gruppe des Harp. Satoerbyi eine kleine Ab-
94
theilung, welche 8ich der äbrigen Mehrzahl gegenüber durch den
Besitz zweier Furchen auf der Externseite auszeichnet
Vorkommen: Schichten mit Harp. Soioerbyi oder unterste
Schichten der Zone des St^h. Sauzei. St. Quentin bei Metz.
Sehr selten.
Gruppe des AumnonUes inHgwts
mit folgenden Arten :
Ammonües subinsignis (Oppel) Dum. Taf. IV, Fig. 2 und 3.
aflf. Si^oldi Oppel. Taf. V, Fig. 5.
AmmaniUea aubinsignts (Oppkl) Dum.
Taf. IV, Fig. 8, 8.
? 1856. Ammonites mbinsignis Oppel. Jura, S. 367.
1869. » » (Oppel) DuMORT.^ Bassin da Rhone, IV, S. 261, Taf. 53.
Hohe der letzten Windung 35 36 32
GrOsste Breite derselben 36 28 25
Durchmesser des Nabels 39 38 39
Durchmesser der gauzen Schaale 100 100 100
Whrkllchcr Durchmesser des gemessenen Exemplares 77 Mill. 144 Hill. 219 Hill.
Involutiou ? 0,40 0,50
Die inneren Windungen dieser grossen Art sind sehr ver-
schieden von den äusseren Umgängen. Bis zu einer ungefähren
Grösse von 70 Milliin. ist ihr Querschnitt breiter wie hoch
und zwar liegt die grösste Breite etwa in der Mitte. An dieser
Stelle erheben sich auf den starkgewölbten Seiten sehr hohe,
runde, spitze Knoten (bei einer Grösse von 80 Millim. sind es
deren 18 auf dem letzten Umgange; Fig. 3), welche sich nach
der Nath hin rippenförmig verlängern und nach oben je 2 — 3
fast gerade Rippen aussenden, die den dicken, runden, niedrigen
Kiel erreichen. Diese Knoten liegen hart vor der Vereinigungs-
stelle beider Umgänge, so dass sie noch im grössten Theile
95
ihres Um&nges auf den inneren Windungen eines ausgewach-
senen Exemplares sichtbar sind. In der späteren Entwickelung
nimmt die Höhe der Windungen schnell zu; die grösste Breite
derselben zieht sich hinab in die Nähe der Nath und es ent-
steht ein Querschnitt, welcher sich eher dem des Amm. Sie-
holdi Oppbl (Pal., Mitth., Taf. 46, Fig. 1) als dem des Ämtn,
insignis Schübl. vergleichen lässt. Zugleich verschwinden all-
mählich die Knoten und an ihre Stelle tritt eine langgezogene
dicke Bippe, welche von der Nath bis auf die Mitte der Seite
reicht und sich oben 2 — Sfach spaltet. Diese Zweige sind etwas
stärker gebogen und reichen bis an den runden, von der
schmal zulaufenden Externseite nicht abgesetzten Kiel. Später
werden auch diese undeutlich und es bleiben nur die breiten,
flacher gewordenen unteren Enden sichtbar. Die Schaale zeigt
dieselbe Skulptur wie der Steinkern und bildet keine Nathfläche.
An den mir zu Gebote stehenden Exemplaren ist die Wohn-
kammer nicht erhalten; nach Dumobtixb beträgt dieselbe Vs Um-
gang.
Die Lobenlinie schliesst sich eng an die des Amm. insignis
Schübl (d'Obb., Taf, 112) und Amm. Sieboldi Opp. (Pal.,
Mitth., Taf. 46, 1, S. 144) an; charakteristisch sind, neben
der tiefen Zerschlitzung, der grosse 1. Seitenlobus und die
abwärts ziehende und zugleich schräg gegen den 1. gerichtete
Stellung der folgenden 3 kleinen Loben, wie solches gewissen
Arten von Perisphinctes eigenthümlich ist. Der Internlobus ist
einspitzig.
Da Oppsl diese Art nur benannt, nicht abgebildet hat,
mir auch keine genügend sicher bestimmten Exemplare zur
Verfügung standen, war es mir unmöglich, die Identität der
lothringischen Form mit der OppEL^schen Art ganz sicher zu
stellen. Ich beziehe mich daher auf die oben citirte, von Du-
mobtibr gegebene Abbildung. Amm. suhinsignis kommt in
96
Lothringen in den Schichten mit Hig. navis tot, wird auch
von DuMOBTiEB aus seiner Zone des Harp. cpalinum im Rhone-
becken aufgeführt, welche aber die beiden OppcL'schen Zonen
der Triff, navis nnd des LyU torulosum in sich vereinigt. Ans
letzterer erwähnt Oppkl noch die Art ans Württemberg und
England. Die Anzahl anderer verwandter Formen ist, meines
Wissens, keine grosse. Im obersten Lias würde Ämm. insignis
ScHÜBL. zu nennen sein, welcher sich von vorliegender Spezies
in der Jugend durch die zahlreicheren, kleineren, hart an der
Nath gelegenen Knoten, im Alter durch steile Nathfläche und
den mehr ausgeprägt dreieckigen Querschnitt unterscheidet. Aus
den Schichten mit Harp. Murchisotue ist Ämm. Sieboldi Opp.
eine nah verwandte Form, welche jedoch enger genabelt, hoch-
mündiger ist und eine Nathfläche besitzt; auch stehen ihre
Knoten etwas höher, sind noch schwach in die Nathllnie des
folgenden Umganges versenkt, und machen bereits in einem
früheren Jugendstadium den langgezogenen Wülsten Platz; die
Art scheint überhaupt nicht so gross zu werden wie Amm.
subinsignis.
Allen diesen Formen, welchen die grössere Breite, die
schärfere Extemseite, die fast geraden Rippen, der tiefhinab-
hängende Nathlobus, wie überhaupt fast identische Sutur gemein-
sam sind, steht gegenüber Ämm. variabäis d'Obb. sp. (Taf. 113,
S. 350) aus dem oberen Lias mit comprimirteren , nur in der
ersten Jugend dicken, Windungen, relativ stumpferer Extern-
seite, gebogeneren Rippen und einem viel weniger hinabhängenden
Nathlobus.
Vorkommen: Ziemlich häufig in der Oberregion der
Schichten mit Trig. navis. Hayingen, Moyeuvre. (Eisenerz.)
97
Afnnwnites äff. Sieboldi Opp.
T*f. V, Pig. 6.
Hohe des letztea Umganges 40 45
GrOsste Breite desselben 14 29
Durchmesser des Nabels 31 28
Durchmesser der ganzen Schaale 100 100
Wirklicher Durchmesser der gemessenen Exemplare . 200 Hill. 1 1 1 Mill.
Involution 0,44 ?
Unterscheidet sich von Amm, Sieboldi Opp. (Pal., Mitth.,
S. 144, Taf. 46, Fig. 1) durch seinen etwas weiteren Nabel,
etwas geringere Hochmündigkeit und dadurch, dass die in der
Jugend vorhandenen Knoten etwas tiefer, hart vor der Ver-
einigungslinie beider Umgänge stehen. Während diese Knoten
aber eben so zahlreich sind wie bei der OppEL'schen Form,
sind die Wülste, durch welche jene im späteren Wachsthum
ersetzt werden > bei unserer Art weit zahlreicher und daher
enger stehend. Auch wird sie bedeutend grösser.
Diese Form scheint einen Uebergang zwischen Ämm. suhin-
signis und Amm. Sieboldi zu bilden. (Vergleiche unter Amm.
subinsignis.)
Vorkommen: Ziemlich häufig. Oberregion der Schichten
mit lüg. navis. Hayingen, Moyeuvre. (Eisenerz.)
Belenmites.
Wenn schon die zahlreiche Vertretung der gewöhnlich den
obersten Ldas charakterisirenden Ammoniten aus der Familie
des Harp. radians dem unteren Dogger Lothringens gegenüber
dem Schwabens ein eigenthümliches Gepräge verleiht, so wird
dieses noch verstärkt durch das Erscheinen einiger Belemniten,
welche, in Schwaben auf den oberen Lias beschränkt, in un-
serem Lande in unveränderter Gestalt aus diesem in den unte-
ren Dogger übergehen. Es ist zwar bisweilen sehr schwer, die
II. 7
verschiedenen Arten der Selemniten auseinander za halten ; allein
die sehr charakteriBtische Form der beiden hier gemeioten
Spezies Bei. acuarius und irregularis bewahrt in diesem Falle
vor einer Verwechselung.
BeletnnUea acuarius Sohl.
Tat. VI,PirI'
1820. Betenmitei aeuariut Scbl. Felretk., Tsf. I, S. 46.
1846. • > • Qdenbt. Cepb., Taf. 2S.
Die gefundenen Exemplare Bcheioen sänuntlich zu der
QcsNSTEDT'scben Gruppe glatte Acuarii zu gehören. Die be-
kannte Eigenschaft, Hohlräume im Innern
der Scheide zu bilden, zeigt sieb auch bei
den lothringischen Vertretern dieser Art;
auf Figur Id ist der Längsschliff eines
solchen dargestellt, welcher die folgenden
Verbältnisse erkennen lässt. Um die Alveole
herum lagerte sich anfanp ganz normal
in concentrischen Hülleo eine feste Ealk-
ächeide ab, welche durch eine mucronaten-
ihnüche Spitze ausgezeichnet ist.
Der nebenstehende Holzschnitt, in
doppelter Grösse des Originales angefer-
ügt, zeigt diesen ältesten, inneren Theil
deutlicher, als die Abbildung auf Tafel 6,
figur 1 d, welche beim Druck misslang.
Auf diese erste normale Wachßthums-
pbase folgte nun die Ablagerung weiterer
concentrischer Düten am unteren Ende.
Dieselbe gelangte aber nicht über das
erste Stadium, Anlage der Düten, hinaus;
das zweite, Verfestigung der Düten untereinander, durch Ab-
99
lagerung weiteren Kalkes, durch welches erst die Scheide zu
einer compakten Masse wird, erfolgte nichts Qüenstedt erklärt
dies mit dem überstürzten Wachsthum des Thieres. Ob diese
Düten an ihrem unteren Ende der Spitze sich schlössen oder
offen blieben, ist nicht mehr zu erkennen.
Aus der Abbildung des Exemplares auf voriger Seite geht
henror, dass die lockeren Daten sich mehr im Zusammenhang,
besonders an dem oberen Ende des mit mucronatenartiger Spitze
yersehenen festen Kernes bildeten, denn nach unten hin ver-
schwinden sie allmählich zwischen dem Kerne und den äussersten
jüngsten Lagen. Dass das Thier während dieser Wachsthums-
periode die leichtgebaute Spitze überhaupt unversehrt erhalten
konnte, lässt sich wohl nur durch die Umhüllung des Mantels
erklären.
In der dritten und letzten Phase der Entwickelung wurde
das bisher gebildete von einer weiteren Hülle umlagert, welche
in derselben festen Weise abgeschieden wurde, wie der innere
Kern. Dieser äussere Theil der Scheide schloss sich ganz nor-
mal an der Spitze, während er sich am alveolaren Ende fest
an den inneren, erstgebildeten Kern anlegte, so dass bei dem
nun ausgewachsenen Thiere die lockeren Düten ringsherum
durch eine compakte Masse geschützt wurden, wie dies sche-
matisch durch die unter dem grossen Holzschnitte befindliche
Figur angedeutet ist. Wenn nun nach dem Tode des Thieres
der Mantel verweste und die Spitze der Scheide abbi*ach, so
1. Man konnte hier vielleicht auf die Bildung der Bauchschicht an der em-
bryonalen Schulpe von Sepia hinweisen , wo die einseinen Schichten anfangs nur
durch dünne, senkrecht von einer zur anderen verlaufende, Säulchen in Verbin-
daog stehen, so dass das Ganze ein äusserst lockeres Gebilde darstellt. Erst allmäh-
lich nehmen die Säulchen an Dicke und Ausdehnung zu und erfüllen die zwischen
Je zwei Schichten beflndlichen Zwischenräume immer mehr und mehr. (Vergl.
Kgelliker, Entwickelungsgeschichte der Cephalopoden. Zürich 1834, S. 72.)
100
drang der Schlamm, resp. die Kalksolution, in den mittleren,
mit lockeren Daten erfüllten Raum ein, zerstörte die Diiten zum
Theil und erfüllte den centralen Raum (Taf. 6 , Fig. 2a) wie
die zwischen den Düten etwa vorhandenen Zwischenräume.
Betrachten wir nun den, Taf. 6, Fig. le, in Vergrösse-
rung abgebildeten Querschnitt, welcher dem untersten Ende des
Originales zu Figur Id entnommen ist, so zeigt sich, dass
das zweite Wachsthumsstadium noch in anderer Beziehung ein
anormales war. Während der feste Kern und die feste Hülle
der Scheide aus regelmässig conceutrischen Düten gebildet wur-
den, sehen wir die lockeren Düten in von aussen nach innen
zunehmender mäandrischer Faltung. Wie schwammig der Aufbau
im Innern war, lässt der zwischen die Falten eingedrungene
Kalkspath (die dunkel gezeichneten Partieen) erkennen.
Das andere der abgebildeten Exemplare (Fig. 1) zeigt
ebenfalls interessante Verhältnisse K Es ziehen sich auf der einen
Seite der Alveole feine, unregelmässig angeordnete, längliche
Wärzchen hinab, wie wir solche, in runder Form, auf dem
Schulpe von Coccoiheutis und der lebenden Sepia, wie auf der
Scheide von Actinocamaz quadratus und granulatus finden.
(Vergl. ScHLüTEB, die Gephal. d. ob. Kreide. Palaeontographica
Bd. 24, Taf. 54.)
Dasselbe Individuum ist noch in anderer Hinsicht bemer-
kenswerth. Quer um die Scheide laufen dicht gedrängte, feine,
rissartige Furchen und, in geringerer Anzahl, ebenso feine i
wulsiartige Erhebungen. Dass diese Bildungen Sprüngen, welche
wieder verkittet wurden, ihr Dasein verdanken, scheint mir bei
der sehr grossen Anzahl derselben, der festen Beschaffenheit
und dem ganzen Habitus des Stückes nicht wahrscheinlich und
i. Dasselbe besitzt im Innern ebenfalls einen mit Kalkspath ausgefällten
Hohlraam. der In dem Querschnitt Fig. 1 b Jedoch nicht sichtbar ist.
10t
ich möchte auch hier eine tiefer liegende Ursache vermuthen.
Doch will ich nicht unerwähnt lassen, dass die Risse sich nur
in der äusseren Schaalenlage zeigen.
Vorkommen: Weniger häufig als Bei irregularis , dessen
steter Begleiter er ist. Geht von den Aequivalenten der ,,Ju-
rensis-Schichten* bis hart unter die Schichten mit Hig. navis.
üeberalL
B^emrUtea irreffiUaHs Schl.
18t 3. Belemniies irregularis Schlth. Taschenb., S. 70, Taf, HI, Pig, 2.
1846. • digitalii Qubnst. Geph., 26, 1—- 11.
Tritt stets in Gesellschaft der vorigen Art auf.
Eine verwandte Form bildet v. Sbebach (Hann. Jura,
S. 150, Taf. 7, Fig. 6) als Bei. similis aus der Oberregion der
Thone mit Harp. opalinum ab. Doch ist diese schlanker,
stärker seitlich comprimirt und besitzt in der Nähe der Spitze
zwei flache Rinnen.
Belenmites subgiganieus n. sp.
Taf. VI, Fig. «.
Schlanke, mit elliptischem Querschnitt versehene Scheide,
deren Alveolarende weniger comprimirt Ist als das untere. Im
Innern bleibt ein kleinerer oder grösserer Hohlraum; an der
Spitze stehen zwei lange, starke Furchen.
Während äussere Form und Querschnitt die vorliegende
Spezies in die Nähe derjenigen Gruppe des Belemniies giganieus
verweisen, welche Qubnstedt als procere bezeichnet, bildet der
bei manchen Exemplaren grosse innere Hohlraum ein Merkmal,
welches nach diesem Autor noch am ehesten der Gruppe seiner
Ventricosen zukommt.
Bei, suhgiganteus ist von dem in höheren Schichten vor-
kommenden Bei, giganieus dadurch unterschieden, dass bei ihm
nur die zwei meist breiten Dorsolateralfurchen vorhanden sind,
102
dass die innere Höhlung (ob bei allen Exemplaren?) eine auf-
fallende Grösse besitzt und dass die Scheide kleiner bleibt. Der
grösste Durchmesser meines Exemplares ist an der Alveole
33 Millim., die ganze Länge muss mindestens 200 Millim. be-
tragen haben.
Figur 2d zeigt auf dem Längsschnitte eines Exemplares
die weit nach dem Alveolarende hinaufgehende, mit Eisenerz
ausgefüllte Höhlung, in welche die jüngste der soliden Düten
hineinragt. Eine ähnliche Scheide bildet d'Obb., Terr. jur.,
Taf. 14, Fig. 1, von einem Belemniten ab, dessen 4 Furchen be-
weisen (Fig. 3 ebenda), dass er nicht mit unserer Form identisch
sein kann, sondern eher ein Bei, giganteus ist. Doch mögen
derartig ausgedehnte Hohlräume bei Bei. giganteus zu den
grössten Seltenheiten gehören, denn wenn sich überhaupt Höh-
lungen finden, sind sie auf das Unterende beschränkt. (Vergl.
über die D'OaBiGNT'sche Abbildung: Quenst., Ceph., S. 43).
Nur Bei. acuarius Schlth. und BlainviÜei Yoltz zeigen Aehn-
liches unter den echten Belemniten.
In der äusseren Form der Scheide, wie in der Grösse des
Hohlraumes, schliesst sich Bei. subgiganteus an Bei, acuarius an ,
während er durch seine Dimensionen wie durch seine Form den
proceren Varietäten des Bei, giganteus nahe steht. Die Mög-
lichkeit ist jedenfalls gegeben, dass ein genetischer Zusammen-
hang zwischen diesen drei Arten in der Weise existirt, dass
Bei, subgiganteus das Mittelglied bildet. Dieser liegt in der
Oberregion der Schichten mit Trig. navis; Bei. acuarius geht
in Lothringen bis hart an die Unterregion derselben, und von
Bei. giganteus citirt Quen^tedt die ersten Vorläufer aus den
blauen Kalken '(Ceph., S. 429). v. Seebaoh dagegen führt
Bei. giganteus bereits aus den Schichten auf, in welchen Harjp.
Murchisontß liegt (Hannov. Jura, S. 33 — ^35), während nach
Chapuis und Dewalqüe (Luxembourg, S. 30) diese Art in
103
Luxemburg bereits in den Schichten mit IW^. navis auftritt und
zwar als var. ventricosus Quekstedt^s.
Vorkommen: Selten in der Oberreg. d. Seh. m. IHg.
navis. Ars, St. Quentin bei Metz, Villerupt. (Eisenerz.)
Beiemniies apinatua Qüenst.
Belemnitet spinaius Quenst. Geph., S. 425, Taf. 27, Fig. 7 u. 8.
» elongaius Zieten. Taf. 22, Fig. 6.
Diese für die Eisenerze Schwabens aus der Zone des Harp.
MurchisofKB so charakteristische Art mit langer, dornförmiger
Spitze ist in Lothringen, gegenüber dem massenhaften Auf-
treten anderer Belemniten, relativ selten. Auch in anderen
Gebieten kommt Bei, spinatus nicht häufig vor. (Oppel, Jura,
S. 364).
Vorkommmen : Selten i. d. Oberreg. d. Seh. m. UVig.
navis. Ziemlich häufig in der Oberreg. d. Seh. m. Earp, Mur-
chisonce. Eine dem Bei. spinatus nahestehende Form, welche
durch Furchen an der Spitze abweicht, kommt in den Schichten
mit Harp. Sowerhyiy doch selten vor.
BeUfnnUea Bhenanus Oppsl.
1856. BeUmnites Bhenantu Opp. Jura, S. 363.
1830. • compressus Voltz (non Stahl). Taf. 5.
1849. » compressus gigas Quenst. Ceph., Taf. 27, Fig. 1, S. 422.
Diese Art erscheint in Lothringen vereinzelt bereits in der
Oberregion der Schichten mjt Astarte Voltjsi, ist in der Unter-
region der Schichten mit 2Vig. navis etwas häufiger und erreicht
in der Oberregion derselben eine massenhafte Verbreitung. Auch
die Unterregion der Schichten mit Hatp. Murchisona birgt noch
viele Exemplare. Höher hinauf habe ich keine mehr finden
können. In Schwaben tritt Bei. Bhenanus weit seltener auf und
fehlt nach Qüekstedt in den Eisenerzen des braunen Jura ß schon
104
vollständig. Bei Salins und an anderen Orten des Departements
du Jura erscheint er, wie in Lothringen, bereits in den obersten
Lagen der Mames k Trochus, d. h. in den Schichten mit
Ästarte Voltzi. Charakteristisch ist die Art nach Oppsl für die
Schichten mit IVig. navis, was sich in Lothringen somit auch
bestätigte
Vorkommen: Selten bereits in der Oberregion d. Seh. m.
Harp, striatulum^ sehr häufig in d. Seh. m-. !Prig, warn (Oberreg.) ,
häufig noch i, d. Unterreg. d. Seh. m. Harp. MurchisoncB,
Ars, Bronvaux, Hayingen, Oetringen, Oettingen, Ville-
rupt, Esch. (Eisenerz z. Th.)
Belefnnite8 sttbdavatua Yoltz.
1830. BeiemnUes clavatus Voltz. Belemn., Taf. 1, Fig. 11
1849. » 0 » QuENST. Geph., Taf. 23, Fig. 19 h, S. 398.
Findet sich nach Oppel (Jura, S. 362) in den Zonen des
Lyt iorulosum und der IHg, navis in Schwaben und im Elsass;
in Lothringen besitzt die Art dieselbe vertikale Verbreitung, ist
aber in den untersten Schichten relativ häufiger als in den
oberen.
Vorkommen: Ziemlich häufig in den Seh. m. Äst. Voltzi j
ziemlich selten noch hinauf bis unter die Seh. m. Harp. Mar-
chisonce. Ars, Juville, Delme, St. Quentin, Vqisage, Scy,
BoBvingen, Oetringen. (Eisenerz z. Th.)
Belemnüea breviformis Yoltz.
1830. Belemnites breviformis Voltz. Belemn., S. 43, Taf. 2, Fig. 2—4.
1842. » brevis o'Orb. (non Blainville). Prodrome, I, S. 244.
1848. » breviformxs a, Quenst. Geph., Taf. 27, Fig. 21, 22.
Oppel (Jura, S. 361) identifizirt Bei. hrevis Blaii^ville
(Belemn., Taf. 3, Fig. 2) mit den obengenannten Arten. Hb-
BBET aber (BuU. Soc. g^ol. France, II, Bd. 22, S. 201—205)
105
weist nach, dass die cylindrische Form mit mucronatenähn-
licher Spitze , die gerade in der Axe der Scheide steht und an
der keinerlei Furchen sichtbar sind, mit keiner der 3 Blain-
TiLLE'schen Varietäten übereinstimmt. Nach Besichtigung der
BLAiKYiLiiE^schen Original-Exemplare kommt ELebebt zu fol-
genden Schlüssen:
Bei. brevis Blainv. var. a, Tafel 3, Fig. 1, ist identisch
mit Bei. acutus Miller in d'Obb.', Tafel 9, Figur 8 — 14 und
stammt aus den Schichten mit Crryphcea arcuata.
Bei. brevis Blainv. var. &, Tafel 3, Figur 2, kann auch
fernerhin Bei. brevis Blaikv. benannt werden. Diese Form stimmt
nur annähernd mit der von d'Oeb., Terr. jurr., Tafel 9, Fi-
gur 1 — 2 als Bei. abbreviatus Mill. bezeichneten Scheide. Sie
hat einige unregelmässige Furchen an der Spitze; auch ist diese
nicht eigentlich mucronatenähnlich, sondern biegt sich etwas
seitwärts und liegt nicht in der Axe der Scheide. Ihr Lager
ist der mittlere Lias. Es ist dies die Form, welche Oppel mit
Bei. breviformis Yoltz aus dem untersten braunen Jura identi-
fizirte.
Bei. Brevis Blainv. var. c, Tafel 3, Figur 3, wird Bei.
meta genannt und hinzugefügt, dass Blainvillb ein sehr abge-
riebenes Exemplar habe abbilden lassen. Diese Form ist dem
Bei. irregularis Sohlte, ähnlich, hat aber 2 breite Furchen
an der Spitze, zu denen sich oft noch eine dritte gesellt. Sie
soll identisch sein mit Bei, crassus Zieten, Tafel 22, Figur 1.
Findet sich in den Schichten der Trig. navis.
Vorkommen: Unterregion der Schichten mit Trig. navis,
bis zur Oberregion der Schichten mit Harp. Murchisonm.
Ars, St. Quentin bei Metz, Signalberg bei Boevingen,
Oetringen, Oettiugen, Villerupt, Esch, Kneuttingen.
(Eisenerz.) Sehr häufig. Vergl. Bei. Oingensis.
106
Beiemnites OingenHa Oppkl.
1856. Beiemnites Gingensi* Opp. Jura, S. 362.
1846. V hreoiformis y. Qubn. Geph., Taf. 27, Fig. 24—28, non 23.
Die extremste Form, konisch und mit mucronatenäbnlicber
Spitze (QuKNBT. Ceph., Taf. 27, Fig. 25) lässt sich von Bei
breviformis Voltz (= breviformis a Qüenst. Cepb., Taf. 27,
Fig. 21 und 22) sehr leicht unterscheiden. Figur 23 ebenda
aber nähert sich durch die cylindrische Gestalt bereits sehr dem
Bei. breviformis Yoltz und derartige Zwischenformen findet
man in Lothringen häufig schon in der Unterreg. der Schichten
mit IHg. navis. Ich habe diese zu Bei. breviformis^ dagegen
zu Bei. Cringensis nur die extrem konischen Formen gestellt
und dazu auch noch die Figur 27 und 28 (Qüenst. Cepb.,
Tafel 27) gerechnet, welche Oppel nicht unter den Synonymen hat.
Vorkommen : In der vorgeschlagenen Umgrenzung liegt
Bei. Gingensis in der Oberreg. d. Seh. mit Harp. Murchisonte
und in den Seh. m. Harp. Sotoerbyi. Ars, St. Quentin,
Moyeuvre, Oettingen. (Eisenerz.) Ziemlich häufig.
Ostrea.
Ostrea subirreguiaria n. sp«
Taf. VI , Fig. 8.
Nicht grosse , ganz glatte , ungefähr dreieckige Form , welche
mit einem bedeutenden Theile der unteren Klappe aufgewachsen
ist, während der übrige Theil derselben sich ringsherum fast
senkrecht erhebt Die kleine Klappe ist flach.
Diese aus dem Dogger stammende Form steht trotz des sehr
verschiedenen Lagers der liasischen Ostrea irregularis MäN.
(GoLDP., Taf. 79, Fig. 5, und Chap. u. Dewalque, Terr. sec.
Luxembourg, Taf. 32, Fig. 3) nahe. Oppel, Jura, S. 79, Fig. 5,
107
giebt zwar an, die 6oLB7üB8*sche Abbildung stelle eine verkrüp-
pelte Oryphtea arcuata vor, indess ist das mit der Ghap. und
DEWALQüE'schen Form, die auch aus dem unteren Lias stammt,
wohl nicht der Fall. Diese ist oft von sehr starken Anwachs-
streifen bedeckt und lamellös, ferner ist ihre obere Klappe
häufig convex, während meine Exemplare glatt sind und eine
flache Oberschaale haben. Vielleicht sind Letztere identisch mit
Waagen's Osürea sp. ined. in Benecke, Beiträge, I, S. 635.
Vorkommen: Oberregion der Schichten mit Harp. Murchi-
sontß. Molvingen, St. Quentin und Zone des Harp. Sower-
byi, St. Quentin. Selten.
Ostrea crenata €k)LDF.
1836. OUrea crenata Gldf. Petref. Germ., Taf. 72, Fig. 13.
Meine Exemplare stimmen zum Theil mit der citirten Ab*
bildung, zum Theil aber weichen sie ab, indem die Schaale
bald dünner, bald dicker und die Ränder beider Klappen bald
mit spitzen, zickzackförmigen, bald mit mehr welligen Zähnen
ineinandergreifen; sie stehen also zum Theil zwischen 0. crenata
Glbp. und 0. flabeüoides Lam. Qüenstect (Handbuch, 2. Aufl.,
S. 295) betrachtet Erstere nur als Wachsthumserscheinung der
Letzteren.
Vorkommen: Schichten mit J9arp. Sotoerbyi. Moyeuvre,
Signalberg bei Boevingen, St. Quentin b. Metz. Ziemlich
häuflg.
GryphsBa.
Chryphasa ferruginea TsaquEH ps.
Taf. VII, Flg. 1.
1855. Ostrea ferruginea Terquem. Bull. soc. hist. naturelle de la Moselle 1855,
S. 144, Taf. 4,Fig. 4— 7.
Diese in Deutschland kaum bekannte Auster hat einen bis
auf den schwach gebogenen Schlossrand beinahe kreisförmigen
108
Umriss, der nar durch die GryphsDen-Biime an einer Stelle
schwach ausgebuchtet wird. Diese Rinne ist kurz und flach,
lässt sich aber doch in Spuren bis an den Wirbel hin verfolgen.
Der durch dieselbe abgetrennte Flügel bleibt klein im Verhält-
niss zur ganzen Schaale. Das abgebildete Exemplar hat vom
Wirbel bis zur Unterseite eine Länge von 95 Millim., die Rinne
ist nur 56 Millim. lang. Die ein Dreieck mit breiter Basis dar-
stellende Fläche der Innenseite, welche auf ihrem mittleren
Theile die eigentliche, etwas eingesenkte Ligamentfläche trägt,
ist quer gerunzelt. Aussen haben beide Klappen unregehnässige ,
entfernt stehende Anwachsstreifen. Der kleine, spitze Wirbel
ragt wenig über die Schlossfläche hervor und ist nur schwach
eingebogen. Die linke, stark gewölbte Klappe gleicht einem
Kugelabschnitte, dessen Wölbung durch die flache Rinne nur
wenig modifizirt wird. Ich habe unter sehr vielen Exem-
plaren nur eins gesehen, dessen Gryphsaen-Rinne so tief war,
dass durch dieselbe die Form wesentlich beeinflusst wurde. Die
rechte Klappe ist etwas concav und wird häufig dick, während
die linke dünn zu bleiben pflegt. Die Muskeleindrücke sind
gross , doch massig tief. Eine Anwachsstelle ist selten zu bemerken,
so dass es den Anschein hat, als wenn die Thiere im Alter frei
geworden wären.
Grryphcea dilatata Sow. sp. (Taf. 149) aus dem Oxford steht
dieser Form nahe, hat jedoch meist einen längeren Wirbel; ihre
Gryphseen-Rinne schneidet einen deutlicheren Lappen ab, ihr
Schlossrand ist weniger gerade und ihre kleine Klappe pflegt
viel concaver zu sein. Gryphcea giganiea (Sow.) Büvignieb sp.
(Statist, de la Meuse, S. 25, Taf. 5, Fig. 12 u. 13), ebenfalls
aus dem Oxford stammend, gleicht nach der Abbildung der
Crr, ferruginea noch mehr als Gr, dilatata j hat aber einen
höheren Wirbel und — was bei der Gr. ferruginea nie vor-
kommt — die untere Klappe ist in Folge des Anwachsens oft
109
nicht grösser als die obere. Die SowEBBx'sche Abbildung der
ör. gigantea (Taf. 391) zeigt eine weniger kreisrunde Form
mit stärkerer Gryphseen-Binne als die BiTyiaNiEB'sche Zeichnung.
Chapuis und Dswalqüe scheinen die vorliegende Spezies unter
ihrer Gr. jpoZymorpAa? (Terrains second. du Luxembourg, S. 225,
Taf. 34, Fig. 2) verstanden zu haben. Doch hat Or. ferruginea
einen fast kreisrunden Umriss, während Chr, polymorpha bei
Ghafüis und Dsvtalque eine schiefe Ausbreitung auf ihrer
rechten Seite besitzt, was die gleichnamige Spezies bei Golb-
vuss (Taf. 86, Fig. 1) in noch verstärktem Maasse zeigt. Letz-
tere ist ausserdem häufig so schmal wie eine Grgphcea arcuata.
Keinesfalls darf man die echte Crr. polymarpha Mün. (in Goldp.,
Taf. 86, Fig. 1) mit der Gr. ferruginea Tbbq. identifiziren ,
wie Hebebt (Bull. Soc. gäol. France, IL, Bd. 13, S. 217) dies
thun möchte. Das in meiner Beschreibung erwähnte Exemplar
mit tieferer Gryphsden-Rinne, welches von Esch in Luxemburg
stammt, gleicht allerdings sehr der Gr, polymorpka und es
wäre möglich, dass am Mt. St. Martin bei Longwy, woher die
Chapuis und DEWAiiQUE'schen Exemplare stammen, sich Ueber-
gänge zwischen diesen und der Gr. ferruginea zeigen; beide
haben dasselbe Lager. In dem von mir untersuchten Gebiete
fand ich solche Uebergänge nicht.
Vorkommen : Oberregion der Schichten mit Trig. navis.
Ein äusserst wichtiges Leitfossil für dieselben im ganzen nörd-
heben Lothringen und im angrenzenden Luxemburg und Frank-
reich. Kommt massenhaft in dem Eisenerze vor. Nach Hebebt
(Bull. Soc. gäol. France, IL, Bd. 12, S. 84 u. Bd. 13, S. 217)
würde diese Form bei Nancy und Namur, sowie am west-
lichen Ufer des nördlichen französischen Meeresbeckens im Dep.
der Sarthe auftreten. Bei Nancy liegt sie sicher im selben Niveau
wie in Lothringen. (Fabbs, Bulletin de la Society g^ologique
de la France, II., Bd. 26, S. 353). Ob auch im Departement
110
der Sarthe ist aus Hebebt's Mittheiiung nicht klar zu ent-
nehmen.
Chryphcea sübiobata Dish. sp«
1830. Ostrea tubiobata Desh. EncycL m6th., II, S. 306.
1845. » eymbium Buckh. Muhghison. Geol. of Ghetenh.i Taf. 7, Fig. 3.
1849. » PhcBdra d'Orb. Prodrome, I, S. 285.
1853. » n d'Orb. Ghap. u. Dewal. Terr. sec. Luxemb., Taf. 25, Fig. 1
? 1855. » dilatata (Sow.) Terqubii. Pal. de la Hoselle, S. 26.
Die in Lothringen auftretende Form weicht von der Abbil-
dung MüBGHisoNS dadurch ab, dass die Schaale etwas breiter
und gerundeter ist. Von der Zeichnung bei Chapuis und De-
WALQüE unterscheidet sie sich durch eine starke Einbuchtung
am Ende der Gryphseen-Rinne. Unsere Or. sublobata steht also
in der Mitte zwischen den beiden Erwähnten, doch von jeder
nur wenig abweichend.
Vorkommen: Sehr zahlreich und leitend in den Seh. m.
Harp. Sowerbyi. Ars, Jussy, St. Quentin, Montvauxthal
bei Lessy, Moyeuvre.
Zu der von Waagek (Beneckb, Beiträge I, S. 634) auf-
geführten reichen Anzahl von Orten ihres Vorkommens würden ,
ausser obigen, noch die Departements du Calvados und de
l'Aube hinzuzufügen sein, aus denen sie Hebebt erwähnt (Bull.
Soc. g^ol. France, 11, Bd. 13, S. 218), und Loz^re, wo sie
Fabbe als überall vorkommend* angiebt. (Bull. Soc. g^ol. France, II,
Bd. 26, S. 355.)
Peoten.
Pecten lens (Sow. I) Quenst.
1858. Pecten lens Qubnst. Jura, Taf. 44, Fig. 12.
Der SowBBBY'sche Pecten Lens (Min. Conch. , Taf. 205,
Fig. 2 u. 3) ist eben so hoch wie lang; bei der QuEKSTEDT'schen
Form aber ist die Höhendimension etwas grösser. Dies letztere
111
Verhältniss zeigt sich bei manchen meiner Exemplare, andere
aber besitzen den Umriss der SowEBBY'schen Form.
Vorkommen: Von den Schichten mit Trig. navis an bis
in die des Harp. Sowerhyi; überall selten bis auf die Unter-
region der Schichten mit Harp. Murchisonte. Ars, St. Quentin,
Esch, Oettingen. (Z. Th. im Eisenerze.)
Beeten Latharingieua n, sp.
T»f. Vni, Fig. 9.
Beide Klappen sind gleichmässig gewölbt und fast so breit
wie hoch; jede trägt 22 ziemlich hohe und auf ihrem Rücken
etwas scharfe Rippen. Die Anwachsstreifen sind in den Furchen
zwischen den Rippen sehr schwach; auf dem Rücken derselben
bringen sie eine leichte Eömelung hervor. Nur die vordersten
und hintersten Rippen werden durch diese Anwachsstreifen
schuppig. Die Ohren zeigen die Streifung ganz fein. Diese Form
steht dem Fecien suhtextorius Wis. (Gldp., Taf. 110, Fig. 11)
nahe, unterscheidet sich aber von ihm durch völlig gleich-
massige, weniger dicht stehende und weniger schuppige Rippen.
Vorkommmen: Sehr selten. Unterregion der Seh. m. Trig.
navis. St. Quentin.
Lima.
Lima Schitnperi n, sp.
Taf. VI, Flg. 4.
Die Hinterseite ist beinahe halbkreisförmig gebogen und
geht allmählich in den sanft gebogenen Unterrand über; der gerade
Vorderrand ist auffallend lang und bedingt die Schiefheit des
Umrisses, welcher die Art kennzeichnet. Ganz flache, dicht stehende
Rippen, gegen den Vorder- und Hinterrand schmaler, in der
Mitte breiter, bedecken die Schaale. Sie werden durch flache,
weit schmalere, wie mit dem Messer eingeritzte Furchen getrennt,
112
in deren Grunde auf der oberen Hälfte feine Punkte, auf der
unteren, wo sie sich etwas verbreitern, feine Anwachsstreifen
stehen. Letztere zeigen sich auch auf dem unteren Ende der
Rippen. Eine linke Klappe, welche ich keiner anderen Art
zuschreiben möchte, besitzt auf dem mittleren Schaalentheile
abwechselnd breitere und schmalere Rippen, was auf der Ab-
bildung (Fig. 4 a) nur undeutlich zu erkennen ist.
Die Ohren bilden einen Winkel von 135°; das vordere ist
wenig kleiner als das hiiftere. Das grosse Höfchen ist fast ganz glatt.
Lima semicirctUarts Mün. (in Golbf., Taf. 101, Fig. 6)
steht dieser Art am nächsten ; ihre Furchen sind aber am Unter-
rande eben so breit als die Rippen und ihr Höfchen ist mit
concentrischen Anwachsstreifen versehen. Auch die beträchtliche
Schiefe der lothringischen Form dient als Unterscheidungsmerkmal.
Vorkommen : Ziemlich häufig in den Schichten mit Harp.
Sowerhyi. St. Quentin bei Metz.
Litnu duplicata Sow. sp.
Taf. VI, Flg. 6.
1827. Plagiostoma duplicata Sow. Min. Gonch., Taf. 559, Fig. 3.
1852. Lima » » sp. Morr. a. Lyc. Great. GoL, ü, Taf. 3, Fig. 6.
Diese weit verbreitete Art ist in England im Combrash
häufig. Doch kommen identische oder doch sehr nahestehende
Formen bereits in tieferen Schichten nicht selten vor. Die
Schaale der lothringischen Exemplare zeigt scharfe Hauptrippen
und auf dem Grunde der Furchen je eine feine Nebenrippe,
welche leicht gekörnelt ist. Der Steinkern dagegen besitzt nur
die Hauptrippen und zwar ist deren Rücken hier gerundet. Der
Umriss ist bald etwas breiter, bald etwas schmäler. Ich konnte
keine wesentlichen Unterschiede aufiSnden, welche die Abtren-
nung dieser Formen aus tieferen Schichten von deijenigen
Sowebby's rechtfertigen würden.
113
Vorkommen: Unterreg. d. Seh. m. Harp. MurchisontB.
Esch« Ziemlich selten. (Eisenerz.)
Lima Lesabergi n. gp.
TAf. yn, Fi«, s.
Diese grosse Art erreicht eine Höhe von 150 Millim. and
wird im Alter verhältnissmässig schmäler als in der Jugend.
Hinter- und Vorderrand sind lang und verlaufen beinahe geradlinig
nach dem , einen Kreisbogen darstellenden Unterrande.
Die Schaale ist, besonders auf ihrer unteren Hälfte, mit
groben, concentrischen Runzeln bedeckt Gerundete, wenig hohe,
etwas unregelmässig hin und her gebogene Rippen laufen radial
vom Wirbel aus, doch so, dass die dem letzteren zunächst
gelegene und oft auch die mittlere Schaalenparthie glatt bleiben.
Nahe am Unterrande verwischen sich die Rippen wieder. Die
Lunula ist relativ klein, flach und ebenso wie das vordere Ohr
mit dicht stehenden, wulstigen Anwachsstreifen bedeckt; das
hintere Ohr ist fast glatt und bildet mit dem anderen einen
Winkel von 120^ Beide Ohren sind etwa von gleicher Grösse.
Ich erlaube mir diese Art Herrn Hauptmann LssssEBa in
Esch zu widmen.
Vorkommen: Häufig und sehr bezeichnend für die Unter-
region der Seh. mit Harp. Murchisona bei Esch und südlich
bis gegen Oettingen. (Eisenerz.)
Avioola.
Avicuia Münsteri Bboitn.
1836. Avicuia Müntteri Bronn, ia Golof. Taf. 118, Fig. 2.
Schon QüBNBTBDT hat wiederholt darauf aufinerksam gemacht,
dass sehr ähnliche Formen von Avicuia aus dem unteren Lias
bis hinauf in die Basis des Malm gehen. Aus den Eelloway-
U. 8
114
Schichten beschrieb Sowjuilbt seine Av. in€equwaM8^ während
man in Deatschland nach GoiiDfubs mit diesem Namen eine
Form des unteren und mittleren Lias bezeichnet, welcher streng
genommen der B'OBBiaKT'sche, wenig geläufige, Name Av. Sine-
muriensis zukonunen würde. Avicula Münsteri benannte Bbokn
die häufige Art des Dogger, die von den Schichten mit Lyt.
torulosum an bis hinauf in das Bathonien geht. Mit dieser
Letzteren sind unsere lothringischen Formen zunächst zu yer-
gleichen. Ich wüsste keine wesentlichen Unterschiede anzugeben
und lasse es daher bei dem Namen Av. Münsteri bewenden, um
so mehr als mein Material mangelhaft ist.
Vorkommen: Selten i. d. Seh. m. IVig. navis und farp.
Sowerbyi, St. Quentin, Ars, Hayingen, Yillerupt (Z. Th.
im Eisenerze.)
Inooeramus.
Inoceratnua Boßhü n, gp«
T»f. VI, Flg. 6.
Die Wirbel sind stark eingerollt; der linke überragt den
rechten ein wenig. Das Ohr der Vorderseite, weiche einen
Byssus-Ausschnitt besitzt, ist ganz klein. Die Schaale bedecken
concentrische, dicht stehende, regelmässige und feine Anwachs-
streifen.
Die starkbauchige Gestalt unterscheidet unseren Inoceramus
von den bekannten Formen des deutschen oberen Lias und
unteren Dogger. Am ehesten besteht noch Verwandtschaft mit
In. substriaius Gldp. (Taf. 109, Fig. 2 und Tat 115, Fig. 1)
aus dem mittleren Lias, welcher jedoch keine so regelmässige
Streifung besitzt.
Ich erlaube mir die Art nach Herrn Mojor ton Rgsjol in
Metz zii benennen.
115
Vorkommen: Oberreg. d. Seh. m. Harp. Murchisonts.
Yillerupt, Lessy bei Metz. Selten.
Modiolsu
ModMa 9e€aata WAie.
1867. MbiMa seaiaia Waaq. In Benecke. Beitr. I, Taf. 29, Fig, 4 a, b.
Die treppenförmigen Runzeln, welche die Art leicht kennt-
lich machen und der Umriss, 80 weit derselbe erhalten ist,
sprechen für die Identität mit dieser seltenen Art. Mein einziges
Exemplar ist jedoch etwas aufgeblähter als die citirte Abbildung
zeigt
Vorkommen: Schichten mit Harp. Sotoerhyt. Ars. Sehr
selten.
Trigonia.
Trigimia Zitteli n. sp.
TAf. Vni, Fig. 1.
Gerundet, dreieckig, schwach nach hinten ausgezogen,
wenig dick, der schwach rückwärts eingebogene Wirbel beinahe
ganz nach vorn gerückt. Vorderrand leicht gerundet, ganz all-
mählich in den Unterrand verlaufend, welcher in ebenmässig
elliptischem Bogen bis zum unteren Ende der Badialkante ver-
läuft ^ Uebergang zwischen Unter- und Hinter-Band gerundet.
Badialkante nur in ihrem obersten Ende scharf und mit fast
unmerklichen Körnern besetzt, nach unten immer flacher werdend.
Vorn fallt die Schaale steil ab, doch ohne dass, wie bei Trig.
1. Radialwulst oder, Je nach der Beschaffenheit, Radialkante nenne ich
nach QuBNSTEDT die Tom Wirbel schrSig nach hinten ~ unten yerlaufende Er-
höhung, welche das Arealfeld nach yorn begrenzt.
116
fuwiSf eine scharfe Kante zwischen dem Seitentheil der Schaale
und dem Vordertheil entsteht. Das Arealfeld stosst nahe dem
Wirbel unter rechtem Winkel an die Seitenfläche, nach unten
legt es sich yiel flacher an dieselbe an.
Sehr bezeichnend ist die Oberflichenskulptnr der Schaale.
Die Yordere HUfte der Seite nehmen dicht gedr&ngte, nicht
hohe , concentrische , dem Unterrande parallel verlaufende Bippen
ein, welche bis an den Yorderrand reichen. Sie sind von gleicher
Dicke und ununterbrochen , denn die auf der Abbildung bemerk-
bare Unterbrechung derselben (in der Mitte etwa) därfte in
dem Erhaltungszustande des Originales ihren Grund haben.
Dasselbe besitzt etwa 32 solcher Rippen. Ein zweites System
von Streifen bedeckt die hintere Hälfte der Seite und geht bis
an den Badialwulst heran. Es besteht aus höheren, weniger
zahlreichen (16) Bippen, deren jede, mehr oder weniger knotig,
nach unten allmählich an Grösse zunimmt, so dass sie keulen-
förmige Erhöhungen darstellen. Nahe am Wirbel stossen sie
unter 60 — 70^ an die Arealkante; nach unten zu wird der
Winkel immer spitzer. Eigenthümlich gestaltet sich die Orna-
mentik auf der Mitte der Schaale an der Berührung der beiden
oben geschilderten Systeme. Die vorn gelegenen Bippen lösen
sich nämlich an ihrem hinteren Ende in einzelne Knoten auf,
die zum Theil die von den Ersteren eingehaltene Richtung ver-
lassen. Mit zunehmendem Alter wächst auch die Ausdehnung
dieser mit Knoten bedeckten Schaalenparthie. Nur die unterste,
dem Schaalenrande zunächst parallel verlaufende concentrische
Rippe läuft im Zusammenhang bis an die erste, den Unterrand
erreichende des hinteren Systemes. Das Arealfeld wird durch
eine Badialfürche in eine hintere, schmalere und eine vordere,
breitere Hälfte getheilt und wird am Wirbel von feinen, regel*
massigen Querrippen überzogen, an deren Stelle weiter nach
unten schwach sichtbare Anwachsstreifen treten.
117
Ich schliesse hier provisorisch das unter Figur Ib abge-
bildete £zemplar an, welches wegen unvollständiger Erhaltung
keine genaue Yergleichung mit jenem ersteren zulässt, aber
wohl einer anderen Art zugehören durfte. Das vordere Rippen-
qrstem ist hier gänzlich verschwunden und seine Stelle durch
längliche und runde Knoten eingenommen, welchen keine überein-
stimmende Richtung zukommt.
3Hg. Zitteli besitzt unter den engUschen Trigonien mehrere
Verwandte. Von Trig. tripartita (Ltcett, British, foss. Trig.,
S. 47, Tai. 12, Fig. 7, 1874) aus dem Cornbrash ist sie durch
den fast geraden, wenig ausgebauchten Vorderrand hinreichend
geschieden. Von lüg, V cosiata Lyoett (Ann. a. Mag. nat.
bist., Vol. 12, Taf. 9, Fig. 7, S. 254, 1853) weicht sie durch
den mehr nach vorn gerückten Wirbel, den weniger gekörnelten
Badialwulst , die weit zahlreicheren Bippen des vorderen Systemes
und die Auflösung derselben an ihrem hinteren Ende in Knoten
ab. Die letztere englische Spezies liegt. in der mittleren und
oberen Abtheilung des Unteroolithes von Cheltenham.
Vorkommen: Ziemlich häufig in der Unterregion d.
Seh. m. UVig. navis. St. Qu entin bei Metz. Das Original zu
Fig. 1 b stammt aus der Oberregion dieser Schichten von
Hayingen.
Trigania ef. Leekenbyi Ltg.
TäT, vm, vig. 8.
1874. THgonia Leekenbyi Lyc. Monogr. brit. foss. Trig., S. 71, Taf. 16, Flg. 1 u. 2.
Länglich dreieckig, stark nach hinten verlängert, der
schwach rückwärts eingebogene Wirbel ziemlich weit nach vorn
stehend. Vorderrand massig gebogen , allmählich in den elliptischen
Unterrand verlaufend. Radialwulst gerundet, ohne Verzierung,
nach unten immer flacher werdend. Vorn biegt die Schaale sich
rechtwinklig um, doch ohne dass zwischen dem Seiten- und
dem vorderen Theile derselben eine scharfe Kante entsteht, wie
118
dies bei IVig. navis der Fall ist Das Arealfeld bildet mit der
Seite der Schaale in der Nähe des Wirbels einen rechten,
weiter nach unten einen stumpfen Winkel. Die Skulptur zeigt
zwei verschiedene Systeme von Bippen. Ueber die vordere
Schaalenhälfte laufen mit dem Unterrande einen Winkel bildende
Kippen, welche bis an den Vorderrand reichen. Sie sind von
gleicher Dicke, sehr undeutlich geknotet und massig hoch; das
abgebildete Exemplar besitzt deren etwa 17. Die hintere Hälfte
der Schaale ist mit Rippen von anderer Beschaffenheit geziert.
Diese, etwas geringer an Zahl (etwa 14), ziehen von dem
Radial wulst schräg nach vom und unten hinab; die näher am
Wirbel stehenden bilden einen stumpferen, die unteren einen
spitzeren Winkel mit dem Wulst. Alle schwellen an ihrem unteren
Ende an, wodurch sie ein keulenförmiges Aussehen erhalten;
auch sind sie mit etwas deutlicheren Knoten besetzt, wie die
Rippen des ersten Systemes. Quer über das Arealfeld verlaufen
schwach sichtbare Anwachsstreifen; dasselbe zeigt sonst keine
Skulptur.
Vorliegende Form schliesst sich an diejenige Varietät der
IVig. Leckmhyi an, welche von Lycbtt unter Figur 2 abge-
bildet ist und aus dem Supra-Lyassic Sandstone herrährt.
Doch hat die lothringische Varietät einen etwas weniger gebogenen
Vorderrand und der vordere Theil ihrer Rippen verläuft ganz
gerade. Von Trig. ZitteU n. sp. (S. 115, Taf. 8, Fig. 1) ist sie
durch grössere Länge und durch entfernter stehende und nicht
parallel dem Unterrande verlaufende Rippen des vorderen
Systemes geschieden. Ich kenne zwischen ihr und Trig. ZitteU
keine verbindenden Formen.
Vorkommen: Selten in der Oberregion der Schichten mit
Trig. navis. Hayingen. (Eisenerz.)
119
Trigania anguUxta Ltc.
Taf. VIII, Flg. S.
1874. Trigonia angulata Lyg. Monogr. brit. foss. Trig., 1874, S. 54, Taf. 14, Flg. 6.
Weit nach hinten verlängert , dick, der stark übergebogene
Wirbel im vorderen Drittel der Länge stehend. Yorderrand
kr^g vorgezogen , allmählich in den geschwungenen Unterrand
übergehend, welcher mit dem Hinterrande unter einem spitzen
Winkel zusammenstösst. Radialwulst schmal und unverziert. Die
Seite der Schaale f&Ut nicht, wie bei den zwei vorigen Arten,
vorn steil ab, sondern biegt sich sanft nach vom um. Das
Arealfeld bildet mit der Seitenfläche einen rechten Winkel. Die
kaum gekörnelten Rippen, welche bis an den Yorderrand gehen,
verlaufen in der Nähe des Wirbels concentrisch. Später wird
aus der kreisförmigen Biegung eine winklige, indem die Rippen
vom Radialwulst anfangs hinab gegen den Unterrand ziehen und
sich dann plötzlich nach vorn und oben wenden. Das mangel-
haft erhaltene Arealfeld zeigt keine weitere Skulptur als die
Andeutung einer Radialfurche.
Das abgebildete Exemplar ist kleiner und hat, bei ent-
sprechender Grösse, schärfer gebogene Rippen als die oben
citirte Trig. angulata aus dem Unteroolith Englands, von der
ich unser Yorkommen nicht trennen möchte.
Yorkommen: Sehr selten. Unterregion der Schichten mit
Harp. MwchisontB. La Sauvage bei Longwy. (Eisenerz.)
TrigwfUa prmeoaUita n. sp.
Taf. VIII, Fig, 4.
Dreieckig, kurz, wenig dick, der kaum rückwärts ein-
gebogene Wirbel beinahe in der Mitte stehend. Yorderrand
wenig gebogen, schräg nach vorn ziehend und in kurzer Biegung
in den fast geraden Unterrand übergehend. Dieser stösst unter
120
rechtem Winkel mit dem wenig gebogenen Hintemnde zusammen,
wodurch die Schaale eine hinten abgestutzte Form erhält. Badial-
wulst oben scharf und schmal, unten breit und stumpf, durch
querüber laufende, flache Furchen abgetheilt (was auf der Ab-
bildung Fig. 4 und 4 & zu stark markirt wurde). Die Seite der
Schaale biegt sich allmählich nach dem Vorderrande um. Das
Arealfeld bildet nur ganz nahe dem Wirbel etwa 90* mit der
Schaalenfläche, weiter nach unten stosst es mit ihr unter einem
stumpfem Winkel zusammen.
Die Skulptur ist die ein&che der costaten Trigonien. Sie
besteht aus zahlreichen, auf dem Bücken, flachen, concentrischen
Bippen, weiche dem Unterrande parallel laufen. Sie sind breiter
als die zwischen ihnen befindlichen Furchen. Das Arealfeld wird
durch eine Badialfurche in zwei gleich grosse Längshälften
getheilt; auf der hinteren befinden sich 3 schwache, wenig
Eörnelung zeigende Badialrippen, auf der vorderen nur eine
etwas stärkere. Die Badialfurche wird in ihrem oberen Theile
Yon 2 Kielen eingefasst, welche sich im unteren bald yerflachen
und undeutlich werden. Hinten wird das Arealfeld von einer
Badialrippe begrenzt, welche mit perlschnurartig aneinander
gereihten Eömem besetzt ist. Quer über dasselbe verlaufen kaum
sichtbare Anwachsstreifen.
Die Art ist von den ihr nahestehenden Trig. cosiaia^
cosUMata und simiUs durch die Zeichnung des Arealfeldes und
die dichter stehenden Bippen unterschieden. Trig. hemüj^umca
Lyc. (Cotteswold Hills, Taf. 4, Fig. 4, und Ann. and Magaz.
nat bist, Sept. 1853, S. 252, Taf. 9, Fig. 2) zeichnet sich
zwar durch dieselbe gedrängte Berippung aus, ist aber sehr
aufgeblasen, während die lothringer Form flach ist. IVig. tenui-
iexia (Lycett, British fossil Trigonin, Taf. 20, Fig. 1, S. 90,
1875) aus dem Portland hingegen hat noch zahlreichere Bippen
und ist durch grössere Feinheit charakterisirt.
121
Vorkommen: Sehr selten in der Unterregion der Seh. m.
Harp. MurchisofUB. Thal von Wolmeringen-Molvingen.
(Eisenerz.)
Trigania eaBiaUOa Ltc.
Taf. yni, Flg. 5, a.
1853. Trigonia costatula Lyg. Ann. a. mag. nat. histVol. 12, Taf. 11, Fig. 77, 1853.
Dreieckig, hinten abgestutzt, kurz, flach, der schwach rück-
wärts eingebogene Wirbel in der Yorderen Hälfte stehend. Yorder-
rand massig gebogen, allmählich (nicht im Winkel, wie auf Fig. 6
scheinbar der Fall) in den fast geraden Unterrand übergehend.
An diesen stosst unter stumpfem Winkel der Hinterrand. Badial-
kante deutlich mit perlschnurartig aneinander gereihten Eömem
besetzt und durch eine vom Wirbel nach unten sich immer
mehr yerbreiternde Furche von dem berippten Theile der Schaale
getrennt. Das breite Arealfeld legt sich während seines ganzen
Verlaufes ziemlich flach gegen die Seite der Schaale und diese
fällt Yorn ebenfalls nur wenig zu dem Yorderrande ab.
Die Ornamentik besteht aus concentrischen , fast horizon-
talen, dem Unterrande parallelen Bippen, welche schmal und
relativ hoch sind, und sich in ihrem hinteren Theile mit zuneh-
mendem Alter immer mehr in langgezogene Knoten auflösen.
Die Furchen übertreffen die Bippen an Breite. Das Arealfeld
ist durch eine radiale Enotenreihe in zwei gleiche Längshälften
getheilt und wird hinten durch eine ebensolche begränzt Quer
über dasselbe ziehen deutliche, zahlreiche, feine Bippen.
Als hierher gehörige Yarietät möchte ich die unter Figur 6
abgebildete kleine Form betrachten, welche sich nur durch die
grössere Feinheit und grössere Anzahl der Bippen (12) unter-
scheidet. Auf ihrem Arealfelde ist nur die radiale Furche bemerkbar,
was jedoch im Jugendstadium der typischen Form ebenfalls statt-
findet (wenigstens zeigt das lothringische Original zu Figur 5
eine solche Furche nahe dem Wirbel). Es besteht zwar viele
122
Aehnlichkeit mit IHg. dgUa (Lyc, Brii fon. Trig., 1874,
Tal 17, Fig. 7, S. 76) ans dem Great-OcUte in Betreff der
Feinheit aOer Theile, doch besitzt diese bei derselben Grösse
mehr Rippen und deren an das Arealfeld grenzender Theil löst
sich anch nicht in Knoten anf.
Die in En^and in der Oberregion der mittleren Abtheilang
des Unteroolithes liegende IHg. eosioMa Lyc. unterscheidet sich
Yon der Yorliegenden Form nur durch ein etwas breiteres Areal-
feld , einen mehr in der Mitte liegenden Wirbel und einen etwas
stirker gebogenen Unterrand, in Folge dessen die dem Letzteren
parallelen Bippen ebenfalls mehr geschwungen sind. Die Unter-
schiede durften zu geringe sein, um eine neue Art darauf zu
bc^prfinden.
Vorkommen: Sehr selten. Seh. m. Harp. Murchtsonm.
SL Quentin bei Metz.
Trigowia navia Las.
Taf. ym, Fiff. 7.
Trig. navis ist in Lothringen eine seltene Erscheinung.
Die wenigen Exemplare, welche ich in den nach ihr benannten
Schichten fand, besitzen in Knoten aufgelöste Bippen, wie dies
in der Begel bei dieser Art der Fall ist
Das abgebildete Exemplar wurde Yon Herrn Professor
Bbheckb in der Höhe der Schichten mit Harp. S<noerhyi am
St. Quentin bei Metz gefunden. Der Hinterrand und das Areal-
feld desselben sind schlecht erhalten; die Berippung weicht von
der typischen Trig. navis nur dadurch ab, dass die Bippen nicht
so TOllständig in Knoten aufgelöst sind und dass dort, wo der
Unterrand in den Yorderrand übergeht, drei kleine Knoten-
reihen schräg nach oben ziehen. Beides aber findet man auch
zuweilen bei Trig, navis aus der Gundershofener Klamm und
die sehr grosse Wahrscheinlichkeit spricht dafär, dass das ab-
123
gebildete Exemplar sich dort, wo es gefunden wurde, auf
sekundärer Lagerstätte befand. Ich habe es überhaupt nur ab-
bflden lassen um die Möglichkeit des Vergleiches zu geben,
falls sich doch noch in den Schichten mit Harp. Sowerhyi mehr
solcher Formen finden sollten.
Vorkommen: k^Kkie Trig.navis erhielt ich von Hayingen
(Eisenerz) und von dem Signalberge aus den nach ihr be-
nannten Schichten.
Trigonia OddfuaH Aciass.
Taf. Vin, Fig. 8.
1840. Trigonia Gol^utsi Agass. Stades critiques, S. 24.
1834. Lyriodon HHeratum Goldf. (non Phill.), S. 200, Taf. 136, Fig. 5 a— b (uon
5 c, d, e).
Quer trapezoidal, stark nach hinten ausgezogen, massig
dick, der schwach rückwärts gebogene Wirbel ganz nach Yorn
gerückt. Vorderrand fast gerade, kurz, in grossem Bogen in den
langen, elliptischen Unterrand übergehend, an welchen der
Hinterrand sich im Winkel ansetzt, Radialwulst sehr flach, mit
zahlreichen Knoten besetzt, welche in der Nähe des Wirbels
gerundet , weiter nach unten etwas langgezogen (in der Richtung
der das Arealfeld bedeckenden Anwachsstreifen) sind. Vorn biegt
sich die Schaale allmählich zum Vorderrande um. Das massig
breite Arealfeld legt sich unter einem sehr stumpfen Winkel an
die Seitenfläche an. Die Skulptur besteht nahe dem Wirbel aus
concentrischen, mit Körnern besetzten Rippen. Weiter nach
unten beginnen die Rippen sich in einzelne Knoten aufzulösen
und zwar hat der an dem Wulst stehende eine lang keulen-
förmige Gestalt. Die auf der Mitte der Seitenfläche stehenden
bilden eine unregehnässig gebrochene Linie und endigen gegen
den Unterrand hin wieder in einer scharfen Rippe. Das Areal-
feld ist durch eine sehr wenig markirte Radialfurche in zwei
Längshälften getheilt und wird von queren, feinen An wachs-
124
Streifen überzogen, die nahe dem Wirbel als kleine Querrippchen
ausgebildet sind.
Das abgebildete Exemplar nimmt eine yerbindende Stel-
lung zwischen IVig. Qoldfussi Ag. und IVig. irigana Waagen
ein. Von der Ersteren ist es durch etwas regelmässigere Berippung
und ein spitzeres Hintertheil geschieden, was aber wohl keinen
spezifischen Unterschied bedingen dürfte. Von Trig. trigana
Waag. (Benegks, Beiträge I, S. 620, Taf. 29, Fig. 3) weicht
sie durch ein weniger spitz zulaufendes Hintertheil, regelmässiger
concentrischen Verlauf des in Knoten aufgelösten Theiles der
Rippen und durch einen flacheren Ansatz des Arealfeldes an die
Seitenfläche der Schaale ab.
Vorkommen: Selten i. d. Seh. m. Harp, Sowerbgi.
Moyeuvre, Hayingen.
Isooardia.
Jsoeardia cf. AcUenHs Qüenst.
Taf. IX, Fig. 1, 8.
1858. hocardia Aaletuis Quenst. Jura, S. 361, Taf. 49, Fig. 1 u. 2.
1855. Ceromya sp. Terqueu. Observ. s. I. Stades criUques, S. 77, Taf. 4, Fig. 1—4.
1867. hocardia concentrica (Sow.) Quenst. Handb. d. Petref.- Kunde, 2. Aufl.,
S. 633, Taf. 55, Fig. 28 u. 29.
Sehr ungleichseitig , etwas ungleich klappig , stark bauchig.
Wirbel der rechten Schaale niedriger als deijenige der linken;
beide Wirbel weit nach vorn gerückt und stark eingerollt. Die
Schaale ist mit regelmässigen concentrischen Anwachsstreifen
bedeckt und hat eine Dicke von 2 7, — 4% Millim. Der weit
vorgezogene Vorderrand geht in starker Krümmung in den
gebogenen Unterrand über. Letzterer aber und der schräg nach
hinten unten laufende Hinterrand bilden beim Zusammenstossen
einen Winkel. Der Schlossrand ist sanft gebogen. Ueber dem
125
vorderen Muskel liegt eine kurze, rundliche Verdickung der
Schaale {x auf Fig. 1 d) , auf dem Steinkerne eine entsprechende
Vertiefung (x auf Fig. 2 a). Vor dem hinteren Muskel zieht sich
eine lange Anschwellung der Schaale (y auf Fig. Id) hinab,
welche, unter dem Wirbel beginnend und stärker werdend, sich
schräg nach hinten unten wendet. Am stärksten ist dieselbe hart
über dem Muskel, wie man an der ihr entsprechenden Furche
auf dem Steinkerne sieht (y auf Fig. 2 a).
Schloss der rechten Klappe (Fig. 1 a — d): unter dem Schloss-
rande liegt eine Verdickung der Schaale, welche unter dem
Wirbel beginnend sich nach hinten zieht (v auf Fig. 1 ä). Auf
derselben erhebt sich eine lange Leiste (z auf Fig. 1 d)j welche
denselben Verlauf wie die Verdickung der Schaale nimmt ^. Diese
Leiste wärde auf dem Steinkeme eine Furche erzeugen, welche
der bekannten Furche der rechten Klappe bei Ceromya und
Gresslya entspräche. Vom Wirbel nach vorn geht ein gerundeter
Vorsprung (m auf Fig. 16, c, d).
Das Schloss der linken Klappe ist einfacher gebaut als das
der rechten. Hinter dem Wirbel liegt ein löffelartiger Vorsprung
(f auf Fig. 2 b, o), welcher sich beim Aneinanderpassen der
beiden Schaalen genau hinter den gerundeten Vorsprung der
rechten Klappe (m auf Fig. Ib, c, ä) und zugleich auch unter
deren Scblossrand schiebt. Die obere Fläche des Löffels zeigt
eine geringe Vertiefung, aus welcher die kleine Furche ihren
Ursprung nimmt, die sich längs des Schlossrandes nach hinten
zieht {U auf Fig. 2 b).
Nach Tebqtjem bildete der Mantel dieser Muschel eine
Bucht; meine Exemplare lassen nur den unteren Band des
Mantels erkennen, der auf der Schaale einige Falten erzeugte,
welche auf dem Steinkeme Abdrücke hinterliessen (g auf Fig. 2 a).
1. üeber diese Leiste siehe die Anmerkung auf der Erklärung zu Taf. IX.
126
lieber das Ligament lässt sich nach den mir za Gebote stehenden
Exemplaren nichts Sicheres aussagen. Dasselbe mag äosserlich
gewesen sein; bei dieser Annahme giebt es jedoch für den
Zweck der Leiste unter dem Schlossrande der rechten Klappe
{e auf Fig. 1 et) keine Erklärung; denn diese Leiste darf man
kaum als einen zum Schlüsse der Klappen dienenden Zahn
ansehen, da ihr keine Furche in der linken Schaale entspricht.
Als Zahn würde sie zwecklos sein; nimmt man dagegen an, dass
das Ligament innerlich war, so könnte man dasselbe in die
Lange Orube verlegen (U auf Fig. Id!), welche einerseits durch
die erwähnte Leiste, andererseits durch den Schlossrand gebildet
wird. Dieser Annahme stellt sich jedoch die Schwierigkeit ent-
gegen, dass das Ligament der linken Klappe ein äusserliches
ist; denn dasselbe dürfte kaum anderswo als in dem löffelartigen
Vorsprunge (f auf Fig. 2 &, c) und in der von ihm aus nach
hinten ziehenden Furche gelegen haben Qi auf Fig. 2 b). Wir
würden dadurch in der rechten Klappe ein innerliches, in der
linken ein äusserliches Ligament erhalten, was eine sehr auffal-
lende Erscheinung sein würde. Da jedoch die linke Klappe unter
den Schlossrand der rechten unterfasst, würde das Ligament
jedenfalls von aussen nicht sichtbar sein.
Die vorliegende Form ist deijenigen nahe verwandt, welche
QuBNSTEDT als Isocardia Aalensis aus dem unteren Dogger von
Aalen abbildet; zwar ist in der Figur im Jura, Tafel 49, Figur 2,
der Raum zwischen der Leiste und dem unter dem Wirbel
liegenden Vorsprunge (auf der rechten Klappe) sehr viel grösser,
als, bei derselben Stellung, meine Exemplare es zeigen würden;
allein die Abbildung im Handbuche (2. Aufl., Taf. 55, Fig. 28,
29) stimmt schon besser mit der lothringischen Form.
Mehr Schwierigkeiten bereitet die generische Stellung.
QuEKBTEDT sicht die von ihm beschriebene Art als eine J^o-
cardia mit verkümmerten Zähnen an, und hebt hervor, dass
127
sich yerein&changen der Schlösser häufig beobachten liessen.
Gegen die Stellung der lothringischen Form zu Isocardia spricht
entschieden die von Tebquem an Exemplaren, welche identisch
mit den meinen sind, beobachtete Mantelbucht. Dieser Autor
steUt dieselben zu Gresslya, mit welchem Genus er Ceromya
vereinigt. Allein die Definition von Ceromya^ welche Aoabsiz
(£tudes critiques s. 1. moll. foss., S. 25) giebt, passt in mehreren
Punkten nicht auf die in Bede stehende Art. Nach Agabsiz hat
Ceromya eine excentrische Skulptur, eine sehr dünne Schaale
und unter dem Wirbel mehrere leichte Kiele. Von letzteren
ist bei unserer Form nichts zu sehen. Die Schaale ist stark
(2 Vs — 4 Ys Millim.) und die Berippung eine concentrische. Nach
Qu£K8T£DT würdc allerdings die Dicke der Schaale kein unter-
scheidendes Merkmal bilden können, da die Württembergischen
Exemplare von Isocardia AaUnsis bald dick- , bald dünnschaalig
sind. (Jura, S. 360 und 361.)
Es entsteht daher die Frage, ob hier nicht ein neues
Genus vorliegt. Bis nicht weitere Erfunde eine in jeder Beziehung
genaue Diagnose gestatten, führe ich die Art unter dem von
QuEKSTEBT angewandten Namen Isocardia auf.
Vorkommen: Oberregion d. Seh. m. Trig, navis. Esch,
Kneuttingen. (Eisenerz.) Ziemlich selten.
Rhynohonella.
BhynehaneUa oUgacantha n. sp«
Taf. VI, Flg. 7.
Kleine Spezies, bald flacher, mit spitzem mehr nach oben
gerichtetem Schnabel und seitlichen Kanten, bald etwas auf-
geblähter mit niedergedrückterem Schnabel und wenig ausgepräg-
ten Schnabelkanten. Deltidium über dem kleinen Loche schwach
128
entwickelt. Umriss gerundet, dreiseitig, der Breitendurchmesser
fast dem der Höhe gleichkommend (9 und 10 Millim.). Die
grosse Klappe nicht viel grösser als die kleine; beide mit
ungefähr je 13 Rippen bedeckt, welche am Wirbel schwach
beginnen, sehr bald aber scharfrflckig und rektiv hoch werden.
Die durchbohrte Klappe bildet am Stimrande einen Sinus, auf
welchem sich zwei Bippen befinden, während die entsprechende
Erhöhung der anderen Schaale drei Rippen trägt. Das Charak-
teristische der Art besteht in der geringen Anzahl durchbohrter
Stacheln, mit welchen sie versehen ist. Auf jeder Rippe sitzen
deren höchstens drei, bisweilen nur eine. Da die Stellung der
Stacheln auf allen Rippen die gleiche ist, so entstehen eine bis
drei Reihen, welche über die Rippen hinweglaufen.
Diese Form gehört zur Gruppe der Bhfftich. spinoaa^
deren ältester Repräsentant sie zu sein scheint; besonders nahe
steht ihr, in Betreff der groben wenigen Rippen, der weniger
zaUreichen Stacheln, wie der Form und Grösse, jene Art, welche
QuEMSTEDT (Petrefftcteuk. Brachiop., Taf. 39, Fig. 52, S. 112
und Jura, Taf. 58, Fig. 25, S. 427) aus den Schichten mit
Harp. Sowerhyi als Vorläufer der Bh. spinosa anfuhrt.
Vorkommen: Oberregion der Schichten mit Harp. Mar-
chisontB und Schichten mit Harp. Sawerbyi. Nur amSt. Quentin
bei Metz. Ziemlich selten.
BhynchaneUa FtirmU n. sp.
TAf. VI, PJg. 8.
Kleine Spezies mit nach oben gerichtetem, nicht sehr
spitzem Schnabel und wenig markirten Schnabelkanten. Delti-
dium über der kleinen Oeffnung kaum bemerkbar. Umfiing
gerundet, dreiseitig, von gleichem Höhen- und Breiten-Durch-
messer (11 Millim.). Beide Klappen ziemlich von derselben
Grösse; die kleine in der Jugend flach, im Alter hart unter
129
dem Wirbel stärker gewölbt (oft noch mehr wie bei. Fig. 8).
Die obere Hälfte beider Schaalen glatt, die untere mit 7 bis 11,
in der Nähe des Stirnrandes kräftigen Bippen besetzt. Die
grosse Klappe am Stirnrande einen tiefen, meist zwei-, seltener
einspitzigen Sinus bildend, auf dessen mittlerem Theile eine
Rippe Terläuft. Die entsprechende Erhöhung der kleinen Schaale
trägt zwei Rippen.
Diese Art weicht Ton Rhynch. cynocephala Rich. (Bull. soc.
g^ol. France, I, Bd. 11, S. 263) durch kürzere Rippen und
den kleineren Sinus ab; durch dieselben Merkmale, aber nicht
so stark geschieden ist sie von Rhynch. Ruthenensis Reykbs
(Aveyron, S. 107, Taf. 6, Fig. 5), welche man als eine in der
Mitte zwischen Rhynch. Frireni und Rhynch. cynocephala stehende
Form betrachten kann.
Auffallend ist der Umstand , dass Rhynch. Frireni fast stets
mit getrennten Klappen vorkommt. Die abgebildeten ganzen
Exemplare verdanke ich der Güte des Herrn Abb6 Fbibek in
Metz, nach dem ich mir die Art zu benennen erlaube.
Vorkommen: Nur am St. Quentin bei Metz. Dort
ziemlich häufig. Grenzregion zwischen den Seh. m. Trig. navis
und Harp. Murchisonce.
Das Vorkommen dieser Art erhält ein Interesse durch ihre
Verwandtschaft mit Ehynch. cynocephala^ welche nach Oppel
(Jura, S. 431) für die Begrenzung gewisser Schichten von grosser
Bedeutung ist, indem sie in verschiedenen Gegenden genau an
der unteren Grenze seiner Zone des Amm. torulosas erscheint.
Auch aus anderen Gegenden werden Formen aufgeführt, welche
der Rhynch. cynocephala sehr nahe stehen oder mit ihr identisch
sind und, wie die lothsingische Art, sämmtlich in höheren
Schichten liegen. Die obenerwähnte Rhynch. Ruthenensis erscheint
in Aveyron an der Basis der Zone des Harp. Murchisonm. Aus
n. 9
130
Hannover citirt v. Seebach eine Bhynch. cf. cynoc^hcda ans der
Oberregion der Schichten mit Trig. navis (HannoY. Jura, S. 31).
Femer führt Dumobtieb (BuU. Soc. g6oI. France, U, Bd. 20,
S. 113) aus dem westlichen Frankreich — Departement Deux-
Sövres — die Bh. cynocephcUa als häufig vorkommend aus
Schichten auf, welche etwa in der Zone des Harp. MurchisamB
liegen. Richard, der Begründer der Spezies, giebt uns leider
keine paläontologische Charakteristik des Horizontes, in welchem
er die neue Form fand. Er sagt nur (BuU. soc. gtel. France, I,
Bd. 11, S. 263), dass sie in einem mergeligen, eisenhaltigen
Kalke im Departement der Haute«Mame läge , dessen Hangendes
der Calcaire ä entroques, dessen Liegendes die oberen Lias-
mergel seien. Nun liegt der betreffende Fundort, Bourmont
a. d. oberen Meuse, zwischen Nancy, Noroy, Yillersezel und
Dampierre bei Langres, Orten in deren Nähe die oberen Lias-
mergel der Franzosen bis hart unter oder noch in die Zone der
Trig. navis gehen. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass bei
dem in der Mitte der genannten Punkte liegenden Bourmont
die Lagerungsverhältnisse dieselben seien, dass also die echte
Bh. cynocephalaj da wo sie zuerst gefunden wurde, mindestens
in den Schichten mit IVig. navis, also über den sogenannten
Liasmergeln mit der Fauna des Lgt. torulosum liegte
Man darf somit annehmen, dass die OppsL'sche Bhynch.
1. Vergl. Bull. Soc g6oL France, II, Bd. 26, S. 353, 356, 487, 492 ; ferner
Bd. 27, S. 286, und Thirria, StaUstique de la Haute-SaOne, S. 284—287. Ausserdem
sagt DiEULAPAiT (BuU. Soc. göol. France, n, Bd. 25, S. 418), dass der Calcaire i
entroques in den sfldl. t. Bourmont liegenden Strecken der Franche-Comtö, der
Bourgogne und des Mont d*Or lyonnais , Aber den Scbichten mit Trig. navis erst
beginne. Schliesslich best&tigt dies Oppbl selber, wenn er (Jura, S. 330, 331 , 352)
sagt, dass in Burgund der Calcaire ä entroques über den Thonen mit imm. toru-
lom$ (obere Liasmergel der Franzosen) liege, und dass er dort die Zone des Amm.
MurchiioncB repräsentire. Yeigl. auch : Ferry, Note sur Tötage B^ocien des enri-
rons de MAcon. Gaen, 1851.
131
e^ocqphdla in England und in der Schweiz (cf. Mcesch, Aar-
gauer Jura. Beitr. z. geolog. Karte der Schweiz, Bd. 4, S. 70)
an der Basis der Schichten mit Lyt. torulosum liegt, dass aber
ihr nahestehende Formen bis hart unter oder in die Schichten
mit Harp. Murchisonm fortsetzen.
Vorkommen: Nur am St. Quentin in der Oberregion
der Schichten mit Trigonia navü.
Lingula.
Lingula sp.
Eine kleine lange und schmale Form (grösste Länge und
Breite 10 und 4 Millim.), deren Schlossrand einen Winkel von
etwa 60® bildet. Derselbe geht allmählich in die schwach nach
aussen gebogenen Seitenränder über, welche in sanfter Biegung
in den leicht gerundeten Unterrand verlaufen. Sehr viel kleiner
als diejenige Form, welche Quekstedt als Lingula Beani aus
dem Eisenerze Schwabens abbildet (Jura, Taf, 47, Fig. 17,
S. 352). Eine Verwandtschaft besteht noch am ehesten mit
Lingula metensis Tebq. (Bull. soc. g^ol. France, U, Bd. 8,
S. 12, Taf. 1, Fig. 9) aus dem untersten Lias.
Vorkommen : Nur in dem Eisensteine von Ars. Ober-
region (^er Schichten mit IHg. navis; dort an einer Stelle
häufig.
Defranoitu
Defraneia dipiopara n. sp.
Taf. VI, Flf . 9.
Kolonie in Gestalt einer flachen Scheibe, Zellen nur auf
einer Seite derselben in radialen, rippenartigen Reihen, von
132
denen vier, ungefähr rechtwinklig zueinander stehend, durch ihre
Länge etwas deutlicher heraus treten. In jedem der dadurch
gebildeten vier Quadranten stehen im Ganzen etwa 10 Neben-
rippen erster bis vierter Grösse. Auf der Höhe jeder Kippe
öffiien sich 2 Zellenreihen, deren Poren mit einander altemiren.
An einigen wenigen Stellen verbreitem sich die Rippen etwas
und es schieben sich dann weitere Poren in die 2 Reihen ein;
doch entstehen dadurch nicht 3 Reihen, sondern ein unge-
ordneter Complex von Zellen. An den Seiten der Rippen ist der
Verlauf der Zellen durch kleine Furchen angedeutet und diese
lassen erkennen, dass jede Zelle schief zur Basis des ganzen
Stockes steht, und zwar nach aussen geneigt
Steht im AUgemeinen der Def. infraooUihica Waao. (Ben-
EOKE, Beiträge I, S. 643, Taf. 33, Fig. 5) nahe; doch hat
diese 3 Porenreihen auf jeder Rippe , die vorliegende Art deren
nur 2.
Vorkommen: Seh. m. Harp. Sotcerbtfi. Ars. Sehr selten.
Berenioea.
Berenieea dUuviana Lamovboux sp,
1821. Diastofiora diluviana Lamx. Expos, m^th. de genres d. pol., S. 81 , Tat. 80,
Fig. 3, 4.
1854. Berenieea diluviana (Lamx.) HiaME. M6iil bull. Soc. göol. FraDce, U, Bd. 35,
S. 177, Tat 7, Fig. 2 a— d.
Haimx führt die Art aus dem Grossoolith an. Waagen aber
wies nach , dass sie bereits in den Schichten mit Harp. Sowerhyi
auftrete (Benboke, Beiträge, I, S. 646), wofür ihr Vorkommen
in Lothringen ein weiterer Beleg ist.
Vorkommen: Seh. m, Harp. 8au>erbyi. Ars. Sehr
selten.
133
Ghondritds.
OkotwIrMe» ef. aeopariua TmoKt.
Ckondritei tcopariut Imotukax. BolL Soc. gtel. France, U, Bd. 18, S.579, Taf. 12.
♦
Eine Alge von meist undeutlicher Erhaltung, welche aber
wegen ihrer Verbreitung über grosse Flächenräume des franzö-
sischen Jura und der sich daran knüpfenden Controverse über
den ihr zukommenden Horizont (im Bull. soc. g6ol. France) oft
genannt ist^ Als die französischen Geologen zuerst auf die
massenhafte Verbreitung dieser Alge aufmerksam geworden
waren, glaubten sie derselben den Werth eines Leitfossiles bei-
legen zu dürfen, welches stets die Schichten des Harp. Mur-
eJdsontß charakterisire. Im Jahre 1868 aber wies Dieulavait'
nach, dass dem nicht so sei, dass vielmehr die Algen in min-
destens 3 verschiedenen Horizonten aufträten, welche zusammen
eine Mächtigkeit besässen, die bis 300 Meter steigen könne.
Er zeigte, dass der oberste dieser Horizonte in den Schichten
mit dem Steph. Humphriesianuin , der mittlere in denen des
Hatp. Murchisonm läge, während der unterste sich im oberen
Lias befände (mit Harp. concavum , eomplanatum und discoides).
DisuiiAPAiT machte femer darauf aufmerksam, dass in den ver-
schiedenen Departements bald nur die eine, bald mehrere der
genannten Zonen algenführend sind.
lieber die horizontale Verbreitung der Fucoiden gab Fabbe'
Aufschluss; er zeigte, dass sich dieselben vom Mittelländischen
Meere an, ohne Unterbrechung bis nach Lothringen hinein (und
1. Vergl. Bull. Soc. göol. France, II, Bd. 11 , S. 622; Bd. 15, S. 718; Bd. 16,
S. 1075; Bd. 18, S. 579; Bd. 19, S. 839; Bd. 20, S. 112.
2. Bull. Soc. g6ol. France, 11, Bd. 25, S. 403.
3. Bull. Soc. g^ol. FraBCe, Bd. 26, S. 353.
134
wie ich hinzufügen kann, bis in das Luxemburgische) verfolgen
Hessen, dass sie aber auch im 0. der Vogesen, im Elsass auf-
träten.
Formen, deren Natur und Erhaltungsweise eine genauere
Bestimmung sehr schwierig machen, wie das bei den vor-
liegenden der Fall ist, sollten denn auch nicht zum Ausgangs-
punkte weitgehender Vergleichungen gemacht werden. Lokal
haben sie ihre Bedeutung, so auch bei uns*.
Vorkommen: Seh. m. Trig. navis. St. Quentin bei
Metz, Berg St. Michel bei Boevingen, Eneuttingen, Rfime-
lingen. Ars (Thone). Häufig das ganze Gestein erfüllend.
1. QuENSTEOT, Jura^ S. 206, 270, 334 und Moesgb, Aargauer Jura, Karte der
Schweiz, Bd. 4, S. 113.
Vergleiohimg des unteren Doggers von Lothringen mit denjenigen
Schwabens nnd anderer Länder.
•
Es wurde bereits eingangs betont (S. 5), dass die bei der
Yorliegenden Arbeit gestellte Aufgabe zunächst dahin lautete, zu
untersuchen, wie sich der untere Dogger von Lothringen in
Beziehung zu den besonders genau erforschten, gleichaltrigen
Ablagerungen Schwabens verhalte. Es soll daher auf den folgenden
Seiten eine Vergleichung der betreffenden Formationsglieder beider
Gebiete versucht werden.
Wenn auch für die Eintheilung versteinerungsreicher Ab-
lagerungen der petrographischen Beschaffeuheit der einzelnen
Schichten gegenüber der in diesen begrabenen Fauna, ein nur
untergeordneter Werth zukommt, so beginne ich doch den Ver-
gleich mit jener Ersteren, da sie, am schnellsten erfassbar, bei
der Untersuchung zunächst in die Augen fällt.
In Schwaben folgen auf die bituminösen Posidonomyen-
Schiefer und die grauen Mergel mit Lyt jurense dunkle Thone,
welche die Zonen des Lyt torulosum und der IHg. navis um-
fossen. Diese werden überlagert von einer, der Zone des Harp.
Murchisontß angehörenden Sandsteinbildung, deren oberer Hori-
zont lokal durch Eisenerze gebildet wird. Den Abschluss nach
oben finden diese Schichten durch eine Ablagerung von sandig-
thoniger Natur, die Grenzregion ß. y. Qüenstedt's, inmitten deren
harte Bänke, aus Kalk mit eingesprengten Körnern von Eisenerz
bestehend, erscheinen, welche das eigentliche Lager des Harp.
8ou?erbffi bilden.
In Lothringen finden wir, von den Posidonomyen-Schiefem
aufwärts, fast genau dieselbe Reihenfolge von Gesteinen wieder;
nur mit dem Unterschiede, dass über diesen Schiefern nicht
136
graue, sondern dunkle Thone, von nahe derselben Beschaffen-
heit wie diejenigen des unteren Doggers, liegen, dass femer der
Sandstein nicht lokal von dem Eisenerze verdrängt wird, sondern
dass Letzteres ein ausgedehntes, wenn auch nicht immer abbau-
würdiges Lager über dem Sandsteine bildet, und gerade um-
gekehrt nur lokal durch diesen Letzteren ersetzt wird, und dass
schliesslich die harten Kalke mit Sa/rp. Sotoerbjfi nicht inmitten,
sondern über der sandig-thonigen Ablagerung erscheinen.
Sehr ähnlich liegen die Verhältnisse im Elsass^; doch fehlt
hier das Eisenerz fast ganz, die auf dasselbe folgenden sandigen
Thone vollständig, so dass der Sandstein mit Harp. Murchisontß
direkt von den Kalken mit Harp. Sowerbyi überlagert wird.
Prüft man nun die genannten Schichten Lothringens auf
ihre paläontologische Gleichwerthigkeit mit den entsprechenden
Schwabens, so gewährt uns, inmitten einer fast gleichartig
bleibenden Ablagerung dunkler Thone, welche sich über den
Posidonomyen-Schiefern aufbaut, das Auftreten der mit Ästarie
VolM und Ceriüdum armatum vergesellschafteten Fauna einen
sicheren Anhaltspunkt für den Vergleich mit dem Osten. Freilich
zeigt sich bereits hier eine Eigenart des unteren Doggers von
Lothringen, welche sich weiter nach oben noch steigert und
eine genaue Parallelisirung unserer Schichten mit den OppsL^schen
Zonen, die ja zuerst in Schwaben begründet wurden, doch so.
weit stört, dass von der Anwendung der Zonenbezeichnung hier
abgesehen werden musste. Ich meine das Hinaufgreifen liasischer
Gephajopodentypen in den unteren Dogger. Inmitten einer Fauna ,
welche sich als genau aequivalent mit deijenigen der Zone des
Lyt torulosum erweist, erscheinen in unserem Lande drei, nach
Oppbl in weiter Verbreitung echt oberliasische Formen: Harp.
striatülum Sow. sp. , Bei. irregularis Sohlte, und Bei. a,cuarius
1. Cf. LepsiuS) Unter-Elsass.
137
ScELTH. In dem AequivaleBte der Schichten mit Lyt jurense
fiist die einzigen, aber seltenen Versteinerungen, nehmen sie an
Menge su in den Schichten mit Ästarte Volüd und setzen sich
in den Thonen über denselben noch fort, in welchen Harp.
sfriaiulum sogar an manchen Orten eine ungemeine Verbreitung
erlangt. Bereits auf Seite 20 ist darauf hingewiesen worden,
dass auch in Schwaben sich eine versteinerungsarme Oberregion
der Zone des Lyt torülosum befinde, welche möglicherweise als
eine gleichwerthigc Bildung dieser Oberregion der Schichten mit
Harp. striaiulum in Lothringen betrachtet werden könnte.
Schwieriger wird der Vergleich, wenn wir in die Zonen
der Trig. navis und des Harp. MurchisontB hinaufsteigen. Zwar
finden wir im sädlichen Lothringen Thone, deren Fauna ihre
Aequivalenz mit der erstgenannten Zone in Schwaben darthut.
Allein die über diesen Thonen liegenden Sandsteine, sowie die
untere Hälfte der darüber folgenden Eisenerze, die Beide in
Schwaben den Schichten des Harp. MurchisontB angehören,
erweisen sich in unserem Lande durch ihre Fauna als noch zu
den Schichten mit Trig. navis und Oryph. ferruginea gehörig,
während nur die oberen Flötze der Erzablagerung, sowie das
Hangende derselben, die sandigen Thone, die Schichten mit
Hatp. MurchisontB und Pholad. reticulata bilden. Nun würde
freilich das verschiedene petrographische Verhalten paläonto-
logisch sonst gleichwerthiger Schichten in zwei von einander so
entfernt liegenden Gebieten nichts Auffallendes besitzen. Aber
aus paläontologischen Gründen kann das vollständige Zusammen-
fallen der lothringischen Schichten mit den OppEL'schen Zonen
der Trigonia navis und der Zone des Harpoceras MurchisontB
nicht angenommen werden. Denn wenn auch einige leitende
Formen gemeinsam sind, so finden sich doch in der Gesammt-
heit der Fauna zu viele Abweichungen und der ganze Charakter
der organischen Einschlüsse ist ein zu verschiedener. In Schwaben
138
und noch im Elsass ist IHgonia navis sehr hänfig, in Lothringen
eine Seltenheit. Dafür herrschen hier zahkeiche Formen von IW-
gonia^ die an englische Vorkommnisse erinnern. Arten von Bh^n^
choneUa aus der Gruppe der Eh. spinosa, wie Bh. oligacaniha, treten
bei uns, gewissermassen als Vorläufer, schon in den Schichten
des Harpoceras MurchisontB auf. Trichites spielt schon in den
Schichten der 2W^. navis eine Bolle. Doch sind dies unter-
geordnete Eigenthfimlichkeiten gegenüber dem Verhalten der
Cephalopoden, welche besonders den Schichten der IVigonia
navis einen den schwäbischen Verhältnissen gegenfliber fremd-
artigen Stempel aufdrücken.
So liegt Harp. undulatum Stahl sp., nach Oppbl eine
Form des oberen Lias, in Lothringen wie in Luxemburg (Chap.
und Dew., Luxemburg, S. 274) in der Unterregion der Schichten
mit 2Vig navis. In der. Oberregion derselben Schichten treten
Formen auf, deren innere Windungen dieser Art so nahe kommen,
dass man die z. B. am Signalberg bei Boevingen zahlreichen
jungen Exemplare bis zu ziemlicher Grösse kaum von Harp.
undulatum zu unterscheiden vermag. Hierher gehört Eatp.
st^ndulaium n. sp. mit 3 Varietäten.
Ebenfalls in der Oberregion der Schichten mit IHg. navis
liegt das nach Oppel oberliasische Harp. costula Rein, sp.,
femer Harp. ÄcUense Zibt. sp. und Harp. cf. radians Rein. sp.
Sodann treten hier verschiedene Formen auf, welche ihrem
Habitus nach mit Harp. radians nahe verwandt sind, aber neue
Arten repräsentiren und schliesslich stammen aus denselben
Schichten. Amalth. IVidericii n. sp. und Am. subserrodens n. sp.,
zwei dem oberliasischen Am. serrodens Qu. sp. nahe verwandte
Formen.
Aus der Oberregion der Schichten der IHgonia navis
führte ich den Bdemnites subgiganteus n. sp. an, der einer-
seits mit Bd. acuariusj anderseits mit den von Quesstedt als
139
procere bezeichneten Giganteus-Fonnen verwandt ist. Auch aus
dem Luxemburgischen citiren Chapuis und Dewalque (Luxem-
burg, S. 274) einen zur QuBNSTEBT'schen Gruppe der Ventri-
cosen gehörenden Belemnites giganteus, welcher mit Bei.
subgiganteus in denselben Schichten, oder etwas höher liegt
Jedenfalls kommen also hier in den Schichten der Trigonia
navis Formen von Belemniten vor, die ältere und jüngere Ver-
wandte in den nächst tieferen und nächst höheren Schichten
haben, ein Yerhältniss, welches in Schwaben, wie es scheint,
nur ausnahmsweise zu beobachten ist, da mir nur eine Angabe
bei QusKSTEDT (Gephal., S. 422) bekannt geworden ist, nach
welcher eine an Bei giganteus erinnernde Form schon unter
dem gewöhnlichen Lager dieser Art vorkommt. Die Schichten
mit Harpoceras Sotoerhyi sind nun in Lothringen und Schwaben
so gleichartig entwickelt, dass wir dieselben unbedenklich neben
einander stellen können. Da ein gleiches Yerhältniss zwischen
den sogenannten Torulosusschichten beider Gebiete stattfindet,
so beschränkt sich die Schwierigkeit einer Vergleichung auf die
Schichten der Trigonia navis und des Harpoceras Murchisonte ,
jede für sich genommen; zusammen müssen sie einander ent-
sprechen. Ich zog die Grenze mitten durch die Eisenerze der-
artig , dass ich unter derselben die Hauptmasse der Cephalopoden
von liasischem Habitus, darüber die leicht kenntliche Form des
Harpoceras Murchisonm erhielt. Neue Funde allgemein leitender
Arten mögen dann in Zukunft eine andere Theilung angemes-
sener erscheinen lassen.
Eine recht bemerkenswerthe Eigenthümlichkeit haben aber
auch die Schichten mit Harpoceras Sowerbyi. Es ist das massen-
hafte Auftreten der OrypJuea süblobata^ die stellenweise die
Bänke ganz erfüllt. In anderen Gebieten fehlt sie nicht, doch
ist sie, wenigstens nach Osten hin, seltener. Die sandigen Thone,
welche unmittelbar über dem Eisenerze liegen, stellte ich noch
140
in die Schichten des Harp. Murchisonm^ weil dieser Ammonit,
wenigstens in einer Lokalität noch hänfig in denselben anftritt.
In Schwaben werden dagegen diese Thone wohl schon zur
Zone des Harp. Sowerhyi gerechnet. Doch sagt Quenstedt aus-
drücklich, dass das eigentliche Lager des Harp. Sowerhyi in
den kalkigen Pectiniten-Bänken zu finden sei, welche erst in
der Mitte dieser Thone erscheinen. Danach könnte möglicher-
weise deijenige Theil der sandigen Thone Schwabens, welcher
unter den Pectiniten-Bänken liegt, als ein Aequivalent der
gesammten sandig-thonigen Ablagerung Lothringens, welche ich
als Oberregion der Schichten mit Harp. Murchisonm hinstellte,
angesehen werden. BäDke voll von Pecien personatus treten
übrigens in unserem Gebiete ebenso me in Schwaben in den
Schichten mit Harp. Sotoerbffi auf S erscheinen freilich auch noch
in höherem Niveau wieder.
In den nächst höheren Schichten, welche die Zone des
St^hanoceras Humphresianum darsteUen, ist dann das massen-
hafte Auftreten riffbildender Korallen als besonders bezeichnend
hervorzuheben.
Fassen wir die oben auseinandergesetzten Verhältnisse kurz
zusammen, so ergiebt sich, dass wenn wir die gesammte Fauna
in's Auge fassen, ganz scharfe Abschnitte sich in der Schichten-
reihe von Posidonomyen-Schiefer bis hinauf zu den Schichten des
Harpoceras Sowerhyi nicht finden. Eher können wir solche in
der Entwicklung einzelner Thierklassen erkennen. Doch ist
immer festzuhalten, dass ein vollständiger Wechsel, der eine
längere Trockenlegung , ein Zurücktreten des Meeres an irgend
einer SteUe andeutete, sich nirgends bemerkbar macht. Es liegt
nahe, sich bei dem Versuch einer Gruppirung der Schichten in
1. Wie bei HayiDgen an der Strasse nach Rangwall, bei MoyeuTre
am Wege nach den Gastine-Gruben, bei Vilierapt an der neuen Bahnstrecke.
141
erster Linie nach den Cephalopodeu zu richten, da diese ihrer
Lebensweise nach die grösste horizontale Verbreitung gehabt haben
müssen. Auf ihrem Vorkommen basiren ja auch unsere bisherigen
systematischen Eintheilungen«
Da zeigt sich denn, dass für Lothringen zunächst die in
Deutschland übliche Grenzbestimmung keine passende ist Man
kann den Franzosen nicht Unrecht geben , wenn sie eine andere
Grenze vorzogen. Nur ist die von ihnen gewählte, über den
Schichten des Lytoceras tondosum auch keine glückliche. Denn
so gut, wie Harpoceras in voUer Entwicklung und mit identischen
Arten aus den Jurensisschichten in die Torulosusschichten über-
geht, so ist auch die Verwandtschaft der Formen der Torulosus-
schichten mit jenen der Schichten der Trigonia navis und des
Harpoceras MurchisontB (dem Gomplex der unteren Eisensteine)
eine sehr grosse.
Am naturgemässesten würde es sein« den Lias mit den
Schichten des Äfnäliheus cosiatus abzuschliessen, ein Verfahren,
was nach Sesbach und Brauns auch in Norddeutschland
sehr naturgemäss wäre. Ausser der langjährigen Gewohnheit
steht demselben auch in Schwaben kein Hinderniss entgegen,
und dass es für das nahe liegende Elsass anwendbar wäre,
scheint mir aus den Andeutungen von Lbpsiub und BsraoKx
zu folgen. Wir hätten dann eine Beihe von Schichten, welche
durch das massenhafte Auftreten der Gattung Harpoceras in
ausgezeichneter Weise charakterisirt wäre.
Wie verschieden und ungleichartig die Vertheilung vieler
in einzelnen Gebieten leitenden Formen in anderen entfernter
ist, möchte ich nur an einigen Beispielen noch hervorheben.
So liegen in Norddeutschland die beiden oberliasischen Leit-
formen, LyU jurense Zieten sp. und Hatp. Äalense Ziet.
sp. bei Goslar und einem anderen Punkte der rechten Innerste-
kette zusammen mit Lyt. iondosum Schübl. sp. und Turbo
142
duplicatus Gldf. (Schlcenbagh, PalnoDtographica, Bd. 13, S. 165).
Auch VON Seebach (Hannov., Jura, S. 2) sagt, dass im han-
nover'schen Jura ein und dasselbe Petreüakt eine ganz ab-
weichende vertikale Verbreitung oft auf yerhältnissmässig nur
geringe Entfernung zeige. Oppel selber giebt zu, dass Harp.
Äalense auch im unteren Dogger in Formen auftrete, welche
er von den im oberen laas vorkommenden nicht zu trennen
wage (Jura, S. 248). Auch nach Bsaukb gehen zur Gruppe
des Harp. radians gehörende Spezies in der Hilsmulde bis in
die Zone der IVig. navis hinauf (Palsontograph. , Bd. 13,
S. 106). Im Unter-Elsass erscheinen die oberliasischen Arten des
Harp. radians und Levesqaei in den Thonen mit Harp, opa^
Unumy wie Lbpsius anfühlt (Jura, Unter-Elsass, S. 51); ebenda
(S. 43) liegt Lyt. tortdosum nicht in der nach ihm benannten
Zone, sondern in deijenigen der IVig. navis, und in demselben
Horizonte tritt LyL hircinum auf, das in Schwaben nur im
oberen Lias erscheint. Obgleich sich im Allgemeinen der untere
Dogger des Elsass durch den Reichthum an leitenden Formen
enger an die schwäbischen als an die lothringischen Ablagerungen
anschliesst, so lässt seine Fauna doch bereits deutliche Spuren
jenes Hinau|greifens liasischer Cephalopodentypen erkennen,
welches in unserem Gebiete so stark zur Geltung kommt.
Sehr gewöhnlich wird in England eine Verschmelzung der
in Deutschland getrennten Zonen des oberen Lias und des
unteren Dogger angenommen. Lepbiüs gab noch neuerdings an,
dass die OppsL^schen Zonen dort nicht unterschieden werden
könnten. Nun erleichtert aber die Gesteinsbeschaffenheit im süd-
lichen England das Auseinanderhalten von Schichten nicht und die
Unterscheidung der verschiedenen Harpoceras ist, wie genugsam
bekannt, auch keine leichte. Wbight*, dem wir die ersten genauen
1. Quart. Joiirn. Oeolog. Society, vol. Xlf, p. 292, 1856.
143
paläontologischen Untersuchungen über die sog. ;,sands of the
inferior Oolite^ verdanken, hat in neuerer Zeit die monographische
Bearbeitung der Liasanunoniten Englands unternommen S welche uns
ohne Zweifel Klarheit verschaffen wird über so manchen unsicheren
Namen, mit welchem wir jetzt bei unseren Bestimmungen operiren.
In der bisher allein erschienenen geologischen Einleitung finden
wir eine Zone des Stephanocertis commune und eine solche des
Lyioceras jurense unterschieden. Es wird abzuwarten sein, in
welcher Weise diese Zonen schärfer durch ihre Fauna charak-
terisirt werden, ehe wir einen Vergleich mit Lothringen ziehen
dürfen. Da wir wissen, dass in England die Harpoceras-Formen
aus dem Lias unmittelbar in den Dogger übergreifen, dürfen
wir uns interessante Besultate versprechen.
Im südlichen Frankreich lässt sich im Aveyron' über den
bituminösen Schiefern und der Zone des Sarp. bifrons (Lias e
Quxkbtedt's) eine 70 Meter mächtige Zone des Lj^t jurense
ausscheiden. Durch fossilfreie, 30 Meter mächtige Thone wird
diese von der nächsthöheren Zone des Harp. Äalense getrennt,
welche in einer Mächtigkeit von 20 — 25 Meter die OppsL'sche
Zone des Lyt. iarulosum repräsentirt, jedoch durch den Reich-
thum an Harp. Äalense ausgezeichnet ist. Die nun folgenden
Schichten mit Bhynchon. Ruthenensis (5—6 Meter) werden von
der Zone des Harp. Murchisontß überlagert und entsprechen
möglicherweise den Schichten mit IW$r. navis anderer Orte. Es
lassen sich hier also jene Schichten sehr wohl von einander
trennen. Aber dessen ungeachtet finden wir nicht normale schwä-
bische Verhältnisse, sondern die Fossilien der Zone des Lyi.
jurense konunen noch zum Theil im unteren Dogger wieder vor.
(Reynjbb, Aveyron, S. 68.)
1. Palaeontogr. Soc, 1878.
2. Heynes, ÄTeyroD.
144
Auch im S.-O. Frankreichs theilt Dumobtubb (Bassin da
Bhone, IV, S. 11) seinen „oberen Lias" in die aufeinander-
folgenden Zonen des Hatp. hifrons (dem Lias e und y Quen-
stedt's entsprechend) und des Harp. opaUnum ein. Aber auch
hier liegen oberiiasische Formen zusammen mit solchen der
Zone des Lyt torulosum, und Arten der letzteren Fauna mit
solchen der Schichten mit Harp. opalmum.
Auf der von den Vogesen sich nach S. ziehenden Untiefe
des Helvetischen Beckens schliesslich erhebt sich Harp. opaUnum
in die Zone des Harp. MurchüontB und Letzteres in die des
Harp. Sowerhyu (Waagen in Bekeokb, Beiträge, I, S. 540 und
546; Mcesgh, Aargauer Jura, S. 113).
Die Zahl der Qeologen, die sich der Mühe unterzogen
haben 9 scharf stratigraphisch zu gliedern und die einzelnen
Abschnitte paläontologisch zu charakterisiren , ist zumal in Eng-
land und Frankreich noch eine kleine. Häufig genug werden ja
auch Zweifel erhoben, ob auf einem solchen Wege überhaupt
Resultate zu erzielen seien. Gewiss, wenn wir uns damit begnügen
wollen, anzunehmen, dass die Formen der Thiere sich aus-
einander entwickelt haben und durch eine fortlaufende Reihe
von Qliedem miteinander verbunden sind, dass aber der Er-
haltungszustand oder die Art der Ablagerungen uns nicht
gestatten werden, jemals die fortlaufende Reihe aus den Fossilen-
Resten vollständig reconstruiren zu können, dann ist die Arbeit
der Paläontologen überhaupt schon gethan. Sieht man es aber
als die zu lösende Aufgabe an , durch Sammeln von Thatsachen
das. Beweismaterial möglichst zu häufen, so stehen wir erst am
Anfang. Niemand wird nun läugnen wollen , dass ein Zusanmien-
hang wenigstens der grossen Mehrzahl der Formen bestehe, die
wir jetzt als Arten bezeichnen und dass dieser Zusammenhang
durch jede neue Entdeckung evidenter wird. So lange wir also
noch bei unserer Methode Ergebnisse erzielen , werden wir ruhig
145
bei derselben verharren dürfen; wie weit wir schliesslich kommen
werden, das ist eine Frage, deren Entscheidung wir ruhig der
Zeit überlassen können.
Wenn ich davon abgesehen habe, den genetischen Zusammen-
hang lothringischer Formen untereinander und mit solchen anderer
Gebiete anders als andeutungsweise zu besprechen, so geschah
dies lediglich, weil ich glaube, dass erspriessliches in dieser
Richtung erst wird unternommen werden können, wenn wir mehr
Detail aus England und Frankreich, ganz besonders aber auch
aus entlegenen südlichen und östlichen Gebieten zur Verfügung
haben werden.
Die historische Entwicklung unserer Wissenschaft hat es mit
sich gebracht, dass wir an die Untersuchung der Jurabildungen
getreten sind , wie an einen Baum, mit dessen Aesten wir zuerst
in Berührung kommen. Wollen wir erkennen, wie der Baum
eigentlich gewachsen ist, so müssen wir Gruppen von Aesten
zusammenfassen, um zu den Hauptästen zu gelangen. Vergleichen
wir unsere zahlreichen Zonen und Unterzonen im mitteleuropäischen
und englischen Jura mit den Spitzen der Zweige des Baumes,
so werden uns andere noch wenig bekannte Distrikte die weniger
getheilten Aeste kennen lehren. Dort draussen mag es uns viel-
leicht gelingen , in den Gebieten eines einst ausgedehnten Meeres
einige grosse natürliche Gruppen zu unterscheiden, die eine
ruhige gleichmä^ssige Entwicklung in ihren organischen Ein-
schlüssen zeigen. Ihnen steht gegenüber die bunte Mannigfal-
tigkeit unserer Küstenbildungen, wo der Eiofluss des Landes,
Hebungen und Senkungen, Strömungen u. s. w. , sich in
vollstem Masse geltend machten. Hier musste auch die Fauna
einer häufigeren Veränderung unterliegen und die mancherlei
Einwirkungen von aussen her umgestaltend wirken. Zur Zeit des
oberen Lias und des unteren Dogger war Lothringen niemals ein
so abgeschlossenes Meeresbecken , wie man wohl hat annehmen
ir. 10
146
wollen * ; ebensowenig stellte das Elsass oder Schwaben ein solches
dar. Ein Zusammenhang mit der offenen See bestand immer,
also auch indirekt ein Zusammenhang der einzelnen Gebiete
untereinander. Wohl aber konnten in dem einen sich Ver-
hältnisse geltend machen, die dem andern ganz fremd blieben,
und so kommen an einem Punkte einmal Grenzen vor, wo an
einem anderen ein Zusammenhang besteht. Durchgreifend auf
grosse Strecken wird eine solche Grenze nie sein, darum suchte
ich also auch zwischen Lias und Dogger keine neue festzu-
stellen, sondern liess es bei der alten, die zur Veratändigung
zunächst ausreicht.
I. Mbuqy, Bull. Soc. g^ol. de France, 11, Bd. 26, S. 510.
TABELLARISCHE ÜBERSICHT
DER ABLÄÜERüNliEN DES LIAS UND UNTEREN DOGGERS
IN LOTHRING£N. LUXEMBURG UND DEM ELSASS.
148
Eintheilung.
QUIHSTBDT und OPPUi.
Grenuchicht ß — y.
Snbzone des Ä. SauMti.
Deatioh-Lothringen.
BRA.SCO, 1878.
Seh. m. Harp. Sowtrhyi n. Qryph, Kalke oder Ifergel.
sublobata, Kalke mit eingesprengten
Körnern von BUenerx.
Im
Norden
Im
Saden.
Brauner Jura ß.
Zone des A. Murehisona.
Brauner Jnra Ol para.
Zone der Trig. navis.
? Forallarme Thone Aber den
Torulosua-Scblchten.
Brauner Jnra OL pars.
Zone des Ä. torulosu».
LlasY*
Zone det Ä. jurenaü.
Llase.
Schichten der Posid. BronnL
Scb. m. Harp. ifur-[Obcrrcgion. Mergel. Mergel.
ehitona und Pho-
ladomya retieula-],, . . /^. . „
f^^ " (Unterregion. Oberste Kaum vor
FlötKO des banden.
Kisonerzt's.
Saudstein
vom Signal-
berge z. Th.
Moselle.
Jacquot, 1868.
CaloaJre ferrogfneux & A
Sowerbyi.
fOberregion.
Seh. m. Gryphaa]
ferruginea und]
Trig, navU.
Unterste Eisenerz.
Flötse des
Bisenerzes.
Sandstein
vom Signal-
berge z. Th.
^Unterreglon. Sandstein. Sandstein.
Thone.
Oberregion : Thone.
Seh. m. Barp. »triaiulum.
Unterregion : Thone.
Meist fossllarme Thone. Reich an Versteinerungen an
der Cdte de Delme. {Harp. bifron».)
Lias d pars.
Zone des Ä. »pinatu».
Lias d pars.
Zone dee A, nargaritatu».
LiasY.
Zone des A,
Davai.
• •
ibex.
a •
Jametoni.
LIasß.
Zone des ^.
rarieoitatu*.
t •
oxynottu.
■ •
olttuu*.
Liasa.
Zone des Pent. tttbereulatut.
A.
Bueklandi.
■ angulatu».
• planorbü.
Seh. m. PoHd.
Bronni,
Im Norden.
Gelber sand. Kalk.
Thone mit Kalkknollen. 1
Im Sflden.
Thone mit
Kalkknollen.
Bituminöse Sohiefer. Bitnm. Sehiefer.
Lumaehelle,
Seh. m. A. »pinattu.
Sandige Mergel und Sandstein mit
eingelagerter LumacheUe»
Lumaehelle*
Seh. m. A. margaritattu. { Thone mit Eisenerzknollen.
Blittrige Thone.
Seh. m. A. Davaif Oryphaa]
Cfpnbium, Terebr, nu-
misfndlig.
Hellgrauer Kalk mit einge-
sprengten rostfarbenen Bi<
senerzkdrnern.
? Fossilarme sand. Thone.
Im Norden. Im Süden.
Seh, m. Bei, acutu». / ^^chsel-
{ lagernde Kalke •ar««»..^i
. . ArUten. \ und Thone. Wechsel-
lagernde Kalke
• ■ A. angiilutu». \
■ » A. planorbii
:ri
z.Th. Sandstein, und Thone.
Gros
supra-
lia-
siqne.
<
Fer hydroj^
Gr^.
Mames ml«
Calcaire i^»"«*^^--^^
grÄseuzetj . . ,^^
"*"*•• ( eutuM.
Zone k Ämm. h
Mames
bitnmi-
nenses. iMarnes k posi(|
Gros
mMiolia- <.
sique.
Caleaire lama«
Marne? avec o^
forrngineoi.
Mamee fenillet^es.
Caleaire i Am«. Dorai.
33=
Mamee eableusea.
Assise k Bei, aeulu* od In^
• Jimm. bUuUctas cb
arcnata,
Aielse i Amm. angnlatiu-
plmiorbit.
Rbftt
Rothe Thone.
Saudäteine.
149
MsUDb,
aanct, 18SS.
MoitUe.
Tbk^uxm, 1859.
L- *■.
UT z^rragxn
Calcafre feimglnenx
z. Th.
^*i frlacs.
k
ivde ooli-
Bfarnes grisea mlca-
Hydroxyde ooli-
thique.
d»
3.1U« 9 kTrig.
rr«».
u<Y freseax.
nodulcax.
' bitomineaaes.
Gröl sapraliasiqne.
Calcaire gr^seuz.
nodulenx.
MamM bltomineuse«
st:<lioliasiqae.
t;^
iBmacbello.
I^<« k oToIde«
Arnigineax.
itire oereox.
h
es lableiue«.
\äB«Lir€vi9.
y
Gry» arcnata.
A.a90alatU9.
Ä. ploHorbis.
Or^ m^dioliasiqae.
Calcaire lamacbelle.
Marnea & ovoTdes
ferraginenz.
Mames fenilletäes.
Calcaire ocrenz.
Harnes aablensea.
Calcaire igryphitea.
Lnzemboorg
(Qnnd - Dueh^.
A^BBOS, 1851.
Galcairea blancs de
Rameiangei %. Tb.
Oolltho ferrnginouse
d'Escb.
Oris inicacds de Ba-
dersberg.
Harnes de Pettange.
Scbistes de Differ-
dange.
ICacigno de Garaicb.
? Scbistes micae^.
Harnes 4 ovoides.
Lnzemboorg
(Beige).
DswALqus et Cbap.
Calcaire ferrnglneoz,
X. Tb.
Oolitbe ferrnginense
de Ht.-St.-Hartin.
Psaromite de Ht.-St.-
Hartin.
Harnes de Orand-
conr.
Scbiste de Orand-
coar.
Hacigno d'Anbange.
Calcaire ocrenz 4
Or. eymbium.
7 Harne sablense de
Cessingen.
Calcaire A Qryph,
areuata.
Gros de Lnxem-
boarg.
Scbiste d'lStbe.
Qröe de Virton.
Harne et calcaire de
Strassen.
Gris de Lnzem-
bonrg.
Harne de Jamoigne.
B18MI.
LapsiüSi 1875.
Graner mergeliger Kalk, binfig
eisenoolltbiscb (Scbalkendorf).
Gelber weisser Sandstein] m»..
/ cbison-
Sandige Tbone. ) Sandstein.
Grane sand. Hergelbank ^
Dnnkler Tbon.
Scb. des
Peeten
Granes Tboni»andge8tein\ i'«»"»*'«»-
(Gandersbofen).
Dflnngescbicbtete Tbone, versteine-
runguirm.
Dflnngescbicbtete Tbone mit Knol-
len, versteinerungsreicb.
Dflnngescbicb. Tbone mit Septarien.
Scbirere Tbone mit Gypskrystallen
(Gandersbofen).
Toruloens-Zone. Tbone.
Jnrensis-Hergel.
Posidonlen-Scbiefer.
Costaten-Kalk.
Hargaritatas>Zone.
Blättrige Tbonscbiefer mit Septarien
nnd Branneisenconcretionen.
DavoBi-Kalk.
Basaltiformen Kalkbank.
Nnmismalis-Hergel.
Kalke and Letten m. Ory, areuata.
Angulaten-Sandstein.
Planorbis-Kalk.
ÜBERSICHTSTABELLE
der fossilen Arten Im unteren Dogger Lothringens.
8. 8. = sehr selten; 8. == selten; b. 8. = siemlloh selten ; x. H. = siemlich hAuflg; H. = hAoflg; H. H. sssehr hftnflg.
Ein — bedeutet : Nicht vorhanden resp. nicht gefunden.
Claise.
Zahl
der
Arten.
Namen.
Schichten
mit
Horp,
»trUUulum,
Unter- 1 Ober-
Region.
Schichten
mit
Trig. navit
und
Oryph.
ferruginea.
Unter- 1 Ober-
Region.
■
Schichten
mit
Horp. Mur-
cMeonm
und
Pholadomga
fidieula.
Unter- 1 Ober-
Region.
Taf.
Mt«.
SepfOlo.
lehihvOäOUTUS BD
f
PIcnoMuriMsp
_
....
—
__
__
„^
_^
Ccpfcolopotfa.
NauHhu äff. inomatu* d'Obb. .
—
—
—
b. H.
—
—
_
Aneylocera» MoteUerue Tbsq. . .
—
—
—
—
—
—
_
I. Te^rofrran-
AmaUKett» FrideHcü n. sp. ...
—
—
—
—
_
_
^_
ill.l
58
cMota.
• »ubterrodtru n. sp. .
—
—
—
s. H.
__
_
__
III. f
60
Ämmonite» äff. Sieholdi Opp. . .
—
—
—
z.H.
—
—
^_
V 6
97
• ntbifuignis Opp. . . .
—
^
—
z.H.
—
—
^mm
IV.«,»
94
Harpoceroi ÄaUtue Zht. sp. . .
—
—
-^
H.
.—
—
_
• eoatula Rbui sp
—
—
—
S.S.
—
—.
^mm
1.9
76
• ct. erataefaleatttm DvM,
«p. (non Waaqms.)
—
—
—
_
_
S.S.
__
* diteite» Waaq. sp. . . .
—
—
■^
—
__
.— .
S.S.
cf. fluitaru Dum. sp. . .
—
—
_-
—
z. H.
—
^_
II. 6
79
• Lotharingieum n. sp. . .
—
—
.^
S.S.
^
—
^
II. 6
80
Lettbergi n. sp
—
—
S.S.
—
__
V. 1
88
• maetra Dum. sp
—
—
_
s. S.
_
_
p^.
I. 10
88
• MurehUona Sow. sp. .
—
—
__
__
8.
H.
^^
• opaUnum Rbih sp. . .
—
—
^^
t. 8.
S.S.
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p*eudoradio9un n. sp. .
—
—
^—
s. H.
«^
—
IL 1-4
77
ef. radian* Rbiv. sp. .
—
—
>_
8.
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__i
,
L7
74
* Sowerbyi Hill. sp. . .
—
—
—
^
—
— .
8.8.
92
• Sutneri n. sp
—
__
_—
__
— -
S.S.?
V. 2
92
i »triatulum Sow. sp. . .
H. H.
H. H.
^
^.^
.—
, — .
,
Ll-d
71
• 9ubundulatum n. sp. . .
—
—
—
H.
—
—
—
III.3-6
IV. 1
84
• mbeomptum n. sp. . . .
—
—
—
b. H.
—
—
—
V.8,4
90
152
=—
Schichten
e- «
Schichten
Schichten
mit
Trig. navi*
nnd
Qryph,
mit
5-21
ClAt«e.
Zahl,
der
Namen.
mit
Harp.
Harp. Mur-
ehüonce
nnd
Pholadomya
ßdicula.
:§2
c •-'2
St«
Taf.
Seit«.
Alten.
»tritttulum.
ferrvginea.
Unter- 1 Ober-
Unter- lObcr-
Unter | Ober-
Regien.
RegioD.
Region.
Harpoeera» undulatum Stahlrp.
s.S.
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«^
^.^
82
»P
8.8.
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—
—
—
—
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I 6
81
Lytoeera* daueidum (Opp.) Ddm.
■p
—
—
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II.
—
—
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1.8
63
27
8t€phanoeeras n. Kp
8. 8.
—
—
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—
—
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1.6
C6
II. Dibran-
Belemnite* aeuariu* Schlth. . .
H.
8.
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—
—
—
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VI. 1
«8
chiata.
brevi/ormi» WoLTZ . .
—
X. H.
H.
il. H.
H. H.
—
104
* Bhcnantu Opp
—
8.
2. S.
H. H.
H.
— -
—
103
• ttUfgiganteus n. sp. . .
^
—
8.
—
—
—
VI. 2
101
OingenH» Opp
—
—
—
—
—
z.H.
z. H
106
iiuurvatus Ziht. . . .
—
—
—
z.H.
—
z. 8.
—
irregularit Scbloth.
U.
z. 8.
—
—
—
—
—
iOl
* 9pinatU9 Qdbn
—
—
—
8.
—
z.H.
—
103
• ef. »pinatu* Qubk. . .
—
—
—
—
—
—
6.
103
10
• «u6e7apa/tt« VoLTZ. .
X. H.
8.
z. 8.
z. 8.
—
—
—
104
Oatlropoda,
Cerühium armatum Oldf
%. 8.
—
—
—
—
—
—
'
Turbo dupUeatwi Gldp
• cf. sp. ined. Qun. Jara,
8.
"■^
^"
"■^
Taf.47, Flg. 2
—
—
8.8.
—
—
^
Fleurotonaria cf. opaUn* Qub>.
—
—
8.8.
—
—
—
• sp. (Steinkero). .
—
—
—
—
S.S.
—
7
Dentalium elongatum Mflv. . • .
S.S.
—
—
^
—
—
Äetaonina sp.
—
8.
__
—
—
LameUibran-
Ottrea ealeeola Zibt
-"—
^—
—
H.
—
ehtata,
I. Atiphonida.
■ tandaüna Zibt
—
—
H.
—
* »ubirregularu n. sp. . . .
• cf. eduH/ormi» Sohloth.
~~
—
8.
8.8.
8.
VI. 3
106
• erenata Gldf
—
—
—
—
—
H.
107
Grffphaa/errugineaTmnqvitM. .
—
—
—
H. H.
—
—
—
VII. 1
107
• ealeeola Qübr
—
—
—
—
—
z.H.
z.H.
• wblobata Dbsh
—
—
—
—
—
—
H. H.
110
Anonia Oingensit Qübk
—
—
—
—
S.S.
—
S.S.
Peeten dite^ormi« SCHfiBL. . . .
—
8.
H.
H. H
—
8.
,
Lotharingieu* n. sp. ...
—
—
S. 8
—
—
—
—
VIII.9
111
• letu. QüBxST. Jura , Taf.
44, Fig. 12
—
—
S.S.
8.
H.
8.
8.
110
• Qermania d'Obb
—
—
H.
H. H.
—
—
* pumilus Lam
—
—
—
8.
z. H.
z. 8.
H.
Hinnite* aiqeetu* Mobr. a. Ltc.
—
—
—
—
z. 8.
—
8.
Lima duplieata Sow. sp
—
—
—
—
z. S.
—
—
VI. 5
112
• Legghergi n. sp
—
—
—
—
H.
—
—
VIII. T
113
• tenuiftriata Hflif
—
—
—
—
—
S.
—
• proboteidea &ovr, sp
—
—
—
—
—
—
z.H.
• Muleata G-LDF •
I
^^^
•«.
_
— _
—
S.
z. H.
VI. 4
• Sehimperi n. sp
111
TVfcWlH.p
MglUvt gniiihoidti Qua
Ifodiela iHfuala Bov.
et. »BulitrentU Li
Ätiarte Vallii Iiai.
VNKAbiHii As.
• rtliatlalaAn. .
^Dnanya er. MumAa. . .
Ksatila unioidtmraiinatQi
Omiomyn Snarti As. . . .
154-
Olaiae.
Broiehiapoda,
Oruataeea,
Annelidet,
Brffimoa*
AnthoMoa»
SuininA. . .
Zahl
der
Arten.
16
11
1
3
145
Namen.
laoeardia et, ÄdUntia Qüsir. ap.
OreMly» pinffui» Aa
Lyoiuia äbduct» Prxll. ap. . . .
l/%$cifui tp» >•.•••••••••
Lingula ap
Bhynehonella oligaeantha n. ip. .
• Frireni n. sp. ...
t^fraoolWUea Opp.
tenuispina Waao. .
• cf. «ubdecorataDAV.
• »ubdeeorata Dat. .
Terebratttla EudeHDnBh
• ovoidet Bow
• tnbmoxiUata Monit.
KretMscheeren
Serpula »ocialit Oldp.
• flaeeida Oldp
• ßlaria Qldp
Berenieea düuviana LAMOua, ap.
Ptululopora Quengtedti Waao. .
De/raneia diplopora n. tp. . . . .
GdUropygot agariei/ormU Forb.
A»t€ritu »p
Pentaerinus cf. pentagonalis Qu.
Theeoeyathu* maetra Gldp. sp. .
M<mtUvauUia Delabeehi Eow. a.
Hazus
MontlivauÜia frocAoide« Eow. a.
HAZiia
Thamnastrea cf. UmUetta M'Cor
«P
TheeotmiUa grtgaria M'Cor sp. .
Bitamlnoses Hols
Chondrite» «cppariiw TkiotlUre .
Schichten
mit
Barp,
»triatulum.
Unter-) Ober-
Region.
8. B.
S.S.
8.
Schichten
mJt
Trig. navU
and
Qryph,
fermginta.
Unter- 1 Ober-
Region.
8.
B. S.
s. S.
H.
H. H.
H.
S.
z. H.
s. H.
8.8.
H.
Schichten
mit
ITarp. Jfttr-
ehi»ona
and
Pholadomya
ßdicula.
Unter- 1 Ober-
Region.
s.S.
S.S.
S.S.
s. S.
s.S.
s.
E. S.
S.S.
B. S.
s. S.
S.S.
S.S.
s. 8.
X. S.
S.
8.
Ä «'S
z. 8.
Taf.
Mle.
IZ.1,S 13B4
VI. 7
VI. 8
131
l«7
ISS
8.8.
H.
S.
z. H.
S.S.
H.
S.S.
8.
B. H.
VI. 9
ist
ISl
isa
LITTERATUR-VERZEICHNISS,
1) AoASSiz, L., £tudes critiques sur les mollusques fossiles. Neuchätel,
1840.
2) ßENEGKE, E. W., Ueber die Trias. In: Abhandlungen zur geologischen
Spezialkarte von Elsass-Lothringen. Strassburg, 1877.
3) Benegke, B. W., Abriss der Geologie von ELsass-Lothringcn. Strassburg,
1878.
4) Blainville, de, Memoire sur les Bälemnitcs. Paris, 1827.
5) Brauns, D., Der mittlere Jura im N.-W. Deutschland. Gassei, 1869.
6) Brauns, D., Stratigraphie uod Paläontologie des s.-0. Theiles der Hils-
mulde. In: PalsBontographica, XIII. 1865.
7) BuviGNiER, A., Statistique göologique etc. du d^partement de la Meuse.
Paris, 1852.
8) Chapuis et Dewalque, Description des fossiles des terrain& secondaires
de la proYince de Luxembourg. Bruxelles, 1853.
9) Ghapuis, Nouvelles Recherches sur les fossiles des terrains secondaires
de la province de Luxembourg. In : Möm. de TAcad. royale de Bei-
gique, m. 1858.
10) GoQUAND, Note sur les minerais de fer des döpartements de TAreyron,
du Lot, de Lot-et-Garonne, du Tarn, de Tam-et-Garonne et de la
Charente-Införieure. In : Bull. Soc. göol. France, II, Bd. VI, S. 328.
1849.
11) DAvmsoN, Th., British Fossil Brachiopoda. London, 1851—1855.
12) Dewalque, Note sur les divers ^tages qui constituent le Lias moyen et
le Lias supörieur dans le Luxembourg et les contr^es Yoisines. In :
BulL Soc. göoL France, U, Bd. 11 , S. 546. 1854.
13) Dewalque, Description du Lias de la province de Luxembourg. Liöge,
1857.
14) DiEULAFAiT, L., Note sur Foolithe infärieure... dans le S. et S.-O. de la
France. BulL Soc. göol. France, II, Bd. 25, S. 403. 1868.
156
16
17
15) Dumas, E., Notice sur la Constitution göologique de la rögion supörieure
du döparteraent du Gard. In : Bull. Soc. g6ol. France, If, Bd. 3, S. 602.
18i6.
DuMORTiER, E., £tudes pal^ontologiques sur les d^pöts jurassiques du
bassin du Rhone. Paris, 1864—1869.
DuMORTiER, E., Sur deux nouYcaux gisements du calcaire ä fucoldes
de Toolilhc införieure. In : Bull. Soc. göol. France, 11, Bd. 20, S. 1 12.
1856.
18) DüMORTiER, E., Note sur le calcaire ä fucoldes. In: Bull. Soc. g6ol.
France, II, Bd. 18, S. 579. 1861.
19) DüMORTiER, E., Coup d'cBil sur l'oolithe införieureduVar. In : Bull. Soc.
geol. France, II, Bd. 19, S. 839. 1862.
20) ßßRAY, M. Th., Note sur la Constitution göologique du döpartement du
Monl-d'Or. Bull. Soc. g6ol. France, II, Bd. 16, S. 1059. 1859.
21) fißRAY, M. Th., Stratigraphie du systöme oolithique iofc^rieur du d^par-
lemenl du Cher. In : Bull. Soc. göol. France, Bd. 18, S. 501. 1861.
22) Engelhardt, Tableau compar^ des divers ätages du Lias en diverses
rögions et suivant difförents auteurs. In : Bull. Soc. g6ol. France, II,
Bd. 15, S. 422. 1858.
23) Fabre, G., Note sur la base de Toolithe införieure dans les environs de
Nancy. In : Bull. Soc. gßol. France, II, Bd. 26, S. 353. 1868.
24) Ferry, M. H. de, Note sur Tötage bajocien des environs de Mäcon (Saöne-
et-Loire). Gaen, 1861.
25) Fraas, Versuch einer Vergleichung des deutschen Jura mit dem fran-
zösischen und englischen. In: Leonhard's Jalirbuch für Minera-
logie, etc. S. 139. 1850.
Friderici, Apergu geologique du däp. de la Moselle. Metz, 1862.
Friren, Melanges paläontologiques. Lias moyen. In : Bull. Soc. d'histoire
naturelle de Metz, II, Heft 2. Metz, 1875.
Giesler, Das oolithische Eisenstein vorkommen in Deutsch-Lothringen.
In: Zeilschr. f. d. Berg-, Hütten- und Salinen-Wesen im Prcuss.
Staate, S. 9— 41. 1875.
29) GoLDFUSS, A., Petrefacta Germania). 1834—1840.
30) GuiBAL, Memoire sur le lerrain jurassique du döparlemcnt de la Meurlhe.
In: Mömoires Acad. de Nancy. 1840.
31) Haime, J. Description des Bryozaires fossiles de la formation jurassique
In: Mämoires Soc. göol. France, II, Bd. 5, S. 175.
26
27
28
157
32) HUBERT, Note sur le terrain jurassique du bord occidenlal du bassin
parisien. Bull. Soc. g6ol. France, II, Bd. 12, S. 79. 1854.
33) HUBERT, Observations sur les Gryphöcs du Lias. In: Bull.. Soc. geol.
France, II, Bd. 13, S. 213. 1856.
34) HjäBERT, Sur le groupe des Bölemniles auquel de Blainville et d'Or-
bigny ont donnö le nom de Belemnites brevis. In: Bull. Soc. göol.
France, II, Bd. 22, S. 201. 1865.
35) Jacquot, M. E., Descriplion göologiquc et min6ralogique du döparte-
ment de la Hoselle. Paris, 1868.
36) Jacqüot, M..E., Quelques observations geologiques sur la disposition
des masses min^rales dans le döpartcment de la Moselie. Metz, 1854.
37) KoECULiN-ScHLUMBERGER. £tudes g^ologjques dans le döpartement du
Haut-Bhin. In: Bull. Soc. göol. France, II, Bd. 14, S. 117. 1857.
38) KoECHLiN-ScHLUMBERGER. Goupo göologique des environs de Mende
(Lozere). In : Bull. Soc. göol. France, II, Bd 11, S. 605. 1854.
39) Lepsius, B., Beiträge zur Kenntniss der Juraformation im Unter-EIsass.
Leipzig, 1875.
40) Levallois, Apercu göologique de la conslitution göologique du döpar-
tement de la Meurthe. Nancy, 1862.
41) Lycett, J. The Gotteswold hills. London, 1857.
42) Lycett, J. On some new species of Trigonia from the Inferior Oolite
of the Cotteswolds. In: Ann. and Magaz. of Natur, llistory, vol. 12.
1853, October.
43) Lycett, British fossil Trigoniae. Palaont. Society. 1872, 1874, 1875.
1877.
44) Lycett, Supplementary monograph of the molluscafrom the slonesfield
slate, etc., PaL Soc, 1863.
45) Marcou, Lettres sur les roches du Jura. Paris, 1857—1860.
46)Majerus, f. E. , Note sur le terrain jurassique du grand-duchö de
Luxembourg. Sociale des sciences naturelles du grand-duchö de
Luxembourg. 1854. Tome 2, S. 1—49.
47) Meugy, Sur le Lias. In : Bull. Soc. g6ol. France, II, Bd. 26, S. 484. 1868.
48) MiLNE Edwards and Haime. A monograph of the british fossil corals,
Pal.^Soc., 1850.
49) Motisch, G., Der Aargauer Jura. Bern. In: Beiträge zur geolog. Karte
der Schweiz, IV. 1867.
50) MoESCH, G., Monographie der Pholadomyen. In: Abhandlungen der
Schweizer, paiaontolog. Gesellschaft, I u. II. 1874—1875.
158
5 1} Morris and Ltcbtt, A monograph of the Mollusca of the great oolithe.
Palseontograph. Soc. 1850.
52) MuRCHisoN, R. Outline of the geology of the neighbourghood of Ghel-
tenham. London, 1845.
53) Neumayr, Ueber unvermittelt auftretende Gcpbalopodentypen. Jahr-
buch der k. k. geolog. Reichsanstalt. Wien, 1878. Bd. 28, Heft 1.
54) Oppel, A. Paläontologische Mittheilungen. Stuttgart, 1862 u. 1863.
55) Oppel, A. Die Juraformation. Stuttgart, 1856—1858.
56) d'Orbigny, Prodrome de pal6ontologic straligraphique, etc. Paris, 1850.
57) Orbigny, DE, Paläontologie franfaise. Paris, 1842—1849. Terrains ju-
rassiques.
58) Philipps. J., lUustrations of the geology of Yorkshire. London, 1835.
59) PiETTE, Note sur le gtte des Glapes (Moselle). In : Bull. Soc. göol. France,
U, Bd. 14, S. 510. 1857.
60) PoMEL, Note sur le Lias de la Moselle. In: Bull. Soc. g6ol. France, II,
Bd. 3, S. 652. 1846.
61) QuENSTEDT, Petrefakteukunde Deutschlands. Tübiogen, seit 1846.
62) QuENSTEDT, Der Jura. Tübingen, 1858.
63) QuENSTEDT, Handbuch der Pelrefaktenkunde. Tübingen, 1867. II. Aufl.
64) Reinegke, Maris protogSBi Nautilos et Argonautas. Goburgi, 1818.
65) RäUNiON extraordinaire a Neyers. Oolithe införieure. Bull. Soc. göol.
France, 1858. Bd. 15, S. 717.
66) R^UNiON extraordinaire a Metz. Bull. Soc. gäol. France, II, Bd. 9,
S. 561. 1852.
67) Reyn]^s, P., Essai de gäologie et de pal^ontologie Ayeyronnaises. Paris,
1868.
68) Reyerchon, Garte göologique du döpartement de la Hoselle. 1 866.
69)Rgemer, Fr. Ad., Die Versteinerungen des norddeutschen Oolilhen-
Gebirges. Hannover, 1836.
70) Sauvage et Buvignier, Statistique minöralogique et göologique du d6-
partement des Ardennes. Mi^zi^res, 1842.
71) ScHLUMBEROER , M., Noto sur 3 nouvelles esp^ces d'Alaria recueiliies
dans le minerai de fer ä Nancy, au niveau des Am. Sowerbyi et Mvr-
chisonx, Gaen, 1865.
72) Schloenbagh, U., Beiträge zur Paläont. der Jura- und Kreide-Form in
N.-W. Deutschland. Palseontographica, Bd. 13. 1865.
73) Seebagh, K. von. Der Hannoversche Jura. Berlin, 1864.
159
74) Simon, V., Itinöraire göologique et minöralogique dans les döpartements
de la Moselle, etc. In : Mämoires Acad. royale de Metz. 1821.
75) Simon, Y., Memoire sur le Lias du d^partement de la Moselle. Extrait
des Mömoires Acad. royale de Metz. 1836 et 1837.
76) SowERBY, The mineral conchology. 1812.
77) Terquem, Observations sur les ötudes critiques des mollusques fossiles
comprenant la moDOgraphie des myaires de M. Agassiz. Metz, 1855.
78) Terquem, Observations sur quelques espöces de Lingules. Bull. Soc.
göol. France, II, Bd. 8, S. 10. 1850.
79) Terquem, Observations sur les Gryphöes du döpartement de la Moselle.
Bull. Soc. histoire naturelle du d6partement de la Moselle. 1855,
S. 144.
80) Terquem. Observations sur le Lias du däpartement de la Moselle. Metz,
1847.
81) Terquem. Memoire sur un nouveau genre de mollusques (Hettangiä),
Bull. Soc. göol. France, II, Bd. 10, S. 364. 1853.
82) Terquem. Remarques critiques sur les Bälemnites du döpartement de
la Moselle. Metz, 1846.
83) Terquem, Observations sur les Pleuromya et lesMyopsis de M. Agassiz.
Bull. Soc. g6ol. France, II, Bd. 10, S. 534. 1853.
84) Terquem, Pali^ontologie du däpartement de la Moselle. Metz, 1855.
85) Terquem, Note sur le genre Cerowt/a, Bull. Soc. göol. France, U, Bd. 9,
S. 359. 1852.
86) Terquem, Observations sur un fossile nouveau (Ancyloceras Mosellense
Terq.). Bull. Soc. bist, naturelle de Metz, II, Heft 8, S. 160. 1857.
87) Terquem et Piette, Le Lias införieur de la Meurlhe, de la Moselle,
du grand-duchä de Luxembourg, de la Belgique, de la Meuse et des
Ardennes. Bull. Soc. g6oL France, II, Bd. 19, S. 323. 1862.
88) TmoLLiiiRE, Räunion extraordinaire ä Nevers. Bull. Soc. g^ol. France,
II, Bd. 15, S. 710. 1858.
89) TmRiUA, Statistique minöral. et göolog. du däpartement de la Haute-
Saöne. Besan^on, 1833.
90) ToMBEGK, Sur le Lias de la Haute-Marne. In : Bull. Soc. g^oL France, II,
Bd. 27, S. 286. 1869.
91) VoLTz, M., Observations sur les Bölemnites. 1830.
92) Waagen, lieber die Zone des Am, Sowerbyi. In : Geognostisch-paläon-
160
tologische Beiträge von E. W. BeDccke. S. 507 — 668. Manchen,
1868.
93) WniGHT, Th., On the pateontological and stratigraphical relations of
thc socalled # sands of the inferior Oolite». The qoarterly Journal
of the geological Soc. 1856. Bd. 12, S. 292—321.
94) Wright, Tu., Monograph of the Lias Ammonites. Palseont. Soc, 1878
95) ZiETEN, H. VON, Die Versteinerungen WQrtembergs. Stuttgart, 1830.
r
ABHANDLUNGEN
ZUR
GEOLOGISCHEN SPEZI ALK AllTE
VON
ELSASS-LOTHRINGEN.
Band II. — Heft II.
Mit Atlas.
STRASSBUR6,
DRUCK UND VERLAG VON R. SCHULTZ & C«
(Berger-Levrault's Nachfolger).
1882.
fjp'^
'^
Berichtigung zum Atlas.
Taf. IV. Bei der Erklärung von Fig. 1 — 9 ist irrthüralich die Bezeich-
nung: uRhyüchonella Beneckei» stehen geblieben. Sic ist durch
fiRhynchonella Delmensisu zu erselzen.
Taf. VIII. Bei den Fig. 8 a und 10 a sind die Arealkanten zu scharf ge-
zeichnet; sie sind in Wirklichkeit nicht, oder aber nur ganz
schwach angedeutet.
Taf. IX. Bei der Erklärung von Fig. 15 — 18 ist das Wort nFlcischeri^
statt ußeischerU einzusetzen.
Taf. X. Bei der Erklärung von Fig. 18—19 desgleichen.
Taf. Xlll. Fig. 25 ist irrthünilich mit der Zahl 76 und Fig. 27 irrlhQm-
licli niit der Zahl 51 bezeichnet.
Taf. XIV. Fig. 17^. Die Wulstansicht ist insofern nicht richlig, als dar-
auf der Verlauf der beiden Rippen auf der kleinen Schale
nicht angedeutet worden ist. .
Taf. XVlf. Bei Fig. 2 a und 2 6 und Fig. 3 a und 3 6 ist die Abrundung
des Stirnrandes nicht genügend hervorgehoben worden und
sind die betreffenden Figuren am Slirnrande zu breit gezeichnet.
Sie ähneln viel mehr Fig. 1 a und 1 6, als die Zeichnung das
zeigt.
Bei Fig. 4 a und 4 b ist der Schnabel viel zu spitz gezeich-
net; er tritt kaum schärfer hervor, als bei Fig. 3 a.
Taf. XVlil. Die Verbindungslinien zwischen Fig. 26—27 und Fig. 28—29
sind zu streichen. Sie müssen durch solche zwischen Fig. 26— 28
und Fig. 27 — 29 ersetzt werden, wie aus der Erklärung her-
vorgeht.
Berichtigung zum Text.
Im Text ist pag. 264, auf der neunten Zeile von unten « Tcrebra-
Ulla dypticham statt ^ferehratula chjplichn\) zu lesen.
ABHANDLUNGEN
ZUR
GEOLOGISCHEN SPEZIALKARTE
VON
ELSASS-LOTHRINGEN.
Band II. — Heft H.
•* ' w *.' *. V.
STRASSBUR&,
DRÜCK UND VERLAG VON R. SCHULTZ & C«
(BfiROER-LETiuuLT's Nacbfolger).
1882.
DIE
BRAGHIOPODEN
DER
JURAFORMATION
VON
ELSASS-LOTHRINGEN
VON
Dr. HIPPOLYT HAAS & Dr. CAMILLE PETRI.
Hit 18 lithographirten Tafeln und 3 Zinkographieen.
STRASSBÜR&,
DRÜCK UND VERLAG VON R. SCHULTZ & C"
(Ber&er-Letbault's Nachfolger).
1882.
A b k tt r z a n g e n :
L. S. bedeutet : geologische Landessammlung von Elsass-Lothringen.
F. S.
U.S.
S.S.
H. U. S.
6.S.
Sammlung des Herrn Abb6 FaiaEN.
Sammlung der Universität Strassburg.
Sammlung der Stadt Strassburg.
Sammlung der Universität Heidelberg.
Sammlung des Herrn Dr. GasppiN (jetzt der geologischen Landes-
sammlung von Elsass-Lothringen einverleibt).
Wo bei der Beschreibung der Arten unter den Gitaten kein Speziesname an-
geführt ist, hat der betreffende Autor stets den von mir vorangestellten Namen
benutzt. Bedient sich der citirte Autor eines anderen Namens, so ist derselbe dem
Gitat beigefugt. Es bedeutet z. B. S. 2 oben- «1871 Beaüns, Unterer Jura. pag. 439.
Rhynchonella caldeosta Qdenst. sp.» dass Bradns meine Rhynchoneüa plicaUssima
als BhynchoneUa caldeosta Quenst. sp. auflf&brt.
Ihrem hochverehrten Lehrer
Herrn Professor Dr. E. W. Benecke
zu Strassbnrg i. Eis.
in Dankbarkeit zugeeignet
Yon den Yerfassem.
VORWORT.
Der eine Theil des in dieser Arbeil beschriebenen Materials be-
findet sich in der Strassburger Universitäts- und städtischen Sammlang
sowie in derjenigen der geologischen Landessammlung von Elsass-Loth-
ringen. Der andere Theil wurde mir yon Herrn Abbö Friren in Montigny
bei Metz, der mir die Schätze seiner ausgezeichneten Sammlung mit der
grOssten Liebenswttrdigkeit zur Verfügung stellte, geliefert. Es sei mir
vergönnt, diesem Herrn hier verbindlichst filr die Bereitwilligkeit zu
danken, mit welcher derselbe meinen Bestrebungen entgegen gekommen ist.
Herr Professor Robenbusch gestattete mir freundlichst die Unter-
suchung einiger zum Vergleich herbeigezogener Stücke aus der Gegend
von Langenbrücken (Baden), welche der geologischen Sammlung der
Universität Heidelberg gehören. Herr Professor E. W. Benegke ermög-
lichte mir die ausgedehnteste Benützung der Hülfsmittel des ihm unter-
steUten Universitätsinstituts und machte mir insbesondere die fast
vollständige Benützung der einschlägigen Litteratur möglich. Hierfür,
sowie für manchen Rath bei der Ausführung meiner Arbeit bin ich
demselben zum grössten Dank verpflichtet. Auch dem Herrn Rathsherm
Peter Herian zu Basel möchte ich meinen besten Dank für die freund-
liche Zusendung und Ueberlassung seiner Rhynchonella acarus aus-
sprechen, ebenso dem Herrn Achill Andreae aus Frankfurt a. M., welcher
mir zu wiederholten Malen selbstgesammeltes, zum Theil sehr werthvoUes
Material überlassen hat.
Die Abbildungen sind, mit nur wenigen Ausnahmen, von Herrn
Fassoli in Strassburg gezeichnet und lithographirt. Die Fig. 7—8 auf
VIII
Taf. II und Fig. 1—2 auf Tat. VI verdanke ich der Freundlichkeit des
Herrn Professor Zittel, welcher deren Herstellung nach den OppEL'schen
Originalstücken in der Universitätssammlung zu Manchen durch Herrn
SCHLOTTERBEGK gOtigst Veranlasst hat.
Die bei dieser Arbeit zu Rathe gezogene Litteratur ist weiter unten,
chronologisch geordnet, angeführt. In der Bezeichnung der einzelnen
Theile der Brachiopodenschalen folgte ich dem ZiTTEL'schen Handbuche
Band I, S. 648 ff.
Da, wo es irgendwie anging, war ich bemüht, die in Elsass-
Lothringen gefundenen Formen in den Rahmen der schon bestehenden
Nomenclatur einzufügen; andererseits habe ich mich freilich genothigt
gesehen, gewisse Benennungen, wie z. B. Rhynchonella variabilis u. a.
die zu Verwirrungen ohne Ende führen, ganz bei Seite zu lassen, weil es
nicht möglich ist, festzustellen, was der Autor unter denselben verstanden
wissen wollte.
Die Aufstellung einiger neuer Namen war nicht zu umgehen. Ein
sorgfältiges Vergleichen der vorliegenden Formen mit den Stücken der
Strassburger Sammlungen und mit guten Abbildungen massgebender
Monographieen führte zu der Ueberzeugung, dass nur auf diesem Wege
Klarheit in die Darstellung zu bringen sei.
Um etwas Absolutes, um eine «gute Art» im alten Sinne, handelt es
sich in diesen Fällen freilich nicht; vielmehr liegen dann entweder
lokale Modificationen schon aus anderen Gebieten beschriebener Formen
vor, oder es sind Mittelglieder von Formenreihen mit entfernt stehenden
Endgliedern in fassbarer Weise zu, fixiren.
6egenfü)er den vielen neuen Spezies von Rhynchonellen mag die
geringe Anzahl neu aufgestellter Terebratuliden wohl auffallen. Der
Grund hiefür liegt daran, dass für die Bestimmung der Terebratuliden
Deslongghamp's schönes Werk über die jurassische Brachiopodenfauna
Frankreichs vorliegt, an die sich diejenige Blsass-Lothringens enge an-
schliesst, während die Rhynchonelliden noch nicht erschienen sind.
Als eine Hauptaufgabe wurde es betrachtet, die Uebergänge der
einen Form in die andere, also die wahrscheinliche Verwandtschaft, fest-
zustellen. Es ist dies auch in einer Anzahl von Fällen, wo Material in
genügender Menge vorhanden war, gelungen, und es darf mit Sicherheit
vorausgesetzt werden, dass sich nach Aufsammlung reicheren Materials
noch mehr solcher Uebergänge werden feststellen lassen.
IX
Als Anhalt für die Reihenfolge der Beschreibung wurde die geo-
logische Aufeinanderfolge gewählt. Die Zusammenfassung von Formen-
reihen, wie die der Rhynchonella spinosa Schl. sp., der Rhynchonella
oligacantha Brango, der Rhynchonella tenuispina Waagen und anderer
erschien dann um so naturgemässer, wenn das geologische Alter der
einzelnen Glieder kein zu verschiedenes war.
Die Linguliden hat Dr. G. Petri in Buchsweiler bearbeitet. An-
fänglich hatte derselbe die Absicht, sämmtliche Brachiopoden zu bear-
beiten, musste sich aber, da seine Berufsgeschäfte ihn in erhöhtem
Maasse in Anspruch nahmen', nur auf die Vollendung des Abschnittes
über die Linguliden beschränken und mir die Übrige Arbeit übertragen.
Seine Notizen betreffs der Terebratuliden, welche mein Mitarbeiter
mir bereitwilligst fü)erliess, sind mir von vielem Nutzen gewesen.
Strassburg i. £., im Oktober 1881.
Dr. H. Haas.
VERZEICHNISS DER BENUTZTEiN LITTERATÜR.
1812—29. J. SowERBT. The Mineral conchology of Great-Britain.
1813. VON Schlotheim. Beiträge zur Naturgeschichte der Versteine-
ruDgeu etc.
1819. Lamark. Animaux saus vertöbres.
1820. VON Schlotheim. Die Petrefactenkunde auf ihrem jetzigen Stand-
punkte etc.
1831. Buch. Pätrifications remarquables etc.
1833. Thirria. Statistique min^ralogique et g^ologique du döpartement
de la Haute-Saöne.
1832 — 34. G. VON Zieten. Die Versleinerungen Württembergs.
1834. L. VON Buch. Ueber Terebrateln, und ein Versuch, sie zu classi-
fiziren. (Die deutsche Ausgabe erschien in den Abhandlungen
der kgl. preussischen Academie der Wissenschaften, die
französische, von Le Gocq übersetzt, in den Mämoires de la
Soci6t6 göologique de France, 1838, 1" s6rie, 3* vol.)
1835—36. Phillips. Illustrations of the Geology of Yorkshire.
1835 — 36. F. A. Robmer. Die Versteinerungen des norddeutschen Oolithen-
gebirges.
1836. Lamark. Animaux saus vertöbres. 2. Auflage.
1837. G. Fromherz. Die Juraformation des Breisgaues.
1837. Pusgh. Die Paläontologie Polens.
1837. Bronn. Lethaea geognostica.
1839. F.-A. RoEMER. Nachtrag zu den Versteinerungen des norddeutschen
Oolithengebirges.
1843. F. A. QuENSTEDT. Das FlOzgebirge Württembergs.
1843. Morris. Gatalogue.
1848. Bronn. Index palaeontologicus.
XII
1849. A. d'Orbigny. Prodrome.
1850. Datidson. A moDograph of britisli oolitic and liasic brachiopoda.
(British palaeontographical Bociety. 1852.)
1851-^55. F. Ghapuis et G. Dewalque. Les terrains secondaires du
Luxemboorg, etc. (M^moires de rAcad^mie royale de Belgique.
Bd. XXV.)
1852. Datidson. Monograph of french liasic Spirifers. (Annals and Ma-
gazin of Natural History. April 1852.)
1852. F. A. QuENSTEDT. Handbuch der Petrefactenkunde.
1852. Th. Davidson. A monograph of british oolitic and liasic bra-
chiopoda. (British palaeontographical society. 1852.)
1854. Derselbe. Appendix to vol. I der vorstehenden Arbeit. (British pa-
laeontographical society. 1854.)
1853. Deslongchamps. Notes pr^entöes ä rinstitut des provinces sur
quelques nouveaux Brachiopodes du Lias.
1855. Terqueh. Paläontologie de la Hoselle.
1853. Oppel. Der mittlere Lias Schwabens.
1856. PiETTE. Note sur les gros d'Aiglemont et de Ramoigne. (Bulletin
de la Sociötö göologique de France. 2' s^rie, t 13.)
1856.'SuESS. Classification der Brachiopoden. (Nach Davidson. Bd. i der
oben angefahrten Arbeit.)
1856. 0. Terquem. Paläontologie du Systeme liasique infärieur du
Luxembourg et de Hettange. (Sociötö göologique de France,
2' särie, t. 5, 3' memoire.)
1857. Deslongchamps. Description du Systeme oolithique infärieur du
Calvados. (Bulletin de la Sociätä linnäenne de Normandie. t. 2.)
1858. F. Ghapuis. Nouvelles recherches sur les fossiles des terrains
secondaires du Luxembourg. (Hämoires de TAcadämie royale
de Belgique. XXXIIl.)
1858. F. A. Qüenstedt. Der Jura.
1859. Oppel. Die Juraformation Englands, Frankreichs und des sdd-
westlichen Deutschlands.
1860. Martin. Paläontologie stratigraphique de Tinfra-lias de la Bour-
gogne. (Mömoires de la Sociät^ gäologique de France.
2* sörie, t. 7.)
1860. Deslongchamps. Notes sur Mage bajocien des environs de Mäcon.
(Mämoires de la Sociätö linnöenne de Normandie. vol. XIL)
XIII
1861. Trautschold. Der Moskauer Jara, yerglichen mit dem west-
europäischen. (Zeitschrift der deutschen geologischen Ge-
sellschaft. Bd. XII, pag. 358.)
1861. Oppel. lieber die Brachiopoden des unteren Lias. (Zeitschrift
der deutschen geologischen Gesellschaft. Bd. XIII, pag. 529.)
1862. Deslongchamps. £tudes critiques sur des Brachiopodes nouveaux
ou peu connus. (Bulletin de la Sociötä linni^enne de Nor-
mandie. vol. VIII.)
1863. U. SCHLOENBACH. lieber den Eisenstein des mittleren Lias im
nordwestlichen Deutschland. (Zeitschrift der deutschen geo-
logischen Gesellschaft. Bd. XV, pag. 465.)
1863. W. Waagen, lieber den Jura in Franken, Schwaben und der
Schweiz.
1863—1877. Deslongchabips. Brachiopodes (Paläontologie fran^aise etc.
1' särie. Animaux invertöbrös. Terrain jurassique. 9 Lie-
ferungen.)
1864. G. TON Seebach. Der Hannover'sche Jura.
1865. 0. Terqueh et E. Piette. Le Lias infärieur de TEst de la France.
(Mömoires de la Sociätä gäologique de France, 2' särie, t. 8,
1" memoire.)
1866. 0. Terquem et E. Jourdy. Monographie de Tätage bathonien dans
le däpartement de la Moselle. (Mämoires de la Sociätö göolo-
gique de France, 2» s6rie, t. 9, 2* memoire.)
1866. J. Delbos et J. Koeghlin-Schlumberger. Description minäralo-
gique et göologique du däpartement du Haut-Rhin.
1867. W. Waagen, lieber die Zone des Ammonites Sowerbyi. (Benecke,
Geognostisch-palaeontologische Beiträge. Bd. 1, pag. 507.)
1867. F. k, Quenstedt. Handbuch der Petrefactenkunde. 2. Aufl.
1869. Geological Magazin.
1869. D. Brauns. Der mittlere Jura im nordwestlichen Deutschland.
1869. Proceedings of the Yorkshire naturaliste Glub for the year 1869.
1869^74. DuMORTiER. £tudes pal^ontologiques sur les döpöts jurassiques
du bassin du Rhone.
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vol. Vn, pag. 562.)
1870. J. G. Greppin. Le Jura bemois et districts adjacents. (Hatärianx
pour la carte gt^ologique de la Suisse. Vol. Vlll.)
XIV
187t. D. Brauns. Der untere Jura im nordwestlichen Deutschland.
1871. F. A. QuENSTEDT. Petrefactenkunde Deutschlands: Die Srachio-
poden.
1875.. Friren. M^langes palöonlologiques. (Bulletin de la Sociöt^ d'histoire
naturelle de Metz, 2' s^rie, 2* cahier.)
1875. R. Lepsius. Beiträge cur Kenntniss der Juraformation im Elsass.
1876. R. Täte. The Yorkshire lias.
1876. Davidson. A monograph of the british fossil brachiopoda. Supple-
ment to the jurassic and triassic species. (British palaeonto-
graphical society. 1876.)
1878. DAvmsoN. A monograph of the british fossil brachiopoda. Supple-
ment to the jurassic and triassic species. (British palaeonto-
graphical society. 1878.)
1879. Brango. Der untere Dogger von Deutsch-Lothringen. (Abhand-
lungen zur geologischen Spezialkarte von Elsass-Lothringen.
2. Bd., 1. Heft.)
1879. L. SoRBY. Microscopical structure of Shells, etc. (Quart. Joum.
geolog. Society. Bd. XXXV. Proc. pag. 56.)
1879. L. SzAJNOCHA. Die Brachiopodenfauna der Oolite von Baiin bei
Krakau. (Denkschriften der k. k. Academie der Wissen-
schaften zu Wien. Bd. XLl.)
1879. V. Uhlio. lieber die liasische Brachiopodenfauna von Sospirolo
bei Belluno. (Sitzungsberichte der k. k. Academie der Wissen-
schaften zu Wien. LXXX. Bd.)
1880. Ghoffat. £tude stratigraphique et paläontologique des terrains
jurassiques du Portugal. I. Le Lias et le Dogger au nord du
Tage.
1880. ZiTTEL. Handbuch der Paläontologie. Bd.L Brachiopoden. S. 641.
1880. DouviLLÄ. Notes sur quelques genres de Brachiopodes. [Terebra-
tulidsB et Waldheimiida?]. (Bulletins de la Sociätä gäologique
de France, 3* s6rie, t. 7, pag. 251 ff.)
1881. A. ZuGMAYER. Untersuchungen über rhätische Brachiopoden.
(Mojsisovics und Neumayer. Beiträge zur Paläontologie von
Oeslerreich-Ungarn. Bd. I, pag. 1.)
MhynchoneUa y Fischer von Waldheim 1809.
Die Rhynchonellen des Lias.
Rhynchonella plicatissima Quenst. sp.
Rhynchonella belemnitica Quenst. sp.
Rhynchonella Deffneri Oppel.
Rhynchonella gryphitica Quenst. sp.
Rhynchonella Schimperi nov. sp.
Rhynchonella nov. sp.
Rhynchonella rimosa Buch sp.
Rhynchonella furcillata Theodori sp.
Rhynchonella oxynoti Quenst. sp.
Rhynchonella calcicosta Quenst. sp.
Rhynchonella rostellata Quenst. sp.
Rhynchonella triplicata Quenst. spi
Rhynchonella curviceps Quenst. sp.
Rhynchonella amalthei Quenst. sp.
Rhynchonella Delmensis nov. sp.
Rhynchonella Rosenbuschi nov. sp.
Rhynchonella Steinmanni nov. sp.
Rhynchonella scalpellum Quenst. sp.
Rhynchonella acuta Quenst. sp.
KhynchoneUa plicatissima Quenst. sp. 1852.
Taf. I, Fig. 1—3, 7—8.
1852. QuENSTEDT. Handbuch. pag. 451. Taf. 36. Fig. 3.
1858. Derselbe. Jura. pag. 73 und 99. Taf. 12. Fig. 15.
1859. Oppel. Jura. pag. 123.
1861. Derselbe. Brachiopoden des untern Lias. pag. 535.
1867. QuENSTEDT. Haudbuch. 2. Aufl. pag. 539. Taf. 46. Fig. 3.
II.
11
162
1867. DuMORTiER. Depots jurassiques, etc., vol. II. pag. 229.
1870. Greppin. Jura bernois. pag. 22.
1871. Qu£NST£DT. BrEchiopoden. pag. 47. Taf. 37-^40 und 54—57.
1871. Brauns. Unterer Jura, pag, 439. RhynchanellacalcicostaQvEVST.sp.
1878. Davidson. Supplement, pag. 221. (Fig. 34 auf Taf. 28 ist eine
Gopie von Rhynchonella plicatissima Quenst. sp. in Quen-
STEDT. Handbuch. 1852. Taf. 36. Fig. 3 und 1867. Taf. 46.
Fig. 3.)
Brauns sowohl, als auch Davidson lassen diese Spezies nicht
gelten, werfen sie vielmehr mit der nachher zu besprechenden Rhyn-
chonella calcicosta Quenst. sp. zusammen. Berücksichtigt man jedoch,
was QuENSTEDT, Brachiopodeu, pag. 51, sagt, so kann von einer Identifi-
cirung beider Formen keine Rede sein.
Es treten zwei extreme Formen auf, eine längliche und
eine breite, welche dem Lager nach ziemlich scharf getrennt
sind. — Die Erstere ist nur auf die Zone des Belemniies brevts
beschränkt, die Letztere findet sich in den tieferen Schichten,
kommt aber noch, wenn auch sehr selten, mit den länglichen
Exemplaren zusammen vor. Uebergänge zwischen beiden Formen
sind beobachtet.
Die mehr in die Breite gezogene Form ist in den Angu-
latusschichten und dem unteren Gryphitenkalke sehr häufig, ja
sogar charakteristisch für denselben; doch sind gute Exemplare
selten, da die Schalen beinahe durchweg zerdrückt sind. —
Das häufigste Vorkommen ist ca. 10 Millimeter breit und ca.
7 — 8 Millimeter lang. Die Wirbelspitze ist ziemlich stark über*
gebogen, das Deltidium ist umfassend, die Arealkanten sind
scharf. Die kleine, ziemlich gewölbte Schale ist mit 13 — 15
scharfkantigen Rippen geziert, von denen 3 — 5 auf den Wulst
kommen. Letzterer ist sehr stark ausgeprägt. Die Mehrzahl
der Rippen verliert sich etwa auf der Höhe des 3. oder 4.
Viertels der Schale, vom Stirnrande an gerechnet. In den
163
m
weniger häufigen Fällen reichen dieselben noch als feine Streifen
bis zum Wirbel hinan.
Die grosse Schale weist 12 — 14 ebenfalls sehr scharf-
kantige Rippen auf, von denen 2 — 5 auf den Sinus kommen.
Derselbe ist der Gestaltung des Wulstes entsprechend tief
eingeschnitten.
In vereinzelten Fällen wird die Zahl der Rippen auf der
grossen Schale grösser, als auf der kleineren. Der Grund hiefür
liegt darin, dass an den äussersten Flügelecken der grossen
Schale noch je eine neue Rippe auftritt.
Die längliche Form hat eine Länge von ca. 13 Millimeter
und ist etwa 10 Millimeter breit. Sie weist durchgängig weniger
Rippen auf, als die breite Form; dieselben, 11 an der Zahl,
wovon 5 auf dem Wulste stehen, gehen alle bis zur Wirbel-
spitze hinauf. Die übrigen Verhältnisse sind ebenso wie bei der
andern Modification.
Auf die verwandtschafllichen ß(,'ziehungen mit anderen Arten komme
ich weiter unten auf Pag. 4 und 13 zu sprechen.
Vorkommen: Unterer Lias, a.
Ober-Elsass: Aue bei Sentheim (ßrevisschichten); Reichen-
weier (Gryphitenkalk).
Unter-Blsass: Waidenheim (Angulatenschichten); Rosheim,
Ottrott, Hochfelden, Reichshofen, Wörth (Gryphitenkalk). (L. S.)
Lothringen: Gheminot, Verny, Golombey bei Metz, Het-
t in gen (Gryphitenkalk); Peltre, Grigy (ßrevisschichten). (L S.)
Nachbarländer: Pratteln im Kanton ßasei, Lehener ßerg
bei Freiburg i. ß. (G. S.) — Maisch bei Heidelberg, (ü. S.)
164
Mhynchonella betem/ntUea Quenst. sp. 1868.
Taf. I, Fig. 4 — 6, 9 — 10.
1858. QuENSTEDT. Juni. pag. 73. Taf. 8. Fig. 15.
1861. Oppel. Brachiopodea des uatern Lias. pag. 535.
1867. QuENSTEDT. Handbuch. pag. 539. Taf. 46. Fig. 1.
1871. Derselbe. Brachiopodea. pag. 43. Taf. 37. Fig. 33—36.
Die Grösse varürt sehr. Es gibt kleine Exemplare von
einer Länge von 12 Millimeter bei einer Breite von 10 Milli-
meter und wiederum solche, die 18 Millimeter breit und
19 Millimeter lang sind. Auch Formen, bei welchen die Breite
die Länge überwiegt, kommen vor, sind jedoch seltener.
Die kleine Schale ist mit 8—10 scharfkantigen Rippen
versehen, von denen bei den kleineren Exemplaren nie mehr
als 3, bei den grösseren jedoch bis 5 auf den Wulst kommen.
Dieselben verlaufen bis in den Wirbel; bei einigen und zwar
meist kleineren Exemplaren bleibt dieser auch glatt.
Die grosse Schale ist mit einem ziemlich ausgesprochenen
Sinus versehen, der je nach den Verhältnissen am Wulste
2 — 4 Bippen trägt. Die Wirbelspitze ist nur wenig über die
kleine Schale übergebogen. Das umfassende Deltidium ist nur
in wenigen Fällen erhalten. Die Arealkanten sind sehr scharf,
die Schlosslinie verläuft fast gerade. Beide Schalen sind nur wenig
gewölbt.
Verh<niss zu anderen Arten. Die Beschaffenheit der Wirbel-
spitze, die schärferen Arealkanten und die bedeutend geringere Anzahl
der schärferea Rippen dienen, abgesehen von den grösseren Dimensionen,
zur Trennung dieser Art von Rhynchonella plicatissima Quenst. sp. Es
kommen jedoch im oberen Gryphitenkalke von Lothringen längliche Exem«
plare vor, bei weichen der allgemeine Habitus, speziell die mehr lange
als breite Form an Rhynchonella plicatissima erinnert, während die
Bildung des Wirbels und der Rippen auf Rhynchonella belemnitica hin-
165
^eist (cf. QuENSTEDT. Handbuch, 1867. pag. 539). Es muss hier der
individuellen Auffassung überlassen bleiben, die betrelTeoden Formen zu
Rhynchonella belemnüica oder zu Rhynchonella plicatissima zu stellen,
(cf. Taf. I, Fig. 7—8.)
Vorkommen: Unterer Lias, a.
Elsass: Bis jetzt noch nicht gefunden.
Lothringen: Gheminot, Verny (Gryphitenkalk); Peltre,
Grigy (Brevisschichten). (L. S.) Fttr die oben erwähnten Zwischenformen
Peltre speziell.
Nachbarländer: (?) Lehener Berg bei Freiburg i. B. (G. S.);
Maisch bei Heidelberg. (H. U. S.) (Gryphitenkalk.)
Rhynchonella Deffneri Oppel 1861.
Taf. II, Fig. 1—19.
1861. Oppel. Brachiopoden des unteren Lias. Z. d. g. 0. pag. 535 und
die Abbildungen hiezu: 1852. Quenstedt. Handbuch. Taf. 36.
Fig. 2.
1852. Quenstedt. Handbuch, pag. 451. Taf. 36. Fig. 2. Rhynchonella
triplicata juvenis Quenst. sp.
1867. Derselbe. Handbuch. 2. Auflage, pag. 539. Taf. 46. Fig. 2. Rhyncho-
nella triplicata juvenis Quenst. sp.
1871. Derselbe. Brachiopoden. pag. 40 und folg. Rhynchonella gryphi-
tica Quenst. sp. und Rhynchonella gryphitica, var. pilula
Quenst. sp. z. Thl. Taf. 37. Fig. 15—18. 19—21.
1778. Davidson. Supplement, pag. 211. Taf. 28. Fig. 35, 36. Rhyncho-
nella triplicata var. juvenis Quenst. sp.
Diese von Oppel aufgestellte Art halte Quenstedt mit dem Namen
« Terebratula triplicata juvenis* bezeichnet; auch in der 6 Jahre nach
Oppel's Abhandlung erschienenen 2. Aufl. seines Handbuchs behielt er
diesen Namen noch bei. Erst in den 1871 erschienenen Brachiopoden trennte
er eine Terebratula gryphitica juvenis und Terebratula gryphitica pilula
von Terebratula triplicata. Quenstedt fasst nun sehr Verschiedenartiges
unter diesen Namen zusammen, was besonders für das Vorkommen in
166
Schwaben sehr praktisch sein mag, für Blsass-Lothringen aber nicht
anwendbar ist. Denn, wenn auch das, was Oppel tBhynchonella Deff-
ner%9 benannt hat, in der Jagend von der eigentlichen Rhynchonella
gryphitica und deren Abänderungen kaum zu trennen ist und auch bei
den ausgewachsenen Formen allerhand Uebergflnge von einer Form in
die andere, und sogar noch «. Th. in eine dritte Art, die Rliyncho-
nella Schimperi nov. sp. vorhanden sind, so ist doch die typische aus-
gewachsene Form der Rhynchonella Deffneri so grundverschieden von
den typischen Exemplaren der Rhynchonella gryphitica Quenst. sp.,
dass man beide Arten unmöglich unter einem Namen vereinigen darf.
Die kleine Schale der Normalform ist fast ganz glatt.
Wenn überhaupt Rippung vorhanden ist, so beginnt dieselbe
ganz schwach in der Nähe des Scheitels. In vielen Fällen ist
auch daselbst nicht die geringste Spur einer Rippenbildung be-
merkbar. Am Stirnrande zeigt sich eine starke Einbiegung nach
vorne, welche einen ganz glatten Wulst hervorruft. Wenn Be-
Tippung vorhanden ist, so sind es meist 2—3, selten 4 scharf-
kantige Rippen, die den dann öfters sehr stark hervortretenden
Wulst zieren und demselben ein etwas eckiges Aussehen geben.
Sie verlaufen schon auf der Höhe des ersten Dritttheils der
Schale, vom Stirnrande an gerechnet, und der Wirbel bleibt bei
allen Formen ganz glatt, während die Flügel eine einzige, aber
sehr stark ausgesprochene Rippe aufweisen.
Ist der Wulst glatt, so ist auf dem Sinus ebenfalls
nicht die geringste Spur von Berippung zu bemerken. Im an-
dern Fall besitzt derselbe je nach der Beschaffenheit des Wulstes
1—3 ebenfalls sehr scharfkantige Rippen, welche, wie diejenigen
des Wulstes, sehr bald verschwinden. Der Schnabel ist sehr
spitz und sein sehr starkes Ueberbiegen auf die kleine Schale
erlaubt es nicht, über Deltidium und Foramen Beobachtungen
anzustellen. Die Arealkanten sind sehr scharf und die Schloss-
linie verläuft fast gerade.
Bei den einen starken Wulst bildenden Formen — und es
167
sind speziell die grossen alten Exemplare, welche die Tendenz
hierzu haben •— wölbt sich die kleine Schale gleich unter dem
Wirbel und fällt dann, fast unter einem rechten Winkel, gegen
die Stirne zu ab. Es ist die Kegel, dass, je grösser der Wulst
ist, je mehr er hervorspringt und dann die Form zur Rundung
hinneigt oder an Breite zunimmt, desto mehr auch die Wirbel-
spitze auf die kleine Schale herabgebogen ist, so dass die grosse
Schale plötzlich unter 90® abbricht und die Schnabelspitze in
der Mitte eine Kante erhält.
Die Abänderungen unserer Art sind überhaupt so mannig-
faltig, dass man viele Tafeln mit den Abbildungen derselben
füllen könnte. Taf. II, Fig. 7 — 8 zeigt einige von Oppkl's Original-
exemplaren aus der Münchener Sammlung.
Dieselben stammen aus dem untern Lias von Mähringen
in Württemberg und unterscheiden sich von unsern Formen
durch ihre grössere Breite an der Stirn und durch die höher
hinaufreichenden Falten am Wulste, sowie durch das Auftreten
von zahlreicheren Rippen an den Flügeln. Es ist wohl dieser
ein Aehnlichwerden mit der nachher zu besprechenden Bhyncho-
neüa gryphitica Quenst. sp. bedingende Umstand, welcher
QuENSTEBT veraulasst hat, beide Formen zusammenzuwerfen.
Die Länge beträgt durchschnittlich 12 — 13 Millimeter, die
Breite 10—11 Millimeter; doch kommen auch Exemplare vor,
die ebenso breit, wie lang sind, oder auch solche, bei welchen
die Breite die Länge bedeutend überwiegt (cf. Taf. 11). Auch
abnorme Formen sind nicht selten.
Verhältniss zu anderen Arten. Eine scharfe Grenze zwischen
Rhynchonella Deffneri und Rhynchonella gryphitica Quenstedt's ist in
gewissen Stadien der Entwicklung sehr wohl zu ziehen und darum wurden
beide getrennt gehalten. Auf Formen, welche der Unterscheidung
Schwierigkeiten bereiten, komme ich unten zurück.
168
Vorkomme a: Unterer Lias, a.
Unter-Elsass: Rosheim, Mattenkuppe bei Oberbrona (Gry-
phitenkalk); Mühlhausen (diluvial). (L. S.)
Lothringen: Gheminot, St. Jure bei Verny, Verny, Li^hon,
Lemud, Peltre, Grigy, Valiiöres, überhaupt Umgebung von Metz
(Gryphitenkalk und Brevisschichten). (L. S. — F. S.)
Rhynehonella gryphitica Quenst. sp. 1871.
Taf. II, Fig. 20—30.
1871. QuENSTEDT. Handbuch. pag. 40 ff. Taf. 37. Fig. 11—13, 24—29
und Taf. 40. Fig. 94.
1852. Derselbe. Handbuch, pag. 451. Taf. 36. Fig. 2. Rhynchonella
triplicata und triplicata juvenis Quenst. sp. z. Tbl.
1858. Derselbe. Jura. pag. 73. Taf. 8. Fig. 18—20 und 22. Rhynchonella
triplicata juvenis Quenst. sp. z. Tbl.
1858. Oppel. Jura. pag. 108. Rhynchonella variabilis Schl. sp. z. Tbl.
1867. QuENSTEDT. Haudbuch. pag. 539. Taf. 46. Fig. 2. Rhynchonella
triplicata und triplicata juvenis Quenst. sp. z. Tbl.
Bei den typischen Exemplaren trägt der Wulst 2 — 4
Rippen, ganz ausgewachsene Individuen weisen hie und da
auch 6, seltener 6 Rippen am Wulste auf; jedoch finden sich
nur bei ganz grossen Formen deren mehr als 4. So lange die
Form noch im Stadium der RhynchoneUa gryphitica Qüenstedt^s
steht, besitzt sie nie mehr als 3 Rippen. In der sehr deutlich
ausgesprochenen Einsenkung zwischen Wulst und Flügeln können
auch manchmal neue Rippen entstehen ; ebenso gabelt sich nicht
selten eine der Wulstrippen auf halber Höhe der Schale gegen
die Stime zu, oder das umgekehrte Verhältniss, dass 2 Wulst-
rippen sich nahe am Stirnrande zu einer einzigen vereinigen,
findet statt. Dieselben reichen bis gegen den Wirbel hin.
Die Flügel sind mit 2, seltener mit 3 Rippen versehen» die
169
ebenso, wie diejenigen des Wulstes, scharfkantig sind. Da, wo
nur 2 Rippen vorhanden sind, sind sie beide gleich stark aus-
gebildet; wo ihrer hingegen 3 auftreten, ist die dem Wulste
zunächst gelegene stets die am stärksten ausgeprägte und die
mittleren sind oft kaum noch zu bemerken. Der Wulst selbst tritt
mit dem Alter immer mehr hervor, so dass die ausgewachsenen
Exemplare eine rundliche Form annehmen, was Quenbtedt ver-
anlasst hat, diesen den Namen j^gryphiticae pilulae'^ zu geben,
während er die flacheren Formen einfach j^gryphiticae^ und die
ganz jungen „gryphiticae juvenes^ nennt. — Somit besteht eine
vollständige individuelle Entwicklungsreihe von Bhynchonella
gryphitica juvenis durch RhynchoneUa gryphitica zu Rhyncho-
neüa gryphitica püula.
Unter den vielen hundert untersuchten Exemplaren dieser
Spezies habe ich keine einzige Bhynchonella gryphitica von der
Grösse der meisten Pe/u^a-Formen gefunden, wohl aber häufig
Entwicklungsformen, die es ermöglichten den allmäligen Ueber-
gang der einen in die andere Varietät genau nachzuweisen. —
Deshalb ist es wohl richtig, alle 3 Stadien der Entwicklung
unter dem einen Namen Bhynchonella gryphitica zusammen-
zufassen.
Die grosse Schale hat im Sinus, je nach Men Verhältnissen
im Wulste, 1 — 5 Rippen aufzuweisen. Desgleichen sind die
Flügel mit je 2, sehr selten mit je 3 Rippen versehen. Auch
diese sind scharfkantig und fast bis in die Wirbelspitze hinein
zu verfolgen. Der Schnabel ist spitz; die Verhältnisse des Del-
tidiums klar zu legen, gestattete der Erhaltungszustand der mir
zu Gebote stehenden Exemplare nicht. Die Arealkanten sind
ziemlich scharf, die Schlosslinie ist nur leicht gebogen. Die
Schalen sind sämmtlich in glänzenden Kalkspath umgewan-
delt, meistens innen hohl und mit zierlichen, sehr spitzen
Skalenoädern dieses Minerals erfüllt. Sie springen meist schon
170
bei einem leichten Hammerschlag aus dem sie umhQUendefi Ge-
stein heraus. *
Die Dimensionen der RhynchoneUa gryphitica yariiren
ebensosehr, wie jene der RhynchoneUa Deffneri Oppel. Die
Länge beträgt bei den ausgewachsenen Individuen ca. 13-— 14,
die Breite ca. 11 — 12 Millimeter. Abnorme, mehr breite als
lange Formen kommen auch vor, speziell bei ganz alten Exem-
plaren.
Auf die Beziehungen unserer Art zu andern und auf ihre Yer-
wandtschaflsverhaltnisse komme ich in einem der nächsten Abscbnitte
zu sprechen.
Vorkommen: Unterer Lias, o.
Unter-Elsass: Bucbsweiler (Bahneinschnitt), Zinsweiler
Mattenkuppe bei Oberbronn (L. S.); Ubrweiier (S. S.) (Gryphiten-
kalk).
Lothringen: Gheminot, Verny, Li'öhon, Sorbey-M6cIeuves,
Peltre, Grigy, Valli^res bei Hetz, St. Jure bei Metz, Kedingen
(Gryphitenkalk und ßrevisschichten). (L. S. — F. S.)
Nachbarländer: SchOnthal im Kanton Basel, Lehener
Berg bei Freiburg i. B. {6. S.) — Meri, Baltringen und Hassel
in Luxemburg (Gryphitenkalk). (L. S.)
An den hier citirlen Localitäten Lothringens sehr häufig, im Rlsass
seltener.
Als eigenthümliche Erscheinung sei noch hervorgehoben, dass die
Formen von Hassel, Baltringen und Merl in Luxemburg und die-
jenigen von Kedingen in Lothringen, also aus dem äussereten Nord-
westen, eine viel grossere Aehnlichkcit mit den schwäbischen Vorkomm-
nissen besitzen, als die Exemplare von den andern Localitäten.
171
Bhynehonella Sehimperi nov. sp.
Taf. n, Fig. 31—32. Taf. lU, Fig. 1—12.
Die kleine Schale hat 9 — 12, selten mehr Rippen, wovon
3 — 4 auf den Wulst kommen, der stark ausgeprägt und durch
eine tiefe Einsenkung von den Flügeln getrennt ist. In der
Einsenkung beobachtet man zuweilen eine nur schwach ange-
deutete, weitere Rippe, die fast nie an beiden Seiten zugleich
vorhanden ist, sondern meist nur an einer derselben auftritt.
— Mit der Zahl der Wulstrippen correspondirt auch die Zahl
derjenigen auf den Flügeln, so dass an Formen mit 3 Wulst-
rippen 3 Flügelrippen und an solchen mit 4 Rippen am Wulste
ebenso viele an jedem Flügel auftreten. Dieses ist die Norm, doch
kommen auch Exemplare mit 4 Rippen am Wulste, welche deren
nur 3 oder sogar nur 2 auf jedem Flügel besitzen und umgekehrt
solche mit 3 Wulstrippen und 4 Rippen an jedem Flügel vor.
Seltenheiten sind Formen mit 5 oder gar 6 Wulstrippen. In
diesem Falle weisen die Flügel nie mehr als 3 Rippen auf.
Oefters vereinigen sich auch 2 Rippen gegen den Stirnrand hin
zu einer einzigen; seltener dagegen ist es, dass eine Rippe sich
gegen den Stirnrand hin gabelt. — Beide Erscheinungen treten
nur an den Wulstrippen auf; in einem einzigen Falle konnten
zwei gegen den Stirnrand hin sich vereinigende Rippen auch
in der Einsenkung zwischen Wulst und Flügeln beobachtet
werden. Eine ganz eigenthümliche Ausnahme von der Regel
bildet das auf Taf. II, Fig. 31 abgebildete Exemplar aus der
Sammlung des Herrn Abb^ F&iben, das bei einem typisch aus-
gesprochenen Habitus unserer Spezies auf der oberen Hälfte
der Schale eine Berippung ähnlich gewissen Exemplaren der
BhynchoneUa rimosa Buch sp. zeigt.
Je grösser die Form wird und je geringer die Anzahl der
Rippen ist, desto scharfkantiger sind dieselben. Bei den brei-
172
terei) Exemplaren sind sie oft nur noch schwach angedeutet
und verlaufen auch nicht erst in der Wirbelgegend, wie bei den
scbarfkantigen Formen, Bondern schon auf der Mitt« der Schalen.
Die grosse Schale hat einen tief eingeschnittenen Sinus
mit 2—3 Rippen auf demselben; die demselben zunächst ge-
legene ist die kräftigste , die mittlere ist schon echwäcber und
die letzte oft nur ganz schwach ausgebildet. Unter dem ziemlich
auf die kleine Schale herabgebogenen, spitzen Schnabel liegt
das von einem umfessenden Deltidium begrenzte Foramen. Die
Arealkanten sind stets ^sefar scharf ; die Schlosshnie verläuft
gerade.
Die durchschnittliche Länge der typischen Exemplare be-
trägt 9-^12 Millimeter, die Breite meist ebenso viel. Mitunter
überwiegt die Länge auch die Breite um ca. 2 — 3 Millimeter.
Abnorme Büdaugen sind sehr häufig (cf. Tat III).
Bemerkensverth ist, dass unter dem Material, welches an
einem einzigen Morgen in Grigy gesammelt wurde, mehr als
20 Varietäten sicli vorfanden, von denen jede eine andere
Eigenthümlicbkeit zeigte.
Auf die verwaadtschafllichen Beziehungen zu andern Arten komme
icli weiter unten zu sprechen.
Vorkommen: Unterer LiaE, a.
BIsass: Mit Sicherheit nicht bekannt.
Lothringen: Peltre, Grigy, Valli6res, St. Jure bei Verny,
Kediugen (Brevisschichten). (F. S. — L. S.)
Sie tragt den Namen des um die geologieche WiggenschaR hoch-
verdienleo, jetzt verewigten Professors Dr. W. Schimper.
173
Mhynchonella nov. sp.
Taf. ni, Fig. 13.
Unter dem mir von Herrn Abb^ Fbiben zur Verfügung
gestellten Material befindet sich ein einziges Exemplar einer
ganz neuen Form, welches aus den Schichten des Belemnites
hrevis von Grigy stammt.
Die 4 Millimeter breite und kaum 6 Millimeter lange
Form ist auf der kleinen Schale mit 18 scharfkantigen, erst im
Wirbel verlaufenden Rippen versehen, von denen 4 den nicht
stark hervortretenden Wulst und je 7 die Flügel zieren. Die
kleine Schale ist viel stärker gewölbt als die grosse, bei
welcher die Rippen sich ganz ähnlich verhalten wie diejenigen
auf der kleinen. Der Sinus ist nur schwach entwickelt. Die
Arealkanten sind ziemlich scharf; der Schnabel ist kaum auf
die kleinere Schale übergebogen. Der Erhaltungszustand des
Exemplars erlaubte keine Beobachtungen betreffend des Del-
tidiums.
Bei dem geringfügigen, mir bisher zu Gebote stehenden Material
verzichte ich auf eine spezifische Benennung.
Die Verwandtschaftsverhältnisse der unterllasischen Arten unter sich
und ihre Beziehungen zu den mittelliasischen Arten.
Im unteren und mittleren Lias a treten, wie auf den vorhergehen-
den Seiten auseinandergesetzt wurde, zwei Formen von Rhynchonellen
auf, die Rhynchonella plicatissima Quenst. sp. und die RhynchoneUa
belemnitica Quenst. sp. Beide sind, wie schon bei der Beschreibung der
letzteren gesagt worden ist, durch Mitteiformen, wie sie Fig. 13—14 auf
Taf. I veranschaulichen, miteinander verbunden.
Bei Rhynchanella plicatissima Quenst. sp. besteht ferner ein Ueber-
gang nach Rhynchonella Schimperi nov. sp., indem Exemplare, wie
Taf. III, Fig. 8—9 sie zeigen, unverkennbar als Mittelformen zwischen
174
beiden aufzufassen sind. Es sind dies Formen, weiche die grOsste Aehn-
lichkeit mit den länglichen Typen. von Rhynchanella plicatissima^ wie
sie Qu£NSTEDT in seinen Brachiopoden, Taf. 37, Fig. 37 — 39, treffend
wiedergibt, zeigen. — Rhynchonella belemnitica besitzt unter den unter-
iiasischen Arten keine weiteren Verwandten-, erst in den Davceikalken
treten gewisse Formen der Rhynchonella triplicata Qüenst. sp. non
Phillips auf, zu weichen sie in naher Beziehung zu stehen scheint.
Schwer ist es, sich eine Vorstellung von den Beziehungen der
Rhynchonella Schimperi^ der Rhynchonella Deffneri und der Rhyncho-
nella gryphitica zu einander zu bilden.
Sicher zu konstatiren ist, dass alle drei Arten gleiche Jugend-
stadien haben. Von dieser Thatsache hat man jedenfalls auszugehen. Es
findet nun aber weiterhin nibht eine einfache Entwicklung in drei diver-
gente Reihen statt, sondern es wird die' Variabilität gleichzeitig neben-
einander vorkommender Formen eine so grosse, dass jeder Versuch, eine
leitende Form in dem Ganzen festzuhalten, auf die grOssten Schwierig-
keiten stösst.
Das erste Jugendstadium aller drei Formen ist ganz glatt. Erst
wenn die Schale eine gewisse Grösse erreicht hat, fängt die Fältelung
derselben an. Zunächst treten am Stirnrande drei feine Rippen auf;
dabei pflegt sich bei schwacher Entwicklung derselben die Wirbel-
spitze stärker zu krümmen, während bei stärkerer Rippenbildung der
Schnabel spitzer bleibt. Je nachdem nun der eine oder der andere
Fall eintritt, entstehen Formen, die zu Rhynchonella gryphitica und
Schimperi gestellt werden können, oder die zu Rhynchonella Deffneri
hinüber führen.
Wird die Rippenbildung gleich in der ersten Jugend eine starke,
so hat die Schale in den meisten Fällen eine Tendenz, mehr in die Breite
zu wachsen; dabei biegt sich die Wirbelspitze nach und nach um und
es entsteht die ächte Rhynchonella gryphitica* Entwickelt sich aus dem
Jugendstadium dagegen eine schlankere Form, so bleibt der Schnabel
spitzer, die Rippenbildung ist alsdann eine nur geringere und die Schale
wird zur Rhynchonella Schimperi.
Tritt dagegen der seltenere Fall ein, dass während des Wachs-
thums der Rhynchonella bei zunehmender Breite der Schale und ähn-
lichem Verhalten der Wirbelspitze, wie bei der Entwicklung der Rhyn-
chonella gryphitica^ die Rippenbildung entweder nicht mehr oder nur
175
sehr wenig zuaimmt, oder gar ganz fehlt, so erhalten wir eine als Rhyn-
chonella Deffneri zu hezeichnende Form.
In dieser Weise kann man sich die Entwicklung nach Reihen etwa
Yorstellen. Als Beispiele des Zusammenhanges der schon vorgeschrittenen
Formen unter einander mögen folgende angefahrt werden:
a) Der Zusammenhang von Rhynchonella Schimperi mit Rhyri'
■
chonella Deffneri,
Rhynchonella Schimperi nimmt eine rundliche Gestalt an, die
Rippen werden abgerundeter und verlieren ihre Schärfe, beschränken
sich dabei immer mehr und mehr auf die Stirngegend und verschwinden
daselbst zuletzt fast vollständig. Gleichzeitig hat sich die Wirbelspitze
Qbergebogen — nur in ganz seltenen Fällen findet das nicht statt — und
schliesslich sieht das letzte Exemplar der Uebergangsreihe ganz so aus,
wie Rhynchonella Deffneri und ist tlberhaupt nicht mehr von dieser zu
unterscheiden. Taf. I, Fig. 15—17 veranschaulicht einige Formen eines
solchen Uebergangs. Dieser kann nun bei Exemplaren aller Dimensionen
(ausser den ganz kleinen, jugendlichen) stattfinden und ist nicht auf eine
Altersstufe beschränkt. An den Habitus der Form ist er nicht gebunden,
denn man kann denselben sowohl an breiten, wie auch an schlanken
Exemplaren beobachten.
Ein sehr merkwtlrdiger Umstand wurde bei Grigy beobachtet.
Rhynchonella Schimperi und Rhynchonella Deffneri liegen dort zwar
in einem und demselben Bett, doch nicht mit einander vermischt, son-
dern strichweise gesondert. Auf der einen Seite des grossen Stein-
bruchs kann man viele hundert Exemplare der einen auflesen, ohne auch
nur ein Stock der anderen Art darunter zu finden und umgekehrt; an
anderen Stellen finden sich wieder nur Uebergangsformen. Ob dieser
Umstand nur localer Natur ist, konnte in Ermangelung ähnlicher, zu
diesen Beobachtungen tauglicher Profile, wie das von Grigy, noch nicht
festgestellt werden.
b) Der Zusammenhang von Rhynchonella Deffneri mit Rhyncho*
nella gryphitica.
Hier sind es hauptsächlich die breiteren Formen und wiederum
ganz unabhängig von der Grösse, an denen die Erscheinung besonders
auffallend zu Tage tritt. An länglichen Exemplaren der beiden Spezies
von ausgewachsenem Habitus konnte ich solche Uebergänge nicht nach-
weisQjd, wohl aber an den halb ausgewachsenen Individuen beider Arten ;
176
also an länglichen Jugendexemplaren der Rhynchonella gri^hüica und
an noch wenig gerundeten der Rhynchonella Deffneri^ nicht aber an
länglichen und alten GryphiticchFormen und stark gerundeten länglichen
Deffneri-Formen.
Während bei den jugendlichen Exemplaren, ähnlich wie bei Rhyn-
chonella Schimperi und Rhynchonella Deffneri durch Zu- oder Abnahme
der Rippenbildung und yerschiedene Ausbildung der Wirbelspilze der
Uebergang vollzogen wird, findet bei den erwachsenen Formen mit der
allmäligen Zunahme der Rippen auch eine Zunahme an Breite und Ab-
rundung statt (Taf. II, Fig. 20, 22, 25).
Eine eigenthQmliche Thatsache ist mir^ in dem schon genannten
Steinbruche von Grigy bei Metz aufgefallen. Es ist dort der oberste Gryphiten-
kalk aufgeschlossen und es gestattet dieser Umstand die mit einander
abwechselnden Lager von Kalk- und Mergelbänken sehr genau zu be-
obachten. In der zweilobersten Mergelbank liegen die typischen Deffneri-
Formen zu unterst; je höher man kommt und der darüber liegenden
kalkigen Schicht sich nähert, desto faltiger, Gryphitica-ikhulicheT werden
die Exemplare, bis in der Kalkbank selbst nur ächte Cryphitica-Formen
auftreten. In der obersten, über dieser Kalkbank liegenden Mergelschicht
treten zu unterst wieder diese schon erwähnten Uebergangsformen auf
und ganz oben haben dieselben sich wieder in ganz typische Rhyncho-
nella Z)e/fnm-Exemplare umgewandelt. — Ob dieser Umstand nur ein
Spiel des Zufalls ist, oder ob er erlaubt den Schluss zu ziehen, dass die
Beschaffenheit des Meeresbodens einen bestimmten Einfluss auf die Bil-
dung der Schalen der auf demselben lebenden Brachiopoden gehabt hat,
wird durch fortgesetzte Untersuchungen, besonders auch in andern Ge-
bieten, festzustellen sein.
Rhynchonella gryphitica und Rhynchonella Schimperi habe ich
noch nicht zusammen gefunden; directe Uebergänge lassen sich hier
nicht nachweisen, wenn auch einige sehr seltene Exemplare von Rhyn-
chonella Schimperi vorliegen, welche Aehnlichkeit mit gewissen Formen
der Rhynchonella gryphitica zeigen.
Ganz seltene Formen sind solche, wie sie Fig. 23, Taf. II zeigt. Ich
habe nur wenige Stücke dieser Art gesehen; sie sind der Wirbelbildung
nach zu Rhynchonella gryphitica, nach der Beschaffenheit des Wulstes
und der grossen Anzahl Rippen jedoch zu Rhynchonella plicatissima zu
stellen.
177
Fig. 31, Taf. II zeigt eine eigene Varietät der Rhynchonella Schimr
periy die vielleicht als eine Yorläuferin der Rhynchonella rimosa Buch sp.
der Davoeikalke anzusehen ist.
Unzweifelhaft werden sich noch manche andere Uebergänge unter-
liasischer Rhynchonellen nachweisen lassen. — Von weiteren Unter-
suchungen, zumal in anderem Gebiete, wird es abhängen, festzustellen,
welchen allgemeine Geltung zukommt und welche nur localer Natur sind.
Bei Vergleichen sind wir bisher beinahe allein auf Schwaben angewiesen,
da noch in keinem andern Gebiet die Beziehungen der Formen zum
Lager in so ausgezeichneter Weise hervorgehoben worden sind, wie das
dort durch Qdenstedt geschehen ist.
Mhynchanella rimosa Buch. sp. 1830.
Taf. III, Kg. 24—25.
1834. Buch. Ueber Terebratehi etc. pag. 42.
1832—34. ZiETEN. Versteinerungen Württembergs. Taf. 42. Fig. 5. pag. 56.
1836 — 39. RoEMER. Versteinerungen des norddeutschen Oolithengebirges.
pag. 39.
1843. QuENSTEDT. Flözgebirge Wtlrttembergs. pag. 184.
1849. d*Orbigny. Prodrome, vol. I. pag. 239.
1852. QuENSTEDT. Haudbuch. pag. 451. Taf. 36. Fig. 10—13.
1852. DAvmsoN. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 70. Taf. 14.
Fig. 6— 6 a.
1853. Oppel. Der mittlere Lias Schwabens, pag. 68.
1858. QuENSTEDT. Jura. pag. 139—141. Taf. 17. Fig. 18—21.
1859. Oppel. Jura. pag. 25.
1861. Oppel. Brachiopoden des unteren Lias. pag. 535 und 542. Taf. 12.
Fig. 2.
1863. OosTER. Brachiopodes des Alpes suisses. pag. 43.
1863. ScHLOENBACH. Der Eisenstein des mittleren Lias etc. pag. 552.
1867. QUENSTEDT. Haudbuch. 2. Auflage, pag. 540. Taf. 46. Fig. 10—13.
1871. Derselbe. Brachiopoden. pag. 54—57. Taf. 37. Fig. 102—117. 121.
1871. Brauns. Unterer Jura. pag. 442.
1878. Davidson. Supplement, pag. 189. Taf. 27. Fig. 10.
U. 18
178
Diese Spezies bekommt durch die starke Wölbung der
kleinen Schale ein kugeliges Aussehen. „Diese steigt schnell
auf, vom Schlosse weg, biegt sich aber noch vor der Mitte und
steigt nun weiter sehr sanft, fast horizontal, bis zum Scheitel.^
(Buch, Ueber Terebräteln etc. pag. 42.) Der Wulst trägt
3 — 4 gebogene, ziemlich scharfkantige Rippen. Nur 2 Wulst-
rippen, wie das Davidson an einer englischen Form beobachtet
hat (Davidson, Supplement, pag. 189. Taf. 27, Fig. 10),
kommen bei den mir zu Gebote stehenden Formen nie vor
(Taf. II, Fig. 31).
Die Einsenkung zwischen Wulst und Flügeln ist nur ge-
ring; letztere sind in den gewöhnlichen Fällen mit 4, selten
mit 5 Rippen versehen, von denen stets die nächst der Ein-
senkung am stärksten ausgebildet ist. Alle diese Rippen auf
der kleinen Schale sind nun mit nur wenig Ausnahmen gegen
den Wirbel hin gespalten, und zwar so, dass die Spaltung in
der Höhe des ersten Drittels der Schale, vom Scheitel an ge-
rechnet, beginnt. Die so entstehenden feinen Streifen sind bis
zum Wirbel hin zu verfolgen.
Die grosse Schale ist sehr stark auf die kleine herab-
gebogen, so dass weder Foramen noch Deltidium zu sehen sind.
Die Schlosslinie ist nur in der Mitte etwas gekrümmt, sonst ganz
gerade. Die Arealkanten sind scharf; der Sinus ist „breit und
flach« (Buch).
Länge ca. 6 — 7 Millimeter, Breite ebenso viel.
Qu£NST£DT hat Verschiedene Varietäten geschieden, so Rhyncho-
nella rimosa oblonga, Rhynchonella rirnosa multiplicata u. s. w.,
Unterschiede, die an unsern Formen nicht festzuhalten sind.
Bezüglich der Verwandtschaftsverhältnisse siehe weiter unten.
Vorkommen: Mittlerer Lias, y.
Unter-Elsass: Barr (L. S.); Bberbach (L. S.) (Davoeikalk);
Mühihausen (L. S.) (diluvial).
179
Lothringen: Solgne (Dayoeikalk); Malroy bei Metz (Numis-
malismergel). (L. S.)
Bh/ynchoneUa fwrcUlata Theod. sp. 1834.
Taf. m, Fig. 14, 19 -"20.
1834. Buch, lieber Terebrateln etc. pag. 43.
1836—39. RoBMER. Norddeutsches Oolithengebirge. pag. 30. Taf. 13. Fig. 2.
1848. Bronn. Index palaeontologicus. pag. 1237.
1849. d'Orbigny. Prodrome, vol. I. pag. 239.
1852. QuENSTEDT. Handbuch. pag. 452. Taf. 36. Fig. 14. Rhynch(h
nella fimbria Sow. sp. z. Thl.
1852. Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag.69. Taf. 14.Fig.2 — 5.
1853. Oppel. Mittlerer Lias. pag. 68. Rhynchonella ßmbria Sow. sp.
z. Thl.
1858. Quenstedt. Jura. pag. 141. Taf. 17. Fig. 31—33. (34—36?)
1858. Oppel. Jura. pag. 125.
1863. ScHLOBNBAGH. Der Eisenstein des mittleren Lias etc. pag. 553.
1863. OosTER. Brachiopodes des Alpes suisses. pag. 42—43.
1864. Seebagh. Hannoverischer Jura. pag. 23.
1867. Quenstedt. Handbuch. 2. Aufl. pag. 540. Taf. 46. Fig. 14.
1871. Quenstedt. Brachiopoden.pag.61.Taf.37.Fig.l27— 143.(138— 143?)
1871. Brauns. Unterer Jura. pag. 443.
1878. Davidson. Supplement, pag. 189. Taf. 27. Fig. 1—3.
Die kleine Schale ist ziemlich gewölbt und steigt gleich
unter dem Wirbel an , geht dann aber in einer fast geraden
Linie zur Stirn, wo sie mit einem ziemlich starken Wulste, der
3 — 4 Rippen, selten deren 5 trägt, versehen ist. Dieselben sind,
wie die 2 — 3 Flfigelrippen auf jeder Seite, ziemlich scharf-
kantig. Die grosse Schale hat einen breiten Sinus, der je nach
der Beschaffenheit des Wulstes 2 — 4 Rippen besitzt 2 — 3
Rippen, von denen die dem Sinus zunächst Hegende stets
die stärkste ist, erheben sich auf jedem Flägel. AUe diese
Rippen nun, sowohl die auf der grossen, als auch diejenigen
180
auf der kleinen Schale, brechen auf der Höhe des ersten Vier-
tels derselben, vom Stirnrande an gerechnet, plötzlich ab und
spalten sich in je 3 sehr feine, bis in die Wirbelspitze hinein
verlaufende Streifen, „so dass es aussieht, als wäre jede Schale
mit einem kleineren eng gestreiften Plättchen belegt^ (Buch,
Ueber Terebrateln. pag. 43).
Beide Schalen weisen kräftige Anwachsstreifen auf. Der
Schnabel ist spitz und ragt frei hinaus; die Arealkanten sind
sehr scharf, das Deltidium umfasst das Foramen, die Schloss-
linie ist gebogen.
Die vorliegenden Exemplare sind breiter, als lang; die
Breite beträgt 15—16, die Länge 11—13 Millimeter. Doch
sind auch Fälle beobachtet, in denen die Länge der Breite
gleichkommt. Ein abnormes Exemplar aus der Sammlung des
Herrn Abb6 Fbiben in Metz ist sogar 18 Millimeter breit und
16—17 MüUmeter lang (cf. Taf. IH, Fig. 20).
Bezüglich der Beziehungea zu anderen Arten, siehe weiter unten.
Vorkommen: Mittlerer Lias, y.
Unter-Elsass: Eberbach, Zinsweiler (Davoeikalk); Mohl-
hausen (diluvial). (L. S.)
Lothringen: Haute- und Basse-Bövoie bei Metz (Davoei-
kalk). (F. S.)
Mh/ynchonella OQOynoti Qüenst. sp. 1862.
Taf. m, Fig. 21—22.
1852. QuENSTEDT. Handbucli. pag. 451. Taf. 36. Fig. 4—5.
1853. Oppel. Mittlerer Lias. pag. 67.
1858. QuENSTEDT. Jura. pag. 107. Tat. 13, Fig. 22—».
1859. Oppel. Jura. pag. 108.
1867. QUENSTEDT. Handbuch. 2. Aufl. pag. 539. Taf. 46. Fig. 4—5.
1871. Derselbe. Brachiopoden. pag. 41. Taf. 37. Fig. 53, 60—81.
1878. Davidson. Supplement, pag. 210. Taf. 28. Fig. 37—38.
181
Diese Spezies ist bis jetzt in Elsass-Lothringen nicht mit Sicher-
heit nachgewiesen worden. Bei Hairoy, nördlich von Metz, finden sich
in den Numismalismergehi einige seltene verkieste Formen, welche
wohl zu Rhynchonella oxynoti gehören können, deren Erhaltungszustand
aber leider nicht festzustellen erlaubt, ob man es hier mit ächten
Oxynoten oder mit jungen Rimosen zu thun hat.
Die unzweifelhaft mit der schwäbischen genau stimmende Form,
fiadet sich nur an einem Punkte des Rheinthals, der hier mit aufgefahrt
werden mag, nemlich zwischen Zentern und Oestriogen bei Langen-
brücken, in verkiestem Zustande, mit Am. Jamesoni im mittleren Lias
(Numismalismergel).
MhynchoneUa caidcosta Quensst. sp. 1862.
Taf. I, Fig. 11.
1852. QuENSTEDT. Haudbuch. pag. 451. Taf. 36. Fig. 6—9.
1853. Oppel. Mittlerer Lias. pag. 67.
1858. Quenstedt. Jura. pag. 138. Taf. 17. Fig. 16—17.
1865. Terquem et Piejte. Lias infärieur de FEst de la France, pag. 114.
1867. Quenstedt. Handbuch. 2. Aufl. pag. 540. Taf. 46. Fig. 6—9.
1869. DuMORTiER. Döpöls jiirassiques du bassin du Rhone, pag. 152.
1871. Quenstedt. Brachiopoden. pag. 51 und folgende. Taf. 37. Fig. 82
bis 91. 122.
1871. Brauns. Unterer Jura. pag. 439.
1875. Lepsius. Beiträge zur Kenntniss der Juraformation etc. pag. 17.
1878. Öavidson. Supplement, pag. 220. Taf. 28. Fig. 24—33.
Die kleine Schale ist mit 10 — 11 scharfkantigen Rippen
versehen, wovon 2 — 3 den stark ausgesprochenen Wulst bilden.
Ple grosse Schale hat einen tief eingeschnittenen Sinus,
der 1 — 2 Rippen trägt. Sämmtliche Rippen beider Schalen laufen
bis in'' den Wirbel hinein. Der spitze Schnabel ragt meist weit
hinaus, nur in selteiien Fällen ist er an die kleine Schale an-
gedrückt. Das Deltidium ist discret, die Arealkanten sind scharf,
die Schlosslinie verläuft gerade.
182
Die Form wird 8 Millimeter lang und ebenso breit. Bei
den grossen Exemplaren ist die Wölbung der Schale nur gering,
die kleineren jedoch neigen zur Kugelbildung.
Verhältniss zu anderen Arten. Verwandt ist diese Spezies mit
Rhynchonella curviceps Quenst. sp., worauf wir bei Besprechung dieser
Art noch zurückkommen werdeQ. — In Lothringen fehlt die ächte Rhyn-
chonella calcicosta bis auf einige zweifelhafte Formen, doch führen
sie Terquem und Pibtte aus den Schichten des Amm, bisulcatuLs von
Jamoigne (Meurthe-et-Moseüe) auf. Gewisse Formen der Rhynchonella
Schimperi (pag. 11) haben aber grosse Aehnlichkeit mit der achten
Rhynchonella calcicosta und liegt deshalb wohl die Yermuthung nahe,
dass diese erstere Art yielleicht die Rhynchonella calcicosta in Loth-
ringen vertritt.
Vorkommen: Mittlerer Lias, y.
Ober-Elsass: Reichen weier. (L. S.)
Unter-Elsass: Bossendorf. (L. S.)
Lothringen: StQckingen. (L. S.)
(Davoeikalk).
Mhynchonella rostellata Quenst. sp. 1871,
Taf. m, Fig. 26—31.
QuENSTEDT Stellt Rhynchonclla rostellata als eigene Spezies auf;
nach den Blsass-Lothringer Vorkommnissen scheint es aber mehr, als
handle es sich nur um jugendliche Formen gewisser Entwicklungen der
nachher zu besprechenden Rhynchonella triplicata Quenst. sp. (non
Phillips).
Der vollständige Nachweis fQr diese Behauptung lässt sich jedoch
noch nicht stricte fahren, da die nöthigen Beobachtungen an Ort und
Stelle noch fehlen.
Heine Vermuthuog stutzt sich lediglich auf das Material, welches
mir Herr Abbä Friren gütigst zur Verfügung stellte.
Bis 8 Millimeter lang und ebenso breit werdend. Die
kleine Schale ist meist sehr bauchig und ^war liegt die grösste
183
Wölbung direct unter dem Wirbel. Beide Schalen sind je mit
8—9 Rippen versehen. 2—3 derselben bilden auf der kleinen
Schale einen ziemlich ausgesprochenen Wulst, der durch eine
tiefe Einsenkung von den Flügeln getrennt wird. Letztere sind
mit je 3 Rippen versehen, wovon die dem Wulste zunächst
liegende die ausgesprochenste ist.
Die grosse Schale hat einen tief eingeschnittenen Sinus;
die Anzahl der auf ihm stehenden Rippen beträgt entsprechend
der Zahl der Wulstrippen 1 — 2. Der Schnabel ist mehr oder
weniger stark auf die kleine Schale angedrückt. Von Foramen
und Deltidium ist nichts zu sehen. Die kaum bemerklichen
Arealkanten sind nur sehr wenig scharf. Die Schlosslinie ver*
läuft gerade.
Die W^irbelgegend ist auf beiden Schalen ganz glatt; mit
zunehmender Grösse der Form reichen jedoch die Rippen immer
höher hinauf und der Schnabel wird im Allgemeinen freier, bei
manchen Exemplaren, speziell bei denjenigen, die grössere Nei-
gung zum Rundlichwerden zeigen, bleibt derselbe aber auch
angedrückt. Auf der grossen Schale bildet sich in der Wirbfei-
gegend ein „Schnabelkiel", wie es Quenstedt nennt (cf. Taf. III,
Fig. 28 6).
Verhältniss zu anderen Arten. Die eben beschriebene Form
findet sich stets mit Rhynchonella triplicata Quenst. sp. zusammen.
Junge Exemplare dieser letzteren Art findet man nun auffallender Weise
nicht, auch nicht bei sehr häufigem Vorkommen ausgewachsener Indi-
viduen. Man kann die kleinsten Triplicaten an die grOssten Rostellaten
anschliessen, zumal letztere meist einen freier hinausragenden Schnabel
und stärker ausgebildete, bis in den Wirbel hinein verlaufende Rippen
besitzen, wie es Rhynchonella triplicata zukommt Es ist in der That
sehr schwer, eine grosse Rhynchonella rostellata von einer Rhynchonella
triplicata mittlerer Grösse zu unterscheiden, wie dies Quenstedt an-
deutet, cf. Brachiopoden. pag. 53 : «Dagegen treten unüberwindliche
Schwierigkeiten ein, sowie man die scharfe Grenze feststellen will.»
184
Vorkommen: Mittlerer Lies, y-
Unter-EIsass: WOrth, Eberbach (Davoeischichteo). (L. S.)
Lothringen: Solgne, Haute- und Basse-B^voic bei Metz»
Monterchen, Schell (Davoeikalk). (L. S. — F. S.)
Mhynchonella triplioata Qüenst. sp. 1871 (non Phillips).
Taf, I, Fig. 22—24, 26—31. Taf. UI, Fig. 32, 34, 36—37.
1871. QuENSTEDT. Brachiopodeu. pag. 70 und folgende. Taf. 37. Fig.
176-183. Taf. 38. Fig. 1—22.
1858. Derselbe. Jura. pag. 141. Taf. 17, Fig. 27—29. Rhynchonella
variabilis. Sghl. sp.
Non! Rhynchonella triplicata Phill. 1843. Qüenstedt. FlOzgebirge.
pag. 136 und Rhynchonella triplicata .Quenst. sp. 1852.
Handbuch, pag. 451. Taf. 36. Fig. 1, und 2. Aufl. pag. 539.
Taf. 46, Fig. 1.
Es sind wohl in der ganzen Nomenclatur der fossilen Brachiopoden
keine Namen so sehr missbraucht worden, als gerade die Bezeichnungen :
€ Rhynchonella triplicata i^ und •Rhynchonella variabilis ti^ , Beide sind
so oft sowohl fdr ein und dieselbe, als auch für die allerverschiedenslen
Formen angewandt worden, dass es wohl gut sein wird, durch eine ge-
treue Darstellung der Sache etwas Klarheit in die bestehende Verwirrung
zu bringen.
Die erstere Bezeichnung •Rhynchonella triplicata* wurde zuerst
▼on Phillips in seiner Geology of Yorkshure I. pag. 134. Taf. 13.
Fig. 22 aufgestellt und zwar fQr eine Spezies aus dem mittleren Lias,
die, wie Datidson nachgewiesen hat, identisch ist mit Rhynchonella
variabilis Sohl, sp., d. h. mit denjenigen Formen, die eben Davidson
unter dieser Benennung zusammengefasst hat. Gf. Davidson, Oolitic
and IJasic brachiopoda. pag. 79. Taf. 15. Fig. 8—10. Taf. 16. Fig. 1—6.
QuBNSTEDT hat in seinen verschiedenen Werken eine und dieselbe
Art mit den verschiedensten Namen und dann wieder ganz verschie-
dene Formen mit gleicher Bezeichnung belegt. So redet er in seinem
185
Handbuch 1852. pag. 451. Taf. 36. Fig. 1 yon einer Rhynchonella tri-
plicata aus dem unteren Lias (cf. Rhynchonella gryphitica Quenst. sp.
pag. 8), indem er dazu bemerkt tdie yon Phillips gehört einer höher
liegenden Form an». — Also dieselbe Benennung f&r Verschiedenes
und eine Rhynchonella triplicata Quenst. sp. neben einer Rhyncho-
nella triplicata Phill. sp. ! In dem 1858 erschienenen Jura be-
nannte er eben diese Rhynchonella triplicata Phill.: ti Rhynchonella
variabilisM, meint aber die ZiSTEN'sche Form damit, nicht die Schlot-
HEIMS (ZiETEN. Versteinerungen Württembergs. Taf. 46. Fig. 2.), denn
er sagt: «Ob Sghlotheim an diese mitgedacht hat, kann nicht mehr
ermittelt werden.» — In der 2. Auflage des Handbuchs 1867 lässt er diese
Ansicht wieder fallen und behält die schon in der 1. Auflage desselben
Werkes aufgestellte Benennung bei
In seinen Brachiopoden 1871, pag. 70 kommt er nochmals auf
den Namen m Rhynchonella triplicata it zurück, indem er denselben
als gleichbedeutend mit Rhynchonella variabilis Sghl. sp. in Davidson*s
Sinne ansieht. Er sagt dabei: cDesshalb sollte man über den Namen
nicht streiten und nicht den alteren, sondern den besseren an die
Spitze stellen. » Vorher heisst es 1. c. : « Wir sind endlich in die günstige
Lage gekommen, dass über die Sache kaum noch Zweifel obwalten
kann», eine Ansicht, der ich mich leider nicht anschliessen kann.
Das Schwanken in der Auffassung bei einem so feinen Beobachter
wie QuENSTEDT beweist eben die gewaltige Formenmannigfaltigkeit der
unterliasischen Rhynchonellen. Entweder muss man aber eine Bezeich-
nung mit sehr weiter Grenze annehmen, oder man muss die einzelnen
Formen durch Namen fixiren, auch dann, wenn Letzteres nur ein zeit-
weiliger Nothbehelf sein sollte.
Das, was Quenstedt in seinen Brachiopoden 1871 Rhynchonella
variabilis benennt, ist, wie mir scheint, nicht identisch mit der Rhyn-
chonella variabilis Datidson*s. Die kleineren Formen, welche dieser Autor
Taf. 15. Fig. 8—10 in seinen Oolitic and liasic brachiopoda etc. ab-
gebildet hat, stimmen zwar mit den Exemplaren, die Quenstedt als
Triplicaten auffasst, vollständig überein, allein es ist mir zweifelhaft,
ob diese ersteren Formen und diejenigen auf Taf. 16. Fig. 1^6 zu-
sammengeworfen werden dürfen, wie das Davidson thut. Letzterer sagt
übrigens selbst pag. 80, indem er von Fig. 8—10 auf Taf. 15 redet:
f Ihey are exceptions to the ^eneral form,»
186
Anmerkung. Ich habe die englischen Exemplare freilich nicht
gesehen und urtheile nur nach der Sachlage in Elsass-Lothringen, wo
die eigentliche Vertreterin der englischen VariabiliS'¥ormen im Lias S
liegt (cf. pag. 31 Rhynchonella Delmensis nov. sp.), während diejenigen
Formen, die mit Quenstedt's Triplicaten-Typen stimmen, tiefer liegen,
kleiner sind und mit den Exemplaren ans den Gostatusschichten nicht
verwechselt werden können. Leider gibt Davidson nicht an, ob Fig. 8—10
auf Taf. 15 aus tiefer liegenden Schichten, als die grossen Formen auf
Taf. 16 stammen, wie ich nach dem Vorkommen in Elsass-Lothringen
habe geglaubt annehmen zu dürfen.
Spater wird es wohl nOthig sein, den hier zu beschreibenden
Formen einen andern Namen zu geben, da die Bezeichnung o Rhyncho-
nella triplicata^ ans den oben angeführten GrQnden unhaltbar ge-
worden ist. Bei meinem immerhin local beschränkten Materiale wollte
ich dies jedoch selbst nicht thun.
Uebrigens sind Formen mit 2 oder 4 Wulstrippen ebenso hänfig
wie solche mit 3, wodurch der Name ohnehin bedeutungslos und
falsch wird.
Auch die Bezeichnung •Rhynchonella variabilis* Sghl. sp. ist
nicht beizubehalten, denn es ist, wie es von verschiedenen Seiten schon
hervorgehoben wurde, unmöglich, genau festzustellen, was der Autor
dieser Spezies darunter verstanden wissen wollte. Er begreift unter
diesem Namen Formen aus den verschiedensten Formationen, ja sogar
aus dem Zechstein! (Gf. Schlothedh, Petrefactenkunde etc. pag. 267
und die Abbildungen hiezu in Leonhard, Taschenbuch etc. Bd. 7,
2. Abtheilung. Taf. 1. Fig. 4 a— c.)
Eine Beschränkung des Namens auch jener Formen mag für
England thunlich sein, in Deutschland jedoch ist sie nicht durchführbar,
da hier auch innerhalb der Formationen zu verschieden Gestaltetes und
IQ verschieden Altes zusammengeworfen wurde. Cf. A. o*Orbigny (Pro-
drome. 1849. vol. 1. pag. 259); Zieten (Versteinerungen Württembergs,
pag. 57. Taf. 42. Fig. 6); Oppel (Jura. pag. 108 und 187); Quenstedt
(Handbuch 1852. pag. 451. Handbuch 1867. 2. Aufl. pag. 539. Jura.
1858. pag. 140 und pag. 73. Brachiopoden. pag. 43, an welcher Stelle
er sagt: lich hüte mich wohl, sie mit irgend einer bestimmten Form
ideotificiren zu wollen.»)
187
Die Form ist durchschnittlich 12 Millimeter breit und
ebenso lang. Die massig gewölbte kleine Schale ist mit einem
von 2 — 4, ganz selten 5 scharfkantigen Rippen gezierten Wulste
versehen. Jeder Flügel ist mit 3—4 Rippen versehen, wovon
die dem Wulste zunächst liegende die stärkste ist. Alle Rippen
auf beiden Schalen verlaufen bis in den Wirbel.
Der Sinus der grossen Schale ist nur wenig tief und die
in demselben stehenden Rippen sind ebenso scharfkantig, wie
diejenigen des Wulstes der kleinen Schale. Der Schnabel ist
spitz und ziemlich übergebogen; das Deltidium ist discret und
das Foramen von mittlerer Grösse. Die Arealkanten sind scharf;
die Schlosslinie ist anfangs nur wenig gebogen und verläuft
alsdann ganz gerade.
Abnormitäten, wie Taf. I, Fig. 22 solche zeigt, kommen
nicht selten vor.
Von den verwandtschaftlichen Beziehungen zu anderen Arten wird
weiter unten die Rede sein.
QuENSTEDT bat Verschiedene Varietäten unterschieden, deren Aus-
eioanderhaltung für unsere Verhältnisse nicht praktisch erscheint. Di-
chotomie der Wulstrippen scheint bei unseren Exemplaren seltener zu
sein, als bei den schwäbischen, ebenso Ansteigen derselben am Stirn-
rande (QüENSTEDT, Brachiopoden. pag. 71).
Bez. der Jugendstadien dieser Spezies, cf. Rhynchonella rostellata
QüKNST. sp. pag. 22.
Vorkommen: Mittlerer Lias, y.
Elsass: MQhihausen (diluvial). (S. S.)
Lothringen: Haute- und Basse-B^voie bei Metz. (F. S.)
Solgne und Gheminot. (L. S.) (Davoeikalk.)
Nachbarländer: Rnttehardt bei Basel. (6. S.)
188
ShynchoneUa eurviceps Quenst. sp. 1868.
Taf. I, Fig. 24—28, 30. Taf. m, Fig. 32—36. 38—42.
1858. QuENSTEDT. Jura. pag. 138. Taf. 17. Fig. 13—15.
1852. QuENSTEDT. Handbuch. pag. 452. Taf. 36. Fig. 30. Rhynchonella
tetraädra Sow. sp.
1863. SCHLOENBAGH. EiseosteiD des unteren Lias etc. pag. 552.
1867. QuENSTEOT. Handbuch. 2. Aufl. pag. 541. Taf. 46. Fig. 30. Rhyn-
chonella tetraädra. Sow. sp.
1870. Greppin. Jura bernois. pag. 241.
1871. QuENSTEDT. Brachiopodeu. pag. 57 und folgende. Taf. 37. Fig. 118
bis 120. 160.
1871. Brauns. Unterer Jura. pag. 439.
1875. Lepsius. Beitrage zur Kenntniss der Juraformation etc. pag. 17.
Die beiden Schalen tragen je 14—16 Rippen; 5—6 da-
von kommen bei der kleinen Schale auf den Wulst; diese sind
scharfkantig, während die Flügelrippen mehr oder weniger ab-
gerundet sind. Die Rippen verlaufen auf beiden Schalen bis in
den Wirbel hinein.
Die grosse Schale hat einen breiten, meist nur wenig
tiefen Sinus, dessen Rippen weit gegen die des Wulstes hin
vorgreifen. Diese letzteren selbst sind an der Sürne sehr stark
äbergebogen, was der Form ihr charakteristisches^ rundliches
Aussehen gibt. Exemplare mit zusammengedrücktem Sinus, wie
sie QuEKSTEBT, Brachiopoden. pag. 58 erwähnt, kenne ich aus
Elsass-Lothringen nicht. Der Schnabel ist bei den rundlichen
Formen sehr auf die kleine Schale angedrückt, bei den jungen
Exemplaren ragt er noch frei hinaus. Das Foramen ist klein,
das Deltidium discret ; die Arealkanten sind scharf, die Schloss-
linie ist leicht gebogen.
Die Jugendstadien zeigen oftmals eine merkwürdige Aehnlichkeit
mit gewissen Formen der Rhynchonella calcicosta und ist es wohl nicht
189
UDwahrscheinlich, dass so Manches, was als Rhynchonella calcicosta auf-
geführt wird, zu Rhynchonella curviceps zu rechnen ist. Die ganz
typischen Jugendformen von Rhynchonella curviceps zeigen schon frUh
die scharfen Wulstrippen und deren Tendenz, sich am Stimrande üher-
zubiegen. Erst wenn etwa zwei Drittel der Grösse erreicht sind, wird
das Ueberbiegen deutlich und dann beginnt auch der Schnabel sich auf
die kleine Schale herabzubiegen.
Verhältniss zu anderen Arten. Brauns will diese Art mit Rhyn-
chonella calcicosta Qüenst. sp. vereinigen, eine Ansicht, der ich nicht
beipflichten kann, da die typischen Calcicosta-Formen von den ächten
Cvmceps-Exemplaren so verschieden sind, dass ein Zusammenwerfen
beider Spezies nicht recht thunlich erscheint.
Wie schon bei Rhynchonella calcicosta und weiter oben ange-
deutet wurde, gibt es allerdings Uebergänge, welche Quenstedt grOssten-
theils bei Rhynchonella calcicosta unterbringt. Für unsere Formen halte
ich es aber für richtiger, sie zu Rh/ynchonella cibrviceps zu stellen.
Blit dem Namen •curviceps^ bezeichnet übrigens Quenstedt nicht aus-
schliesslich eine bestinmite Form, sondern auch Exemplare anderer
Spezies aus gleichen Horizonten, die teinen übergebogenen Gipfel des
Bauchschalenwulstes und eine ungewOhnUch hohe Stirnansicht» besitzen
(Brachiopoden. pag. 58). Er spricht daher von einer Rhynchonella rimosa
curviceps^ einer Rhynchonella amalthei curviceps^ etc.
Für unsere Verhältnisse ist ein solches Verfahren nicht einzuhalten;
ich glaube alle diejenigen Formen, welche die oben besagten Verhält-
nisse am Wulste aufweisen, unter (einer Bezeichnung zusammenfassen
zu müssen.
Rhynchonella curviceps in unserem Sinne ist sowohl mit Rhyn-
chonella amalthei als auch mit Rhynchonella triplicata Quenst. sp. ver-
wandt. Man kann ihre Entwicklung von den ersten Jugendstadien an
und ihr allmäliges Uebergehen in die letztgenannte Art leicht ver-
folgen. Es fehlen aber in Elsass-Lothringen alle solche Formen, die bei
einer Wulstbildung, wie sie Rhynchonella curviceps aufweist, doch noch
die Bigenthümlichkeiten einer Rhynchonella rimosa oder Rhynchonella
amalthei haben.
Mehrfach ist auch Rhynchonella curviceps mit Rhynchonella
tetraedra vereinigt worden. Quenstedt hat aber bereits darauf hinge-
wiesen, dass die englischen Autoren mit dem Namen •Rhynchonella
190
tetraädra» sehr Verschiedenes sa bezeiduieQ scheinen, indem sie diese
Art ans dem mittleren Lias bis in den Inferior Oolite reichen lassen
(DAvmsoN, Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 95). Bs ist ferner
nicht ausser Acht in lassen, das Rhynchonella tetraidra in England
bedeutend grosser wird, als Bhynchonella curviceps bei uns (Quemstedt,
Brachiopoden. pag. 58^ Möglicher Weise sind die unten als Rhynchonella
Rosenbuschi nov. sp. bexeichneten Formen Vertreter der grossen englischen
liasischen Rhynchonella teiraedra. Es bleibt noch festzoslellen und
des Weiteren zu erOrtem, ob jene kleinen Formen der Rhynchonella
Rosenlmschi aus den Schichten des Ammonites costatus^ Ton denen bei
der Beschreibung dieser Art die Rede sein wird und wie sie Fig. II,
Taf. IV. leigt, nicht etwa den üebergang ron Rhynchonella curviceps
nach Rhynchonella Rosenbuschi noT. sp. yermitteln.
Vorkommen: Mittlerer Lias, y.
Unter-Elsass: Eberbach und BossendorL (L. S.) (DaToei-
schichten.)
Lothringen: Haute- und Basse-Bövoie bei Metz. (F. S.)
Monterchen, Gheminot, Luppy, Solgne. (L. S.) (Daroeikalk.)
Mhyn^uynella amaUhei Quenst. sp» 1862.
Taf. I, Fig. 12, 18—21.
1852. OtKNSTEDT. Handbuch, pag. 453. Taf. 36. Fig. 17.
1853. Oppel. Mittlerer Lias. pag. 69.
1858. QuENSTEDT. Juia. pag. 177. Tif. 22. Fig. i.
1859. Oppel. Jura. pag. 189.
1871. QuENSTEDT. Brachlopodeu. pag. 65. Tat 37. Fig. 154—161.
1871. Brauns. Unterer Jura. pag. 441. Rhynchonella teiraedra Sow. sp.
I. Tbl.
1878. Davtoson. Supplement pag. 201. Taf. 28, Flg. 18—21.
Die ausgewachsenen Exemplare sind ca. 8 Millimeter hing
und 11 Millimeter breit Die ziemlich gewölbte kleine Schale
ist mit 25 — 30 Rippen Teisehen, wovon 4 — 5 den stark aus-
gesprochenen Wulst lieren. Diese sind bedeutend schixfer ans-
191
gebildet, als diejenigen auf den Flügeln, deren äusserste nur
noch als feine Streifen wahrnehmbar sind. Dieser Umstand ist
für unsere Spezies charakteristisch.
Die grosse Schale ist mit einem breiten und nur wenig
tiefen Sinus versehen. Auch hier sind die Sinusrippen bedeutend
stärker entwickelt, als diejenigen auf den Flügeln. Alle Rippen
reichen auf beiden Schalen bis in die Wirbelgegend; nur bei
wenigen Exemplaren bleibt dieselbe glatt. Der Schnabel ist spitz
und ziemlich auf die kleine Schale übergebogen. Die Arealkanten
sind scharf, das Deltidium ist discret und begrenzt ein Foramen
von mittlerer Grösse. Die Schlosslinie verläuft fast ganz gerade.
Bezüglich der Verwandtschaften und Beziehungen zu anderen Arten
siehe weiter unten.
Vorkommen: Mittlerer Lias, y*
Unter-Elsass: Silzklamm bei Uhrweiler, Merzweiler. (L. S.)
(Gostatusschichten.)
Lothringen: Bis jetzt noch nicht gefunden.
Nachbarländer: Athus in Belgien (Gostatusschichten); Hoppe
hei Beifort (Margaritatusschichten). (L. S.)
RhynchoneUa Delmensis nov. sp.
Taf. IV, Fig. 1—9.
1851 — 55. Chapüis et Dewalque. Terrains secondaires du Luxembourg.
pag. 248—250. Taf. 36. (Fig. 5. a—k. non /— n.) Rhyn-
chonella variabilis Sohl. sp.
Die Formen, welche ich unter diesem neuen Namen einfahre, ge-
hören zu dem Kreise der Rhynchonella variabilis und triplicata der
verschiedenen Autoren. Als Rhynchonella variabilis speziell bildeten sie
Ghapuis und Dewalque ab. Das mir vorliegende Material gestattet eine
ganz bestimmte Entwicklungsreihe von der jugendlichen bis zur ausge-
wachsenen Form zu verfolgen. Eine besondere Benennung schien mir
192
daher, abgesehen von dea bei Rhynchonella triplicatüy pag. 24 ange-
führten Gründen, umsomehr am Platze, als es sich nach meinen bi&-
herigen Erfahrungen um ein beinahe ausschliesslich lothringisches Vor-
kommen handelt.
Die Form gleicht im Allgemeinen der Bhynchoneüa varia-
hüis bei Davidbok, Oolitic and liasic brachiopoda. Taf. 16,
Fig. 1—6 (nicht Fig. 2 und 20). Die kleine Schale ist mit
einem 3 — 4 kräftige und scharfkantige Bippen tragenden Wulste
versehen. In ganz seltenen Fällen sind 5 Wulstrippen vorhanden;
seltener nur 2 oder gar blos 1, dann aber sehr stark hervortretende
Rippe am Wulste. (Taf. IV, Fig. 1, 2, 3, 7, 8.) Die Flügel
weisen ebenfalls je 3 — 4 Bippen auf und zwar ist die dem
Wulste zunächst gelegene die schärfste. In der den Wulst von
den Flügeln trennenden Einsenkung sind öfters 2 — 3 ganz
schwach angedeutete Bippen wahrnehmbar. Sämmtliche Bippen
reichen bis etwas über die Mitte der Schale gegen den Wirbel
hin, aber so, dass dieser ganz glatt bleibt. Die kleine Schale ist in
den meisten Fällen stark gewölbt und zwar ist die Wölbung
bei den mit 3 Wulstrippen versehenen Exemplaren stets grösser,
als bei den andern.
Die grosse Schale besitzt einen je nach der Beschaffen-
heit des Wulstes mit 2-^^. ebenfalls scharfkantigen Bippen
versehenen Sinus. Diese Bippen reichen jedoch höher hinauf,
als diejenigen auf der kleinen Schale und hören nur ganz wenig
untef dem Wirbel auf. Der Schnabel ist sehr spitz und meist
ziemlich übergebogen; das Deltidium ist umfassend. Die Areal-
kanten sind scharf, die Schlosslinie ist gebogen.
Die Normalform (Taf. IV, Fig. 3) ist fast ebenso lang wie
breit, 2 4 --2 5 Millimeter auf 26 — 27 Millimeter. Ausnahmen
hievon sind jedoch nicht selten, denn unter dem mir zu Ge-
bote stehenden, von Xocoubt stammenden Materiale fanden sich
Exemplare von viel bedeutenderer Länge als Breite und um-
193
gekehrt. Bei den selteneren Exemplaren mit 1 Wulstrippe findet
öfters das erstere Yerhältniss statt; da dagegen, wo der Wulst
2 oder 5 derselben aufweist, haben die Formen mehr eine
Tendenz, in die Breite zu wachsen (Taf. IV, Fig. 8—9).
Die Menge des von einer Localität yorhandenen Materials hat es
mir erlaubt, die Entwicklung dieser Spezies vom ganz jungen, faltenlosen
Exemplare an bis zur stark aufgeblähten und mit mächtigen Wulstrippen
Tersehenen Form hin genau zu verfolgen. Die kleinste mir bekannte
Jugendform ist durchaas glatt, unten manchmal im Yerhältniss zu ihrer
Grösse ziemlich breit (Fig. 4). In dem darauf folgenden Stadium erscheinen
erst 2 nur sehr schwach angedeutete Rippen am Scheitel und zwar
auf der kleinen Schale, während die grosse immer noch glatt bleibt.
Dieselben liegen mehr nach der rechten oder mehr nach der linken
Seite hin und geben somit der Form ein etwas unsymmetrisches Aus-
sehen, das ihr öfters während ihrer ganzen Entwicklung bleibt. In dem
darauf folgenden Stadium zeigt sich allmäiig die Krümmung der Scheitel-
linie und die Andeutung des Wulstes; erst wenn dieser ziemlich scharf
ausgeprägt ist, wird durch die Bildung einer dritten Rippe, die nicht
etwa zwischen den beiden andern, schon vorhandenen, sondern vielmehr
an einer der beiden Seiten des Wulstes entsteht, die Synunetrie wieder
hergestellt. Auch hievon giebt es Ausnahmen und ich habe sehr viele
Exemplare vorgefunden, die im ganz ausgewachsenen Stadium noch un-
symmetrisch erscheinen. ^
Mit der Ausbildung des Wulstes hat auch die Rippenbildung auf
beiden Schalen begonnen. Die Wulstrippen wachsen nun nicht immer ganz
synmuetrisch fort; in den meisten Fällen sogar, wo deren 3 vorhanden
sind, wächst eine derselben — und es kann sowohl die mittlere, als auch
eine der beiden Seitenrippen sein — auf Kosten der beiden andern ganz
unverbältnissmässig stark weiter und es entsteht nun selbstverständlicher
Weise eine sehr grosse Verschiedenheit des Aussehens.
Oft verschwindet die eine Rippe ganz, dann entstehen Formen,
die früher als Terebratula biplicata Phill. beschrieben worden sind,
oder 2 Rippen verkümmern ganz und gar und die Formen sehen dann
der Rhynchonella acuta Sow. sp. durchaus ähnlich, bis auf die etwas
anders geformte Wirbelgegend. Oder es verwachsen die beiden auf Kosten
der dritten stark entwickelten Wulstrippen ganz und die Verwachsung
U. 18
194
derselben ist nur noch an einer EinschnQrung an der ftussersten Wulst-
spitze zu erkennen (Fig. 2).
Bei den Exemplaren mit 4 Wulstrippen ist solch ein unsymmetri-
sches Wachslhum einer derselben im Allgemeinen seltener, als bei den-
jenigen mit 3 Rippen. Da, wo ein solches vorhanden ist, findet es meist
bei den beiden mittleren Hippen auf der rechten oder auf der linken
Seite statt; nie dagegen tritt der Fall ein, dass etwa die 1. und 3. Rippe
oder die 2. und 4. auf Kosten der andern stärker ausgebildet wurde. Bei
den Exemplaren mit 4 Rippen am Wulste ist dieser immer regelmässiger
ausgebildet, als bei denjenigen mit 3 Wulstrippen; derselbe bildet dann
meist eine kleine und nur schwach gekrümmte Bogenlinie, indem bei
den normalen Formen die 2 mittleren Wulstrippen die beiden seitlichen
nur sehr wenig überragen.
Es wurde zu weit fdhren, hier alle die Variationen, die ich an
dieser Spezies beobachten konnte, zu beschreiben. Die oben angeführten
mögen gentigen. Ganz selten scheinen Exemplare mit 5 Rippen, wie
Taf. lY, Fig. 9 ein solches zeigt. Die Zurundung der Kammlinie der
Wulstrippen etwas vor dem Scheitel und noch verschiedene kleinere
Details mochten mich zur Ueberzeugung bringen, dass man es hier mit
einer Hittelform zwischen unserer Spezies und der gleich im Folgenden
beschriebenen W^ynchonella Rosenbuschi nov. sp. zu thun hat (cf. Ghapuis
et Dewalque, Terrains secondairea, etc. pag. 252).
Bezuglich der Schalenstructur, die microscopisch untersucht wurde,
und zwar von 6 verschiedenen Exemplaren, kann nichts Neues gesagt
werden. Sie zeigt die schief zur Oberfläche der Schale stehenden kleinen
Prismen (cf. Sorby, Hicroscopical Structure of Shells etc. im Februarheft
der Proceedings of the geological Society etc. pag. 56 u. f.)- Auch die micro-
scopische Betrachtung und Untersuchung der Schalen von Rhynchonella
Rosenbmchi, Schimperi^ Deffheri und anderen Spezies ergab nichts Neues.
Rhynchonella Delmensis scheint mit wenigen Ausnahmefällen auf
Lothringen beschränkt zu sein.
Vorkommen: Mittlerer Lias, 5.
Unter-Elsass: Uhrweiler (Gostatusschichten); Mühlhausen (di-
luvial). (S. S.)
Lothringen: Xocourt, Luppy (Gostatusschichten). (L. S. — F. S.)
Nachbarländer: Essey, They (Heurthe-et-Moselle) (Gostatus-
schichten). (S. S.)
195
Shq/nchoneUa Mo8enbuschi noT. sp.
Taf. IV, Fig. 10—14.
1851—55. Ghapuis et Dewalque. Terrains secondaires du Luxembourg.
pag. 251. Fig. 1 a—c, Rhynchonella tetraedra ^ow. sp.
Ghapuis und Dewalque beschreiben diese Form aus dem Macigno
d'Aubange als Rhynchonella tetraedra Sow. sp. Die wohl nicht ganz ge-
nauen Abbildungen stinmien zwar nicht vollständig mit unserer Form
Qberein, allein die Beschreibung lässt an der Identität keinen Zweifel.
Wie der Name ^.Rhynchonella variabilis Sohl, sp.t, so hat auch
die Bezeichnung ^Rhynchonella tetraädra Sow. sp.» eine sehr mannig-
faltige Deutung erhalten. Wenn man nun den Begriff der Spezies sehr
weit fasst, so könnte man unsere Form vielleicht noch bei dieser letzteren
Art unterbringen; ich habe jedoch den bei einer genauen Untersuchung
zu Tage tretenden Unterschied fQr erheblich genug gehalten, um eine
besondere, allerdings der Rhynchonella tetraedra Sow. sp. (Dav.) nahe
stehende Form zu unterscheiden.
Die Exemplare sind ca. 20 Millimeter lang und etwa
30 Millimeter breit. Die kleine Schale ist mit einem aus durch-
schnittlich 6 — 8 Bippen bestehenden Wulste versehen, der zum
Theil scharf von den Flügeln sich abhebt, bei welchem aber
auch eine Art von allmäligem Uebergang in diese sich findet,
veranlasst durch Hippen, die in der Einsenkung zwischen Wulst
und Flügeln entstehen. Die scharfkantigen Wulstrippen fangen
ein wenig unterhalb des Wirbels an, laufen aber dann nicht in
gerader Linie zum Scheitel hin, sondern sind vielmehr gebogen,
und zwar so, dass die stärkste Biegung etwa auf dem zweiten
Drittel der Schale, vom Wirbel an gerechnet, liegt. Die Flügel
weisen 4 — 5 Bippen auf, wovon die dem Wulste zunächst lie-
gende die ausgeprägteste ist.
Der Sinus der grossen Schale hat 5 — 7 bis in die Wirbel-
spitzen hinein zu verfolgende Bippen, welche nicht so scharf-
196
kantig, wie diejenigen des Wulstes, sondern mehr gerundet sind.
Die Flügel sind mit 4 — 5 Rippen versehen, wovon wiederum
die nächste am Sinus die schärüste ist. Es ist eine beachtens-
werthe Thatsache, dass bei unserer Form die Flügelrippen
beider Schalen oft unsymmetrisch liegen, das heisst, dass auf
der rechten Seite der Schalen etwa 4 Rippen liegen, während
auf der linken 5 vorhanden sind, und so fort. Selbstverständlich
bedingt diese Unsymmetrie auf den Flügeln der einen Schale
das gleiche Verhältniss auf denen der andern. Auch in der £in-
senkung zwischen Sinus und Flügeln entstehen hie und da neue
Rippen. Der Schnabel ist spitz und das Foramen ist da, wo
derselbe sehr auf die kleine Schale übergebogen ist, gar nicht
mehr zu sehen. Das Deltidium ist umfassend, die Arealkanten
sind scharf, die Schlosslinie ist gebogen.
Verhältniss zu anderen Arten. Am meisten fordert zu einem
Vergleich Fig. 7. Taf. 18. Fig. 5—10 in Davidson. Oolitic and liasic
brachiopoda heraus, doch werden unsere Exemplare höchstens halb so
gross und ihr ganzer Habitus ist ein zierlicherer und leichterer. Die kleine
Schale tritt viel weniger bauchig hervor; auch ist, wie bei der Rhyncho-
nella Delmensis, die leichte Ausschweifung der von der Wirbelspitze nach
den Flogelecken bin verlaufenden Kantenlinien bemerkbar. Diesen Um-
stand möchte ich noch ganz besonders als Unterscheidungszeichen unserer
Formen von den von Davidson abgebildeten hervorheben. Ein wie
verschiedenes Aussehen dadurch hervorgebracht wird, zeigt uns ein
Bück auf Fig. 13 und Fig. 14. Taf. IV. Fig. 13 stellt eines unserer
typischen Exemplare von Xocourt dar, das, wie beinahe alle Exemplare,
etwas unsymmetrisch gebaut ist. Fig. 14 ist eine Form aus dem mitt-
leren Lias von Uhrweiler, die den englischen Formen noch am näch-
sten kommt.
Die Entwicklung konnte ebenfalls genau verfolgt werden. Sie gleicht
mit wenigen kleinen Abweichungen derjenigen der Rhynchonella Del-
mensis; die übrigens leicht von denjenigen der letzteren Spezies zu tren-
nenden Jugendformen zeigen dieselbe unsymmetrische Gestaltung. Ein
Stadium mit ganz glatten Schalen, wie bei Rhynchonella Delmensis, fehlt
197
Yollständig. Dagegen Bind schon die kleinsten, mir bekannten Formen
mit 4—5 schwachen Rippen am Stirnrande versehen, aus denen sich
dann im Laufe der Entwicklung die FlQgel und Wulstrippen heraus-
bilden, natürlicherweise unter Hinzukommen von noch weiteren Rippen.
Noch möchte ich darauf hinweisen, dass neben den grösseren
Formen auch andere vorkommen, welche den grossen Exemplaren selbst
ganz und gar ähnlich sehen, nur sind sie kleiner. (Taf. lY, Fig. 11.)
Aehnliche Beobachtungen wurden bei verschiedenen andern Arten,
z. B. an der Rhynchonella spinosa Schl. sp. und ihrer nahen Ver-
wandten, der Rhynchonella tenuispina Waagen und der Rhynchonella
Crossi Walker, wahrgenommen. Wir kommen darauf später noch zu
sprechen.
Auffallender Weise ist Rhynchonella Rosenbuschi weit mehr ver-
breitet, als Rhynchonella Delmensis, Letztere ist mu- nur von wenig Orten
aus dem Elsass bekannt, erstere dagegen fast stets die Begleiterin der
Rhynchonella acuta Sow. sp.
Vorkommen: Mittlerer Lias, 5.
Unter-Elsass: Silzklamm bei Uhrweiler, Merzweiler, Gun-
dershofen (Costatusschichten). (L. S. — U. S.) Mühlhausen (diluvial).
(L. S.)
Lothringen: Xocourt, Luppy, Voisage-Novöant (Costatus-
schichten). (L. S. — ü. S.)
Nachbarländer: They, Essey (Meurthe-et-Moselle). ? (S. S.)
Mhynchonella Siein/manni nov. sp«
Taf. IV, Fig. 15.
20 Millimeter lang und 19 — 20 Millimeter breit. Die
kleine Scbale besitzt einen stark ausgebildeten Wulst, der mit
2 ungleichen Hippen versehen ist. Beide sind äusserst scharf-
kantig. Die Flügel sind mit 2 sehr abgerundeten Rippen ver-
198
sehen. Zu bemerken ist noch, dass die beiden Wulstrippen, kurz
ehe sie den Stirnrand erreichen, etwas nach auswärts vorge-
bogen sind.
Die grosse Schale wird durch eine einzige, etwas ge-
rundete Sinusrippe in 2 unsymmetrische Hälften getheilt. Die
Rippe selbst lässt sich fast bis in die Wirbelspitze hinein ver-
folgen. Auch hier sind die Flügel mit 2 abgerundeten Rippen
versehen. Der Schnabel ist spitz, das Deltidium ist umfassend;
die Arealkanten sind sehr scharf, die Schlossli'nie ist leicht ge-
bogen. Die Schalen zeigen Anwachsstreifen.
Vorkommen: Mittlerer Lias, S.
Lothringen: Voisage bei Hetz (Gostatusschichten). (P. S.)
Nachbarländer: Athus in Belgien (Gostatusschichten). (L. S.)
Selten.
MhynchoneUa sealpeUu/m Quenst. sp. 1862.
Taf. m, Fig. 15—18.
1852. QüKNSTEDT. Handbuch, pag. 453. Taf. 36. Fig. 18.
1853. Oppel. Mittlerer Lias. pag. 69.
1858. QuENSTEDT. Jura. pag. 178. Taf. 22. Fig. 2.
1858. Oppel. Jura. pag. 188.
1867. QuENSTEDT. Handbttch. 2. Auflage, pag. 541. Taf. 46. Fig. 18.
1871. QuENSTEDT. Brachiopoden. pag: G7. Taf. 37. Fig. 162—166.
Längliche Form, 6 — 7 Millimeter lang und 5 Millimeter
breit. Die kleine Schale ist nur in ganz seltenen Fällen etwas
gewölbt und besitzt dann einen nur wenig angedeuteten Sinus.
Sie trägt 8 — 12 Rippen, die nur bei wenigen Exemplaren bis
in den Wirbel hinein verlaufen.
Die gleichen Verhältnisse finden auf der grossen Schale
statt. Der Schnabel ist spitz und ragt frei hinaus. Die Areal-
199
kanten sind nur wenig schar! Der Erhaltungszustand der Exem-
plare erlaubte keinerlei Beobachtungen über Foramen und Del-
tidium anzustellen.
Von einer punktirten Schale konnte ich nichts bemerken.
(QusNBTBDT gicbt ciuc solchc bei schwäbischen Exemplaren an.)
Vorkommen: Rlittlerer Lias, y*
Lothringen: Malroy bei Metz. (F. S.)
Mh/lfnchoneUa acuta Sow. sp. 1818.
Taf. m, Fig. 23.
1818. SowERBY. Mineral conchology of Great-Britain. vol. II. pag. 115.
Taf. 15t. Fig. 1—2.
1834. Buch. Ueber Terebrateln etc. pag. 42.
1835. Phillips. Geology of Yorkshire. vol. I. Taf. 13. Fig. 25.
1852. QuENSTEDT. Haudbuch. pag. 452.
1851—55. Ghapuis et Dewalque. Terrains secondaires du Luxembourg.
pag. 250. Taf. 37. Fig. 2.
1852. Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 76. Taf. 14. Fig. 8—9.
1858. QüENSTEDT. Jura. pag. 141. 179 (496, 634).
1858. Oppbl. Jura. pag. 130.
1863. OosTER. Brachiopodes des Alpes suisses. pag. 49.
1863. Waagen. Der Jura in Franken etc. (Jahreshefte des Vereins für
vaterlandische Naturkunde in Württemberg etc. pag. 155).
1867. QuENSTEDT. Haudbuch. 2. Auflage, pag. 540.
1869. DuMORTiER. Depots jurassiques du bassin du Rhone, 111.
pag. 328.
1871. QuENSTEDT. Brachiopoden. pag. 64. Taf. 37. Fig. 150—153.
1874. Brauns. Unterer Jura. pag. 445.
1875. Lepsius. Beitrage zur Kenntniss der Juraformation etc. pag. 12,
35, 46.
1878. DAvmsoN. Supplement, pag. 203.
200
Die Eigenthümlichkeiten dieser seit Sowebbt allgemein
anerkannten Form entstehen dadurch, dass die kleine Schale
schon am Wirbel von einer einzigen erst gerundeten, dann stets
scharfkantiger werdenden Rippe gleichsam dachförmig gebrochen
wird. Letztere kann in einzelnen Fällen auch leicht nach ein-
wärts, also concav, gebogen sein. Denkt man sich die Ehyu-
choneüa so gestellt, wie sie die Profilansicht Taf. UI, Fig. 23. b
zeigt, so bildet diese Rippe mit der grossen Schale einen Winkel
von etwa 45 — 50 Grad. Diese einzige, scharf hervortretende
und spitz zulaufende Wulstrippe gibt der Form ein so sehr
charakteristisches Aussehen, dass dieselbe nicht leicht mit einer
andern Spezies verwechselt werden durfte. Die Flügel sind meist
mit 1 — 2 gerundeten Rippen versehen, in den häufigsten Fällen
so, dass die dem Wulste zunächst liegende die stärkste ist.
Man bemerkt hie und da noch 3 — 4 weitere, nur ganz wenig
ausgebildete Rippen.
Die grosse Schale ist fast vollständig von dem glatten
Sinus eingenommen; die beiden Flügel besitzen 2 öfters ziem-
lich scharfkantige Rippen. Der Schnabel ist sehr spitz und stark
auf die kleine Schale angedrückt. Der Erhaltungszustand der
mir zu Gebote stehenden Formen erlaubte es nicht, an Foramen
und Deltidium Beobachtungen anzustellen, doch soll Letzteres
nach Davidson umfassend sein. (Oolitic and liasic brachiopoda,
pag. 76.) Die Schlosslinie ist gebogen, die Arealkanten sind
ziemlich scharf.
Länge der grösseren Formen ca. 22—23 (selten 27) Milli-
meter; Länge der kleineren Formen 16 — 27 Millimeter.
Breite der Ersteren 21 — 22 Millimeter, Breite der Letz-
teren 17 — 18 Millimeter.
201
Verhältniss zu anderen Arten. Wie schon bei der Beschreibung
von Rhynchanella Delmensis angegeben wurde, nimmt letztere Form, wenn
auch nur in sehr seltenen Fällen, ein der Rhynchonella acuta Sow. sp.
sehr ähnliches Aussehen an. Vielleicht lassen sich im Laufe der Zeit
Uebergänge beider Formen ineinander nachweisen. Dumortier (Däpöls
jurassiques du bassin du Rhone. III. pag. 328) fand unter einer grossen
Menge von Rhynchonella acuta einige seltene Exemplare mit 2 Wulst-
rippen zu Blaymard in den oberen Schichten des mittleren Lias. (Zone
k Pecten in sequivalvis, niveau de la Limea acuticosta.) Er sagt dazu:
«Mais cette cspöce est fort rare et je ne Tai pas encore renconträe
ailleurs. b
Vorkommen: Mittlerer Lias, 5.
Unter-E Isass : Eberbach, Gundershofen, Merzweiler,
Silzklamm bei ührweiler, Griesbach, Kirrweiler, Buchsweiler
(Eisenbahneinschnitt), Hattmatt (Gostatusschichten). (L. S. — S. S.)
Mahlhausen (diluvial). (L. S.)
Lothringen: Xocourt (Gostatusschichten). (L. S. — S. S.)
Die Verwandtechaftsverhaltnieee der mittelliaeiechen Arten unter eich
ttnd ihre Beziehttngen zu den oberliaeieohen Arten.
Aehnlich wie im unteren Lias finden auch im mittleren mannig-
fache Uebergänge statt. Leider fehlen aber hier die Aufschlüsse, wie
die früher genannten von Peltre und Grigy im unteren Lias, welche
den Zusammenhang zwischen der Veränderung der Form und dem Lager
so klar vor Augen treten liessen.
Es ist weiter oben schon angedeutet worden, dass enge Bezie-
hungen zwischen Rhynchonella triplicata Quenst. sp. und Rhynchonella
curviceps (in unserer Auffassung) bestehen. Es ist in der That auch
sehr schwer, wenn nicht ganz unmöglich, eine Grenze zwischen beiden
Arten zu ziehen und zwar sind die Mittelformen oft häufiger vorhanden,
als die ächten Exemplare. Man kann Verbindungsreihen zwischen beiden
Spezies herstellen, und zwar von einer Localität, deren Endglieder sich
an die ächten Exemplare beider Arten anschliessen lassen. Auf Taf. I
202
und ni sind einige dieser Uebergangsstadien zwischen beiden Spezies
veranschaulicht. Rhynchonella tripHcata Qubnst. ep. scheint, wie schon
gesagt wurde, in verwandtschaftlichen Beziehungen zu Rhyncfumella
belemnUica aus dem unteren Lias zu stehen.
Dass wohl zwischen Rhyncfumella curviceps Qdenst. sp. und ge-
wissen Formen der Rhynchonella calcicosta Beziehungen bestehen, wurde
schon gesagt.
Ebenso werden sich wohl im Laufe der Zeit genauere Anhalts-
punkte ober den Zusammenhang der Rhynchonella curviceps mit
Rhynchonella Rosenbuschi ergeben.
Zwischen Rhynchonella ct^rviceps und Rhynchonella amaühei
QuENST. sp. bestehen, wenn auch seltener, Zwischenformen, desgleichen
zwischen letzterer Spezies und Rhynchonella rimosa Buch. sp. Rhyncho-
nella rimosa selbst ist eng mit Rhynchonella furcillata Theodori sp.
verbunden; Mittelformen zwischen beiden Arten sind zwar in Elsass-
Lothringen sehr selten, doch hat Quenstedt die Verwandtschaft der
beiden Arten in Schwaben nachgewiesen.
Ob Rhynchonella tripHcata Quenst. sp. mit Rhynchonella Delmensis
nov. sp. verbunden ist, muss noch dahingestellt bleiben. Dass dagegen
Uebergänge von letzterer Art nach Rhynchonella Rosenbuschi bestehen,
scheint ausser Zweifel zu sein. Taf. IV, Fig. 9 zeigt eine solche Mittelform.
Ob man aus dem Vorkommen von gewissen Formen der Rhyn-
chonella Delmensis^ wie Taf. IV, Fig. 1—2, solche zeigt, auf einige etwaige
Verwandtschaft zwischen dieser Art und Rhynchonella acuta Sow. sp.
schliessen darf, ist noch zweifelhaft.
Mit dem Angefahrten ist die Reihe der Uebergange noch nicht
erschöpft, es bedarf aber zu deren Feststellung noch längerer Unter-
suchungen an Ort und Stelle,, die sich der Verfasser fOr die Zukunft
vorbehalten hat.
203
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I
Die Rhynohonellen des Dogger.
Rhynchonella Weigandi nov. sp.
Rhynchonella Frireni Branco.
Rhynchonella cf. angulata Sow. sp.
Rhynchonella Kirchhoferi nov. sp.
Rhynchonella Davidsoni Chapüis et Dewalque.
Rhynchonella parvula Deslongchamps.
Rhynchonella acuticosta Zieten (Hehl) sp.
Rhynchonella Pallas Ghapuis et Dewalque.
Rhynchonella Andrex nov. sp.
Rhynchonella lotharingica nov. sp.
Rhynchonella Edwardsi Ghapuis et Dewalque.
Rhynchonella cf. Forbesi Davidson.
Rhynchonella ohsoleta Sow. sp.
Rhynchonella concinna Sow. sp.
Rhynchonella badensis Oppel.
Rhynchonella oligacantha Branco.
Rhynchonella Crossi Walker.
Rhynchonella tenuispina Waagen.
Rhynchonella spinosa Schl. sp.
Rhynchonella varians Schl. sp.
JShynchoneUa Weiga/näd nov. sp.
Taf. V, Fig. 13.
Circa 8 Millimeter lang und 7 Millimeter breit; kleine
Schale stark gewölbt, mit einem Wulst versehen, der durch
205
eine einzige scharfkantige, sehr stark hervorragende und am
Stirnrande gerade abbrechende Rippe gebildet wird. — Einsen-
knng zwischen Wulst und Flügeln scharf ausgebildet. Diese sind
mit je 3 Rippen versehen, wovon die dem Wulste zunächst
liegende die kräftigste ist.
Die grosse Schale hat einen tief eingesenkten Sinus und
3 — 4 Rippen auf jedem Flügel. Schnabel spitz, hoch hinaus-
ragend, kaum übergebogen. Arealkanten sehr scharf, Foramen
klein, Deltidium discret, Schlosslinie gerade. Die Wirbelgegend
ist auf beiden Schalen ganz glatt.
Verhältniss zu anderen Arten. Verwandt mit Rhynchonella
Frireni Branco, die jedoch eine andere Wulstbildung hat. Vielleicht
zwischen Rhynchonella Frireni und Rhynchonella cynocephala Rich. sp.
(mit einer Wulstrippe) stehend. (Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda.
pag. 77. Taf. 14. Fig. 10).
Vorkommen: Unterer Dogger, ß.
Lothringen: Monvauxthal bei Metz (Murchisooaßschichten,
Oberregion). (L. S.)
Sehr selten.
JSh/ynchoneUa FH/reni Bbanco 1878.
Abhandlungen zur geol. Spez.-Karte von Eisass-Lothringen. Bd. II.
Heft 1. Brango. Der untere Dogger von Deutsch-Lothringen, pag. 128.
Taf. 6. Fig. 8.
Ich habe dem, was Branco über diese Art mittheilt, nichts hin-
zuzufügen.
Vorkommen: Unterer Dogger, ß.
Lothringen: St. Quentin bei Metz (MurchisonaBSchichten, Ober-
region). (F. S. — L. S.)
206
BhynchaneUa cf. ix/ngvlata Sow« sp. 1825.
Taf. V, Fig. 3.
1825. SowERBY. Mineral conchology of Great-Britaio. vol. V. pag. 166.
Taf. 502. Fig. 4. (In Folge eines Druckfehlers lacutoi genannt.)
1848. Bronn. . Index palaeontologicus. pag. 1229.
1849. d'Orbigny. Prodrome. yoL 1. pag. 286.
1852. Davidson. Ooliticand liasic brachiopoda. pag. 92. Taf. 17. Fig. 13.
1859. Oppel. Jara; pag. 433.
1870. Greppin. Jura bernois. pag. 30, 33, 51.
1878. Davidson. Supplement, pag. 207.
Die kleine Schale ist massig gewölbt und mit einem
scharf ausgeprägten Wulste versehen, der 4 — 6 Rippen trägt.
Letztere sind meist gleichmässig ausgebildet, scharfkantig und
bis in den Wirbel hinein zu verfolgen. Die öfters ziemlich
zurückgebogenen Flügel weisen je 4 — 5 Rippen auf. In der
Einsenkung zwischen Rippen und Wulst entstehen hie und da
auch einige neue Rippen. Dadurch wird eine Trennung zwischen
beiden erschwert. Die der Einsenkung zunächst liegende Flügel-
rippe ist stets die stärkste.
Dasselbe Verhältniss findet auf der grossen Schale statt.
Je nach der Beschaffenheit des Wulstes kann der Sinus mehr
oder weniger tief eingeschnitten sein. Der Schnabel ist spitz
und ziemlich übergebogen, das Deltidium ist discret. Die Areal-
kanten sind scharf, die Schlosslinie verläuft gerade. Länge
14 Millimeter, Breite 19 Millimeter.
Hie und da sind auch die Wulstrippen unglelchmässig ausgebildet,
so dass die beiden mittleren starker hervorspringen, als die andern.
Dann entstehen Formen, die man mit Rhynchonella subdecorata Davidson
(Appendix, pag. 21. Taf. A. Fig. 23—26) zu vergleichen versucht ist.
Brango hat diese Formen auch als solche aufgefasst. (Abhandl. zur geol.
Spezial-Karte von Elsass-Lothringen. Bd. 11. Heft 1. Brango, Unterer
Dogger etc. pag. 34 und 37.)
207
Verhattniss zu anderen Arten. Im französischen Lothringen,
zu Gharey im d^partement de la Meurthe-et-Moselle, finden sich mit
Rhynchonella concinna und Rhynchonella varians zusammen Mittel-
fonnen zwischen Rhynchonella varians und Rhynchonella angulata.
Sie haben bei allgemeiner Uebereinstimmung der Form mehr Rippen,
als Rhynchonella angulata, während die Wirbelbildung der Rhynchonella
varians entspricht. Auf die Beziehungen zwischen Rhynchonella anyulata,
Rhynchonella concinna und Rhynchonella badensis werde ich später
zurQckkommen.
Vorkommen: Unterer Dogger, ß.
Lothringen: St. Quentin bei Metz, Ars a/H. (MurchLsonas-
scfaichten, Oberregion). (L. S.)
Nachbarländer: Mont St Martin bei Longwy (Meurthe-et-
Moselle). (MurchisonaBSchichten.) (L. S.) — Muttenz im Baseler Jura
(MurchisonaBSChichten). (G. S.)
Mhynchonella KiroMioferi nov. sp.
Tat Vn, Fig. 1, 2, 4.
In der Jugend schlank, im Alter gerundet mit grösster
Wölbung in der Mitte zwischen Wirbel und Stirn. Auch tritt
im Alter ein Wulst hervor, der 2 — 4 Rippen trägt, und zwar sind
diese um sq stärker, je geringer die Zahl derselben ist. Jede
Schale trägt 8 — 12 Rippen. Schnabel spitz, Deltidium discret.
Die Arealkanten sind nur wenig scharf, die Schlosslinie ist fast
ganz gerade. Bei den zur Rundung neigenden Formen biegt sich
der Schnabel ein wenig über. Die Rippen reichen bei einzelnen
Exemplaren bis zum Wirbel , bei andern verlaufen sie schon
auf der Höhe des zweiten Drittheils der Schalen, vom Stimrande
an gerechnet Ein Sinus ist kaum bemerkbar, selbst da nicht,
wo der Wulst verhältnissmässig stärker ausgeprägt ist
280
Vorkommen: Mittlerer Dogger, y.
Göte de la Rique bei Lorry (Unterer Korallenkalk. Bemouilli-
schichten). (L. S.)
Häufig.
BezQglich des Verhältnisses zu anderen Arten, cf. pag. 75.
Diese Art trägt den Namen eines alten Freundes des Verfassers,
des t Herrn Professor E. Th. Kirchhofer zu Stuttgart.
JRhynchoneUa Davidaoni Chapuis et Dewalque. 1851.
Taf. V, Fig. 2, 10.
1851. Chapuis et Dewalque. Terrains secondaires du Luxembourg.
pag. 253. Taf. 37. Fig. 6.
Die kleine Schale pflegt nur schwach gewölbt zu sein,
nur in seltenen Fällen wird sie etwas bauchig. Der Wulst ist
nicht stark ausgeprägt und verschwindet häufig ganz; er trägt
3—4 Rippen. Von einer Spaltung derselben, wie sie Chapuis
und Dewalqüb angegeben, habe ich nichts bemerkt.
Die grosse Schale ist fast ganz flach; ein eigentlicher
Sinus ist nicht vorhanden. Der Schnabel ist ziemlich spitz, kaum
übergebogen und ragt hoch hinaus.
Beide Schalen sind sehr breit; dadurch entsteht eine
unverhältnissmässig grosse Area, die sehr feine Streifen trägt.
Die Arealkanten selbst sind sehr scharf; die Schlosslinie ist
kaum gebogen. Das Delüdium ist discret. Die Flügelecken
befinden sich fast auf gleicher Höhe, wie das Foramen, was der
Form ihr charakteristisches Aussehen giebt. Beide Schalen sind
mit zierlichen Anwachsstreifen vei*sehen.
Länge 7—8 Millimeter, Breite 10—11 Millimeter.
Verhältniss zu anderen Arten. Diese Spezies dürfte vielleicht
eine locale Abänderung der Rhynchonella acuticosta sein, wenn sie gleich
nie deren Dimensionen erreicht.
209
Vorkommen: Unterer Dogger, 5.
Lothringen: fehlt , dagegen häufig hei Longwy (Meurthe-et-
Moselle). (Korallenkalk.) (L. S. — F. S.)
Rhynchonella parvula Deslongohamps« 1862.
Taf. V, Fig. 14.
1862. Dbslongchamps. fitudescritiquessurdesBrachiopodesnouveauxetc.
pag. 29. Taf. 5. Fig. 5—6.
1868. Waagen, üeber die Zone des Ammonites Sowerbyi, (Benecke.
Geognostisch-palaeont. Beiträge. I. pag. 639. Taf. 32.
Fig. 4 a — c.
1878. Davidson. Supplement, pag. 219. Taf. 27. Fig. 21.
Die kaum gewqlbte kleine Schale ist mit 8—9 Kippen
versehen. 2—3 davon stehen auf dem ziemlich ausgesprochenen
Wulste. Dieselben sind stets scharfkantig.
Die grosse Schale mit ebenfalls 8 — 9 Rippen hat einen
spitzen Schnabel, der frei hinausragt und nur wenig auf die
kleine Schale übergebogen ist. Der Sinus ist ziemlich tief ein-
geschnitten und je nach der Entwicklung des Wulstes mit
1 — 2 Rippen geziert. Auch diese sind scharfkantig, wie die der
kleinen Schale und verlaufen ebenfalls bis in den Wirbel.
Die Arealkanten sind scharf, die Schlosslinie ist gerade.
Das kleine Foramen wird von einem discreten Deltidium begrenzt.
Breite 12 Millimeter, Länge 8 — 9 Millimeter.
Vorkommen: Unterer Dogger, 5.
Lothringen: Lorry bei Metz. (Korallenkalk.) (L. S.)
Nachbarländer: Rangiers im Berner Jura. (Oolithe ferru-
gineuse.) (6. S.)
II. 14
210
BhynchaneUa tumHcosta Zieten (Hehl) sp. 1834.
Taf. Vn, Fig. 3.
1832-34. Zieten. Yersteiaeningeii Württembergs, pag. 58. Taf. 43. Fig. 2.
1843. QuENSTEDT. FlOzgebirge Württembergs, pag. 352.
1852. Derselbe. Handbucb. pag. 456. Taf. 36. Fig. 33.
1858. Derselbe. Jura. pag. 424. Taf. 58. Fig. 9—20.
1859. Oppel. Jura. pag. 432.
1867. QüENSTEDT. Handbuch. 2. Aufl. pag. 544. Taf. 46. Fig. 33.
1869. Brauns. Mittlerer Jura. pag. 289.
1870. Greppin. Jura bernois. pag. 33 und 45.
1871. QüENSTEDT. Brachiopoden. pag. 105 u. folg. Taf. 39. Fig. 27—32.
1879. SziUNOCHA. Brachiopoden der Oolite von Baiin. pag. 27. Taf. VI.
Fig. 3-4.
Eine ächte Rhynchonella acuHcosta kenne ich aus Elsass-Lothringen
bis jetzt noch nicht. Es scheint, dass daselbst eine andere wichtige Spe-
zies deren Stelle vertritt, die, wenn sie auch ihre nahe Verwandtschaft
mit Rhynchonella acuHcosta nicht verkennen lässt, doch von letzterer
Art aus nachher zu erörternden Gründen getrennt gehalten werden muss.
Bin typisches Exemplar von Rhynchonella acuticosta besitzt die Landes-
sammlung von Elsass-Lothringen. Es stammt aus der Sammlung des Herrn
Dr. Greppin und kommt aus dem Bajocien von Schauenburg im Berner
Jura. (Greppin. Jura bernois. pag. 33.)
Terquem und Jourdy unterschieden neben unserer Spezies noch
als besondere Art Terebratula Theodori und führen dieselbe von Les
Glapes im alten d^partement de la Moselle an, wo sie mit Rhynchonella
acuticosta zusammen Vorkommen soll. «Gette espöce se distingue de
Rhynchonella acuticosta par ses gros plis (6 — 8) et une forme plus
arrondie.i (Terquem et Jourdy. Etage bathonien du d^partement de
la Hoselle. pag. 136.)
JRhyncJioneUa PaUaa Chapuis et Dewalque. 1851.
Taf. V, Fig. 11—12. Taf. VII, Fig. 5.
1851. Ghapuis et Dewalque. Terrains secondaires du Luxembourg.
pag. 254. Taf. 37. Fig. 7.
211
Die kleine Schale ist ziemlich gewölbt, und zwar liegt die
grösste Wölbung direct unter dem Wirbel. Der stark hervor-
ragende Wulst ißt mit 4 — 5 scharfkantigen Rippen versehen.
Je 7 — 8 derselben kommen auf die Flügel.
Die grosse Schale hat einen spitzen Schnabel und ein
von einem umfassenden Deltidium begrenztes, mittelgrosses Fo-
ramen. Der Schnabel ist nur wenig auf die kleine Schale herab-
gebogen, die Arealkanten sind abgerundet und die Schlosslinie
ist ziemlich gebogen. Der Sinus ist ziemlich tief und sehr
breit; von den Flügelrippen ist meist die zweite oder dritte
kräftiger entwickelt als die andern. Sämmtliche Rippen verlaufen
bis in den Wirbel.
Länge 25 — 30 Millimeter, Breite 35 — 40 Millimeter.
Taf. YU. Fig. 5 veranschaulicht das Aussehen der Jugendformen
von Rhynchanella Pallas, Sie sind von den in denselben Schichten vor-
kommenden jungen Exemplaren der Rhynchonella obsoleta nur dann
leicht zu unterscheiden, wenn die scharfen Rippen und der Wulst sich
schon verhaltnissmässig frohe zeigen. Rhynchonellä Niobe Chapuis et
Dew^alque (Terrains secondaires du Luxembourg. pag. 258. Taf. 37. Fig. 5.)
scheint jedenfalls nur eine solche junge Rhynchonellä Pallas zu sein.
Verhältniss zu anderen Arten. Es liegt die Vermuthung nahe,
dass diejenigen Formen, welche Zieten Terebratula quadriplicata nennt
(Versteinerungen Württembergs. Taf. 41. Fig. 3.) und wenigstens ein
Theil derjenigen, die Quenstedt unter dieser Bezeichnung zusammen-
fasst, mit unserer Art verwandt sind und man dieselbe als eine locale
Abänderung von Rhynchonellä quadriplicata auffassen darf. Besonders
die Jugendformen der Rhynchonellä Pallas. Taf. VII. Fig. 5 scheinen
zu einer solchen Annahme zu berechtigen.
Vorkommen: Unterer Dogger, 8.
Lotbringen: Lorry, Norroy-le-Veneur, St. Quentin bei
Metz. (Korallenkalk.) (F. S. — L. S.)
Nachbarländer: Roppe bei Beifort. (Humphresiannsschichten.)
(L. S.)
2i2
JRhynchonella Andreas nov. sp.
Tai. VII, Fig. 6-7.
Kleine, kaum 7 — 8 Millimeter breite und 6 Millimeter
lange Form. Die kleine Schale ist mit 14 — 1 6 scharf kantigen Rippen
versehen. Die beiden mittleren überragen die übrigen um ein
Weniges und bilden somit eine Art Wulst.
Die grosse Schale weist dieselben Verhältnisse auf. Es ist
kein Sinus vorhanden. Der Schnabel ist spitz, das Deltidium ist
discret, die Arealkanten sind ziemlich scharf. Die Schlosslinie ist
leicht gebogen.
Vorkommen: Unterer Dogger, 5.
Lothringen: Piappeville bei Metz. (Korallenkalk.) (F. S. —
L. S.)
BhynchaneUa lotharingica nov. sp.
Taf. V, Fig. 4—9, 16—18. Taf. VH, Fig. 19—20.
Ca. 13 Millimeter lang und 15—16 Millimeter breit. Die
kleine Schale ist im Jugendzustande nur sehr* wenig gewölbt
und wird erst mit Zunahme der Grösse bauchiger. Sie ist mit
18 — 22 scharfkantigen Rippen versehen, deren 4 den ziemlich
ausgesprochenen Wulst bilden.
Die grosse Schale hat einen nur wenig tiefen Sinus, ebenso
viel Rippen, wie die kleine, einen sehr spitzen Schnabel, der
frei hinausragt und kaum übergebogen ist, ein ziemlich grosses
Foramen und ein discretes Deltidium. Die Arealkanten sind sehr
scharf, die Schlosslinie verläuft fast gerade. Die Rippen reichen
auf beiden Schalen bis in den Wirbel hinein.
213
Die Entwicklung der Rhynchonella lotharingica konnte genau
yerfolgt werden. Sie bietet keine besonderen Eigenthamlichkeiten; be-
achtenswerth ist höchstens der Umstand, dass der Schnabel bei maochen
Jugendexemplaren nicht symmetrisch in der Mitte der grossen Schale
steht, sondern öfters mehr nach der linken oder rechten Seite hintlber-
gebogen ist. (Taf. Y. Fig. 8.)
Verhftitniss zu anderen Arten. Der ganze Habitus unserer Art
erinnert an Rhynchonella acuticosta^ yon welcher sie sich durch ihre viel
weniger in die Breite gezogene Wirbelgegend, den spitzeren und viel
reier hinausragenden Schnabel und die gewölbtere kleine Schale unter-
scheidet. Dazu kommt noch der Umstand, dass die Flügelecken niemals
auf gleicher Höhe mit dem Wirbel liegen, wie dies bei Rhynchonella
acuticosta der Fall ist. Ihr Lager liegt zwar etwas höher, als das von
Rhynchonella acuticosta, doch kann man nichtsdestoweniger unsere Art
als die Vertreterin oder Nachfolgerin der Rhynchonella acuticosta in
Lothringen ansehen.
Bemerkenswerth ist weiterhin die nahe Verwandtschaft unserer Art
mit der im folgenden beschriebeneu Rhynchonella Edwardsi Ghapuis
und Dewalque. Beide Formen sind, wie wir später sehen werden, wohl
die Vorläufer der Gruppe der Rhynchonella varians und derjenigen der
Rhynchonella concinna. Auch Uebergänge nach Rhynchonella badensis
Oppel sind vorhanden.
Vorkommen: Oberer Dogger, g; Oberes Vesullian.
. Unter-Elsass: Buchsweiler. (Oberer Hauptrogenstein.) (L. S.)
Lothringen: Gorze, Flavigny, Plaine de Geaie bei Ars,
Gönivaux, St. Privat bei Metz, Jaumont, Vern^ville. (Mergel
von Gravelotte.) (L. S.)
Nachbarländer: Movelier im Berner Jura. (Hauptrogenstein
Gouche ä öchinides.) (G. S.)
Mh/ynehonella JEdwardsi Chapüis et Dewalqüe. 1861«
Taf. V, Fig. 6, 15, 16, 18.
1851. Ghapuis et Dewalque. Terrains secondaires du Luxembourg.
pag. 255. Taf. 37. Fig. 9.
2U
18—20 Malimeter lang, 17—19 Millimeter breit. Die kleine
ziemlich gewölbte Schale ist mit 24 — 26 scharfkantigen Rippen
versehen, die bis zum Wirbel hinaufreichen. 4 — 6 davon kommen
auf den wenig ausgebildeten Wulst. Sie sind stärker entwickelt
als diejenigen auf den Flügeln.
Der Sinus auf der mit ebensoviel Rippen versehenen, grossen
Schale ist breit und wenig tief. Das Foramen ist ziemlich gross;
das Deltidium ist umfassend. Der Schnabel selbst ist sehr spitz
und kaum übergebogen. Die Arealkanten sind sehr scharf; die
Schlosslinie ist gebogen.
Verhältniss zu anderen Arten. In der Jugend gleicht diese Art
der Rhy^nchonella Mharingica. Im allerersten Jugendstadium ist sie
sogar nicht von dieser zu trennen. Erst bei fortschreitendem Wachstbum
wird sie länglicher, als die jungen LotharingicarFormeTi und nimmt den
fQr die Rhynchanella Edwardsi charakteristischen Habitus an. Auch das
unsymmetrische Verhalten der Wirbelspitze, das bei den Jugendformen der
Rhynchonella Edwardsi statt hat, kann man an diesen Exemplaren be-
obachten. Das Deltidium ist im Jugendzustande noch discret, erst bei
der fast ausgewachsenen Rhynchonelle wird es umfassend. Mittelformen
zwischen Rhynchonella lotharingica und Rhynchonella Edwardsi sind
sehr häufig. (Taf. V. Fig. 6, 16, 18.) Beide Formen kommen fast stets
mit einander vor. Wie es bei Rhynchonella Schimperi, Rhynchonella
gryphitica und Rhynchonella Deffneri der Fall war, so entwickeln
sich auch hier zwei im ausgewachsenen Zustande scharf von einander
getrennte Arten aus einer und derselben Jugendform. Bezüglich weiterer
Verwandtschaften etc. siehe unten.
Vorkommen: Oberer Dogger, e ; Oberes Vesullian.
Unter-Elsass: Buchsweiler. (Oberer Hauptrogenstein.) (L. S.)
Lothringen: Gorze, Flavigny, Vernöville, Rözonville,
Gönivaux, bei Metz. (Mergel von Gravelotte.) (L. S.)
215
JEOyynehaneUa of. Farbeai Davidson. 1852.
Taf. V, Fig. 1.
1852. Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 84. Taf. 17. Fig. 19.
Kleine Form von rundlicher Gestalt. Die kleine Schale sehr
stark gewölbt und zwar liegt die grösste Wölbung gleich unter
dem Wirbel. Der Wulst ist kaum angedeutet.
Beide Schalen sind mit je 20 — 24 gleichmässig entwickelten
und scharfkantigen Bippen versehen, die bis in den Wirbel ver-
laufen. Der Schnabel ist sehr spitz und ragt frei hinaus, ohne
nur im geringsten übergebogen zu sein. Das Foramen ist ziem-
lich klein und wird von einem grossen aber discreten Deltidium
begrenzt. Die grosse Schale bildet in Folge der sehr schlanken
Wirbelspitze eine ziemlich grosse falsche Area, deren Kanten
abgerundet sind. Die Schlosslinie ist leicht gebogen. Länge
9—12 Millimeter, Breite 11— 1 4 Millimeter..
Verhältniss zu anderen Arten. Die grösseren Formen dieser
Spezies haben die meiste Aebnlichkeit mit der ächten Rhynchonella
Forbesi Davidson. Doch ist bei unserer Form der Schnabel nie umge-
bogen, wie bei letzterer, und die kleine Schale weit rundlicher als bei
dieser.
Wenn unsere Exemplare auch nicht ganz mit Rhynchonella Forbesi
stimmen, so scheinen mir ihre Unterscheidungsmerkmale doch zu gering-
fügig, um sie als neue Spezies aufzustellen.
Vorkommen: Oberer Dogger, e; Oberes Vesullian.
Ünter-Elsass: Wolxheim. (Oberer Hauptrogenstein.) (L. S.)
Bhynchanella obsoleta Sow. sp. 1812.
Taf. VII, Fig. 8—11.
1812. SowERBY. Mineral conchoiogy of Great-Britain. vol. 1. pag. 192.
Taf. 83. Fig. 7—8.
216
1852. QüENSTEDT. Handbuch, pag. 453. Rhynchonella quadriplicata
ZiETEN sp. z. Thl.
1852. Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 90. Taf. 17. Fig. 1.
1858. QüENSTEDT. Jura. pag. 423. Rhynchonella quadriplicata Zieten
sp. z. Thl.
4859. Oppel. Juta. pag. 499.
1867. Quenstedt. Handbuch. 2. Aufl. pag. 542. Rhynchonella quadri-
plicata Zieten sp. z. Thl.
1870. Greppin. Jura bernois. pag. 40, 41, 45.
1871. Quenstedt. Brachiopoden. pag. .80 und folgende. Rhynchonella
quadriplicata Zieten sp. z. Thl.
1878. Davidson. Supplement, pag. 257. Taf. 29. Fig. 4.
Ca. 24—25 Millimeter lang und 22—23 MiUimeter breit.
Seltener vorkommende grössere Exemplare werden etwas breiter
als lang. Beide Schalen sind mit je 22 — 26 scharf kantigen Rippen
versehen, von denen 4 — 7 auf den mehr oder weniger ausgespro-
chenen Wulst kommen. Diese sind, wie diejenigen im Sinus der
grossen Schale, scharfkantiger als die auf den Flügeln stehenden.
Die kleine Schale ist massig gewölbt.
Das Deltidium ist umfassend. Diesen Umstand benützt
SowEBBY als hauptsächliches Unterscheidungsmerkmal der Rhyn-
chonella concinna von der Bhynchonella obsoleta. Der schlanke
und spitze, frei hinausragende Schnabel, der nicht auf die kleine
Schale übergebogen ist, bewirkt die BUdung einer falschen Area
mit massig scharfen Kanten.
ßei den nachher zu erwähnenden Mittelformen biegt sich die
Schnabelspitze immer mehr auf die kleine Schale über, je mehr die
ganze Form sich dem ConciVina-Typus nähert.
Verhältniss zu anderen Arten. Quenstedt vereinigt mit
Rhynchonella quadriplicata Zieten sp. Rhynchonella concinna Sow. sp.
und noch €vieles Andere», wie er (ßrachiopoden. pag. 81) sagt. Es ist
nun allerdings nicht zu läugnen, dass beide Formen einander sehr nahe
stehen, allein die typische Rhynchonella concinna mit ihren stark um-
217
gebogenen, tief in den Wulst der kleinen hineingreifenden grossen
Schale und die länglicheren Obsoleta-Fonnen mit ihrer geringeren An-
zahl von Rippen und ihrem umfassenden Deltidium, im Gegensatz zum
discreten Deltidium der Rhynchanella concinna^ stehen doch weit aus-
einander.
Oppel fllhrt Rhynchondla concinna nur aus dem Gross-Oolith
und dem firadford-Glay an und stimmt darin mit der zuerst von
DAvmsoN 1852 (Oolitic and liasic brachiopoda) ausgesprochenen Ansicht
fiberein. In seinem 1878 erschienenen Supplement etc. begreift Davidson
jedoch auch Oö^o/e/a-ähnüche Formen aus dem Inferior-Oolile mit unter
Rhynchonella obsoleta.
Auch in Elsass-Lothringen kommen schon in den tieferen Schichten
ähnliche Formen vor, die von der ächten Rhynchonella obsoleta nicht
zu trennen sind.
Ich schliesse mich der Ansicht Davidson's an und habe deshalb
diese Formen ebenfalls unter Rhynchonella obsoleta Sow. sp. einbe-
griffen.
Wie in Schwaben alle diejenigen Formen, welche Quensteot zu
den QuadripUcaten stellt, enge unter einander zusammenhängen, so ist
das auch in Blsass-Lothringen der Fall mit denjenigen Formen, welche
daselbst Vertreter dieser Gruppe sind, wie Rhynchonella concinna,
Rhynchonella obsoleta, Rhynchonella badensis und andere mehr. Mehr
darüber siehe weiter unten.
Vorkommen: Unterer Dogger, 8 — Oberer Dogger, e.
Ober-Blsass: Aue bei Sentheim. (Oberer Hauptrogenstein.) (L.S.
Unter-Elsass: Buchsweiler, (dit.) (L. S.)
Lothringen: Monvaux, Moyeuvre. (Unteres Vesullian; Merge
von Longwy.) (L. S.)
Nachbarländer: Charey(Meurthe-et-Moselle). (Variansschichten.
(L S.) — Montagne de Gornol, Movelier, im Berner Jura,
(Oberes Vesullian.) (G. S.) .
218
JBhynchonella conctnna Sow. sp. 1812.
Taf. VI, Fig. 3—4.
1812. SowERBY. Mineral conchology of Greät-Britaia. toI. I. pag. 192.
Taf. 83. Fig. 6.
1812. Derselbe, ibid. vol. VI. pag. 67. Taf. 536. Fig. 1. Bbynchmella
rostrata Sow. sp.
1834. Buch, lieber Terebrateln elc. pag. 64. (In der franz. Bearbeitung
Mm. Sog. göol. de France. 1838. vol. III. pag. 144.
Taf. 14. Fig. 14.)
1848. Bronn. Index palaeontologicus. pag. 1233.
1852. QuENSTEDT. Handboch. pag. 454. Rhynchonella guadriplicata
ZiET. sp. z. Tbl.
1858. QuENSTEDT. Jura. pag. 499. Rhynchonella guadriplicata Ziet. sp.
z. Tbl.
1859. Oppel. Jura. pag. 499.
1863. OosTER. Bracbiopodes des Alpes suisses. pag. 45.
1866. Terquem et Jourdt. Etage batbonien. pag. 136.
1867. QuENSTEDT. Haudbucb. 2. Auflage, pag. 542. Rhynchonella quadri-
plicata Ziet. sp. z. Tbl.
1870. Greppin. Jura bemois. pag. 46, 51.
1871. QUENSTEDT. Bracbiopodcn. pag. 80, 92, 143. Taf. 38. Fig. 36.
Taf. 40. Fig. 63-67.
1878. Davidson. Supplement, pag. 205 und folgende. Taf. 27. Fig. 22—28.
1879. SzAjNOCHA. ßrachiopoden der Oolite von Baiin. pag. 29. Taf. 6.
Fig. 10—13.
Im Mittel 19 Millimeter lang und 20—22 Millimeter breit,
die kleine Schale im ausgewachsenen Zustande sehr stark ge-
wölbt. Die grosse Schale sendet einen zungenförmigen Fortsatz
weit vor gegen den Wulst der kleinen Schale. Dies gibt der
ganzen Form ein so charakteristisches Aussehen, dass sie sich
nicht leicht mit andern Arten verwechseln lasst. (Taf. VI,
Fig. 3 c u. 4 c.)
219
Beide Schalen sind mit je 26 — 32 sehr scharfkantigen
Rippen geziert, die bis in den Wirbel verlaufen; 6 — 8 derselben
kommen auf den nicht sehr stark ausgesprochenen Wulst der
kleinen Schale. Dieselben sind meist gleichmässig ausgebildet;
Ausnahmen hievon kommen selten vor. Die Rippen verlaufen
nicht gerade, sondern sind leicht gegen den Sinus der grossen
Schale zu eingebogen. Letzterer greift, wie erwähnt, weit vor
auf den Wulst und ist breit und wenig tief. Die Zahl seiner
Rippen variirt, entsprechend der Anzahl derjenigen auf dem
Wulste zwischen 5—^7. Der Schnabel ist ziemlich schlank, sehr
spitz und leicht auf die kleine Schale übergebogen. Das rund-
liche Foramen ist von mittlerer Grösse und von einem discreten
Deltidium begrenzt. Die Arealkanten sind ziemlich abgerundet,
die Schlosslinie ist leicht gebogen.
Verhältniss zu anderen Arten. Die jungen Canctnna-Formen
haben ein Obsoleta-lkhuMches Aussehen, was d*Orbigny veranlasst hat,
diese letztere Spezies als das Jugendstadium der Rhynchonella concinna
anzusehen (Pr. vol. I. pag. 315), was schon darum nicht richtig sein
kann, weil Rhynchonella obsoleta die Rhynchonella concinna an Grösse
oft bedeutend tlbertriflft. Dass Rhynchonella flabellata und rostrata Sow.
sp. nur Jugendformen der RhA/nchonella concinna sind, hat Davidson
gezeigt (Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 89). Die ersten Jugend-
stadien von Rhynchonella obsoleta und Rhynchonella concinna sind ein-
ander ganz gleich; und erst bei einer gewissen Grösse wird es möglich,
eine Trennung vorzunehmen. Mittelformen zwischen beiden Spezies sind
in allen Modalitaten vorhanden. Mehr darüber siehe unten.
Bemerkenswerth ist noch der Umstand, dass die jungen Formen
viel weniger Rippen besitzen, als die ausgewachsenen, indem mit dem
allmäligen Grösserwerden der Rhynchonelien an den FlQgelecken immer
mehr neue Rippen entstehen.
Vorkommen: Oberer Dogger, g; Yariansschichten.
Ober-Elsass: Pfirt und Umgebung. (L. S.)
Unter-Elsass: Bucbsweiler (L. S.)
220
Nachbarländer: Charey, Hag6ville (Meurthe-et-Moselle).
(L. S.) — Vögisheim im Breisgau. (ü. S.) — Ederschwyler, Metz-
erlen, Tannmatt, Levencourt-Larg, Zyfen-Seewen im Berner
Jura, Wartenberg im Baseler Jura. (G. S.)
BhynchoneUa badensis Oppel. 1869.
Taf. VI, Fig. 1—2.
1859. Oppel. Jura. pag. 500.
1859. Deslongghamps. Notes sur le Terrain callovien. 4 yoI. B. Soc lin.
de Normandie. Taf. 4. Fig. 2 des ganzen Bandes, pag. 45
der Abhandlung.
1870. Greppin. Jura bemois. pag. 51.
Bei unsem Formen ist die kleine Schale stets viel weniger
gewölbt, als bei Bhynchonella concinna. Dadurch bekommen die
Schalen eine viel weniger rundliche Form als letztere Spezies.
Ausserdem haben dieselben eine gewisse Tendenz in die Breite
zu wachsen, wie das Fig. la, Taf. VI zeigt. Die Rippen sind
weniger zahlreich, als bei den Concinna-Formen und der Schnabel
ist weniger übergebogen. Arealkanten und Schlosslinie verhalten
sich ganz wie diejenigen bei Bhynchoneüa concinna. Das Del-
tidium ist meist umfassend, doch kommen auch Formen vor, bei
denen dasselbe bei aller sonstigen Uebereinstimmung mit Ehyn-
choneUa badensis doch discret ist.
Oppel spricht von einer Fläche, die von 5 — 7 Rippen der
grossen Schale, welche sich von der Stirne weit nach vorne
ziehen, gebildet wird, und zwar vor ihrer Yereinigungssteile mit
demjenigen der grossen Schale (Jura. pag. 500). Diese Eigen-
thfimlichkeit weist aber Bhynchoneüa concinna auch auf und
kann ich sie nicht als besonderes Merkmal der Bhynchonella
badensis anerkennen. Seine Originale zeigen sie auch nicht be-
sonders deutlich. (Taf. VI. Fig. 1.)
221
SzAjNOOHA (Brachiopoden der Oolite von Balin. pag. 29)
spricht von gewissen Concinna- Typen, die den ganzen Habitus
der letzteren Spezies, aber ein dem der Bhynchonella obsoleta
ähnliches Deltidium haben. Dies scheinen mir, auch nach den
Abbildungen auf Taf. 6 seiner Abhandlung zu schliessen, Mittel-
formen zwischen MhynchoneUa concinna und RhynchoneUa ha-
densis zu sein.
Die durchschnittliche Breite unserer Exemplare beträgt
ca. 24—27 Millimeter, die durchschnittliche Länge derselben ca.
20—23.
Verhältniss zu anderen Arten. Unsere Art ist von manchen
Autoren entweder nicht anerkannt, oder doch vielfach falsch gedeutet.
So fasst z. B. Deslongghamps in der oben citirten Abhandlung diese
Art ganz unrichtig auf und das, was er als RhynchoneUa badensis ab-
bildet, ist sicherlich keine ächte Badensis-Form, Allerdings ist Rhyncho-
nella concinna durch die mannigfachsten Uebergänge mit RhynchoneUa
badensis verbunden, so dass die Ansicht mancher Autoren, diese letztere
Spezies als eine Yahetät der RhynchoneUa concinna anzusehen, begreiflich
erscheint. Auch Uebergänge zwischen RhynchoneUa obsoleta und Rhyncho-
neUa badensis sind vorhanden. Die auf Taf. VI, Fig. 1—2 gegebenen Ab-
bildungen, die ich der Freundlichkeit des Herrn Professors Zittbl in
München verdanke, sind nach den Originalen Oppel's in der dortigen
Sammlung angefertigt. Wenn man diese Darstellungen mit den Fig. 3 — 4
auf derselben Tafel vergleicht, wird man sich leicht fibeiceugen, dass
es Formen gibt, welche von RhynchoneUa concinna und von Rhyncho-
neUa obsoleta getrennt gehalten werden müssen. Oppel stellt Rhyncho-
neUa badensis zwischen RhynchoneUa angulata und RhynchoneUa
concinna und gibt als Hauptunterschied mit RhynchoneUa angulata die*
grossere Anzahl der Rippen bei RhynchoneUa badensis an. Von Rhyncho-
nella concinna unterscheidet sich RhynchoneUa badensis nach seiner
Angabe durch den etwas stärker entwickelten Sinus, den weniger ge-
krümmteren Schnabel und das umfassende Deltidium.
Vorkommen: Oberer Dogger, g; Variansschichten.
Ober-Elsass: Umgebung von Pfirt. (L. S.).
222
Nachbarländer: Movelier-Mönchenstein, Liesberg im
fierner Jara. (G. S.) — YOgisheim im Breisgau. (L. S.) — Hag6*
ville (Meurthe-et-Moselle)*. {L. S.)
Die Gruppe der Mhynchonella spinosa Schl. sp. and
ihrer Verwandten.
Bhynchanella oUgaca/niha Bbamoo. 1878.
1879. Abhandlungen zur geol. Spez.-Karte von Elsaßs-Lothringen. Bd. II.
Heft 1. Brango. Der untere Dogger von Deutsch-Lothringen,
pag. 127. Taf. 6. Fig. 7.
Den Angaben Branco's ist nichts hinzuzufügen.
Vorkommen: Unterer Dogger ß, ß-y.
Lothringen: St. Quentin bei Metz. (Mnrchisonaß- undSowerbyi-
schichten.) (F. S. — L. S.)
Shynchonella Orossi Walkek. 1869.
Taf. VI, Fig. 5.
1869. Procadings of the Yorkshird Naturaliste Club. pag. 214.
1857. Deslongchamps. Description des couches du Systeme oolitique
du Calvados. Bulletin Soc. Linn d. Norm. Vol. II. pag. 47.
Taf. V. Fig. 1 — 1 a. Rhynchonella spinosa Schl. sp.
1870. Walker. Rhynchonella of the Bradford-Glay. Geolog. Mag. vol. VU.
pag. 262.
1871. QuENSTEDT. Brachiopodon. Taf. 39. Fig. 52. (pag. 112). Rhyncho-
nella spinosa Schl. sp.
1878. Davidson. Supplement, pag. 223. Taf. 27. Fig. 17.
* Anmerkung. Bei Hag^ville fanden sich nur einige seltene Exemplare,
die vielleicht Mittelfbrmen zwischen Rhynchonella concinna und Rhynchonella
hadensu sind. Die ächte Badensis-Yorm scheint wohl auf das Rheinthal und die
angrenzenden Gebiete des Berner Jura beschränkt zu sein.
223
Die kleine Schale weist einen aus 3 — 5 scharfkantigen
Rippen bestehenden, ziemlich aasgebildeten Wulst auf. Die Flügel
sind mit 4 — 5 nur schwach ausgeprägten Rippen versehen. In
den Einsenkungen zwischen Wulst und Flügeln entstehen öfters
neue Rippen, die entweder stark anwachsen und so eine neue
Wulstrippe bilden können, oder nur schwach entwickelt sind.
Daher kommt die oben angeführte, zwischen 3 und 5 variirende
Zahl der Wulstrippen. 6 derselben kommen nur in sehr seltenen
Fällen vor. Diese neu hinzukommenden Wulstrippen zeigen hie
und da die auffallende Erscheinung einer Spaltung nach dem
Stirnrande hin, was auch bei ganz grossen Exemplaren der Bhyn-
chonella spinosa manchmal bemerkbar ist.
Die grosse Schale hat im Sinus 2 — 4 Rippen und auf den
Flügeln deren 5 — 6. Letztere sind nicht immer in gleicher An-
zahl auf beiden Flügeln vorhanden. Auch hier tritt eine Spaltung
der Rippen nach dem Stirnrande zu ein, meist an denjenigen,
die dem Sinus zunächst liegen. Der Schnabel ist ziemlich spitz
und öfters etwas auf die kleine Schale herabgebogen. Das Del-
tidium ist umfassend. Die Arealkanten sind sehr scharf. Die
Schlosslinie verläuft erst gerade, ist aber dann gegen die Flügel-
ecken hin leicht gebogen. Alle Rippen auf beiden Schalen sind
nun mit einer gewissen, stets etwas variirenden Anzahl von
durchbohrten Stacheln versehen, die mit der Rippe selbst einen
ziemlich spitzigen Winkel bilden. Die Durchbohrung dieser sta-
cheligen Fortsätze konnte ich an den Elsass-Lothringer Exem-
plaren dieser Spezies wegen Mangels der Schale nicht wahr-
nehmen. Ein von Herrn Dr. Weigand mir gegebenes Exemplar
dieser Art aus den Humphresianusschichten von Holderbank
im Kanton Aargau zeigt diese Eigenthümlichkeit aber sehr gut.
Je mehr solcher stacheligen Fortsätze nun auf den Rippen sitzen,
desto höher reichen auch diese letzteren gegen den Wirbel hin
hinauf. Wenn jede Rippe nur 4 — 6 Stacheln trägt, kann man
224
noch eine reihenweise Anordnung derselben beobachten. Es ver-
laufen in diesem Falle auch die Rippen schon in der Höhe des
zweiten Dritttheils beider Schalen, vom Stirnrande an gerechnet,
so dass der Wirbel ganz glatt bleibt. Die Flügelrippen sind selbst*
verständlich noch etwas höher hinauf zu verfolgen. Dieser Um-
stand tritt hauptsachlich bei Exemplaren mit einer geringen An-
zahl von Wulstrippen auf. Da hingegen, wo sich deren mehr
vorfinden, sind auch mehr Stacheln auf denselben vorhanden;
die reihenweise Anordnung der ersteren ist dann nicht mehr zu
erkennen und die Rippen verlaufen bis in die Wirbelspitzen. Es
kann dann auch der Fall eintreten, dass die Wirbelspitze stark
auf die kleine Schale herabgebogen wird, so dass diese Form
wie ein Miniaturbild jener grossen Exemplare von BhynchoneUa
spinosa Sohl. sp. aussieht, die man nur in den obersten Schichten
des Bathonien findet. Eine ähnliche Erscheinung wurde schon
bei Rhynchoneüa Rosenlmschi nov. sp. aus dem Lias, pag. 36
beschrieben.
Durchschnittliche Länge ca. 11 — 12 Millimeter, Breite ca.
16—17 Millimeter.
Verhältniss zu anderen Arten. Diese Art ist durch Mittelformen
mit Rhynchoneüa oligacantha Branco verbunden. Es liegt mir ein in
den /A/mp/irc5tanws-Schichten vom Bastberge bei Buchsweiler im Unter-
ElsasB von Herrn Andrea gesammeltes Exemplar vor, welches den Ueber-
gang zwischen beiden Formen sehr schön vermittelt. Es ist etwas grösser,
als die Rhynchonella oligacantha Branco, hat aber noch den Habitus
derselben, wahrend Zahl und Spaltung der Rippen auf dem Wulste mehr
den EigenthOmlichkeiten unserer Form entsprechen. Es trägt dagegen
wiederum auf jeder Rippe 4 Stacheln, die reihenförmig angeordnet sind
und den Uebergang von einer Form in die andere nicht verkennen lassen.
Die Beziehungen zu der im Folgenden zu beschreibenden Rhynchonella
tenuispina Waagen werden bei der Beschreibung dieser letzteren Form
besprochen werden.
225
Vorkommen: Unterer Dogger, y und 8.
Unter-EIsass: Umgebung von Buchsweiler, Bitschhofen,
Gnmbrechtshofen. (Humphresianusschichten.) (L. S.)
Lothringen: Monvaux, Sauiny. (Sowerbyischichten ) (L. S. —
P. S.)
Nachbarländer: Sochhaus im Berner Jura. (6. S.)
BhynchonMa tewudspina Waagen« 1868.
Taf. VI, Fig. 6.
1868. Waagen. Ueber die Zone des Ammonites Sowerbyi. (Benecke.
Geogno8t.-palaeontoi. Beitrüge I. pag. 640. Taf. 32. Fig. 6
a — c.)
Kleine Form ca. 8 Millimeter lang und .ca. 11 Millimeter
breit. Beide Schalen sind mit je 30—35 feinen Rippen geziert,
wovon 7 — 8 auf den kaum angedeuteten Wulst der kleinen
Schale kommen. Ein eigentlicher Sinus ist auf der grossen Schale
nicht vorhanden, er ist durch eine leichte Einsenkung ersetzt
(Taf, VI, Fig. 6 c). Alle Rippen verlaufen bis in den Wirbel
und sind mit einer Menge stacheliger Fortsätze besetzt , die
nicht mehr reihenweise angeordnet sind, wie bei Rhynchoneüa
Crossi Walkeb. Dichotomirende Rippen, wie sie Waagen be-
obachtet hat, konnte ich an den wenigen, mir zu Gebote stehen-
den Exemplaren nicht bemerken. Der Schnabel ist spitz und
leicht auf die kleine Schale übergebogen; das direkt unter der
Wirbelspitze befindliche Foramen von mittlerer Grösse wird von
einem discreten Deltidium begrenzt. Die Arealkanten sind ziem-
lich abgerundet und die Schlosslinie verläuft fast ganz gerade.
Verhältniss zn anderen Arten. Diese Art ist durch mancherlei
Mittelformen mit Rhynchmella Crossi Walker verbunden. Dieselben
n. 16
226
sind, so lange sie noch den Habitus der letzteren Spezies an sich tragen,
nur mit wenigen Rippen versehen, die dann auch nur wenige stachelige
Fortsätze tragen. Erst nach und nach yeriiert sich der Wulst, mehr
Rippen treten auf, diese werden feiner und die Anzahl ihrer stachei-
artigen Fortsätze wird immer grosser, bis schliesslich die Formen ganz
den Habitus der ächten Rhyncfumella tenuispina annehmen.
Vorkommen: Unterer Dogger, y und S.
Ober-Elsass: fiergheim. (Humphresianusschichten.) (L. S.)
Unter-Elsass: Imbsheim, Mietesheim. (Humphresianus-
schichten.) (Hier Zwischenformen.) (L. S.)
Lothringen: Rozörieulles, Monyaux, bei Metz. (Sowerbyi-
schichten.) (L. S.)
Nachbarländer: MOnchenstein im fierner Jura. (6. S.)
Shifnchonella spinosa Schl. sp. 1813.
Taf. VI, Fig. 7—9.
1813. ScHLOTHEiM. Beiträge zuT Naturgeschlchte der Yerstetnemngen etc.
(mit Beziehung auf iKnorr. Lapides diluvii tmiversalis
testest. Taf. B. 4. Fig. 4).
1820. Derselbe. Die Petrefactenkunde auf ihrem jetzigen Standpunkte etc.
pag. 268 — 269. Nro. 30. Rhynchonella senticosa Sohl. sp.
z. Th.
1834. Buch, lieber Terebrateln etc. pag. 78. (In der französischen
Abhandlung. 1838. Mm. Soc. g6ol. d. France, vol. lU.
1" sörie. pag. 161. Taf. 16. Fig. 4).
1832. ZiETEN. Versteinerungen Württembergs, pag. 59. Taf. 44. Fig. 1.
1835. Phillips. Geology of Yorkshire I. pag. 123. Taf. 9. Fig. 18.
1837. Bronn. Lethaea geognostica. pag. 296. Taf. 18. Fig. 2.
1843. QuENSTEDT. FlOzgebirgo. pag. 353.
1848. Bronn. Index palaeontologicus. pag. 1251.
1849. d'Grbignt. Prodrome. toI. I. pag. 286. Acanthothyris spinosa
d'Orbigny.
1852. QuENSTEDT. Handbuch. pag. 456. Taf. 36. Fig. 37.
227
1852. Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 71. Taf. 15.
Fig. 15—20.
1858. QuENSTEDT. Jura. pag. 426. Taf. 58. Fig. 21—27.
1859. Oppel. Jura. pag. 432.
1864. Seebach. Hannoverischer Jura. pag. 36. 75.
1867. Quenstedt. Handbucli. 2. Auflage, pag. 545. Taf. 46. Fig. 37.
1869. Brauns. Mittlerer Jura. pag. 289.
1870. Greppin. Jura bemois. pag. 51.
1871. Quenstedt. Brachiopoden. pag. 109 und folgende. Taf. 39. Fig. 46
bis 51. non 52! Fig. 53—59.
1878. Davidson. Supplement, pag. 222. Taf. 27. Fig. 18—19.
1879. SzAJNOCHA. Brachiopoden der Oolite von Baiin. pag. 25. Taf. 5.
Fig. 17-18.
1880. ZiTTEL. Handbuch. 1. 1. pag. 691. Fig. 522.
Der Habitus dieser Art ist sehr verschieden. Es gibt Exem-
plare, die eben so lang als breit sind und solche, bei denen die
Breite bedeutend grösser ist, als die Länge. Ersterer Fall ist
seltener, der letztere dagegen der häufigste. Diese breitere Form
wird im ausgewachsenen Zustand bis 30 MiUimeter breit und bis
24 Millimeter lang. Beide Schalen sind je mit etwa 30 — 35
Kippen geziert, von denen jede mit einer unbestimmten Anzahl
der schon bei Rhynchonella Crossi und BJiynchoneUa tenui-
Spina erwähnten stachelartigen, durchbohrten Fortsätze versehen
ist, die sich ganz so verhalten, wie bei den eben genannten
Arten. Die kleine Schale ist oftmals sehr bauchig und zwar dann
meist so, dass die grösste Wölbung gerade auf ihrer Mitte liegt.
Sinus und Wulst sind zuweilen entwickelt, zuweilen fehlen sie
auch vollständig. Ersteres findet sich bei breiteren Formen,
letzteres mehr bei solchen von gleicher Länge und Breite. (Meist
25 — 26 Millimeter.) Taf. VI, Fig. 8 zeigt eine Form, bei welcher
der Stimrand leicht gebogen und keine Spur von Wulst oder
Sinus zu finden ist, während bei dem Fig. 9 abgebildeten
Exemplar Wulst und Sinus entwickelt sind. Die Rippen sind auf
228
beiden Schalen nicht scharfkantig, sondern gerundet, verlaufen
bis in den Wirbel und sind öfters und dann speziell die mitt-
leren gegen den Stirnrand hin gegabelt, wie dies Fig. 9 zeigt.
Es kommt sogar der Fall vor, dass eine Rippe gleich unter dem
Wirbel sich spaltet und dieser Umstand sich noch öfters wieder-
holt, so dass am Stirnrande ein ganzes Bündel von Bippen steht.
Diese Spaltung der Bippen ist bei den breiteren Formen
ungleich häufiger, als bei den länglichen. Wenn ein Wulst vor-
handen ist, so trägt derselbe 8 — 10 Bippen und in der Ein-
senkung zwischen Wulst und Flügeln liegen stets einige schwächere
Bippen. Der Sinus ist dann breit, wenig tief und mit gleichen
schwachen Bippen bis in die Flügel besetzt. Bei den jungen
Individuen ragt der spitze Schnabel noch frei hinaus; bei Zu-
nahme der Grösse und Bundung tritt die Tendenz desselben,
sich an die kleine Schale fest anzudrücken, hervor (Taf. VI,
Fig. 9), was sogar d'Oebigny zur Außtelluug einer neuen Gat-
tung Acanthoihyris mit angeblich fehlendem Deltidium veranlasste.
Das Deltidium ist discret, was an jungen Exemplaren noch sehr
gut zu sehen ist und an alten durch Wegsprengen des Schnabels
beobachtet werden kann. Die Arealkanten sind gerundet, die
Schlosslinie verläuft fast ganz gerade.
lieber die Entwicklung dieser Spezies ist nichts von Bedeutung zu
berichten. Bei den mit einem Wulst und Sinus versehenen Formen ent-
wickeln sich diese erst in fast ausgewachsenem Zustand. Bis dahin bleibt
der Stirnrand leicht gebogen. Taf. VI, Fig. 7 zeigt ein Jugendstadium
von Rhynchonella spinosa von gleicher Grösse wie Fig. 5 — 6 auf der-
selben Tafel, zum Vergleich der Jugendformen dieser Spezies mit aus-
gewachsenen Exemplaren der Rhynchonella Crossi und der Rhyncho-
nella tenuispina Waagen (cf. die betreffenden Stellen in der Beschreibung
dieser Arten).
Verhältniss zu anderen Arten. Diese Spezies ist durch Ueber-
gänge mit Rhynchonella Crossi und Rhynchonella tenuispina eng ver-
bunden.
229
Anmerkung. Manche Autoren, wie Oppel, Davidson und Andere,
sprechen von Formen aus dem Unter-Oolith. (Schichten des Amm.
Humphresiamis etc.) Bei uns fehlt die ächte Rhynchonella spinosa in
diesen tieferen Lagern und ist in denselben durch ihre Vorläufer Rhyncho-
nella Crossi und Wiynchonella tenuispina ersetzt.
Ich yermuthe, dass die von den oben angeftlhrten Autoren citirten
Exemplare auch wohl diesen Formen angehören werden.
Bei Niederweiler im Breisgau kommen Formen vor, die bei dem
ganzen Habitus der Rhynchonella spinosa doch in der ßerippung der
Rhynchonella Crossi Walker nahe stehen.
Vorkommen: Oberer Dogger, e; Variansschichten.
Ober-Elsass: Pfirt und Umgebung. (L. S.)
Unter-Elsass: Qriesbach am Bastberge. (L. S.)
Lothringen: Fehlt.
Nachbarländer: Zyfen-Seewen, Fasswangen, St. Brain,
Bttingen, Mönchenstein, im Berner Jura. (G. S.) — Vögisheim
im Breisgau. (ü. S.) — La Miotte bei Beifort. (S. S.)
Mhynchonella varians Schl. sp. 1820.
Taf. VI, Fig. 12—15. Taf. VII, Fig. 21—23.
1820. Schlotheim. Die Petrefactenkunde auf ihrem jetzigen Stand-
punkte etc. pag. 267.
1832. ZiETEN. Versteinerungen Württembergs, pag. 57. Taf. 42. Fig. 7
a — f,
1834. Buch, üeber Terebraleln. pag. 36. (In der franz. Abhandlung
1838. M6m. Soc. g6ol. d. France. voL IIL pag. 135. Taf.IIL
Fig. 4).
1835—36. RoEMER. NorddeulschesOolithengebirge. pag.38.Taf.2.Fig. 12.
1835—36. Phillips. Geology of Yorkshire. pag. 106. Taf. 6. Fig. 8.
Terebratulites socialis .Phill.
1837. PüSCH. Paläontologie Polens, pag. 12. Taf. 3. Fig. 3.
1837. Bronn. Lethaea geognostica. Taf. 18. Fig. 4.
1848. Derselbe. Index palaeontologicus. pag. 1254.
230
1849. d*Orbigny. Prodrome. yoI. 1. pag. 376.
1852. QüKNSTEDT. Handbuch, pag. 454. Taf. 36. Fig. 19.
1852. Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 83. Taf. 17.
Fig. 15-^16.
1858. QüENSTEDT. Jura. pag. 495. Taf. 66. Fig. 25.
1859. Oppel. Jura. pag. 498.
1859. Deslongghamps. Notes snr le terrain callovien. (Bulletin. Soc. linn.
d. Norm. 4. vol. pag. 41 der Abhandlung. Taf. 4. Fig. 15
des ganzen Bandes).
1863. OosTER. Brachiopodes des Alpes suisses. pag. 48.
1864. Seebacm. Hannoverischer Jura. pag. 41.
1867. QüENSTEDT. Handbuch. 2. Aufl. pag. 542. Taf. 46. Fig. 19.
1870. Greppin. Jura bernois. pag. 51, 56.
1871. QüENSTEDT. Brachiopoden. pag. 85— 99. Taf. 38. Fig. 56—82. (non!
83—87.) Fig. 88—104.
1875. Lepsius. Beiträge zurKenntniss der Juraformation etc. pag. 29—30.
1878. DAvrosoN. Supplement, pag. 213. Taf. 28. Fig. 1—3. pag. 212.
Taf. 28. Fig. 3A, 3B, 4, 12-13.
1879. SzAJNOCHA. Brachiopoden der Oolite von Baiin. pag. 28. Taf. 6.
Fig. 5-8. (9?)
Meist breiter als lang; durchschnittlich 14 — 16 Millimeter
auf 12 — 13. Die kleine Schale ist mit 16 — 18 scharfkantigen,
in den meisten Fällen bis in den Wirbel hinein verlaufenden
Rippen geschmückt, wovon 4 — 6 auf den Wulst kommen. Nur
in selteneren Fällen bleibt die Wirbelgegend glatt, dann wird
aber auch der Wirbel selbst gedrückter, verliert sein schlankes
Aussehen und die Form sieht dann einer Bhynchoneüa Thur-
manm VoLTz mehr ähnlich, als einer typischen Fanan^-Form. Es
entstehen so die Uebergänge zwischen diesen beiden, von manchen
Forschern, wie Quenstedt und Davidson, mit einander vereinigten
Arten. Der Wulst tritt häufig nur wenig hervor, indem die ganze
Schale sich stark wölbt und Wulst- und Flügelrippen allmälig
in einander übergehen. Das ist bei denjenigen Formen, die in
der Einsenkung zwischen Wulst und Flügeln neue Rippen bil-
231
den, besonders häufig. In andern Fällen tritt dagegen der Wulst
auch sehr stark hervor und die Einsenkung zwischen ihm und
den Flügeln ist tief ausgeschnitten. Die Wulstrippen sind an der
Stirne etwas fibergebogen und nicht alle von gleicher Stärke.
Oefters sind es die mittleren, die stärker hervorragen. Auch
die Flügelrippen sind nicht immer gleichmässig ausgebildet, die
dem Wulste zunächst liegende ist jedoch stets die stärkste.
Die grosse Schale trägt 15 — 17 ebenfalls scharf ausgeprägte
Rippen. Der Sinus ist ziemlich tief eingesenkt, doch kann auch
hier durch das Entstehen neuer Rippen zwischen diesem und
den Flügeln ein allmäliger Uebergang in dieselben vermittelt
werden. Im Uebrigen ver])ält sich diese Schale ganz wie die kleine.
Der Schnabel ist spitz und kaum übergebogen, das Foramen ist
verhältnissmässig sehr gross, das Deltidium discret. Die Areal-
kanten sind scharf und die Schlosslinie ist leicht gebogen. Auf
den schlanken Wirbel, der zu abnormen Bildungen, wie Fig. 11,
Taf. VI eine zeigt, leicht Anlass gibt, sei hier nochmals hinge-
wiesen. Bemerkenswerth ist dabei das umfassende Deltidium, die
grössere Anzahl der Rippen und deren gleichmässigere Ausbil-
dung am Wulste. Taf. VII, Fig. 23 zeigt eine andere ganz ab-
norme Form mit gespaltenen Rippen, die ihrem ganzen Habitus
nach wohl auch zu Rhynchonella varians zu stellen ist.
In den meisten Fällen bilden beide Schalen miteinander
einen Winkel von 35 — 38**, der öfters bis 45® gross werden kann.
In Elsass-Lothringen finden sich hauptsächlich zwei Formen
recht häufig, die auf Taf. VI, Fig. 12 und 13 wiedergegeben
sind. Im Allgemeinen sind die breiteren Formen, wie Fig. 13,
die häufigeren; die länglichen sind seltener.
Im Oolith von Buchsweiler im Unter-Elsass finden sich kleine
Rhynchonellen , Fig. 14 — 15 auf Taf. VI, die trotz ihrer sehr
geringen Grösse im Verhältniss zur typischen Rhynchoneüa varians
doch das Gesammtaussehen und alle Eigenthümlichkeiten dieser
232
Form selbst haben. Ich schlage für dieselben den Namen
BhynchoneUa varians^ var. oolithica vor, um die Abweichang
von der typischen höher liegenden Form der eigentlichen Yarians-
schichten hervorzaheben.
Es tritt hier wiederum ein solcher Fall, wie wir ihn schon
bei Rhynchoneüa spinosa Schl. sp. beobachtet haben, ein, dass
nämlich gewisse Formen in tiefer liegenden Horizonten, bei ge-
nau eben solchem Habitus, wie die tjrpischen höher liegenden,
ausgewachsenen und grösseren Exemplare sich von diesen nur in
Betreff der Grösse unterscheiden, während bei höher liegenden
Formen die Jugendstadien ein ganz anderes Aussehen haben.
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Ueber die Entwicklung lässt sich wenig sagen. Schon die ganz
jungen Formen tragen den Charakter der Rhynchonella varians an sich.
In den meisten Fällen beginnt die Herausbildung des Wulstes erst dann,
wenn die Form mehr als die Hälfte der normalen Grösse erreicht hat.
Unter den Arten des Dogger ist diese sicherlich die formenreichste.
VerhältnisB zu andern Arten (siehe weiter unten).
Vorkommen: Oberer Dogger, 5; Oberes Yesuliian und Variaos-
schichten.
Ober-Elsass: Pfirt und Umgebung. (Variaasschichten.) (L. S.)
Unter-Elsass: ßuchsweiler. (Oberes VesuUian; var. oolithica.)
— Buchsweiler, Mietesheim. (Yariansschichten.) (L. S.)
Nachbarländer: Metzerlen, Seewen, im Berner Jura.
(6. S.) — Niederweiler, VOgisheim, im Breisgau. — Beifort. —
Gharey (Meurthe-et-Moselle). (Yariansschichten.) (L. S. — ü. S.)
233
Die VerwandtsohaftsverhäKiiiMe der Rhynohonella-Arten des Dogger.
Während im unterea Dogger von Eisass-Lothriagen bis jetzt noch
keine Form gefunden worden ist, welche sich an irgend eine der mittel-
oder oberliasiscben Arten anschliessen Hesse, so scheinen zwischen den-
jenigen des unteren und denjenigen des mittleren und oberen Dogger
einige nicht zu verkennende Verwandtschaften zu bestehen.
Wie schon bei der Beschreibung von RhxjnchoneUa cf. angulata
Sow. sp. pag. 47 gesagt wurde, kommen zu Gharey im däpartement de
la Meurthe-et-Moselle in dem dortigen Bathonien Exemplare vor, welche
wohl als Mittelformen zwischen Rhynchonella varians Sohl. sp. und
Rhynchonella cf. angulataSow, sp. aufzufassen sind. (Taf. VII, Fig. 21 — 22.)
Rhynchonella Davidsoni, Ghapuis et Dewalque, welche nur eine
locale und auf kleinere Dimensionen beschränkte Abänderung der
Rhynchonella acuticosta Zieten sp. sein dtlrfte, scheint mit Rhyncho-
nella Kirchhoferi nov. sp. durch Mittelformen verbunden zu sein, deren
Anzahl leider aber noch eine zu geringe ist, um diese Verwandtschaft
mit Bestimmtheit aussprechen zu kOnnea. Letztere Art ist abrigens auch
nahe verwandt mit Rhynchonella parvula Deslonggbamps.
Rhynchonella lolharingica nov. sp. ist, wie auch schon ange-
deutet wurde, wohl die Vertreterin der Rhychonella acuticosta in Loth-
ringen.
Rhynchonella lolharingica ist weiter sehr nahe verwandt mit
Rhynchonella Edwardsi Ghapuis et Dewalque. Beide entwickeln sich,
wie wir gesehen haben, aus einer und derselben Jugendform*, beide
Arten sind durch gewisse Formen aus dem Hauptrogenstein von Buchs-
weiler enge verbunden mit Rhynchonella varians Schl. sp. var, oolithica
(Taf. III, Fig. 14—15). Desgleichen bestehen Mittelformen zwischen
Rhynchonella Edwardsi und Rhynchonella obsoleta Sow. sp. Rhyncho-
nella lolharingica scheint durch gewisse Mittelformeo mit Rynchonella
badensis verbunden zu sein (Taf. VII, Fig. 20).
Rhynchonella Pallas Ghapuis et Dewalque hat gewisse Jugend-
stadien, bei deren Bestimmung man wirklich zweifelhaft wird, ob man
sie zu dieser Art oder zu Rhynchonella obsoleta stellen soll. Rhyncho-
nella obsoleta selbst ist durch die allermannigfachsten Uebergange mit
Rhynchonella concinna Sow. sp. und Rhynchonella badensis Oppel
verbunden, zwei Arten, welche ohnedies kaum von einander ^u trennen
sind.
234
Es wiederholt sich hier dieselbe Erscheinung, wie bei Rhyncho-
nella gryphitica Qüenst. sp., Rlußichonella Deffneri Oppel und Rhyncho-
nella Schimperi nov. sp. der oberen Gryphitenkalke und der Brevis-
schichten, nur in viel grösserem Maasstabe. Man kann eben nur einzelne
Typen festhalten und muss davon absehen, scharfe Grenzen zu ziehen.
Qu£NST£DT hatte diese verwandtschaftlichen Beziehungen längst erkannt
er fasst alle diese Arten unter dem Namen Terebratula quadriplicata
ZiETEN zusammen, indem er allerdings Varietäten der Gruppen als
Rhynchonella quadriplicata pugnacea und andere mehr unterscheidet.
Für unsere Verhältnisse ist ein solches Zusammenwerfen der verschie-
denen Arten noch verfrüht; man muss vielmehr noch suchen, die ein-
zelnen Typen so weit als möglich mit besonderer Rtlcksicht auf das
Lager auseinander zu halten.
Die einzelnen Arten der i^tno^a-Gruppe sind, wie durch Ueber-
gänge nachgewiesen werden kann, aus einander entstanden. Die Entwick-
lung ist genau zu verfolgen, von der mit nur wenig Stacheln versehenen
^ Rhynchonella oligacantha Branco durch Rhynchonella Crossi Walker
"^ und Rhynchonella tenuispina Waagen hindurch zur grossen, ächten
g; und mit vielen Stacheln gezierten Rhynchonella spinosa Schl. sp.
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236
Die Rhynchonellen des Malm.
RliyndtoneUa cf. triplicosa Qüenst. sp.
Rhynchonella Thurmanni Voltz.
Rhynchonella acarus Merian.
Indem der schweizer Jura seine letzten Ausläufer in den südlichen
Theil des Oher-Elsasses sendet, gelangt der Malm auch noch auf deut-
schem Gebiete zur Entwicklung und zwar mit fast allen seinen Faciesbil-
dungen, die er auch auf dem schweizer Gebiete aufweist und deren
Beschreibung Greppin im VIII. Band der Mat^riaux pour la carte g6o«
logique de la Suisse niedergelegt hat.
Wenn nun die Brachiopoden des Malm mit der gehörigen Grflnd-
Uchkeit bearbeitet werden sollten, und es ist dies bei der ungemein
grossen Yerschiedenartigkeit der Faciesbildungen im schweizer Jura
gegenüber denjenigen in Schwaben, Frankreich und England eine nicht
leichte Aufgabe, so müsste in erster Linie das in den Sammlungen zu
Basel, Bern und Zürich vorhandene Material mit dem unsrigen verglichen
und zur Bearbeitung herangezogen werden.
Bei den wenigen auf deutscher Seite vorkommenden Arten würde
das Resultat einer solchen umfassenden Untersuchung nicht im Verhalt-
niss stehen zu der aufgewendeten Zeit und Arbeit. Eine genaue Unter-
suchung der Brachiopoden des schweizer und somit des elsassischen
Malm wird von einer breiteren geologischen Basis auszugehen haben,
als die Berge der Pfirt sie bieten*
Ich beschranke mich daher an dieser Stelle auf wenige Andeu-
tungen theils über Arten, die in der Greppin sehen Sammlung liegen,
theils über solche, die in der Umgebung von Pfirt gesammelt wurden.
* Anmerkong. Uebrigens ist nach den Ankündigungen des Vorstandes der
schweizerischen palaeontologischen Gesellschaft Herr Dr. Paul Choffat zar Zeit mit
einer AbhandlaQg über eben dieses Thema besehaftigt.
237
BJiynchoneUa cf. triplicosa Quenst. sp. 1862.
Taf. Vn, Fig. 13.
1852. QuENSTEDT. Handbuch. pag. 454. Taf. 36. Fig. 26.
1858. Derselbe. Jura. pag. 496. Taf. 66. Fig. 30—32.
1859. Oppel. Jura. pag. 575.
1864. Seebagh. Hannover'scher Jura. pag. 90. Rhynchonella cf. tripli-
cosa QüENST. sp.
1867. QüENSTEDT. Handbuch. 2. Auflage, pag. 542. Taf. 46. Fig. 26.
1869. Brauns. Mittlerer Jura. pag. 291.
1870. Greppin. Jura bernois. pag. 56.
1871. Quenstedt. Brachiopoden. pag. 99. Taf. 39. Fig. 1 — 11.
Die Form ist 14 Millimeter breit und 13 Millimeter lang.
Die kleine Schale ist ziemlich bauchig, ihre grösste Wölbung liegt
etwas über die Mitte hinaus, dem Stirnrande zu. Sie ist mit
nenn scharfkantigen bis in den Wirbel reichenden Hippen ver-
sehen. Drei davon zieren den ziemlich ausgesprochenen Wulst.
Sie sind stärker ausgebildet, als die auf den Flügeln stehenden
und biegen auf der Höhe des ersten Dritttheils der Schale, vom
Stirnrande an gerechnet, nach dem Sinus zu, um. Die den Wulst
von den Flügeln trennende Einsenkung ist glatt, von den Flügel-
rippen ist die dem W^ulste zunächst liegende die ausgeprägteste.
Die grosse Schale hat einen ziemlich tiefen, mit zwei
Rippen versehenen Sinus, welche ebenso, wie die drei Rippen auf
jedem Flügel erst im Wirbel verlaufen. Der spitze Schnabel ist
auf die kleine Schale übergebogen, das Foramen ist klein. Die
Verhältnisse des Deltidiums konnten nicht festgestellt werden.
Die Arealkanten sind sehr abgerundet, die Schlosslinie verläuft
fast ganz gerade.
Die Landessammlung von EIsass-Lothringen besitzt ein einziges
Exemplar, das aus der GREPPiN'schen Sammlung stammt und wohl nur
eine locale Abänderung der Rhynchonella triplicosa Quenst. sp. sein
238
wird, voD der es sich jedoch durch den ziemlich auf die kleine Schale
angedrückten Schnabel und die erst im Wirbel verlaufenden Rippen
unterscheidet.
Vorkommen: Unterer Malm; Gallo vien.
Berner Jura: Gluse zwischen Ettingen und ß lauen. (6. S.)
(Glus de PfsBffingen, und Movelier, nach Greppin.)
«
RhynchaneUa ThurmcMint Yoltz. 1833.
Taf. VU, Fig. 14—17.
1833. Thirria. Statistique minäralogique et göologique du döpart. de la
Haute-Saöne. pag. 172—179.
1835. Bronn. Lethaea geognostica. pag. 29.
1852. QuENSTEDT. Haudbuch. pag. 454.
1859. Oppel. Jura. pag. 608.
1859. Etallon. Lethaea bruntrutana. pag. 291. Taf. 42. Fig. 6.
1867. Quenstedt. Handbuch. 2. Auflage, pag. 542.
1870. Greppin. Jura bernois. pag. 56. 71. 82.
1871. Quenstedt. Brachiopoden. pag. 90. Taf. 38. Fig. 83—87.
1878. Davidson. Supplement, pag. 215. Taf. 28. Fig. 14—16.
Die Form ist stets breiter wie lang. Die Länge beträgt
ca. 12 — 13 Millimeter, die Breite deren 16 — 17. Die kleine
Schale ist stark aufgebläht, der Wulst ist von den Flügeln durch
keine scharfe Einsenkung getrennt, geht vielmehr durch aUmä-
liges Weiterhervorspringen der Rippen, deren stärkste stets scharf-
kantiger sind, als die übrigen, aus diesen hervor.
Die Zahl der Wulstrippen variirt zwischen 5 — 7. Tritt
ersteres Verhältniss ein, so ist stets eine ungleiche Ausbildung
derselben vorhanden; wo dagegen 7 Wulstrippen sich finden,
ist ihre Bildung eine gleichmässigere.
Die grosse Schale weist einen breiten doch wenig tiefen
Sinus auf, der weit auf die kleine übergreift. Die Sinusrippen
verhalten sich ebenso, wie die des Wulstes, die Flügel sind jedoch
239
scharf vom Sinus getrennt. Hier ist es meist die zweite Flügel-
rippe, die am stärksten ausgebildet ist. Die Anzahl der Rippen
auf dieser Schale ist ganz von den Verhältnissen auf der kleinen
Schale abhängig. Der Schnabel ist sehr spitz und stets viel mehr
übergebogen, als bei der Bhynchoneüa varians. Das Deltidium
ist gross und discret.
Die Arealkanten sind sehr scharf. Die Schlosslinie verläuft
ganz gerade und biegt dann plötzlich nach vorne ein, einen
Ausschnitt an der kleinen Schale bildend.
Die Wirbelgegend ist auf beiden Schalen ganz glatt. Die
kleine Schale ist oben sehr breit, was der ganzen Form ein
charakteristisches Aussehen gibt. Die Flügelecken sind abgerundet,
bei den Jugendstadien hie und da noch ein wenig eckig, bei
den ausgewachsenen Exemplaren stets rundlich.
Etallon spricht von einer i Ouvertüre tr6s-^troite», Lethaea brun-
trutana. pag. 291. An den vielen von mir untersuchten Exemplaren war
das Foramen stets gross.
Die jungen Formen sind glatt; erst allmälig fangen die Rippen
an, sich am Stirnrande zu bilden; die Wulstbildung beginnt erst, wenn
die Form etwa Va ihrer normalen Grösse erlangt hat.
Verhältniss zu anderen Arten. Von Quenstedt und Davidson
wird diese Spezies nur als eine Yariet&t der Rliy^nchonella varians
ScHL. sp. angesehen. Sie ist allerdings mit derselben durch Uebergänge
verbunden und gewisslich nur aus dieser entstanden; dass es aber keine
locale Abänderung ist , mit der wir es hier zu thun haben, das beweist
ausser ihrer grossen Verbreitung im ganzen Westen Europa's, wo der
untere Malm entwickelt ist, auch ihr Vorkonunen in England. (Davidson.
Supplement, pag. 215. Taf. 28. Fig. 14 — 16.) Uebrigens sind die typischen
Formen doch ganz verschieden von der typischen Rhynchonella varians.
Dieser Umstand und die geologische Bedeutung dieser Spezies ist, wie
mir scheint, dennoch ein Grund, ihr den eigenen Namen zu lassen.
Das genaue Studium dieser Form wird uns durch das verkieselte
Vorkommen derselben im sogenannten Terrain-ft-chailles, wesentlich
erleichtert. Durch Aetzen mü verdünnter Salzsäure kann man die Schalen
240
au8 dem sie amgebeadea Gestein ganz herauslösen und auch die innere
Organisation des ArmgerOstes, der Zahnplatten etc. auf das Allergeoaueste
beobachten. Taf. VII, Fig. 17 zeigt ein solches berausprftparirtes und
aufgebrochenes Exemplar mit dem Brachialapparat, der bis auf die
kleinsten Details erhalten ist.
Vorkommen: Unterer Halm; Oxford.
Ober-Elsass: Pfirt (Qberall). (Terrain-ä-chailles.) (L. S.)
Nachbarländer: ßerner und Baseler Jura (Qberall). (G. S.)--
Beifort. (S. S.)
Rhynehanella (uhmtus Meeian. 1870.
Taf. Vn, Fig. 18.
1870. Greppin. Jura bernois. pag. 71, 82, 85.
Kleine, kaum 6 Millimeter lange und ebenso breite Form.
Am Stirnrande ziemlich breit, mit 12 — 15 wenig scharf kantigen,
den Wirbel meist frei lassenden Bippen auf jeder Schale. In
häufigen Fällen sind nur ca. zwölf Rippen vorhanden, dann hat der
Wulst, der kaum angedeutet ist, nur deren vier; treten mehr
Rippen auf, so hat der Wulst öfters deren fünf und die ganze
Form wird etwas breiter als lang. Die grosse Schale hat keinen
Sinus. Beide Schalen sind kaum gewölbt und fast ganz flach. Der
Schnabel ist ziemlich spitz, Foramen und Deltidium sind klein;
letzteres ist discret, die Arealkanten sind sehr scharf, die Schloss-
linic gerade.
Die ganze Form sieht einer jungen Rhynchonella Thurmanni sehr
ahnlich. Das einzige Unterscheidungsmerkmal von den Exemplaren
gleicher Grösse der letzteren Spezies ist das, dass diese in der Jugend
ganz glatt oder nur sehr wenig am Stirnrande gerippt sind.
Vorkommen: Unterer Malm; Oxford.
Ober-Elsass: Pfirt (Terrain-ä-chailles.) (L. S.)
241
Nachbarländer: Bourrignon, Noirmont, im Berner
Jura (G. S.).
Die abgebildeten Exemplare von Noirmont verdanke ich der Freund-
lichkeit des Herrn Rathsherrn P. Merian zu Basel, dem BegrQnder dieser
Spezies.
Nachtrag zu Rhynchonella.
Folgende weitere Fundorte frtlher besprochener Rhynchonellen
sind mir nachtraglich bekannt geworden:
Zu pag. 161. Rhynchonella plicatissima Qüenst. sp.
Bahneinschnitt bei Buchsweiler. (Oberer Gryphitenkalk.)
(L. S.)
Zu pag. 165. Rhynchonella Deffneri Oppel.
Magny in Deutsch-Lothringen. (Gryphitenkalk.) (L. S.)
Zu pag. 171. Rhynchonella Schimperi nov. sp.
Gombe bei Roche-dessus im Berner Jura. (Gryphitenkalk.)
(G. S.)
Zu pag. 181. Rhynchonella calcicosta Quenst. sp.
Eberbach im Unter-Elsass. (Mittlerer Lias, y) MQhlhausen,
ebenda. (Diluvial.) (L. S.)
Zu pag. 188. Rhynchonella curviceps Qüenst. sp.
Vaufrey im Berner Jura. (Mittlerer Lias, y) (G. S.)
Zu pag. 198. Rhynchonella scalpellum Quenst. sp.
Eine ähnliche Form (cf. Quenstedt. Brachiopoden. Taf. 37,
Fig. 166) aus dem mittleren Lias, y von Luppy in Deutsch -
Lothringen. (L. S.)
Zu pag. 190. Rhynchonella amallhei Quenst. sp.
Kirrweiler am Bastberge im Unter-Elsass. (Mittlerer Lias,
5, Gostatusschichten.) (L. S.)
U. 16
242
BhynchoneUa ct. Jurenais Qcenst. sp. — 1858.
^M^^
\')\
1858. QuENSTEDT. Jura. pag. 287. Taf. 41. Fig. 33—35.
1871. Derselbe. Brachiopoden. pag. 75 und folgende. Taf. 38. Fig. 23—31.
Kleine und wenig gewölbte Art mit 15 — 1 8 scharf kantigen
Rippen auf jeder Schale. Der wenig ausgesprochene Wulst weist
5 Rippen auf. Sinus breit und nur wenig tief. Spitzer, doch
kaum übergebogener Schnabel. Arealkanten scharf. Gerade
Schlosslinie. Wirbel auf beiden Schalen glatt.
Länge 9 Millimeter, Breite 10 Millimeter.
Verhältniss zu anderen Arten. Dem ganzen Habitus nach
Rhynchonella amalthei Quenst. sp. sehr nahe stehend, wie das auch
schon QüENSTEDT bemerkt. (Jura, pag. 287.)
Vorkommen: Unterer Dogger, ß.
*Unter-EIsass: Gundershofen. (Afurchisonacschichten.) (L. S.)
Lothringen :Wolmingen-WoImeringen.(Murchisonae8chichten.)
(L. S.)
Zu pag. 206. Rhynchonella cf. angulata Sow. sp.
Roche-dessus im Berner Jura. (Oolithe ferrugineuse.) (G. S.)
Zu pag. 207. Rhynchonella Kirchhoferi nov. sp.
Götc de la Rique bei Lorry in Deutsch-Lothringen.
(Murchisonaeschichten.) (L. S.)
243
Zu pag. 210. Rhynchonella Pallas Ghapuis et Dewalque.
Moyeuvre, Rangwall, Noy6ant, Saulny, Pierrevilliers
in Deutsch-Lothringen. (Korallenkalk.) (L. S. -»• ü. S.)
Böt;kten, Vorbourg, Bellerive, Liesberg im Berner und
Baseler Jura. (Humpbresianusschichten.) (6. S.)
Hier sind es Formen, die der Rhynchonella crassicosta Moesgh sehr
nahe stehen. —
Moyeuvre in Deutsch-Lothringen, Longwy, D^p. de la
Meurthe-Moselle. Mergel von Longwy. (L. S.)
Hier Mitlelformen zwischen dieser Spezies und Rhynchonella ob-
soleta Sow. sp. —
Zu pag. 215. Rhynchonella obsoleta Sow. sp.
Die oben erwähnten Mittelformen zwischen unserer Spezies und
Rhynchonella Pallas, Gravelolle. (Mergel von Gravelolte.) (L. S.)
Roche-dessus im Berner Jura. (Oberes Vesullian.) Mönchenstein
und La Groix bei St. Ursanne, ebenda. (Oberes Vesullian.) (6. S.)
Zu pag. 218. Rhynchonella concinna Sow. sp.
Boilenberg im Ober-Elsass und Woixheim im Unter-
Elsass. Jugendformen. (Hauptrogenstein.) (S. S.) Gänivaux in
Deutsch-Lothringen, desgleichen. (Mergel von Gravelotte.)
(L. S.)
Zu pag. 229. Rhynchonella varians Schl. sp.
Imbsheim im Unter-Elsass. (Variansschichten.) (L. S.)
Zu pag. 237. Rhynchonella triplicosa Quenst. sp.
Schanenburg im Berner Jura. (Macrocephalusschichten.) (G.S.)
244
TerebratvUdMe.
Tetebratulaj Klein 1753. s. str.
Die Terebrateln des Lias und des Dogger.
Terebratu
Terebratu
Terebratu
Terebratu
Terebratu
Terebratu
Terebratu
Terebratu
Terebratu
Terebratu
Terebratu
Terebratu
Terebratu
Terebratu
Terebratu
Terebratu
Terebratu
a subovotdes Roemer.
a punctata Sow.
a infraoolithica Deslongchamps.
a perovalis Sow.
a cf. submaxWata Morris.
a ventricosa Zieten.
a Simplex Buckmann.
a decipiens Deslongchamps.
a Philippsii Morris.
a maxillata Sow.
a langicollis Greppin.
a globata Sow.
a intermedia Sow.
a Fleischeri Oppel.
a diptycha Oppel.
a Lutzii nov. sp.
a Bentleyi Davidson-Morris.
Terebratula sttbovoldes Roeher 1836.
1835—36. ROEHEB. NorddculGChes Oolilbengebirge. pag. 50. Taf. 2. Fig. 9.
18i7. d'Orbignt. Prodrome, pag. 239. Terebralula latnpas d'Ohbiont,
non SowERBY.
1853. Oppel, Midierer Lias. pag. 70. Taf. 4. Fig. 1.
1858. QuENSTEDT. Jura. pag. 143. Taf. 18. Fig. 3—4. Terebratula numis-
mali$ lagenalis Q^Jenstedt.
1859. Oppel. Jura. pag. 186.
1863. Deslongchahps. ßrachiopodes. pag. 154. Taf. 37. Pig. 4. Taf. 38.
Fig. 1-9.
1863. ScuLOENBACH. Blsenstein des untereo Lias etc. pag. 548. Tere-
bratula sublagenalis Roemeb, noD Davidson.
1869. DtiuoRTiER. Däpöls jurasEiques du Bassin du Rhone. III. pag. 323.
1871. Brauns. Unlerer Jura. pag. 4?8.
1871. Quenstedt. Brachiopodeu, pag. 322. Terebratula punctata. Sow.
2. ThI.
246
Die kleine Schale ist nur m&sslg gewölbt. Ihre grösste
Breite liegt gleich unterhalb des Wirbels. Gelegentlich treten
die Anwachsstreifen an derselben stärker hervor.
Die grosse Schale ist bedeutend mehr gewölbt als die kleine.
An der Stirngegend findet sich im ausgewachsenen Zustand eine
leichte Einsenkung. Der ziemlich spitze, an die kleine Schale
angedrückte Schnabel zeigt Andeutung einer kielartigen Zu-
schärfung. Das runde Foramen ist klein und das Deltidium
discret. Die Arealkanten sind bei den Jugendformen abgerundet,
im Alter dagegen schärfer. Die Schlosslinie verläuft fast ganz
gerade. Beide Schalen vereinigen sich seitlich unter einem
ziemlich stumpfen Winkel.
Der Erhaltungszustand unserer Art — ich hatte davon
nur wenige, meist unvollständige und innen mit Mergel aus-
gefüllte Exemplare zur Verfügung — hat es mir nicht erlaubt,
an der Schalenstructur und dem Brachialapparate Beobachtungen
anzustellen.
Von letzterem gibt DESLONacHAMPS (Bracbiopodes Taf. 38,
Fig. 2) eine Abbildung. Nach den Beobachtungen dieses Autors
(1. c. pag. 155) reicht der Brachialapparat bis zum Drittheil
der Schalenlänge und die Schleifenschenkel sind gegen die sie
verbindende Querbrücke hin stark eingebogen (ä branches forte-
ment infl^chies).
Länge ca. 30 Millimeter, Breite ca. 22 Millimeter.
Vorkommen: Mittlerer Lias, y.
Luppy in Deutscb-Lothringen. (Davoeischichten.) (L. S.)
Von anderen Lokalitäten des Elsasses oder Lothnngens ist diese
Art bis jetzt nicht bekannt.
247
Terebratula ptmctata Sow. 1812.
Taf. Vm, Fig. 1—4, 6, 7—11.
1818. SowERBY. Mineral conchology of Great-ßritain. vol. 1. pag. 46.
Taf. 15. Fig. 4.
1850. Davidson. Oolitic and liassic brachiopoda. pag. 45. Taf. 6. Fig. 1
bis 10, 12. (16?)
1850. Derselbe. Ebendaselbst. Taf. 6. Fig. 11, 13-15. var. Edwardsii Dav.
1858. QuENSTEDT. Jura. pag. 144. Taf. 18. Fig. 5.
1859. Oppel. Jura. pag. 185.
1859. Derselbe. Ebendaselbst, pag. 107. Terebratula sinemm-iensis?
1861. Derselbe. Bracbiopoden des unteren Liasv pag. 534. Taf. 10. Fig. 2.
1863. Deslongchamps. i^tudes critiques sur des bracbiopodes nouveaux
ou peu connus. 111. Bracbiopodes du Lias d'Espagne. Nr. 38.
1863. Derselbe. Bracbiopodes. pag. 160. Taf. 12. Fig. 1—3. Taf. 40.
Fig. 1—9. Taf. 41. Fig. 1—2.
1863. OosTER. Bracbiopodes des Alpes suisses. pag. 8.
1871. QuENSTEDT. Bracbiopodeu. pag. 322. Taf. 46. Fig. 25—27.
1871. Brauns. Unterer Jura. pag. 427.
1876. Davidson. Supplement, pag. 130 und folgende. Taf. 16. Fig. 6—8,
11—12. (9—10?)
1876. Derselbe. Ebendaselbst, pag. 131. Taf. 16. Fig. 14—18. var.
Radstockiensis Dav.
1876. Derselbe. Ebendaselbst, pag. 132. Taf. 16. Fig. 3—5. var. Haves-
fieldiensis Dav.
1878. Derselbe. Supplement, pag. 131. Taf. 17. Fig. 22. var. Edwardsii Dav.
1880. ZiTTEL. Handbuch I. 1. pag. 699.J
Beide Schalen der vorliegenden Exemplare sind gleich-
massig gewölbt, und zwar liegt die grösste Wölbung gleich
unterhalb des Wirbels.
Die kleine Schale weist in der Wirbelgegend hie und da
eine leichte Depression auf, welche DESLONacHAMPB (Brachio-
podes pag. 161) als ein dieser Art eigenthttmliches Merkmal
auffasst und als Unterscheidungsmerkmal von Terebratula sub-
248
punctata Dav. ansieht, welche jedoch, wie er selbst zugibt, nur
eine Varietät von der vorliegenden Art sein soll. An unseren
Exemplaren ist diese Depression nicht sehr häufig.
Eine Medianfalte ist nur bei wenigen Exemplaren und
dann nur schwach ausgeprägt vorhanden.
Der dicke Schnabel der grossen Schale ist ziemlich auf
die kleine Schale herabgebogen. Das Foramen ist gross und
von länglicher Gestalt. Bei den ausgewachsenen Formen verdeckt
der Schnabel das Deltidium.
Die Arealkanten sind gerundet. Die Schlosslinie verläuft
gerade und die seitliche Vereinigung beider Schalen findet unter
einem stumpfen Winkel statt.
Die fein punktirten Schalen weisen unregelmässige oft sehr
kräftig ausgebildete Anwachsstreifen auf.
Der Brachialapparat unserer Form erreicht etwas mehr
als ein Drittheil der Länge der kleinen Schale.
Die Jugendformen besitzen eine ganz flache kleine Schale,
welche sich erst im letzten Stadium ihres Wachsthums zu
wölben anfangt.
Länge der gewöhnlichen Formen 32 — 35 Millimeter, Breite
21—24 Millimeter.
Länge der grossen Exemplare von Xocourt: 42 — 44 Milli-
meter, Breite 28—30 Millimeter.
Verhältniss zu anderen Arten. Davidson vereinigt unsere
Spezies mit Terebratula subovoides Roemer. Wenn auch letztere Form
die Vorläuferin von Terebratula punctata sein mag, so gestattet doch
die Bildung ihres Schnabels und Foramens, sowie der ganze Habitus
beide Formen auseinander zu halten.
Eine ganz eigenthomliche Ausbildung erlangt unsere Spezies in
den Gostaluskalken von Xocourt in Deutsch-Lothringen. Sie wird daselbst
viel grösser als sonst und die ausgewachsenen Exemplare, bei welchen
sich die kleine Schale manchmal bedeutend mehr wölbt, als die grosse,
249
besitzen schärfere Arealkanten und einen meistens sehr slark auf die
kleine Schale herabgebogenen , oflmals mit Anwachsstreifen versehenen
Schnabel.
Diese schärferen Ärealkanten treten auch hauflg bei jungen Indi-
viduen von Xocourt hervor, so dass nur durch Beobachtung des ßra-
chialapparales der Unterschied gegen Waldheimia sarthacensis Desl.
festgestellt werden kann.
Vorkommen: Mittlerer Lias, y und 8.
Ünter-Elsass: Silzklamm bei Uhrweiler (Goslalusschichlen);
Mablhausen (diluvial). (L. S.)
Lothringen: Luppy, Rörchingen-Monterchen (Davoei-
schichten) (L. S.); Xocourt (Gostalusschichlen). (L. S. — U. S. — S. S.)
Nachbarländer: Vaufrey im Berner Jura. (Mittlerer Lias.)
(G. S.)
Terebratula infraoolithica Deslongghamps 1864,
Taf. VIII, Fig. 12 — 15.
1864. Deslongghamps. ßrachiopodes. pag. 210. Taf. 58. Taf. 59. Fig. 1.
1871. QuENSTEDT. Brachiopodeu. pag. 413. Taf. 50. Fig. 42.
1878. Davidson. Supplement, pag. 145. Taf. 18. Fig. 8—9.
1879. Abhandlungen zur geologischen Spezialkarte von Elsass-Lothringen.
Band 11. Heft 1. Branco. Der untere Dogger von Deutsch-
Lothringen, pag. 34. Daselbst ist Terebratula infraoolithica
Desl. irrthümlich als Rhynchonella infraoolithica Oppel.
angeführt. Pag. 37. Desgleichen.
1880. Paul Ghoffat. fitude stratigraphique et palöontologique des
terrains jurassiques du Portugal. 1. Le Lias et le Dogger au
Nord du Tage. pag. 41.
Die nur wenig gewölbte kleine Schale ist fast ohne Aus-
nahme an der Stirne mit 2 deutlichen Falten versehen. Der
dadurch in der Mitte der Stirne entstehenden Einsenkung ent-
spricht auf der grossen Schale ein leicht angedeuteter Wulst.
250
Die Wölbung der grossen Schale ist kaum grösser, als
diejenige der kleinen. Der Wulst wird seitlich von 2 unbedeu-
tenden Einsenkungen begrenzt. Der stark herabgebogene Schnabel
verdeckt meist das Deltidium. Das Foramen ist gross und rund.
Die Arealkanten sind deutlich, ohne sehr entwickelt zu sein;
die Schlosslinie, wie auch die seitlichen Gommissuren beider
Schalen, welche sich unter einem spitzen Winkel vereinigen, sind
leicht geschwungen. — Unregelroässige Anwachsstreifen kommen
auf beiden Schalen vor.
Die Dimensionen sind sehr verschieden. Die ausgewachsenen
Exemplare sind ca. 18—20 Millimeter lang und etwa 17 — 18
Millimeter breit; doch finden sich längere und breitere Formen.
Der Brachialapparat konnte nicht untersucht werden. Auch
DEBLONacHAMPB Sagt uichts über denselben.
Vorkommen: Unterer Dogger, Grenze von Murchisonae- und
Sowerbyi-Schichten.
Lothringea: Ars a. M., Oettingen, Villerupt, St. Quentin
bei Metz, Cöte de la Rique bei Lorry, südlich von Metz. (L. S. —
F. S.)
Nachbarländer: Dndervelier, Orties bei fiellerive,
Graoge-Gu^ron im ßerner Jura, (Oolithe ferrugineuse.) (G. S.)
Terebratula perovalia Sow. 1825.
Taf. XII, Fig. 1—3.
1825. SowERBY. Mineral conchology of Great-Britain. VoL V. pag. 51
Taf. 436. Fig. 2—3.
1834. Buch, üeber Terebrateln etc. pag. 109. (In der französischen Be-
arbeitung M6m. Soc. göol. de France 1838. Vol. HJ. pag. 221.
Taf. 20. Fig. 2.)
1843. QüENSTEDT. Flözgebirge, pag. 350.
1848. Bronn. Index palaeontologicus. pag. 1245.
251
1849. d'Orbigny. Prodrome, pag. 287.
1850. Davidson. British oolitic and liasic brachiopoda. pag. 51. Taf. 10.
Fig. 1-6.
1851—55. Ghapuis et Dewalque. Terrains secondaires du Luxembourg.
pag. 213. Taf. 36. Fig. 3.
1852. QuENSTEDT. Handbuch. pag. 47 J.
1858. Derselbe. Jura. pag. 366. 418. Taf. 57. Fig. 21—22.
1859. Oppel. Jura. pag. 427.
1863. OosTER. Brachiopodes des Alpes suisses. pag. 10. 11. 16.
1864. Deslongghamps. Brachiopodes. pag. 197. Taf. 51. Fig. 3. Taf. 52
bis 54. Taf. 55. Fig. 1.
1866. J. Delbos et Koechlin-Schlumberger. Haut-Rhin. pag. 314. 334.
1867. QuENSTEDT. Haodbuch. 2. Auflage, pag. 562.
1869. Brauns. Mittlerer Jura. pag. 284.
1870. Greppin. Jura bernois. pag. 29. 33.
1871. OuENSTEDT. Brachiopodeu. pag. 413. Taf. 50. Fig. 31.
1878. Davidson. Supplement, pag. 123. Taf. 17. Fig. 9? var. Kleinii
Lamk,
Bei den Exemplaren , welche ich zu T. perovalis stelle,
sind im ausgewachsenen Zustande beide Schalen gleichmässig
gewölbt, und zwar liegt die grösste Wölbung ungefähr in der
halben Länge. Die meist mit feinen Anwachsstreifen versehene
kleine Schale besitzt an der Stirne zwei nur wenig angedeutete
Falten, zwischen welchen eine geringe Depression wahrzunehmen
ist, die bei den Jugendformen etwas stärker hervortritt.
Der Schnabel ist oftmals gekielt, stets sehr kräftig und
mit einem länglichen und grossen Foramen versehen. Er ist so
stark auf die kleine Schale übergebogen, dass er das Deltidium
verhüllt.
Beide Schalen vereinigen sich seitlich unter einem sehr
stumpfen Winkel. Ihre Gommissuren, wie auch die Schlosslinie
sind leicht gebogen. — Brachialapparat kurz.
Länge 35—38 Millimeter, Breite 25 — 30 Millimeter.
252
Bei den Jugendformen ist die kleine Schale ganz flach und wOlbl
sich erst später. Dagegen ist der Kiel am Schnabel schon frühe ent-
wickelt.
Dieses cigenthtunliche Aussehen der Jugendformen hat unsere Art
mit denjenigen der meisten biplicaten Terebrateln der Dogger gemein.
Junge Individuen von Terebratula pei^ovalis sind von solchen von
Terebratula maxillata oder intermedia, zum Theil auch von denjenigen
von Terebratula globata nicht zu unterscheiden. Ja bei gewissen Varie-
täten der nachher zu besprechenden Terebratula intermedia bleibt
dieses Aussehen der Jugendformen sogar im ausgewachsenen Stadium
bestehen, so dass man versucht sein möchte, die letztere als die
Stammform der ganzen Biplicatengruppe anzusehen.
Dieser Umstand erklärt auch, dass Delbos und Kcechlin-Schlum-
BERGER unsere Art aus dem Hauptrogenstein der Umgebung von Pfirt
anführen, während sie sonst stets als dem Bajocien eigenlhümlich gilt
(Haut-Rhin pag. 334.)
Die geologische Landessammlung von Elsass-Lothringen besitzt
eine grosse Anzahl ausgewachsener Terebrateln aus dem oberen Dogger
fZ jener GQgend; eine ächte Perovalis ist nicht darunter, wohl aber eine
Menge Jugendformen von Biplicaten, welche durchaus nicht zu Tere-
' Z bratula perovalis zu gehören brauchen. Aus dem Ober-Elsass habe ich
überhaiipi noch keine ächte Terebrattila perovalis gesehen.
^-
t^
^ Vorkommen: Unlerer und mittlerer Dogger, ß — 8.
ir-
^ Unter-Elsass: Mietesheim, Griesbach am Bastberge.
(Humphresianusschichten.) (L. S.)
Lothringen: Monvaux, St. Quentin bei Metz. (Sowerbyi-
schichten.) Rangwall, Ars a. M., Pierrevilliers. (Korailenkalk.) (L. S.)
Nachbarländer: Bockten, Vorburg, Schauenburg, Boll-
mann, Grange-Guöron, Wartenberg, Bellerive, im Baseler und
Berner Jura. (Sowerbyi- und Humphresianusschichten.) (G. S.)
253
TerebrattUa cf« aiibmaaciUata Morris. 1843.
Taf. Vm, Fig. 16.
1843. Morris. Gatalogue of british fossils. pag. 135.
1850. Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 51. Taf. 9. Fig. 10 — 11.
1859. Oppel. Jura. pag. 427.
1879. Abhandlungen zur geologischen Special-Karte yon EIsass-Lothringen.
Band 11. Heft 1. Brango. Der untere Dogger von Deutsch-
Lothringen, pag. 50.
Es liegt mir ein einziges Exemplar vor, das vielleicht bei dieser
Art unterzubringen ist. Herr Dr. Branco hat es in den Sowerbyischichten
von St. Quentin bei Metz gesammelt. Es ist dazu noch, wie auch die
Abbildung zeigt, eine Missbildung und könnte auch eine abnorme Form
von Terebratula infraoolithica Deslongchahps sein.
TerebratiUa ventricosa Zieten 1832.
Taf. vm, Fig. 17.
1832 — 34. Zieten. Versteinerungen Württembergs, pag. 53. Taf. 50. Fig. 2.
1858. QüENSTEDT. Jura. pag. 422.
1871. Derselbe. Brachiopoden. pag. 407. Taf. 49. Fig. 102.
1873. Deslongghamps. Brachiopodes. pag. 260. Taf. 74 — 76.
1876. Davidson. Supplement, pag. 127. Taf. 15, Fig. 10—11.
1878. SzAJNOGHA. Brachiopoden der Oolithe von Baiin. pag. 9. Taf. 2.
Fig. 7—9.
Beide Schalen unserer Spezies sind stark gewölbt. Die
kleine Schale ist mit 2 starken Falten versehen, zwischen
welchen eine schwache Einsenkung vorhanden ist.
Der Schnabel ist stark auf die kleine Schale herabgebogen
und wird von einem länglichen und grossen Foramen durch-
bohrt. Deitidium verdeckt. Arealkanten gerundet. Schlossiinie
254
und Commissuren etwas gebogen. Beide Schalen vereinigen sich
seitlich unter einem sehr stumpfen Winkel.
Länge 52 — 58 Millimeter, Breite 28—30 Millimeter.
Wahrscheinlich ist Terebratula ventricosa besser als eine
Varietät von Terebratula perovalis aufzufassen, da Uebergangs-
formen vorhanden sind.
Vorkommen: Mittlerer und oberer Dogger, y und S.
Unter -Elsass: Griesbach am Bastberge. (Humphresianus-
schichten.) (L. S.)
Lothringen: Moyeuvre. (Oberer Korallenkalk.) Rombach.
(Mergel von Longwy; Unteres Vesullian.) (L. S.)
Terebratula Simplex Buckhann. 1843.
Taf. VIII, Fig. 5.
1843. BuGRMANN. Geology of Cheltenham. Taf. 7. Fig. 5.
1850. Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 48. Taf. 8. Fig. 1—3.
1858. QuENSTEDT. Jura. pag. 421.
1859. Oppel. Jura. pag. 426.
1867. QuENSTEDT. Handbuch. 2. Auflage, pag. 563.
1870. Greppin. Jura bernois. pag. 29.
1871. QuENSTEDT. Brdchiopoden. pag. 408. Taf. 49. Fig. 105.
Beide Schalen sind flach. Der Schnabel ist wenig über-
gebogen und von einem grossen runden Foramen durchbohrt.
Deltidium discret, Arealkanten scharf, Schlosslinien und Com-
missuren gerade. — Beide Schalen vereinigen sich seitlich unter
einem sehr spitzen Winkel.
Länge 45 Millimeter, Breite 43 Millimeter.
Auch hier mag es sich nur um eine Varietät der Terebratula
perovalis handeln. Es liegen mir nur drei Exemplare vor, wovon zwei
ganz besonders an die SowERfiv'sche Art erinnern.
255
Vorkommen: Unterer und mittlerer Dogger, ß und y.
Grange-Gu^ron im Berner Jura, (Oolithe ferrugineuse.) Bock-
ten, ebenda. fSowerbyischichlen.) (G. L.)
Terebratula ct. decipiens Desl. 1873.
1873. Deslongchamps. Brachiopodes. pag. 285. Taf. 83.
1878. Davidson. Supplement, pag. 151. Taf. 20. Fig. 4—8.
Unsere 30 Millimeter langen und 23 Millimeter breiten Formen
aus dem Korallenkalk von Moyeuvre lassen sich noch am Besten bei
dieser Spezies unterbringen.
Beide Schalen sind gleichmässig und ziemlich stark gewölbt und
mit kräftigen Anwachsstreifen versehen. Der auf die kleine Schale herab-
gebogene Schnabel trägt ein rundes und kleines Foramen. Deltidium
verdeckt, Arealkanten scharf, besonders bei den jungen Exemplaren,
Schlosslinie leicht gebogen, Gommissureu gerade. Beide Schalen ver-
einigen sich seitlich unter einem spitzen Winkel. Brachialapparat bis
über ein Dritltheil der Schalenlänge reichend.
Vorkommen: Mittlerer Dogger, S.
Moyeuvre in Lothringen. (Korallenkalk.) (L. S.)
Terebratula JPhiUipsii Morris. 1847.
Taf. XII, Fig. 12—13.
1847. Morris. Annais and Magazin of Natural-History. pag. 255. Taf 18.
Fig. 9.
1849. d!Orbigny. Prodrome, vol. I. pag. 287.
1850. Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 53. Taf. 11. Fig. 6—8.
1854. Davidson. Appendix. Taf. A. Fig. 14.
1858. QuENSTEDT. Jura. pag. 422.
1859. Oppel. Jura. pag. 428.
1867. QuENSTEDT. Haudbuch. 2. Auflage, pag. 562. Fig. 127 (im Text).
1870. Greppin. Jura bernois. pag. 29. 51. Terebratula corvina merian.
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256
1871. QuENSTEDT. Brachiopodcn. pag. 412. Taf. 50. Fig. 27.
1873. Deslongchamps. Brachiopodes. pag. 252. Taf. 67—72. 73. Fig. 1.
1876. Davidson. Supplement, pag. 123.
1878. Derselbe. Supplement. Taf. 17, Fig. 10.
1879. SzAJNOCHA. Brachiopoden der Oolithe von Baiin. pag. 11. Taf. 3.
Fig. 7—8.
1880. ZiTTEL. Handbuch. I. 1. pag. 699. Fig. 541.
Die ächte Terebratala Phillipsii scheint in EIsass-Lothrin-
gen selten zu sein.
Die kleine Schale ist mit 2 kräftigen Falten an der Stirne
versehen, zwischen welchen eine tiefe Einsenkung liegt, der auf
der grossen Schale ein von zwei seitlichen Falten begrenzter
Wulst entspricht. Der frei hinausragende Schnabel trägt an
seiner Spitze ein grosses längliches Foramen. Deltidium sehr
gross, Arealkanten scharf. Schlosslinie, sowie die seitlichen Gom-
missuren leicht geschwungen. ^^
Länge 35—50 Millimeter, Breite 26—35 Millimeter.
An englischen Exemplaren konnte ich eine radiale Streifung der
Schalen wahrnehmen, die an den wenigen Formen aus unserem Dogger
nicht zu sehen ist.
Vorkommen: Oberer Dogger, e.
Unter-Elsass: Buchsweiler. (Variansschlchten). (S. S.)
Nachbarländer: Wartenberg und Movelier im Berner Jura.
(Galcaire roux sableux; Variansschichten.) (6. L.)
TerebrattUa ct. fnaxiUata Sow. 1825.
Taf. IX, Fig. 20. Taf. XI, Fig. 3, 9—10, 16—19.
Taf. Xn, Fig. 9.
1825. SowERBY. Mineral conchology of Great-Britain. vol. V. pag. 52.
Taf. 436. Fig. 4.
1843. Morris. Gatalogue. pag. 134.
257
1849. d'Orbigny. Prodrome, vol. I. pag. 287.
1850. Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 50. Taf. 9. Fig. 1 — 9.
1858. QüENSTEDT. Jura. pag. 422.
1859. Oppel. Jura. pag. 496.
1866. Terquem et Jourdy. fitage bathonien du däp. de la Moselle.
pag. 136. 167.
1866. J. Delbos und Koechlin-Sghlumberoer. Haut-Rhin. pag. 334.
1867. OüENSTEDT. Handbuch. 2. Auflage, pag. 563.
1870. Greppin. Jura bemois. pag. 41 und 45.
1871. QüENSTEDT. Brachiopoden. pag. 408.
1877. Deslongchamps. Brachiopodes. pag. 542. Taf. 102—106.
Die ächte Terebraiula maxillata fehlt in Elsass-Lothringen
gänzlich. Nur aus dem Bathonien von M^zi^res in den Ardennen
liegen mir einige typische Exemplare dieser Spezies vor.
Die Formen, welche ich hier ausschliessen möchte, sind
bedeutend kleiner, etwa 28 — 32 Millimeter lang und 25 — 28
Millimeter breit. — Beide Schalen sind nur massig gewölbt,
mit der grössten Wölbung etwa in der Mitte derselben.
Die kleine Schale weist an der Stirne meist 2 kräftige Falten
auf; der dadurch in der Mitte der Stirne entstehenden Einsen-
kung entspricht auf der grossen Schale eine starke Erhöhung.
Der gekielte Schnabel ist stark übergebogen und trägt
ein mittelgrosses rundes Foramen. Das Deltidium ist verdeckt,
die Arealkanten sind gerundet, Schlosslinie und Commissuren
sind leicht geschweift.
Beide Schalen vereinigen sich seitlich unter einem spitzen
Winkel.
Brachialapparat über ein Drittel der Länge der kleinen
Schale erreichend.
Vorkommen: Oberer Dogger, 5 und e.
Ober-Blsass: Pfirt und Umgebung. (Hauptrogenstein-Yarians-
schichten). {L. S. — G. S.)
IL 17
258
Unt.er-Blsass: Buchsweiler. (Hauptrogensteia-Yariansschichten).
(L. S. — S. S. -^ U. S.)
Lothringen: Amanweiler, Monvaux bei Metz. (Meißel von
Longwy). (L. S.)
Gorze, VernöviUe, Gravelotte, G6nivaux, R6zonviiie,
Vionyille, Flavigny, St. Privat, überhaupt im Vesullian Lothringens.
(L. S. — S. S. — F. S.)
Nachbarländer: M^ziöres. (Bathonien.) (S. S.) Aecbte Maxiilata-
Formen. Hag^ville, Gharey (Meurthe-et-Moselle). (Variansschichten.)
(L.S.) Vögisheim in Baden. (Cornbrash.) (U.S.) Movelier*, Metzerlen,
Zyfen-Seewen, Sochhaus, Roche-dessus, Raugiers, Fasswangen,
überhaupt im Vesullian des Baseler und Berner Jura. (G. S. — L. S.)
* Anmerkung: Die Formen von Movelier ganz besonders vermitteln
den Uebergang nach Terebralula intermedia Sow.
.♦>
TerebrattUa longicollis. Greppin. 1870.
Taf. XI, Fig. 2—6.
1870. Greppin. Jura bernois. pag. 45. 51. 353. Taf. 6. Fig. 7—9.
Diese 30 Millimeter langen und 26 — 27 Millimeter breiten Formen
scheinen mir nur Abnormitäten der eben erwähnten Exemplare der
Terebratula cf. maxillata Sow. aus dem Bathonien von Movelier zu
sein. — Der Schnabel wird bei denselben aussergewöhnlich lang und
ragt sehr frei hinaus. Dieses an und für sich unwesentliche Merkmal
gibt unserer Form ein ganz ungewöhnliches Aussehen.
Greppin selbst hebt ihre nahe Verwandtschaft mit den eben er-
wähnten Formen hervor. Der von ihm ausgesprochenen Meinung: (Jura
bernois. pag. 354) «eile ne serait qu*une vari6l6 de la Terebratula
maxillata, ä laquelle eile se relie par ses formes extremes, qu'elle
m^rlte d'ötre connue», kann ich nur beistimmen.
Vorkommen: Oberer Dogger, e.
Büren. (Bathonien.) Movelier. (Gouche ä öchinides.) Warten-
berg. (Galcaire roux sableux.) (G. S.) Pfirt. (Oberes Vesullian.) (L. S.).
259
Terebratvla globata. Sow. sp. 1825.
Taf. IX, Fig. 1 — 14, 19—20. Taf. X, Fig. 1 — 10, 11 — 14.
Taf. XI, Fig. 15—16,
1825. SowERBY. Mineral conchology of Great-Britain. vol. V. pag. 51.
Taf. 436. Fig. 1.
1850. Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 51. Taf. 13. Fig. 2—6.
1852. QuENSTEDT. Handbuch. pag. 471.
1854. Davidson. Appendix. Taf. A. Fig. 16.
1858. QüBNSTEDT. Jura. pag. 421. Taf. 58. Fig. 1.
1859. Oppel. Jura. pag. 428.
1863. GosTER. Brachiopodes des Alpes suisses. pag. 11. Taf. 2 Fig. 8.
1867. QuENSTEDT. Haudbuch. 2. Auflage, pag. 563.
1870. Greppin. Jura bernois. pag. 30. 33,
1871. QuENSTEDT. Brachiopoden. pag. 412. Taf. 50. Fig. 26.
1876. Davidson. Supplement, pag, 135.
1877. Deslongchamps. Brachiopodes. pag. 336. Taf. 98—101.
1878. Davidson. Supplement. Taf. 17. Fig. 2.
1878. Dereelbe. Ebendaselbst. Taf. 17. Fig. 18—21. Var. Birdlipsensis
Walker.
1880. ZiTTEL. Handbuch I. 1. pag. 699.
Die kleine Schale unserer Form ist, wie die grosse, sehr
stark gewölbt und besitzt an der Stirne 2 scharfkantige Falten.
Der dadurch entstehenden mittleren sowie den beiden seitlichen,
in manchen Fällen tiefen Depressionen entsprechen auf der
grossen Schale 3 schwach ausgebildete und abgerundete Er-
höhungen.
Der Schnabel ist stark an die kleine Schale angedrückt
und zuweilen leicht gekielt. Das Foramen ist rund und von
mittlerer Grösse. Deltidium verdeckt, Arealkanten gerundet,
Schlosslinie und seitliche Commissuren leicht geschwungen. Beide
Schalen vereinigen sich seitlich unter einem ziemlich stumpfen
Winkel.
260
Brachialapparat sehr lang, fast die Hälfte der Länge der
kleinen Schale erreichend.
Länge 22—25 Millimeter, selten mehr, Breite 12—16
Millimeter.
Vorkommen; Oberer Dogger, e.
Ober-Elsass: Pfirt und Umgebung. {Hauptrogenstein und Variaas-
schichten.) (L. S. — S. S. — G. S.)
Unler-Elsass: ßuchsweiler. (Variansschichten.) (L. S. — U. S.
- S. S.)
Lothringen: Vernöville, Rezonville, St. Privat, Grave-
lotte, Vionville, Gönivaux, Fiavigny; stets mit Terebratula cf.
maxillata und Terebratula intermedia Sow. zusammen. (Oberes Vesul-
lian, Marnes de Gravelotte.) (L. S. — S. S. — F. S.)
Nachbarlilnder: Xonville und Hagöville (Meurthe-et-Mo-
selle). (Variansschichten.) (L. S.) Beifort. (Variansschichten.) (L. S. — ü. S.)
Nieder Weiler und Vögisheim in Baden. (Variansschichten.) (U. S.)
Les Malettes, Levencourt-Larg, Schauenburg, Metzerien,
Cä Soyhiöres, Ghoindez, Movelier, überhaupt im oberen Vesullian und
y*; den Variansschichten des Baseler und Berner Jura. (L. S. — G. S.)
Terebratula intermedia. Sow. 1812.
Taf. XI, Fig. 7-8, 11, 13— U, 17. Taf. XU, Fig. 3.
1812. SowERBY. Mineral conchology of Great-Britain. vol. 1. pag. 48.
Taf. 15. Fig. 8.
1832—34. ZiETEN. Versteinerungen Württembergs, pag. 52. Taf. 39. Fig. 3.
1850. Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 52. Taf. 11. Fig. 1—5.
1852. QuENSTEDT. Haudbuch. pag. 472. Terebratula intermedia. Zieten?
1858. Derselbe. Jura. pag. 419. Taf. 57. Fig. 23. Terebratula intermedia.
Zieten?
1859. Oppel. Jura. pag. 495.
1866. J. Delbos und Koechlin-Schlumberger. Haut-Rhin. pag. 334.
261
1867. QuENSTEDT. Handbuch. 2. Auflage, pag. 563. Terebratula intermedia.
ZiETEN?
1869. Brauns. Mittlerer Jura. pag. 284. Terebratula perovalis. Sow. z. Tbl.
1870. Greppin. Jura bernois. pag. 46. 51.
1871. QuENSTfDT. Bracbiopoden. pag. 406. Taf. 49. Fig. 101. Terebratula
intermedia. Zieten?
1876. Davidson. Supplement, pag. 123.
1878. Davidson. Supplement. Taf. 17. Fig. 12.
1880. ZiTTEL. Handbuch. I. 1. pag. 699.
Die gleichroässig gewölbte, fast ganz glatte Form, — nur
in ganz seltenen Fällen ist eine leichte Faltung oder ein kaum
angedeuteter Wulst an der Stirne vorhanden, — wird bei uns
30 — 35 Millimeter lang und 25 — 30 Millimeter breit.
Der Schnabel ist kaum übergebogen, das Foramen rund
und gross, das Deltidium klein, aber deutlich.
Schlosslinie und Commissuren fast gerade, seitliche Ver-
einigung beider Schalen unter einem spitzen Winkel.
Brachialapparat kurz.
Vorkommen: Oberer Dogger 8 und s.
Ober-Elsass: Pfirt und Umgebung. (Hauptrogenstein und
Variansßchichten.) (L. S. — G. S.)
Unter-Elsass: Buchsweiler. (Hauptrogenstein und Yarians-
schichten.) (L. S. — ü. S. — S. S.)
Lothringen: Amanweiler, Monvaux bei Metz. (Hergel von
Longwy.) (L. S.)
(Ueber die Aechtheit dieser letzteren Formen bin ich noch im
Zweifel.)
Gorze, Vernöville, Gravelotte, Gönivaux, R6zonville,
Vionville, Flavigny, St. Privat, überhaupt im oberen VesuUian
Lothringens mit den beiden vorher beschriebenen Arten zusammen.
(L. S. — S. S. — U. S. — F. S.)
Nachbarländer: Hagäville (Meurthe-et-Moselle). (Yarians-
schichten.) (L. S.)
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262
YOgisheim und Niederweiler in Baden. (Variansschichten.)
(ü. S.)
Movelier, Metzerlen, Soyhiöres, Sochhaus, Roche-dessus,
Rangiers, Fasswangen, überhaupt im obern YesuUian, und den
Variansschichten des Baseler und Berner Jura. (L. S. — 6. S.)
t
t
TerebrattUa Ferryi Deslongchamfs. 1860.
Taf. XII, Fig. 7—8.
1 860. Deslongghamps. Notes sur T^tage bajocien des environs de Mäcon.
Mäm. Soc. linn. de Normandie. vol. XII. pag. 35.
1 862. Derselbe, fitudes critiques sur des brachiopodes nouveaux ou peu
connus. 3. pag. 26. Taf. 5. Fig. 1—4.
1871. QüENSTEDT. Brachiopoden. pag. 412. Taf. 50. Fig. 25. Terebratula
bullata QuENSTEDT, non Sowerby. 2 Tbl.
1877. Deslongghamps. Brachiopodes. pag. 332. Taf. 96.
Beide Schalen stark gewölbt; die kleine Schale an der
Stirne mit 2 scharfkantigen bis über die Hälfte der Schale
hinaufreichenden Falten versehen. Die dazwischen liegende Ein-
senkung ist sehr tief.
Die grosse Schale weist 3 Falten auf, von denen die mitt-
lere bedeutend stärker entwickelt ist und höher gegen den Wirbel
zu hinaufreicht, als die beiden seitlichen, welche weniger scharf-
kantig sind. Die dazwischen liegenden Einsenkungen sind tief.
Der oftmals etwas gekielte Schnabel ist massig auf die
kleine Schale herabgebogen und verdeckt meist das Deltidium.
Das Foramen ist von runder Gestalt, nur bei ganz stark ge-
wölbten Formen wird es länglich.
Länge 26 Millimeter, Breite 22—23 Millimeter.
Vorkommen: Oberer Dogger, s.
Unter-Blsass: Buchsweiler (Hauptrogenstein und Varians-
schichten). (L. S. — S. S. — ü. S.)
263
Lothringen: Im dorligen oberen Yesullian mit den vorher be-
schriebenen 3 Arten an fast allen Fundorten derselben zusammen.
Terebratula I/utzU* nov. sp.
Taf. XII, Fig. 5—6.
Die beiden Schalen sind stark gewölbt. Auf der kleinen
Schale sind 2 scharfkantige, bis zum Wirbel reichende Falten
vorhanden. Die in der Mitte derselben befindliche Einsenkuug
ist sehr tief. Die 3 auf der grossen Schale befindlichen Falten
sind gerundet und die mittlere derselben setzt sich bis in den
eigenthümlich spitz auslaufenden Schnabel fort. Letzterer ist auf
die kleine Schale angedrückt, kräftig entwickelt und mit einem
länglichen, mittelgrossen Foramen versehen.
Brachialapparat etwa bis zum Drittel der kleinen Schale
reichend.
Länge 32—37 Millimeter, Breite 20—22 Millimeter.
Es ist wahrscheinlich, dass diese Art sich aus Terebratula Ferryi
entwickelt hat. Ihr Vorkommen scheint mit ganz wenigen Ausnahme-
fällen, bei denen es sich um Formen handelt, welche eben den Ueber-
gang nach Terebratula Ferryi vermitteln, ein ganz lokales und auf die
oberen Yesullian- und die Variansschichten von ßuchsweiler beschränkt
zu sein. Ihr lokales Vorkommen und ihr ganz eigenthQmliches Aussehen
scheinen mir die eigene Benennung dieser Varietät aus der Biplicaten-
gruppe zu rechtfertigen.
Vorkommen: Oberer Dogger, e.
Buchsweiler (Grenze des oberen Vesullian und der Varians-
schichten). (L. S. — S. S. — ü. S.)
Nachbarländer: Hagöville (Meurthe - et - Moselle). (Varians-
schichten.) (L. S.)
* Diese Art widme ich meinem alten Freunde, Herrn Dr. med. Lutz in
Göppingen (Württemberg), einem eifrigen Verehrer der geologischen Wissenschaft.
TerOtratula Flelacheri Oppel. 1859.
Taf. IX, Fig. 15 — 18; Taf. X, Fig. 18—19.
1859. Oppel. Jura. pag. 497 und die Abbildungea hierzu in
1850. Davidson. Oolltic and liasic brachiopoda. Taf. 13. Fig. 7.
1876. Davidson, Supplement, pag. 137.
1878. Derselbe. SupplemeDl. Taf. 17. Fig. 2.
1879. SzAJNOCHA. Brachiopodea der Oolithe voa fiallD. pag. 10. Taf. i.
Fig. 2-6.
Terebraiula Fleisckeri hat Oppel die mehr in die Breite
gezogenen, weniger aufgebläbten Formen der Terebraiula glohata
Sow. genannt. Die Falten sind auf beiden Schalen nur schwach,
oftmals kaum angedeutet, der Schnabel ragt freiei hinaus, als
bei den ächten GIobata-Fonnen und das Deltidium ist meist
nicht oder nur zum Theil verdeckt. Das Foramen ist stets rund.
Länge 27—30 Millimeter, Breite 23—29 Millimeter.
Vorkommen: Oberer Dogger, t.
Ober-Blsass: Pfirt und Umgebung (Variansechichten). (L. S. —
S. S. — U. S. — G. S.)
Unler-Blsass: Bucbsweiler und Umgebung (Hauplrogeastein
und Variaossehichlen). {L. S. — S. S. — l. S.)
Nachbarländer: Voegisheim und Niederweiler in Baden
(Variansschichten). (L S.) Todtweg, Metzeico, Movelier, Oberhaupt in
den Variansschichlea des Baseler und Berner Jiira. (L. S. — G. S.)
Hier mag der andern Varietät, welche Oppel von Terebraiula glo-
bata abgeschieden und welche er Terebraiula clyptUha genannt bat,
Erwähnung gethan werden. Sie ist kleiner, schlanker und weniger auf-
gebläht als Terebraiula globala; ihre Dimensionen üiud viel geringere
als diejenigen der Terebraiula Fleisckeri. (Cf. Oppel. Jura. pag. 496,
Taf. X, Fig. 15 — 17, Fig. 20, welche einige von Oppel's Originalesem-
plaren darstellen.)
Sie fehlt in Elsass und Lothringen wahrscheinlich ganz.
Bei Vccgishcim Bndet sie sich jedoch häufiger, ebenso im östlichen
Theil des Schweizer Jura, stets in den Variansschichleo.
265
Terebratula BenUeyi Davidson-Morris. 1860.
Taf. XI, Fig. 1.
1850. Datidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 58. Taf. 13.
Fig. 9-lt.
1852. QüENSTEDT. .Handbuch, pag. 456. Taf. 37. Fig. 21. Terebratula
coarctata* Sow.
1854. Derselbe. Appendix, pag. 19.
1858. QüENSTEDT. Jura. pag. 495. Taf. 66. Fig. 24.
1859. Oppel. Jura. pag. 93.
1867. QüENSTEDT. Handbuch. 2. Auflage, pag. 554. Taf. 47. Fig. 21. Te-
rebratula coarctata Sow.
1871. QüENSTEDT. Brachiopoden. pag. 274. Taf. 44. Fig. 135—136. Te-
rebratula coarctata Ixvis Quenst.
1877. Deslongchamps. Brachiopodes. Taf 97. Fig. 1.
1878. Davidson. Supplement, pag. 141. Taf 25. Fig. 4.
1879. Szajnocha. Brachiopoden der Oolithe von Baiin. pag. 13. Taf. 4.
Fig. 1—2.
Von dieser in Elsass-Lothringjen, wie es scheint, äusserst
seltenen Form liegt mir nur ein einziges Exemplar aus den
Variansschichten von Buchsweiler vor. Es ist zwar weniger breit
und etwas schlanker, als die ächte Terebratula BenÜeyi^ gehört
aber jedenfalls dazu.
Länge 21 Millimeter, Breite 19 Millimeter.
Sohlussbemerkungen bezuglich der zwischen den Terebratula -Arten des
Lias und Dogger bestehenden Beziehungen.
lieber die Verwandtschaften zwischen den liasischen Arten lässt
sich bei der geringen Zahl unserer Arten Nichts sagen.
Auch bei den Formen aus dem unteren Dogger kann man eine
nähere Zusammengehörigkeit nicht sicher nachweisen, wennschon auch
manche Exemplare der Terebratula infraoolithica gewissen Formen von
Terebratula perovalis nahe zu stehen scheineu. Auffallend ist jedenfalls
266
die eigenthamliche Aehnlichkeit des Jugendzustandes dieser letzteren
Spezies mit den meisten Biplicaten aus dem oberen Dogger, wie schon
bei Gelegenheit der Beschreibung von Terebratula perovalis^ pag. 251,
hervorgehoben wurde.
Die Schwierigkeiten der Trennung in einzelne Spezies steigern
sich aber ganz bedeutend, sobald man es mit den Biplicaten-Formen aus
dem oberen Dogger zu thun hat, bei deren Trennung der individuellen
Willkür ein so grosser Spielraum gelassen ist.
Alle Arten aus diesen Horizonten, wie Terebratula cf. maxillala
Sow., Terebratula intermedia Sow., Terebratula globata Sow., Tere-
bratula Fleischeri Oppel, Terebratula Ferryi Desl. und Terebratula
Lutzii nov. sp. (ev. auch Terebratula Phillipsii Morris) sind durch
Mittelformen so enge mit einander verbunden, dass eine genaue Abgren-
zung der einzelnen Spezies kaum ausführbar ist.
Die Gleichheit der Jugendformen wurde schon hervorgehoben.
Bcmerkenswerth ist noch der Umstand, dass bei solchen Jugendformen,
die sich zum ächten Globata - Typus herausbilden, die Wölbung der
Schalen und der Fältelung derselben sich schon frühe geltend macht.
Taf. IX— XU veranschaulicht wohl besser, als jede lange Be-
schreibung, diese verschiedenen Mittelformen; eine mir gerade hier be-
sonders aufgefallene Thalsache mag aber noch Erwähnung finden.
Bei den mehr zur Terebratula intermedia hinneigenden Formen
bleibt der Schnabel meist schlank, das Foramen rundlich und das Del-
tidium unverdeckt, gross und breit. Bei den stärker gefalteten Formen
dagegen biegt sich der Schnabel auf die kleine Schale herab und verdeckt
das Deltidium, welches in Folge der Ausbildung des Schnabels schmäler
|, und länglicher wird. Das Foramen nimmt dann stets eine ovale Gestalt
^'i an. Je mehr die Form sich wölbt und je stärker deren Falten werden,
um so auffallender tritt dies Verhalten hervor. Ein gutes Beispiel hier-
für liefern die Mittelformen zwischen Terebratula Ferryi und ihrer
1 ^ Varietät, der Terebratula Lutzii nov. sp.
Bcmerkenswerth sind auch jene Formen der Terebratula inter-
media^ bei welchen der schlanke Schnabel und das grosse frei liegende
Deltidium, sowie das runde Foramen mit seinem etwas wulstig hervor-
stehenden Unterrande die nahen Beziehungen zu Terebratula Phillipsii
nicht verkennen lassen.
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I
Waldheitnia, King 1859.
Die Waldheimien des Lias.
Waldlicimia perforata Piette sp.
Waldheimia cor. Lamarck sp.
Waldlteimia cf, eornula Sow. sp.
{Waldheimia cf. Mariae d'Orbigmv Bp.)
Waldheimia nvmismatis Laharck sp.
, Waldheimia subnumismalis Davidson.
Waldheimia Walerhousii Davidso:*.
Waldheimia resupinata Sow. ep.
Waldheimia iiidenlala Sow. sp.
Waldheimia Sarthacensis »Ohbignv sp.
Waldfietmta (ZeiUeria) perfora/ta PunrE sp.
Taf. XIU, Fig. 1—3.
1S56. Piette. Note sur les gras d'Aiglemont et de Ramoigae. {Bulletin
de la Sociätä göologique de France. 2* sähe. t. 13. pag. 180.
Taf, 20. Fig. !,)
1832—34. ZiETEN. Versleineningea Württembergs, pag. 53. Taf. 39.
Fig. 9. Tertbraiula marsupialis Zieten.
1849. d'Ohbigny. Prodrome, pag. 221. Terebratula marsupialis Zieten.
1858. QuENSTEDT. Jura. pag. 50. Taf. 4. Fig. 21. Terebratula psiloiwli
QUENSTEDT.
18G0. Martin. Paläontologie slratigraphique de rinfira-liae de la Bour-
gogne. (Mämoires de la Soci^tö g£otogique de France. 2*s£rie.
'. M t. 7. pag. 90. Taf. 7. Fig. S"»"- 11.) Terebratula stranifulata
f ul Martin.
1861. Oppel. BracbiopodcD des uoteren Lias. pag. 531.
i
269
1863. Deslongchamps. Brachiopodes. pag. 73. Taf. 9. Fig. 1—5. Taf. 23.
Fig. 1—3.
1865. Terquem et Piette. Le Lias införieur de TEst de la France.
(Mömoires de la Soci^tö gäologique de France. 2** s6rie.
t. 8. pag. 115.)
1869. R. Täte. Geological Magazin, vol. 6. Decbr. 1869.
1871. Quenstedt. Brachiopoden. pag. 329. Taf. 46. Fig. 58. Terebratula
psilonoti Quenstedt.
1871. Brauns. Unterer Jura. pag. 419.
1876. R. Täte. The Yorkshire Lias. pag. 418. Taf. 15. Fig. 10-11.
1878. DAvrosoN. Supplement, pag. 164. Taf. 24. Fig. 1—3. (5?)
Kleine Schale nur massig gewölbt und fast ganz glatt,
ohne jede Falten.
Die grosse Schale meist weniger gewölbt, als die kleine,
ebenfalls glatt. Der Schnabel ist nur wenig übergebogen und
mit einem etwas länglichen Foramen von mittlerer Grösse ver-
sehen. Das Deltidium finde ich umfassend, während Davidson
anführt, dasselbe sei discret (cf. auch Deslongchamps, Brachio-
podes, Taf. 9, Fig. 5 a). Arealkanten sehr scharf. Schlosslinie
und Commissuren gerade. Stirnlinie nicht gebuchtet. Beide
Schalen meist mit concentrischen Anwachsstreifen versehen.
Brachialapparat fast den Stirnrand berührend.
Länge 15—20 Millimeter, Breite 11 — 16 Millimeter.
Hierher rechne ich auch Formen, die fast eben so lang wie breit
sind, deren ganzer Habitus jedoch an Waldheimia perforata erinnert,
während zugleich auch Beziehungen zu Waldheimia cor. Lamarck zu
bestehen scheinen.
Vorkommen: Unterer Lias, a.
Unter-Elsass: Hochfelden, Zinsweiler. (Gryphitenkalk.) (S. S.)
Mühlhausen (diluvia]).(L. S.) Bahneinschnitt hei Buchsweiler. (Angu-
latusschichten.) (L. S.)
■ • ■. •
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270
Lothringen: Peltre, Grigy und Grimont bei Metz. (Brevis-
schichten.) (L. S. — F. S.) Magny. (Gryphitenkalk.) (L. S.)
Nachbarländer : Prattein bei Basel. (Gryphitenkalk.) (G. S.)
L ebener Berg bei Freiburg i. B. (Unterer Lias a.) (G. S.)
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Waldhelfnia (Zeüleria) cor. Lam arck sp. 1819.
Taf. Xm, Fig. 8, 11 — 17, 19, 20-23, 26—27.
1819. Lamargk. Animaux sans vert^bres. vol. 6. pag. 249. N"^ 22. Tere-
bratula cor. Lamargk.
1836. Derselbe. 2. Auflage, vol. 7. pag. 336. N* 22. Terebratula cor,
Lamargk.
1843. QuENSTEDT. FlOzgebirge. pag. 136. Terebratula vicinalis Sghl.
1849. d'Orbigny. Prodrome, vol. 1. pag. 221.
1851. Chapuis et Dewalque. Terrains secondaires du Luxembourg.
pag. 241. Taf. 36. Fig. 2. Terebratula causoniana d'Orbigny.
1852. QuENSTEDT. Handbuch. pag. 467. Taf. 37. Fig. 26. Terebratula
numismalis inßata Quenst.
1855. Terquem. Paläontologie de la Moselle. pag. 16. Terebratula cor-
nuta Sow. 2. Thl.
1855. Derselbe. Ebendaselbst, pag. 16. Terebratula numismalis Laiiarck.
2. Thl.
1858. Quenstedt. Jura. pag. 75. Taf. 9. Fig. 4—6. Terebratula vicinalis
arietis Quenst.
1858. Derselbe. Ebendaselbst, pag. 99. Taf. 12. Fig. 8—9, 11. Terebra-
tula vicinalis betacalois Quenst.
1859» Oppel. Jura. pag. 107. Terebratula causoniana d'Orbigny.
1859. Derselbe. Ebendaselbst, pag. 107. Terebratula cf. numismalis
Lamargk.
1861. Oppel. Brachiopoden des unteren Lias. pag. 533.
1861. Derselbe. Ebendaselbst, pag. 533. Terebratula (Waldheimia) sp.
indeßnita,
1861. Derselbe. Ebendaselbst, pag. 534. Terebratula Fraasi Oppel (Wald-
heimiaj,
1861. Derselbe. Ebendaselbst, pag. 532. Terebratula Pietteana Oppel.
(Waldheimia).
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271
1861. Derselbe. Ebendaselbst, pag. 532. Terebratula arietis Oppel.
(WaldheimiaJ
1863. Deslongghamps. Brachiopodes. pag. 78. Taf. 9. Fig. 7. Taf. 10.
Taf. 11. Waldheimia cor. Lamarck. Z. Thl.
1863. Derselbe. Ebendaselbst, pag. 100. Taf. 20. Waldheimia Mariae
d'Orbigny. 2. Thl.
1865. T£RQU£M et Piette. Lias införieur de TEst de la France, pag. 115.
Terebratula Causoniana d'Orbigny.
1867. QuENSTEDT. Handbuch. 2. Auflage, pag. 558. Terebratula vicinalis
QuENST. (Terebratula numis7nalis inflata Qüenst.)
1870. Greppin. Jura bernois. pag. 22. 24. (?)
1871. QuENSTEOT. Brachiopoden. pag. 316 und folgende. Taf. 46. Fig.
4—11, 13—21. Terabratula vicinalis a, ß Qüenst. etc.
1871. Brauns. Unterer Jura. pag. 420. Terebratula (Waldheimia) cor.
Lamarck. 2. Thl.
1878. Davidson. Supplement. Taf. 21. Fig. 9.? Waldheimia nvmismalis
Lamarck sp.
1880. Zittel. Handbuch. 1. 1. pag. 703.
Diese etwa herzförmig gestaltete Art ist in der Wirbel-
gegend meist flach, an der Stirne dagegen stark gewölbt. An
der Stirn befindet sich eine verschieden tiefe Einsenkung.
Der Schnabel der grossen Schale ist sehr klein und ragt
frei hinaus. Foramen klein. Deltidium breit. Arealkanten scharf.
Schlosslinie und Commissuren gerade. Vereinigung beider Schalen
unter einem spitzen Winkel. Beide Schalen meist mit zierlichen
Anwachsstreifen versehen. Brachialapparat sehr lang, fast die Stirne
erreichend. Muskel- und Gefässeindrücke deutlich wahrzunehmen.
Länge 25—27 Millimeter, Breite 24—26 Millimeter.
Die Exemplare aus dem unteren Lias sind verhältnissmässig kleiner
als diejenigen aus dem mittleren Lias, oftmals auch viel länger, als
breit und weniger aufgebläht an der Stirne.
Vorkommen: Unterer und mittlerer Lias, a — f,
Unter-Elsass: Waidenheim, Buchsweiler. (Angulatusschich-
ten.) (S. S. — L. S.) Mühlhausen, Uhrweiler. (Mittlerer Lias.) (S. S.)
i
272
Lothringen: Port Queuleu bei Melz, Haute- und Basse-
B^Toie, ebenda, Tragny, Börchingen^Monlerchen, Cheminot,
St. Jure, Luppy, Schell, Solgne, Leiser Hof, Courcelles,' Magoy.
(DaToeischichten). (L. S. — F. S.)
Nachbarländer: Pratteln, Nieder- BOI eben, Cornol, im
Schweizer Jura. (Grypbitenkalk.) {G. S.) Hasael und Mondorf in
Luxemburg. (Grypbitenkalk.) (L. S.)
Anmerkung: leb schlieese mich hier ganz der von Deslong-
CHAUPS ausgesprocheneu Ansicht au, dass die Formen aus dem unleren
und diejenigen aus dem mittleren Lias zu einer und derselben Spezies
geboren, da sie in den meisten Fallen nicht von einander zu unter-
scheiden sind. Die breiten Formen unserer Art finden sich allerdings
nur in den Davoeischichten, die schlankeren Fonaen finden sieb aber
sowohl im unteren, als auch im mittleren Lias.
QuENSTEST hat die Formen aus dem unteren Liae Terebratuta
vicinalis artetü, beiacakis etc. genannt. Dieser Name ist aber nicht
haltbar, da derselbe schon von Schlotueih vergeben wurde, {cf. L. v. Buch.
Ueber Terebratelu etc. pag. 85.)
Waldheimia (Zeüleria) cf. cornufu Sow. sp. 1825.
Taf. Xin, Fig. 25.
1825. SowEHBT. Mineral concbology of Great-Brilain. vol. V. pag, 66.
Taf. 4J6. Fig. 11.
1834. Buch. Ueber Terebratelu ek. pag. 85. Terebratula viänalis Buch,
non: Terebratula vicinaUs Schloth. 2. Tbl.
1835—36. BtBHER. Norddeutsches Oolilbengebirge. pag. 47. Terebratula
vicinalis Buch.
1837. Bronn. Lethaja geognostica. pag. 300. Taf. 18. Fig. 10.
1848. Derselbe. Index palaeontologicus. pag. 12. 33. Terebratula vici-
nalis Buch.
1849. d'Orbignt. Prodrome. voL 1. pag. 240.
1849. Derselbe. Ebendaselbst, vol. 1. pag. 240. Terebratula Marix
d'Ohbigny.
273
1850. Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 29. Taf. 3. Fig. 11—18.
1852. QüENSTEDT. Handbuch, pag. 467.
1858. QuENSTEDT. Jura. pag. 180. Taf. 22. Fig. 15—16.
1859. Oppel. Jura. pag. 183.
1862. Deslongghamps. fitudes critiques sur des Brachiopodes nouveaux
ou peu coanus. pag. 265.
1863. Deslongghamps. Brachiopodes. pag. 95. Taf. 17—19.
1863. Derselbe. Ebendaselbst, pag. 100. Taf. 20. Fig. 1—7. Terebratula
{Waldheimia) Mariae d'Orbignt.
1863. Schl(£nbach. Der Eisenslein des mittleren Lias etc. pag. 550.
1864. Seebagh. Hannoverscher Jura. pag. 75.
1867. QuENSTEDT. Handbucb. 2. Auflage, pag. 558. Taf. 47. Fig. 26.
Terebratula numismalis 8 Quenstbdt.
1869. DuMORTiER. Depots jurassiques du bassin du Rhone. IIL pag. 327.
1871. QuENSTEDT. Brachiopoden. pag. 310. Taf. 45. Fig. 126.
1871. Brauns. Unterer Jura. pag. 423.
1878. Davidson. Supplement, pag. 158. Taf. 21. Fig. 19.
1880. Ghoffat. £tude stratigraphique et palöontologique des terrains
jurassiques du Portugal. L Le Lias et le Dogger au Nord
du Tage. pag. 9.
1880. ZiTTEL. Handbuch. I. 1. pag. 703.
Mit der ächten Sowerby*schen Waldheimia cornuta stimmen die
Blsass-Lothringer Vorkommnisse nicht ganz Oberein. Doch stelle ich
letztere hierher, da sie von Waldheimia cornuta^ mit welcher sie noch
verglichen werden könnten, sich noch weiter entfernen.
Ein grosses, wenn auch leider schlecht erhaltenes Exemplar dieser
Formen zeigt Taf. XHI, Fig. 25.
Vorkommen: Mittlerer Lias, S.
Herzweiler, Silzklamm bei Dhrweiler im Unter-Blsass.
(Costatusschichten.)
In der städtischen Sammlung befinden sich einige wenige Stücke
aus dem mittleren Lias mit der Etiquette «Meurthet, welche zu der-
jenigen Varietät der Waldheimia cornuta gehören, die d Orbignt wegen
ihrer aufgeblähteren Form und ihrer weniger gebuchteten Stirnlinie
Terebratula Mariae genannt hat. (cf. Taf. XIV, Fig. 2.)
n. 18
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274
WoMheimia (Zeüleria) numismalts Lamarck. 1819.
Taf. Xm, Fig. 4-7, 9 — 10, 26.
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V
3 4
4 •
1819. Lamarck. Animaux sans vert^bres. vol. \1. N° 22.
1832—34. ZiETEN. Versleiaerungen Württembergs, pag. 52. Taf. 39.
Fig. 4.
1834, Buch. Ueber Terebrateln etc. pag. 84.
1836. Lamarck. Animaux sans vert^bres. 2. Auflage, vol. VIL N"* 22.
1843. QuENSTEDT. Flözgebirge. pag. 183 — 84.
1849. d'Orbigny. Prodrome, vol. L pag. 240.
1850. Davioson. Oolotic and liasic bracbiopoda. pag. 37. Taf. 5.
Fig. 4—9.
1852. QuENSTEDT. Handbucb. pag. 466. Taf. 37. Fig. 26—28.
1853. ÜPPEL. Mittlerer Lias. pag. 69.
1855. Terquem. Paläontologie de la Moselle. pag. 16.
1858. QUENSTEDT. Jura. pag. 142. Taf. 17. Fig. 37—46.
1859. ÜPPEL. Jura. pag. 185.
1863. ScHLOENBACH. Der Eisenstein des mittleren Lias etc. pag. 549.
1863. Deslongchamps. Brachiopodes. pag. 83. Taf. 5. Fig. 14. Taf. 9.
Fig. 5. Taf. 12. Fig. 4—6. Taf. 13. Taf. 14. Fig. 1—5.
1863. Güster. Bracbiopodes des Alpes suisses. pag. 28.
1864. Seebach. Hannoverseber Jura. pag. 75.
1867. QUENSTEDT. Haudbuch. 2. Auflage, pag. 557. Taf. 47. Fig. 26—28.
1870. Greppin. Jura bemois. pag. 22. 24.
1871. QuENSTEDT. Brachiopodcn. pag. 302. Taf. 45. Fig. 93—121.
275
1871. Brauns. Unterer Jura. pag. 421.
1878. Davidson. Supplement, pag. 162. Taf. 21. Fig. 8—9.
1880. Ghoffat. £tude stratigraphique et palöontologique des terrains
jurassiques du Portugal. I. Le Lias et le Dogger au Nord
du Tage. pag. 9. 12.
1880. ZiTTEL. Handbuch I. 1. pag. 703.
Flache, wenig aufgeblähte Form von gleicher Länge und
Breite. (22 — 25 Millimeter.) Sehr feiner mit kleinem und rund-
lichem Foramen versehener Schnabel. Breites Deltidium. Areal-
kanten scharf. Schlosslinie und Gommissuren gerade. Seitliche
Vereinigung beider Schalen unter spitzem Winkel. Beide öfters
mit Anwachsstreifen versehen.
Stirnlinie mitunter leicht gebuchtet. Brachialapparat sehr
lang, fast bis zur Stirne reichend.
Vorkommen: Mittlerer Lias, y.*
Unter-Elsass: Bossendorf bei Hochfelden; MQhlhausen.
(Numismalismergel.) (L. S. — S. S.) Mühlhausen (diluvial). (L. S.)
Lothringen: Malroy und Ghielles bei Metz. (Numismalis-
mergel.) (L. S. — F. S.)
Nachbarländer: Zeutern-Oestringen bei Langenbrücken
in Baden. (Numismalismergel.) (L. S.) Vaufrey, Rütehardt im Schwei-
zer Jura. (Numismalismergel.) (6. S.) Virton in Belgien (6r6s de
Virton). (L. S.)
Wäldheiniia (ZeUleria) stUmtmiisnuUis Davidson. 1860.
Taf. XIII, Fig. 18.
1850. Davidson. OoUtic and liasic brachiopoda. pag. 38. Taf. 5. Fig. 10.
1863. Deslongchamps. Brachiopodes. pag. 124. Taf. 27—29.
1871. QuENSTEDT. Brachiopodcn. pag. 307.
* Anmerkung. Die auf pag. 274 abgebildeten Formen stammen von Malroy
bei Metz. (L. S.)
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276
1878. Davidson. Supplemeot. pag. 162. Taf. 21. Fig. 1—7.
1880. Ghoffat. £tude stratigrapbique et paiöontologique des terrains
jurassiques du Portugal. 1. Le Lias et ie Dogger au Nord
du Tage. pag. 9.
Viel aufgeblähter, als die vorige Art. Stirnlinie fast niemals
gebuchtet. Schnabel kräftiger und stärker entwickelt sowie^ viel
mehr auf die kleine Schale herabgebogen, als bei der ächten
Waldheimia numismalis, mit grösserem Deltidium und grösserem
Foramen. Schlosslinie etwas gebogen. Commissuren gerade ver-
laufend. Arealkanten scharf. Seitliche Vereinigung beider Schalen
unter einem spitzen Winkel.
Brachialapparat lang.
Länge ca. 26 Millimeter, Breite fast ebensoviel (24—25
Millimeter).
Vorkommen: Mittlerer Lias, S.
Ünter-Elsass: Merzweiler, Silzklamm bei.ührweiler. (Co-
statusschichten.) (L. S. — S. S.)
Lothringen: Xocourt. (Gostatusschichten.) (S. S.)
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Waldheimia (ZeiUeria) Waterhousi Davidson. 1850.
Taf. XIV, Fig. 4.
1850. DAvmsoN. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 31. Taf. 5.
Fig. 12—13.
1853. Oppel. Mittlerer Lias. pag. 71. Taf. 4. Fig. 2. Terebratula sub-
digona Oppel.
1858. QuENSTEDT. Jura. pag. 180. Taf. 22. Fig. 15—16. Terebratula
cörnuta scalprata Quenstedt.
1859. Oppel. Jura. pag. 188.
1863. Deslongchamps. Bracliiopodes. pag. 103. Taf. 21. Fig. 1—6.
1863. Schloenbach. Der Eisenstein des mittleren Lias etc. pag. 549.
I
n
r
277
1869. DuMORTiER. Depots jurassiques du bassin du Rhone, pag. 149. III.
Taf. 22. Fig. 8-9.
1871. QuENSTEDT. Brachiopodeu. pag. 312.
1871. Brauns. Unterer Jura. pag. 424.
1880. ZiTTEL. Handbuch. I. 1. pag. 703.
Die wenigen mir zur Verfügung stehenden Exemplare lassen
sich in folgender Weise charakterisiren. — Wirbel schlank,
Stirngegend breit, mit etwas gebuchteter Stirnlinie. An der
Stirne selbst bei manchen Exemplaren auf beiden Schalen eine
leichte Depression.
Beide Schalen ziemlich gewölbt, die grösste Wölbung etwa
in der Mitte der Schalen liegend. Schnabel kräftig entwickelt,
mit einem länglichen Foramen versehen und leicht auf die kleine
Schale angedrückt, Arealkanten scharf. Schlosslinie und Commis-
suren gerade verlaufend. Seitliche Vereinigung beider Schalen
unter spitzem Winkel.
Der Brachialapparat konnte nicht freigelegt werden.
Länge 15 — 16 Millimeter, Breite 13 — 14 Millimeter.
Vorkommen: Mittlerer Lias, y.
Unter-Elsass: Zinsweiler. (Mittlerer Lias.) (S. S.) Bberbach
(Glavatusschichten.) (L. S.). Mühlhausen (diluvial). (L. S.)
Lothringen: Malroy bei Metz. (Numismalismergel.) (F. S.)
Waldheimia (Aulacotlvyris) resupinata Sow. 1816.
Taf. XIV, Fig. 9.
1816. SowEHBY. Mineral conchology of Great-Britain. vol. II. pag. 116.
Taf. 150. Fig. 3—4.
1834. Buch, üeber Terebraleln etc. pag. 116.
1835. Phillips. Geology of Yorkshire. Taf. 13. Fig. 23.
1837. PuscH. Palaeontologie Polens. Taf. 4. Fig. 6.
» » • •
278
1848. Bronn. Index palaeontologicns. pag. 1248.
1849. dOrbigny. Prodrome, vol. I. pag. 239.
1850. Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 31. Taf. 4. Fig. 1~S.
1852. QuENSTEDT. Haüdbuch. pag. 469. Taf. 37. Fig. 38.
1858. Dci-selbe. Jura. pag. 181. Taf. 22. Fig. 23.
1859. Oppel. Jura. pag. 184.
1863. Deslongchabtps. Brachiopodes. pag. 118. Taf. 24. Fig. 6— 10.
Taf. 25. Fig. 1—5.
1867. Quenstedt. Handbuch. 2. Auflage, pag. 562. Taf. 47. Fig. 47.
1871. Quenstedt. Brachiopoden. pag. 353. Taf. 47. Fig 66—67.
1880. Choffat. £tude stratigraphique et palöontoiogique des terrains
jurassiques du Portugal. I. Le Lias et le Dogger au Nord
du Tage. pag. 10.
1880. Zittel. Handbuch. I. 1. pag. 704. Fig. 550.
Von dieser bei uns seltenen Art liegen mir 3 Exemplare aus den
Gostatusschichten von der Silzklamm bei Uhrweiler vor. Sie sind
ca. 25 Millimeter lang und ca. 22 Millimeter breit.
r
Wäldlieifnia (ZeiUeria) indenttUa Sow. 18^6.
Taf. XIV, Fig. 8, 10 — 12.
1825. SowERBY. Mineral conchology of Great-Britain. vol. V. pag. 65.
Taf. 445. Fig. 2.
1834. Buch. Ueber Terebrateln etc. pag. 86.
1850. Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 4 6. Taf. 5. Fig. 25— 26.
1858. Quenstedt. Jura. pag. 746.
1863. OosTER. Brachiopodes des Alpes suisses. pag. 8. Taf. 1. Fig. 17.
1863. Deslongchamps. Brachiopodes. pag. 133. Taf. 13. Fig. 1—13.
1867. Quenstedt. Handbuch. 2. Aufl. pag. 558.
1871. Quenstedt. Brachiopoden. pag. 322.
1878. DAvmsoN. Supplement, pag. 159. Taf. 21. Fig. 10—^15.
1880. Ghoffat. fitude stratigraphique et paläontologique des terrains
jurassiques du Portugal. I. Le Lias et le Dogger au Nord
du Tage. pag. 9.
1880. Zittel. Handbuch. I. 1. pag. 703.
279
Auch diese Spezies ist in Elsass-Lothringca bis jetzt nur in we-
nigen Exemplaren gefunden worden. Länge 23, Breite 18 Millimeter.
Schnabel gekielt, wenig auf die kleine Schale herabgebogen,
Arealkanten scharf, Stirniinie nur wenig, oftmals gar nicht gebuchtet.
Vorkommen: Mittlerer Lias, h.
Unter-Elsass: Silzklamm bei Uhrweiler (Gostatusschichten);
Mllhlhausen (diluvial). (L. S. - S. S.)
WcUdlieifnia (Zeilleria) sarthcicensis d'Obbigny. 1849.
Taf. XIV, Fig. 5—9, 15—16.
1849. d'Orbigny. Prodrome, fitage toarcien. N° 270.
1863. Deslongchamps. Brachiopodes. pag. 130. Taf. 31. Fig. 1—8.
1880. Ghoffat. !^tude stratigraphique et palöoiitologique des terrains
jurassiques du Portugal. 1. Le Lias et le Dogger au Nord
du Tage. pag. 9. 12.
Umriss eiförmig. Beide Schalen gleichmässig gewölbt, mit
der grössten Wölbung in der Mitte der Schalen. Stirnlinie nur
selten leicht gebuchtet, meist gerade oder abgerundet.
Schnabel kräftig, kaum übergebogen mit sehr scharfen Areal-
kauten und einem länglichen mittelgrossen Foramen.
Schlosslinie und Commissuren gerade verlaufend; seitliche
Vereinigung beider Schalen unter spitzem Winkel.
Brachialapparat sehr lang, fast die Stirnlinie berührend.
Septum etwa bis zum Drittel der kleinen Schale reichend.
Länge der normalen Exemplare ca. 25 — 27 Millimeter,
deren Breite 15—17 Millimeter. (Abnorm grosse Exemplare
kenne ich mehrfach, aber nur aus den Gostatusschichten von
Xocourt.)
Durch günstig geführte Schliffe bei jungen Formen gelingt es hie
und da das Megerlea-Stadium in der Entwickelung des Armgerüstes
280
nachzuweisen, wie solches Herrhann Friele (The development of the
skeleton in the genus Waldheimia, Arkiv for Math, og Naturvidenskab.
pag. 380. Ghristiania 1880.) bei der Bntwickelung des GerOstes von
Waldheimia septigera und Waldheimia cranium und Douvill^ (Sut
quelques geares de Brachiopodes, Terebratulidae et Waldheimiidae. Bul-
letin de la Soci^tö g^ologique de France. 3' särie. tome YU. pag. 251
et ff. fig. 1—3.) bei derjenigen des Gerdstes von Waldheimia lenticularis
gefunden haben.
Bez. des Verhältnisses zu anderen Arten siehe pag. 294.
Vorkommen: Mittlerer Lias, y und 5.
Lothringen: Roerchingen, Haute- und Basse-B^voie bei
Metz. (Davoeischichten.) (L. S. — F. S.) Malroy bei Metz. (Numismalis-
mergel.) (L. S. — F. S.) Xocourt. (Gostatusschichten.) (L. S. — S. S.)
Anmerkung: In der städtischen Sammlung befinden sich einige
wenige Exemplare dieser Spezies mit der Fundortsangabe: Bas-Rhin.
Wenn dieselbe zutrifft, so sind es die einzigen uns bekannten Formen
aus dem Elsass.
Die Verwandtsohaflsverh<iilsse der Waldhelmlen des LIas.
Es scheinen enge Beziehungen zwischen den Waldheimien des
Lias zu bestehen. Sicher festgestellt ist bis jetzt folgendes:
Gewisse Formen der Waldheimia perforata Piette sp. nähern
sich gewissen anderen Exemplaren der Waldheimia cor. Lamargk sp.
aus dem unteren Lias, indem dieselben eine gewisse Tendenz zeigen,
sich an der Stirne einzubuchten.
Weitere Beziehungen scheinen zwischen Waldheimia cor. und
Waldheimia cornuta Sow. sp. zu bestehen, wenigstens nach dem
geringen Material zu schliessen, das mir von der letzteren Art zur
Verfügung stand. Von anderen Lokalitäten ausserhalb Elsass-Lothringen
besitze ich Formen von Waldheimia cornuUiy die meine Vermuthung
bestätigen.
Die vollständigsten und schönsten Uebergangsreihen lassen sich
zwischen Waldheimia cor. und Waldheimia numismalis Lamargk sp.
herstellen; crstere Art geht durch allmähliches Fiacherwcrden in Wald-
281
heimia numümalis über. Dabei verliert sich allmäblich die EiDbuchlung
an der Stirne oder sie wird wenigstens auf ein Minimum reduzirt; zu-
gleich wird auch der bei Waldheimia cor. nicht sehr dicke Stirnrand
bedeutend flacher, (cf. Taf. XVII.)
Herr Abbä Friren besitzt die prächtigsten Belegstücke zu meinen
Behauptungen.
Auch zwischen Waldheimia sarthacensis DESLONGCHABfPS und
Waldheimia indentata Sow. sp. existiren Mittelformen. Ich kenne solche
von Xocourt. Neben der grossen Vahetät der ersteren Art finden sich
daselbst kleiner bleibende Formen, und diese sind es eben, welche
durch die Ausbildung ihrer Stirngegend gewisse Aehnlichkeit mit Wald-
heimia indentata zeigen; denn bei manchen derselben ist die Tendenz,
sich am Stimrande einzubuchten, unverkennbar.
Ob wiederum Waldheimia indentata nicht in gewissen Beziehungen
zu Waldheimia perforata steht, kann wohl erst bei einer grösseren
Ansammlung von Material festgestellt werden.
282
Die Waldheimien des Dogger.
Waldheimia Meriani Oppel sp.
Waldheimia cf. carinata Lamarck sp.
Waldheimia Beneckei nov. sp.
Waldheimia Coheni nov. sp.
Waldheimia Mandelslohi Oppel sp.
Waldheimia cf. anglica Oppel.
Waldheimia Cadomensis Deslongghamps.
Waldheimia lagenalis Sghl. sp.
Waldheimia subbucculenta Ghapuis et Devalque sp.
Waldheimia ornithocephala Sow. sp.
0*
i
Waldhettnia (Atilacothyris) Meriani Oppel. 1859.
Taf. XIV, Fig. 13— 14,
1859. Oppel. Jura. pag. 424. und die Abbildungen, auf welche Oppel
sich bezieht in 1850. Davidson. Oolitic and liasic brachio-
poda. Taf. 4. Fig. 8 und Taf. 10. Fig. 7.
1863. OosTER. ßrachiopodes des Alpes suisses. pag. 29.
1870. Gheppin. Jura bernois. pag. 30. 33.
1872. Deslongghamps. ßrachiopodes. pag. 238. Taf. 64. Fig. 1—5.
Kleine Schale flach. An der Stirne ist die für die Unter-
gattung Aulacothyris (Doüvillb. Sur quelques genres des ßra-
chiopodes; Terehraiulidae et Waldheimiidae, Bulletin de la So-
ciöt6 göologique de France. 3® s^rie, t. VII, pag. 251 und
folgende) charakteristische Einsenkung meist scharf ausgesprochen.
An jungen Exemplaren ist jedoch die Einsenkung gar nicht zu
bemerken, ja es kommt sogar an deren Stelle eine schwache
Wölbung zum Vorschein.
283
Die grosse Schale hat einen gekielten, auf die kleine Schale
herabgebogenen Schnabel. Sie ist stark gewölbt.
Foramen länglich, Deltidium verdeckt, Arealkanten fär eine
Waldheimia auffallend abgerundet, Schlosslinie und Commissuren
gerade verlaufend. Seitliche Vereinigung beider Schalen unter
einem spitzen Winkel. Länge 20 — 25 Millimeter, Breite 18 — 23
Millimeter.
Verhältniss zu anderen Arten. Unsere Spezies wurde lange
mit Terebratula (Waldheimia) impressa verwechselt, bis Oppel die
Formen des Untcroolith als eigene Art unterschied (Jura. pag. 425.).
Vorkommen: Unlerer und mittlerer Dogger, ß — y.
Wurde im Blsass und in Lothringen bis jetzt noch nicht
gefunden.
Nachbarländer: Boeckten, Grange-Gueron, Dornten im
Berner Jura, (Oolithe fernigineuse.) Füllinsdorf, ebenda. (Sowerbyi-
und flumphresianusschichten). (G. S.)
Waldheimia (AtUa^othyris) cf. caHnata Lahabck. 1819.
Taf. XIV, Fig. 18. Taf. XV, Fig. 28.
1819. Lamarck Aiiimaux sans vertöbres. vol. VI. pag. 25.
1850. Davidsun. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 35. Taf. 4. Fig. 11
bis 14.
1858. QuENSTEDT. Jura. pag. 492.
1859. Oppel. Jura. pag. 423.
1867. QüENSTEDT. Handbuch. 2. Aufl. pag. 561. Taf. 47. Fig. 38.
1871. QüENSTEDT. Brachiopoden. pag. 349. Taf. 47. Fig. 47—65.
1871. Brauns. Mittlerer Jura. pag. 285.
1872. Deslongchamps. Brachiopodes. pag. 227. Taf. 62.
1878. Davidson. Supplement, pag. 179. Taf. 23. Fig. 14—15.
1879. SzAJNOCHA. Brachiopoden der Oolithe von Baiin. pag 22. Taf. 5
Fig. 4—5. 10.
1880. ZiTTEL. Handbuch. 1. 1. pag. 704.
Ui*
284
Meist ebenso breit als lang (6 — 7 Millimeter). Kleine
Schale am Wirbel etwas gewölbt. £insenkuDg an der Stirne nicht
sehr stark. Grosse Schale mit frei hinausragendem und gekieltem
Schnabel versehen. Foramen rundlieh und von mittlerer Grösse,
von einem kleinen Deltidium eingefasst. Arealkanten sehr scharf.
Schlosslinie leicht gebogen, Commissuren gerade. Seitliche Ver-
einigung beider Schalen unter sehr spitzem Winkel. Beide Schalen
mit feinen Anwachsstreifen versehen.
Verhältniss zu anderen Arten, l^e mir vorliegenden wenigen
Exemplare scheinen mir am Besten bei Waldheimia carinata Lamarck
sp. untergebracht, wenn ihre Dimensionen auch bedeutend geringere
sind. Sehr nahe verwandt scheinen sie mit der im Folgenden be-
schriebenen Waldheimia Beneckei nov. sp. zu sein. Weiteres darüber
siehe pag. 294.
Vorkommen: Mittlerer Dogger, ß— y.
Saulny in Deutsch-Lothringen. (Sowerbyischichten.) (L. S.)
Waldheimta (Aulaoolihyria) Benee^eei nov. sp.
Taf. XIV, Rg. 19. 21. 25.
Kleine Schale am Wirbel gewölbt, an der Stirne mit einer
sehr stark ausgebildeten Einbuchtung versehen.
Grosse Schale sehr aufgebläht, Schnabel stark an die kleine
Schale angedrückt, sehr kräftig entwickelt und mit einem scharfen
Kiel versehen, der fast bis zur Stirne reicht und die grosse
Schale in zwei symmetrische Hälften theilt
Foramen rundlich und klein, Arealkanten sehr scharf,
Schlosslinie gerade verlaufend, Commissuren leicht gebogen. Seit-
liche Vereinigung beider Schalen unter einem Winkel von 45^
Der Brachialapparat bietet nichts Bemerkenswerthes , das
Septum ist jedoch stärker entwickelt, als bei den anderen Wald-
285
heimien und reicht bis über die Hälfte der kleinen Schale
hinaus.
Länge ca. 8 — 10 Millimeter, Breite ca. 7 — 8 Millimeter.
Verhältniss zu anderen Arten. Unsere Spezies hat grosse Aehn-
lichkeit mit den kleineren Formen von Waldheimia carinata^ von der
sie sich durch ihre geringere Breite im Yerhältniss zur Länge und die
grossere Wölbung der grossen Schale, den stärker entwickelten und
mehr auf die grosse Schale herabgedrUckten Schnabel, sowie durch das
viel längere Septum unterscheidet.
Vorkommen: Unterer Dogger, ß.
Göte de l-a Rique bei Lorry in Deutsch-Lothringen.
(Murchisonaeschichten.) (L. S.)
WoMheimia (ZeiUeHa) Coheni nov. sp.
Taf. XV, Fig. 23—25.
Die kleine Schale flach oder nur sehr wenig gewölbt, die
grosse dagegen ziemlich aufgebläht.
Schnabel gekielt, rundlich und nur wenig an die kleine
Schale angedrückt. Foramen gross und rundlich. Deltidium nor-
mal gebaut. Arealkanten scharf. Falsche Area an manchen Exem-
plaren ausgebildet. Schlosslinie leicht gebogen, Commissuren
gerade. Seitliche Vereinigung beider Schalen meist unter einem
spitzen Winkel.
Das Verhältniss der Länge und Breite dieser Art ist sehr
veränderlich, so dass bald die eine, bald die andere Dimension
vorwiegt.
Die meisten Exemplare sind länger als breit (23 — 24 Milli-
meter Länge auf 18 — 19 Millimeter Breite), doch finden sich
auch Formen, bei welchen Länge und Breite gleichwerthig sind
und auch solche, bei denen die Breite die Länge sogar überwiegt.
286
Das verkieselte Yorkommea dieser Spezies hat es erlaubt, durch
AetzuQg mit Salzsäure den Brachiaiapparat genauer zu studiren und zum
Theil frei zu legen. Die beiden Schleifenarme sind breit und werden
durch sehr stark ausgebildete Zahnstatzen getragen. Sie reichen fast bis
an die Stirne. Das Seplum ist ungewöhnlich lang, es reicht bis Qber */,
der Länge der kleinen Schale hinab und besteht aus einer ziemlich
breiten Leiste.
Es kommt vor, dass beide ZahnstQtzen, statt dass dieselben sich
hinter dem Foramen auf der inneren Seite des Schnabels anheften, wie
dies sonst der Fall ist, vielmehr bis an das Foramen selbst vorrQcken
und somit dasselbe in 3 Theile, 2 halbmondförmige, einen rechten und
linken und einen mittleren eckigen Theil zerlegen.
Die Jugendformen dieser Spezies haben sehr oft in Folge ihres
grossen Foramens, ihrer flachen kleinen Schale und ihrer gerundeten
Arealkanten ein terebratulaähnliches Aussehen, so dass in zweifelhaften
Fallen nur ein Anschliff entscheiden kann.
Verhältniss zu anderen Arten. Unsere Spezies schliesst sich an
gewisse Formen der nachher zu besprechenden Waldfmmia subbuc-
culenta Ghapuis et Dewalque an, indem manche Formen derselben
jene für letztere Art so charakteristischen scharf ausgesprochenen An-
wachsstreifen auf beiden Schalen zeigen, daneben noch zu der Schnabel-
bildung der Waldheimia subbucculenta und deren ganzen Habitus
hinneigen.
Vorkommen: Mittlerer Dogger, S.
Moyeuvre-Rombach. (Oberer Korallenkalk.) Rombach. (Mergel
von Longwy.) (L. S.)
Waldheimia (AtUacothyris) Mandelslohi Oppel. 1859.
Taf. XIV, Fig. 17.
1859. Oppel. Jura. pag. 495.
1870. Gheppin. Jura bernois. pag. 56.
1874. Deslongchamps. Brachiopodes. pag. 295. Taf. 85. Fig. 3—5.
1878. Davidson. Supplement, pag. 180. Taf. 23. Fig. 16—18.
.i^zite
287
Die wenigen mir vorliegenden Exemplare sind ebenso breit
wie lang (17 — 17 Millimeter). Die Einsenkung auf der flachen
kleinen Schale ist stark ausgebildet. Die grosse Schale ist ziem-
lich aufgebläht und wird von einem Kiel, der von der Wirbel-
spitze ausgeht und bis zur Stirne reicht, in 2 symmetrische
Hälften getheilt. Der kurze Schnabel ragt frei hinaus und trägt
ein mehr längliches Foramen von mittlerer Grösse. Das Deltidium
ist an seiner Basis sehr breit, läuft aber sehr spitz aus. Areal-
kanten scharf, falsche Area öfters entwickelt. Schlosslinie leicht,
Commissuren dagegen ziemlich gebogen. Seitliche Vereinigung
beider Schalen unter sehr spitzem Winkel.
Brachialapparat unbekannt.
Verhältniss zu anderen Arten. Mit Waldheimia carinata noch
verwandt, in keinen oder nur sehr weitläufigen Beziehungen zu Wald-
heimia Merianiy deren Wirbelbildung und allgemeiner Habitus ein
ganz anderer ist. Oppel sagt (Jura. pag. 495): «Hat eine Aehnlichkeit
mit Fig. 12 Taf. 4 von Ter, carinata Dav. Brach., doch ist der Sinus
der Bauchschale tiefer und die RQckenschale gewölbter als bei letzterer.!
Eine ganz eigenthttmliche Form zeigt Taf. XIV, Fig. 7. Die Wirbel-
bildung erinnert an Waldheimia Meriani^ doch ist der ganze Habitus
der Form mehr derjenige unserer Spezies.. Wäre eine Area vorhanden,
so möchte man eine Terebratella vermuthen.
Vorkommen: Oberer Dogger, e.
Unter-Elsass: Buchsweiler. (Hauptrogenstein.) (L. S.)
Nachbarländer: Wartenberg im Berner Jura. (Hauptrogen-
slein.) (G. S.)
Waldheimia (ZeiUeria?) anglica Oppel. 1859.
Taf. XIV, Fig. 20.
1859. Oppel. Jura. pag. 425, und die Abbildungen, auf welche Oppel
hinweist. 1855. DAvmsON. Appendix. Taf. A. Fig. 10—13.
1876. DAvmsoN. Supplement, pag. 135.
1878. DAvrosoN. Supplement, pag. 186. Taf. 23. Fig. 23—26.
288
Unsere Formen haben die grösste Aehnlichkeit mit den in
Davidson, Supplement, Taf. 23, Fig. 23 und 26 abgebildeten
Exemplaren. Wenig gewölbte kleine und mehr aufgeblähte grosse
Schale, gerundete Stimlinie, nur sehr selten etwas gebuchtet,
gekielter ziemlich an die kleine Schale angedrückter Schnabel.
Rundes kleines Foramen und an seiner Basis breites, spitz zu-
laufendes Deltidium. Arealkanten sehe gerundet
Schlosslinie öfters leicht gebogen, Commissuren gerade.
Seitliche Vereinigung beider Schalen unter spitzem Winkel.
Brachialapparat nicht bekannt.
Länge 15 — 16 Millimeter, Breite 11 — 12 Millimeter.
Bezüglich des Yerhältaisses zu anderen Arien kann wegen der
geringen Menge des vorhandenen Materials nichts gesagt werden.
Vorkommen: Mittlerer Dogger, S.
Bitschhofen-Mietesheim im Unter-Elsass. (Humphresianus-
schichten.) (L. S.)
'«I
Waldhetmia (Zeüleria) CuLdomenMa Deslongchahps. 1857.
Taf. XV, Fig. 22.
1857. Deslongchamps. Description des couches du Systeme oolithiqüe
iuförieur du Calvados, pag. 35. Taf. 1. Fig. 2—4.
1874. Deslongchamps. Brachiopodes. pag. 312. Taf. 88. Fig. 8—9. Taf. 89.
1878. Davtoson. Supplement, pag. 170. Taf. 22. Fig. 9. Taf. 24. Fig.
14-15.
Beide Schalen sind stark aufgebläht mit der grössten Wöl-
bung meist gleich unterhalb des Wirbels. Anwachsstreifen sind
auf beiden Schalen vorhanden. Stirnlinie gerundet, nicht ge-
buchtet.
Der meist wenig gekielte Schnabel ist ziemlich umgebogen,
nicht aber an die kleine Schale angedrückt, mit rundem mittel-
^n*
289
grossen Foramen und ziemlich breitem und verhältnissmässig
grossem Deltidium.
Arealkanten ziemlich scharf. Schlosslinie ganz leicht ge-
bogen, Commissuren gerade.
'Brachialapparat fast die Stirne erreichend.
Länge ca. 22 — 24 Millimeter, Breite ca. 17 — 20 Millimeter.
Verhftltniss zu anderen Arten. Deslongghamps (Brachiopodes.
pag. 314—315) hau diese Art für die Stellvertreterin der Waldheimia
ornithocephala Sow. sp. in der Fuller's earth der Normandie. Sie
kommt jedoch bei uns im Rheinthal neben dieser Spezies vor und scheint
mir eher eine Mittelform zwischen ersterer Art und der Waldheimia
lagenalis zu sein, deren eigenthQmliche Wirbelbildung an manchen
Exemplaren der Waldheimia cadomensis schon zu sehen ist
Vorkommen: Oberer Dogger, e.
Unter-Elsass: Wolxheim. (Hauptrogenstein.) (L. S.)
Nachbarländer: YOgisheim bei Kandern in Baden. (Varians-
schichteo.) (U. S.) Breisgau. (Oberer Dogger.) (U. S.) Wartenberg bei
Muttenz im Baseler Jura. (Bathonien.) (6. S.)
Waldheimia (ZeiUeria) lagetuUis Sohl. 1820.
Taf. XV, Fig. 26, 27.
1820. Schlotheim. Die Pelrefactenkunde auf ihrem jetzigen Standpunkte.
1834. Buch, üeber Terebratehi etc. pag. 87. Taf. 3. Fig. 43.
1848. Bronn. Index palaeontologicus. pag. 1240.
1850. DAvmsoN. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 42. Taf. 7. Fig. 1—4.
1852. QuENSTEDT. Haudbuch. pag. 468.
1858. Derselbe. Jura. pag. 492. Taf. 66. Fig. 9-12.
1859. Oppel. Jura. pag. 494.
1867. QuENSTEDT. Handbuch. 2. Aufl. pag. 558.
1870. Greppin. Jura bemois. pag. 51.
1871. QuENSTEDT. Brachiopoden. pag. 336. Taf. 46. Fig. 90—95.
1880. ZiTTEL. Handbuch. I. 1. pag. 703. Fig. 549.
n. 19
•f •
• *
290
Die beiden Schalen dieser schönen und charakteristischen
Art sind gleichmässig und stark gewölbt und zwar liegt die grösste
Wölbung ungefähr in der Mitte beider Schalen. Die ca. 45 — 55
Millimeter lange und 18 — 22 Millimeter breite Form ist an der
Stirne plötzlich wie abgestutzt, so dass die Stirnlinie in einer
geraden Linie verläuft und nicht gerundet ist.
Der Schnabel ist leicht gekielt, verläuft ziemlich spitz und
trägt an seinem äussersten Ende ein für die grosse Form ausser-
gewöhnlich kleines Foramen von länglicher Gestalt. Durch sein star-
kes Ueberbiegen auf die kleine Schale wird das Deltidium verdeckt.
Die Arealkanten sind ziemlich gerundet. Die Schlosslinie und
die Gommissuren verlaufen ganz gerade, nur bei gewissen Mittel-
formen zwischen unserer Spezies und Waldheimia orniihocephala,
Sow. sp. ist die erstere leicht gebogen. Seitliche Vereinigung
beider Schalen unter einem sehr stumpfen Winkel.
Brachialapparat sehr lange, fast die Stirne berührend, Septum
von mittlerer Länge.
Verhältniss zu anderen Arten. Bei Buchsweiler und Hagäville
kommen gewisse Formen der Waldheimia ornithocephala vor, die, wenn
sie auch nicht die Länge der Waldheimia lagenalis besitzen, doch
schon die Schnabelbildung und den grade verlaufenden Slirnrand der
letzteren Art aufweisen und welche als Mittelformen zwischen beiden
Spezies gedeutet werden könnten. Oppel sagt übrigens schon in seinem
Jura. pag. 494, bei Besprechung der Terebratula ornithocephala: «Zeigt
üebergänge zu Terebratula lagenalis.n
Vorkommen: Oberer Dogger, 6.
Untßr-Elsass: ßuchsweiler. (Variansschichten.) (L. S.)
Nachbarländer: Vögisheira bei Rändern in Baden. (Varians-
schichten.) (U. S. — G. S.) La Miotte bei Beifort. (Variansschichleo.)
(L. S.) Chätillon im Berner Jura. (Bathonien.) (G. S.) Hagöville.
(Meurthe-et-Moselle.) (Variansschichten.) (L. S.)
291
Waldheiniia (ZeiUeria) 8%ilbucculenlia
Chapuis et Dewalque. 1851.
Taf. XIV, Kg. 22—24, 26—28. Taf. XV, Fig. 1—4, 15
—17.
1851. Chapuis et Dewalque. Terrains secondaires du Luxembourg.
pag. 242. Taf. 36. Fig. 4.
1859. Oppel. Jura. pag. 494.
1870. Grefpin. Jura bernois. pag. 41. 51.
1871. Quenstedt. Brachiopoden. pag. 416.
1874. DESL0N6GHAMPS. Brachlopodes. pag. 298. Taf. 86.
1878. SzAJNOCHA. Brachiopoden derOolltbe von Baiin. Taf. 4. Fig. 21—24.
Kleine Schale flach, die grosse Schale meist ziemlich ge-
wölbt. Die grösste Breite liegt bei den ganz normalen Formen
gleich unterhalb des Wirbels, doch kann man etwas allgemein
Gültiges in dieser Beziehung eben so wenig sagen, als über
die Dimensionen dieser Form.
Stirnlinie ungebuchtet, theils gerundet, theils gerade ver-
laufend. Schnabel gekielt, nur wenig übergebogen; dieser Kiel
setzt sich oft bis zur Stirnlinie fort. Foramen klein und rund;
bei Mittelformen meist länglich werdend. Deltidium breit, oben
spitz auslaufend; Arealkanten sehr scharf, falsche Area meist
ziemlich ausgebildet.
Brachialapparat sehr lang.
Länge ca. 22—24 Millimeter, Breite 18—20 Millimeter.
Verhältnisa zu anderen Arten. Welche Beziehungen zwischen
Waldheimia subbucculenta und Waldheimia Coheni bestehen, das wurde
schon bei Besprechung dieser letzteren Art gesagt.
Ganz nahe verwandt ist unsere Art noch mit Waldheimia omitho-
cephala Sow. sp.; die Formen, welche den Uebergang nach letzterer
Spezies vermitteln, verlieren ihre Anwachsstreifen, werden ganz glatt,
länglich; zugleich biegt sich der Schnabel mehr um, wird spitzer und
die falsche Area verschwindet. Endlich nimmt das Poramen eine läng-
• f. . •»
292
liehe Gestaltung au. Die ersten Jugendstadien beider Formea stimmen
tiberein, erst später entwickelt sich die eine oder die andere Spezies
daraus. Auch hier ist durch Schliffe bei jungen Individuen von gewisser
Grösse das Megerleastadium nachzuweisen.
Vorkommen: Mittlerer und oberer Dogger, 8 — 8.
Unter-Elsass: Buchsweiler. (Hauptrogenstein.) (L.S. — S.S.— U.S.)
Lothringen: Moyeuvre. (Mergel von Longwy.) Mittelformen
zwischen unserer Spezies und Waldheimia Coheni, (L. S.) Monvaux,
Fenne Marengo bei Metz. (Mergel von Longwy.) (L. S.) G6nivaux,
Ars a. d. Mosel, Gravelotte, Räzonville, Vionville, St. Privat,
Flavigny, Gorze, Vernöville, ßollingen, Oberhaupt im oberen
Dogger Lolhringens. (Mergel von Gravelotte.) (L. S. — S. S. — ü. S. — F. S.)
Nachbarländer: Longrie in Luxemburg. (Bathonien.) (L. S.)
Xonville. (Meurthe-et-Moselle.) (Variansschichten.) (L. S.) YOgisheim
bei Rändern in Baden. (Variansschichten.) (L. S. — U. S.) Büren,
Wartenberg, Zyfen im Berner und Baseler Jura. (Bathonien.) (G. S.)
i\
;)
Waidheimia (ZeUleria) omUhocephaia Sow. 1812.
Taf. XV, Fig. 5 — 14, 15 — 17, 26.
1812. Sow£RBT. Mineral conchology of Great-Britain. pag. 303. Taf. 87.
Taf. 88. Fig. 1—6.
1834. Buch, üeber Terebrateln. Lk. pag. 89.
1837. PüSCH. Palaeontologie Polens, pag. 20. Taf. 3. Fig. 17.
1848. Bronn. Index palaeontologicus. pag. 1234.
1849. d'Orbiony. Prodrome, pag. 316.
1850. DAvmsoN. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 40. Taf. 7. Fig. 6.
10. 13. 23.
1859. Oppel. Jura. pag. 494.
1863. OosTER. Brachiopodes des Alpes suisses. pag. 29. Taf. 11. Fig.
3—10.
1869. Brauns. Mittlerer Jura. pag. 286.
1870. Greppin. Jura bernois. pag. 51.
1871. Qüenstedt. Brachiopoden. pag. 332.
293
1878. Davidson. Supplement, pag. 165 und 167. Taf. 22. Fig. 1—2.
Taf. 24. Fig. 27.
1880. ZiTTEL. Handbuch. I. 1. pag. 703.
Der Habitus dieser Spezies ist im Allgemeinen weniger
wechselnd, als derjenige der vorhergehenden Art.
Beide Schalen in der Regel gleich stark aufgebläht, die
kleine ist hie und da etwas flacher, als die grosse Schale. Die
grösste Breite der Form liegt in der Mitte beider Schalen, die
grösste Wölbung eher noch etwas mehr dem Wirbel zu.
Die Stirnlinie ist gerundet.
Der Schnabel ist im ausgewachsenen Stadium deutlich ge-
kielt und ziemlich auf die kleine Schale herabgedrückt. Eine
falsche Area ist bei manchen ausgewachsenen Exemplaren vor-
handen. Die Arealkanten sind sehr scharf, das Foramen klein und
länglich, und dessen Ränder öfters wulstartig aufgeworfen. Del-
tidium breit und spitz zulaufend. — Schlosslinie und Commissuren
gerade, Brachialapparat sehr lang, fast die Stirne berührend.
Länge ca. 23—25 Millimeter, Breite 18—19 Millimeter.
Verhältnisfl zu anderen Arten. Wegen der Beziehungen,
welche zwischen unserer Art und Waldheimia subbucculenta einerseits
und Waldheimia lagenalis andererseits bestehen, verweise ich auf das
bei Besprechung dieser Arten Gesagte.
Vorkommen: Oberer Dogger, e.
Ober-EIsass: Bollenberg. (Hauptrogenstein.) (L. S.)
Unter-Elsass: Buchsweiler. (Hauptrogenstein-Yariansschichtcn.)
L. S. — U. S. — S. S.) Kirchberg bei Barr. (Hauptrogenslein.) (S.S.)
Lothringen: Gönivaux, Ars a. M., Gravelotte, Rözonville,
Vionville, St. Privat, Flavigny, Gorze, Vernöville, Bollingen,
überhaupt im oberen Dogger Lothringens. (Mergel von Gravelotte.) (L. S.
— U. S. — S. S. - F. S.)
29 J
Nachbarländer: Xonrille. (Meurthe-et-Moselle.) (Variansschich*
ten.) (L. S.) Yogisheim bei Kandern in Baden (Cornbrash.) Lehen
bei Freiborg L B. (Hauptrogenstein.) «S. S. — U. S.) BQren, Warten-
berg, Zyfen im Baseler und Berner Jura. (Bathonien.) (G. S.)
Die YerwaidtsehaftsveiiiütaiMe der Waldheiaiei ies Doffer.
Ueber die Bexiehungen, welche zwischen Waldhtimia Meriani
Oppel sp. und den anderen zur Untergattung Aulacoihyris gehörigen
Spezies des Dogger herrschen, konnte ich, in Folge Mangels an genQ-
gendem Material, Nichts ermitteln. Nur bei den wenigen Formen der
Waldheimia carinata Lamarck Hess sich eine Verwandtschaft mit ge-
wissen Formen der Waldheimia Beneckd nov. sp., wenn auch noch nicht
ganz bestimmt, feststellen.
Ueber die näheren Verwandtschaften zwischen Waldheimia Coheni
noT. sp, und Waldheifuia subbuccuhnta Cuapus eiÜEWALQVE ist auch
schon das NOthige gesagt worden ^cf. pag. 2S^ , ebenso tlber diejenigen,
welche zwischen letzterer Art und Wclaheimia ornithocephala Sow. sp.
bestehen.
Beide Arten konmien in aufeinanderfolgenden Schichten, z. Th.
auch schon in ein und derselben Schicht vor, wie z. B. in dem Hanpt-
rogensteine und seinem Hangenden, den Variansschichten, zu Buchs-
weiler. .\us dem an dieser einiigon Lokalität gesammelten Matehale lassen
sich die schönsten Uebergaugsreihen zusammenstellen.
Auch Waldheimia orni:hocephr!a und Wald^ eimia lagtnalis haben
viele Beziehungen zu einander, die schon des Näheren erläutert worden
sind. — SpeiieU die Formen von Hugevüle sind solche Mittelfoimen.
.Vuch bei Buchsweiler fanden sich deren.
Die ächten Lagenalisfonnen jed<xh fehlen mit wenigen, ganz Ter-
einzelt dastehenden Ausnahmen in EIsass-Lothhngen und scheinen auf
das Rheinthal, speziell auf das Bathonien von VOgisheim und Umgebung
beschränkt zu sein.
Auch dem Benier Jura scheinen sie sehr selten. Eine einzige Loka-
hLät, Chdtiüon im Beraer Jura, wird von Greppex aufgeführt. Die betr.
Formen, die ich zur Hand hatte, sind allerdings ächte Lagenalisfonnen.
Ueber Waldheirxia cad^mensis D£SLO>~gchamps wurde auf Seile 289
das NOtbige gesagt.
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I
296
Spiriferinaj d'Orbigny. 1847.
Spiriferina WalcoUi Sow. sp.
Spiriferina rostratd Schl. sp.
Spiriferina verrucosa Schl. sp.
Spiriferina WalcoUi Sow. sp. 1823.
Taf. XVI, Fig. 1—3. 5.
1823. SowERBT. Mineral conchology of Great-Britain. yoL IV. pag. 106.
Taf. 377. Kg. 1—2.
1849. d*Orbiony. Prodi^me. vol. I. pag. 221.
1850. Derselbe. Ebendaselbst pag. 26. Taf. 3. Kg. 4—6. Spiriferina
Münsteri Davidson.
1850. Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 25. Taf. 3. Fig. 2
bis 3.
1851. Ghapuis et Dewalqub. Terrains secondaires da Luxembonrg.
pag. 236. Taf. 35. Fig. 7.
1853. OtENSTEDT. Handbuch, pag. 482. Taf. 38. Fig. 34.
1853. Opp£L. Mittlerer Lias. pag. 72. Taf. 4. Fig. 3. Spiriferina ocUh
plicata ZiCTEN.
1858. QusKSTSDT. Jura. pag. 99. 146. 182. Taf. 9. Fig. 8. TaL 18.
Fig. 16. Taf. 22. Fig. 27.
1859. Oppcl. Jura. pag. 108.
1859. Derselbe. Ebendaselbst pag. 186. Spiriferina MQnsteril^AviDSOV.
1861« Oppbl> BracMopoden des unteren Lias. pag. 534.
1863. OosTER. Brachiopodes des Alpes snisses. pag. 39. Spiriferina Wal-
aMti Sow. nicht d Orbignt.
1863. SciiLORNB.\CH. Der Eisenstein des mittfer» Lias etc. pag. 548.
Spiri;\ruvA liunstcri Davidson.
«(.
297
1867. QuENSTEDT. Handbuch. 2. Aufl. pag. 575. Taf. 48. Fig. 34.
1869. DuMORTiER. Depots jurassiques du bassia du Rhone, iL
Taf. 14. ^g. 6—7. III. pag. 154.
1870. Greppin. Jura bemois. pag. 22. 24.
1871. QüENSTEDT. Brachiopoden. pag. 523. u. ff. Taf. 54. Fig. 71—76.
1871. Brauns. Unterer Jura. pag. 430.
1880. ZiTTEL. Handbuch. I. 1. pag. 682.
Eine den verschiedensten Variationen ausgesetzte Art, weshalb
viele Autoren eine Menge verschiedener Spezies daraus gemacht haben,
meiner Ansicht nach mit Unrecht. Ich berufe mich dabei auf die An-
sicht von Professor Quenstedt. (Brachiopoden. pag. 523.)
Die auf beiden Schalen gleichmässig und ziemlich gewölbte
Normalform hat ca. 10 — 12 Bippen auf jeder der beiden Schalen,
seltener finden sich deren über 16. Nur an einem einzigen
Exemplar konnte ich bis 21 Bippen beobachten. Die Bippen
sind ziemlich scharfkantig. Die mittlere, stärker ausgebildete
Bippe bildet am Stimrande der kleinen Schale einen Sattel,
welchem auf der grossen Schale eine breite und flache Bucht
entspricht, die Schlosslinie ist sehr gestreckt, die Flügelecken
sind meist gerundet, selten eckig.
Der Schnabel der grossen Schale ist sehr spitz und an
seinem äussersten Ende etwas eingebogen. Die Area ist kurz
und mit gegitterter Streifung versehen.
Die Deltidialspalte ist von der bei den Spiriferinen gewöhn-
lichen dreieckigen Gestaltung, doch ist vom Pseudodeltidium nur
sehr selten noch etwas zu sehen. Arealkanten gerundet.
lieber den Brachialapparat ist mir nichts Neues bekannt.
Die grosse Schale hat sehr stark entwickelte Zahnplatten und
ein ziemlich langes Septum. (Ueber das Weitere cf. Zittel, Hand-
buch I. 1 pag. 682.)
Xänge 18—20 Millimeter, Breite 23—26 Millimeter.
298
. Die Formen aus dem mittleren Lias erreichen nicht immer
diese Dimensionen, sondern bleiben öfters kleiner.
Bei den Jugendformen, von denen mir leider nur wenige
Exemplare vorliegen, ist der Schnabel noch nicht umgebogen, die
Area noch sehr vertieft und die Bippen sind weniger scharf-
kantig, während die Bucht auf der Oberschale viel tiefer ist,
als im ausgewachsenen Zustande.
Ueber das Verhältniss zu anderen Arten cf. pag. 302.
Vorkommen: Unterer und mittlerer Lias, a — y.
Unter-Elsass: Hochfelden, Bahneinschnitt bei Buchs weil er
Mattenkuppe bei Oberbronn. (Gryphitenkalk.) (L. S.) Bossendorf
bei Hochfelden. (Nunusmalismergel.) (L. S.) (Uebergangsformen nach
Spiriferina verrucosa Sghl. sp.) MOhlhausen (diluvial). (L. S. — S. S.)
Lothringen: Peltre, Grigy, Valliöres bei Metz. (Gryphiten-
kalk und Brevisschichten.) (L. S. — F. S.) Goin bei Verny, Ghemi*
not, Solgne, Gourcelles, La Prelle bei Sillegny, Metzeresch,
Haute- und Bas-Bövoie bei Metz, PUttlingen. (DavoeLschichten.)
(L. S. — F. S.)
Nachbarländer: Steinfort, Hassel und Strassen in Luxem-
burg. (Gryphitenkalk.) (L. S.) Bärschwyl, Pratteln, SchOnthal,
Ruttehardt im Baseler Jura, Lehen bei Freiburg i. Br. (Gryphiten-
kalk.) (G. S.)
Spiriferina rosiraia Schl. sp. 1820.
Taf. XVI, Fig. 4, 6—7, 8, 10—11.
1820. SCHLOTHEiM. Die Petrefactenkunde auf ihrem jetzigen Stand-
punkte etc. pag. 257. Terebratulites rostratus Sghl.
1832^34. ZiETEN. Versteinerungen Worttembergs. pag. 51. Taf. 38. Fig. 3.
Delthyris rostrata Zieten.
1832—34. Derselbe. Ebendaselbst. TaL 38. Fig. 5. Delthyris pinguis
ZiETEN (SOW.) (?)
299
1843. QüENSTEDT. Flözgebirge, pag. 186.
1848. Bronn. Index palaeontologicus. pag. 1181.
1850. Davidson.. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 20. Taf. 2. Fig. 1
bis 21.
1851. Ghapuis et Dewalque. Terrains secondaires du LuKembourg.
pag. 237. Taf. 35. Fig. 6.
1852. OuENSTEDT. Handbuch. pag. 483. Taf. 38. Fig. 37.
1853. Oppel. Mittlerer Lias. pag. 73. Taf. 4. Fig. 7.
1858. QüENSTEDT. Jura. pag. 181—182. Taf. 22. Fig. 25. Taf. 22. Fig. 24
1859. Oppel. Jura. pag. 186.
1863. OosTER. Bracbiopodes des Alpes suisses. pag. 39. Taf. 13. Fig. 13
bis 20. Spv'iferina rostrata Schi., sp. nicht Davidson.
1863. Schloenbach. Der Eisenstein des mittleren Lias etc. pag. 547.
1864. Seebagh. Hannoverischer Jura. pag. 75.
1867. QüENSTEDT. Handbuch. 2. Aufl. pag. 575. Taf. 48. Fig. 37.
1869. DüMORTiER. Depots jurassiques du bassin du Rhone. III. pag. 320.
1871. QüENSTEDT. Brachiopoden. pag. 527. Taf. 54. Fig. 96—107.
1871. Brauns. Unterer Jura. pag. 432.
1876. Davidson. Supplement, pag. 95. Taf. 9. Fig. 6.
1880. Ghoffat. ätude slratigraphique et pal^ontologique des terrains
jurassiques du Portugal. I. Le Lias et le Dogger au Nord
du Tage. pag. 9. 12. 16. 19.
1880. ZiTTEL. Handbuch. L 1. Fig. 516.
Beide Schalen gleichmässig und stark gewölbt; Berippung
(15—20 Bippen) nur leicht angedeutet oder nicht vorhanden,
Sattel an der Stirnlinie der kleinen Schale wenig ausgeprägt und
gerundet, die ihm entsprechende Bucht auf der grossen Schale
flach und breit. Schlosslinie weniger lang, als bei Spiriferina
Walcoiiij die Flügelecken stets gerundet.
Schnabel weniger spitz als bei dieser Art und öfters etwas
mehr umgebogen.
Area kurz, mit gegitterter Streifung.
Deltidialspalte von massiger Grösse.
Arealkanten gerundet.
300
Beide Schalen oft mit Anwachsstreifen versehen.
Schalenstruktur punktirt.
lieber den Brachialapparat ist nichts Neues zu sagen.
Länge 27 — 30 Millimeter, Breite 32—35 Millimeter.
BezOglich des Verhältnisses zu anderen Arten cf. pag. 302.
Vorkommen: Unterer und mittlerer Lias,
Unter-EIsass: Zinsweiler. (Gryphitenkalk.) (L. S. — S. S.)
Mattenkuppe bei Oberbronn. (Davoeischichten.) (L. S.) Mühlhausen
(diluvial). (L. S.) Silzbrunnen bei Uhrweiler, Merzweiler. (Gostatus-
schichten.) (L. S. — S. S.)
Lothringen: Grigy, Valli^res, Peltre, Gheminot, Verny,
Betern bei Metz, Allsdorf-Bettsdorf. (Gryphitenkalk und Brevis-
schichten.) (L. S. — F. S.) Monterchen, Haute und Basse-B6voie
bei Metz. (Davoeischichten.) (L. S. — F. S.)
Nachbarländer: Pratteln im Baseler Jura. (Gryphitenkalk.) (G.
S.); Virton in Belgien, p. c. (Lias y, Gr^s de Virton Gh. et Dav.)
Spiriferina verrucosa. Buch. sp. 1831.
Taf. XVI, Fig. 8, 9.
1831. Buch. P^trifications remarquables. Taf. 7. Fig. 2.
1832—34. ZiETEN. Versteinerungen Württembergs, pag. 50. Taf. 38. Fig. 2.
1843. QuENSTEDT. FlOzgcblrge. pag. 185.
1849. d'Orbigny. Prodrome. I. pag. 221.
1850. Davidson. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 20. Taf. 3. Fig. 1.
Sp. rostrata Schl. sp. 2. Tbl.
1852. QuENSTEDT. Haudbuch. pag. 482. Taf. 38. Fig. 35.
1853. Oppel. Mittlerer Lias. pag. 73. Taf. 4. Fig. 5—6.
1858. QuENSTEDT. Jura. pag. 44. Taf. 18. Fig. 6—15.
1862. Deslongchamps. £tudes critiques sur des Brachiopodes nouveaux
ou peu connus. pag. 17. Taf. 2. Fig. 4—6.
1867. QUENSTEDT. Haudbuch. 2. Auflage, pag. 575. Taf. 48. Fig. 35.
1870. Greppin. Jura bemois. pag. 22.
301
1871. QuENSTBDT. Brachiopoden. pag. 529. Taf. 54. Fig. 108—119.
1871. Brauns. Unterer Jura. pag. 432. Spiriferina rostrata Schl. sp.
z. Tbl.?
1876. Davidson. Supplement, pag. 97. Taf. 11. Fig. 9—10.
Von Davidson und den meisten Autoren zu Spiriferina rostrata
gestellt, von der unsere Art nur eine Varietät ist. Quenstedt's Ansicht
(Jura. pag. 144) «Ich möchte diesen Namen für die kleine Spezies (der
Spiriferina rostrata) beibehalten wissen, welche sich gleich in der un-
tersten Bank (der Oberregion des Lias y) in grosser Häufigkeit findet»
stimme ich bei, schon mit Rücksicht auf das bestimmte geologische
Vorkommen; seine Unterabtheilungen möchte ich jedoch nicht beibehalten.
Kleine Form, länger als breit. Berippung stets schwach,
wenn auch aus zahlreichen Falten bestehend. Kleine Schale meist
flacher und weniger gewölbt, als die grosse Schale. Sattel auf
der kleinen und Bucht auf der grossen Schale kaum angedeutet.
Schnabel spitz und sehr umgebogen. Deltidialspalte klein. Area
kurz und mit gegitterter Streifung versehen. Arealkanten ge-
rundet. Schlosslinie kurz, mit gerundeten Flügelecken. Beide
Schalen mit zierlichen Anwachsstreifen versehen.
Ueber den Brachialapparat ist mir Nichts bekannt.
Ueber das Verhältniss zu anderen Arten siehe im Folgenden.
Vorkommen: Mittlerer Lias, y,
Unter-Elsass: Bberbach, Wörth. (Davoeischichten.) (L. S.)
ßossendorf bei Hochfelden. (Numismalismergel.) (L. S.) Uebergangs-
formen nach Spiriferina rostrata. Mühlhausen (diluvial). (L. S.)
Lothringen: Luppy. (Davoeischichten). (L. S.) Uebergangsformen
nach Spiriferina rostrata Sow. Mabroy bei Metz. (Numismalismergel.)
(L. S. — F. S.)
Nachbarländer: Maisch bei Heidelberg. (Numismalismergel.)
(H. U. S.)
302
Die YerwaBdtsohaftsverhältBlMe der Spiriferioeo des Lias.
Schon in seinem 1859 erschienenen Jura hat Quenstedt an ver-
schiedenen Stellen bei Besprechung der liasischen Spiriferinen Schwa-
bens darauf hingewiesen, wie sehr deren verschiedene Spezies mit ein-
ander verbunden sind und wie wenig thunlich es ist, f&r jede Varietät
eine Art aufstellen zu wollen.
Auch bei unseren Formen finden sich, wie bei denjenigen des
schwäbischen Lias, die allerverschiedensten Uebergänge in einander.
So geht Spiriferina Walcotti durch allmählich feiner werdende
Berippung, Abrundung der FlQgelecken und grössere Wölbung der Scha-
len in Spiriferina rostrata Ober, welche wiederum so enge mit Spiri-
ferina verrucosa verbunden ist, dass, wie schon gesagt wurde, viele
Autoren, wie Davidson, Brauns und Andere, einfach beide Spezies mit
einander vereinigen.
Ich habe dieselben, der Ansicht Ouenst£dt*s folgend, aus geolo-
gischen GrOnden noch getrennt gehalten.
Zwischen Spiriferina verrucosa und den kleinen ITa/cotti-Formen
aus dem mittleren Lias ist auch keine Grenze zu ziehen. Durch allmähli-
ches Schärferwerden der Berippung und Breiterwerden der Schlosslinie
gehen beide Arten ineinander tlber.
303
Orfhoidea^ Fbiren 1875.
Orthoidea HaHna Friren 1876.
Taf. XVII. Fig. 12— 14. 17.
1875. Friren. MülaDges paläoatologiqries etc. (Bullelia de la Sociätö
(i*Histoire naturelle de Metz, 14^ cahier; 2' de la 2* särie).
pag. 1 und folgende. Taf. 1. Fig. 1—6.
(1863. Deslongchamps. Brachiopodes. Taf. 13. Fig. 1—2. Fälschlich als
Jugendform von Waldheimia numismalis Lamark sp. ab-
gebildet.)
Diese zierliche Gattung hat Herr Abb6 Friren zu Montigny bei
Metz mit vielem Scharfblick entdeckt und derselben ihrem Charakter
gemäss eine Stellung bei der Familie der Orthiden angewiesen. Sie ist
mit der Gattung Leptaena^ die im Lias Elsass-Lothringens bis jetzt noch
nicht gefunden worden ist, eines der wenigen Beispiele vom Vorkommen
des Vertreters einer das palaeozoische Zeitalter charakterisirenden Bra-
chiopodenfamilie in liasischen Schichten.
Die grosse Schale ist gewölbt, die kleine Schale ist ganz
flach. Beide Schalen sind mit feiner radialen Streifung versehen
und sehr fein punktirt.
Schnabel spitz und frei hinausragend, kaum oder nur
wenig übergebogen. Breite scharfkantige Area von dreieckiger
Gestalt mit ebenfalls dreieckiger Deltidialspalte, welche beider-
seits von einem wulstartig aufgeworfenen breiten Rande begi*enzt
wird, deren Form aber durch 2 leichte und kleine Erhöhungen
an der kleinen Schale („deux tr^s-petites oreillettes, qui se trouvent
k droite et k gauche du sommet de la petite valve", Friben),
etwas modifizirt wird, so dass dieselbe ein trapezförmiges Aus-
sehen bekommt („en lui donnant Taspect d'un losange^ Friren).
304
Ein Medianseptum fehlt; an dessen Stelle tritt eine leicht
angedeutete längliche und mediane Depression („une d^pression
longitudinale et mediane', Fbiben).
Brachialapparat fehlt.
Länge 5 — 7 Millimeter, Breite 7—8 Millimeter.
Auf das Fehlen eines Medianseptums und eines Brachialapparates,
auf das Fehlen eines Deltidiums, welches ohrigens, wie Frir£n meint,
auch herausgefallen seih könnte, wie etwa bei den Spirifeiinen des Lias,
was mir aber kaum wahrscheinlich erscheint, und auf das Nichtvor-
handensein einer Area auf der kleinen Schale begründet Abb6 Priren
mit allem Rechte seine neue Gattung, die er wegen ihrer grossen Analogie
mit gewissen Orthiden Orthoidea nannte.
Vorkommen: Mittlerer Lias; Oberster Lias y— 8. (Glavatus- und
Margaritatnsschichtcn.)
Montigny und Malroy bei Metz. (L. S. — F. S.)
Thecidium^ Deprance 1828.
Mir sind nur wenige unbestimmbare Formen aus dem Korallenkalk
von Ars a/M. bekannt. Sie sind von sehr geringen Dimensionen und
deren Erhaltungszustand erlaubt leider keine näheren Untersuchungen.
(L. S.)
Discina, Lamarck 1819.
l>t8Cina cf. Holdeni Täte 1867.
Taf. XVII. Fig. 20.
1867. Täte. Quarterly Journal ofthe Geological Society, vol. XXIII. pag.314.
1869. Geological Magazine, vol. 6. pag. 553.
1876. Davidson. Supplement, pag. 85. Taf. 10. Fig. 12. Taf. 11. Fig. 32.
(1865. Terquem et Piette. Lias införieur de TEst de la France, pag. 113.
Taf. 14. Fig. 33—34. Discina sp. indef?)
305
Oberschale stark gewölbt, in einer feinen Spitze auslaufend.
Concentrische Anwachsringe die ganze Schale bedeckend. Form
fast kreisrund. % Millimeter lang und ebenso breit.
lieber die Unterschale ist mir Nichts bekannt.
Vorkommen: Unterer Lias, a. Valliöres bei Metz. (Gryphiten-
kalk). (S. S.)
Unter-EIsass. (Gryphitenkalk.) (Etiquette ohne Lokalität.) (S. S.)
DUdna cf. Davidsoni Moore 1867.
Taf. XVIL Fig. 21.
1867. Moore. Quarterly Journal of the Geological Society, vol. XXIII.
pag. 540. Taf. 16. Fig. 29.
1876. DAvmsON. Supplement, pag. 84. Taf. 10. Fig. 11, 11».
Mir liegt ein einziges Exemplar aus den Davoeikalken von Bos-
sendorf bei Hochfelden vor, das noch am Besten zu dieser Art zu
stellen ist.
Ziemlich gewölbte Oberschale, in einer feinen Spitze aus-
laufend, welche nicht ganz in der Mitte der Schale liegt. Con-
centrische Anwachsringe. Form fast kreisrund. Länge und Breite
ca. 3 Millimeter. Unterschale nicht bekannt. — (L. S.)
IHsdna cf • pa^yroLcea Muenster sp.
Taf. XVn. Fig. 15.
1852. QuENSTEDT. Haudbuch. pag. 494. Taf. 39. Fig. 41.
1858. Derselbe. Jura. pag. 257. Taf. 36. Fig. 20—21.
1859. Oppel. Jura. pag. 266.
1867. QüENSTEDT. Handbuch, pag. 588. Taf. 49. Fig. 41.
1871. QüENSTEDT. Brachiopoden. pag. 661. Taf. 60. Fig. 107—111,
20
306
Das einzige mir vorliegende Exemplar dieser Spezies ist
von länglicher, fast eiriinder Gestalt. Die spitz auslaufende
Oberschale — die Spitze liegt in der Mitte derselben — ist
mit feinen concentrischen Anwachsstreifen versehen.
Von der Unterschale ist mir Nichts bekannt.
Länge 4 Millimeter, Breite 3 Millimeter.
Dieses Exemplar wurde im Lias e bei Aubange in Belgien ge-
funden. (L. S.)
JHscina Qu^enstedti nov. sp.
Taf. XVn. Fig. 16, 19.
So möchte ich jene grossen Formen aus dem unteren Dogger a
bezeichnen, die. von den meisten Autoren als Discina reßexa Sow. an-
geführt werden, aber mit der SowERBYSchen Art sicherlich nicht iden-
tisch sind. Schon Oppel (Jura, pag. 435) bemerkt bei Besprechung dieser
Spezies: «In den thonigen Schichten von Gundershofen findet sich
gleichfalls eine Discina, doch ist nicht ausgemacht, ob sie damit (mit
D. reßexa nämlich) zu vereinigen sei.»
QuENSTEDT bildet im Jura, Taf. 45, Fig. 2 eine Form aus dem
obersten Dogger a, vom Teufelsloch bei Boll in Württemberg ab,
die den mir vorliegenden Exemplaren aus den Schichten der Trigonia
navis von Gundershofen täuschend ähnlich sieht, dass man meinen
konnte, es seien die Originale zu seiner Abbildung. Auch er ist über
die Identität dieser Formen mit der Sowerby sehen Art nicht im Klaren.
Ich schlage für dieselbe daher den Namen des scharfsinnigen und
feinen Beobachters selbst vor.
Oberschale sehr gewölbt, oben abgestumpft, mit feinen An-
wachsringen versehen. Der höchste Punkt der Wölbung liegt nicht
im Centrum, sondern vielmehr nach dem Wirbel zu, am oberen
Ende der Schale. Die Unterschale ist flach, der Rand ein wenig
307
erhaben. Der Wirbel ist nach hinten gerückt. Area ziemlich
gross, mit deutlich sichtbarem Schlitz für den Haftmuskel.
Die ganze Gestalt unserer Art ist länglich oval, am Wirbel
jedoch breiter, als am anderen Ende.
Länge 20—22 Millimeter, Breite 18—20 Millimeter.
In den Torulosusschicbten von Uhr weile r finden sich kleine
mnde Formen, meist auf Trochus subduplicatm sitzend, bei welchen
die allein bekannte Oberschale gleichmässig gewölbt ist und spitz aus-
läuft; die Spitze genau im Centrum derselben sitzend. Auch aus den
Schichten der Trigania navis von Ars a/M. liegt mir ein solches, wenn
auch grösseres Exemplar vor. Ich glaube es hier nur mit Jugendformen
unserer Art zu thun zu haben, indem die ungleiche Wölbung der Ober-
schale und deren Abstumpfung an ihrem obersten Punkte sich wohl
erst im Alter herausbildet. Eine kleine Discina^ welche mit grossen
Exemplaren unserer Art auf einer Gervillia aufsitzt, spricht für meine
Behauptung.
Vorkommen: Unterer Dogger, a.
Unter-Elsass: Ubrweiler. (Torulosusschicbten.)
Gundershofen. (Trigonia-^iaviS'&chichien.) (S. S.)
Lothringen: Ars a/M. (TVi^'onta-navis-Schicbten.) (L. S.)
IHscina Idnki nov. sp.
Taf. XVII. Fig. 18.
Die mir vorliegende ovale, an den Enden etwas abge-
plattete Form konnte ich mit keiner der mir bekannten Spezies
identificiren , benenne sie daher neu. Spitz zulaufende Ober-
schale, Spitze genau in deren Mitte. Feine concentrische An-
wachsringe. Länge 5 Millimeter, Breite 3 Millimeter.
308
Diese neue Art fand sich in den Kalken des unteren Dogger ß
von Gundershofen im Unter-BIsass. (L. S.)
Discinen sind mir weiter bekannt aus den Marnes-ä-ovoldes
(mittlerer Lias) von St. Julien bei Metz und aus dem Korallenkalke
(Dogger 8) von PlappeyiUe bei Metz. Die geringe Anzahl und die
winzigen Dimensionen der Exemplare lassen nähere Untersuchungen
leider nicht zu.
309
Lingidtty Bruguiäre 1789.
(Von G. Petri.)
Die Lingulen des Lias und Dogger.
Lingula Metensis Terquem.
Lingula Longoviciensis Terquem.
Lingula Beanii Phillips.
IdngtUa Metensis Terquem 1860.
Tat XVn. Fig. 1—3.
1850. Terquem. Bulletin de la Soci^tä gäologique de France. Sär. II,
t. Vm. pag. 12. Taf. 1. Fig. 9 a— d
1858. Andler in Bronn-Leonhard. Neues Jahrbuch für Mineralogie etc.,
pag. 641. Lingula Kurri.
1862. Deslongghamps. £tudes critiques sur des Brachiopodes nouveaux
ou peu connus. pag. 25. Taf. 4. Fig. 5—6.
1869. R. Täte. Geological Magazine, vol. VI. pag. 556.
1871. QuENSTEDT. Brachiopodeu. pag. 654. Taf. 60. Fig. 75—76.
1876. Davu)son. Supplement, pag. 77. Taf. 9. Fig. 27—30.
Kleine, eiförmige, abgeflachte Schalen, deren grösste Breite
sich fast unmittelbar unter dem Schnabel befindet Dieser selbst
bildet einen sehr spitzen Winkel.
Der Stirnrand ist sehr abgerundet; die mit vielen, wenn
auch nur an den Rändern stärker hervortretenden, in der Mitte
dagegen nur wenig deutlichen Anwachsstreifen versehenen Schalen
sind dünn, glatt und glänzend, und meist von braunschwarzer
Farbe.
310
Eine der Schalen zeigt 2 Falten, welche vom Schnabel
ausgehend nach dem Stirnrande hin stark divergiren.
Die Muskeleindrücke sind äusserst schwache.
Länge ca. 4 — 6 Millimeter, Breite ca. 2 — 3 Millimeter.
Verhältniss zu anderen Arten. Lingula Metensis unterscheidet
sich leicht durch Grösse und Form von den in höheren Schichten auf-
tretenden Arten.
Andler fahrt unsere Art unter dem Namen . Lingula Kurri aus
den Angulaten- und Bucklandischichten Schwabens an.
Die QuENSTEDT'schen Abbildungen stimmen ganz mit unserer Art
überein.
Vorkommen: Unterer Lias, a.
Elsass: Eisenbahneinschnitt von Hattmatt, Uhrweiler, Reidl bei
Buchsweiler. (Gryphitenkalk.) (L. S. — S. S.)
Lothringen: Valli^res, Grigy, Grimont bei Metz. (Gryphiten-
kalk — Brevisschichten.) (L. S. — S. S. — F. S.)
Nachbarländer: Altdorf-Betzdorf in Luxemburg (Gryphiten-
kalk.) (L. S.)
IdngtUa' Longoviciensis Terquem 1850.
Taf. XVn. Fig. 4.
1850. Terquem. Bulletin de la Soci^tä g^ologique de France, S^r. 11.
t. VIII. pag. 12.
1851. Chapuis et Dewalque. Terrains secondaires du Luxembourg.
Taf. 35. Fig. 4.
1869. R. Täte. Geological Magazin, vol. VI. pag. 556.
1871. Quenstedt. Brachiopoden. pag. 655. Taf. 60. Fig. 78.
(Non! 1859. Oppel. Jura. pag. 266. Lingula Posidoniae Oppel.)
Schale dünn, fast durchsichtig, braun in der Mitte, weiss-
lieh am Rande, zuweilen sogar ganz weiss, von länglich ovaler
311
Form, leicht abgeflacht und auf der ganzen Oberfläche mit
Anwachsstreifen versehen. Der Schnabel tritt nur wenig hervor.
(Tebquem.)
Die Grösse wechselt selten. Die grösste Breite beträgt
ca. 6 Millimeter und die grösste Länge ca. 10 Millimeter.
Verhältniss zu anderen Arten. Von Lingula Metensis unter-
scheidet sich unsere Art durch ihre viel schlankere Form, ihre ver-
schiedene Grösse und ihre andere Farbe. Lingula Longoviciensis ist
elliptisch, während Lingula Metensis sich der Eiform nähert.
Mit der im Folgenden zu besprechenden Lingula Beanii ist unsere
Art gar nicht zu verwechsela.
Ob die Exemplare, welche Oppel im oberen Lias (Alumshale) von
Whitby fand, und die er mit unserer Art identificirt (Jura, pag. 266),
wirklich Stücke der ächten Lingula Longoviciensis sind, oder ob die-
selben vielmehr zu Lingula Beanii zu stellen sind, muss dahingestellt
bleiben.
Vorkommen: Oberer Lias, e.
Ünter-Elsass: Wintzenheim. (Ohne Angabe der Schicht.) (S.S.)
Lothringen: Rodange, Longwy, Ghauderbourg, Goreys,
Kanfen-Entringen. (L. S. — S. S. — F. S.)
IdngtUa Bea/nii Phillips 1835.
Taf. XVn. Fig. 5—10.
1835—36. Phillips. Geology of Yorkshire. Taf. 2. Fig. 24.
1850. Terquem. Bulletin de la Sociötö gäologique de France. S6r. II.
vol. Vni. pag. 12. Taf. 1. Fig. 7 a— c.)
1850. Derselbe. Ebendaselbst. Lingula Voltzii Terquem.
1852. DAvmsoN. Oolitic and liasic brachiopoda. pag. 8. Taf. 1. Fig. la— c.
1862. Deslongchabips. fitudes critiques sur des Brachiopodes nouveaux,
ou peu connus. pag. 26. Taf. 4. Fig. 7 — 8.
312
1871. QüENSTEDT. Brachiopoden. pag. 655. Taf. 60. Fig. 80—83.
1875. L£PSius. Beiträge zur Kenntniss der JuraformatiOD im Elsass.
pag. 26, 46. Taf. 2. Fig. 2.
Dünne convexe Schale mit vielen Anwachsstreifen, von
unregelmässig eiförmiger Gestalt, an der Stirne abgerundet.
Die inneren Muskeleindrücke treten scharf hervor.
Grösse sehr verschieden, meist 18—20 Millimeter Länge
auf 8—11 Millimeter Breite. Die grösste mir bekannte Form
ist 25 Millimeter lang.
Verhältnfss zu anderen Arten. Von allen Lingulen aus der
Juraformation ist unsere Art die bekannteste und die häufigste, hat aber
im Laufe der Zeit manchen Anlass zu Verwechslungen gegeben.
Phillips beschrieb unsere Art zuerst als eine dem braunen Jura
eigenthümliche. (Geology of Yorkshire.) Später (Geology of Oxford, pag.
124) zählte er sie auch unter den Versteinerungen des Lias auf.
VoLTZ identificirte die Lingula aus den blauen Kaiken (Sauzei-
schichten) von Griesbach mit Lingula Beanii Phill., Terquem jedocb
hielt das Lager beider Lingulen für verschieden und trennte deshalb
die elsftssische Art von unserer Spezies, indem er ihr den Namen Lin-
gula Yoltzii gab, eine Ansicht, der sich auch Deslongchamps ange-
schlossen hat.
Lepsius, in seinen Beiträgen zur Kenntniss der Juraformation im
Elsass, Hess fOr das Elsässer Vorkommen den alten PniLLiPS'schen Namen
wieder gelten.
Uebrigens bemerkte schon Davidson (Supplement, pag. 76), dass
die Griesbacher Form in derselben Schicht vorkommt, wie die ächte
Lingula Beanii^ und dass in Gestalt und Grösse kein Unterschied zu
finden ist.
Meiner Ansicht nach ist unsere elsässische Lingula vollkommen
identisch mit der ächten Lingula Beanii Phillips, weshalb der Name
L, Yoltzii Terquem aus der Nomenclalur zu streichen sein dürfle.
Vorkommen: Unterer Dogger y-
Elsass: Griesbach, Gundcrshofen, Mietesheim. (Sauzei-
schichten. Blaue Kalke.)
313
LothriDgen: Juville bei Xocourtund in der Umgebung von
Hetz. (Letzterer Fall ist zweifelhaft.) (L. S. — S. S.)
Nachbarländer: Luxemburg? Yorburg im Schweizer Jura.
(Bajocien.) (G. S.)
IdngtUa tUsoHca nov. sp.
Tafel XVII. Fig. 11.
1850. Terquem. Bulletin de la Sociätö g^ologique de France. Ser. 11.
vol. VIII. pag. 12. Taf. 1. Fig. 7a— c Lin^w/a Beanü Terquem.
Schale länglich oval, sehr schlank, weniger convex und
mit vielen dicken Anwachsstreifen versehen. Die Seitenlinien
sind abgerundet und der Schlosswinkel ist spitz.
Länge 18 Millimeter, Breite 7,5 Millimeter.
Verhältniss zu anderen Arten. Als Terquem die Lingula Beanii
aus den blauen Kalken von Griesbach umtaufte und ihr den Namen
Lingula Voltzii gab, benannte er eine höher auftretende Art des Dogger
Lingula Beanii.
Seine Lingula Beanii ist nun aber ganz verschieden von der
ächten PüiLLip'schen Art, so dass keinerlei Verwechslung möglich ist.
Unsere Art ist viel schlanker, ist viel ovaler und hat die abgerundeten
Seitenlinien, wahrend Lingula Beanii gerade verlaufende SeitenUnien
hat, die ziemlich scharf an der Stirnlinie abbiegen.
Vorkommen: Oberer Dogger 5.
Unsere Sttlcke wurden von Herrn Professor Benegke im Sommer
1881 im Vesullian von Buchsweiler und zwar im Steinbruch im
Hauptoolith (gleich an der chemischen Fabrik gelegen) gefunden.
Terquem führt wohl zu dieser Art gehörige Stücke noch von
Mainbotel und von Longwy aus der Fullersearth an.
314
(Nachtrag.)
Terebratula cf. canglobdia Desl. 1864.
Tafel Vm, Fig. 18.
1874. Deslongghamps. Bracbiopodes. pag. 206. Taf. 42. Fig. 11. Taf. 57.
Fig. 1-7.
In der GBEPPiK'schen Sammlung finden sich 2 Exemplare
aus der OoUthe ferrugineuse von Grange-Gu^ron im Berner
Jura, welche wohl zu dieser Spezies zu stellen sind.
Die 16 Millimeter lange und 14 Millimeter breite Form
weist an der Stirngegend der kleinen Schale zwei scharfe Rippen
auf. Der dadurch entstehenden Einsenkung in der Mitte der
Stirne entspricht auf der grossen Schale ein massiger Wulst, der
von zwei, den Rippen der kleinen Schale entsprechenden Ein-
senkungen begrenzt wird.
Beide Schalen sind massig gewölbt und vereinigen sich
seitlich unter einem sehr stumpfen Winkel.
Der Schnabel ist an die kleine Schale angedrückt. Delti-
dium verdeckt, Foramen klein und rundlich. Arealkanten massig
und scharf. Seitliche Commissuren, sowie Schlosslinie leicht gebogen.
315
SdilussM^ort,
Ein nach allen Richtungen durchgefQhrter Vergleich der Brachio-
poden aus den jurassischen Schichten Elsass-Lothringens mit denjenigen
aus den gleichen Bildungen des übrigen Soddeutschlands, Englands und
Frankreichs wird sich erst dann anstellen lassen, wenn über alle Gebiete
ausführliche Monographieen vorliegen werden. Dann wird sich auch
eine naturgemässe Benennung und Bezeichnung von selbst ergeben.
Die bis jetzt bei der Bearbeitung der Brachiopoden der Jurafor-
mation der Reichslande gewonnenen Resultate dürfen uns zur Annahme
berechtigen, dass EIsass-Lothringen, seiner geographischen Lage ent-
sprechend, auch in Beziehung auf seine jurassische Brachiopodenfauna
eine Mittelstellung zwischen der schwäbischen einerseits und derjenigen
aus dem Nordwesten Frankreichs und Englands andererseits einnimmt.
Die Formen des unteren Lias tragen im Elsass und den mir sonst
noch bekannten Punkten des Rheinthals, am Lehner Berg bei Freiburg im
ßreisgau und bei Langenbrücken, ganz speziell aber an der letzteren
LokaUtät, einen entschiedenen schwäbischen Charakter.
Dies ist ganz besonders bei den Rhynchonellen der Fall, während
die Terebratuliden zwischen den schwäbischen und französisch-englischen
etwa in der Mitte stehen.
Das ganz isolirte Auftreten von Formen mit acht schwäbischer
Ausbildung, wie bei Hassel und Merl in Luxemburg und bei Ke dingen
in Deutsch-Lothringen, bleibt vor der Hand noch eine nicht auf nach-
weisbare Ursachen zurückzuführende Erscheinung.
Im mittleren Lias tritt jedoch sofort eine Aenderung der Verhält-
nisse ein, indem die Brachiopodenfauna, ganz besonders wiederum die
Rhynchonellen, eine Anlehnung an England und Frankreich erkennen
lassen. Ich erinnere nur daran, dass die in Württemberg so häufige Rhyri"
chonella quinqueplicata (bis auf ein seiner Herkunft noch nicht einmal
sicheres Exemplar) in Lothringen fehlt und an deren Stelle Rhynchonella
Delmensis und Rosenbuschi tritt.
316
EigenthQmlich ist das nicht seltene Auftreten von Rhynchcnetla
acuta in den Gostatenkalken des Unter-Elsasses, einer Art, die Lotb-
ringen (mit Ausnahme einer Art Mittelform zwischen Rhynchonella Del-
mensis und Rhynchonella acuta, cf. Taf. IV, Fig. 1-— 2 und pag. 193)
ganz fehlt, in den jurassischen Schichten Ostlich vom Rhein nur an ei-
nigen Punkten auftritt (Keilberg bei Regensburg, Neumarkt), dafür
aber in Gebieten westlich der Reichslande sich sehr häufig findet.
(Blaymard, Ilmünster.)
Bei den Formen des Doggers ist zu bemerken, dass sowohl Rhyn-
chonelliden als Terebratuliden — die anderen Familien konunen bei der
Geringfügigkeit ihres Auftretens kaum in Betracht — im Unter-Elsass
und in Lothringen eine ganz scharf ausgeprägte Mittelstellung zwischen
dem Westen und dem Osten einnehmen, während bei denjenigen des Ober-
Elsasses und des Rheinthals, mit Ausnahme wiederum der wenigen Formen
von Aue bei Sentheim, der schwäbische Typus mehr zu Tage tritt.
Ausnahmen gibt es auch hier. So das Auftreten vereinzelter Exem-
plare von Terebratula Phillipsii im Berner Jura und bei Pfirt, wäh-
rend die Art in Schwaben zu den grOssten Seltenheiten gehört. (Qusn-
STEOT. Brachiopoden, pag. 412.)
Aehnliches zeigt sich bei Eudesia Cardium, von der mir ein ein-
ziges Exemplar aus dem Berner Jura bekannt ist. (GREPPiN'sche Samm-
lung.) Nirgends sonst fand ich die Form von einem Fundpunkt Ostlich
der Seine angefahrt.
Viele mir bei dieser Untersuchung nicht zugängliche Stücke bergen
noch die in Elsass-Lothringen zerstreuten Sammlungen; reicheres Material
wird bei Gelegenheit der Kartenaufnahme noch zusammengebracht werden.
Mag also auch so manches in meiner Arbeit gesagte noch eine Modifi-
cation erleiden, in der Hauptsache hoffe ich doch ein zutreffendes Bild
der elsass-lothringischen Brachiopodenfauna entworfen zu haben.
Möge diese Arbeit, so ist mein aufrichtiger Wunsch, dazu beige-
tragen haben, einigermassen Klarheit in die Namenverwirrung zu bringen,
die zum Theile in der Litteratur über die jurassischen Brachiopoden noch
herrscht, und mOge sie dem Fachgenossen in den Reichslanden die
Bestimmung seiner Brachiopoden Etwas erleichtem. Ist dieser Zweck er-
reicht, 80 werden die Mühe und Arbeit, die der Verfasser über 2 Jahre
lang auf die Abfassung dieser Abhandlung aufgewendet hat, nicht um-
sonst gewesen sein.
317
REGISTER.
Seite
Vorwort. VII
Litteraturverzeichniss XI
Rhynchonella 161
Rhynchonella plicatissima Quenst. sp 16!
Rhynchonella belemnitica Quenst. sp. . . 164
Rhynchonella Deffneri Oppel. 165
Rhynchonella gryphitica Quenst. sp. 168
Rhynchonella Schimperi nov.^ sp 171
Rhynchonella nov. sp 173
Die Verwandtschaftsverhältnisse der unterliasischen Arten unter
sich und ihre Beziehungen zu den mitteliiasischen Arten. . . 173
Rhynchonella rimosa Buch, sp 177
Rhynchonella furcillata Theodori sp 179
Rhynchonella oxynoti Quenst. sp 180
Rhynchonella calcicosta Quenst. sp 181
Rhynchonella rostellata Quenst. sp 182
Rhynchonella tr {plicata Quenst. sp 184
Rhynchonella curviceps Quenst. sp 188
Rhynchonella amalthei Quenst. sp 190
Rhynchonella Delmensis nov. sp 191
Rhynchonella Rosenbuschi nov. sp 195
Rhynchonella Steinmanni^noY, sp 197
Rhynchonella scalpellum Quenst. sp 198
Rhynchonella acuta Sow. sp 199
318
Die YerwandtschaftsverhaUnisse der mittelliasischea Arten unter
sich und ihre Beziehungen zu den oberliasischen Arten ... 201
Tabelle zur Yeranscbaulichung des geologischen Vorkommens
der liasischen Rhynchonellen 203
Rhynchonella Weigandi nov. sp 204
Rhynchonella Frirmi Branco 205
Rhynchonella cf. angulata Sow 206
Rhynchonella Kirchhof eri nov. sp 207
Rhynchonella Davidsoni Ghapuis et Dewalquk 208
Rhynchonella parvula Deslongchamps 209
Rhynchonella acuticosta Zieten 210
Rhynchonella Pallas Ghapuis et Dewalque 210
Rhynchonella Andreae nov. sp 212
Rhynchonella lotharingica nov. sp 212
Rhynchonella Edwardsi Ghapuis et Dewalque 213
Rhynchonella cf. Forbesi Davidson 215
Rhynchonella obsoleta Sow. sp 215
Rhynchonella concinna Sow. sp 218
Rhynchonella badensis Oppel 220
Rhynchonella oligacantha Branco 222
Rhynchonella Crossi Walker 222
Rhynchonella tenuispina Waagen 225
Rhynchonella spinosa Schl. sp 226
Rhynchonella varians Schl. sp 229
Die Verwand tschaflsverhältnisse der Rhynchonella- Arten des
Dogger 233
Tabelle zur Veranschaulichung des geologischen Vorkommens der
Rhynchonellen des Dogger 235
Rhynchonella cf. triplicosa Quenst 237
Rhynchanella Thurmanni Voltz 239
Rhynchonella acarus BIerian 240
Nachtrag zu Rhynchonella 241
(Rhynchonella cf. jurensis Quenst.) 242
Terebratula 244
Terebratula subovoides Rcemer 245
Terebratula punctata Sow ^ 247
Terebratula infraoolithica Deslongchamps 249
319
Seite
Terebratula perovalis Sow 250
Terebratula cf. submaxillata Morris 253
Terebratula ventricosa Zieten 253
Terebratula simplex Buckmann 254
Terebratula decipiens Deslongchamps 255
Terebratula PhilHpsii Morris 255
Terebratula maxillata Sow 256
Terebratula longicollis Greppin 258
Terebratula globata Sow 259
Terebratula intermedia Sow 260
Terebratula Ferryi Deslongchamps 262
Terebratula Lutzii nov. sp 263
Terebratula Fleischeri Oppel 264
(Terebratula diptycha Oppel) 261
Terebratula Bentleyi Davidson-Morris 265
Schlnssbemerkungen bezüglich der zwischen den Terebratula-
Arten des Lias und Dogger bestehenden Beziehungen 265
Tabelle zur Yeranschaulichung des geologischen Vorkommens
der Terebrateln des Lias und Dogger 267
Waldheimia 268
Waldheimia perforata Piette 268
Waldheimia cor, Lamarck sp 270
Waldheimia cf. cornuta Sow. sp 272
Waldheimia numismalis Lamarck sp 274
Waldheimia subnumismalis Davidson 275
Waldheimia Waterhousi Davidson 276
Waldheimia resiipinata Sow. sp 277
Waldheimia indentata Sow. sp 278
Waldheimia sarthacensis d'Orbigny sp 279
Die Verwandtschaftsverhältnisse der Waldheimien des Lias . . . 280
Waldheimia Meriani Oppel sp. . 282
Waldheimia cf. carinata Lamarck sp 283
Waldheimia Beneckei nov. sp 284
Waldheimia Coheni nov. sp 285
Waldheimia Mandelslohi Oppel sp 286
Waldheimia anglica Oppel sp 287
Waldheimia Cadomensis Deslongchamps 288
320
Seit«
Waldheimia lagenalis Sow. sp 289
Waldheimia subbucculenta Ghapuis et Dewalque 291
Waldheimia ornithocephala Sow. sp 292
Die YerwandtschaftsyerhäUaisse der Waldheimien des Dogger. . 294
Tabelle zur VeranscbaulichuDg des geologischea Vorkommens
der Waldheimien des Lias und Dogger 295
Spiriferina 296
Spiriferina Walcotti Sow. sp 296
Spiriferina rostrata Sohl, sp 298
Spiriferina verrucosa Buch sp 300
Die Verwandtschaftsyerhftltnisse der Spiriferinen des Lias .... 302
Orthoidea 303
Orthoidea liasina Friren 303
Thecidivm 304
Discina 304
Discina cf. Holdeni Täte 304
Discina cf. Davidsoni Moore 305
Discina cf. papyracea Müenster sp 305
Discina Quenstedti nov. sp x . . 306
Discina Linki nov. sp 307
Lingula ^ 309
Lingula Metensis Terqüem 309
Lingula Longoviciensis Terquem 310
Lingula Beanii Phillips 311
Lingula alsatica nov. sp 313
Nachtrag. Terebratula cf. con^/ofta(a Desl 314
Schlusswort 315
Register 317
GGG^
EHt
ABHANDLUNGEN
ZUR
GEOLOGISCHEN SPECIALKARTE
VON
ELSASS-LOTHRINGEN
Band II. — Heft IIX
Mit Atlas,
STRASSBUR0,
DRUCK UND VERLAG VON R. SCHULTZ & C"
(Berger- Levradlt's Nachfolger).
1884.
Das Verzeichniss der bisher erschienenen Hefte befindet sich auf der Rflci(seite.
NOTIZ. Titel tind lulialts-Vcrzeiclmiss zum II. Bamle befinden sich am Ende dieses Heftes.
ABHANDLUNGEN
ZUR
GEOLOGISCHEN SPECIALKARTE
VON
ELSASS-LOTHRINGEN.
Band II. — Heft IIX
STRASSBURG,
DRUCK UND VERLAG VON R. SCHULTZ & C«
(Beroer-Levrault's Nachfolger).
1884.
EIN BEITRAG ZUR KENNTNISS
DES
ELSÄSSER TERTIÄRS
VON
Dr. A. ANDREAE.
UIT ZWÖLF LITHOGRAPHIRTBN TAFELN, ZWEI KARTENSKIZZEN UND ZEHN ZINKOORAPHIEEN.
STRASSBÜRQ,
DRUCK UND VERLAG VON R. SCHULTZ & C«
(Berger-Levbault's Nachfolger).
1884.
VORWORT.
Die Anregung zu der Bearbeitung des Tertiärs im Elsass erhielt
ich durch Herrn Professor Benegke, welcher mich auf dieses Gebiet,
das ja längere Zeit hindurch brach gelegen hatte, hinwies. Dieser mein
hochverehrter Lehrer verfolgte während der ganzen Zeit meine Arbeit
mit reger Theilnahme und hat mich bei derselben in jedweder Hinsicht
wohlwollend unterstützt. Das Material, welches meiner Arbeit als Grund-
lage dient, befindet sich, soweit ich es nicht besonders erwähnt habe,
in der Strassburger Landessammlungt Dasselbe wurde zum grOssten Theil
auf meinen zahlreichen Excursionen im Elsass von mir selbst gesammelt.
Die Arbeit ist in den Räumen der geologischen Landessammlung aus-
geführt worden, welche mir auf das Liebenswürdigste von Herrn Professor
Cohen zur Verfügung gestellt wurden; ich bin demselben daher zu
allergrOsstem Danke verpflichet. Herrn Dr. 0. BOttger in Frankfurt a. M.,
meinem hochgeschätzten, früheren Lehrer und Freund, muss ich an dieser
Stelle vor allem meinen Dank dafür aussprechen, dass er mir bei seiner
gründlichen Kenntniss der Land- und Süsswasserschnecken, sowie des
Mainzer Tertiärbeckens, mit seinem werthvoHen Rathe beistand. Durch
ihn erhielt ich ferner die Reuss*schen Originale zu der Abhandlung über
die Foraminiferen des Septarienthones von Offenbach. Sowohl diese,
wie auch das mir von Herrn Dr. Steinmann freundlichst mitgetheilte
Yergleichsmaterial, war mir in hohem Grade bei der Bestinmiung der
elsässer Foraminiferen nützlich. Ich darf deshalb nicht versäumen, auch
letzterem Herren noch meinen besonderen Dank hier abzutragen.
lU. 1
Bei meiaer Arbeit war ich, sowqit sich dieselbe auf die technisch
wichtigen bitumenfahrenden OiigocAnschichtcn bezieht, gcnOthigt, auf die
in den Bergwerksakten gesammelten Erfahrungen zu recurrircn. Auch
hier wurde mir das bereitwilligste Entgegenkommen gezeigt. Herr Regie-
rungsrath von Albert halte nicht allein die Güte, mir die erforderlichen
Plfine und Profile zur Verfügung zu stellen, sondern er gestattete mir
auch, ihn auf einigen Excursionen in die wichtigsten Petroleumgebiete
des Elsasses zu begleiten, wofür ich ihm stets dankbar sein werde.
A. Andreae.
I.
DER BUCHSWEILER-KALK
UND
GLEIGHALTERIGE BILDUNGEN
AM OBERRHEIN.
DER BUCHSWEILER-KALK
UND
GLEICHALTERIGE BILDUNGEN AM OBERRHEIN.
Wichtigste Litteratur.
1762. Bennin6£R. Oryctographia agri Buxovillaui et yicinae.
1814. Galmelet. Description de la miQe de lignite vltrlolique et alu-
mineux du Mt. Bastberg et de Tusine de vitriol et d*alun
de ßouxviller. Journal des Mines, XXXVII, q^ 220, pg. 239—256.
1822. GuviER G. Recherches sur les ossements fossiles (Lophiodon v.
Buchsweiler).
1835. OuvERNOY. M6m. de la Soc. du musöe d'histoire nat. de Strasbourg.
(Lophiodon und Sus"? von Buchsweiler.)
1839—64. Blainville. Osläographie. (Lophiodon, Palaeotherium, Anoplo-
therium? und Arctomys von Buchsweiler angefahrt.)
1852. Daubr^e. Description gäologique et minöralogique du Bas-Rhin,
pg. 194—203. (Ist namentlich massgebend für die Lagerungs-
verhältnisse.)
1870—75. Sandberger F. Die Land- und SQsswasser-Gonchylien der
Vorwell, pg. 221—235. (Ist grundlegend für die Fauna von
Buchsweiler.)
1 Geologische Verhältnisse.
Die Mitteleocän- Schichten, die ältesten tertiären Ablage-
rungen in unserem Gebiete, spielen im Elsass eine verhältniss-
mässig untergeordnete Bolle. Dieselben erscheinen niemals in
grossen zusaminenhängenden Massen, obwohl sie durch die ganze
Oberrheiu-Ebene verbreitet sind. Sie bestehen durchweg aus
Süsswasserablagerungen, welche zur Zeit der Bildung des ma-
rinen Grobkalkes im Pariser Becken , in kleinen und wie es
scheint von einander gesonderten Seen zum Absätze gelangten.
Dieselben treten uns als Mergel, pyritreiche Braunkohlen, Süss-
wasserkalke oder kalkige Sandsteine entgegen und sind durch
das Leitfossil Planorbis pseudammonius Sghloth. sp. gekenn-
zeichnet. Sie überlagern die jurassischen Schichten des Rhein-
thalcs und werden ihrerseits wiederum von oligocaner Molasse
oder Diluvium bedeckt.
Das wichtigste Vorkommen der hierher gehörigen Schichten
ist dasjenige am Grossen Bastberg bei Buchsweiler im
Unter-Elsass (Eisenbahnstation zwischen Hagenau und Zabern).
Wir wollen mit der Beschreibung desselben beginnen.
Die Lagerungsverhältnisse des Bastberges sind kurz
folgende :
Ueber dem liegenden Dogger und Malm (Zone der Bhyncho-
netta varians Sgh. sp. und Zone des Stephapwceras tnacroeephalum
ScH. sp.) zeigt sich zunächst ein Complex von thonigen, mer-
geligen, braunkohlenführenden Schichten, deren mittlere Mäch-
tigkeit etwa 15 m beträgt. Hierauf ruht eine 5 — 20 m dicke
Bank von Süsswasserkalk \ Derselbe ist hellgelb, zerklüftet,
durch und durch erfüllt von Schneckensteinkernen und hat bei
weitem die meisten von Bachsweiler stammenden Fossilien ge-
1. Ein theilweises Profil des Kalkes ist uns dadurch erhalten, dass Hamhee
in einem Brief an Ccviu (Strashourg, 8. messidor an 13) eine Beschreibung des
Steinbruches, welcher jetit verschüttet ist, gibt. Im Ausing etwa folgendes: Obea
1—2 Fuss Ackerboden, dann 3 — 5 Fuss schmutzig-hellgrauer, dichter und harter
Kalk mit wenig Schnecken, alsdann 3—5 Fuss fossilreicher, brüchiger Kalk, zo
Unterst knochenltthrende Schicht mit Terhtltnissmässig wenig Schnecken. In Goviee,
Üteherches sur /es oss. /oss. 1S23, pg. 195.
7
liefert. Zuweilen wird der Kalkstein fleckig, oolithisch oder
weich und kreideartig. In den obersten Lagen enthält er na-
mentlich viele Exemplare von PlanorUs Chertieri Desh. und
Nanina Voliei Desh. sp. Auf den Kalk folgt eine wenig mäch-
tige Mergelschicht, welche die gewaltigen Conglomerate trägt,
die im Gipfel des Grossen Bastberges (329 m) die ganze
Gegend überragen.
Der Bergbau, welcher wesentlich zum Zwecke der Alaun-
und Vitriolbereitung aus der ungemein pyritreichen, erdigen
Braunkohle betrieben wurde, ist jetzt fast eingegangen.
Wir sehen uns daher genöthigt, die in früherer Zeit durch
denselben erschlossenen Profile, welche in Daubbee's Arbeit
niedergelegt sind, hier anzuführen.
I. Allgemeines Profil des Tertiärs von Buchsweiler
mit mittlerer Mächtigkeitsangabe:
1. Ackerboden 0,2o m.
2. Gelbe Mergel 3,oo m.
3. Süsswasserkalk 18,oo m.
4. Grüne Mergel mit zerdrückten Planorben und
Limneen, sowie Sphaerium (Caliculina) Gast"
rense Noul., welche Art im Kalk fehlt. Er
enthält eingeschaltete dünne Kalkbänke und
geht nach obenhin in einen weisslichen, fossil-
freien Mergel über 12,oo m.
5. Brauner Thon (von den Arbeitern Mulm
genannt) 0,do m.
6. Pyritreiche Braunkohle 0,5o bis 2,oo m.
7. Brauner Thon undurchlässig für Wasser (meist
0,30 m), darunter harte, sandige, weissliche,
roth gefleckte Thone l,5o m.
37,00 m.
8
Die ganze MächUgkeit, welche zuweilen auf 54 m steigt,
beträgt durchschnittlich an 40 m.
II. Bohrung auf dem Bastberg im November 1844 :
1. Ackerboden 0,m m.
2. Gelbe Mergel 3,25 m.
3. Süsswasserkalk 4,5o m.
4. Weissliche Mergel, darunter der grüne Mergel
und schliesslich die braunen Thone, welche
sich stets im Hangenden der Braunkohle
finden 6,oo m.
5. Braunkohle l,oo m.
1 5,00 m. .
III. Gleichzeitige Bohrung etwa 200 m von der vorigen
entfernt :
1. Ackerboden 0,i5 m.
2. Gelbe Mergel 1,85 m.
3. Sfisswasserkalk 16,7o m.
4. Sandiger, weisser Thon 3,i5 ni.
5. Kalk 1,15 m.
6. Thon 4,» m.
7. Kalk 0,16 m.
8. Grüne Mergel 13,« m.
9. Brauner Thon 0,1« m.
10. Braunkohle l,jo m.
42,93 m.
IV. Bohrung am Weg nach Imbsheim, dieselbe zeigt
das Verschwinden der Braunkohle im sudlichen Theil der Ab-
lagerung:
9
1. Ackerboden 0,i5 m.
2. Sässwasserkalk 16,i5 m.
3. Mergeliger Thon 9,oo m.
4. Süsswasserkalk mit Mergel wechsellagernd . . 10,oo m.
5. Weisser Thon 3,3o m.
6. Rother Thon 1,g5 m.
40,25 m.
Zur petrographischen Charakteristik der erwähnten 6e-
birgsarten ist wenig zu sagen; wir folgen auch hier z. Th. den
Angaben Daubbee^s, zumal da uns nicht von allem genannten
Materiale Proben zur Verfügung standen.
Die erdige ) chocoladefarbige Braunkohle enthält 10 Vo
Wasser und in den obersten, reichsten Lagen 12—13 7©
Schwefelkies. Derselbe tritt, obwohl leicht zersetzbar, in der
regulären Form des Pyrits auf. Die Braunkohle ist eine sehr
unreine und enthält grosse Mengen von Thon, ein günstiger
Umstand, der bei der Alaunbereitung in Betracht kommt. Gyps
bildet sich als sekundäres Product und efflorescirt aus der Kohle ;
auch findet er sich auf Klüften in derselben ausgeschieden.
Man hat m'emals bestimmbare Pflanzenreste in der Braunkohle
gefunden.
Die grünen Mergel haben eine grau- bis gelbgrüne Farbe,
sind sehr wenig plastisch, kalkig und enthalten in Menge die
plattgedrückten, weissen Schalen von Planorbis pseudammonias
und Limneen. Im Schlemmrückstand fand sich nichts bemer-
kenswerthes.
Der Süsswasserkalk ist ein dolomitfreier, ziemlich reiner
Kalk, welcher etwas Eisen und Kieselsäure enthält. Er zeigt
keine sehr deutliche Schichtung, ist stark zerklüftet und wird
von zahlreichen krystallinischen Kalkspathadern und Drusen
durchzogen. Gewöhnlich ist der Kalk dicht und hart von hell-
10
grauer oder hellgelber Farbe ; er geht aber in einzelnen Bänken
in einen weichen, weissen und kreidigen Kalkstein über. Viele
Blöcke des Kalkes haben ein eigenthümliches , fleckiges Aus-
sehen. Die unregelmässig polygonalen, weissen, mulmigen Par-
thien werden ähnlich wie in einer Breccie durch die harte,
graubraune Kalkgrundmasse zusammengehalten. Neben diesem
fleckigen Kalk findet sich noch ein mehr oder weniger feiner,
schöner, oolithischer Kalk'.
Die Grundmasse zwischen den Oolithkörnern ist in der
Begel härter und durch organische Substanz dunkler gefärbt
als diese selbst. Wir müssen die Oolithe als eine ursprüng-
liche Bildung ansehen, denn wir finden dieselben in und um die
Conchylienschalen angehäuft; sie durchsetzen jedoch dieselben
niemals. Im Dünnschliff erscheinen die Oolithkörner ausser-
ordentlich gleichmässig feinkörnig und lassen selbst bei Färbung
nur eine äussere randliche Zone erkennen, während die Grund-
masse vorwiegend aus grosskrystallinischem Kalke besteht. Die
Analyse zeigte, dass der Kalk der Oolithkörner zwar dem-
jenigen der Grundmasse qualitativ gleich ist, aber quantitativ
in sofern abweicht, als derselbe fast 6 % mehr an Beimengungen
wie Eisenoxyd, Kieselsäure und kohlensaure Magnesia enthält.
Die oolithischen Blöcke pflegen die besten Versteinerungen zu
enthalten, d. h. solche Versteinerungen, deren Schale noch er-
halten ist.
Der Buchsweiler -Kalk umschliesst in einzelnen Bänken
zahlreiche Schneckenreste ähnlich wie z. B. der Hydrobienkalk
des Mainzer Beckens, nur dass wir es bei Buchsweiler meist
mit Steinkernen zu thun haben und dass nicht eine Species
durchaus vorwiegt, sondern dass sich mehrere Arten den Rang
1. In Cd VIER, Beck, sur les oss, foss, wird der pisolithische (resp. oolithiscbe)
Kalk ebenfalls erwähnt. T. I, pg. 540.
11
der grössten Häufigkeit streitig machen. In erster Linie ist
hier wohl Euchilus Deschiensianum zu nennen, dann folgt
Flanorbis pseudammonius und die Paludinen. An der Obet-
fläche eines grossen Handstückes lassen sich zuweilen die Reste
von 8 — 10 verschiedenen Arten constatiren.
Was die Menge des Vorkommens betrifft, so hat Daubbee
nach Schätzung berechnet, dass ein Cubikmeter des Buchs-
weiler-Kalkes öfters 8 000 bis 10 000 Individuen enthält Trotz
dieser grossen Häufigkeit sind die Verhältnisse zum Sammeln
keine sehr günstigen, weshalb auch gute Suiten von Buchs-
weiler Conchylien selten sind. Nur hin und wieder trifft man
unter den zahllosen Steinkernen mit Schale erhaltene Exemplare
an, oder vielmehr solche Individuen deren ursprüngliche Schale
durch späthigen Kalk ersetzt ist, und alsdann hält es noch
schwer, dieselben aus dem oft harten und spröden Kalk her-
aus zu präpariren^
Wie die beistehende Kartenskizze veranschaulicht, zeigt
der Süsswasserkalk im wesentlichen die Gestalt einer Ellipse
deren grosse Axe von NO nach SW verläuft, und welche im
Süden eine starke Ausbuchtung besitzt. Der früher ziemlich
lebhafte Bergbau hat nun gezeigt, dass die Tertiärschichten,
ohne selbst von einer grösseren Verwerfung gestört zu sein,
allseitig mit einem Winkel von etwa 6 — 9® und mehr (bis 16*)
nach der Mitte dieser Ablagerung zu einfallen. Dieser Um-
stand, sowie derjenige, dass die benachbarten Juraschichten eine
muldenförmige Biegung zeigen, veranlasste Daubbee zu der
Annahme, dass der Buchsweiler-Kalk in dieser Weise becken-
förmig abgelagert worden sei. Wir dürfen uns jedoch nicht zu
1. Es ist keineswegs anzunehmen, dass die Schneckengehikuse bei der Bildung
des Kalksteins von irgend welcher Bedeutung gewesen seien, derselbe ist jedenfalls
chemisch niedergeschlagen. Auch sondern die der Masse nach überwiegenden Suss-
wasserschnecken bekanntlich am wenigsten Kalk ab.
12
der Anschauung verleiten lassen, dass die jetzige Begrenzung
des Kalkes dem ursprünglichen Umfange des Susswassersees ent-
spräche. Jeden&Ils war derselbe viel grösser und reichte wohl
bis nach Bitschhofen. Immerhin wird man bei einer so alten
Schicht der Erosion genügend Bechnung tragen müssen. Auch
ist im Auge zu behalten, dass die Buchsweiler Tertiärschichten
Fig. 1. KartCBskiu« d» tertiären Sösswucerkalkes tob BachsweO«- x. Th. nach Dacbub.
Grenson des Sa»wft^»erkalkes is.t ; .... Grenxen der Conglomerate ic.) ; m. = Meiigel
mit Brmankolile; { Kirrhe tob Bachsweiler; F. Fabrik; 1—4 SeluiclitöfIbaBigeB.
sich nicht mehr in ihrer ursprünglichen Lagerung befinden, in*
dem sogar die den Kalk überlagernden Conglomerate ein deut-
liches Einfallen nach ^N0 zeigen und in denselben abgerollte
Stücke des Süsswasserkalkes vorkommen sollen.
Dem Buchsweiler-Kalk gleichalterige Tertiärschichten
finden sich zwar im ganzen Oberrheinthale vereinzelt, von Basel
13
bis Bruchsal; dieselben sind aber alle sehr unbedeutend. Wir
beginnen mit den weiteren Vorkommnissen im Unter-Elsass.
In der Gemeinde Dauendorf, 14 Kilometer in östlicher
Richtung von Buchsweiler entfernt, wurde in früherer Zeit
eine pyritreiche Braunkohle neben den dort vorkommenden
Bohnerzen gewonnen und man erkannte folgende Lagerungs-
verhältnisse : Zuoberst ein dichter Kalk, reich an Conchylien.
Derselbe enthält Hornsteinstücke und Gharen- Reste. Darunter
folgen grüne Mergel und braune Thone mit einem Braunkohlen-
flötz. Das Ganze ruht auf den Bohnerzlagern auf. Von Fossilien
ist folgendes bekannt: ein oberer, rechter Molar von Lophiodon
iapiroides Cuv., ein Canine, welcher vielleicht derselben Art
angehören dürfte, ferner werden Paludtnen (wohl Hydrohien) und
(Tyjpn^-Schalen von Voltz erwähnt.
In dem Orte Dauendorf selbst, beträchtlich höher als
die alten Gruben, finden sich wiederum^ tertiäre Süsswasser-
schichten; ein in neuster Zeit gegrabener Brunnen lieferte mir
folgendes Profil :
1. Lehm 2,6 m.
2. Feste, gelbe Steinmergelbänke 0,a m.
3. Helle, gelbe und graue, sandige Mergel, letztere
mit Hydrohien 6,o m.
4. Fette, blauschwarze Mergel 9,o m.
5. Helle, schmutzige Mergelkalke l,o m.
19,0 m.
Die Mergel (3.) sind reich an Schwefelkies und besitzen
einen starken schwefligen Geruch, ihr Schlemmrückstand ist
sandig kalkig. Die in den grauen Mergeln enthaltenen Conchylien-
bruchstücke (Fragmente von Flanorlis etc.) sind mit Aus-
nahme der Hydrohien zu mangelhaft erhalten, um eine sichere
Bestimmung zuzulassen. Man kann 2 Arten von Hydrohien
14
unterscheiden: Hydrohia Dauendorfensis nov. sp. und Hydrohia
cf, Wehsteri Mobb. sp. (vergl. pg. 34, 35, Tf. III, Fig. 1, 2).
Bei Neuburg, etwa 1 Kilometer von dem Dauendorfer
Vorkommen entfernt, werden die in früherer Zeit dort abge-
bauten Bohnerze gleichfalls von Süsswassermergeln mit Braun-
kohle und dann von einem grauen Kalkstein überlagert. Der
unreine, pyritische Kalk ist ungefähr 1 m mächtig und ganz
von Conchylien erfüllt. Ein mir vorliegendes Stück enthält
namentUch Planorbis psettdammonius. Ferner werden noch die
Ueberreste einer Schildkröte von Daubbee erwähnt.
Bei Bitschhofen am Buhlinger-Berg, 4 Kilometer
nordöstlich von der früheren Neuburger Bohnerzgrube, zeigen
sich ähnliche Lagerungsverhältnisse. Ein von Daubbee gegebenes
Profil mag dieselben veranschaulichen.
1. Mergel 5,9o m.
2. Süsswasserkalk mit Mergel wechselnd 8,oo m.
3. Thone mit Bohnerz 2,eo m.
15,90 m.
Darunter die liegenden Juraschichten. In den grauen
Mergeln trifil man, ausser Limneen, mit Schale erhaltene Exem-
plare von Planorbis pseudammonius. An diesem Punkte sind
jetzt ebenfalls keine Aufschlüsse mehr vorhanden; ich fand
jedoch bei dem nahe gelegenen Dorfe Bitschhofen einen
Kalkblock ähnlich dem Buchsweiler-Kalk mit Limneus Michelini
und Planorbis pseudammonius.
Daubbee erwähnt von Mietesheim pyritreiche Mergel
mit Braunkohlen -Spuren, welche die dortigen Bohnerzlager
bedecken; es ist von denselben, wie bei Bitschhofen, nichts
mehr zu sehen. Die blaugrünen Mergel hingegen, welche ich
in einem zufälligen Aufschluss südöstlich von diesem Dorfe
15
antraf, mässten über denselben liegen, denn sie zeigen die
grösste Analogie mit den oligocänen Mergeln von Lampertsloch.
Die bisher angeführten Vorkommnisse zeigen alle grosse
Aehnlichkeit mit einander. Die aus Süsswasserkalk und braun-
kohlenführenden Mergeln bestehenden Schichten überlagern die
Bohnerzthone. Planorbis psetidammontus ist überall häufig,
ausser in den höheren Schichten im Orte Dauendorf, wo die
bei Buchsweiler seltenen Hydrobien vorwiegen. Etwas abweichend
davon verhalten sich einige Kalke, welche ich für etwas jünger
als den Buchsweiler-Kalk halten möchte, und die sogleich ange-
führt werden sollen . Dieselben überlagern bei Morschweiler,
am Bischenberg und bei Bernhardsweiler direkt die
Dogger- Schichten oder kommen in den hangenden Conglome-
raten vor. In diesen Kalken tritt PI. pseudammonius zurück
und Hydrobien-Steinkerne sind am häufigsten. Am Bischen-
berg fand ich ferner ein Bruchstück von Megdlomastoma
mumia Lmk. sp., die im jüngeren Palaeotherienkalk von Brunn-
statt häufig ist.
Auf dem Wege von Morschweiler nach Dauendorf,
nicht weit vom erstgenannten Ort, steht auf einer Anhöhe
eocäner Süsswasserkalk an. Derselbe wird in kleinen Stein-
brüchen gewonnen, da man sein Material den umliegenden Jura-
kalken zur Beschotterung der Strassen vorzieht. Der hellgelbe
Kalk gleicht in seinem Aussehen auffallend dem noch zu er-
wähnenden Kalke vom Bischenberg und von Bernhards-
weiler im mittleren Elsass. Einzelne Bänke desselben sind
hart und homogen, andere haben im Inneren ein poröses und
zerfressenes Aussehen. Dieser Kalk besitzt keine grosse Mäch-
tigkeit, er lagert direkt auf dem Parkinsonoolith (Schichten der
Ostraea acuminata Sow.) auf und wird von einer dünnen
schmutzig-gelben Mergelschicht bedeckt. Die Fossilien in dem-
16
selben sind sparsam und schlecht erhalten. Hydrobien und
Limneen-Steinkerne wiegen vor.
Der Bischenberg oder Nationalberg, ein isolirter
Vogesenvorberg, erhebt sich zwischen Oberehnheim und
Bischofs heim zu einer Höhe von 363 m. Seine Basis be-
steht vorwiegend aus Hauptoolith, sein Gipfel aus oligocanen
Conglomeraten, und zwischen diese beiden Gebilde ist eine
Schicht von Süsswasserkalk eingeschaltet. Der Kalk ist nirgends
direkt aufgeschlossen; man findet jedoch an der Grenze des
Oolith's und der Gonglomerate zahlreiche umherliegende Stücke
desselben. Abgerollte Fragmente des Süsswasserkalkes fand ich
schliesslich auf der Höhe des Berges in den Conglomeraten
selbst. Der gleiche Kalk kommt ferner noch auf dem Conglo-
mefäthügel hinter dem Ort Bernhardsweiler vor, ungefähr
1,5 Kilometer südlich vom Bischenberg. Das Ausseben des
Kalksteins ist ziemlich wechselnd, er ist fleckig, hellgelb oder
hellgrau, öfters sandig, zuweilen dicht, zuweilen zerfressen und
cavernös. Ich beobachtete nachstehende Fossilien:
Pkmarbis pseudammonius Schlth. sp. Diese Art fand
ich nur auf der südwestlichen Seite des Bischenberges, und
zwar in schönen grossen (3,5 mm.) mit Schale erhaltenen Exem-
plaren. Auf der Nordseite, wo die anderen Arten am häufigsten
sind, scheint sie zu fehlen.
Planorbis CherHeri Dbsh., namentlich bei Bernhards-
weiler.
Limnea olkvia Bouis sp. Diese Art ist am Bischenberg
häufiger als bei Buchsweiler.
Limnea cf. MicheUni Desh.
Megdlomastoma cf, mumia Lmk. sp. Ein Steinkem nebst
dazugehörigem Abdruck im bellgelben Kalk vom Bischen-
berg. Derselbe stimmt nach Grösse, Form und Sculptur ganz
mit der obigen Art; es fehlen an demselben jedoch die untersten
17
Windungen uod die Mündung. Aus dem Buchsweiler-
Kalk ist nie etwas derart bekannt geworden.
Ausserdem finden sich nicht selten Hydrobien-Steinkerne
und Gypris-Abdrücke.
An die besprochenen elsässischen Fundstellen von eocänem
Süsswasserkalk schliessen sich diejenigen der benachbarten Länder,
Badens und der Schweiz, naturgemäss an. Die Pfalz und Bhein-
hessen, kurz das ganze Mainzer Becken hat keine analogen
Tertiärbildungen aufzuweisen. In Lothringen ^ und Württemberg
(Bohnerze?) scheinen gleichfalls Tertiärschichten des Eocän's und
Oligocän's zu fehlen.
In Baden ist nur ein einziges Vorkommen von Schichten
bekannt, welches mit dem Buchsweiler-Kalk zu paralleli-
siren ist. Der schon mehrfach' besprochene Sandkalk, welchen
man in umherliegenden Brocken bei Üb Stadt und vereinzelt
auch bei Maisch unweit Langenbrücken gefunden hat,
gehört hierher. Der plattige, gelbe Kalksandstein enthält ziemlich
schlecht erhaltene Fossilien (Steinkerne). Es ist das Verdienst
Sakdbe&geb's folgende Arten darunter erkannt zu haben : .
1. Faludina Orhignyana Desh.,
2. Euchilus Deschiensianum Desh. sp.,
3. Planorbis Chertieri Desh.,
4. Plan, pseudammonius Sch. sp.,
5. Pomatias Sandbergeri Noül.,
6. Melanopsis sp. vielleicht Castrensis Noul.
1 . Die nahe an der lothringischen Grenze vorkommenden Thone und Quarzit-
conglomerate (Speicher etc.) werden neuerdings vielleicht mit Recht als terti&r
angesprochen (mitteloligoc&ne Küstenbildangen). Durch die GQte des Herrn Dr. vam
Werveke konnte ich derartige Thone auf Foraminiferen untersuchen und fand
dieselben durchaus steril. In Württemberg dürften einige Bohnerze zum EocSn
gehören.
2. Neues Jahrb. Pär Min. etc. 1859 (G. Deffner und 0. Fraas). Ferner
W. Benbcke und E. Cohen, Geognost Besch. der Umg. v. Heidelberg 1881, pg. 498.
ni. 2
18
Ausserdem Fischschuppen, Krokodilzähne und Schildkröten-
Reste.
Am Schlüsse bleibt uns noch eine vereinzelte Fundstelle
zu nennen übrig. Dieselbe liegt im Canton Solothum zwischen
Hobel und Kempen, nicht weit von Basel. Es soll von dem
Vorkommen jetzt nichts mehr zu sehen sein. Der dortige Kalk
hat nur Reste von PI. pseudammonius in grosser Zahl geliefert,
welcher mir nebst der var. Leymeriei Debh. aus der GsEPPiN'schen
Sammlung vorliegt. Soviel man es nach einem kleinen Stück
beurtheilen kann, zeigt der Kalk von Hobel petrographisch
grosse Uebereinstimmung mit dem von Buchsweiler, auch
ist oolithische Structur an demselben wahrzunehmen.
2. Palaeontologische Verhältnisse.
A. Säugethiere.
Was die Fauna von Buchsweiler betrifft, so haben wir
zunächst eine Reihe von Saugethieren zu nennen, welche, wenn
es sich um die Bestimmung des Alters einer Tertiärschicht
handelt, ja in erster Linie in Betracht kommen. Die Lophiodon-
Arten sind die charakteristischesten und häufigsten Säugethiere
der Buchsweiler Fauna, welche zahlreiche Reste, allerdings meist
nur Kieferbruchstücke und Zähne, geliefert haben. Die Lophio-
donten von Buchsweiler sind schon seit langer Zeit bekannt
und haben dadurch eine gewisse Berühmtheit erlangt, dass Cuyikb
in seinen Becherches sur les ossements fossiles^ Reste dersel-
ben abbildete, beschrieb und 2 Species auf dieselben begründete.
BiiAiKYiLLE sah sich später veranlasst, die beiden Buchsweiler
19
Arten wieder mit einander und mit dem Loph. Isselense Guy.
zu vereinigen, ohne jedoch einen genügenden Grund dafür an-
zugeben. Diese Vereinigung ist unzulässig; auch wurde sie
von späteren Autoren, welche über Lophiodon schrieben, wie
Maack* und RüTiMBYEB* nicht acceptirt. Wir wollen an anderer
Stelle, bei Besprechung der beiden Buchsweiler Arten, die wich-
tigsten Unterscheidungsmerkmale hervorheben.
Als eine sehr alte Gruppe der perissodactylen Ungulaten
stehen die Lophiodonten den durchschnittlich jüngeren Palaeo-
therien im Eocän gegenüber. Sie charakterisiren namentlich die
älteren Bohnerze, so in der Schweiz bei Egerkingen, in Mittel-
franken bei Heidenheim und finden sich in verschiedenen Mittel-
eocänbildungen Frankreichs: Argenton (Indre), Issel (Aude)etc.
Aus dem Oligocän ist mit Sicherheit kein Lophiodon bekannt
und im Miocän folgen die Tapire, welche wohl direkte Nach-
kommen von Lophiodon sind. Die Lophiodonten zeigen die ein-
fachsten Zähne unter den Ungulaten und der primitive, grad-
lobige Typus ihrer Molaren bildet den Ausgangspunkt für die
complizirteren Zähne anderer Unpaarhufer. Während so die
Molaren Anklänge an diejenigen der Tapire und der Palaeotherien
erkennen lassen, sind namentlich die Caninen abweichend gebildet
und zeigen wie bei anderen altfossilen Ungulaten carnivoren
Charakter. Ferner ist noch ein primitiver Zug zu erwähnen,
welcher schon oft hervorgehoben worden ist, nämlich, dass bei
Lophiodon die Praemolaren in höherem Grade von den Molaren
differenzirt sind als bei dem viel jüngeren Tapir. Am Schädel
von Lophiodon sind die verhältnissmässig langen Nasenbeine,
sowie die grossen einander genäherten Schläfengruben bemerkens-
1. 0. A. Maack, Palaeontologische Untersacbungen über noch unbekannte
Lopbiodonfossilien von Heidenbeim am Habnenkamme in Mittelfranken. Leipzig 1865.
2. Rotimeykr, lieber eocSne Säugethiere aus dem Gebiet des schweizerischen
Jura 1862.
20
werth. Die artenreiche Lophiodon-FsLmüie besitzt in Europa eine
ziemlich weite Verbreitung und wird im Eocän von Nord-Amerika
namentlich durch die nahe verwandte Gruppe Hyrctchyus (Leidt)
vertreten, welche dort eine grössere Bedeutung als Lophiodon
selbst erlangt Hyrachyus kommt in Europa nur sparsam vor
(Phosphorite von Quercy) und steht im Ganzen dem Tapir
näher, dasselbe wird von Gaudbt als Zwischenform zwischen
Lophiodon und diesem angesehen*.
Die beiden Arten von Buchsweiler sind:
Lophiodon tapiroides Ccv.
a Grand Lophiod. de Buchswiller". Abgebildet in .Cuv. R.
sur les 0. foss., t. n, pL VI, 2, 4; pL VII; 1, 3, 5. Femer wurde
die stark verkleinerte Abbildung eines zerdrückten , vom abge-
brochenen Schadeis von Ddvernot in den Mem. de ta Soc. iThisL
nai. de Sirasbourg 1835 T. IL gegeben'.
Diese Art erreichte nicht ganz die Grosse eines Pferdes,
gehört also immerhin zu den grossen Lopkiodon-Arien^ wenn sie
1. A. GirBiT, les endkainemenU du Momde amitmal dams les temps g^
hgiques. Mommifdres ierUaires, Puis 1S7S, pg. 64.
2. Dc\U!«oT, NöHee smr im eräme de lopk, ei im frofmemi de mötMrt
if im« trit-petHe espkx de Fadkpdenme prentw»^ dm gewre Sms, pg. 9. — Ia
deo Mem. d, L See dTkisL nai, d. Sirsbg. T. V. 1863 (R^snin^ p. 15) gUit Prof.
SoiiBrEm eine knrte XoUi über SlageUiiere too Bachsweiler. Er eitürt darin
Dctkiüot's LophiodoD. flkr ein Rhimoceres \Aceraihermm) mcurncf, ohne weiteren
Gmad Ar die IdeaüfikalioB aungeheD. Das heCreflende SchiddfirHa«nt befndet
sieh noch in der Stnssbarfer LiadessuMiluc and ich mha tob nenea Gelegen-
heit die darin Torhandenen Zahnreste sorgftlUg n ontersochen. Von de« Torietzten
Molaren ist die Innere Hüfte gut erhalten und stimt ToUstindig mit L. tapiroides
überein. Ks Ist nanwnUich herronoheben« das» das Thal zwischen den 3 Qaeijochen
eben so breit und lach ist wie bei der letttgenannten Species. ÜBiiss ud Grösse
des letzten Molaren, dessen Krone zerstört ist stimsen gletch&lk mit £. (epireides.
Von den tiefer eindringenden Schnelzfalten der Rhinocerosiihne ist nichts zn sehen.
Wir missen daher den PcTiK50iVhen Schädel ta l»p, tapitoides stellen.
21
auch von dem L, rhinocerodes Rütim. aus den Bohnerzen noch
an Grösse übertroffen wird. Als Unterschied von L. Isselense^
welchem die obige Art nahe steht, führe ich aus der schon
erwähnten Arbeit von Maack folgendes an (pag. 30): „Bei
L. IsseUnse Cuv. sind beide Querjoche der unteren Molar-
zähne ebenso wie bei Z. Farisiense Gebt, fast gar nicht mit
einander verbunden, während bei L. tapiroides ein Anschluss
der Zwischenkante in halber Höhe des vorderen Joches statt-
findet. Das Querthal der oberen Backenzähne von L. IsseUnse
ist eng, und der Haupthügel der Aussenwand bildet eine etwas
geknickte Falte mit stumpfer Mittelkante; bei L, tapiroides
dagegen ist die Bucht zwischen den Querjochen weit und seicht,
der vordere Hügel der Aussenwand hoch und einen ziemlich regel-
mässigen Kegel darstellend. ^ Dies mag hier genügen ; die Unter-
schiede von Zr. BuxoviUanum sollen bei dieser Art besprochen
werden. Taf. HI. fig. 6 ist in */, n. gr. ein letzter rechter
Molar des Oberkiefers von Lophiodon tapiroides aus den Mergeln
von Dauendorf stammend abgebildet. Der Zahn zeigt eine vor-
zügliche Erhaltung und ist auf der Kante und inneren Spitze
der beiden Querjoche kaum etwas abgekaut, was darauf hindeutet,
dass derselbe keinem alten Individuum angehörte. Bezeichnend
ist für den letzten oberen Molaren die starke Gonvergenz, welche
die Aussenwand mit der Innenwand nach hinten zeigt, und die
schiefe Richtung, welche die erstere zu den Queijochen einnimmt.
Die starke Warze am Vorderrande der Aussenwand, sowie der
kräftige, namentlich vorn entwickelte Basalwulst sind für Lophiodon
charakteristisch. Von den 5 Schmelzpyramiden ist der mittlere
Hügel der Aussenwand am höchsten, dann folgen sogleich die
beiden Kegel, welche von den inneren Enden der Queijoche
gebildet werden. Die vordere und namentlich die hintere Warze
der Aussenwand sind weit schwächer entwickelt. Die Dimensionen
dieses Zahnes sind:
22
Grösste Breite = 36 mm.
Grösste Länge = 45 mm.
Grösster Durchmesser = 51 mm.
Der grösste Durchmesser der letzten Molaren von L. rhino-
cerodes beträgt hingegen 64 — 67 mm. L. tapiroides findet sich
ausser bei Buchs weile r noch in den Bohnerzen von Eger-
kingen, wo dasselbe mit sieben anderen Lophiodon-krlen zu-
sammen vorkommt ^
Lophiodon BtiMOviUanwm Cuv.
Abgebildet in Cuv., Rech., L II, pl. VI, 3, 5; pl. VII, 2, 4.
„Loph. secondaire de Buchsw." Diese Art erreichte ungefähr
die Grösse des indischen Tapirs. Schon Cuvieb hob hervor,
dass die Loben der Unterkiefermolaren bei dieser Art schief
nach vom geneigt und ausserdem stark nach vom umge-
bogen sind, wodurch sie sich im Habitus den Palaeotherien
nähern. Der letzte Unterkiefermolar ist sehr lang und
dreilobig. Von den Oberkieferzähnen gibt Rütuieysb in dem
schon erwähnten Werke folgende Beschreibung: Der ganze Habitus
der Zähne ist sehr verschieden von L. tapiroides. Sie haben ein
compaktes, scharf gezeichnetes Gepräge. Die Aussenwand ist
relativ kurz und niedrig, kaum höher als die Querjoche. Letztere
sind hoch, massiv, kurz und stark, nach hinten concav und
steigen am inneren Ende in hohe Spitzen auf. Der Basalwulst
ist schwach. Die Dimensionen der Zähne sind etwa '/> kleiner
als bei der vorigen Species. Ein rechtes Oberkieferstück, mit
grösstentheils zerstörten Zahnkronen, welches mir vorliegt, zeigt
1. ROtimetbb, Koc Sdageth. etc. X. tapiroides abgebildet Tf. n, 13->26:
IV, 44 ; Lop. BuxoviUanutn auf Tf. III, Fig. 37^39.
23
Spuren der 3 ziemlich grossen Molaren und der 3 Meinen
Praemolaren , auch ist ein Theil der Eckzahnalveole erhalten,
so dass kein Baum als Diastem übrig blieb. X. Buxovillanum
findet sich ausserdem in den Bohnerzen von Egerkingen und
nach den Angaben von Nordmakn beiKapitanowkä im Cher-
sonschen Gouvernement nicht weit von Odessa. Falls die Zähne
von Lophiodon medium Cuv., wie Bütimeyeb vermuthet und
Maack annimmt, Milchzähne von L. Buxovillanum sind, so wären
noch andere Fundorte und unter anderen auch Argenton
hinzuzufügen.
Zophiodan sp. cf. tapiroides Cuv.
Can. inf. dex. Taf. IV, Fig. 10, II, 12, 13.
Von Dauendorf liegt mir ein Eckzahn vor, welcher der
rechten Unterkieferhälfte angehört haben muss. Die wenigen
bisher von Blaimyille, Bütimeyeb und Maack abgebildeten
Lophiodon-Csninen zeigen grosse Aehnlichkeit mit diesem Zahn,
ermöglichen aber nicht die Bestimmung der Species. Man ist
bei den Eckzähnen in sofern schlimm daran, weil ihre Ver-
änderlichkeit sowohl in Bezug auf das Geschlecht, sowie auf ein
oder die andere Art der gleichen Gattung (z. B. bei Bhinoceros)
eine viel grössere ist als bei den Molaren. Wenn dieser Zahn
von Lophiodon tapiroides herrührt, was am wahrscheinlichsten
ist, so dürfte derselbe einem jungen oder weibUchen Individuum
angehört haben (letzteres ist wegen der vollständigen Ausbildung
und der Abnutzung an der Spitze am wahrscheinlichsten). Nach
dem Yerhältniss zu urtheilen, welches bei anderen Lophiodon-
Arten (z. B. L. rhinocerodes) zwischen der Grösse des letzten
Molaren und Caninen besteht, würde der Dauendorfer Molar
einen grösseren Eckzahn erwarten lassen. Bütimeyeb rechnet
24
jedoch eine untere Eckzahnkrone zu L. tapiroides^ welche nur
15 mm im Durchmesser zeigt, während unser Zahn an der
Kronenbasis 18 mm und 15 nun misst. Wegen der sehr
schönen Erhaltung und wegen des Fundortes glaubte ich den
Zahn abbilden zu sollen'. Die massig comprimirte Wurzel des
Caninen ist beinahe doppelt so lang als die Krone. Letztere
besitzt auf der inneren Seite vorn und hinten je eine scharfe
Schmelzkante. Die Krone, welche innen etwas concav, aussen
convex ist, wird von einem schwachen Basalwulst eingefasst und
zeigt, von der inneren Seite betrachtet, eine stärkere Krümmung
als die Wurzel. Die Spitze ist auffallender Weise von aussen
ein wenig abgenutzt, eine Usur, die nur durch den oberen dritten
Incisiven bewirkt worden sein kann, der bei Lophiodon ähnlich
wie beim Tapir sehr kräftig war. Der ganze Zahn hat einen
carnivoren Habitus.
Propalcteoth&ritini Isselanufn Gerv.
Ein Unterkieferbruchstück mit schlecht erhaltenen Zähnen,
welches von Buchsweiler stammt, wird von BlaiitviiiLc als
zu Palaeotherium Issdanum gehörig betrachtet. Dasselbe findet
sich erwähnt in der Ost^ographie IV. Y. p. 174 u. p. 161,
und ist abgebildet auf pl. Ym. Ich kenne das Original nicht
und darf mir, zumal bei dem schlechten Erhaltungszustand, kein
Urtheil nach der Abbildung erlauben'.
1. Der betreffende Ganioe war als Anthracotherium bestimmt aod als solcher
aach in der Litterator aufgef&hrt worden. Dadbree, Desc. d. B. R., pg. 201.
2. Ob das von Delbos in einem Vortrage in Mülhaosen erwähnte Vorkommeo
von Frupalaeotherium bei Buchsweiler sich aaf die Angabe Blainville's stützt, ist
mir anbekannt Cf. BuU, de ia Soc, indusi, de MuUwuse, 1870. .
25
Propalaeotheriv/m Argentonicv/m Cuv. sp.
Molaren des Oberkiefers'. Tf. III, Fig. 18a, 6 ; 19.
Zwei isolirte, obere, linke Molaren eines Propalaeother^m,
aus dem Buchsweiler-Kalk stammend, liegen mir vor. Es scheint
mir der letzte und vorletzte Backenzahn ein und desselben
Individuums zu sein; ersterer ist wohl erhalten, bei dem anderen
ist. leider die Aussenwand abgebrochen. Der auf Tf. III, Fig. 18a
abgebildete Zahn zeigt die typischen Formen des Propalaeo-
therienzahnes. Die starke Convergenz der Aussenwand mit der
Innenwand nach hinten kennzeichnet ihn als letzten Molaren. Die
Aussenwand zeigt die charakteristische Festonnirung. Sie zerfällt
zunächst durch eine mittlere sehr scharf ausgeprägte Kante in 2
ungefähr fünfseitige, oben in den äusseren Schmelzkegeln scharf
zugespitzte Felder. Diese Felder werden unten und aussen von
Wülsten umrahmt und besitzen in der Mitte, je eine von der Kegel-
spitze nach dem Basalwulst herablaufende Verdickung. Am vorderen
Theil der Aussenwand zeigt sich die stark erhobene Warze ganz
vrie bei Lophiodon. Die Ausbildung der Querjoche, welche sjfh
schräg an die Aussenwand ansetzen, ist jedoch von Lophiodon
recht verschieden. Das vordere Querjoch nimmt seinen Ursprung
zwischen der Warze und dem vorderen Schmelzkegel der Aussen-
wand ; dasselbe bildet eine ziemlich hohe und scharfe nach vorn
concave Kante, bis es in der Mitte der Vorderseite sich zu
einem Kegel erhebt. Auf diesen Kegel folgt eine tiefe Einsenkung,
1. Die beiden erwähnten Zähne liegen wohl schon lange in der Strassburger
Sammlang, sie waren als Anchitherium Aurelianense bestimmt und trugen den Fund-
ort Bachsweiler. Farbe und Erhaltung lassen nieht daran zweifeln, dass die Fandorts-
angabe richtig ist. Um so auffallender erscheint es, dass Scuimper Anch. Aurelianense
Ton Lobsann erwähnt. Die Art ist, so viel ich weiss, daselbst nie vorgekommen. M^.
d. l. Soc, d'hist. nat de Slratbg, T. V. 1862.
26
und dann schwillt das erste Queijoch nochmals an, um den sehr
kraftigen und isolirten, Torderen Schmelzkegel der Innenseite
zu bilden. Verfolgen wir, Ton dem hinteren Kegel der Innenseite
ausgehend, das zweite Queijoch, so bemerken wir, dass dasselbe
in einer scharfen Kante, welche sehr schnell an Höhe abnimmt, nach
Tome Terlauft In der Mitte erhebt es sich nochmals ein wenig
zu einer kleinen medianen Schmelzspitze. Der Contakt des
hinteren Querjoches mit der Aussenwand li^ an deren Basis
zwischen dem medianen Wulst und dem hinteren Kegel denelben.
Der mediane Wulst der Aussenwand entspricht offenbar mor-
phologisch der Warze Tor dem ersten SchmelzkegeL Der Basal-
wulst ist überall, mit Ausnahme der Innenseite, sehr kräftig.
Von oben gesehen sind, mit Weglassung der Torderen Warze,
namentlich 5 Schmelzkegel am Zahn bemerkbar, indem der
mittlere Kegel des hinteren Queijoches ganz zurücktritt. Die
Disposition dieser 5 Kegel, ron welchen 3 Tome und 2 hinten
U^en, erinnert ganz an den Zahn ron Aniht^oAeriHm ^ bei
welchem auch Homologa für die mittlere Schmelzleiste und die
vordere Warze zu finden sind.
Die Dimensionen des Zahnes betragen:
Grösste Länge = 20 mm.
Grösste Breite = 25 mm.
Grösster Durchmesser = 27 mm.
Länge der Aussenwand = 22 mm.
Cnl^rkiefenahne'. Tf. lU, Fig. 20.
Unterkieferzähne eines Proj^alaeothenrnm^ welche in einem
zertrümmerten Kiefer stecken und wohl zu derselben Art gehören,
fanden sich ebenfalls bei Buchsweiler. Der letzte Molar ist
2S mm lang, während der des Proj>aIa€otA<Tmm Issdamum nach
I . D»$ bctrHrecde Kt^fn^tiici Bit Zihcea wxl^ mir Cnfsodlicker Weise too
Htm Duc&E in Stras^shvriE: m$ seiner SimM^cop sberiJä^sea.
27
RüTiHETEB nur 24 mm misst. Derselbe hat 3 starke Querjoche,
von welchen das hinterste am niedrigsten ist. Ausserdem entsteht
durch die Umbiegung des vorderen Querjoches ganz vorn am
Zahn noch ein niedriges, unvollständiges Joch. Der auf der
Innenseite gebildete Hügel des vorderen Queijoches ist etwas
abgenutzt und erscheint breit. Dieser Zahn, welcher mehrfache
Sprünge zeigt, liess sich aus dem harten Gestein nicht so voll-
ständig herauslösen, um sich zum Abbilden zu eignen. Der vor-
letzte Molar misst 20 mm, der gleiche, im Uebrigen sehr
ähnliche Zahn von P. Isselanum, nur 15 mm. Derselbe ist
vierwurzelig und zeigt auf der Krone alle Eigenthümlichkeiten des
Propalaeotheriun^Zahnes. Die beiden Querjoche sind hinten voll-
ständig gradlinig und stehen nur wenig schräg. Dieselben sind
an der Aussenseite spitzwinkelig umgebogen. Das zweite Queijoch
entsendet an der Umbiegungsstelle eine hohe diagonale Kante
(Verbindungskamm), welche nach dem inneren Hügel des ersten
Querjoches verläuft. Letzterer erscheint viel breiter als der
innere Hügel des hinteren Queijoches und ist an der Spitze im
frischen Zustand doppelt. Die Umbiegung des vorderen Quer-
joches, welche dem Yerbindungskamm entspricht, bildet am
vorderen Zahnende ein kleines rudimentäres Querjoch. Der Basal -
wulst ist, mit Ausnahme der Innenseite, überall vorhanden, er
ist kräftig und erhebt sich auf der Hinterseite zu einer starken
Spitze, welche bei dem abgebildeten Zahn sehr abgenutzt ist.
Diese Spitze, ein Homologen des dritten Talons am letzten
Backenzahn, ist gerade für die Unterkiefermolaren der Propalaeo-
therien sehr charakteristisch. Der dritte Molar ist dem zweiten
sehr ähnlich, misst jedoch nur 18 mm. Dann folgen noch 2
zerstörte Praemolaren, deren Länge, soweit sie sich ermitteln
lässt, folgende ist: p* = 15,5 mm*; p' = 14 mm. Der
1. Die Praemolaren (p) sind von hinten nach vorn gezählt
28
zweite Molar des rechten Unterkiefers ist Tf. III, Fig. 20 ab-
gebildet.
Die Unterkieferzähne nehmen nach Rütimeyieb eine ver-
mittelnde Stellung zwischen Lophiodon und Plagiolophus ein;
letztere verbinden ihrerseits wieder die Propalaeotherien mit den
ächten Palaeotherien. Gaudby fasst die Propalaeotherien mit der
nahe verwandten Gruppe Pachynolophus zusammen.
Von den 3 bisher bekannten PropaJaeolherium-kTij^xi : dem
P. patrulum Rütim. aus den Bohnerzen von Gösgen (Ob. Eoc.
bis Unt. Oligoc.?), P. Isselanum Cur. sp. von Issel [D£p. de
TAude] (Mt Eoc.) und aus den Bohnerzen von Egerkingen
(Mt Eoc. bis Ob. Eoc.?). sowie dem P. Argefitonicum Gebv.
von Ar gen ton [D^p. de Flndre] (Mt. Eoc), kann nur die letzt-
genannte grösste Art bei der Speciesbestimmung der Buchs-
weiler Reste in Betracht kommen. Der bei Gaubby {Enchainem,^
p. 161, Fig. 213) abgebildete linke Oberkieferzahn, welchen
ich wegen seiner ziemlich quadratischen Form für den zweitletzten
Molaren halte, stimmt mit dem betreffenden Zahn von Buchs-
weiler gut überein und ist nur eine Spur grösser. Gebvais'
bildet keine Reste von Prop, Argenionicum ab und verweist
auf die Unterkieferzahne, die Cuvieb in seinen Oss. foss., p. 498,
t IV als ,Palaeotherium d'Orl^ans trouv^ ä Argenton*' erwähnt
Bi.Aiirvii«LK bildet in der Ost^ographie einige Zähne nebst einem
Tibia-Eopf, einem Astragalus, CSalcaneus und einem Cuneiforme
von Propaheotherium ArgentoHicum auf PL 8 bei den Palaeo-
therien ab. Er bezeichnet alle diese Reste auf pg. 189 als
^Palaeothermm? medmm'^. Es muss noch dahingestellt bleiben,
ob die Extremitätenknochen in der That zu den betreffenden
Zähnen gehören. Der Astragalus ist im Ganzen lophiodonartig.
1. P. GuvAis, l\Biefmtohgie ei Zcoiofie /ran^aise^ Amimaux reiebre*. Paris
ISÖO« PS. 116.
29
worauf schon Gebvais aufmerksam machte. Die abgebildeten
Zähne sind ziemlich stark abgenutzt; es sind die 2 letzten
Molaren des Unterkiefers und, wie es scheint, die entsprechenden
Zähne aus dem Oberkiefer. Diese Zähne stimmen gut mit den-
jenigen von Buchs Weiler überein; leider ist jedoch die Abkauung
bei den Zähnen von Argenton zu weit vorgeschritten und die
Abbildung zu klein und nicht scharf genug, um geringere Details
vergleichen zu können.
Ich möchte um so mehr auf das Vorkommen von Pro-
palaeoiherium bei Buchsweiler hinweisen, da wir noch so wenig
von dieser interessanten Gruppe wissen. Von dem Gliederbau
wissen wir fast nichts, und das wenige was uns von der Be-
zahnung bekannt ist, erweckt mit Recht unsere Wissbegierde.
Nach Eowalevsky's Ansicht sind die Propalaeotherien berufen,
später noch eine grössere Bolle in der Palaeontologie zu spielen,
indem ihre Zähne einen vermittelnden Typus zwischen den
Lophiodonten und Palaeotherien innehalten und zugleich an die
fünflobigen Molaren der jüngeren Paarhufer erinnern.
Dieser vermittelnde Typus findet sich auch in der That
in sehr alten Schichten mit der Lophiodon'-Fa.iinsL zusammen.
Die einzigen Fundpunkte, wo derselbe mit ächten Palaeotherien
zusammen auftritt, sind die Bohnerze. Bei Egerkingen Propal.
Isselanum mit 2 Palaeotherien; bei Ob. Gösgen Frop. par-
vulum mit 5 Palaeotherien. Prop. Argentonicum fehlt meines
Wissens in den Bohnerzen und findet sich nur bei Argenton
und Buchsweiler.
? Anoplotherium sp.
Zwei Molaren in einem Eieferbruchstück von einer kleinen
Art sind in Blainville's Ost^ographie auf PI. VI, Bd. IV
30
abgebildet. Ich mochte einstweflen noch das Vorkommen eines
Änojpiotherium bei Bachsweiler bezweifeln.
? Ardofnys sp.
Ein Unterkieferbruchstück, welches von Bachsweiler stam-
men soll, ist in Blainyille's Ostäogr. IV. EE.P1. 11. (pubUcaiion
posthume) abgebildet. Die Beschreibung fehlt, aber ein fluchtiger
Hinweis darauf findet sich T. IV. CC, pag. 187.
Cebochoerus anceps Gkbv.
Tf. IV, Fig. U, 15.
Derselbe wird von Schimpeb in einer kurzen Notiz von
Buchsweiler erwähnt*. Die Angabe stützt sich vielleicht unter
anderem auf das kleine Backenzahnchen, welches mir vorliegt und
welches zu dieser merkwürdigen Gattung gehört. Dasselbe ent-
stammt einem linken Unterkiefer und dürfte der zweitletzte
Molar sein. Das Zahnchen misst beinahe 7 mm in der Lange
und 5,5 mm in der grössten Breite. Es besitzt 2 lange Wurzeln,
während die Oberkieferzähne von Ceb. anceps merkwürdiger
Weise 4 Wurzeln haben und dadurch von den dreiwurzeligen
Molaren der Affen und Hufthiere abweichen. Die Schmelzkrone
zeigt 4 massig abgekaute Kegel von Bunodontem-Habitus. Da
ich keine Abbildung eines Unterkiefers von Ceb. anceps finden
konnte, so muss ich mich in der Speciesbestimmung auf Schimpeb
verlassen. Ein Unterkiefer von Ceboch. minor findet sich bei
Gaudbt {Enchainem., pg. 231, Fig. 305) abgebildet, er stammt
1. M^. de la Soc. dhist, not, de Strasbg,, T. V, pg. 15 (R^sum^). Aof
die gleiche Notiz wurde schon bei L. BuxoviUanum verwiesen.
31
aas den Phosphoriten von Quercy. Das von Düyebnoy mit
grosser Bestimmtheit zu den Suiden' gestellte Unterkieferstück
mit den beiden letzten Molaren wird, wie dies auch Schimpeb
erklärt hat, wohl zu Cebochoerus gehören. Ich kenne das Original
nicht aus Autopsie, da es sich nicht mehr in der Strassburger
Sammlung befindet. Ceb. anceps fand sich ausserdem in den
Ligniten von P^rreal bei Apt, von welcher Lokalität Gebyais'
einen Oberkiefer abgebildet hat. Die Gattung Cebochoerus, zu
den Bunotherien gehörig, ist auf das Eocän und Unteroligocän
beschränkt; über den Skelettbau ist nichts weiter bekannt.
Schildkröten. Ein kleines Panzerbruchstück einer grossen
Art liegt mir aus dem Buchs weiler Süss wasserkalk vor'. Schild-
krötenreste sind femer aus dem Eocän des Bheinthales von
Neu bürg (Unt.-Els.) und von Ubstadt in Baden bekannt.
Kleine Reptilzähne von linsenförmigem Querschnitt mit
scharfen Seitenkanten und zuweilen gefältelter Spitze findet man
ab und zu bei Buchs weil er. Sie dürften verschiedenen Thieren
angehören: so erinnert Fig. 21a, Tf. III durch seine Fältelung
an Lacertilier; Fig. 21 b ähnelt mehr gewissen Krokodilzähnen.
Krokodilzähne haben sich auch bei Ubstadt gefunden, von wo
ferner noch Fischschuppen erwähnt werden.
1. Mim, de la Soc. du musie d*Mst. naL de Strasbg,, pg. 9. Die von
DuvERNOY gegebene etwas kleine Abbildung ist bei Blainville reproduzirt und er-
wähnt T. 4, pg. 186. Der letzte Unt.-Kiefer-Molar ist mit einem hinteren Talon ver-
sehen wie bei Ceb. minor.
2. Gervais, Poliontol. franqaise. Anim. verMris, 1859, PI. 35, Fig. 3, pg. 198.
3. In den Mim. de la Soc. d'hist. nat. de Strasbg. erwähnt Sghimper T. II,
pg. 15 •unfragment de carapace de tortue provenant du calcaire de Buchsweiler».
32
B. Mollusken.
Paltidina (Vivipara) Hcmimeri Dkfrance 1826.
Tf. I, Fig. 13 a, 6, c.
(Sandberger, Land. Sw. Conch. 1875, pg. 224, Tf. XIII, Fig. 6—66.
Defrance, Biet. d. seien, nat., XXXVII, pg. 306, etc.)
Diese Paludina ist die grösste bei Buchsweiler vorkom-
mende Art; sie erreicht zuweilen eine Höhe von beinahe 40 mm
und eine entsprechende Breite von 30 mm. Sie ist ungemein
häufig im Süsswasserkalk , selten in den darunter liegenden
grünen Mergeln. Das dickschalige Gehäuse ist schwach genabelt,
besitzt eine eiförmige, oben zugespitzte Mündung, nicht sehr
tiefe Nähte und 6 massig gewölbte Umgänge, deren letzter fast
eben so hoch ist wie die vorhergehenden zusammen. Die aus
zahlreichen, ziemlich gleichmässigen Längskielen bestehende
Sculptur tritt nur auf den obersten Windungen und auf dem
letzten Umgang, kurz vor der Mündung, deutlich hervor. Am
schär&ten ist dieselbe jedoch auf der Unterseite, rings um den
Nabel, ausgeprägt. Ausserdem sind feine ungleichmässige An-
wachsstreifen vorhanden, welche die Längskiele durchkreuzen
und nur bei älteren Individuen, auf dem letzten Theil der un-
tersten Windung, kräftiger werden. Die Art ist nur von Buchs-
weiler bekannt, von welchem Fundorte mir auch ein junges,
linksgewundenes Stück, als interessanter teratologischer Fall,
vorliegt.
•
33
PaZudina (Vivipara) Orbignyana Deshaybs 1864—66.
Tf. I, Fig. 12 a, b, c.
(Deshayes, G. P., Desc, d. Anim, s. vert, du bass. de Paris^ 1866, II, pg. 48 1 ,
pl. 32, Fig. 20, 21, pl. 33, Fig. 1, 2. — Sandberger, Land. Sw. C,
pg. 224, Tf. XllI, Fig. 7— 7a.)
Diese Art steht der vorigen recht nahe, so dass ich mich
hier am besten darauf beschränke, die wichtigsten Unterschei-
dungsmerkmale anzuführen. Das gleichfalls sehr dickschalige
Gehäuse von P. Orbignyana ist höher, spitzer kegelförmig, die
letzte Windung ist relativ niedriger, die Umgänge sind flacher
und die Mündung ist ein wenig runder, als bei P. Hämmert.
Die Sculptur zeigt sich in gleicher Weise wie bei der vorher-
gehenden Species, nur ist dieselbe viel schwächer, so dass
die Schale fast glatt aussieht. In der Grösse bleibt P. OrU-
gnyana gegen P. Hammeri zurück ; sie erreicht jedoch immerhin
bis zu 35 mm Höhe und 24 mm Breite. Die Art ist im
Süsswasserkalk von Buchsweiler nicht gerade häufig, wäh-
rend sie bei Üb Stadt in zahlreichen Steinkernen vorkommt,
und Sandbebgeb von dort sogar ein linksgewundenes Exemplar
erwähnt. In Frankreich findet sie sich bei Longpont im
oberen Grobkalk, ferner in einigen eocänen Süsswasserkalken
am Südiande des Pariser Beckens und im bassin de VAgoüt.
Huchilus Deschiensianti/m Deshayes sp. 1864—66.
Tf. I, Fig. 11 a—e.
(Deshayes (I. c.J, pg. 492,pl. 33, Fig. 19—21. — Sandberger (I. c], pg. 225,
Tf. XIII, Fig. 8- 8 c.)
Diese häufigste Versteinerung bei Buchsweiler gehört
zu der ausgestorbenen Gattung Euchilus, welche in den recenten
ni 8
34
Gattungen Blanfordia (Australien) und Emmericia (Dalmaüen)
ihr nächstes Analogen hat. Sie ist ziemlich variabel, so dass
ihr kegelförmiges Gehäuse bald spitzer, bald stumpfer erscheint.
Die grössten Stücke erreichen etwas über 10 mm Lange und
6 mm Breite; kleinere, ausgewachsene Exemplare messen hin-
gegen nur 7 mm (I.) und 4 mm (b.). Die Schale ist dick
und glatt. Es sind 5 — 6 Umgänge vorhanden. Der Nabel ist
schmal und der Mundrand stark wulstig verdickt In der Jugend
werden von Euchilus öfters Ansätze zur Mündung gebildet,
welche beim Weiterwachsen als Wülste zurückbleiben und
namentlich an den Steinkernen als charakteristische Furchen
auffallen {Fig. 11 d). Ein Deckel ist bisher bei Buchsweiler
noch nicht beobachtet worden, man kennt dieselben jedoch von
St. Parres. E, Deschiensianum ist ziemlich verbreitet und
findet sich, ausser im Süsswasserkalk unserer Lokalität, vereinzelt
bei Ubstadt, ferner bei Longpont, St. Parres und Eper-
mailles.
Hyö/robia DatiendorfenHs n. sp.
Tf. m, Fig. 2.
In den grauen, vitriolreichen Mergeln von Dauendorf
im Unter-Elsass fond sich nicht gerade häufig eine kleine Hy-
drobie, welche ich mit keiner bekannten Species zu identifiziren
vermag. Das porcellanweisse, glänzende, feingestreifte Gehäuse
hat 6 Umgänge, ziemlich tiefe Nähte und einen deutlichen
Nabelritz; es ist etwa 3 mm lang und 1,5 mm. breit. Die
Mündung ist oval, steht ziemlich grade, und ist in der oberen
Ecke stark zugerundet. Der Mundsaum ist nicht umgeschlagen.
Die näcbststehende lebende Form, welche unserer Art fast bis
zur Identität gleicht, ist, wie ich mich in der Sammlung des
i
35
Herrn Dr. Böttgkb überzeugen konnte, Hydrohia Simsoniana
Beddok von Brjgbton bei Hobart-town (Tasmanien). Die
Dauendorfer Art ist etwas spitzer und die Umgänge sind etwas
runder als bei der recenten Form. Eine jungfossiie Art Ey-
drobia nitida M. F. Yon Barren-Island in der Bass-Strasse steht
dieser Art gleichfalls nahe. Von unseren fossilen Formen lässt
sich noch am ersten die gedrungenere Hydrohia havarica Sand.
aus dem Mittelmiocän von L ei p heim mit Hydrohia Dauen-
dorfensis vergleichen.
Hydrohia Juv»? cf. Websteri Morris.
Tf. III, Fig. 1.
(Sandberger (1. c], pg. 187. — Deshayes [1. c], II, pg. 500, pl. 34,
Flg. 32 — 34. — Morris, Quart, Jaurn. ofthe geol. soc.^ X, pg. 161,
Tf. II, Fig. 22.)
£ine andere Hydrobie aus den Dauendorfer Mergeln,
welche an Hydrohia Wehsieri Morb. aus dem englischen und
französischen Unter-Eocän erinneit, liegt mir in mehreren
Stücken vor. Das glänzende, feingestreifte Gehäuse hat eine
spitzkegelförmige Gestalt, flache Nähte und einen deutlichen
Nabelritz. Der rechte Mündungsrand bildet in seiner unteren
Partie eine gerundete Ecke. Das grösste' Exemplar misst
3,8 mm in der Länge, 1,5 mm in der Breite und zeigt dabei
7 Umgänge. Ich habe die vorliegenden Exemplare, welche
wohl zur Gruppe der Hydrohia Wehsieri gehören und vielleicht
als neue Form aufzufassen sind, nicht mit Sicherheit bestimmen
können; einerseits, da ich H. Wehsieri nur aus der Abbildung
kenne, andererseits, da Zweifel darüber bestehen können, ob die
Dauendorfer Stücke vollständig ausgewachsen sind.
Steinkerne von Hydrobien, die wegen mangelhaften Er-
36
haltuDgszustandes keine nähere Bestimmuog zulassen, aber offen-
bar verschiedenen Arten angehören, finden sich in den Süss-
wasserkalken von Buchsweiler, vom Bischenberg und von
Morschweiler im Unter-EIsass. Dieselben sind an den bei-
den letztgenannten Orten sogar häufig. Taf. I, 10 stammt von
Buchsweiler, Fig. 9 kommt am Bischenberg und ande-
ren Fundpunkten vor.
JPlanarbis psetidamfnanius Schlothueim sp. 1820.
Tf. n, Fig. 9—13.
(ScuLOTHHEiM, Potrefocteukunde, I, pg. 101. — Sandberger (I. c], pg. 226,
Tf.XIII, Fig. 10— 12;elc.)
Derselbe ist einer der geologisch wichtigsten Planorben,
zumal da er sich leicht durch seine grosse Zahl von Windungen
und seine Form von den bei uns vorkommenden jüngeren
Formen unterscheidet. Das Gehäuse ist oben ziemlich flach
und nur in der Mitte ein wenig eingesenkt, an den Seiten ge-
rundet und auf der Unterseite stärker vertieft. Er erreicht
zuweilen einen Durchmesser von beinahe 40 mm, während die
gewöhnliche Grösse nur 25 mm beträgt. Es sind 7 mit feinen
Anwachsstreifen versehene Umgänge vorhanden. Flanorbis pseud-
ammonius ist ein Leitfossil für mitteleocäne Süsswasserschich-
ten (nach Sakdbebgeb für Süsswasserbildungen vom Alter des
Grobkalkes). Er ist ungemein häufig an vielen Stellen in
Frankreich; am Oberrhein findet er sich im Unter-Elsass : bei
Buchsweiler im Kalk und in den grünen Mergeln, bei
Bitschhofen, Dauendorf, Neuburg und am Bischen-
berg bei Oberehnheim, in Baden bei Ubstadt, im Canton
Solothum bei Hobel. JPorm. excaveOan./. {Tf.II, Fig. 10).
Als solche kann mau die weitläufig aufgewundenen, dicken, aaf
37
der Unterseite stark ausgehöhlten Exemplare bezeichnen. Ob-
wohl diese Form im Extrem recht verschieden aussieht, so sind
doch alle üebergänge zum flacheren Typus vorhanden*.
Var. angigyra n. v. {Tf. II, Fig. 12), Diese Varietät
bildet das entgegengesetzte Extrem der vorigen Form, weicht
aber in noch höherem Grade von dem Typus ab. Es sind kleine,
dünne und sehr eng aufgewundene Stücke, welche auf der
Unterseite nur wenig vertieft sind. In Bezug auf die enge
Aufrollung erinnert v. angigyra an den P. pseudoroiundaius
Mathebon*, ist aber schon dadurch leicht zu unterscheiden,
dass bei ihr die Windungen breiter als hoch sind. Die Stein-
kerne sind schon in der Jugend von der typischen Form des
P. pseudammonius unterschieden. Es mag sein, dass man diese
Varietät nach späteren besseren Funden einmal zum Rang einer
eigenen Art erheben wird. Einstweilen ziehe ich vor, dies noch
nicht zu thun, da mir nur Steinkerne vorliegen, und es schwer
sein dürfte, dieselben immer sicher vom Typus zu trennen.
Var. Leymeriei Desh. {Tf. II, Fig, 13). Diese von
Deshates als Art, von Sandbebgeb als Varietät angesehene Form
umfasst, im Gegensatz zu den typischen glatten, die mit Spiral-
sculptur versehenen Exemplare. Die Spiralstreifen sind meistens
recht deutlich und bilden, indem sie sich mit den Anwachs-
streifen kreuzen, eine zierliche Gitterung. Die Streifung kann in
1. Das was Noolbt als P. Castrensis bezeichnet (Mem. sur les coq. foss.
des terrains d'eau douce du S.-O, de la France, 18G8, pg. 73), und was Sandbehger
als eine Varietät von P. pseudammmUus auflfasst, deckt sich nicht mit der obenge-
nannten Form. Ausserdem stimmen die verschiedenen Beschreibungen von P. Castrensis
durchaus nicht uberein. Weil ich nichts derart aus dem rheinischen Eocän kenne,
wurde die Form fuglich weggelassen.
2. P/. pseudorotundatus Math., 1 843 , wurde von Sandbebger, L. Sw. C, pg. 220
und 226, mit PL pseudammonius Scii. sp. vereinigt. Neuerdings wurde derselbe von
MathIbon wiederum als selbständige Species abgebildet. Pecherches palionMogiques
dans le Midi de la France. Marseille 1879, XV. Part., PL 0—1, Fig. 12.
88
verschieden starkem Masse ausgebildet sein, auch obliterirt sie
bei sehr grossen Exemplaren auf der letzten Windung. Die
Sculptur ist nicht an eine bestimmte Gestalt gebunden und
findet sich sowohl bei der f. excavata als beim Typus. An
Steinkernen ist natürlich keine Unterscheidung möglich. Diese
Sculpturvarietät ist sehr verbreitet, ich kenne dieselbe aus
unserem Gebiete von Buchsweiler, vom Bischenberg und
von Hobel.
PlomorMs (SegmenUna) ChertieH Deshates 1864—66.
Tf. II, Fig. 14 a, ft, c.
(DfiSHAYES [I. c], II, pg. 753, pl. 46, Fig. 5—8. — Sandberger [l. c],
pg. 226, Tf. XIII, Fig. 9.)
Denselben sammelte ich in zahlreichen, schönen Exemplaren
in einem ziemlich hoch gelegenen Auüschluss NO vom Bastberg-
gipfel in weichen kreidigen Ealkstäcken. Im harten Kalke des
tiefer gelegenen Steinbruches ist er beträchtlich seltener. Das
Gehäuse ist oben gewölbt, in der Mitte nur ein wenig ein-
gesenkt, unten abgeflacht und weit genabelt. Von einem Kiel
ist nichts zu sehen. Die Abdrücke zeigen sehr feine, unregel-
mässige Anwachslinien. Der Durchmesser beträgt bis zu 13 mm,
die Höhe meist 3 mm und der letzte Umgang nimmt über '/,
des Gesammtdurchmessers ein. Unter den vielen Exemplaren,
welche ich gesehen habe, fielen mir einige kleine, abweichende
Steinkerne aus dem harten Ealk auf. Dieselben sind dünner
als gewöhnlich und sind an den Seiten etwas spitzer zugerundet.
Ich glaube dennoch, dass sie zu derselben Art gehören, möchte
aber darauf aufmerksam machen. P. ChertieH ist im franzö-
sischen Eocän ziemlich verbreitet, in unserem Gebiet trifft
man ihn ausser bei Buchsweiler, bei Ubstadt, wo er sehr
39
selten ist; etwas häufiger findet er sich bei Bernhards-
weiler, und von Morschweiler besitze ich fragliche Reste.
Idmnea oUvtUa Rouis 1868.
Tf. II, Fig. 8 a—d.
(Sandberger [I. c], pg. 228, Tf. XIII, Fig. 14; etc.)
Eine kleine, etwa 10 mm lange, leicht kenntliche Art.
Das bauchige, oben kurz zugespitzte Gehäuse hat 5 Umgänge,
wovon die Höhe des letzten mehr als Vt der totalen Länge
ausmacht. Die Nähte sind tief, die sehr dünne Schale besass
deutliche Anwachsstreifen, war öfters unregelmässig eingeschnürt
und am unteren Theil der kurzeiförmigen Mündung etwas um-
geschlagen. L, olivula ist bei Buchs weil er ziemlich selten;
das bauchige Exemplar (If. II. Fig. a) stammt von diesem
Fundpunkte; es kommen aber grade hier auch schlankere Formen
vor, die bei mangelhafter Erhaltung nicht sicher bestimmbar
sind. Häufiger ist die Art am Bischenberg, woselbst sie
sich am nördlichen Abhang nicht weit von „Les B^collets''
findet.
Idmnea Michelini Desh. 1864—66.
Tf. I, Fig. 7 a—d
(Deshayes [l. c], II, pg. 718, pl. 45, Fig. 9, 10. — Sandberger (l. c],
pg. 227, Tf. XIII, Fig. 13.)
Sobald man es mit ausgewachsenen, grossen Individuen zu
thun hat, ist diese Limneen-Art mit keiner anderen zu ver-
wechseln. Sie zeichnet sich aus durch ihre grosse Zahl von
flachen Windungen (7 — 8) und durch ihren relativ kurzen.
40
runden, mehr aufgeblasenen letzten Umgang. Die Grösse,
welche sie erreicht, beträgt bisweilen 30 mm. Anders yerhält
es sich, wenn man die Steinkeme jüngerer Individuen betrachtet,
die Variabilität ist hier eine ungemein grosse, so dass man oft
über ihre Zugehörigkeit zu dieser Species im Zweifel sein kann.
In Anbetracht, dass die Variabilität der lebenden Limneen eine
so ausserordentlich grosse ist, und dass wir es in Buchsweiler
gewöhnlich nur mit Steinkernen zu thun haben, hielt ich es
für rathsam, keine Arten aus der Formenmannigfaltigkeit auszu-
scheiden. Auch lassen sich bei den Steinkernen Uebergangs-
reihen zwischen verschiedenen Formen beobachten. Z. Michelini
findet sich ausser in Frankreich bei Longpont, St. Parres,
C a s t r e s etc. , bei B u c h s w e i 1 e r ziemlich häufig, auch dürften
Steinkeme vom Bischenberg hierher gehören.
Idmnea sp. ined.
Tf. I, Fig. 8 a, ft, c.
Die abgebildeten Fragmente gehören nicht zum Formen-
kreis der vorigen Species. Sie sind durch ihre schlanke Gestalt,
ihre lange, schmale Mündung und ihre oft wellig vertiefte oder
gegitterte Schale unterschieden. Das mir vorliegende Material
ist zu ungenügend, um eine genauere Fixirung dieser Art zu
erlauben. Buchs weiler.
Succinea (Brachyspira) pcMiolum Roms 1868.
Tf. n, Fig. 19 a—c.
(Sandberger [Lc], pg. 232, Tf. XIII, Fig. 23; etc.)
Diese seltene nur von Buchsweiler bekannte Art ist
^ausgezeichnet durch ihre breite, flache Gestalt und ihre äusserst
41
kurze Spitze, welche nur \'q der ganzen Länge ausmacht. Das
grösste meiner Exemplare bat fasj; 3 Umgänge und misst in
der Länge 1 1 mm, in der Breite 6 und in der Dicke 4,3 mm.
Die Mündung ist breit eiförmig und oben zugespitzt. Die dünne
Schale zeigt Anwachsstreifen und wird im Alter nach Succineen-
Art öfters etwas runzelig gewellt.
Pamiacellina Sandberger.
Die von Buchsweiler stammende Parmaceßiwa vitrinae-
formis Sandb. wurde von Bronn zu den Vitrinen gestellt.
Sandberger erkannte diese Bestimmung, wegen der Dick-
schaligkeit des Gehäuses, als irrig und indem er den obigen
Gattungsnamen schuf, wies er derselben einstweilen einen Platz
im System zwischen y^Peltella und TestaceUa^ an^
Nach einigen schönen Exemplaren, welche ich neuerdings
gesammelt habe, soll es versucht werden, diese fossile Nackt-
schnecke soweit wie möglich zu charakterisiren.
Das sehr dickschalige, äusserst fein gestreifte Gehäuse
gleicht in seiner Form, namentlich von oben gesehen, ganz den
Daudebardien. Jugendwindungen und späteres Anwacbsgewinde
sind auf der Schale nicht zu unterscheiden wie bei P. calyculata
•
Sby. Auf der Unterseite weicht Parmaceüina von Daudebardia
ab, die sehr grosse gerundete Mündung ist von einem ver-
dickten Rande umgeben, welcher sich in der oberen Ecke
deutlich zahnartig erhebt. Die Dickschaligkeit hat Parmacellina
mit TestaceUa gemeinsam. Die Steinkerne lassen auf dem
unteren Theil des letzten Umgangs streifige Höckerchen und
1. Das Genus TestaceUa Guy. gehört jetzt zur Familie der Testacellidae, das
Gen. Peltella Webb. und V. Ben. (= Parmacella Gov.) zur Familie der Bulimulidae
und schliesslich Peltella Adams (= Mariaella GnAY.) zur Familie der Vitrinen ; wir
dOrften uns hier schwer zarecht finden.
42
Grübchen erkennen, welche auf die rauhe und körnige Beschaffen-
heit der inneren Schale hindeuten. ParmaceUina scheint mir
zur Familie der Testacellidae zu gehören und würde ihren
Platz im System zwischen den Gattungen Daudehardia Habth.
und TestaceUa Guy. einnehmen.
Farmacellina vittinaeforniia Sandbergeb 1870—75.
Tf. II, Fig. 20 a—d.
(Sandberger [I. c], pg. 232, Tf. XITI, Fig. 24.)
Bisher noch die einzige Art der Gattung, ist bei Buchs-
weiler ziemlich selten. Das kleine, dickschalige Gehäuse wird
bis zu 8 mm lang und 5 mm breit, hat l' ^ Umgänge und
eine elliptische unten etwas eckige Gestalt. Die innere Schalen-
scbicht ist meist durch organische Substanz braun gefärbt,
welche Farbe auch äusserlich etwas durchscheint. Die übrigen
Merkmale finden sich in der Gättungs-Diagnose.
OlecuAna (Boltenia) teres Roms sp. 1868.
Tf. L Fig. 4 a-f.
(Sandberger [l. c], pg. 232, Tf. XIII, Fig. 26; etc.)
Eine im Buchsweiler-Kalk seltene und noch nicht voll-
ständig gekannte Art, welche sich in der Form der kleineren
Boltenia Sandbergeri Thom. sp. aus dem Miocän von Hoch heim
am meisten nähert. Das Gehäuse ist lang und schmal, die
Spitze noch unbekannt, die Mündung oben eng und spitz, unten
erweitert und gerundet. Die Spindel ist nicht vöUig rund,
sondern vorne schwach kantig und verläuft ziemlich grade. Die
Nähte sind doppelt und unterhalb derselben treten die ungleichen
43
Anwachsliniei), welche die Sculptiir bilden, am schärfsten hervor,
80 dass auch hier an der Naht das für die Oleacinen so charakte-
ristische, faltig zusammengefasste Aussehen zu Stande kommt.
Da die Spitze bei den mir vorliegenden 7 Stücken fehlt, so
lässt sich keine Angabe aber die Höhe des Gehäuses machen.
Die Breite des grössten Exemplares beträgt an der Mündung
6 mm, die Mündungslänge 8,5 mm und der vorletzte Umgang
misst über Vs des letzten Umgangs. B. teres ist von keinem
anderen Fundpunkte bekannt. Sandbebgeb erwähnt (L. Sw.
C. d. Vorw., p. 327) aus dem Brunnstatter Kalk eine grosse
schlanke Oleacina (resp. Boltenia), welche er mit B. teres ver-
gleicht und glaubt, dass es Mebian's Limnea polita sp. ined. sei.
Die ziemlich guten Exemplare, welche mir von Brunnstatt vor-
liegen, gehören in der That einer schlanken Limnea an (cf.
pg. 79).
Oletudna (Olandina) CordieH Desh. sp. 1864—1866.
Tf. I, Fig. 2 a—e.
(Deshayes [l. c], II, pg. 836, pl. 53, Fig. 4—6. -- Sandberger [I. c],
pg. 233, Tf. XIII, Fig. 25 ; etc.)
Die Glandinen gehören trotz ihrer weiten Verbreitung in
der Kegel zu den sehr seltenen Erscheinungen; anders verhält
sich dies in der Buchsweiler Fauna, wo Olandina Cordieri
sogar als ziemlich häufig gelten kann. Im Calcaire de St. Ouen
und in den Sables moyens kommt dieselbe Art hingegen sehr
selten vor. Das dännschalige, eicheiförmige Gehäuse ist oben
in eine kurze Spitze ausgezogen und hat 6 Umgänge. Dasselbe
misst in der Länge meist 37 mm, während die grösste Breite
16—18 mm beträgt. Die Mündungslänge ist 23 mm und die
Höhe des letzten Umgangs beläuft sich auf Vi der gesammten
44
Höbe. Das Embryonalende ist stumpf, zitzenförmig und glatt,
während die übrigen Windungen eine charakteristische Sculptur
aufweisen. Die sehr deutlichen unregelmässigen Anwachslinien
werden Yon feinen, dicht stehenden, öfters aufgelösten, welligen
Längslinien durchsetzt. An den Durchschnittspunkten bilden sich
kleine Knötchen, so dass die ganze Oberfläche unter der Loupe
ein kömiges, gitterartiges Aussehen gewinnt \ Die Spindel ist
massig breit, sanft gerundet und schräg abgeschnitten. Die
Mündung ist schmal-eiförmig, oben sehr zugespitzt, der rechte
Mundrand ist kaum gewölbt und erscheint etwas angedrückt.
Var. elongata n. var. Tf. I, Fig. 6. Als solche möchte
ich eine Form von dem Typus abtrennen, welche mir in 3 Exem-
plaren, aber in keinem ganz untadeligen Stück vorliegt. Diese
Form ist grösser und schlanker als der Typus. Die Breite
beträgt 18 mm, die restaurirte Höhe würde circa 4,5 mm
ausmachen. In der Sculptur ist keine Abweichung vorhanden.
G. Cordieri ist nahe verwandt mit einer in Mittel- Amerika
lebenden Species G. rosea Feb., wie dies schon Deshayes er-
kannt und Sandbebgeb bestätigt hat.
Oleadna (Glandina) Bhenana n. sp.
Tf. I, Fig. 1 a, 6, c.
Gl. Bhenana ist durch ihre weit schlankere, mehr kegel-
förmige Gestalt von G. Cordieri gut unterschieden. Die Maass-
verhältnisse sind folgende: Die Länge beträgt 38 mm, die grösste
1. Sowohl die schematische Abbildung der Scolptor bei Deshates \Desc. des
Animaux sans vert. decouverts dans le bau. de Paris, T. 11, PI. 53, Fig. 3),
als auch bei Sandberger (L. Sw. C, Tar. XIH, Fig. 256), welche recht verschieden
von einander sind, geben den Sachverhalt nicht ganz richtig wieder.
45
Breite 14,5 mm, die MünduDgsIänge 22 mm, die Höhe des
letzten Umgangs 26 mm. Die Anzahl der Windungen beläuft
sich auf 6Vi. Die Form des Gehäuses ist sehr spitz-eiförmig
und das Embryonalende ist nicht zitzenförmig wie bei Glandina
Cordieri, sondern stumpf-convex. Das Embryonalende ist glatt,
die übrigen Umgänge zeigen unregelmässige, gebogene An-
wachsstreifen und eine gitterförmige schwach körnige Sculptur
wie bei G. Cordieri, welcher sie auch in Bezug auf die Spindel-
falte gleicht. Die doppelten Nähte sind sehr wenig vertieft.
G. Bhenana ist bei Buchsweiler sehr selten.
Oleadna (OUmädna) Deeckei n. sp.
Tf. I, Fig. 3, a, b.
Die Gestalt des Gehäuses dieser kleinen Glandine ist
schmal spindelförmig, die Spitze ist kegelförmig gerundet, die
untere Partie erscheint schmal elliptisch. Die Länge beträgt
1 4,5 mm, die grösste Breite 5,5 mm, die Mündungslänge 8 mm
und die Höhe der letzten Windung 9,5 mm. Es sind 5 Um-
gänge vorhanden, welche durch feine gebogene Anwachsstreifen
verziert sind; diese Anwachsstreifen treten unter der schwach
vertieften, doppelten Naht am stärksten hervor. Ueberaus feine,
dichtstehende Querlinien durchkreuzen die Anwachsstreifen. Die
Spindel ist kurz, ziemlich dick und kaum gebogen. G. Deeckei, welche
bei Buchs Weiler nicht häufig ist, zeichnet sich durch ihre
geringe Grösse und schmale Figur vor den anderen Arten dieses
Fundpunktes aus. In der Gestalt gleicht sie einigermassen der
miocänen G. rugulosa Sand., welche jedoch grösser und viel
stärker sculpturirt ist.
46
Cio^tella (Zua) farmicina Rouis sp. 1868.
Tf. I, Fig. 5 a, b, c.
(Sandberger [1. c], pg. 230, Tf. XIII, Fig. 18; etc.)
Dieser älteste Vertreter des Genus Ctoneüa, den wir wohl
der Section Ztia (Leach) einreihen dürfen, nähert sich in Form
und Grösse unserer recenten Zua lubrica Müll. sp. (in der Grösse
der var. exigua Mskks). Die häufige kleine Schnecke ist meist
4,5 mm lang, gegen 2 mm breit und hat 7 Umgänge, welche
durch ziemlich flache Nähte getrennt sind und wovon die Höhe
der letzten Windung etwa der Breite gleichkonmit. Die glatte
Schale ist dünn und an der zahnlosen, kurzen Mündung verdickt,
was sich an Steinkernen als schwache Einschnürung am Mund-
raude bemerkbar macht. In der Länge und Dicke varüren die
Exemplare ein wenig, sind aber stets leicht kenntlich. Die Form
der Mündung ist runder, und die Nähte sind weniger tief als
bei unserer recenten Zua lubrica. Die Art ist nur von Buchs-
weiler bekannt.
Azeca Biügeri n. sp.
Tf. I, Fig. 6 a—d.
Schon bei obeiflächlicher Betrachtung des grossen Cionellen-
Materials, welches ich vereinigt hatte, fand es sich, dass manche
Individuen durch ihre äussere Form abwichen. Die nähere
Untersuchung ergab, dass dieselben dem letzten Umgang und
der bezahnten Mündung nach zu Äitca gehören. Das Gehäuse
dieser ältesten Ascca ist 5 mm lang, 2,5 mm breit, hat 7 Um-
ginge« sehr flache Nähte und eine gerundet elliptische Gestalt
Die Spitze ist convex- conisch. Der letzte Umgang nimmt etwas
47
mehr als '/a der ganzen Höhe ein und ist sehr wenig gewölbt.
Die Mündung ist schief, schmal, besitzt einen verdickten Rand
und 2 grosse, lamellenartige, constante Zähne. Ein grosser Zahn
steht an der oberen Partie der inneren Mundseite (Mündungs-
wand); ihm gegenüber etwas tiefer auf dem äusseren oder
rechten Mundsaum befindet sich die zweite starke Zahnlamelle.
Ajseca Böttgeri ist wemger spitz, mehr cylindrisch gerundet,
etwas grösser und hat noch flachere Nähte als Cionella formt-
cina; auch sind bei der letzteren die Umgänge in einer steileren
Spirale aufgewunden, was dadurch hervortritt, dass die Nähte
derselben schiefer stehen als bei A. Böttgeri. Aseca-kritn
waren bisher nur aus den jüngeren Tertiärschichten bekannt.
Die Gattung reicht bis in die Jetztzeit und ist ausschliesslich
europäisch. A. (Ajsecastrum) tridens Pult, {= A. Menkeana
Ppeipe.), wohl die nächste lebende Verwandte, findet sich an
einigen Punkten Deutschlands als Seltenheit. Dieselbe ist grösser,
spitzer und besitzt mehr Zähne als unsere Art. Von den fossilen
Arten dürfte A. loxostoma El. aus dem Unt. Miocäu von M ö r-
singen und Leissacker.beiRegensburg der XJ?ö//^eri noch
am nächsten stehen. Ich kenne die Art nur von Buchsweiler,
woselbst sie häufig ist.
JPupa BuaoaviUana n. sp.
Tf. II, Fig. 1 a, 6, c.
Abdrücke und ein Steinkern einer kleinen, bienenkorb-
artigen Pupa aus der Gruppe der P. raricosta Slay. von
Tuchoric (Unt. Mioc.) und derF.lineolata BsN.von Hochheim
(Unt. Mioc.) liegen mir aus dem Buchsweiler-Kalk vor. Der
Steinkern ist rechtsgewunden, zeigt 6 Umgänge, ist 2 mm breit
und 3 mm lang. Die Umgänge sind bauchig, durch ziemlich
48
tiefe Nähte getrennt und tragen eine zierliche Sculptor, welche
aus etwas gebogenen, weit von einander abstehenden, scharfen
Querrippen besteht. Auf einen Umgang kommen 20 — 22 Kippen
und auf den 2 obersten Windungen scheinen dieselben voll-
ständig zu obliteriren. Wahrscheinlich war ein Nabelritz vor-
handen und war die Mündung zahnlos; sicheres lässt sich bis
jetzt noch nicht darüber sagen, da möglicher Weise ein Stück
von der letzten Windung fehlt. Die gleichalterige P. Novigen--
tiensis Saj^d. ist in der Form ähnlich, soll jedoch eine glatte
Schale haben.
ClauHUa (CanaUda) denMcostuUUa Sand. 1870 — 76.
Tf. n, Fig. • 3 a—d.
(Sandberger (I. c], pag. 231, Tf. Xlll, Fig. 20.)
Das Gehäuse ist links gewunden, schlank, cylindrisch, dicht
und scharf gestreift und besitzt eine stumpfe, cylindrische Spitze.
Die Steinkerne und Abdrücke lassen die 3 gewöhnlichen La-
mellen auf der Seite der Spindel und der Mündungswand er-
kennen; von einer Mondfalte ist jedoch nichts angedeutet.
BÖTTGEB ist der Ansicht, dass diese Clausilie wahrscheinlich
zur Gattung CancUicia gehörte Ein ganz untadeliges Stück
dieser seltenen Buchsweiler Art ist bisher noch nicht ge-
funden worden.
FaZaeostoa nov. gen.
Auf Grund unvollkommener Bruchstücke wurde die Buchs-
weiler Art dieses Genus P. Fontenayi von Rouis zu Pupa
und von Sandbebgeb zu TorquiUa gebracht. Weit besseres
]. er. Palaeontographica X, p. 310, 1863 (Gatt Canalida); ferner BoncER,
Glausilienstudien, 1877, pg. 110.
49
Material zeigte uns jetzt, dass wir es mit einem neuen Genus
zu thun haben.
PcUaeostoa nimmt im System Stellung zwischen dem Genus
Megaspira Lea und Tripiychia Sandbebgeb (= Milne- Edward-
sia Boubg)^ Das rechts gewundene Gehäuse ist spitz kegelförmig,
unten fast cylindrisch. Die Spindelfalten sind durchlaufend. Es ist
eine kräftige, lange Basallamelle vorhanden und eine grosse An-
zahl langer, fadenförmiger Gaumenfalten. Dieselben sind ungleich
stark und zwar derart angeordnet, dass je mehrere schwache
zwischen 2 stärkeren Gaumenfalten liegen. Der Mundsaum ist
ein wenig umgeschlagen, was an das Genus Clausilia erinnert.
Zu unserem Genus gehört, ausser der Buchsweiler Art, jedenfalls
noch die P. perdentata F. £x>w. aus dem Bembridge-Kalk von
S CO nee (Unt. Oligoc), welche Sandbbbgeb ebenfalls als Tor-
quüla anführt und auf ihre nahe Verwandtschaft zu P. Fontenayi
hinweist. Ich konnte die englische Art nicht näher untersuchen,
da ich sie nur aus der Abbildung kenne. '
FiUaeoatoa Fontenayi Roms sp.
Tf. II, Fig. 2 a-f.
Sya. : Pupa Fofitenayi Rouis 1868. — Torquilla Fontenayi Sand.,
1870—75 (1. c. pg. 231, Tf. XIII, Fig. 22). — Clausilia crenata
Sand., 1870—75 (1. c. pg. 231, Tf. Xlll, Fig. 19).
In allem liegen mir 38 Reste von dieser ziemlich seltenen
Species vor, darunter befinden sich solche, bei welchen die
Schale und andere, bei welchen alle Windungen erhalten sind,
so dass wir uns eine gute Vorstellung von der interessanten
Art machen können. Das Gehäuse ist lang-conisch, hat 12 Um-
gänge und wird etwa 22 mm lang, 6 mm breit. Die letzte
1. er. NachrichtsölaU der Deutschen Malahozoologiscfien Ges.^ XIV. Jahrg.,
Nr. 3, März 1882.
in. 4
50
Windung beträgt nicht ganz Va der totalen Höhe. Die Schale
ist ziemlich dick, auf den letzten Windungen fietst glatt und nur
mit äusserst feinen Anwachsstreifen versehen. Die Windungen
der Spitze hingegen sind, namentlich unterhalb der nicht sehr tiefen
Naht, grob gefältelt. Die Steinkerne und Abdrücke von der Spitze
gleichen nach Form, Grösse und Sculptur der Abbildung Saitd-
BEBGEBB auf Tf. XIII, Fig. 19; das dort abgebildete rechts-
gewundene Fragment wurde Clausäia crenata genannt; ich
glaube diese Art mit der Palaeostoa vereinigen zu müssen.
Die Mündung enthält 3 Spindelfalten und eine starke nicht
sehr lange BasaUameUe (lam. superior). Die Zahl der faden-
förmigen Gaumenfalten, welche etwa 3 mm tief in der Mündung
anfangen und sich durch den ganzen letzten Umgang fortsetzen,
ist variabel. In der Regel sind 6 — 7 stärkere und dazwischen
mehr als das doppelte an feineren Lamellen vorhanden. Bei
ausgewachsenen Individuen ist der Mundsaum ein wenig um-
geschlagen. Buchsweiler.
Ncmdna Vottzi Dcsa sp.
Tf. II, Fig. 17 a—e.
(Sandberger [l. c,J, pg. 230, Tf. XIII, Fig. 17. 1875; etc.)
Von dieser häufigen kleinen Nanina, welche Sakdbebgeb
mit der recenten Nahina minuiiuscula Mabt. (Sect. Macro-
chlamys) von Amboina vergleicht, liegen mehr als 100 Reste vor.
Das Gehäuse zeigt im grössten Durchmesser meist 10 mm, in
der Höhe 4,5 mm — 6 mm und hat 5 — 6 Umgänge, Dasselbe
ist oben flach gerundet, unterseits weit und durchgehend genabelt.
Die Nähte sind oben deutlich aber flach, unten tief. Der Mund-
saum besass scharfe Ränder. Die Schale ist dünn, glänzend und
zeigt mit Ausnahme der beiden Embryonalwindungen feine
Anwachsstreifen. Die Variabilität bezieht sich auf die Höhe und
51
die mehr spitze oder gerundete Form der Oberseite. Diese
Art ist bei Buchsw eiler namentlich in den weissen kreidigen
und den fein oolithischen Kalkstücken häufig.
Nemina occlusa F. Edw. sp.
Tf. n, Fig. 16 a-e.
(Sandbergeh [1. c], pg. 228, Tf. XIII, Fig. 15. — Edwards, Eoc. mollusca,
pg. 64, Tf. X, Fig. 10.)
Das Gehäuse hat 5 — 6 Umgänge, ist gegen 10 mm hoch
und gegen 15 mm breit. Die Form ist niedergedrückt, oben
und unten gewölbt und an den Seiten kantig gerundet. Die
Nähte sind flach, der verdeckte Nabel erscheint an Stein-
kernen fein stichförmig. Der Mundrand ist unten ein klein
wenig umgebogen, ein Umstand, der uns nicht daran hindern
darf, diese ihrem ganzen Habitus nach zu den Naninen gehörige
Species mit dieser Gruppe zu vereinigen. Die sehr dünne
Schale zeigt Anwachslinien, welche oft bündeiförmig zusammen-
gefasst sind. N. occlusa^ welche vom Untereocän bis in das
Oligocän (Isle of Wight) reicht, ist bei Buchs weiler ziemlich
häufig und unterliegt an diesem Orte auch einer gewissen Variabi-
lität. Dieselbe findet darin ihren Ausdruck, dass die Gehäuse etwas
kleiner, höher und runder erscheinen, sowie dass sie etwas
tiefere Nähte zeigen. Man kann solche extreme Formen als
/. conica bezeichnen, Tf. II, Fig. 16 d. Einzelne Exemplare
von N. occlusa sollen sogar noch ein braunes Längsband er-
kennen lassen; ich habe dasselbe bei Buchs weil er nie
beobachtet.
Sandbeboeb rechnete N, occlusa noch zu den Heliceen,
machte aber auf ihre nahe Verwandtschaft zu N. Moussoni Pfb.
(Habitat?) aufmerksam, und dürfte daher die Art vielleicht zur
Section Xesta gehören.
52
Patula oligogyra n. 8p.
Tf. n, Fig. 18 a— e.
Es ist die älteste bisher bekannte Species der Gmppe,
deren Vorkommen im Eocän noch unbekannt war. Das kleine,
flache Gehäuse hat einen grössten Durchmesser von 4 mm und
besitzt 4'^, Umgänge, welche ziemlich langsam an Breite zu-
nehmen. Die untere, weit genabelte Schalenhälfte ist teller-
förmig, die obere ist flach gewölbt. Beide Schalenhälften sind
durch einen Kiel geschieden und zeigen ziemlich tiefe Nähte.
Die charakteristische Sculptur besteht aus scharfen, etwas
gebogenen Querrippen, welche die ganze Schale, mit Ausnahme
des Embryonalgewindes bedecken. Auf der Unterseite schalten
sich noch zwischen die Querrippen unter dem Kiel hie und da
kurze, schwächere Rippen ein. Bei einem Abdruck konnte ich
ausserdem Spuren von Längslinien unter dem Kiel wahrnehmen.
Die Art scheint bei Buchsweiler sehr selten zu sein; ich
kenne nur 2 Steinkerne nebst den Abdrücken, ausserdem noch
einen isolirten Abdruck und schliesslich Spuren eines vierten
Individuums. Keine von den Hochheimer Pa^u2a-Arten, welche
ich mit derselben verglichen habe, steht unserer Art nahe; auch
von den lebenden Species gleicht ihr die alpine Fat solaria
Mkke. nur wenig.
Melix laacecostuUUa Sand. 1870 — 76.
Tf. II, Fig. 15 a— rf.
(Sandberger [I. c], pg. 229, Tf. XIII, Fig. 16.)
Das kleine nicht sehr stark gewölbte Gehäuse misst bei
den grössten Exemplaren 10 mm im Durchmesser und 6 mm
53
in der Höhe; dasselbe hat 4 — 5 Umgänge, welche durch tiefe
Nähte getrennt sind. Es ist oben flacher als unten und besitzt
einen tiefen, aber theilweise verdeckten, Nabel. Die Schale ist
vor der Mündung ziemlich stark eingeschnürt und letztere
erscheint ringsum gelippt. Die im Abdruck am schönsten erhaltene
Sculptur besteht aus unregelmässigen, theilweise aufgelösten
Querrippen, zwischen die sich eigenthümliche Papillen einschieben,
welche ich in der That für Haarpapillen halte. Dieselben gleichen
einem kleinen, erhöhten Punkt, welcher von einer vertieften
Binne umgeben ist. Im Abdruck pflegen die Papillen und bei
erhaltener Schale die Querrippen deutlicher hervorzutreten. Diese
Helix wurde von Voltz . als hispida-antiqua bezeichnet. Von
Sandbbböer wird sie mit der recenten Hx. pyrrhozona PhujL.
aus China verglichen. Diese zur Section Camaena gehörige Art
konnte ich durch die Güte des Herrn Professor Götte in der
Strassburger Sammlung vergleichen und glaube kaum, dass
Ex. Ictxecostulata hierher gehört. Eher dürfte dieselbe mit der
Section Oonostoma Held = Anchistoma Kob., so z. B. mit
der Caracolina Corcyrensis Partsch von Cephalonia verwandt
sein. Immerhin dürfte es kaum möglich sein, diese alte fossile
Art in eine bestimmte Section der lebenden Helices einzu*
ordnen. Die nur bei Buchsweiler vorkommende Art ist nicht
gerade häufig.
FomaUas SandbergeH Noul. 1868.
Tf. II, Fig. 6 a, b.
(NouLET, Mem, sur les coq. foss. d. Ter, deau douce du S.-O, de la Fr.,
11. ed., pg. 94. — Sandberger [1. c.J, pg. 235, Tf. XIII, Fig. 29.)
Das Gehäuse ist verhältnissmässig breit, kegelförmig, 1 0 mm
lang, 5,5 mm breit und hat 7 — 8 Umgänge, welche mit gebogenen
dicht stehenden Querrippen verziert sind. Die Querrippen sind
54
nicht alle gleich kräftig eDtwickelt und zuweilen alternirt eine
stärkere mit einer schwächeren Rippe, was jedoch durchaus
nicht immer der Fall ist. Auf der Unterseite ist ein deutlicher
Nabebritz vorhanden. Die Mündungsränder sind umgeschlagen
und bilden eine nahezu kreisförmige Mundung. Diese älteste
Pomatüis-ATi ist bei Buchsweiler ziemlich häufig, sie findet
sich auch bei Ubstadt und in Süd-Frankreich, woselbst sie bis
in das Unteroligocän hinauf reichen soll. Der kurzen, breiten
Form nach steht P. Sanäbergeri dem lebenden P. striolaius
PoBBO Yon Genua am nächsten.
Megalofnasiama turgidum Roms sp. 1868.
Tf. n, Fig. 5 a, fe, c.
(Sakdberger p. c], pg. 235, Tf. Xin, Fig. 28; etc.)
Vielleicht der Vorfahre der grösseren untermiocänen Megal.
pupa Bbn. von Hochheim ist bei Buchsweiler äusserst selten.
Das Gehäuse ist 12 nmi lang und halb so breit. Von den
6 Umgängen ist der zweitletzte am stärksten auigeblasen. Die
Schale ist nicht sehr dick und fast glatt. Die Nähte sind tief,
der Nabel ist schmal und die runde Mündung hatte einen wenig
ausgebreiteten Rand, welcher wenigstens theilweise bei einem
Exemplar vorhanden ist
Siraphostama shHatiim Desh.
Tf. n, Fig. 4 a, 6, c.
(Sandberger IL c], pg, 234, Tf. XIII, Fig. 25; elc.)
Verdient in sofern besondere Beachtung als Dkshatbs auf
diese Buchsweiler Species hin, sowie ayf St, laevigatum^ zuerst
55
seine neue Gattung Strophostoma begründete \ Die ausgezeichnet
schöne und seltene Art liegt mir in 6 Exemplaren vor. Das
Gehäuse ist mit einem scharfen Kiel versehen, welcher sich erst
kurz vor der viereckig -gerundeten Mündung verliert, an der
Stelle, wo dieselbe sich nach oben zu drehen beginnt. Der
grösste Durchmesser beträgt 23 mm, die Höhe 8 — 9 mm
und es sind 5 Umgänge vorhanden. Die Oberseite hat sehr
flache Nähte. Die Unterseite ist weit und tief genabelt. Die
Sculptur der Schale besteht aus dicht stehenden, unregelmässigen,
öfters verzweigten Querrippen, welche unten etwas stärker
hervortreten als oben und an einigen sonst gut erhaltenen
Exemplaren fast ganz abgerieben sind. Ein Stück lässt rost-
braune, aufgelöste Bänder auf der Oberseite erkennen, welche
wohl Spuren der ursprünglichen Färbung sind. Nur bei ß u c h s-
weiler.
Carychiopsis qtMdridens n. sp.
Tf. II, Fig. 7 a, b.
Diese Species unterscheidet sich von den beiden anderen
Carychiopsis* Arten, C. DoArwi Dbsh. sp. von Jonchery (Unter-
Eoc.)und C. co^/tiZa/a Sandbebgeb von Hochheim und Tuchoric
(Unter-Mioc.) dadurch, dass dieselbe glatt ist und nur feine, aber
deutliche Anwachsstreifen zeigt, was sie den typischen Carychien
nähert. Die Mündung und die Anzahl der Zähne haben mich
jedoch bewogen, dieselbe bei Carychiopsis unterzubringen. Die
kleinen Steinkerne messen 1^6 mm in der Länge, 0,9 mm in
der Breite und haben 5 Umgänge. Die Gestalt ist eiförmig
zugespitzt, die Nähte sind tief. Die ziemlich schmale, wenig schiefe
Mündung ist durch 4 Zähne eingeengt, von welchen 2 auf der
1. Ann. des sciences^ 1. s6r., XIII, pg. 287, Tf. XI.
'
56
Spindelseite resp. Mündangswand und 2 auf der Gaumenseite
stehen. Von den Zähnen auf dem äusseren Mundrand ist der
obere etwas stärker als der untere. Auf der Spindelseite hin-
gegen ist der untere, ziemlich senkrecht stehende Zahn grösser
als der obere. Alle präparirten Exemplare zeigten völlige Gon-
stanz der Zähne. (7. quadridens ist bei Buchsweiler nicht
sehr selten, wird aber wegen ihrer Kleinheit leicht übersehen.
CalycuUna Castrense Nodl. sp. 1857.
(Sanoberger [l. c], pg. 321, Tf. XIII, Fig. l->la etc.)
Die einzige bei Buchsweiler vorkommende Art, welche
ich nicht besitze. Sie findet sich nur in den grünen Mergeln
und fehlt gänzlich im Kalk. Es ist eine kleine, nahezu kreis-
runde Art mit enggestellten, concentrischen Anwachsrippen. Nach
NoüiiET ist dieselbe 6 mm lang und 2,6 mm dick. Samdbebgeb
bUdet in den Ld. Sw. C, Tf. XIII, Fig. 1, la die beiden
Klappen ab. Dieselben sind recht verschieden von einander, und
es ist leider nicht dabei bemerkt, ob sie dem gleichen Individuum
angehören. CalycuUna Casirense ist ausserdem von Castres,
von Augmontel und von Labruguiere bekannt.
57
Nachdem wir so die einzelnen Arten aufgeführt und kurz
charakterisirt haben, wollen wir versuchen, zum Schluss durch
einen allgemeinen Ueberblick ein Bild von der gesammten
Schneckenfauna zu entwerfen.
Aus dem oberrheinischen Mitteleocän sind im ganzen 28 sicher
bestimmte Arten bekannt, von welchen 7 durchaus neu sind. Von
diesen 28 Arten finden sich 27 bei Buchsweiler und 1 6 derselben
sind ausschliesslich dieser Lokalität eigenthümlich. Die Arten ver-
theilen sich auf 21 Genera und sind alle reine Süsswasser- oder
Landbewohner, so dass sich keine Spur eines brackischen Ele-
mentes in der Fauna bemerkbar macht. Von den genannten
Gattungen sind 5, nämlich ParmaceUina, Palaeostoa, Strophosto-
ma, Carychiopsis und Euchilus, in der Jetztwelt erloschen. Der
zoogeographische Habitus der anderen Genera und Species ist
auf der Schlusstabelle nach Möglichkeit zur Anschauung gebracht.
Wir finden, dass derselbe ein sehr gemischter, nicht einmal
durchaus tropischer ist. Es begegnen uns verwandte lebende
Formen in den verschiedensten Welttheilen, eine Thatsache, die
uns bei einer so alten Fauna als derjenigen von Buchsweiler
nicht befremdet. Auffallend ist das starke Ueberwiegen der Gas-
tropoden gegenüber, den Zweischalern, welche nur in einer ein-
zigen Art, Cdlyculina Castrense Noul. sp. in den grünen Mergeln
vertreten sind, während von dieser sogar jede Spur im Kalk-
stein fehlt. Es ist mehr als die doppelte Zahl von Landbewohnern
gegenüber den Wasserbewohnern vorhanden; jedoch treten die
letzteren durch ihren Individuenreichthum in den Vordergrund.
Die Wasserschnecken lebten wohl alle in den stehenden Ge-
wässern des Sees. Von den Landbewohnern liebten die meisten
feuchte Standorte und hielten sich dicht an der Erde unter
68
Moos, Steinen oder im üferschilf auf, wie Succinea, ParmaceUina,
Cionella^ Aeeca, Glandina, Nanina und Carychiopsis. Der
jurassische Kalkboden, welcher die Unterlage und Umgebung
des Sees bei Buchsweiler bildete, bot den zahlreichen Conchylien
die günstigsten Bedingungen zu ihrem Gedeihen; so finden wir
denn auch kalkliebende Genera, wie z. B. PomaticiSy welche
hier zum ersten Male und zwar in Menge auftritt. Die ver-
hältnissmässig beschränkte Artenzahl gegenüber anderen Faunen,
wie deijenigen des Süsswasserkalkes von Hoch heim z. B., mag
darin ihren Grund haben, dass wir es bei Buchsweiler mit
einem sehr beschränkten Gebiete zu thun haben und der jeden-
falls kleine See wohl nur von unbedeutenden Flüsschen oder
Bächen aus der Nachbarschalt gespeist wurde. Die grosse Indi-
viduenzahl hingegen spricht dafür, dass einerseits die um-
wohnenden Conchylien günstige Lebensbedingungen fanden, und
dass andererseits längere Zeit hindurch die gleichen Bedingungen
andauerten.
Noch ein auffalliges Moment in dem Habitus der Fauna,
welches Erwähnung verdient, ist, wenn man so sagen darf, der
carnivore Charakter derselben. Baubschnecken treten sonst in
den Land- und Süsswasserfaunen immer sehr zurück, während
dies bei Buchsweiler nicht gerade der Fall ist. Die Olecunnen^
deren lebende Vertreter als Baubschnecken bekannt sind, bilden
bei Buchsweiler die artenreichste Gattung, indem sich drei Glan-
dinen und eine Bqltenia dort finden. Für ParmaceUina müssen
wir eine ähnliche Lebensweise annehmen wie für ihre nächsten
recenten Verwandten Testaceüa und Daudebardia; dieselben sind
beide lichtscheue, fleisclifressende Thiere, die sich von kleinen
Würmern und anderen Schnecken ernähren. Diese relativ hohe
Zahl von Camivoren deutet wiederum auf ein reiches Leben an
niederen Thieren hin, welches sich an den Ufern des Sees entfaltete.
Versuchen wir es am Schlüsse, auf Grund der allerdings
59
noch so lückenhaften, geologischen Thatsachen, uns eine An<-
schauung von den Bodenverhältnissen zu bilden, welche das
soeben behandelte Gebiet zur Mitteleocanzeit darbot.
Nachdem der obere Dogger zum Absatz gelangt war,
befand sich das südwestliche Deutschland offenbar in einer
Hebungsperiode und das Meer zog sich vom Elsass aus wie es
scheint nach Süden zurück. Es tritt alsdann eine grosse Lücke
in den geologischen Daten unseres Landes ein; vom oberen
Jura und namentlich von der Kreide fehlt jede Spur. Wir
können sogar fast mit Sicherheit behaupten, dass zur Kreidezeit
überhaupt keine Sedimentbildung im Elsass stattfand, denn wären
vorhandene Kreideschichten durch Erosion entfernt worden, so
würde man vermuthlich ihren Resten in den tertiären Conglo-
meraten begegnen, was niemals der Fall ist.
Nach dieser grossen Lücke folgen über den marinen Dogger-
schichten zunächst Süsswasserablagerungen , welche ihren orga-
nischen Einschlüssen nach als Mitteleocän zu bezeichnen sind
und die man ungefähr mit dem Pariser Grobkalk parallelisiren
kann. Eine einheitliche Wasserbedeckung, d. h. ein einziger
grosser Süsswassersee , war nicht vorhanden. Vielmehr machen es
die faunistischen und petrographischen Verschiedenheiten, sowie
der Habitus der einzelnen Ablagerungen wahrscheinlich, dass ein
ausgedehntes Festland mit mehreren kleineren Seen und Fluss-
läufen existirte. Das zahlreiche Auftreten von Landschneckeu,
sowie die Verbreitung der Landsäugethiere sind ebenfalls dieser
Annahme günstig. Vogesen und Schwarzwald bestanden keinen-
falls in ihrer heutigen Form ; auch konnte von einem Rheinthale,
wie uiiserem jetzigen, nicht die Rede sein, indem die grossen
Verwerfungsspalten, welche dasselbe einfassen und welche im
Wesentlichen die Form des späteren Oligocänmeeres bedingten,
wohl noch nicht oder nur theilweise vorhanden waren. Im Elsass
selbst und in den umliegenden Ländern hatte zu jener Zeit
60
lokal schon die Bohnerzbildang begonnen, welche noch lange
Zeit hindurch fortdauerte, jedenfalls bis zum Schlüsse des
Obereocans. Wir haben somit Bohnerze, die älter und solche die
junger sind als der Buchsweiler*Kalk; femer scheint es auch
noch Bohnerze zu geben, welche mehreren Etagen des Eocans
zusammen entsprechen.
Wir haben es im allgemeinen im mittleren Europa mit einer
Continentalepoche zu thun. Fast ganz Deutschland, die nördliche
Schweiz und ein grosser Theil Frankreichs waren Festland und
dieses Festland wurde im Norden und Nordosten von dem anglo-
gallischen und der Bucht des Pariser Grobkalkmeeres, im Süden
und Südosten von dem alpinen Nummulitenmeere umspült'. Im
südUchen und südöstlichen Frankreich herrschen ähnliche Be-
dingungen wie im Südwesten von Deutschland, und wahrscheinlich
sind weitverbreitete Arten, wie z. B. der PL pseudammonius^
von dort her zu uns eingewandert. Auch die Lophiodonten,
deren Haupttummelplatz ja Frankreich war, konnten sich auf
diese Weise weithin nach Osten ausbreiten, wo man ihre Reste
noch nördlich von dem Schwarzen Meere gefunden hat.
Zur Mitteleocänzeit war der wichtigste und zugleich wohl
auch der älteste der rheinischen Seen derjenige von Buchs-
weiler. Er war an&ngs flach und umwaldet, zur Zeit als die
pyritischen, grünen Mergel und die Braunkohle sich bildeten;
nur wenige Sump&chnecken bewohnten denselben. Mit der Zeit
vertiefte sich der See und aus seinen klaren, kalkhaltigen Ge-
wässern schlug sich ein Gestein nieder, welches uns Spuren
eines reichen Lebens bewahrt hat. Ftopdlaeoiherium und
LopModon^ von welchen das letztere wohl eine ähnliche Lebens-
weise wie der Tapir führte, überwiegen unter den Säugethieren.
Auch findet sich eine von jenen eigenthümlichen Formen, die
I . Ueber die VerUieilang des Meeres nod FesUaDdes zor Mitteleocänzeit vergl.
HiBCKT^s ioteressanteD and wichtigen Aofsab. Bull. soc. ged. Fr. (2.) T. X\U PL XVI.
61
als Bindeglieder zwischen der Familie der Schweine und der
Aflfen stehen, wie dies schon der glücklich gewählte Name
Cehochoenis ausdrückt. Schildkröten und Krokodile deuten auf
den tropischen Charakter der Reptilienfauna hin. Der zahlreichen
Teich- und Sumpfschnecken, sowie der eingeschwemmten Land-
conchylien wurde schon des Näheren gedacht.
Etwas jünger sind wohl die Süsswasserkalke, welche wir
vom Bischenberg^ von Bernhardsweiler und von Morsch-
weiler kennen gelernt haben*. Dieselben tragen keinen so rein
limnischen Charakter mehr. Hydrobien wiegen vor, Paludinen
fehlen, und von Landschnecken fand ich nur ein Fragment, das
zur Gruppe der Meg. mumia Lmk. sp. gehört; eine Gruppe, die
im obersten Eocän von Mülhausen reichlich vertreten ist. Es
scheint, dass das helvetische Meer zu jener Zeit sich von Süden
her dem Sundgau näherte; vielleicht sogar zeitweise einbrach
und, eine flache Bucht bildend, die Mergel (mit Gyps und Stein-
salz?) im Liegenden des Brunnstatter Kalkes absetzte.
Mit der Zeit gewinnt jedoch das Süsswasser die Oberhand.
Wahrscheinlich ist, dass ein grösserer Fluss von Norden oder
Nordwesten her in die Sundgauer Bucht einmündete (Blätter-
sandstein von Spechbach). Es bildet sich der Melanienkalk
von Brunnstatt, Klein- Kembs etc. Seine Fauna ist keine
rein limnische {Melania, Melanopsis, Valvata^ Nematura, Neritina) ;
sie deutet auf den Absatz an einer Flussmündung hin und kann
die Nähe des Meeres (Älexia) nicht ganz verleugnen.
So wären wir bei der zweiten Tertiärstufe angelangt,
welche für den Elsass von Bedeutung ist, und es soll im nächsten
Kapitel versucht werden, die wichtigsten geologischen Verhält-
nisse derselben, soweit sie bekannt sind, in aller Kürze darzulegen.
1. Ob die Bydrobiei^tÜhrenden Schichten von Danendorf (Brunnen im Ort),
welche betrachtlich höher liegen als die alten Gruben (mit Lophiodon)^ denselben
beizuordnen sind, moss ich leider noch unentschieden lassen.
Tabellarische Uebersicht der Buchsweller Conchyllen-Fauna.
* bexelchnet Oenai«, welche aoa JUteren ScliiclUeii bisher nicht bekaimt Biad; h h = sehr h&nfi^; h ^ bAnfig i
' h ^ liemlieh h&uflg ; s s = sehr selten ; — bezeichnet 6mm Fehlen ; + Vorhonunen ohne HAaflgkeitean^nbe.
I.
Baehs-
weiler.
1.
Paludma Hamm9ri Dsrn
Puludina OrbigngOMa Dbsh.
S- I Euehäus Dttdäensianum Dbsb. sp.
4. I Hffdrobia DoHendor/enMu nov. sp. .
U.
Andere
Fond-
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Fnnk-
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Zooffeographiaeher Unbitns
und andere Bemerkungen.
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5. ' Hjfdrobiaf Tenchiedene tp.
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€■ . Pltmorhi» pMndmmmonüu Schl. sp. I h h
7. • Piattorü» OhtriUri Dbsh-
8.
Liflsata oI»mXa Roms.
9.
Limmea MiAtlmi J>mmb.
10.
Sueeimea pmUioimm Roms
11.* ' ParmaeeUina vUrhuBformi* Savd. .
IS.* BoUtnia fcrt« Rovis sp.
IS. QUmdima CordUri Dbsb. sp.
j 14. Qlmtdina Rkenana nov. sp.
S 8
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15.
Qia»iiMa Dteekei nov. sp.
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l^* , Citm^Ua /orsucuM Rocxs sp. . . .
17,* ' JLscco BSttferi nor. sp.
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]^ Pup« BmxoriUana noT. sp.
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19 * Pmtmeo^toa Fomtenayi Rouis sp. . . ! x b
^^ Claimita d«iwieo«fnlafa Saud
21,« Namima VoUMi Dbsb. wp.
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oc^m»m F. Bdw. q».
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S3« Pmimlm oUfofyra nor. sp.
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IS.« B»aiafiat Smmdb«rf*ri Kodl. .... x h
16.
fnrn'rfnsi Ror. sp. ss
27.
SfropAostoma ttrimimm Dbsb.
18. €iary<Miop*i» qmmdrid^n» noT. sp. .
BS
- I
trop.
trop.
asiatisch.
nostnllseb. Fossile Gnttnnf.
nostmlisch.
meist Steinkeme n.
nnbestimmb.
trop.
amerikanisch.
1
1
— I — I trop. aslatisrh.
— I oceaniseh.
SS
trop. amerikanisch. Central Ä.
— 1 trop. amerikanisch.
— 1 — 1
— nördliche Hemisphire.
enn^piiseh.
— foss Gmppe.
— I foss. Omppe. Hab. trop.
1
— foas. O. (6. Conaliri«:.
— ; trop. insal. ind. or.
_ I _
trop. iBsal. ind. or. Ameh OUcoc^^-
— (öeü. Hemisphire).
— mediterran.
meditemB.
— trop.
Indiseh.
S9. Csl3f<«lsaa Oatfmisc Koci,. sp. . . .
— f<
G. Hab. trop.
— foss. G. Hab. der
Zone.
BordL Hemisphire.
IL
DER MELANIENKALK
ODBB
BRUNNSTATTER-KALK.
DER MELANIENKALK
ODER
BRÜNNSTATTER-KALK.
In Bezug auf die geologischen Verhältnisse der hierher
gehörigen Schichten ist die unten erwähnte Arbeit von Köchlin-
ScHLUMBEBasB uud Delbos durchaus grundlegend. Die ein-
zelnen Daten, welche sich auf diese Schichten beziehen, sind
mit grosser Sorgfalt darin gesammelt und zusammengestellt.
Wir können uns daher im Wesentlichen darauf beschränken,
das dort angegebene, soweit es wichtig erscheint, nebst einigem
neu hinzugekonmienen kurz anzuführen. Was die palaeontolo-
gischen Verhältnisse angeht, so sind dieselben allerdings einer
gründlichen Revision bedürftig, dieselbe konnte jedoch nicht
ganz nach Wunsch vorgenommen werden, aus Mangel an einem
hinreichenden Material, zumal da mir die Museen von Basel und
Mülhausen zu einer eingehenden wissenschaftlichen Unter*
suchung nicht zugänglich waren.
III.
66
Wichtigste Litteratur.
1848. Merian, P. Ueber die im SOsswasserkalke der Umgebong yon MQl-
hansen aufgefandenea Schalthiere. Verhandlungen der na-
tnrforschenden Gesellschaft zu Basel, VID, pg. 33—35.
1857. Meter, H. v. Palaeotherium medium yon MQlhausen. Leonhards
Jahrbuch. Bhefl. Mittheilung, pg. 555.
1859. Heer, 0. Flora tertiana HelTetiae, 111, pg. 311.
1867. Delbos, J., et KOchun-Schlumberger, J. Descriplion g6ol. et
minöral. du döpartement du Haut-Rhin, T. 11, pg. 14—38.
1870. Greppin, J. B. Le Jura Bemois et Oistricts adjacents. In den
Mat6riaux pour la Carte g6ol. de la Suisse, \1U. livr. Berne,
p, 159.
1870 — 75. Sai«dberger, Fr. Die Land- und SOsswassercoochylien der
Yorwell, pg. 322—327.
1877. Zt)Ni>EL, G. A., et BIieg, M. Noüce snr quelques sondages aux
enyirons de Mulhouse et en Alsace. Bull, de la Soci^tö in-
dustrieUe de Mulh., XLYD, pg. 631.
Zum obersten Eoc&n gehörige Schiebten sind im Rhein-
thale wesentlich auf den Ober - Elsass beschränkt Es findet
sich ein weiteres Vorkommen bei Klein-Eembs, in Ober-
Baden, einem nahe am Rhein gelegenen Orte, und ausserdem
noch ein kleiner, vereinzelter Ealkfetzen bei Moryillars in
dem jetzigen Departement du Hant^Rhin. Weiter abwärts im
Rheinthale, sowie im Mainzer Becken fehlen analoge Bildungen
durchaus. Die Hauptmasse der besprochenen Schichten bildet
im Sundgau und zwar südlich von Mälhauseu eine zusammen-
hängende Ablagerung, deren Grenzen etwa durch folgende Orte
gegeben sind: Mälhauseu im Norden, Nieder-Spechbach
und Altkirch im Westen, Schwoben und Sierenz im
Süden, Elein-Eembs im Osten. Auf diesem Gebiete treten
die Schichten jedoch keineswegs überall zu Tage. Sie werden
67
auf dem bei weitem grössten Theil der Oberfläche von jüngeren
TertiärBchichten {Blättersandstein', Fischßchiefer, Cyrenenmerget'
und GypEi), von mächtigem Diluvium (Löss) und Alluvium bedeckt.
111 und Bheio babeo ihre Thäler in das wellige Kalkplateau
eingegraben und an der Stelle, wo der Bheio sein breites
X4rUsiUEis nr VeunHbaDlIcImnt der I.iictriu>(iT«riilltii]He dei Malultnkalk» Im Sood-
gta, I. Th. uch d«r te«]. K>ne tod X»cblls-Scbliunbsrfer. O Vorkommen tob He-
luLenkilk all dJchlBr KsIkXalu oder feine lulklffe Holiiue wie bei LDmKbweller,
Köulseeu ate.; 0 undlg« AUBbJlduD« dea Melulenkalbea (SpecbbwJi)i ...-Vm-
grtuDng dei OebleUa; X BltHerMDdjleln (et«* 4 fanlllei); • HeleltEKblcbUn i
Umgrlotiuig ; ^ Ojpi TOB Zlmmenbelm ; • C; raDenmerfel Imune t cjrtnea} j
Verbladniig«HBlfl.
Strombett Behuf, ist der Ealk wohl vollständig erodirt worden,
BO dftSB jetzt kein Zusammenhang zwischen dem Kalk von
1. Die Ansdrficke Blatt ersandsteln Igris i feullles) und C;reacnmergel (marnet
t cjrjnes) sind nicht mit d«n im Ualnzer Becken üblichen Bezeichnanges fQr gewiue
Miodn- nnd OberoUgocan-ScbicbleD zu identlfiifrea.
68
Klein-Keinbs und demjenigen der elsässer Seite mehr an-
zunehmen ist. Ausserdem ist es wahrscheinlich, dass die Kalk-
decke früher im Westen über Altkirch hinaus bis in die Gegend
von Delle reichte, wo sich noch der letzte Ueberrest bei Mor-
villars findet. An den beiden am weitesten von einander ent-
fernten Punkten, im Osten und Westen, bei Rlein-Kembsundbei
Morvillars ruht der Melanienkalk auf dem Jura auf; doch schal-
ten sich an dem erstgenannten Punkte noch Bohnerzthone an
der Basis dazwischen ein.
Das Profil von Elein-Eembs mag nach den Angaben
Gbeppins kurz angeführt werden (pag. 161):
1. Ackerboden und Lehm.
2. Grüne Mergel und grauer Kalk.
3. Bräunlicher bituminöser Kalk mit Melania Lauras etc.,
20 bis 30 m.
4. Mergel und graue Kalke mit Paludina vwiparoides (?)*,
7 m.
5. Bothe, bröcklige Thone, 3 m.
6. Bothe, fette Bohnerzthone überlagern den Jura, 4 m.
Anders verhält sich die Lagerung in der Mitte des Sund-
gaues, wo verschiedene Bohrungen in der Gegend von Mül-
hausen gezeigt haben, dass sich im Liegenden des Melanien-
kalkes noch zum Tertiär gehörige Mergel befinden. In der
oben erwähnten Arbeit von Zündel und Misa sind einige
dieser Bohrungen auf einer Tafel graphisch zusammengestellt.
Wir geben in Fig. 3 eine Copie der beiden für den Melanien-
kalk wichtigsten Bohrprofile. A. stellt das Profil des »Puits
Heidet« dar, welcher auf der Höhe desMülhauser Bebberges
98 m tief niedergebracht wurde. Man fand 8 m Löss, 67 m
1. er. pg. 77.
69
Süsswasserkalk und dann 18 m blaue Mergel. Nicht weit da-
von, im zoologischen Garten (ß.), erreichte man 66 m Tiefe.
Zuoberst fand man Löss, über dessen Mächtigkeit keine Notiz
vorliegt, dann bis zu 62 m Tiefe Süsswasserkalk mit einem
kleinen erdigen Braunkohlenflötz bei 44 m und drang schliess*
lieh noch 4 m tief in die blauen Mergel ein.
Aus diesen Beispielen
geht zur Genüge die bedeu-
tende Mächtigkeit hervor,
welche der Melanienkalk
südlich von Mülhausen
erreicht. Was die liegenden
Mergel betrifft,- so wissen
wir nur wenig über die-
selben; sie sollen ganz
fossilfrei sein und dürfen
keinenfalls mit den ander-
wärts im Elsass verbrei-
teten oligocänen (tongri-
schen) Meißeln verwechselt
werden. Im Norden schnei-
det der Melanienkalk auf-
(Nach Zflndel und Mieg) A. Pults Heldet; B. Poita du
fallend scharf gegen die Jardln soologiqne ; L. = DUnyiam ; S\t. K. =
i. - T»'iJ -.1. obereoctoer Kalk: Mg. = eocAne Ifergal;
oligocänen Büdungen ab ^^ ^ BraunkohlenaSU = N. R. Niveau de^
und selbst Bohrungen über RÄunioM-piatie« in Müihausen.
200 m haben denselben nicht in der Tiefe angetroffen. Bei
Dornach fand man jedoch unter dem Oligocän, petrographisch
abweichende, dunkle Mergel, welche Steinsalz und Gyps führten.
Es ist wahrscheinlich, dass diese Mergel den Melanienkalk unter-
teufen ; auch Mieg ist geneigt, dieselben als Eocän anzusehen. Wenn
man hingegen diese Mergel mit dem Gyps von Zimmersheim,
70
Bamlach etc. vereinigen wollte, so wäre die Annahme einer
Verwerfung nöthig.
Die Lagerung des Melanienkalkes ist im ganzen Gebiete
eine nahezu ungestörte, horizontale und man nimmt nur zuweilen
ein schwaches Einfallen wahr. Im allgemeinen scheint die Regel
zu gelten, dass das Einfallen nach den Rändern der Ablagerung
zu stattfindet, abgesehen von lokalen Faltungen (z.B. bei Brunn-
statt) und kleineren Verwerfungen (z. B. bei Die den heim).
Der petrographische Charakter der Schichten ist im Ganzen
ein einförmiger. Das Hauptgestein besteht aus einem in mehr
oder weniger dicken Bänken auftretenden, dichten, ziemlich
dolomitischen Kalk. Dieser Kalkstein besitzt einen muscheligen
Bruch und zeigt meist eine hellgraue, seltener dunkle, grau-
braune Farbe. Dieser typische Melanienkalk ist am schönsten
und mächtigsten im nördlichen Theil des Gebietes, so z. B. bei
Brunnstatt entwickelt. Aehnlich wie bei Buchsweiler trifit
man auch Kalkbänke an, welche aus einem fleckigen, breccien-
artigen Kalke bestehen. Eine solche Kalkschicht ist z. B. in
einem Steinbruche bei Geispitzen zu beobachten*. Neben
dem compacten Kalk konunen femer kömige Varietäten vor, so
der Kalk vom Lümschweiler, welche wiederam ihrerseits in
feinkörnige Kalkmolasseu übergehen. Diese finden sich unter
anderem in nicht sehr mächtigen Bänken beiKlein-Kembs und
bei Kötzingen. Im westlichen Theil bei Altkirch sieht
man Kalkbänke und Mergel mit Bänken von gelbem Kalksand-
stein wechsellagem. Bei Nieder-Spechbach schliesslich
1. D«r SleiBbradi auf den Weg tm Siereai sadl Gei spitieo zeigt folgende
UgcraagSTerlilloiisse : Obe« Uss» das» gmUtae, AOers schiefrige Mergd, mdirbch
we^selnd mil geU>ea Kilksudstein. Die Meffd enUialtea imreüea verkohlte Pflanieo-
sporaL Daraater folgt iediiger Kalk, seUiessIidi graaer, coaipaeter Kalkstein. Die
zahlreichen Klllfle sind mit dicken Krusten von Kalkspath tberzogen. Bin schwaches,
slktwestikhes KinfhUea ist
71
überwiegt, wenigstens in den tieferen Schichten, die sandige
Facies vollständig. Zwischen die Kalkbänke sind oft Mergel-
schichten (namentlich bei Kotz in gen) eingeschaltet, und zu-
weilen trifft man auch dünne Flötze von erdiger Braunkohle
an. Das bekannteste derartige Braunkohlenvorkommen ist das
von Illfurt, welches zu Anfang dieses Jahrhunderts Veran-
lassung zu mehrfachen Nachforschungen nach Braunkohlenlagern
gab. Man fand jedoch nur ganz unbedeutende, wenige Genti-
meter dicke Flötzchen von geringer Erstreckung.
Als besondere Eigenthümlichkeiten sind noch die im
Biedisheimer Steinbruch vorkommenden Homsteinconcre-
tionen zu erwähnen, welche zuweilen verkieselte Limneen und
andere Süsswasserconchylien einschliessen, also sich an Ort und
Stelle gebildet haben. Femer erwähnt Delbos das Vorkommen
einer dunkelbraunen bis schwarzen, sehr phosphorsaurereichen
Erde, welche Bruchstücke von Melanienkalk und verwitterte
Knochen enthält. Dieselbe findet sich nur auf dem Britzy-
Berg östlich von Illfurt.
Während die sandigen Schichten vorwiegend pflanzliche Reste
enthalten, sind die dichten Kalke namentlich von thierischen Resten
erfüllt und die plattgedrückten Schalen von Melanien bedecken oft
zu Hunderten die Schichtflächen. Der einzige Steinbruch, welcher
wohlerhaltene, bestimmbare Pflanzen geliefert hat, ist deijenige von
Nieder-Spechbach; derselbe ist jetzt vollständig verlassen.
Heeb hat folgende 31 Arten von dieser Lokalität beschrieben ^
1. Pteris Ruppensis Heeb.
2. Carex tertiana Heeb.
3. Salix varians Goep.
4. Salix Lavateri Heeb.
1. Diese Arten sind auch in Delbos und KOcHLiii-ScHLUMBEaGEa, DescHpt.
pg. 17, aufgefährt.
72
5. Myrica Crraeffi Heeb.
6. Myrica Siuderi Heeb.
-f-7. Beiula micropkylla Heeb.
8. Qt4ercu8 lonchitis Ung.
-f-9. Quercus Schitnperi Hbeb.
4-10. Qtterctis Koechlini Heeb.
1 1 . Laurus primigenia Ung.
-f-12. Dryandra gracäis Heeb.
13. Dryandra SchrancJdi Stebkb.
14. Dryandroides Ugnitum Ung. sp.
15. Diospyros brachys^ala Ab. Bbong.
16. Echitonium Sophia Web.
17. Myrtus Dianae? Heeb.
+ 18. CaUistemophyüum Mougeoti Heeb.
+19. CaüistemophyUum Mühlenbechi Heeb.
20. Eticalyptus oceanica Ung.
21. Celastrus EtHngshauseni Heeb.
22. Celastrus pseudo-üex Ettingsh.
+23. Hex primiformis Heeb.
24. Zieyphus tUiaefolius Ung. sp.?
25. Paliurus tenuifolius Heeb.
26. Rhus Pyrrhoe Ung.
+27. Crataegus alsatica Heeb.
28. Caescdpinia Haidingeri Ettingsh.
29. Äcacia Parschlugiana Heeb.
30. Mimosites Haeringiana Ettingsh.
+31. PhyUites Buchingeri Heeb.
Ausserdem findet man in dem Melanienkalk selbst un-
bestimmbare Pflanzenstengel und Gräser, sowie :
Chara helicteres Bbg. bei Klein -Kern bs. Die Weiden
{Salix varians) und Eichenblätter überwiegen in der Flora der
Masse nach. 9 Arten, welche mit + bezeichnet, sind für den
73
Fundort Spechbach eigenthümlich. Bemerkenswerth ist ferner,
dass Cinnamomum^ welches in den übrigen jüngeren Blättersand-
steinen des Elsasses durchaus prävalirt, hier ganz fehlt. Ebenso
hat Spechbach keine Palmen geliefert.
Die Fauna ist im ganzen ärmer als die Flora, jedoch ist
ihre Verbreitung eine grössere. Es wurde bisher folgendes
gefunden :
I. Wirbelthiere.
Pidasotherium mediu/m Cuv., von H. v. Matee be-
stimmt. Ein Unterkiefer^ und vereinzelte Zähne aus dem Brunn-
statter Steinbruch. Ferner ein isolirter Eckzahn von Bix-
heim. Ich möchte letzteren auch zu P. medium stellen und
ihn als linken, oberen Caninen ansprechen, indem er nur an
seiner vorderen Schmelzkante eine schwache Usur zeigt. Güvieb
gibt folgende Beschreibung des Palaeotherium-EckzahneQ. Oss.
foss.j III, pag. 6. «La canine n'est polnt une defense . . . .,
c'est un simple cöne oblique, un peu arqu^, dont la face in-
terne est un peu plane, et Fexteme plus qu'un demi-cöne. Les
faces sont distingu6es par deux arStes longitudinales et leur
base est entour^e de la mfime ceinture que Ton voit aux mo-
laires.** Alles dies gilt für unseren Zahn, nur dass die In-
nenseite recht stark abgeflacht ist. Der Zahn ist auf Tf. III,
Fig. 17 wegen seiner auffallenden Form, abgebildet*.
Theridomys sp. Erwähnt Geeppin (p. 159) von Klei n-
1. Dieser Unterkiefer wird im Mnseum der Soc. indast. zu Mülhausen auf-
bewahrt.
2. Aus dem Badischen ist das VorlLommen von Palaeotherhim magnum Gdv.
in dem Sandstein von Pfaffenweiler südlich von Freiburg beliannt. Vermuthlich
gehören die Schichten zum Unt. Olig. Beitr. zur StatistilL der inneren Verwaltung
des Orossherzogthums Baden, XII, p. 20, 1862.
74
Kembs. Diejenigen Reste, welche mir von dieser Lokalität
vorliegen, erlauben nicht die Bestimmung der Species.
Schildkröten. Ueberreste einer Schildkröte {Emys sp.)
gibt Sakdbeboeb (pg. 327) von Klein-Eembs an. DsiiBOsund
KöcHLiN-ScHLUMBEBOEB (pg. 16) erwähueu Schildkröten? Eier
von Morvillars.
2. Conchylien des Melanienkalkes.
1. Neritina brevispira Sandbg., L. Sw. C, Tf. XVI,
Fig. 17, pag. 322. Als Seltenheit bei Klein-Kembs, ferner bei
Illfurt.
2. Melania Lauras Matb^bon. Als Md. Eschen
Bbong. v.Laurae Math, in Sanbbo., L. Sw. C, pg. 323, Tf. XVII,
Fig. 17. Diese häufigste Art im Brunnstatter-Ealk , welche oft
ganze Schichtflächen bedeckt und Veranlassung zu dem Namen
Melanienkalk gibt, gehört zu der Gruppe der M. Escheri.
Bbong. Von Mebian und Delbos wurde sie geradezu als
M. Escheri bezeichnet. Sakdbeboeb führt sie als Varietät Laurae
der obengenannten Art auf, und Gbeppin als M. Laurae
(= M. Koechlini Gbepp.). Die verbreitete Gruppe der M.
Escheri^ zu welcher wir wohl auch die üf. cdpina May. und
die M. aUngensis NoüIi. zählen müssen, reicht vom Eocän bis
in das Miocän, woselbst sie ihr Maximum erlangt. Sanbbeboee
unterscheidet 6 Varietäten der ächten Jf. Escheri. Im Oligo*
cän var. bicincta Sd.; im Miocän var. ecostata Sd., var. aquita-
nica (Noüii.), var. grossecostulata Sd. und var. rotundata Sd.
Die letzte dieser Varietäten, bei welcher namentlich die Quer-
leisten in grosser Zahl und sehr gleichmässig entwickelt sind,
findet sich im Miocän von Vermes bei Delsberg. Sie Uegt mir
in grosser Zahl aus der GnEPPiNSchen Sammlung vor. Diese
75
Varietät ist es, welche, wie schon SANBBEBaEB bemerkt hat, sich
der M. Laurae am meisten nähert. Sie gleicht namentlich
jugendlichen Exemplaren von Elein-Kembs, jedoch kommt bei
V. rotundata niemals bie knotige Sculptur auf der letzten Win-
dung zu Stande. Femer gilt noch als Unterschied, abgesehen
von der charakteristischen Sculptur, dass M. Laurae grösser,
gedrungener ist und eine rundere Mündung besitzt als der
Typus oder die Varietäten der M. Eschen.
Das im Alter decollirte Gehäuse der üf. Laurae hat eine
Länge von 50 — 60 mm, während die Breite gegen 20 mm (an
nicht comprimirten Steinkemen) beträgt. Bei ausgewachsenen
decoUirten Stacken zählt man meist G--? Umgänge, während
etwas jüngere, die noch nicht so stark abgeworfen haben, 8
Umgänge zeigen; die totale Windungszahl würde, wenn alles
erhalten bliebe, sich sogar auf etwa 17 Umgänge belaufen. Die
Spitze, welche sich an den zahlreichen jugendlichen Exemplaren
beobachten lässt, ist ungemein schlank. Die ersten 6 Windungen
messen zusammen nur 2 mm; auch sind dieselben glatt und
erst auf der 5. oder 6. zeigen sich Querleisten. Die Zahl der
Querleisten beträgt auf einem Umgang durchschnittlich 10 und
wird auf den unteren, breiten Windungen, wo sie in der Regel
ganz obliteriren, nicht vermehrt. Zwischen den Querrippen
stehen feine, unregelmässige Anwachsstreifen, welche nach der
Mündung zu gröber werden ; in dem Maasse wie die Querrippen
verschwinden. Ferner sind 4 — 6 Längskiele vorhanden, welche,
auf den unteren Windungen namentlich, stark hervortreten und
deren Zahl auf dem letzten Umgange meist 7 beträgt. An den
Ereuzungspunkten der Längskiele mit den Querleisten bilden
sich kleine Knoten ; ihre Zahl ist auf der letzten Windung sehr
vermehrt, indem auch die Anwachsstreifen sich an deren Bil-
dung betheiligen. Es entsteht auf diese Weise die für M. Laurae
so bezeichnende Gitterung.
76
Bei der grossen Häufigkeit ist natürlich eine gewisse Varia-
bilität nichts Auffallendes. Die Sculptur ist wechselnd stärker
oder schwächer ausgebildet und die E^nötchen erscheinen manch-
mal in der oberen Reihe etwas dornig.
Melania Laurae findet sich bei Klein-Eembs, Brunn-
statt, in den Steinbrüchen bei Mülhausen (Tannenwald),
bei Riedisheim, Nieder-Spechbach*, Morvillars und
wird ausserdem von Sakbbebgeb aus den Mergeln von Apt
erwähnt.
3. Mela/napsis (Macroaplra) Mumsiana Nodl. var.
Sandb., L. Sw. C, p. 324, Tf. XVIII, Fig. 2. Dieselbe unter-
scheidet sich von dem Typus, welcher im Palaeotherienkalk von
Süd-Frankreich vorkommt, durch ihre nicht so stark verlängerte
Spitze. Sie liegt mir von Klein-Eembs, Illfurt und
Nieder-Spechbach vor, wo sie überall ziemlich häufig ist.
4. Melanopsis ct. carinata Sow. vcM^m Neben Mela-
nopsis Mansiana findet sich bei Illfurt noch eine zweite Art,
welche durch ihre seicht ausgehöhlten Umgänge und ihren scharfen,
an der Naht dachförmig überstehenden Kiel leicht zu unter-
scheiden ist. Das ganze Gehäuse hat durchaus einen an PyrgtUa
erinnernden Habitus. Die englische M. carinata Sow. steht
unserer Art nahe. Sie ist sehr verbreitet und reicht vom Ober-
eocän (R all in gen) bis in das Mitteloligocän. Ich glaube, dass wir
unsere Art als Varietät derselben ansehen müssen, indem sie
sich folgendermassen unterscheidet : Sie ist schlanker und spitzer
und zeigt noch schärfere Nahtkanten. Die Mündung konnte ich
leider nicht untersuchen.
5. Newiatura? sp. Sandbo., L. Sw. C, pg. 326, Tf.
XVin, Fig. 9. Nur einmal bei Klein-Kembs gefunden.
1. Der für die Melanienkalk-Concbylien erwähnte Steiobrucb, zwischen Nieder-
Spechbach und Illfurt, ist nicht mit dem nahe dabei gelegenen Sandsteinbruch
zu verwechseln, welcher früher die Fflanxenreste geliefert hat.
77
6. Hydrobia indifferena Sdbg, L. Sw. C, pg. 324,
Tf. XVIII, Fig. 4. — Tf. III, Fig. 5. Die Steinkerne zeigen 5-6
Umgänge und messen 2,6 mm. Die Nähte sind tief, die Schale
ist fast glatt. Bei dem von Sandbebgeb abgebildeten Exemplar
dürfte der letzte Umgang verzeichnet sein; wenigstens begegnete
mir kein Exemplar, welches mit seiner Abbildung übereinstimmt.
Ziemlich selten bei Klein-Eembs und bei Brunnstatt. Schlan-
kere Exemplare von Hydrobien mit 6 — 7 Umgängen, welche
sich vielleicht an diese Art anschliessen, fand ich im Abdruck
bei Nieder-Spechbach.
7. Vaivata circinata Meb. sp., Sandbg., L. Sw. C, pg.
324, Tf. XVin, Fig. 5. Da das von Sakdbebgxb abgebildete
Exemplar etwas zu flach erscheint, so wurde auf If. III, Fig. 6
von neuem die Abbildung eines Steinkemes dieser häufigen
kleinen Art gegeben. Das Gehäuse hat keinen sehr weiten
Nabel, zeigt 3 --4 Umgänge und erreicht bis zu 1,5 mm Höhe.
Für eine so kleine Vaivata hätten wir es mit einer sehr hoch
gewundenen Form zu thun, welche in der Gestalt an Ämnicola
erinnert. Brunnstatt, Klein-Eembs, Nieder-Spechbach
und Rixheim.
? JPcaudina viviparoides Bronn. = P. Hammeri Defb.
wird von Gbeppin (pg. 160) von Klein-Eembs erwähnt. Weder
ich, noch so viel ich weiss irgend jemand anders, hat je im Mela-
nienkalk eine grosse Paludinen-Art beobachtet. Auch befindet sich
in der GsEPPiNSchen Sammlung kein Fossil mit der obigen Be-
zeichnung. Vielleicht dürfte ein Irrthum vorliegen.
8. NysHa polita F. Bdw. sp. Die beiden Stücke, welche
zu dieser Art gehören, stammen von Brunnstatt. Das kleine
decollirte Gehäuse hat eine Länge von 6 mm, eine Breite von
3,8 mm und zeigt 3 — 4 Umgänge. Die Nähte sind schmal und
die Windungen sehr flach. An dem am besten erhaltenen Stück
sind Spuren von einem Nabelritz zu erkennen. Die Mündung
78
ist spitzig eiförmig, der Mundrand ist am oberen Theil verdickt
und schwach, unten starker umgeschlagen. Diese im Obereocän
der Headon-Series verbreitete Art kenne ich aus dem Elsass
nur von Brunnstatt.
9. Planarbis cf. gonioboMs Sandbo. Derselbe wird als
PL rotundaius Bbabd. bei Dxlbob (pg. 17) von Brunnstatt
und Morvillars und bei Gseppin (pg. 159) auch noch von
Elein-Kembs erwähnt Das thatsächliche Vorkommen eines
wohl hierher gehörigen grossen Planorbis könnte ich femer bei
Eötzingen und Nieder-Spechbach beobachten. Die Art
ist selten und der Erhaltungszustand ungenügend.
10. JPlanarbis pateUa Sand., L. Sw. C, pg. 324, Tt
XVm, Fig. 6. Nicht häufig bei Klein-Eembs, Brunnstatt,
Mülhausen (Tannenwald) und Rixheim.
11. Plonorftfe sp. Sand., L. Sw. C, pg. 325. Noch ein
anderer kleiner «egmentiner Planorbis aus dem Melanienkalk
wird von Sandbsbgeb erwähnt, welcher zwischen PI. Chertim
(Ob. Eoc.) und PI. Lartetii (lüoc.) stehen soll. Ich habe mir
kein gutes Exemplar davon verschaffen können.
12. Limnea tnarginata Sand., L. Sw. C, pg. 325,
Tf. XVIII, Fig. 7. Die häufigste Limnea im Melanienkalk, deren
Mündung allerdings noch unbekannt ist In ihrer Form ist
diese lAmnea^ welche der L. strigosa Bsoiia. von Pantin sehr
nahe stehen soll, ziemlich variabel. Kleinere, spitze Exemplare
mit flachen Nähten und glatter Schale gleichen oft der L. elon-
gaia M. de Sebbbs aus dem Bembridge-Kalk. Alle 3 soeben
genannten Limneen gehören in die Gruppe des L. longiscaia
Bbgug., welche für das Obereocän bezeichnend ist Ganz typische
Exemplare sind häufig bei Klein-Kembs, abweichende Stücke
finden sich bei Brunnstatt, Altkirch, etc.
13. Limnea fusifamUs Sow. Dieselbe wird von Delbos
(PS* 17) aus dem Kalk von Morvillars erwähnt Steinkerne,
79
die wahrscheinlich hierher gehören, besitze ich von Brunnstatt.
Ferner liegt mir ein auffallend spitz aufgewundenes Steinkern-
fragment von Kötzingen vor, welches jedenfalls nichts mit
Z. marginata zu thun hat. (I]f. 111, Fig. 8 neben L. marginata,
Fig. 7, letztere Skizze nach Sandbeboeb XYIII, 7 a.)
14. Limnea polita Mee. ined. Tf. III, Fig. 10.
Mebian gibt folgende Beschreibung ohne Abbildung: ,,9 Win-
dungen, 9'/« mm lang, 3 mm breit, Naht kaum sichtbar.
Selten. " Sandbebgeb vermuthet, dass diese Limnea eine Oleacina
sei. Eine genau auf Mebianb Diagnose passende Form fand ich
nicht im Melanienkalk, jedoch liegen mir verschiedene Exem-
plare einer sehr schlanken Limnea vom Habitus unserer recenten
L. glabra Müll. vor. Es mag sein, dass Mebians L. polita
einen extremen Fall unserer ziemlich variablen Formen darstellt.
Das kleine, ungemein schlanke Gehäuse ist spitzkegel-
formig und besitzt sehr flache Nähte. Die Schale erscheint im
Abdruck fast glatt, kaum merklich gestreift. Bei einer durch-
schnittlichen Grösse von 12 mm sind meist 6 — 7 Umgänge
vorhanden, lieber die Mändung lässt sich noch nichts aus-
sagen. Selten bei Brunnstatt und Nieder-Spechbach.
15. Idmnea svbpoUta n. sp. Tf. III, 9— 9c. Steht
der vorigen Form sehr nahe und gehört auch zur Gruppe der
L. glabra. Sie unterscheidet sich durch ihre bedeutendere
Grösse und ihre relativ geringere Windungszahl. Das Gehäuse
ist spitz kegelförmig, am oberen Ende convex conisch. Die Nähte
sind sehr flach aber deutlich. Die Windungen sind kaum ge-
wölbt, mit Ausnahme des letzten, sehr niedrigen Umgangs,
welcher etwas gerundet ist. Die Form zeigt, bei einer Länge
von ungefähr 20 mm, 6 Umgänge und 6—7 mm Breite. Die
Grösse kann jedoch eine beträchtlichere werden, indem ein
Bruchstück, welches nur die 2 letzten Umgänge zeigt, die gleiche
Länge erreicht und etwa 8 mm Breite hat. Nach den Stein-
80
kernen zu urtheilen, war die Spindelfalte kräftig entwickelt.
Die Mündung war spitz eiförmig und sehr kurz. Die Schale
war glatt. L. sübpoUta findet sich bei Brunnstatt selten. In
etwas unsicheren Resten kenne ich sie femer von Rix he im
und aus den HomsteinknoUen von Riedisheim.
16. Idfnneact.erasstUaDEsn. Tf. III ^ Fig. U a, b.
Eine kleine, bauchige Limnea mit tiefen Nähten liegt mir von
Eötzingen vor. Dieselbe ist meist nur 7 mm lang, 5 mm
breit und hat 4 Umgänge; dass dieselbe viel grössere Dimen-
sionen erlangen kann, ist aus einigen Steinkemenfiragmenten des
gleichen Fundortes zu ersehen. Eines derselben, welches nur
2 Umgänge hat, misst 1 3 mm. Diese Limnea ist der X. oUvula
von Buchsweiler nicht unähnlich, gleicht aber noch mehr der
L. crassula Desh. aus demObereocän von Cherry-Chartreuve.
Sehr kleine Steinkeme (3 — 4 mm) von Rixheim, welche Gbbppin
als L. Ovum Bbg. bestimmte, dürften auch hierher gehören. Eine
sichere Bestimmung war deshalb unmöglich, weil die Mündung
unbekannt ist.
17. Olandina cf. costeUata Sow. sp. Ein Bruchstück
einer grossen Glandine sammelte ich bei Klein-Kembs. Die feine,
gekömelte Sculptur erinnert an diejenige der Gl. costeUata Sow.
sp. aus dem Bembridge-Kalk und von Villeneuve.
Heliceen kommen im Melanienkalk mehrere Arten vor, welche
alle recht selten sind. BIerian erwähnt deren drei ohne Benennung mit
folgender GharakterlBtik :
sp. a. « Gross, gewöhnlich plattgedrückt, mit Spuren eines Bandes,
25 mm Durchmesser, 4 — 4V« Windungen.»
sp. b. «Kleiner, 10 mm, 4 — 4Vt Windungen, ziemlich flach.»
sp. c. aGaoz klein, 4—5 Windungen, kegelförmig aufgerollt. Der
Abdruck der Schale ist gerippt oder fein gestreift.»
18. ? Strobüa pseu^doltMbyrinthica Sandr In die
Nähe von dieser Art dürfte vielleicht die von Delbob erwähnte
81
Helix lahyrinihica Sat. gehören und diese würde dann der sp.
c. von Mebian entsprechen. Die in Nord-Amerika recente 8t
Idbyrinihica Sat. steht der obereocänen SL pseudolabyrtnthica
Sanbb. (Headon-Hill S.) nahe, und diese wiederum der noch
wenig bekannten St suUdbyrinihica F. Edw. aus den Bem-
bridge Series, mit welcher sie vielleicht sogar ident ist. Ich
beobachtete nur einen kleinen Abdruck, welcher die erforder-
liche Sculptur und 5 Umgänge zeigte beiNieder-Spechbach,
als weiterer Fundort wäre Brunnstatt zu nennen.
19. SLelix sp. ined. Tf. III, Fig. 4 a, h. Von Delbob
und von Gbeppin wird Helix resp. Nanina occlusa F. Edw. sp. von
Brunnstatt erwähnt. Ich habe dieselbe bisher niemals von
dort gesehen. Hingegen liegt mir ein vereinzelter Steinkem
von diesem Fundpunkte vor, welcher etwa die Grösse der
N. occlusa hat und welcher, wenn er plattgedrückt wäre oder
sich nicht aus der Gesteinsmasse herauslösen liesse, wohl mit
dieser verwechselt werden könnte. Unsere Abbildung Tf. III,
Fig. 4 zeigt jedoch, dass wir es mit einer anderen Species
zu thun haben, indem schon allein der viel stärkere Kiel die-
selbe leicht von N. occlusa unterscheidet. Da die Mündung mir
unbekannt ist, muss ich auf die nähere Fixirung der Art ver-
zichten und möchte nur darauf aufmerksam machen.
20. Nanina KöcMini n. sp. (Wahrscheinlich die Species
a von Mebian) Tf. III, Fig. 3 — 3d. Aus dem Kalk von Brunn-
statt liegen mir 6 mehr oder weniger gute Steinkerne einer
schönen, grossen Nanina vor. Der Durchmesser beträgt 20 bis
25 mm, die Höhe gegen 12 mm und die Anzahl der Umgänge
beläuft sich auf 4 — 5. Das Gehäuse ist ziemlich weitläufig auf-
gewunden, niedergedrückt, oben flach gewölbt und war auf der
Unterseite jedenfalls verdeckt genabelt, wie dies der Eindruck
am Steinkern (Fig. 3 b, Tf. IIT) andeutet. Auf dem Steinkerne
erscheint der Nabel fein stichförmig. An der Peripherie war
IIT. 0
82
die Schale ohne jedwede Kielandeutung spitz zugemndet Die
Nähte sind sehr flach und die Umgänge sind mit sehr feinen,
unregehnässigen Anwachslinien bedeckt. Die schräge Hündnng
besass, mit Ausnahme des umgeschlagenen Spindelsaumes, scharfe
Bänder. Die nächst verwandte, fossile Art dürfte Nanina intri-
cala NouL. sp. sein, dieselbe ist jedoch nicht so flach und
überhaupt gedrungener als N. Koechlini und findet sich im
Unteroligocän von Mas Saintes Puelles und Villeneure.
2 1 . Megalanuutanha fnumia Lmu sp. (= Cydosioma
Koechlinianum Msbiak, in Sakdb., L. Sw. C, pg. 326, Tl XVIII,
Fig. 10, als Megdlom. Koechlinianum Meb. sp.) Auf diese im
Melanienkalk so häufig vorkoounende Megcdomastama wurde Ton
Mebiah zuerst hingewiesen; er nannte dieselbe CycL Koechlima-
num und gibt folgende Beschreibung: « Ausgewachsen mit 7
Windungen, 18 Vi nun lang. Aehnlich dem (7. Mumia Lmk.
aus dem Pariser Süsswasserkalk*'. Spätere Autoren, wie Delbos
und Gbkppik, Tereinigen dieselbe mit Jf. mumia^ während Sand-
BEBGEB dieselbe noch als eigene Species festhält Derselbe sagt
in seinen Land- und Sussw.-Conch., pg. 326: , Schon von Mebian
wurde die Aehnh'chkeit mit M. mumia hervorgehoben, sie ist
in der That sehr gross, doch zeigt M. Koechlinianum 9 statt
8 flachere, an der Naht kantige Umgänge, eine weit feinere
Sculptur und auch die Bänder der Mündung sind viel weniger
stark ausgebreitet als bei M. mumia.^ Beim Vergleich einiger
Exemplare aus dem Grobkalk mit einer grossen Zahl von Stücken
aus dem Melanienkalk konnte ich keinen wesentlichen Unter-
schied finden, der mich veranlasste die beiden Arten zu trennen.
1. Was die Anzahl der Windungen betrifft, so ist der von
Sandbebgeb angegebene Unterschied nicht stichhaltig. Sakb-
BKBasB sagt selbst an anderer Stelle, bei Beschreibung der
M. mumia j die Schale , besteht aus 9 flach gewölbten an den
Nähten gerandeten Umgängen **. Bei den Grobkalk-Exemplaren
83
sind allerdings häufig die Spitzen abgebrochen, während sie bei
den Stücken aus dem Melanienkalk in der Kegel erhalten sind.
2. Dass die Umgänge bei M. Koechlinianum flacher sind als
M. mumia, konnte ich bei gut erhaltenen Exemplaren nicht
wahrnehmen, höchstens hat dies den Anschein bei den so häufig
platt gedrückten Individuen. 3. Die eine Art hat an der Naht
kantige, die andere gerandete Umgänge; auch hier war es mir
nicht möglich, einen Unterschied zu constatiren. 4. Die Sculptur
ist bei meinen Exemplaren durchaus gleich. 5. Schliesslich sind
auch die Mündungsränder gleich weit ausgebreitet, wovon ich
mich namentlich durch Yergleichung von Wachsabdrücken der
Mündung von M. mumia mit entsprechend grossen, nicht defor-
mirten Steinkernen der M. Koechlinianum überzeugte. Meistens
lässt allerdings die schlechter erhaltene M. Koechlinianum fast
nichts von den Mündungscharakteren erkennen. Als einzigen
Unterschied möchte ich geltend machen, dass die Exemplare
aus dem Brunnstatter-Kalk, abgesehen von der Variabilität,
durchschnittlich etwas kleiner und dünnschaliger? (vielleicht
Erhaltungszustand z. Th.) sind, als die Pariser Stücke. Man
könnte hierauf kaum eine Varietät begründen. Wir schliessen
uns deshalb der Ansicht von Delbos und Gbeppin an und
bezeichnen die Megalomastoma-Att aus dem Melanienkalk als
Jf. mumia Lmk sp.
Das Auftreten dieser Art im Melanienkalk ist durchaus nicht
befremdend. M. mumia findet sich im oberen und mittleren
Grobkalk in den Sables moyens und reicht hinauf bis in den
Bembridge-Ealkstein. Aus dem Melanienkalk kenne ich sie von
Elein-Kembs, Brunnstatt, Kixheim, Flaxlanden,
Spechbach undMülhausen (Tannenwald) überall häufig.
22. Auricula (Alexiä) atsatica Mer., ly. III, läa—c.
Von Sanbbebgeb als Melampus alsaticus Meb. sp. beschrieben
und abgebildet (pg. 325, Tf. XVIII, Fig. 8). Die Gattung Melam-
84
pus* besitzt einen scharfen äusseren Muudsaom, was bei A. alsa-
iica nicht der Fall ist. Man erkennt deutlich die umgeschlagene
Lippe, wenn die Steinkerne noch im Gestein festsitzen und
noch nicht losgebrochen sind. Die oceanische Gattung Laimo-
donta, mit welcher Sandbeboeb A. dlsatica ganz speciell ver-
gleichen möchte, ist ebenfalls recht verschieden und namentlich
durch ihre äussere Spiralsculptur gekennzeichnet, von der bei
A. dlsatica jede Spur fehlt. Die schwierige Frage ist nun, in
welche Gruppe soll A. aUaiica eingereiht werden. Indem wir
dieselbe zu Alexia stellen, kommen wir in gewissem Grade wieder
auf die alte MEBiAKSche Ansicht zurück, welcher A. alsaüca
mit A. myosotis vergleicht. Hierbei ist jedoch festzuhalten, dass
manche fossilen Alexien, namentlich die älteren (im Oligocän),
von den reeenten und jängeren Formen abweichen und sich
der Gattung Pyihiopsis nähern. Sie zeigen grosse Neigung zur
Compression des Gehäuses. Zu diesen Formen, zu welchen z. B.
auch die Alexia depressa BöTxa. aus dem Cyrenenmergel und
die A. Böttgeri Met. aus dem Meeressand gehören, möchte
ich auch die A. alsatica rechnen.
Das von vom nach hinten comprimirte Gehäuse wird meist
gegen 12 mm lang, gegen 6 mm breit und gegen 4 mm dick.
Es besitzt 7 flache Umgänge, welche durch gerandete Nähte
getrennt sind, und hat eine dünne, fein gestreifte Schale. Auf dem
letzten Umgange befindet sich, der Mündung gegenüber, ein schrä-
ger Wulst. Dieser Wulst, welcher eine periodische Mündung andeu-
tet, erscheint auf der letzten Windung des Steinkernes als Furche.
Er entspricht den längs der ganzen Peripherie der Schale ver-
1. Die Eintheilung der Aaricoliden von Adams in zwei grosse AbUieilangcn
nach der Beschaffenheit des äusseren Mundrandes in: 1) Bielampidae mit scharfer,
2) Aaricnlidae s. s. mit verdickter oder umgeschlagener äusserer Lippe, ist unzu-
lässig und wurde nicht beibehalten. Melampus ist also nur als Gattungsname ge-
braucht.
85
laufenden Varices von Fythiopsis. Die Scheidewände der älteren
Windungen werden im Innern, wie bei den anderen Alexien,
beim Weiterwachsen vollständig resorbirt. Der rechte Mundsaum
ist lippenartig verbreitert und verdickt; in der Mitte zeigt er
einen sehr schwachen, schräg nach Innen laufenden Schmelzzahn.
Eine Neigung zum Umschlagen des Perisoms ist auch bei
anderen Alexien vorhanden. Auf der Mündungswand steht oben
eine kleinere, darunter eine kräftige, mehr horizontale Falte,
hierauf folgt die Spindel mit einer dritten Falte. Die Art findet
sich meist nur in Steinkernen, selten mit erhaltener Schale. Sie
ist ziemlich häufig bei Brunnstatt, selten bei Klein-Kembs'.
23. Auricula (Alexiä) sundgoviensis n. sp. Tf. III,
Fig. 13—15. Obwohl ich die MEBiANSche Ä.protensa neben der
Ä. aUatica nicht auffinden konnte, so überzeugte ich mich doch
von dem Vorhandensein noch einer anderen Art im Melanien-
kalk. Diese Art, welche ich einstweilen auch zu Alexia stelle,
ist kleiner, seltener und noch nicht vollständig gekannt. Das
Gehäuse ist ähnlich demjenigen der A. alsatica, jedoch etwas
schwächer comprimirt. Die Spitze bildet einen stumpferen Kegel
als bei dieser Art. Exemplare von 3 mm zeigen bereits 5 Um-
1. Von MsaiAN werden zwei Äuricula-kriea aus der Gegend von Mülhausen
angeführt.
1) A. ahatica a ausgewachsen 7 Windungen, 13—13,5 mm lang, 6 mm breit.
Aehnlich der in der Provence und Italien lebenden A. myosotis. Häufig. •
2) A, protensa Meh. « 10,5 Windungen, 14,5 mm lang, \ mm breit. Zeigt
eine lange ausgebreitete Lippe und eine Rinne auf den Windungen der SteinlLcrne.
Selten. »
Greppin identifizirt die A. protensa Mer. mit der A, depressa Desh. und die
A. alsatica mit der A, Dutemplei Desh. Nach dem mir Yorliegenden Material,
welches auch die von Greppin gesammelten Stucke enthalt, scheinen alle grösseren
Exemplare zu einer und derselben Art zu gehören, soweit es mich der zuweilen
schlechte Erhaltungszustand beurtheilen lasst. Eine Identifizirung mit den sehr
seltenen Arten des Pariser Beckens halte ich für unstatthaft. Abbildung und nähere
Beschreibung der llERiANSchen Originale wäre sehr wünschenswerth.
86
g^ge (Fig- 13)i >^elche eben so flach erscheinen wie bei der
vorigen Art. Die Anzahl der Spindelfiilten ist grösser. Es stehen
anf der Mündongswand 2 kleinere Falten oberhalb der Hanpt-
falte, nnd zwischen dieser nnd der Falten tragenden Spindel
ist noch eine schwache Faltenandentnng eingeschaltet (Fig. 14 a).
Am wichtigsten ist jedoch der Unterschied, dass der änssere
etwas umgeschlagene Mundrand im Inneren 3 Schmelzzähne
tragt (Fig. 13, lAb, 15). Die abgebildeten Exemplare wurden
ans einem Kalkstück von Brannstatt heranspräparirt
24. f Cyclas sp. Von Mketaw folgendermassen angefahrt:
aNor einmal gefunden, Wirbel nicht sehr excentrisch, ziemlich
starke Falten auf dem Steinkem.* Vielleicht eine Cyrena^
welche sich in den Steinmergeln von Efringen und Istein in
Baden gleich über dem Melanienkalk findet.
87
Wir haben auf den vorstehenden Seiten gesehen, dass die
geologisrchen Verhältnisse des Melanienkalkes durchaus keine
ganz einfachen sind, und auch die organischen Reste, welche
derselbe umschliesst, lassen in mancher Hinsicht zu wünschen
übrig. Es kann uns aus diesem Grunde nicht auffallen, wenn
namentlich in früherer Zeit eine grosse Unsicherheit über sein
genaues geologisches Alter herrschte. Mebian und Heeb be-
trachteten den Melanienkalk als Miocän (resp. Ob. Oligoc).
Sie nahmen an, dass derselbe die an vielen anderen Punkten
im Sifndgau vorhandenen, den Melanienkalk umgebenden, ma-
rinen Thone und Sandsteine des Oligocäns (Tongrien) überlagere.
Diese Ansicht, welche vom rein geologischen Standpunkte aus
ganz plausibel erscheint, liess sich mit den palaeontologischen
Befunden nicht in Einklang bringen, namentlich nicht nachdem der
Steinbruch bei Brunnstatt Beste von Palaeotherium medium
geliefert hatte. Delbos vertrat zuerst in seiner Beschreibung
des D^p. du Haut-Rhin mit grosser Bestimmtheit die Ansicht,
dass der Melanienkalk eine vortongrische Bildung sei. Er ver-
wies denselben in das Obereocän. Gbeppik schliesst sich der
Ansicht von Delbos an, er stellt den Melanienkalk in das Ober-
eocän und parallelisirt denselben mit der oberen Bohnerzformation
(Fauna von Montier, Mauremont, Ober-Gösgen etc.).
In Sandbebgeb's Ld. u. Sw. C. hingegen finden wir den Me-
lanienkalk als jüngstes Unteroligocän abgehandelt, und es wird
sogar die Möglichkeit offen gelassen, dass derselbe zum Mittel-
oligocän gehört.
Rufen wir uns in das Gedächtniss zurück, dass der Me-
88
lanienkalk einerseits direkt auf dem oberen Jura (bei Morvil-
lars), andererseits auf Bohnerzthonen (bei Klein-Kembs) oder
auf unbestimmten Mergeln (Puits, Heidet etc.) aufruht,
ferner dass derselbe im Elsass von Gyps bei Zimmersheim
(ünt. Oligoc), von Blattersandstein und Melettaschichten (Mit
Oligoc), in Baden, nach den Untersuchungen von Samdbkbgkb
und Schill, von Sandstein mit Natica crassatina bedeckt wird,
so bleibt uns schliesslich nur noch die Wahl zwischen Unter-
oligocan und Obereocan übrig. An ein höheres Alter können
wir wegen der grossen Verschiedenheit der Buchsweiler und der
Brunnstatter Fauna nicht denken; zumal, da in nicht allzuweiter
Entfernung von Basel, bei Hobel, der Buchsweiler-Kalk mit
Fl. pseudammonius ansteht. Die Entscheidung der Frage, ob
wir den Melanienkalk als oberstes Eocän oder als tiefstes Oli-
gocän ansprechen soUen, ist jedenfalls eine mehr oder weniger
von individuellen Anschauungen abhängige. Ich möchte mich
zu der ersteren Ansicht bekennen, theils um die bisher im
Lande übliche Bezeichnung als Eocän beizubehalten, theils weil
es mir am zweckmässigsten erscheint, die Grenze zwischen Oli-
gocän und Eocän im Elsass dahin zu verlegen, wo die Süss-
wasserbildungen vollständig den marinen oder stark brackischen
Bildungen weichen müssen.
Bei dieser Discussion gewinnt der Gyps von Zimmers-
heim eine gewisse Bedeutung. Er überlagert im Elsass die
Schichten des Melanienkalkes (cf. Fig. 2). Analoge Gyps-
vorkommnisse in Baden, bei Bamlach und Wasenweiler\
1. Auch das GvpsTurkommen tod Hattstatt nnweit Colmar durfte hierfaer
geboren. Der Gyps ist jetzt nicht mehr aurge schlössen, doch fanden sich in den
Aeckern noch Stucke Ton plattigem, hellem Mergelkalk, der den G)!» überlagern
soll. Dieses Gypsvorkommen wäre das nördlichste und würde somit die angeCIhre
Nordgrenze der von Süden her eindringenden Meeresbucht andeuten, in welcher die
Gypsbildung zur Interoligocinzeit sich vollzog.
89
welche Sandbebgee und Prof. Benecke für gleichalterig an-
sehen, werden von Initteloligocänen Schichten tiberlagert*. Diese
unteroligocänen Gypse würden dann, nebst den Gypsen des
Terrain sidörolitique von Delsberg, wie Gbeppin und Hebebt
dies schon ausgesprochen haben, z. Th. den Montraartre-Gypsen
entsprechen. Der Melanienkalk liegt aber unter diesen Gypsen
oder könnte höchstens als Süsswassereinlagerung an deren Basis
aufgefasst werden, falls ihn die schwarzen Gypsmergel im Bohr-
loch von Dornach unterteufen.
Sollte es sich ferner vielleicht herausstellen, dass die so
fraglichen ^marnes ä cyrenes^ mit ihren schlecht erhaltenen
und daher noch nicht ganz sicheren Fossilresten den nicht un-
ähnlichen Mergelkalken von Ist ein mit Mytilus socialis A. Bb.'
und der Rtitireingrube bei Efringen mit Cyrena semi-
striata Desh. gleichalterig sind, so würden auch diese in das
Bereich des UnteroUgocän's fallen. Ihre nicht zu leugnenden
Beziehungen zum Melanienkalk, welchen sie direkt tiberlagern,
und ihr Fehlen über den jüngeren Tertiärgebilden der Mtilhauser
Gegend wären dann verständlicher.
Um noch mit wenigen Worten auf die Fauna zurück-
zukommen, so erscheint mir auch hiernach die Stellung im
obersten Eocän zulässig. Pal medium ist eine Form, welche
1. Sandb., L. Sw. C, pg. 283. «Die Ucberlagerung des Gypses von Wasen-
weiler durch Sandstein mit Dicotyledonen-Blättern, welche sich in gewissen Lagen
des mitteloligocänen Sandsteins mit N, crassatina im Breisgau wiederholen, beweist
jedenfalls, dass dieser jünger ist.»
2. Die Exemplare von M, socialis in den hellen, graugelben Steinmergeln von
Istein, welche mir vorliegen, stimmen ganz mit denjenigen aus dem Gerithienkalk
von Hoch he im (Unt. mioc.) überein. Ein Stück des gleichen Steinmergels, das von
Efringen stammt und Cyrenenabdrücke enthalt, besitze ich gleichfalls. Von den
elsässer Steinmergeln mit Cyrenen habe ich nur ein sehr ungenügendes Material
in der Mülhauser Sammlung gesehen.
90
gerade für die Grenzschichten des Oligocän's und Eocän's be-
zeichnend ist. Die Conchylienfauna hat den gleichen Charakter.
Die häufigsten Arten sind Melania Laurae und Megalomastoma
tnumia. Erstere bietet uns keine weiteren Anhaltspunkte dar;
sie gehört zu einer Gruppe, welche im Obereocan beginnt und
bis in das Miocän reicht. Die zweite Art hingegen ist grade
für das Obereocan besonders wichtig; sie beginnt im Mittel«
eocan und reicht bis in das Unteroligocän hinauf. Die anderen
Arten sind meist wemger häufig und charakteristisch. Sie zeigen
Anklänge, einerseits an das Obereocan, andererseits an das Unter-
oligocän und sind zum Theil auf den Melanienkalk beschränkt,
wie z. B. die schlanken Limneen aus der Gruppe der L. glabra.
Auf der Schlusstabelle sind die interessanten Bezie-
hungen der Faunen des Melanienkalkes und des Buchs-
weiler-Ealkes zur Anschauung gebracht. Bemerkenswerth ist,
dass bei der verhältnissmässig geringen Altersdifierenz die
meisten Genera und wohl alle Arten verschieden sind. Dieser
Umstand spricht für einen Unterschied in der Facies. Buchs-
weiler hat 22 Genera, der Melanienkalk 13 (ausser der ?
Nematura). Gemeinsam sind 7, Limnea, Planarbis, Hydrobia^
Glandina^ Nanina, Helix und Megalomastoma. Für den Me-
lanienkalk sind bezeichnend Melania, Melanopsis, Valvata^
Megalomastoma und Awrictda; für den Kalk von Buchs-
weiler FlanorhiSj Paludina, EuchiluSj Glandina etc. Wenn
Nanina occlusa, wie ich vermuthe, im Melanienkalk fehlt,
so hätten beide Faunen keine Art gemeinsam*. Buchsweiler
ist etwas artenreicher wie Brunnstatt, Klein-Kembs etc.;
1. Der etwas jüngere Kalk Yom Bischenberg triU gleichsam vermittelnd aor.
Er enthalt neben P, pseudammonius (bh.)) Megaiomastoma cf. mumia (ss.)-
Aoch findet sich am Bischenberg vorwiegend L, oliouia; die gleiche Art ist selten
bei Bachsweiler and wird im Melanienkalk durch L. crassula vertreten.
91
erstere Lokalität hat etwa 30, die anderen etwa 24 Species.
Die Fauna von Mülhausen ist, wie schon erwähnt wurde,
nicht so rein limnisch wie die von Buchsweiler. Auch trägt
sie einen allgemeineren Charakter und steht nicht so isolirt da,
denn der Melanienkalk weist nur 8 sichere, ihm allein eigen-
thümliche Formen auf, während Buchsweiler (incl. der gleich-
alterigen rheinischen Vorkommnisse) fast die dreifache Zahl
besitzt.
92
Vergleichende Uebereicht der Genera des Melanienkalkee
und des Bucheweller-Kalkee.
Bei dem Vorkommen einer eiaselnen Sp. iit der Namei ■onst die Bp. Ancahl angegeben.
Dem Helanienkalk
eigenthflmllche Formen
■ind mit X bezeichnet.
MeUnienkalk 1. Ob.-Eli.
mit
Palaeotherinm medium.
Bacluweller-K&lk i. Ut.-E.
mit
Lopbiodon tapiroidea etc.
1.
Neritina
hrevitpira X
2.
Melania
JXKUTOB
».
Melanoptis
2 an.
* of. ............
4.
Valvata ...........
eireinata X
5.
Paludina
?
2 *p.
6.
SuchUu*
•
I>(-#rM«fMf ommf .
7.
Nvatia
ooliia
8.
Hydrohia
indifferen* X
2 8p.
9.
Planorhit
8 ip. (1 §p.)
p»eud4»mmonius.
JO.
Seewkentina . . •
1 SD. tn«!. ........
CherHeri.
11
Limnta» ..■.««
ft ap. (8 8p. X)
S sp.
12.
Sucainea (Braehtityira) . . .
palliolun.
IS.
9iirina«/ormi*.
U.
BoUtnia
tertt.
Ifi.
Olandina
1 8p. ined
8 sp.
16.
Cionella
formieina.
17.
ÄMca
Böttgeri.
18
Pupa
?
Buxovülana.
19.
Pdlaeottoa
Fontenayi.
80.
Clausilia (CkmalUia) ....
denneoMtulaia,
91.
Nanina
KOehUni X
2 sp.
88.
Belix
«•P
lax€eostulata.
93.
Patttla
oUgogyra.
94.
Megalomattoma
ffiiiifiia
turgidvm.
2.5.
Sirophottoma
striatum.
8A.
Pomiatitu
Sandbergeri.
27.
CaryeMopti*
quadridetu.
28.
Äitricul4i •
8-8 8p. X
29.
CycUu
1 BP. ?
CalyaiWia Cattrense,
* 0|». (...........
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DAS OLIGOGÄN
IM ELSASS.
BRAGKISGHE UND MARINE
OLIGOCÄN-BILDUNGEN
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1. Die speciellere Litteratnr der Ampbisyle-Schiefer wird noch bei der Behand-
lung dieser Schichten ausf&hrlicher angeführt werden.
99
Allgemeines über die Ollgocänschichten im Elsass.
Die Oligocängebilde sind von allen Tertiärschichten im
Elsass unbestritten die wichtigsten, sie erreichen die grösste
Ausdehnung und Mächtigkeit. Dieselben dürfen schon allein aus
dem Grunde ein höheres Interesse in Anspruch nehmen als die
anderen, weil sie die nicht unbedeutenden Bitumenlager beher-
bergen, welche vermöge eines langjährigen Bergbaues in ihren
eigenthümlichen Lagerungsverhältnissen ziemlich gut bekannt
geworden sind.
Während die älteren mehr oder weniger dem Süsswasser
entstammenden Ablagerungen keine so allgemeine Verbreitung
im Elsass besitzen, die Buchsweiler-Ealke nur lokal auftreten
und der Melanienkalk auf den Sundgau beschränkt ist, finden
wir das Oligocän fast in der ganzen Oberrheinebene. In dem
ff
bei weitem grössten Theil des Gebietes ist jedoch das Oligocän
von Diluvium und Alluvium bedeckt. Nur in der Nähe der Ver-
werfungsspalten, an den Rändern der Ebene, unfern vom Ge-
birge oder in tieferen Thaleinschnitten tritt dasselbe zu Tage.
Oft sind die tertiären Thone nur von einer sehr wenig mäch-
tigen Diluvial- oder Alluvialschicht bedeckt, so im Hagenauer
Forst, in der Gegend von Sulz unter dem Wald und
Weissenburg, wo sie mehrfach anstehen. Ferner im Ober-
Elsass bei Rodern und Aue, sowie in der Gegend südwestlich
von Altkirch, wo schon das Vorhandensein zahlreicher, kleiner
Seen (Teiche) vermuthen lässt, dass — ähnlich wie auf dem Keu-
perplateau bei Saar bürg — ein für Wasser undurchlässiger Thon
oder Mei'gel in nicht allzugrosser Tiefe die Unterlage bildet.
Anders verhält es sich in der Mitte des Rheinthaies, wo einer-
seits, wie es scheint, das Tertiär in grossartigem Masstabe
]00
erodirt worden ist, und wo andererseits mächtige Eiesmassen das-
selbe bedecken. So haben z. B. Bohrungen bei Strassburg,
welche bis zu 48 m Tiefe vordrangen, niemals die Kiese des
m
Alluviums und Diluviums durchteuft. Bei Logelbach unweit
Colmar fand man unter 1 — 3 m Lehm und 20 — 25 m Kies
erst blaugraue bis grünliche Mergel, in die man noch 40 m
tief eindrang, und welche wir als Oligocän ansehen dürfen.
Das interessanteste geologische Resultat, welches die so
zahlreichen in verschiedenen Gebieten des Rheinthaies ange-
stellten Bohrungen lieferten, ist dasjenige, die gewaltige Mäch-
tigkeit der Oligocänschichten nachgewiesen zu haben. In dem
am meisten durchforschten, wichtigsten Petrolgebiete des ELsass
zwischen Hagenau und Weissenburg sind zahlreiche Bohr-
löcher in mittel- und unteroligocänen Schichten meist im Laufe
des verflossenen Jahres abgeteuft worden. Man erbohrte bei
Oberstritten eine Tiefe von beinahe 300 m, bei Gun-
stett 280 m, bei Hinterfeld gleichfalls 300 m, bei Weis-
senburg 150 m und in einem alten Bohrloch bei Hagenau
280 m, ohne jemals das Liegende des Tertiärs zu erreichen.
Diese grosse Mächtigkeit gibt zwar nicht die absolute, seigere
Höhe der Schichten an, ist aber nur um Weniges zu reduciren,
da dieselben im Allgemeinen nur ein schwaches Einfallen nach
dem Rhein zu aufweisen. Alle diese Bohrlöcher trafen vorwiegend
blaugrüne, thonige Mergel, sowie helle oder dunkelgraue, feine, et-
was sandige Mergel an und hatten nur selten festere Kalkmergel-
bänke oder mürbe Sandsteine zu durchdringen. Sie konnten
daher mit dem Wasserbohrer ausgeführt werden und lieferten
keine sehr dctaillirten Bohrprofile. — Es darf hier nicht un-
erwähnt bleiben, dass die Mächtigkeit selbst bis dicht an das
Gebirge hin noch eine sehr bedeutende, unergründete ist, wie
z. B. bei Lobsann.
Aehnlichen Verhältnissen begegnen wir im Ober-Elsass, wo
101
gleichfalls tiefe Bohrungen das Tertiär nicht diirchteuft haben.
Zwei Bohrlöcher wurden nördlich von Mülhausen, das eine bei
Niedermorschweiler, das andere nicht weit davon bei Dornach
bis zu bedeutender Tiefe niedergebracht*. Das „Bohrloch Tachard**
bei Niedermorschweiler im Februar 1871 angelegt, erreichte
142 m Tiefe. Man traf zuoberst wenig mächtigen Lehm an, dann
wechselnd. Thone (Mergel), Sandsteine und glimmerhaltige Sande;
bei 127 m wurde eine dünne, bituminöse Kalkschicht durch-
drungen, und bei 139 m fand man blaue Mergel mit Gyps. Die
DoLLPUBs'sche Bohrung bei Dorn ach stammt schon aus dem
Jahre 1869 und erreichte 240 m; auch liegt die Mündung
derselben 16 — 17 m tiefer als bei dem vorigen Bohrloch. Unter
dem Lehm folgten gelbe, weiche Kalksandsteine, die mit Thon
(Mergel) wechselten, dann meist graue und grüne Mergel, in
welchen sich bei 36 m Tiefe schon Gypsspuren zeigten, bei
200 m reicherte sich der Gyps an; ausserdem traf man kleine
Steinsalzlagen bei 91 m, 115 m und 185 m. Organische Reste
werden nicht erwähnt. Die obersten Schichten in diesen Bohr-
löchern gehören zweifelsohne zum Oligocän; ob wir aber be-
rechtigt sind die tieferen, gypshaltigen Mergel, welche wohl
brackische Bildungen sind, noch zum Unteroligocän zu ziehen,
ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden. Wenn diese gypshaltigen
Mergel den Melanienkalk unterteufen, so würden sie Obereocän
sein; sollten sie aber mit den auf der Höhe des Süsswasser-
kalkes liegenden grauen Gypsmergeln von Zimmersheim gleich-
alterig sein, so würde schon die grosse Niveaudifferenz dieser
räumlich so genäherten Bildungen die Annahme einer Ver-
werfungsspalte nahe legen. Eine Annahme, die zugleich das unge-
mein scharfe Abschneiden des Süsswasserkalkes erklären könnte,
(. ZüNDEL u. MiEG. Notice sur quelques sondagcs, etc. Bull. soc. ind. d.
Mulh. 1877.
102
welcher südlich Ton Mfilhausen sehr mächtig ist and nördlich von
dieser Stadt fehlt.
Eine weitere 270 m tiefe Bohrung wurde Ende des Jahres
18*82 bei Nieder-Sept südsädwestlich von Altkirch ausgeführt.
Man durchteufte im Wesentlichen graue, fossilfreie Mergel und
hatte nur eine härtere Kalkmergelbank zu durchstechen. Die
Schichten des oberen Jura wurden nicht erreicht, obwohl dieselben
nur 4 Kilometer davon entfernt bei Pfettershausen zu Tage treten.
Diese Beispiele haben zur Genüge die ausserordentliche
Mächtigkeit und die grosse Verbreitung des Oligocäns im Elsass
gezeigt, und es bleibt uns noch übrig, einige Worte über die
Gliederung Toranzuschicken.
Die Gliederung der Oligocänschichten im Elsass ist eine
recht mannigfütige; wir haben es nicht allein mit zeitlich ge-
trennten Ablagerungen zu tbun, sondern auch sicher mit gleich*
zeitigen, sehr verschiedenen Faciesgebilden.
Das sehr mächtige Unteroligocän zeichnet sich durch. grosse
Einförmigkeit und durch den Mangel an Fossilien aus. Die or-
ganischen Reste deuten auf Süsswasser und Brackwasser hin
(Ohara, Cypris, Anodonia etc.), wie bei Pechelbronn und
Oberstritten. In den höheren Schichten stellen sich Blätter-
sandsteine (Hirzbach, Schwabweiler) und Mergel mit spar-
samen Foraminiferen ein (Altkirch, Schwabweiler); eine scharfe
Grenze gegen das Mitteloligocän ist nicht wahrnehmbar.
Das MitteloUgocän selbst ist ein rein mariner Horizont
und tritt uns in recht verschiedenen Faciesausbildungen ent-
gegen, deren Altersverhältnisse zu einander zum Theil noch
nicht ganz klar sind, weil sich keine Ueberlagerungen beobachten
•
lassen. Wir haben im Unter-Elsass den richtigen Septarienthon
mit Lcda Deshayesiana und reicher Foraminiferenfauna, welcher
bei Lobsann und Sulz u. d. Wald die tieferen, bitumen-
führenden Schichten bedeckt. Unmittelbar unter demselben liegt
103
an der ersten Lokalität der Asphaltkalk, eine Sässwasserbildung,
die offenbar bis in das Mitteloligocän hinein angedauert bat und
noch zu demselben gerechnet werden muss. Mit etwas abwei-
chender Foraminiferenfauna zeigt sich der Septarienthon ferner
bei Heiligenstein am Fusse des Odilienberges. Bei Oii-
w eil er unweit Gebweiler enthält derselbe grosse Exemplare
von Ostrea callifera und zahlreiche Haplophragmien. Von hier
erstreckt er sich noch bis südlich von Thann in die Gegend
von Rodern und Aue bei Sentheim. An dem letztgenannten
Orte tritt jedoch der Mergel mit der reichen Foraminiferenfauna
(Septarienthon) mit dem Fischschiefer in Beziehung, und ganz
dicht bei einander gelegene kleine Gruben* lieferten mir einer-
seits Schlemmproben des* obigen Mergeis, andererseits solche des
Fischschiefers. Vielleicht dass später gerade die Umgegend von
Sentheim bei der Eartirung und bei günstigeren Aufschlüssen
als jetzt einige Aufklärung gewähren wird. Die Fischschiefer
zeigen sich von da ab südlich an mehreren Punkten, so bei
Altkirch, wo sie die Thone der „Marnerie Gilardoni'' offenbar
überlagern, dann bei Buchsweiier am Fusse der Pfirter Berge
und bei Magstatt. Sie reichen nach Frankreich hinein bis in
die Gegend von Montb^liard, wo sie bei Froidefontaine
anstehen. Sie treten im Canton Solothurn bei Brislach auf und
finden sich südlich von Freiburg bei Hammerstein. Der
Blättersandstein (gras ä feuiiies) ist in seiner Verbreitung
sehr beschränkt; er findet sich nur im Sundgau südlich von
Mülhausen, wo er im Süden und Osten den Melanienkalk be-
deckt (cf. fig. 2, pg. 78). Ausser Cinnamomum-hVdXiexiL enthält
er Jfefe^a-Reste, welche es wahrscheinlich machen, dass der-
selbe in Beziehung zu den Fischschiefern steht.
1. Diese kleinen Gruben, aus welchen zeitweise, Je nach Bedarf, etwas Mergel
gewonnen wird, liegen auf dem Fussweg von Sentheim nach Aue im Wald. Die
Schichten werden von grobem Sand bedeckt, der durch kalkiges Gement verkittet ist.
104
Eine Fauna, welche sehr an diejenige des Meeres-
sandes erinnert, findet sich bei Dammerkirch zwischen Alt-
kirch und Beifort. Der Fossilreichthnm ist hier auf eine
schmale, sandige Schicht beschränkt, welche sich zwischen die
einförmigen, sterilen Mergelmassen einschaltet. Aechter Meeres-
sand kommt nur im südöstlichen Theil des Gebietes zur £nt-
Wickelung, so in der Umgebung von Basel (Stetten, Rötteln)
und am Abhang der Pfirter Berge (Kädersdorf).
Eine weitere Facies des Oligocans sind am Schlüsse die
Küstenbildungen, welche sich in einem mannigfach unterbrochenen
Streifen längs der Vogesenkette hinziehen und uns als Conglo-
merate, Molassen und Sandsteine entgegen treten. Sie beginnen
wohl schon vom Untcroligocän ab und setzen sich bis in das
Oberoligocän (vielleicht sogar das Untermiocän) fort, wo sie
die fossilführenden Schichten von Rufach mit Lebias sp., Cy-
rena seniistriata Desh. und Myiilus Faujasi Bbok&. enthalten.
Das Oberoligocän in mergeliger Entwickelung ist zwar an
mehreren Stellen im Elsass vorhanden, aber im Augenblick nicht
mehr aufgeschlossen. Es gehören hierher: in der Gegend von
Strassburg die Schichten von Kolbsheim und Truchters-
heim, im Ober-Elsass wohl einige der von Delbos beim Ton-
grien erwähnten Schichten mit Cerithium plicatum Bbong., Mytilus
Faujasi Bbong. und Cyrenen.
Bei dieser mannigfaltigen Ausbildung des Oligocäns empfiehlt
es sich nicht, die verschiedenen Schichten scharf nach dem
Alter getrennt zu besprechen, zumal deshalb, weil bei der so
selten zu beobachtenden Ueberlagerung öfters eine ganz sichere
Einreihung noch unmöglich ist. Es erschien vielmehr am
zweckmässigsten, so viel als möglich mit den tieferen Schichten
beginnend, die geographisch getrennten Complexe zu behandeln
und die wohl theilweise gleichalterigen Facies nach ihrer Lage-
rung und Fauna gesondert anzuführen.
105
L Das oligocäne Petrolgebiet
im Unter-Elsass
in der Gegend von Snlz n. d. Wald.
Die Schichten, welche uns hier zu beschäftigen haben,
finden sich vorwiegend in dem Gebiete zwischen Weissenburg
und Hagenau. Dieselben sind an den meisten Stellen von
Diluvium bedeckt und treten nur in den Thaleinschnitten nahe
am Gebirge zu Tage. Gegen Nordwesten schneiden sie an der
grossen Verwerfungsspalte gegen die mesozoischen Bildungen
ab, und diese erheben sich im malerischen Zuge des Hoch-
waldes, welcher aus Vogesensandstein besteht.
Ihre Mächtigkeit ist hier überall, wie schon erwähnt wurde,
eine sehr bedeutende und beträgt über 300 m. Südwestlich
von diesem Hauptcomplex lässt sich das Oligocän bis Mors-
bronn, Forstheim, Mietesheim und weiter rhein\^ärts bis
Hagenau verfolgen. Alsdann treten mehrfach die Schichten
des Dogger unter der Diluvialdecke hervor, und diese werden
von älteren Tertiärschichten bei Dauendorf, Buchsweiler,
Morschweiler etc. bedeckt. Das Oligocän selbst ist in dieser
Gegend bis auf wenige Spuren ( Conglomerate des Bast-
berges) denudirt worden. Im Osten schliesslich setzeq sich die
Oligocänschichten von Alluvium, Diluvium und vielleicht auch
jüngerem Tertiär bedeckt unter das Rheinthal fort. Das Liegende
des Oligocäns ist noch nicht direkt erkannt worden; es wird ver-
muthlich vorwiegend aus Eocänschichten, Dogger, Lias und
106
Eeuper bestehen. Das Einfallen ist im Allgemeinen, nament-
lich in grösserer Nähe der Vogesen, ein sehr schwaches, nach
Südwesten geneigtes (2 — 3^); weiter thalwärts bei Schwab-
weiler fallen jedoch die Schichten unter einem viel steileren
Winkel (24^) nach dem Rhein zu ein. Lokale Faltenbildongen
und Mulden sind natürlich dabei nicht ausgeschlossen. Auch
durchsetzen zahlreiche kleinere Verwerfungen die Schichten;
dieselben verlaufen parallel der Vogesenspalte, und ihr Hangendes
liegt in der Regel auf der Seite des Gebirges.
A. Bitumenführende Schichten von Lobsann
(z. Th. Mittel-, z. Th. ünteroligocän).
Der Ort Lobsann liegt etwa in der Mitte zwischen den
Städten Weissenburg und Wörth. Das bekannte Asphaltberg-
werk befindet sich nordwestlich vom Dorf am Fuss des Hoch-
waldes. Der dortige Bergbau auf Asphaltkalk und Pechsand hat
im Grossen von oben nach unten folgendes Profil geliefert:
L Allgemeines Profil von Lob sann.
1. Humus und Waldboden.
2. Septarienthon. Zuoberst bis zu 3 m Tiefe grauer,
gelbgeflammter, ziemlich kalkiger Thon mit vielen Gypskrystallen.
Von 3 m bis lim hellgraue Mergel mit Markasit und kohligen
Algenresten. Von 1 1 m bis 60 m helle bis dunkle, graubraune
Mergel mit Markasitconcretionen und Septarien. Alle diese
Mergel und Thone enthalten eine sehr Individuen- und arten-
reiche Foraminiferenfauna, welche je nach der Tiefe, aus welcher
die Schlemmprobe entnommen wurde, nur geringe Variation
zeigt. Ferner kommen in den graubraunen Mergeln verschiedene
Conchylien des Mitteloligocans vor, wie Leda Deshayesiana
107
Doch., Nucula Grep^ni Debh., Nucula ChasteUi Ntst., Peciun-
culus obovaius Lhk., Pecten picius Goluf. und Cassidaria
nodosa Sol.
Diese Mergel sind im neuen Schacht bei Lobsann am
schönsten aufgeschlossen und reichen bis zu einer Tiefe von
60 m. Der Septarienthon zeigt deshalb an dieser Stelle eine so
grosse Mächtigkeit, weil er an der Verwerfungsspalte abwärts
geschleift und z. Tb, etwas hinter den Asphaltkalk eingeldemmt
erscheint (cf. fig. 4). Die beistehende Skizze (Sg. 4) gibt
einen Durchschnitt durch einen Theil des Asphaltkalkcomplexes
TOD Lobsann nebst dem überlagernden Septarienthon.
3. Der Asphaltkalkcoinplex, welcher unter dem Sep-'
tarientbone folgt, lässt trotz der grossen Mannigfaltigkeit seiner
Gesteine kaum eine Gliederung in weitere kleinere Horizonte
zu. Im Hangenden findet sich zuweilen ein Conglomerat von
wechselnder Mächtigkeit (meist 1 m). Die aus Muschelkalk be-
108
stehenden Rollstücke sind oft durch einen groben und zähen
Pechsand mit einander verkittet. Dann folgen mürbe, weisslich-
rothe, dolomitische Kalke, vollständig durchzogen von einem
feinen Netzwerk von Lignitflötzchen und Adern. In den höheren
Lagen überwiegt mehr der Lignit, während in den tieferen
Schichten der mulmige, rosa gefärbte Kalk mit oft 6 m Mäch-
tigkeit vorherrscht. Die Braunkohle besteht zum Theil aus
Coniferenholz und umschliesst dann zuweilen Bernstein, zum
Theil aus der sogenannten Nadelkohle, welche durchweg von
Palmfasern gebildet wird. In diesen Kalk- und Lignit- Schichten
tritt der Aspbaltkalk lagerförmig auf und zwar so mächtig, dass
er an einzelnen Stellen das vorwiegende Gestein bildet, so dass
zu Lobsann nach dem Gebirge hin, wo die Asphaltlager am
dicksten sind, der Asphaltkalk oft neun Zehntel der Mächtig-
keit des ganzen Complexes ausmachen soll. Dieser umschliesst
seinerseits wieder Nester der verschiedenen Kalkvarietäten,
zerreibliche, durch Eisengehalt roth und rosa gefärbte Kalke,
ferner harte, krystallinische, graue und rothe Kalksteine und
Einlagerungen von ausgezeichnet schönen pisolithischen Kalk-
parthien. Graubraune, dichte, nicht imprägnirte Kalkbänke ent-
halten zuweilen Reste von Brackwasser-Conchylien, unter welchen
die Steinkerne und Abdrücke von Melania fasciata Sow.* vor-
walten. Weisse, zähe Kieselkalke, welche namentlich auf dem
Weg von Lobsann nach Lampertsloch gefunden wurden,
haben die zahbreichen Stengel und Früchte von Ohara Volizi
geliefert. Von Pflanzen wurden in dem Lobsanner Bergwerk
namentlich Sabal major Uxa. sp. und Blätter von Cinnamomum
polymorphum Heeb gefunden. Die meisten Zähne und Knochen-
stücke von Anihracotherium alsaiicum Guy. entstammen dem
Asphaltkalk selbst.
1. Die steinkerne dieser Art sind wahrscheinlich früher als BuUmus gregarius
oder Litorinellen angegeben worden.
109
Die Mächtigkeit des Asphaltkalkcomplexes ist eine wech-
selnde und beträgt gegen 24 m. Derselbe ist nach dem Gebirge
hin (nach NW.) stärker entwickelt und würde sich bis an die
Verwerfungsspalte verfolgen lassen; man hat jedoch bisher die
Annäherung an dieselbe vermieden. Nach Südosten, also thal-
wärts, keilt der Asphältkalk aus und scheint an dem Dorfe
Lobsann auch theilweise durch Erosion entfernt worden zu sein.
Nach Nordosten am Gebirge entlang abwärts verschwindet er sehr
bald, und schon nördlich von Drachenbronn scheint er ganz zu
fehlen. Nach Südwesten am Gebirge her aufwärts lässt sich derselbe
Süsswasserkalkcomplex , ohne jedoch asphaltführend zu sein, bis
in die Gegend von Lampertsloch und Pechelbronn ver-
folgen. Der Asphaltkalk stellt also eine lokale Einlagerung an
der Basis der mitteloligocänen Septarienthone dar.
4. Eine Reihe von wechselnden Mergeln und Pech-
sanden folgt unter dem Asphaltkalk. Dieselben entsprechen
den Schichten von Pechelbronn, sind aber bis zu keiner so
grossen Tiefe erschlossen. Wir finden von oben nach unten:
a. Helle, blaugrün gefärbte, sandig-kalkige Mergel. Diese
durch ihre Farbe charakterisirten Schichten sind hier sehr hart,
und so weit ich sie untersuchen konnte fossilfrei. Sie gleichen
den Mergeln, welche am Dorf Lobsann, bei Lampertsloch
unter dem Kalk, bei Pechelbronn (ganz oben) im neuen Oel-
bassin und im Andreasschachte auftreten.
ß. Grauer etwas mergeliger Sand und unmittelbar darunter
4 — 6 m unter dem Asphaltkalk mehr oder weniger grober,
schwarzer Pechsand von aromatischem Geruch. Dieser nicht sehr
harte aber zähe Pechsand enthält Einlagerungen von hartem
grauen nicht imprägnirtem Sandstein.
y. Unter dem Pechsand folgen wieder graue, sandige
Mergel mit etwas feineren, mehr thonigen Einlagerungen. Im
110
Schlemmrückstand fanden sich dolomitische Kalkstückchen, Quarz,
etwas Gyps, Pyrit und Brauneisen, aber keine organischen Reste.
In diesem allgemeinen, sehr instructiven Profil haben wir
also zuoberst ächten Septarienthon , darunter den Asphaltkalk-
complex, unter diesem schliesslich unteroligocäne Mergel, welche
denen von Pechelbronn entsprechen. Es zeigt die Verhältnisse,
wie dieselben jetzt bei Lobsann aufgeschlossen sind. An dasselbe
möchte ich hier noch zwei von Daübbee gegebene Profile zum
Vergleich anschliessen:
II. Profil des Schachtes Daudrez bei Lobsann 1816.
1. Sandiger Lehm 0,65 m.
2. Grauer Thon mit Brauneisen und Gyps . . . 2,59 m.
3. Brauner Thon mit Gyps, Pyrit und einigen
kleinen Schnecken (?) 2,io m.
4. Graue gelbgeflammte Mergel 0,97 m.
5. Dunkelbraune Mergel mit elliptischen oder
konischen Ealkgebilden ^ 0,9s m.
6. Graue Mergel 2,oo m.
7. Dunkelbraune Mergel ; er enthält Gonchylien mit
Perlmutterschale und die bei 5 erwähnten
Ealkgebilde 2,39 m.
8. Graue Mergel l,u m.
9. Dunkelgrauer Thon mit Gonchylien, wie bei 7. l,u m.
10. Dunkelgrauer Thon gleichfalls mit Gonchylien. 2,59 m.
11. Hellgrauer Thon mit Pyrit 0,48 m.
12. Dunkelgrauer Thon mit Pyrit und Gonchylien. 3,8o m.
Zu übertragen .... 20,77 m.
1. Mit diesen Kalkgebilden sind wohl die ziemlich häufigen, meist platt-
gedrüclLten, agglutinirten Röhrchen gemeint, welche sich im Septarienthon von
Lobsann finden.
111
üebertrag .... 20,7? m.
13. Mergeliger, harter Kalk mit ConchylieD, der
gesprengt werden musste 0,so m.
14. Gräne Mergel mit Pyrit und Conchylien . . . 0,43 m.
15. Graue Mergel mit Pyritconcretionen 3,8o m.
16. Hellgraue, harte Mergel mit Pyrit 3,75 m.
17. Hellgraue Mergel mit Pyrit l,oo m.
18. Kalk mit Lignitflötzen 9,68 m.
19. Sandkalk und Mergel mit Lignitflötzen .... 3,24 m.
42,97 m.
In diesem Profil reicht der im Grossen und Ganzen ein-
förmige Septarienthon bis zur Tiefe von 30 m, alsdann folgen
die Schichten des Asphaltkalkcomplexes (Kalk und Braunkohlen),
in welche man noch etwa 13 m tief eingedrungen ist.
in. Profil eines 90 m tiefen Bohrloches bei Lobsann ^
welches in den Jahren 1838 — 39 von Degousee abgeteuft
wurde:
1. Ackerboden l,oo m.
2. Gelber Thon l,ss m.
3. Sandiger Mergel 2,8s m.
4. Schwarze und graue Thone 7,66 m.
5. Mergel mit Lignitflötzen 4,i6 m.
6. Graue Thone 1,66 m.
7. Mergel mit Pyrit und Lignitflötzen 4,49 m.
8. Graue Thone 5,oo m.
9. Schwarzer Sand l,oo m.
10. Mergel mit Pyrit 3,oo m.
11. Kalk mit Pyrit gemengt 0,8s m.
12. Graublauer Thon 14,i7 m.
13. Brauner Kalk l,6s m.
Zu übertragen .... 48,65 m.
112
Uebertrag .... 48,«5 m.
14. Brauner Thon 7,oo m.
15. Lignit 0,83 m.
1 6. Kalk 0,6« m.
17. Lignit 1,S8 m.
18. Grauer Thon 24,oo m.
19. Bituminöser Kalk 0,66 m.
20. Geflammter Thon 2,« m.
21. Bituminöser Kalk 1,50 m.
22. Grüner Thon 3,52 m.
91,03 m.
Wir finden in diesem Bohrloch oben Septarienthon , in
welchem sich schon in ziemlich hohen Niveaus Braunkohlen-
flötzchen einstellen. Bei 35 m Tiefe findet sich die erste Kalk-
schicht, bei 50 m tritt Kalk und Lignit reichlicher auf, bei
82 m stellt sich bituminöser Kalk ein, unter welchem wir die
grünen Thone des Liegenden haben.
Da wir dem elsässcr Septarienthon und seiner Fauna ein
besonderes Kapitel widmen wollen, und da wir auf die liegenden
Mergel und Sande bei Besprechung der Schichten von Pechel-
bronn noch ausführlicher eingehen müssen, so bleibt es uns
hier nur übrig, den Asphaltkalkcomplex petrographisch und
palaentologisch etwas näher zu erörtern.
Der Asphaltkalkcomplex, seine Gesteine
nnd Versteinernngen.
Derselbe bildet, wie schon gezeigt wurde, eine Einlagerung
von Süsswasser- resp. Brackwasserschichten an der Basis des
marinen Septarienthones und kann deshalb als tiefstes Mittel-
oligocän bezeichnet werden. Der Asphaltkalk selbst, welcher der
I
113
Hauptgegenstand des Bergbaues ist, tritt uns in sehr verschie-
denem Grade der Imprägnation entgegen. Die reicheren Varietäten
desselben erscheinen dunkelbraun bis schwarz gefärbt und be-
sitzen einen aromatischen, durchaus nicht an Petroleum erinnernden
Geruch. Sie sind ungemein weich, lassen sich mit dem Messer
schneiden, mit dem Nagel eindrücken, sind aber so zähe, dass
man sie kaum mit dem Hammer zerschlagen kann. Der Bitumen-
gehalt des Kalkes beträgt 7 — 11 Vo> ausnahmsweise sogar 18 7o-
Im Hangenden der einzelnen Lager ist er meist 9, im Liegenden
10 — 11 und in den mittleren Parthien 7 — 8 procentig, während
der mittlere Gehalt an Mineralöl sich auf 8 7o beläuft. Die
Spalten in dem Kalk sind meist von einem dickflüssigen,
dunklen Erdöl erfüllt, welches nebenbei gewonnen wird. Die
weniger reichen Asphaltkalkvarietäten, von welchen sich Dünn-
schhffe anfertigen Hessen, erschienen unter dem Mikroskop als ein
körniger Kalk mit reichlichem Pyritgehalt; das Bitumen, welches
eine braune bis braungelbe Farbe (und amorphes Verhalten) zeigt,
ist netzförmig zwischen den Kalkkörnern verbreitet, und letztere
sind nur selten und wenig davon imprägnirt. In den ärmeren
Varietäten des Asphalterzes treten ausserdem noch deutUche,
lebhaft rothbraun gefärbte Bitumen-Dendriten auf. Diese den-
dritenartigen Gebilde sind an deiyenigen Stellen, wo sie nicht
allzu massig auftreten, am besten zu beobachten und weichen
beträchtlich von gewöhnlichen, ganz unregelmässig moosförmigen
Dendriten ab. Dieselben erinnern vielmehr an im Wachsthum
begriffene, gestrickte Krystallformen , wie man sie so häufig,
z. B. an Ammoniaksalzen beobachtet. Es sind immer gradlinige
Wachsthumsaxen vorhanden, von welchen das Bitumen feder-
förmig und flockig ausstrahlt. Mehrere solcher Axen gehen in
der Regel von einem gemeinsamen Centrum unter ziemlich con-
stanten Winkeln auseinander. Die beobachteten Winkel nähern
sich denen des hexagonalen Systems, so dass 3 Strahlen annährend
III. 8
114
unter 120° divergiren. Vielleicht dürften diese hexagonalen
Winkel in irgend einer Weise zu dem krystallinischen Kalkstein
in Beziehung stehen? Das Bitumen ist ausserordentlich fest an
den Kalk gebunden und lässt sich nicht durch Kochen mit
Wasser, wie aus den Bitumensanden, entfernen. Durch Digeriren
mit Schwefel* oder Petroläther gelingt es, einen Theil des Bitu-
mens aus dem gepulverten Asphaltkalk auszuziehen; die Lösung
zeigt alsdann im durchfallenden Licht eine rothbraüne Farbe
und^ grünliche Fluorescens. Bei dem Behandeln der Dünnschliffe
mit Aether konnte durchaus nicht das Bitumen vollständig ent-
fernt werden. Der Dolomitgehalt ist grade in dem Asphaltkalk
selbst unerheblich. Die nicht imprägnirten Kalke erscheinen
theilweise krystallinisch, zeigen eine graue oder rothe Färbung
und treten nesterförmig im Asphalt auf, gegen welchen sie eine
ziemlich scharfe Grenze zeigen. Sowohl in diesen Einlagerungen,
sowie in jenem finden sich die schon erwähnten Pisolithe.
Zuweilen erfüllen dieselben das ganze Gestein und sind alsdann
meist von Erbsengrösse. Treten sie vereinzelter auf, so erreichen
dieselben bedeutendere Dimensionen; sie zeigen einen Durchmesser
von 5 mm bis 10 mm und manchmal sogar 20 mm. Die Piso-
lithe gleichen sehr deqenigen von Karlsbad und besitzen ent-
weder eine kugelige Gestalt oder werden polygonal gerundet,
wenn sie einander berühren. Sie lassen eine deutliche concen-
trischschalige und radialfaserige Zusammensetzung erkennen und
haben in der Regel einen Kern, der aus einem Kalkspathkrystall,
einer Schwefelkiesconcretion oder einem Quarzkorn besteht. Im
Dünnschliff tritt die concentrischschalige Anordnung namentlich
an der Peripherie, die radialfaserige Structur in der Mitte rings
um den Kern am schönsten hervor. Die einzelnen faserigen
Krystalle stehen mit ihren Hauptaxen radial, weshalb der
Pisolith im polarisirten Licht ein dunkles Kreuz zeigt. Die
Pisolithe sind theilweise von Bitumen imprägnirt; auch zeigen
115
sich zwischen dem Ealk ab und zu concentrische Schalen von
körnigem Schwefelkies \
Der sogenannte weisse Kalkstein oder das „ Weisserz'',
welches ebenfalls in Nestern im Asphalt auftritt, besteht aus
einem ganz weichen , sandigen, zerreibbaren, rosa gefärbten
Ealk, so dass es befremdend ist, warum diese Parthien nicht
auch von Bitumen imprägnirt worden sind. Da wo dieser helle,
dolomitische Kalkstein selbständig und in grösserer Menge
auftritt, ist er deutlich geschichtet und von zahllosen oft mehr
als papierdünnen Braunkohlenschichtchen , Blättchen und Adern
durchzogen. Dieser von Braunkohle durchschossene Kalkstein
nimmt einen bedeutenden Antheil an der Zusammensetzung der
Schichten. Die dem Betrieb hauptsächlich dienende Förderstrecke
von 60 m, welche mit schwachem Einfallen von den Werk-
häusern nach dem Haupt- Asphaltlager führt, liegt zum grössten
Theil in demselben. Dem zum ersten Male in die Tiefen dieses
Bergwerkes eintretenden Besucher bietet sich hier an einzelnen
Stellen eine schöne und unerwartete Erscheinung dar. An vielen
Stellen, wo dieser Braunkohlenkalk hervortritt und namentlich
da, wo er die Decke des Stollens bildet, hängen von derselben
lange, seidenartige, haarförmige Krystalle herab, welche im
Schein des Grubenlichtes glänzen. Die unter dem Einfluss
der warmen und feuchten Bergwerksluft efBorescirten Nadeln
erreichen zuweilen eine Länge von 20 mm und bestehen aus
1. Es konnte nicht mit Sicherheit ermittelt werden, ob Kalkspath oder irra-
gonitfasem den Pisolith zusammensetzen. Das speciflsche Gewicht eines möglichst
reinen Stückchens betrug 2,653 und bleibt demnach hinter demjenigen des Arragonils
(2,7—2,88) zurQck. Das StQckchen mit welchem die Bestimmung gemacht wurde,
zeigte unter dem Mikroskop, nachdem es in Salzsaure gelöst war, eine nicht aner-
hebliche Menge ^on Schwefelkies. Dieser musste das Sp. 6. erhöhen, während der
jedenfalls vorhandene geringe Bitumengehalt es erniedrigte. Durch die Bertrand'schen
Interferenzringe konnte ebenfalls kein Aufschluss erlangt- werden, da die Fasern
nicht hinreichend durchsichtig sind.
116
ganz reinem Bittersalz. Dieses halb natürliche, halb künstliche
Vorkommen des Epsomits mag, da es nicht gerade häufig ist,
hier Erwähnung finden. Während aus dem Braunkohlenkalk in
dieser Weise schwefelsaure Magnesia effiorescirt, findet sich an
der Kohle selbst nur Eisenvitriol und zwar oft in dicken grünen
Krusten ausgeschieden.
Die Braunlfohle ist nicht erdig, wie diejenige von Buchs-
weiler, sondern besitzt in dünneren Parthien einen dichten,
glänzenden Bruch. Dieselbe tritt nur in wenig mächtigen, höchstens
0,60 m starken Flötzen auf und ist wegen des hohen Schwefel-
kiesgehaltes ungemein zur Zersetzung und zum Aufblättern ge-
neigt. Zum Theil besteht diese Kohle aus Coniferenholz, an
welchem Daubbee bereits die typischen Spiraltüpfel beobachtet
hat. Eine besondere Varietät ist die Nadel- oder Palmkohle
(lignite bacillaire); dieselbe wird aus verkohlten Palmen-
stämmen gebildet, deren Fasern oft noch an einander haften
und stängelige Aggregate bilden.
Als accessorische Bestandmassen sind vornehmlich die im bi-
tuminösen Kalk vorkomm*enden Hornsteinknollen zu erwähnen,
welche man gleichfalls bei Drachenbronn findet. Diese braun,
rosa oder weisslich gefärbten Kieselsäureanhäufungen enthalten
ausser Schalenfragmenten zahllose kleine, meist an 0,5 mm mes-
sende, elliptische, bohnenförmige, seltener runde, dunkel gerandete,
oolithische Körperchen, welche nur selten concentrische Zonen
erkennen lassen. Die Kieselmasse besteht zum grössten Theil
aus kömigem, kryptokrystallinem Hornstein, theilweise aber auch
aus Ghalcedon, welcher sich aus faserigen, zuweilen strahlig
gruppirten Parthien zusammensetzt und meistens die Bindemasse
zwischen den Oolithen bildet. Herr Db. van Webveke hatte die
Freundlichkeit, mir einen Schliff von silificirtem Oolith, welcher als
Einlagerung im Trochitenkalk der Gegend von Sierck vorkommt,
mitzutheilen. Die Aehnlichkeit der beiden Kieseloolithe ist eine
117
so grosse, dass wir die tertiären wohl nicht als ursprüngliche
Bildung, sondern als eingeschwemmte Rollsteine ansehen müssend
Das Vorkommen von Bernstein in der Braunkohle von
Lobsann ist schon seit langer Zeit bekannt, und wurde derselbe
früher, wie es scheint, häufiger als jetzt gefunden. Daübbee
erwähnt, dass er in einzelnen Braunkohlenlagen in zahlreichen
Körnchen von der Grösse eines Stecknadelknopfes vorkommt.
(Seltener erreichen die Körnchen Erbsengrösse und mehr). Er
zählte bis zu 40 Bernsteinkügelchen in I cubdcm der Kohle.
Der Lobsanner Bernstein besitzt eine helle honiggelbe Farbe,
einen splittrigen muscheligen Bruch und ist stark doppelbrechend.
Das specifische Gewicht mittelst der TnouLET^schen Lösung be-
stimmt, ist gleich l,o88.
Der von Daübbee nachgewiesene Arsengehalt der Bitumen-
gesteine und der Braunkohle ist ein relativ hoher und beläuft
sich auf 0,002 — 0,ooo8 %. Derselbe wird wohl durch arsenhaltigen
Markasit und durch Arsenkies bedingt. Uebrigens finden sich auf
den Klüften des Asphaltkalkes auch schöne kleine Pyritkrystalle.
Die Fossilien des Asphaltkalkcomplexes sind nicht sehr
zahlreich. Von pflanzlichen Resten ist zu erwähnen:
Chara VoUdA Ai^ Braun '• Namentlich im Kieselkalk zwi-
schen Lobsann und Lampertsloch. Stengel und Früchte.
Sabal tnajor (Ung.) HEEB^ (= FlabeUaria maxima üng.)
Die Blätter finden sich in schöner Erhaltung im Kalk, die
Stämme bilden die Nadelkohle.
1. Die in der Sammlung befindlichen Stücke von Kieseloolith waren mit
einer alten Etiquette als verkieselte CAara-FrQchte u. Cyprii-Scbalen bezeiebnet.
Vielleicht sind sie irgendwo in der Litteratur als solche erwähnt worden ?
2. L. Jahrb. 1825. — Schimpkr, Pal. Y6g6tale 1869, T. I, p. 226. — M6m.
Soc, du mus. d'hist nat Strasbg., 1850. PaL Alsat. p. 3.
3. [Mihn. sur les vägitaux /oss. rhist. 7 nov. i849,) — Mäm, Soc, d'hisL
nat Strsbg., 1850, p. 3, Tafel I. II. — SceiMPEa, Pal. V^6t. 1869, T. II, p. 489.
118
Ctntuinwmwtn potymorphum Heeb. Ziemlich schmale
Blattformen im Kalk.
Jttglanasj^ Blattfragmente im Kalk.
Von thierischen Ueberresten fand sich bisher:
Meiania fctsde^n Sow. Schon von Lobsann erwähnt in
Saiidbkbo£B8 L. Sw. C, p. 307. Sie liegt mir gleichfalls in
Menge vor und erfüllt einige Schichten des dichten, grauen Kalkes
ganz und gar. Sie findet sich auch im weissen Kieselkalk der
Umgegend yon Lobsann gegen Harienbronn hin mit Ohara
Voltsi zusammen. Die Art ist weit yerbreitet und reicht vom
Obereocan bis in das Mitteloligocan.
Miiehüu8 pupiniformis Saxdb. (L. Sw. C, p. 316»
TL XX, fig. 12.) Bisher nur von Lobsann in schlechten Stein-
kernen bekannt.
JTysÜa sp. ähnlich aber schlanker als N. poliia F. Edw.
(SAjms. L. Sw. C, p. 316.)
Hydrobta obelisetis Sandb. (L. Sw. C, p. 316.)
AuHcida (Pjrthiopsis?) Sandb. (L. Sw. C, p. 317.)
Helix sp. Sandb. (L. Sw. C, p. 317.)
Hierzu kommen noch specifisch unbestimmbare Beste einer
Amnioola und eines kleinen segmentinen JPlcmarMs in der
Braunkohle.
Anthracotheriuin alsaiiCHm Cuv.
(Reste von Lobsann sind abgebildet und erwähnt in Guy., Rech, s, l. oss,
foss. 1822, p. 500, T. 35, fig. 5; 1836, p. 482, T. 201, fig. 5. —
Blaintill£, Ost^. IV, Anthr.)
Die Selbständigkeit des elsässer AfMracoiherium ist von
Terschiedenen Autoren angezweifelt worden; so haben vor allem
Blaistills und Gkbtais dasselbe mit dem Anthr. tnagnum ver-
einigt, während H. tok Meysb, Gaubbt und FuiHOL es als geson-
derte Species auffuhren. Kowaletskt, in seiner berühmten Mono-
119
graphie der Gdittung Änthracoiherium (Palaeontogr. XXII 1876),
gesteht dem Änihr. alsaticum nur schwache Ansprüche auf speci-
fische Selbständigkeit zu, geht aber leider nicht näher auf die-
selben ein (pg. 347). Das Anthracotherien-Material von Lobsann,
welches mir vorliegt, ist zu sparsam, um mich hier auf eine
gründliche Beschreibung der Species einlassen zu können. Ich
will nur hervorheben, dass alle bekannten Reste von Lobsann
mir zur selben Species zu gehören scheinen, und dass diese
meiner Ansicht nach nicht mit dem Anthr. magnum zu Ver-
einigen ist. Einige Maasse mögen zunächst zum Vergleich dienen ' :
Oberkiefer-Zilme
mit Ausnahme von m*
und den Incisiven.
Uniarkiefer-Zilme
mit Ausnahme von
P*j P't Ci i* «• i*-
Die Maasse sind in mm
angegeben.
m'.
42
40
46,5
59
78,5
73
60
m*.
36
35,5
52
60
55
P^
25,6
27
35
P».
22
15
28
c.
ra*.
55
68
75
74
m».
32
32
43
47
m«.
27
26
36
P».
24
28
37
i».
09
16
er-
20
31
k.
25
37
. V. Lobsann
S { V. Villebramar
'^ f V. Quercy
/ V. Gadibona
i 1 V. Rochetle
jg j V. Digoin
' V. Moissac
Die Maasse des A. alsaticum von Lobsann sind an Exem-
plaren der Strassburger Landessammlung, die von Villebramar
an einer Abbildung von Gaudby (Enchain. d. monde anim.
1. Die Prämolaren sind von hinten nach vorn gezahlt. Diese Art des Zählens
ist in sofern zwecitmassig, als bei der Reduetion dann bei allen Zähnen die hOchst-
numerirten zuerst verschwinden.
120
p. 97, fig. 118), die von Quercy an der Abbildung von Filhol
(Ann. des sc. g^ol. 1877, PI. 8, fig. 241) genommen worden.
Für das A. magnum wurden bei dem Fundorte Cadibona
die Abbildungen von Cuyieb (PI. 161, fig. 2), bei dem Fund-
orte Rochette die Abbildungen von Kowalevsky (PI. XII,
fig. 60, 61, 62, 63, 64, 66), bei dem Fundorte Digoin Gypsab-
güsse der Strassburger städtischen Sammlung und bei dem Fundorte
Moissac die Abbildungen von Gebvais (Mam. foss., PI. 31, fig. 10)
benutzt, m' ist der letzte Molar; die Zahlen geben den grössten
Durchmesser des Zahnes von vorn-aussen nach hinten und innen
gemessen an. Es ist hier noch zu bemerken, dass der obere m' von
Digoin etwas durch seine Form abweicht, indem Aussen wand
und Innenwand starker convergiren als bei den Zahnen der anderen
Fundorte, m' des Oberkiefers, der zweitletzte Molar, ist in gleicher
Weise wie m' gemessen. Bei p* und p*, den beiden hintersten
Praemolaren, ist die grösste Breite gemessen worden.^ Bei allen
Unterkieferzähnen ist immer die Länge angegeben. Bei dem
Caninen (c) sind die Durchmesser an der Kronenbasis, der
grössere (g) und der kleinere (l), gemessen.
Aus der Tabelle geht hervor, dass das Ä. alsaticum
ziemlich constant um etwa Vs kleiner ist als das A. magnum*.
Dies ist um so wichtiger, weil die Zähne von Lobsann keines-
wegs alle demselben Individuum angehört haben können. Die
Uebereinstimmung der Zähne von Ä. magnum und A. aisaiicum
ist sonst eine sehr grosse; nur die Praemolaren weichen etwas
von einander ab. Man wird am besten die kleinen Details
1. Diese constante Crftssendifferenz erlaubt uns nicht, die 2 Arten zu Ter-
einigen, zumal wir TOn A. alsaticum nur die Zähne und diese nicht einmal alle
kennen. Es können 2 ganz verschiedene Arten im Zahnbau so gut wie gar nicht
von einander abweichen; wir brauchen z. B. nur unserer lebenden Equiden, sowie
gewisser Nager zu gedenken.
121
aD einer Abbildung bemerken können, weshalb auf Tf. IV die
am schönsten erhaltenen Zähne dargestellt sind*.
Bei Q u e r c y finden sich nach Filhol beide genannten Anthra-
coiheriwm-AxiQn neben einander. Ä, magnum erreicht hier eine
ungeheure Grösse und ist eigenthämlicher Weise in den Phos-
phoriten fast nur auf den Fundort Raynal beschränkt. Die
kleinere Art von Quercy, von der wir einige Maasse in die
Tabelle aufgenommen haben, hält Filhol (1. c, pg. 178) für
A. aisaticum. Diese Art ist nach Filhol sehr variabel in der
Grösse, und finden sich, wie es scheint, Uebergänge, welche die
kleinen mit den grösseren Anthracoiherium-Axten verbinden. Der
von Filhol abgebildete Oberkiefer weicht in seiner Bezahnung
dadurch ab, dass die Molaren und Praemolaren nach vorn
schneller an Grösse abnehmen, als bei der elsässer Art. Ob die
Art von Lobsann wie die von Quercy, welche Filhol ab-
bildet, Zwischenräume zwischen den Praemolaren zeigt, lässt sich
bis jetzt noch nicht entscheiden.
Tf. IV, fig. 1, m' und m" des rechten Oberkiefers Vi ß- gr-
Dieselben weichen nicht wesentlich von den gleichen Zähnen des
A. magnum in der Form ab.
Tf. IV, fig. 2, p* des rechten Oberkiefers */, n. gr. Die äussere
vordere Warze ist bei dem abgebildeten Stück weggebrochen;
dieselbe ist jedoch bei einem anderen Fragment von L o b s a n n
erhalten und ziemlich kräftig entwickelt. Die Schmelzkegel sind
sehr hoch. Fig. 8. Fragment von p' eines anderen Individuums
von aussen.
Tf. IV, fig. 3, p* des rechten Oberkiefers Vi n. gr. Dieser
1. So viel ich weiss, ist bisher nur der Unterkiefer mit Milchzähnen des Anthra-
cotherium yon Lobsann abgebildet worden (cf. Guy., t. 201, flg. 5). Derselbe enthält
den permanenten m\ davor 3 Milchzähne und die Eckzahnalveole (mS D>, D^, D>, c).
3 i, i c, 3 p, 3 m
Die Zahnformel des ausgewachsenen Anthracoterium ist —r-. — ;; z .
^ 3 1, 1 c, 4 p, 3 m
122
Zahn ist Yerhältiüssiiiissig gross und weicht beträchtlich Ton
dem gleichen Zahne des A magnum ab. Der Hauptschmelzkegel
ist sehr hoch, spitz und gefältelt. Die Form ist ziemlich kurz
and dick dreieckig.
Taf. IV, fig. 4. Ein sehr schön erhaltener Canine des rechten
Oberkiefers '/i ^' gr., dorchaos gleich, aber Vs kleiner wie der
Oberkiefercanine Ton Digoin. Er zeigt vom an der Basis
geringe Abnutzung und hat namentlich längs der Hinterseite
eine kräftige Schmelzkante (in höherem Grade wie Ä, magnum).
Ein zweiter, linker, oberer Canine, fig. 5, hat ungefähr gleiche
Grösse, ist aber heller gefirbt und zeigt vom-aussen eine viel
stärkere Usur durch den übergreifenden unteren Caninen. Die
Spitze ist abgebrochen, so dass sich über ihre Abnutzung nichts
sagen lässt
Taf. IV, fig. 7. Ein unterer, linker Schneidezahn, den ich
für i* halten möchte '/|. Derselbe ist an der Spitze ziemlich stark
abgekaut und zeigt an den beiden Seiten Berährungsflächen.
m
Es scheint hiernach, dass die Schneidezähne bei Ä. alsaticum
sehr dicht an einander standen.
Ueber die genaue horizontale und verticale Verbreitung
der Anthracotherienarten, dieser häufigsten Säugethiere im Oli-
gocän, liegt, so viel ich weiss, noch keine eingehende Arbeit
vor. Ich beschränke mich daher darauf, zu erwähnen, dass
H. YOH Meter das A. cUscUicum aus Deutschland noch von
Schlüchtern und Hochheim (angeblich hier im Cyrenen-
mergel) anfuhrt. Bei Lob sann findet es sich in den tiefsten
Schichten des Septarienthones und im Asphaltkalk. Das Vorkommen
von Ä. magnum Cüy. in dem Meeressande tou Flonheim bei
Alzey wurde neuerdings wieder Yon Lepsiub bestätigte
I. Lirsius. Das Mainzer Becken. Dannstadt, 1883, p. 58.
123
JEntelodon af. tMignwm Atm.
Tf. XI, fig. 19.
Ein Unterkiefermolar der rechten Seite von JEntelodon aus
dem Asphaltkalk von Lob sann liegt mir vor. Seine Länge
beträgt 42 mm, seine grösste Breite 31,5 mm. Der Zahn besitzt
4 ballonförmige, durchaus gerundete Schmelzkegel, von welchen
die beiden vorderen, höheren durch eine tiefe Einsenkung von
den 2 hinteren getrennt sind. Der innere hintere Hügel ist am
niedrigsten. Die Abnutzung hat kaum begonnen und macht sich
durch eine doppelte Usurfläche am hinteren äusseren Hügel
bemerkbar. Am vorderen Theil des Zahnes ist der Basalwulst
deutlich entwickelt und wird nur durch die Berührungsfläche
mit dem davorstehenden Molaren etwas oblitterit. Am hinteren
Ende des Zahnes erhebt sich der Basalwulst zu einer kräftigen,
blasigen Warze, an welcher keine Berührungsfläche wahrzunehmen
ist. Unser Zahn ist nicht unbeträchtlich (um Vs) grösser, als die
Zähne des Enielodon niagnum von Bonzon; ferner weicht er
darin ab, dass der gekräuselte Schmelzkragen, namentlich an der
Aussenwand, nicht so kräftig entwickelt ist, und dass die Kegel
etwas höher sind. Möglicherweise gehört er einer anderen Art
an; der einzige Zahn genügt jedoch nicht, die Species zu fixiren\
1. Bei Ronzon soll sich neben dem E. tnagnum noch eine andere Art
E. JiimMoanum finden (Gsav., Mam. foss.), welche Filhol als Varietät der ersteren
ansieht.
Die americaniscben Arteo, welche Leidt (ExUnct mamalia of Dakota and
Nebraska 1869, p. 388) anführt, sind folgende:
1) Enielodon Morloni Lew. Mauvaises Terres von Dakota (Mioc.;, ist kleiner
als E. magnutn Atm.
2) Eni, ingens Leid. Eben daher, ungefähr ebenso gross wie E, magnum.
3) Ent superbum Leid., aus Galifornien. Sehr unvollständig bekannt, wohl
etwas grösser als das vorige, vielleicht damit identisch.
124
Der Zahn von Lobsann ist wahrscheinlich der letzte, viel-
leicht auch der zweitletzte Molar; beide Zähne gleichen einander
sehr, zumal da m' bei Entelodon keine 3 Loben besitzt, wie bei
allen anderen Paarhufern mit Ausnahme des Neotragus Saltiana*.
Seiner Form nach bin ich eher geneigt, den Zahn von Lobsann
für den zweiten Unterkiefermolaren zu halten.
JEnielodoh, ein Bunodont, welcher jedoch durch seine Zwei-
zehigkeit von allen anderen schweineartigen Thieren abweicht,
wie dies Eowalevsky nachgewiesen hat, findet sich namentlich
im Kalk von Ronzon (Oligocän) neben Hyopotamus. Ausser-
dem kommt er im oligocänen Sandstein von Yillebramar
mit Anthracotherium alsaticum vor, während die Gattung über-
haupt ihre reichste Entwickelung im Miocän (viell. z. Th. Oligo-
cän) von Nordamerica erlangte. Aus Deutschland kenne ich nur
den einzigen Fundort Lobsann, wo Herr von Alskbt den
besprochenen Zahn im Asphaltkalk auffand und ihn der hiesigen
Landessammlung gütigst überliess.
4) Eni. imperator Leid. (Gont. to the ex. vert. fauna of the w. teiritories
1873, p. 217.) Eine Art, die grösser sein soIi als E. magnum.
FiLHOL (Ann. d. sc. gäol. 1882, p. 240) spricht sich dahin aus, dass E. im-
perator u. superbum wohl mit dem europäischen E, magnum vereinigt werden
müssten, da diese Art sehr in der Grösse variire. Ueberhaupt sind die meisten der
oben genannten americanischen Arten nur in mangelhaften Resten beliannt
6) E, Leidyanum Marsh. Squanknm MoumouUi Co. N. J. Mioc? — Von
dieser grossten americanischen Art konnte ich leider keine Abbildung mit dem
elsässer Zahn vergleichen.
6) Ent. lentus Marsh. (Am. Jonr. cf. sc. 1871.) Mauvaises-Terres von Dakota.
Soll nur halb so gross sein wie E. Mortoni.
1 . Gf. KowALEvsKT. Ostcologie des Genus Entelodon Aym. Palaeontol. , XXII,
1876, p. 421. EUie dem dritten Lobus ähnliche Bildung zeigt sich bei Entelodon
Mortoni Leidt u. zwar bei grossen Exemplaren desselben, wie sie früher als
Archaeotherium robtutum beschrieben wurden (cf. Leidy, Ancient fauna of Nebraska
1852, p. 66, Tf. X, fig. 12).
125
Hyapotcmius cf. VetOMWUs Cüv.
Tf. XI, fig. 18.
Es liegt mir yon Lob sann ein letzter, unterer Molar der
linken Seite vor. Er ist ausgezeichnet durch seine inneren, spitz-
kegelförmigen und seine äusseren, winkelig halbmondförmigen
Schmelzkegel. Derselbe hat 3 Loben; an dem hinteren Talon
fehlt jedoch der innere Kegel. Die Schmelzsübstanz ist unregel-
mässig gekömelt. Der einzige Zahn, mit abgebrochenem äusseren
Kegel des vordersten Lobus, lag in der Strassburger Sammlung
und war als ? Sideroiherium^ bestimmt. Der Grösse und Form
nach scheint mir der Zahn dem Hyopotamus Velaunus Guy. sp.
am nächsten zu stehen; die unvollständige Erhaltung erlaubt
jedoch noch nicht mit Sicherheit darüber zu entscheiden.
? Hhinoceros sp.
Von Daübbee wird (1. c.,p. 181) ein Rhinoceroszahn erwähnt,
der sich in der Braunkohle von Lobsann fand. Der Zahn ist
nicht in der Strassburger Sammlung, und ich kenne ihn nicht.
Das Vorkommen von Bhinoceros mit Entelodon zusammen hätte
nichts Unwahrscheinliches an sich.
In den M^m. d. 1. soc. d'hlst. nat. de Strasbg. V, R^sum(^
analytique (6 nov. 1861 und 3 mai 1859) heisst es, dass
ScHiMPEn Zähne von Antr. magnum von Lobsann und von
,^Anchitherium aurelianum^^ vorgezeigt habe. Was ersteres betrifft,
so waren es wohl die Zähne von Äntr. alsaticum aus der
Strassburger Sammlung; was letzteres angeht, so verweise ich
auf die Anmerkung p. 27.
1. Ueber Siderotherium vergl. Die foss. SSugethiere Wttrtembergs 1839,
p. 75, Tf. X, fig. 20—21, von G. F. JiEOEB.
126
B, Bitumenführende Schichten von Pechelbronn.
(Dnteroligocan.)
Im Vorstehenden haben wir gesehen, dass nnter dem
Asphaltkalk und den Braunkohlen von Lobsann eine Reihe
von mergeligen, pechsandfährenden Schichten sich zeigte; ähn-
lichen Mergeln begegneten wir bei Lampertsloch unter dem
Süsswasserkalk, und bei Pechelbronn schliesslich finden wir
dieselben in grossem Maasstabe bei^männisch aufgeschlossen.
Den Asphaltkalk mussten wir sowohl seiner Lagerung, als auch
seiner Fauna nach dem tiefsten Mitteloligocan zuzahlen. Seine
liegenden Schichten, welche uns jetzt beschäftigen werden, und
welche mit gleichbleibendem Charakter bei Pechelbronn bis
in eine Tiefe tou 150 m Terfolgt wurden, können wir daher
als Unteroligocän ansehen, um die Einförmigkeit der Mergel-
massen und ihr stetes Wechseln mit kleinen meist bituminösen
Sandschichten zu yeranschaulichen, mögen 2 Profile dienen:
I. Profil des Magdalenen - Schachtes Ton 1839, nach
Daitbbee.
1. Ackerboden 1,» m.
2. Thon und Mergel 9,o8 m.
3. Bituminöser Sand 0,i6 m.
4. Blaue Mergel 3,89 m.
5. Sandstein 0,48 m.
6. Bläuliche Mergel 3,89 m.
7. Sandstein 0,i6 m.
8. Bläuliche Mergel 1,78 m.
9. Sandige Mergel und schwarzer Sand l,<a m.
10. Bläuliche Mergel 2,s7 m.
Zu fibertragen .... 24,63 m.
127
Uebertrag .... 24,63 m.
*11. Rother Thon 0,65 m.
12. Bituminöser Sand 0,io m.
13. Sandige Mergel I,i9 m.
*14. Rother Thon 0,8i m.
15. Bläuliche Mergel mit schwarzem Sande gemengt 6,88 m.
*16. Rother Thon 0,7$ m.
17. Sandstein 0,67 m.
*18. Rother Thon 0,97 m.
19. Graue Mergel 0,97 m.
20. Sandstein 0,8i m«
*21. Rother Thon 1,2* m.
22. Sandstein 0,o8 m.
*23. Rother Thon 0,7s m.
24. Blaue Mergel 1,08 m.
25. Bituminöser Sand 0,82 m.
26. Graue Mergel 1,08 m.
27. Sandstein 0,40 m.
28. Graue Mergel 0,6i m.
29. Bituminöser Sand 0,48 m.
30. Blaue Mergel 0,82 m.
31. Bituminöser Sand 0,82 m.
32. Bläuliche und schwarze Mergel 10,86 m.
33. Sandstein 0,s2 m.
34. Graue Mergel 1,95 m.
35. Bituminöser Sand 0,82 m.
36. Bläuliche und schwarze Mergel mit bituminösem
Sand gemengt 6,66 m.
37. Bituminöser Sand 1,78 m.
38. Mergel mit Sandstein wechselnd 0,97 m.
39. Bituminöser Sand l,8o m.
Zu übertragen .... 66,42 m.
128
Uebertrag .... 66^ m.
40. Sandstein O^i m.
41. Graue und schwarze Mergel 2,io m.
42. Sandstein 0,st m.
43. Bläuliche und rothe Mergel mit Bitumsand-
flötzen 4,91 m.
73,86 m.
In diesem Profil überwiegen die Mergel und thonigen
Mergel weitaus über die mergeligen Sande und Sandsteine. Man
begegnete in dem Schacht 8 Bitumensandflötzen, die zusammen
4,73 m mächtig sind, und Yon welchen das stärkste 1,78 m
erreicht Die Bitumensande sind auf keinen bestimmten Horizont
beschränkt, sondern finden sich in der ganzen Höhe der Schichten
und sind in der Teufe am besten entwickelt. Man begegnete
beim Graben des Oelbassins, wenige Meter unter Tage schon,
kleinen Lagen von Petrolsand und hat im Jahre 1882 das
reichste und wohl auch das mächtigste Flötz bei 138 m Tiefe ent-
deckt. Das Auftreten der rothen Thone ist auf eine Tiefenzone
von ungefähr 25 — 40 m im Magdalenenschacht beschränkt.
IL Profil des Andreas-Schachtes. Das sehr detaillirte Profil
dieses Schachtes wurde von Herrn vok Albebt aufgenommen
und findet sich ausserdem abgedruckt in dem Werke von
L. Stbippelmakn, Ueber die Petroleum-Industrie Oestreich-Deu tsch-
lands. Ab. UI, pg. 176.
Profil des Andreasschachtes za Pechelbronn.
129
1 Lö8S
2 Grober Flusssand
3 Gelber, mit kleinen Sandsteinen und nierenfOrmigen
Feuersteinen geschwängerter Thon
4 Graubräunlicher Letten
5 BraunrOtblicher Letten
6 Grauer Letten
7 Schwarzer Letten
8 Blauer Leiten
9 Grauer Letten
10 Schwarzer Leiten
11 Grauer Leiten
12 Blauer Letten
13 Grauer Letten
14 Blauer Letten
15 Gelblicher, sandiger Letten
1 6 Sandiger, blauer Letten
17 Grauer Letten von einem kleinen Sandgang durch-
zogen
18 Graubräunlicher Letten
19 Brauner Letten
20 Blauer mit Sand geschwängerter Letten
21 Gewaschener Sand
22 Schwarzer Letten
23 Grauer Letten
24 Stein
25 Grauer Letten an der Sohle mit Sand geschwängert
26 Gewaschener Sand
27 Brauner Letten
ni.
•
Mäch-
tigkeit.
Tiefe.
m.
m.
1,68
1,62
0,05
1,67
0,58
2,25
5,27
7,52
3,80
10,82
0,80
11,12
0,45
11,57
0,80
11,87
3,46
15,82
0,60
15,92
0,80
16,72
0,80
17,02
0,90
17,92
0,80
18,22
0,28
18,50
0,80
18,80
0,87
19,67
0,45
20,12
1,10
21,22
0,26
21,47
0,80
21,77
1,25
33,02
0,45
23,47
0,20
23,67
1,98
25,60
0,06
25,66
1,00
26,66
9
130
r
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53
54
55
56
57
58
Blauer Letten
Gewaschener Sand
Blauer Letten
Brauner Letten
Blauer Letten
Schwarzer Letten
Blauer Letten
Grauer Letten
Schwarzer Letten
Grauer Letten
Schwarzer Letten
Stein
Blauer Letten
Grauer Letten
Stein
Grauer Letten
Stein
Grauer Letten
Gewaschener Sand
Grauer Letten
Stein
Schwarzer, fetter Letten . .
Stein
Brauner Letten
Grauer, sandiger Letten . .
Harter, gemeisselter Letten
Grauer Letten
Blauer Letten
Stein . . .
Blauer, sandiger Letten . .
Blauer Letten
Mäch-
tigkeit
m.
0,84
0,05
0,90
1,46
1,60
1,30
0,80
1,00
0,25
1,00
0,87
0,18
0,20
0,68
0,28
0,10
0,36
0,06
0,05
0,05
0,10
1,35
0,47
0,15
0,14
0,80
0,48
0,18
0,80
0,15
0,42
Tiefe.
m.
27,00
27,05
27,95
29,40
3 1,00
32,30
32,60
33.50
33,75
34,75
35,12
35,30
35,50
36,18
36,40
36,50
36,86
36,92
36,97
37,03
37,13
38,48
38,95
39,10
39,84
39,44
39,87
40,05
40,35
40,50
40,98
131
59 Schwarzer Letten
60 Grauer Letten
61 Blauer, sandiger Letten
62 Stein
63 Grauer Letten
64 Schwarzer Letten
65 Grauer Letten
66 Stein
67 Grauer Letten
68 Harter, gemeisselter Letten
69 Grauer Letten
70 Schwarzer, mit Braunkohlen geschwängerter Letten
71 Grauer Letten
72 Stein
73 Harter, grauer Letten
74 Brauner Letten
75 Grauer Letten
76 Schwarzer Letten
77 Grauer Letten
78 Stein
79 Grauer Letten
80 Schwarzer Schieferlhon
81 Grauer Letten
82 Sehr harter Stein
83 Grauer Letten
84 Stein
85 Blauer Letten
86 Schwarzer Letten
87 Grauer Letten
88 Harter Stein
89 Blauer Letten
Mäch-
tigkeit.
Tiefe.
m.
0,36
3,02
0,93
0,22
0,48*
0,41
1,14
0,14
0,24
0,15
0,70
0,24
0,72
0,12
0,70
0,32
0,87
1,03
0,23
0,22
0,41
2,27
0,87
0,51
0,30
0,13
0,10
1,72
0,4i)
0,41
0,64
m.
41,27
44,29
44,52
44,74
45,22
45,63
46,77
46,91
47,15
47,30
48,00
48,24
48,96
49,08
49,78
50,10
50,47
51,50
51,73
51,95
52,36
54,63
55,50
56,01
56,31
56,44
56,54
58,26
58,75
59,16
59,80
1
132
90
91
92
93
94
95
96
97
98
99
100
101
102
103
104
105
106
107
108
109
110
111
112
113
114
115
116
117
118
119
120
Schwarzer Letten
Thonmergel
Schwarzer Letten
Grauer Letten
Schwarzer Letten
Schwarzer Sand
Granlicher Letten
Schwarzer Letten
Blauer Leiten
Stein
Grauer Letten
Harter Stein
Blauer Letten
Stein
Schwarzer Letten
Schlammartiger Sand
Schwarzer Leiten
Schlammartiger Sand
Blauer Letten
Sehr harter Stein
Grauer Letten
Schwarzer, schlammartiger Sand
Schwefelkies
Schwarzer Letten
Harter Stein
Grauer Letten
Harter Stein
Blauer Letten
Stein
Blauer Letten
Stein
Mäch-
tigkeit.
Tiefe.
m.
m.
0,36
60,16
0,95
61,11
0,57
61,68
0,20
61,88
0,10
61,98 1
0,05
62,03 1
0,09
62,12
0,20
62,32
0,28
62,60
0,12
62,72
0,15
62,87
0,52
63,39
0,68
64,07
0,23
64,30
1,47
65,77
0,05
65,82 1
0,35
66,17
0,05
66,22
0,46
66,68 .
0,40
67,08
0,32
67,40 '
0,15
67,55 j
0,10
67,65
0,05
67,70
0,16
67,86
0,05
67,91
0,24
68,15
0,53
68,68
0,16
68,84
0,92
69,76
0,44
70,20
133
121 Sehr harter, grauer Letten
122 Schwarzer Letten >.
123 Schwarzgrauer Letten
124 Grauer Letten
125 Thoniger, gewaschener Sand
126 Stein
127 Grauer Leiten
128 Blauer Letten
129 Erz mit blauem Letten geschwängert. . . .
130 Blauer Letten
131 Brauner Letten
132 Grauer Letten
133 Schwarzer Letten
134 Blauer Letten
135 Stein
136 Blauer Letten
137 Schwarzer Letten
138 Blauer Letten
139 Gewaschener Sand
140 Blauer Letten
141 Stein
142 Grauer Letten
143 Stein.
144 Grauer Letten
145 Stein
146 Blauer Letten
147 Stein
148 Blauer Letten von gewaschenen SandflOtzen durch-
zogen
149 Schwarzer Letten
150 Blauer Letten mit kleinen BrzflOtzen (Pe-
IrolsandflOtzen)
Mäch-
tigkeit.
Tiefe.
m.
m.
0,46
0,18
0,S6
0,15
0,05
0,10
0,60
0,80
0,10
0,14
3,64
0,45
0,97
0,30
0,26
0,ai
0,83
0,80
0,04
0,76
0,14
0,37
0,86
1,03
0,88
0,35
0,88
0,80
0,75
0,30
70,66
70,84
71,80
71,35
71,40
51,50
72,10
72,90
73,00
73,14
76,78
77,83
78,80
78,50
78,76
78,97
79,40
79,40
79,44
80,80
80,34
80,71
80,97
82,00
82,88
82,63
82,85
83,05
83,80
84,10
134
151
152
153
154
155
156
157
158
159
160
161
162
163
164
165
166
167
168
169
170
171
172
173
174
175
176
177
178
179
Stein
Grauer Letten
Harter Stein
Blauer Letten
Blauer Letten mit gewaschenem Sand
Schwarzer Leiten
Grober, gewaschener Sand
Ausserordentlich harter Stein. .*
Blauer Letten
Stein
Blauer Letten
Schwarzer Letten
Grauer, weicher Letten
Schwarzer Letten
Stein
Zerreiblicher, grauer Letten
Stark riechendes Erz, erzeugt Rohöl . .
Blauschwärzlicher Letten
Stark riechendes Erz, erzeugt Rohöl . . . .
Blauer Letten
Sehr harter Sandstein, 50 cm mächtig im Schacht,
wo er an der Sohle Oel erzeugt. . . .
Blauer Leiten
Schwarzer Letten
Harter, grauer Letten
Schwarzer Letten
Grauer Letten
Stein
Schwarzer Letten
Sohle des Schachtes.
Harter Stein
0,26
0,06
0,28
0,10
0,28
0,85
0,20
0,25
0,12
0,24
0,44
2,98
0,64
1,30
0,15
0,15
0,05
0,70
0,05
0,17
0,so
0,87
2,28
0,68
0,55
0,35
0,10
1,15
0,40
84,36
84,42
84,70
84,80
85,08
85,43
85,63
85,88
86,00
86,24
86,68
89,66
90,30
91,60
91,75
91,90
91,95
92,65
92,70
92,87
93,17
93,54
95,82
96,45
97,00
97,35
97,45
98,60
99,00
135
180 Grauer Letten
181 Stein.
182 Blauer Letten, wird am Dach von einigen
fetten, stark riechenden BrzflOtzen
durchzogen
183 Brauner Letten
184 Stein
185 Blaugrauer und sandiger Letten
186 Fettes, riechendes Erz, erzeugt Wetter. . .
187 Blauer Letten
188 Braungrauer Letten
189 Blauer, sandiger und riechender Leiten
190 Stein.
191 Brauner Letten
192 Grauer Letten.
193 Blauer Letten, ist am Dach von einigen ge-
ringen, fetten, riechenden ErzflOtzen
durchzogen
194 Sandstein
195 Blauer Letten
196 Schwefelkieshaltiger, schwarzer Letten
197 Stein
198 ^ I Grauer Letten mit Erzflötzen
199 äs j Mageres, lettiges Erz
200 'S j Erz
201 w ( Sehr fettes Erz
202 Stein
203 Fettes Erz
204 Stein
205 Blauer Letten
206 Stein
Mäch-
tigkeit.
m.
0,28
0,15
0,74
0,32
0,28
0,23
0,77
0,06
0,40
0,16
0,15
0,58
0,26
1,00
0,05
0,77
0,90
0,16
0,47
0,63
0,35
3,43
0,20
0,18
0,14
1,80
0,08
Tiefe.
m.
99,28
99,43
100,17
100,49
100,72
100,95
101,72
101,78
102,18
102,33
102,48
103,02
103,32
104,32
104,37
105,14
106,04
106,20
106,67
107,30
107,68
111,08
111,28
111,46
111,60
113,40
113,48
136
207 Blauer Letten
208 Stein
209 Blauer Letten
210 Stein
211 Blauer Leiten
212 Stein
213 Gemeisselter Letten
214 Sehr harter Stein
215 Schwarzer Letten.
216 Blauer Leiten
217 Mageres, aber riechendes und Wetter er-
zeugendes Erz
218 Blauer Letten
219 Brauner Leiten
220 Blauer Letten
221 Weisser, gewaschener Sand
MAch-
tjgkeit.
Tiefe.
0,24
0,18
0,18
0,38
0,06
0,19
0,87
0,50
0,90
1,99
0,13
0,95
1,85
0,49
0,95
3,79
3,90
4,08
4,40
4,45
4,57
5,30
5,80
6,00
7,«
:7,s5
8,30
20,15
20,57
20,89
137
In diesem Profil überwiegen wiederum die Mergelschichten
(Letten) bei Weitem an Masse gegenüber den anderen Gebirgs-
arten, wie Sanden, Sandsteinen, Thonen und Steinmergeln.
Nach Abzug aller anderen Schichten bleibt für die Mergel eine
Mächtigkeit von etwa 97,52 m bei einer ganzen Tiefe des
Schachtes und Bohrloches von 120,88 m. Die ersten Indicien
von Bitumen zeigten sich bei 73 m Teufe; bei 106,8o m erreichte
man das Hauptflötz oder sogenannte £rzlager, welches an dieser
Stelle 4,88 m Mächtigkeit hatte. Im Ganzen wurden 1 1 Schichten
durchteuft, welche Bitumensand führten oder Spuren davon auf-
wiesen. Die rothen Thone des Magdalenen-Schachtes fehlen im
Andreas-Schacht. Die in dünnen Lagen vorkommenden Sandsteine
bestehen aus farblosen oder leicht röthlich gefärbten, gerundeten
Quarzkörnern, welche durch ein kalkig mergeliges Cement ver-
bunden sind und ab und zu Pyrit enthalten.
Diese angeführten Profile geben uns nur eine unvoll-
ständige Vorstellung von der Verbreitung der bituminösen Sande
in den sterilen Mergeln und Sandsteinen. Wir müssen das Haupt-
augenmerk auf die horizontale Ausdehnung der Petrolsande
richten. Man kennt dieselbe bei Pechelbronn ziemlich genau,
da schon seit dem Jahre 1743 an diesem Orte fast ununter-
brochener Bergbau 'auf Petroleum betrieben wurde.
Um die jetzt zu schildernden Verhältnisse anschaulicher zu
machen, wurde beistehende Skizze (Atlas-Karte Nr. I.) nach den
Grubenplänen entworfen ^ Wie der Plan zeigt, bilden die bituminösen
Sande lange, schmale und platte, bandförmige Einlagerungen parallel
den Schichtflächen. Diese Einlagerungen zeigen eine sehr geringe
1. Ein theilweiser Plan der Petrolflötze, welcher von Daubr^e herrührt,
eiisürt schon seit 1852. Im Jahre 1873 wurde von dem Besitzer Herrn Lb Bel
ein neuer Plan für die Wiener Weltausstellung entworfen. Auf Grund dieses Situa-
tionsplanes, sowie der Bergakten, deren Benutzung ich der Gute des Herrn von
Albeat verdanke, wurde meine Skizze angefertigt.
ISS
Terticale Höhe Ton ange&hr 0>— 2 m. vje Daubree aniuhrt In
den hüheren Lagen erreichen sie ganz ausnahmsweise 4 m, in den
tieferen hingegen sogar 5—6 m. Im transTersalen Durchschnitt
sind die Lager linsenfLnnig, so dass sie Ton der Mitte nach den
RäLdem zn aaskeilen. Die LängserstreckiiLg ist immer eine viel
bedeutendere als die Breite, nLd namentlich die tieften Flötze
scheinen eine sehr grosse, noch unt-ekannte AusdehnoLg zn be-
sitzen. Xäch Angabe Daubaees wurden einzelne der höheren
Flütze in einer Erstreckung Ton 600 m Terfolgt und zeigten
dabei eine durchschnittliche Breite tou 30 m. welche sich jedoch
zuweilen bis auf 60 m steigerte. Sowohl die Breite, wie die
Mächtigkeit der Flötze sii^d beträchtlichem Wechsel unterworfen,
und im gleichen 5iTeau gelegene Einlagerungen sind oft durch
einen feinen Bitumensandfaden noch miteinander rerbunden. Die
Bitumensandäütze der hc-heren Lagen, welche auf unserem Hau
mit einem dunkleren Ton angelegt sind, kennt man am besten,
weil sich dieselben leichter Terfoken und abbauen liessen. In
den grösseren Teufen werden zwar die Petroleumflötze reicher
und mächtiger, aber in dem Grade wird auch der Abbau der-
selben mühsamer und gefährlicher. Dieselt^en sind daher meist
durch Querschläge von den Fallstrecken aus angezapft worden,
und man kennt nicht genau ihre Form und Breite. Das reidiste
bisher bekannte Lager schliesslich, welches in 138 m Teufe
liegt, kann jedenfalls nur durch Bohrlöcher ausgebeutet werden.
Das Bohrloch Tom 6. April 18 SS, welches in 138 m Teufe
auf ein Erdölflötz traf, lieferte Anfangs bei einem Böhrendurch-
messer des Bohrgestänges Ton 22 mm im Lichten 11 500 kg
reines Erdöl in 24 Stunden. Xach längerer Zeit sank die Menge
des in 24 Stunden ausäiessenden Oeles auf 10 800 kg herab,
und auch jetzt, wo man dieses Bohrloch durch einen Erahnen
verschlossen hat, scheint seine Produktionslahigkeit sich nicht
um Erhebliches Temiindert zu haben. Es gelang Anfangs nicht
139
die Fortsetzung des grossen in 138 m Teufe gelegenen Oelflötzes
aufzufinden, und ein ungefähr 100 m östlich davon abgeteuftes
Bohrloch ergab gar kein Oel, sondern nur bedeutende Gasmengen.
Ende Oktober d. J. traf jedoch das Bohrloch Nr. 166 (cf.
Eartensk. Nr. I, Atlas) bei 125,6 m Teufe wieder auf das Oel-
lager und constatirte an dieser Stelle eine Mächtigkeit desselben
Ton nur 0,34 m; es flössen 3—4 Fass Rohöl in 24 Stunden aus.
Im Januar 1884 wurde das Bohrloch Nr. 171 bis zur Teufe
von 123 m niedergebracht, wo es ebenfalls auf das Oellager
traf und täglich 6 — 7 Fass lieferte. Aus diesen, sowie aus an-
deren Bohrungen gelangte man zum Resultat, dass das neue
Erdölflötz in 120—130 m Teufe ungefähr in nordwestlicher
Richtung verläuft und in einer Erstreckung von 450 m Länge
und 60 m Breite bisher nachgewiesen ist.
Ein anderes noch tiefer gelegenes Petrolflötz wurde seit-
dem noch durch 3 Bohrlöcher, ungefähr 80 m südwestlich von
der grossen Oelqueile, in 189 m Teufe erschlossen.
Mit ihrer Längsaxe halten die Flötze eine ziemlich gleich-
massige Richtung inne und folgen ungefähr dem Streichen der
Schichten von N. 33^ 0. nach S. 33° W., was auf der bei-
stehenden Kartenskizze sogleich in die Augen fällt. Es ist wohl
ein Zufall, dass dieses Streichen der am Hochwalde entlang
laufenden Yerwerfungsspalte ungefähr parallel läuft, ein Umstand,
der von Dattbbee hervorgehoben wurde. Das durchschnittlich
nach 0. 33° S. gerichtete Einfallen der Schichten beträgt bei
Pechelbronn 2° 27'. Dasselbe scheint auf eine grössere Er-
streckung hin ein schwaches, zwischen 2 und 3° wechselndes
zu bleiben, was aus dem Umstand hervorgeht, dass man in
verschiedenen Bohrlöchern die hauptsächlichsten petrolführenden
Niveau's in entsprechenden Tiefen antraf.
Eine schon seit langer Zeit bekannte Thatsache, dass
nämlich die Bitumenflötze von einer besonderen braunkohlen-
140
reichen Zone umgeben sind, scheint mir in erster Linie Beachtung
zu yerdienen. Die mit Braunkohlenblättchen geschwängerte,
sandige Zone bildet den Uebergang zu den sterilen Mergeln.
Diese Erscheinung tritt so constant auf und steht in so inniger
Beziehung zu dem Petrollager, dass die Bergleute nach ihr die
Nähe und Bauwürdigkeit des Flötzes beurtheilen können. Braun-
kohlen trifft man sonst bei Pechelbronn nur ganz unter-
geordnet, sowohl im groben, sterilen Sand, wie auch in den
schwarzen Letten und im Bitumsand selbst.
Der Petrolsand, welcher die langen, schmalen Lager erfüUt,
befindet sich in einem breiigen Zustand und ist schwammartig
von dem flüssigen Bitumen erfüllt. Wie bei anderen Petrolvor-
kommen, so ist auch hier das Erdöl mit meist salzhaltigem
Wasser^ vergesellschaftet und steht unter einem hohen Gas-
druck. Der Gasdruck ist zuweilen ein so bedeutender, dass die
unter dem Druck befindlichen umliegenden Mergelschichten
schieferig werden. Die gespannten Gase sind es, welche das
Wasser und Erdöl in den Bohrröhren hinauftreiben. Aus einem
1882 abgeteuften Bohrloch (von 120 m Tiefe) schleuderten die-
selben z. B. eine 16 m hohe Wasserfontaine empor. Das Gas-
Ausströmen dauert manchmal lange Zeit fort und ist dann meist
intermittirend. Die Gase bestehen vorwiegend aus Grubengas,
zuweilen auch aus schwerem Eohlenwasserstoffgas und haben
namentlich früher durch Bildung schlagender Wetter bei den
bergmännischen Arbeiten zu Unglücksfallen Veranlassung gegeben,
lieber einer besonders reichen Gasquelle wird das Gas auf-
gefangen, um im pechelbronner Laboratorium verwendet zu werden.
Nachdem das Erdöl ausgesickert ist, hält der Sand meist
noch 2 — 4 % Bitumen zurück, welches als feine, braune Häutchen
1. Das Vorhandensein von Salz wird schon durch die Namen einiger um-
liegenden Ortschaften, wie Sulz, Riedselz, Steinselz und des Selzbaches an-
gedeutet.
141
die gerundeten Sandkörner umgiebt und lose verbindet. Das-
selbe wird durch Behandlung des Sandes mit kochendem Wasser
gewonnen. Dass die Bitumsande eingeschaltete Mergelstreifen,
beigemengte Braunkohle und Schwefelkies enthalten, wurde
schon erwähnt. Was die Zusammensetzung des Bitumens betrifft,
so liegen 2 Analysen von Boussingault vor, die auch von
Daubbee angeführt werden:
1. Aus dem Sande ausgekochtes Bi-
tumen, bei 320"" destillirt, liefert
ein petrolenartiges, gelbes Oel.
C. = 88,2-^88,6 Vo
H. = 12,7-12,8 Vo
0. = Spur.
U. Ausgeflossenes RohOl; dasselbe
ist leichtflüssiger als I.
G. = 88,3 Vo
H. = 11,1 Vo
N. = 1,1 Vo
Die £rstreckung und Ausdehnung der bitumenführenden
Schichten von Pechelbronn scheint keine sehr weite zu sein,
und in dem Maasse, wie man sich von dem Gentralpunkt L o b-
sann-Pechelbronn radial entfernt, scheint der Bitumengehalt
abzunehmen oder wie bei Schwab weil er sich wenigstens mehr
zu vertheilen.
In östlicher Richtung von Pechelbronn entfernt, ist vor
allem noch ein Bitumenvorkommen namhaft zu machen, welches
sich an dasjenige der genannten Lokalität anschliesst. 4 Kilometer
nach Südosten von dem Städtchen Sulz unter dem Wald
entfernt, wurde im Jahre 1771 in einer Tiefe von nur 17 m
ein Petrolsandflötz aufgefunden und abgebaut. Das dortige Bi-
tumenlager war jedoch im Westen durch eine Verwerfung voll-
ständig abgeschnitten und wurde nach Osten hin so arm, dass
der Betrieb mit der Zeit einging. Immerhin war die Gewinnung
eine Zeit lang keine ganz unbedeutende gewesen, und um 1792
wurden sogar jährlich 500 cbm Bitumen gefördert. Die Bohrungen,
welche seitdem von Herrn Le Bel in der Gegend von Sulz
unternommen wurden, führten zu keinem Resultat, so dass der
142
bczzt^u an dief^m Ort schon b£ze ehigcstellt ist. Audi die
litsnneLrlhreDdeii Mergel Ton Solz liegen mter dem SepUrien*
tiiOD, der zviseben dieser Sudt imd Betschweiler zn Tage
ansteht ond mir eine sehr reiche Ausbeute an Foraminiferen
lieferte.
In der Umgegend Ton Pechelbronn wurden ferner
BitnmeDTorkommnifipe eonstatirt: bei Drachenbronn nord-
östlich Ton Pechelbronn, wo der Bitnmensand noch jetzt nicht
weit Ton der Siebenbninnemnähle in den tieCsten Schichten des
Septarienthones anstehend zo beobachteB ist*.
Bei Oberkntzenhansen, 200 m Tom Dorf entfernt
dicht bei Pechelbronn, zeigen sich Petrolsande mit gräneD
Moigeln nnd Kalksandsteinen TergeseDschaftet. In dem Bohrloch
Ton Biblisheim (18S2) und in mehreren Bohrlöchern bei
Oberstritten HSSl — 82i wurde ebenfdk, aber in grosser
Tiefe Petroleum gefunden. Interessant ist« dass anch in Bohr-
löchern onweit Schweighausen in der Gegend Ton Hagenau
Od angetroffen wurde; so bnd man im Zinselwald schon in 15 m
Tiefe ein ganz zähes ErdöL £s sind dies bisher die sudlichsten
PetroleumTori^omnuusse im ünter-EIsass. Schliesslich bleibt noch
Schwabweiler zu nennen übrig, wo das Petroleum sogar
bergmännisch gewonnen wurde. Wir werden auf die etwas ab-
weichenden geologischen Verhältnisse dieses Fundortes im nächsten
Abschnitte ausführlicher eingehen. Die Bohrlöcher Ton Weissen-
burg haben bis jetzt kein Erdöl, aber immerhin Gasquellen
geliefert. Sie durchteuften zumeist feine, graue Mergel, wrelcbe
keine Foraminiferen enthalten und gewissen Schichten Yon
Schwab Weiler am meisten gleichen.
Die wenigen Fossilien, welche sich in den Schichten von
1. Dieses YorkooneB wird heia Septarientkoa abfekandelt werden, cf. ig. 7.
143
Pechelbronn gefunden haben, sind auf den folgenden Seiten
beschrieben.
Unbestimmbare Knochenreste fand ich in dem Pe-
troleumsand des Heinrich-Schachtes.
Hellac (? Na/nina) sp.
Ein einziger, nicht sehr schöner, z. Th. yerkieselter Stein-
kern wurde mir durch die Güte des Herrn Le Bel zur Ansicht
überlassen. Er hat 5 Umgänge und stimmt nach Form und Grösse
mit der Nanina occlusa Edw. sp. überein. Als einziger Unter-
schied wäre anzugeben, dass der Nabel des Stückes yon Pechel-
bronn etwas weiter ist.
JPlomorhia cf. goniöboMs Sandb.
in den Mergeln des Merkweiler Schachtes bei Pechelbronn.
Die schlechte Erhaltung erlaubte keine sichere Bestimmung.
Idfnnea sp.
Eine kleine lAmnea, verwandt der L. crassula Desh., jedoch
etwas spitzer, fand sich in mehreren unvollständigen Stücken
neben den Resten einer Succinea im Merkweiler Schacht. (Le
BEL'sche Samndung.)
Melania cf. m/uricata S. Wood.
Eine Art, die vom Obereocän bis in das Mitteloligocän
reicht, wurde in Fragmenten bei Merkweiler gefunden. Ausser-
dem noch ein schlecht erhaltenes Exemplar einer anderen Me-
lanie, die zu M. fasciata Sow. gehören dürfte.
144
Faltidina et splendida Ludw.*
Schon von Daubbee wird eine Fdludina aus der Gruppe
der P. lenta Bband. sp. (Ob. Eoc.) von Pechelbronn erwähnt.
Ich verdanke gleichfalls die Untersuchung von 2 leider stark
deformirten Exemplaren der Gute des Herrn Le Bel. Dieselben
scheinen mir der P. splendida Lusw. aus dem mitteloligocanen
Melanienthon von Eirchhain in Hessen noch am nächsten zu
stehen. Sichere Bestimmung und Abbildung war wegen der
schlechten Erhaltung unmöglich.
Anodanta JDaubrieana Schdip. inedL
Tf. V, fig. 9 a. 6.
Von Daubbee wird in seiner Desc. g^ol. du d6p. du Bas-
Rhin das Vorkommen einer Änodonta angegeben, welche in
einer 0,io m dicken Mergelschicht in der Gallerie C des Mag-
dalenen-Schachtes bei Pechelbronn gefunden wurde. Es heisst
daselbst, dass diese Anodonte von Schimpeb mit dem Namen
A. Dauhreeana belegt worden sei. Ich habe die Abbildung oder
Beschreibung derselben nicht finden können; auch wird die Art
in Saiydbebgebs Land« und Süsswasser-Conchylien nicht genannt.
An. Dauhreeana scheint nicht selten zu sein und liegt
mir in mehreren Stücken vor; auch wurde sie neuerdings beim
Graben des Oelbassins in den noch zu erwähnenden grünen
Mergeln mit Ohara variahüis n. sp. wiederum gesammelt.
Die ziemlich constanten Dimensionen der Schale betragen
bei den grösseren Exemplaren 4—4,5 ctm in der Länge und
2 — 2,8 ctm in der Breite; die Dicke, welche sich nur annähernd
ermitteln Hess, würde (für beide Klappen zusammen) etwa
8—9 mm betragen. Dieselbe ist also eine ausserordentlich flache
1. Ptlaeontog.. XIV, p. 89. Tf. XXI, H- U,
145
Änodonta, Die sehr dünnschalige Muschel hat eine eirunde
Gestalt mit grade verlaufendem Unterrand. Sowohl die Perl-
mutterschicht, wie die Epidermis sind zuweilen vorhanden;
letztere ist mit feinen Anwachslinien versehen und zeigt öfters
noch Spuren der ursprünglichen Färbung, welche durch ab-
wechselnde graugrüne und gelblichbraune Zonen hervortritt.
Die Wirbel sind ein wenig corrodirt und lassen nichts von der
welligen Sculptur erkennen, welche vielen anderen N^jaden zu-
kommt. Das kräftige Ligament ist bei einem Exemplar erhalten
und misst 11 mm. Das Schloss liess sich nicht gut präpariren,
scheint aber durchaus zahnlos zu sein. Die erwähnten Charaktere
und namentlich auch die Dünnschaligkeit verweisen die Muschel
zu den Anodontiden. Mit den in Deutschland noch lebenden
Formen der Gattung hat sie jedoch keine grosse Aehnlichkeit.
Cypris sp.
Vereinzelte glatte Gyprisschalen erhielt ich aus den Mergeln
des Merkweiler Schachtes.
Chara variaibüis n. sp.
Tf. V, fig. 10 a—f.
Die Schlemmprobe der blaugrünen Mergel aus dem im
Winter 1882 gegrabenen Oelbassin von Pechelbronn lieferte
mir in grosser Zahl die Früchte einer Chara^ welche mit keiner
der bekannten Formen ident ist. Derselbe Mergel enthält ausser-
dem Anodonten und kleine deformirte Euchilus-axtige Gas-
tropoden, vielleicht auch ganz undeutliche Foraminiferenstein-
kerne.
Wegen der grossen Unbeständigkeit der Form sind die
kleinen Gharenfrüchte schwer zu charakterisiren. Die Länge der-
selben beträgt meist 0,4 — 0,6 mm, die sehr variable Breite schwankt
III. 10
I
146
zwischen 0,s— 0,s5 mm. Die Form ist bald annähernd kugelig,
häufiger länglich oval, elliptisch, spindelförmig, flaschenformig
oder sogar walzenförmig. Das Stielende der Frucht ist etwas
verlängert und spitz ausgezogen. Eine deutlich funfseitige Basilar-
Öffnung ist nicht vorhanden. Die Krönchen waren stets abgefallen.
Von der Seite gesehen zeigen sich mit ziemlicher Cionstanz
7 — 8 Spirallinien, welche namentlich bei den verlängerten Formen
sehr schräg stehen. Die Spirallinien treten bei einzelnen Exem*
plaren stark hervor, sind aber in der Regel etwas abgerieben,
worauf schon die rauhe Oberflächenbeschaffienheit der Fruchtchen
hindeutet. Von der bei Lobsann vorkommenden Ohara VoUei
A. Bbn. unterscheidet sich Ohara variabih's durch ihre geringere
Grösse, durch die geringere Anzahl von seitlich sichtbaren
Spirallinien, welche bei Oh. Voltei nicht so schräg stehen, sowie
durch ihre Form.
Taf. V, fig. 10 a— e gewährt einen Begriff' von der Formen-
mannigfaltigkeit dieser Ohara. Die (herausgegriffienen) abgebildeten
Gestalten sind durch Uebergänge mit einander verbunden, und
finden sich ausserdem noch verschiedenartig verzerrte Früchte.
Die fig. 10a— d dargestellten Formen sind häufig; fig. 10c ist
selten. Vielleicht wäre es denkbar, dass diese Wandelbarkeit der
Gestalt durch den Einfluss des Brackwassers bedingt wurde. Wir
hätten alsdann in der kleinen pnd unbeständigen Ohara variabäis
eine Brackwasserkrüppelform vor uns, möglicher Weise der
Oh. ro/to*.
Ausser der Ohara tariabilis sind mir noch einige Blatt-
fragmente aus den Meißeln von Pechelbronn und zwar ans
mehr schiefrigen Varietäten bekannt geworden. Dieselben wurden
mir von Herrn Hehbxaxn gütigst mitgetheilt Eines der Blatt-
fragmente dürfte zu Betula gehören, da es durch seine Nervatur
sehr an Btfula j^risca Ettiko. erinnert Stücke von Famkraut-
wedelu gleichen durch ihre Nervirung dem noch jetzt in Brasilien
147
vorkommenden Chrysodium serratifolium ETTiNa.*; leider ist
von dem Blattumriss fast nichts erhalten, weshalb eine sichere
Bestimmung und Beschreibung unmöglich ist. Schliesslich fand
sich noch der obere Theil eines kleineren Blattes mit eigen-
thämlichen, netzförmigen Nerven; dasselbe ähnelt am meisten
deqenigen Blättern, welche Heeb (Flora fossilis Helvetiae, Bd. III,
Tf. CXLV, fig. 13—16) als Scdvinia abbildet. Die Reste genügen
nicht zur sichern Bestimmung, und wir müssen hoffen, dass
spätere Befunde uns die, wie es scheint, interessante Flora von
Pechelbronn enthüllen werden.
In den blaugrünen Mergeln von Pechelbronn überwiegt
immerhin der Einfluss des Süsswassers gegenüber dem Meer-
wasser noch in dem Grade, dass Foraminiferen in denselben sich
kaum finden. Ich beobachtete nur äusserst selten schlechte Frag-
mente von Lingulinen und Cristellaria sp. — Die schon mehrfach
erwähnten petrographisch ähnlichen Mergel von Lampertsloch'
hingegen zeigen schon einige Formen.
AUe Foraminiferen dieser Mergel sind jedoch selten und
äusserst klein. Ich erwähne folgende Arten:
Ammodiscus peUucidas n. sp.
Hqplophragmtum pusillum n. sp.
Dentalina cf. consohrina d^Obb.
Cristellaria Lamperti n. sp. •
Lingulina Le- Belli n. sp.
Am/modiscua peUtwtdtis n. sp.
Tf. VI, fig. 1.
Die Grösse des abgebildeten Exemplares beträgt 0,4 mm,
grössere Stücke erreichen 0,5 — 0,6 mm. Das sehr flache Gehäuse
1. Ettirgsiiausen. Beitrag zur Kenntniss der FlSchen-Skelette der Farnkräuter.
Denkschr. d. Ak. d. W. Wien, XXII, Tf. X.
2. Der Aofschluss, welcher mir die Schlemmproben lieferte, beGndet sich
sudlich vom Ort in einem Wasserriss des «Filssel-Bächel».
U8
zeigt 4—5 Umgänge und ist vorwiegend aus kleinen, hellen
Quarzstückchen aufgebaut, so dass es von Salzsaure nicht ange-
griffen wird. Obwohl die Windungen eine beträchtliche Breite
besitzen, so ist doch der von der Sarkode eingenommene Raum
verhältnissmässig klein. Derselbe erscheint schwach gewölbt und
ist durch Ausfüllungsmasse weiss gefärbt und opak, während der
dünnere Band ziemlich durchscheinend ist und sich längs der
Nathlinie bis zur Mitte verfolgen lässt. Mit dem Namen Ämmo-
discus bezeichnet man die einkammerigen Trochaminen, welche
Gornuspiren- Gestalt annehmen. Unsere Art findet sich ausser
bei Lampertsloch noch in den mitteloligocänen Mergeln von
Rodern im Ober-Elsass und ist immer selten.
Haplophragnitum pusiUum n. sp.
Die kleine Form, welche ich nur in einem einzigen Exem-
plare gefunden habe, ist nur 0,45 mm lang und gleicht in ihrem
Habitus iem Haplophragmium Lobsannense n.sp., Tf.YU, fig. 3, 4,
welches im Septarienthon von Sulz u. d. Wald und Lobsann
ziemlich häufig ist. Vielleicht ist H. jmsülum nur eine kleinere
Brackwasserform desselben.
CristeUaria LamperH n. 8p.
Tf. VI, fig. 2.
Ich glaube auch diese indifferente Form nicht vernach-
lässigen zu dürfen, da bei dem Mangel an organischem Leben
in den genannten Mergeln auch spärliche Ueberreste an Inte-
resse gewinnen. Die Schale dieser CristeUaria erscheint rauh
und zerfressen, so dass man nur durch Aufhellen mit Glycerin
den Aufbau der Kammern erkennen kann. Das grösste Exemplar
misst 0,s5 mm und hat 7 Kammern. Das Gehäuse ist sehr evolut
und zeigt der ganzen Länge nach etwa gleiche Breite. In der
Vorderansicht erscheint dasselbe aulgeblasen und ist oben und
]49
unten ziemlich gleich dick. Die Mündungsspitze ist nicht sehr
stark ausgezogen, der Kiel ist stumpf. Eine Form, welche unserer
Art sehr nahe steht, kenne ich nicht. An eine Einschwemmung
aus den so cristellarienreichen jurassischen Schichten ist hier
wohl nicht zu denken, zumal da das Tertiär hier vorwiegend
aus regenerirtem Eeupermaterial zu bestehen scheint.
Idngvlina Le^BeUi n. sp.
Tf. VI, fig. 3.
Diese Art aus der Familie der Lingulinen, welche im Jura
(Impressa-Thon) beginnend bis in unsere jetzigen Meere reicht,
ist insofern von Bedeutung, als es noch die verhältnissmässig
häufigste Form in den sonst so fossilarmen Mergeln ist. Das
Gehäuse ist langgestreckt, zusammengedrückt oben und unten
gerundet und ringsum schwach gekielt. Die Oberfläche ist mit
schwachen, undeutlichen Längslinien bedeckt, welche sich manch-
mal bis auf die jüngste Kammer fortsetzen. Meist konnte ich
beiderseits 4 Längsrippen zählen, und 'mag das theilweise Fehlen
derselben zuweilen an dem schlechten Erhaltungszustande der
Schalenoberfläche liegen. Das kleine breitere Exemplar (fig. 3 a, b, c)
ist 0,26 mm lang und zeigt 5 Kammern; das grosse schmälere
Stück, mit 7 Kanmiern, misst 0,45 mm. Bei der Aufhellung durch
Glycerin zeigt sich deutlich das sattelförmige Aufeinandersitzen
der Kammern, welches auch andere Lingulinen kennzeichnet,
so z. B. die L. semiornaia Rss. aus dem Hils. Die beiden abge-
bildeten Stücke weichen ziemlich von einander ab; ich glaube
sie jedoch vereinigen zu müssen, da sich zwischen beiden Formen
keine scharfe Grenze ziehen lässt. L. Le-BelU ist selten bei
Lampertsloch. Fragmente, welche vielleicht dieser Art ange-
hören, aber nicht sicher bestimmbar sind, fand ich in den Thonen
vom Scharrachberg, woselbst auch noch eine andere kleine breit-
wulstige LinguUna vorkommt.
150
C. Petroleumsandfilhrende Oligocänschichten
von Schwabweiler.
(Tiefstes Mitteloligocan bis Unteroligocan.)
DasBergwerk von Schwab weiler, welches uns die dortigen
Tertiärschichten am besten erschlossen hat, liegt südöstlich vom
Dorfe Schwabweiler im Thale des Saaerbaches. Die Entfernung
von Pechelbronn beträgt etwa 6 Kilometer in südöstlicher
Richtung. Die schwabweiler Schichten bilden offenbar die Fort-
setzung der bitumenführenden Schichten von Pechelbronn und
sind nur eine etwas abweichende mehr marine Facies der letzteren.
Sie enthalten in ihren oberen Niveaus schon Foraminiferen,
welche auch der Septarienthonfauna zukommen. Ueberlagerung
des ächten Septarienthones, der bei Lobsann, Drachenbronn
and Sulz anter dem Wald auf den anteroligocänen Mergehi
liegt, ist bei Schwabweiler noch nicht beobachtet worden.
Es finden sich bei Schwabweiler sehr feine, homogene,
graue Mergel, feine, mergelige, glimmerhaltige Sande, Petrol-
sande und schliesslich harte oft bituminöse Blättersandsteine.
Das ungefiLhr nach Osten gerichtete Einfiülen ist bei Schwab-
weiler stärker als bei Pechelbronn und beträgt meistens
26^ während es zwischen 25—30® schwanken kann. Zahlreiche
kleine Verwerfungen von 2 — 3 m Sprunghöhe und seitliche Ver-
schiebungen von 3 — 5 m durchsetzen ziemlich häufig die Schichten.
Die Vertheilung der Petrolsande, welche weit weniger stark
imprägnirt sind als bei Pechelbronn, ist hier eine allgemeinere;
dieselben scheinen nicht mehr so streng an die Form der schmalen
langen Flötze gebunden zu sein, sondern bilden mehr schichten-
artige Einlagerungen. Wie schon erwähnt wurde, enthalten die
schwabweiler Mergel Foraminiferen, welche sogar bis in das
151
Niveau der Petrolflötze hinabreichen und sich noch in einigen
der höher gelegenen Petroleumsande finden; sie sind daselbst
aber selten und kämmerlich entwickelt. Der über Lobsann
und Pechelbronn herabkommende Strom führte jedenfalls in
solcher Menge Süsswasser zu, dass ein erspriessliches Gedeihen
der Rhizopoden verhindert wurde. Die Zwischenlagen von Blätter-
sandstein im Mergel deuten gleichfalls auf das Vorhandensein
des Stromes hin.
Betrachten wir das Profil von Schwabweiler, so wie es sich
uns im Grossen Ganzen darstellt, ohne uns an specielle Bohr-
profile zu halten, so ergiebt sich folgendes:
1. Zuoberst alluvialer, plastischer Thon von wechselnd
hell- oder dunkelgrauer Farbe, ohne Kalkgehalt, ohne orga-
nische Reste und mit einem groben sandigen Schlemmrückstand.
Er liegt horizontal und ist vermuthlich durch Umlagerung aus
den liegenden Tertiärschichten entstanden ^ Dieser Thon, welcher
auch als Töpferthon von Oberbetschdorf bekannt ist, erreicht
bei Schwabweiler eine durchschnittliche Mächtigkeit von iS m.
2. Unter dem Töpferthon folgen discordant feine, homogene,
hellgrau gefärbte marine und brackische Mergel; sie sind reich
an Muscovit und enthalten zuweilen sandige, bituminöse Schichten,
sowie Blättersandsteine. Drei verschiedene Proben lieferten Fora-
miniferen. Am reichsten war ein Mergel, welchen ich im Ober-
strittener Wald in einem Graben fand. Aermer v^aren die Proben
aus dem alten Schacht von Schwabweiler (cf. Atlas-Karte Nr I),
und schliesslich enthielten die Mergel von der Halde des Wetter-
schachtes auch noch einige Arten. Die hauptsächlichsten Formen
sind Hqplophragmium acutidorsatum y. Hakte., Botalia Soldann
b'Obb., Globigerina buUoides d'Obb., Quinqueloculina impressa
1. Die Bildung eines Thones aus umgelagertem Mergel ist insofern denkbar,
als bei der Suspension im Wasser die leichter löslichen KalJLtheilchen aus dem
Gemenge entfernt wurden.
152
Bss. etc. Die im alten Schacht 20 — 30 m tief gelegenen petro-
leumführenden Sande enthalten noch sparsame Foraminiferen,
Baliminen, Truncatulinen, kleine Texülarien, sowie BoscUina rugosa
d'Obb., alles kleine, unscheinbare Arten.
Bis zu bedeutender Tiefe lässt sich alsdann ein Gomplex
von wenig reichen Petroleumsanden, Sandsteinen und sterilen
Mergeln verfolgen, welche oft in ganz dünnen Lagen miteinander
wechseln. Die Petroleumsande sind meist sehr arm, stark mei^elig
und haben eine graugelbe Farbe. Bei 73 m Tiefe traf man bei
Schwabweiler auf eine Salzquelle. Bei 290 m Sand sich in
einem der Bohrlöcher von Oberstritten unweit Schwab-
weiler noch Petrolsand, darunter lag ein härterer Sandstein,
der durchteuft wurde, ohne das Liegende des Tertiärs zu erreichen.
Dunkelgrau gefärbte Mergel aus einem tiefen Bohrloch von
Oberstritten (etwa 200 m) enthielten Früchtchen von Ohara
petrolei n. sp. und Gypris-SchaleUj welche auf stark ausgesüsstes
Brackwasser hindeuten.
An dieses allgemeine Profil mögen noch einige speciellere
Bohrprofile angeschlossen werden, welche ich dem Werke von
Stripp£lmakk entnehme. (Die Petroleum -Industrie Oestreich-
Deutschlands, 1878, pg. 169.)
L Bohrloch Nr. X
bei Schwabweiler. .
Bei 1,00 m. Gelblicher Thon.
B 6,00 m. Petroleumsand und Gas 0,6o m.
Bis 44,49 m. Sand, Mergel, Sandstein.
Bei 44,49 m. Thon mit Spuren von Petroleumsand 0,io m.
, 44,59 m. Beiner Mergel.
, 45,44 m. Mergel mit Petroleumsand und Gas 1,03 m.
^ 46,47 m. Reiner Petroleumsand mit viel Gas 0,» m.
. 46,67 m. Reiner, grauer Mergel.
153
Bei 48,94 m. Dunkler, fetter Thon.
n 50,33 m. Mergel mit Spuren von Petroleumsand und
Gas 0,46 m.
„ 50,79 m. Petroleumsand mit wenig Mergel, viel Gas
und etwas Petroleum 0,55 m.
„ 51,34 m. Mergel mit Petroleumsand und Gas 1,69 m.
„ 53,03 m. Reiner, grauer Mergel.
„ 55,54 m. Mergel mit wenig Petroleumsand und Gas
0,50 m.
„ 58,20 m. Mergel und Sand.
„ 58,75 m. MergelmitSpuren von Petroleumsand 0,16 m.
Von 58,91 — 60,31 m. Sandstein und Mergel.
Bei 61,60 m. MergelmitSpuren vonPetroleumsand 0,i6m.
„ 62,19 m. Reiner Mergel.
Von 63,61 — 63,93 m. Mergel mit Petroleumsand, Gas
und Petroleum 0,82 und 2,13 m.
Bei 66,06 m. Reiner Mergel.
„ 70,16 m. Mergel mit Spuren von Petroleumsand,
viel Gas und Petroleum 0,20 m.
„ 70,36 m. Mergel mit Petroleumsand 1,04 m.
„ 71,40 m. Reiner Mergel.
„ 71,82 m. Mergel mit schwachen Spuren vonPetroleum-
sand 0,38 m.
„ 72,20 m. Reiner Mergel.
0 72,96 m. Mergel mit Spuren von Petroleumsand und
Gas 0,13 m.
„ 73,09 m. Reiner Mergel.
„ 76,82 m. Mergel mit Spuren von Petroleumsand und
Gas 0,44 m.
„ 77,26 m. Sandstein.
„ 77,86 m. Reiner Mergel.
„ 85,72 m. Schluss.
154
Dieses Bohrprofil zeigt die grosse Einförmigkeit und die
allgemeine Verbreitung des Petroleums und Gases in den Mer-
geln, wobei noch zu bemerken ist, dass die Petroleumsande alle
relativ arm sind.
II. Bohrloch Nr. m.
Bis 65,50 m. Reiner, blaugrauer Mergel und Sandstein.
Bei 65,50 m. Petroleumsand mit Petroleum und Gas
1,3 m.
, 78,50 m. Mergel mit wenig Sand.
Ende bei 140 m.
m. Bohrloch Nr. VI
auf der Helenenhoüstatt neben der Schwabweiler Strasse.
Bis 48,65 m. Mergel.
Bei 48,65 m. Weicher Sand mit Petroleum 0,ao m.
Bis 69,90 m. Blauer Mergel.
Bei 69,90 m. Stein und etwas Petroleum l,io m.
Bis 71,00 m. Reiner Mergel.
Ende bei 141,oo m.
IV. Bohrloch Nr. XI
60 m von Nr. X entfernt.
Bis 45,63 m. Mergel und Sandstein.
Bei 45,63 m. Stein mit Spuren von Petroleum 0,io m.
Von 45,75 — 70,40 m. (Ende) Mergel und Sandstein.
Diese 3 Bohrprofile zeigen, dass zuweilen die Petroleum-
sande sehr zurücktreten und die Mergel fast ganz überwiegen.
Auch wurde das oberste petroleumführende Niveau in sehr ver-
schiedener Teufe angetroffen.
Die Mergel mit Foraminiferen aus dem alten Schacht bei
Schwabweiler wurden schon als graue, feine, kalkigsandige
155
Mergel geschildert. Der Schlemmrückstand besteht aus Ealk-
körnchen, Quarzstückchen , Muscovitschfippchen und Schwefel-
kieskügelchen; die Foraminiferen sind nicht in grosser Menge
vorhanden wie im Septarienthon. Ich fand folgende Arten:
1. Quinqueloculina itnpressa Rss. (Z. d. d. g. G. 1851, pg. 87.
Tf. Vn, fig. 59.)
2. Haplophragmium acutidorsatum y. Haktk. (Clav. Zab.
Seh., pg. 12, Taf. I, fig. 1). Häufig.
3. Nodosaria sp. Fragment.
4. Bulimina inflata Seg. (Prime ricerche intomo ai rizop.
foss. tielle arg. pleist. di Catania, pag. 25, Tf. I, fig. 10.)
5. Botdlia Soldanii d'Obb. (For. foss. du Bass. Tert. de
Vienne 1846, pg. 155, Tf. Vm, fig. 10—12), Tf. IX,
fig. 3 a, h, c,
6. Glohigerina buUoides d'Obb. (For. foss. etc., I, pg. 163),
Tf. IX, fig. 4—6.
7. Bosalina rugosa d'Obb. (Voyage dans PAm^rique mix.
Paris 1834—43, pg. 42, Tf. n, fig. 12 — 14.) Die
Schwabweiler Stücke stimmen mit D'OnBiaNY's Abbildung;
sie sind sehr klein und messen 0,i8 mm.
8. Gassidulina ohlonga Bss. (W. Denkschrift. 1850. Tf. III,
fig. 5—6.)
Dieser Mergel sieht gewissen Mergelproben, welche ich in
der „Marnerie Gilardoni^ bei Altkirch im Ober-Elsass sam-
melte, zum Verwechseln ähnlich. Die altkircher Mergel enthalten
Truncatulinen, Globigerinen und Nodosarien.
Die Foraminiferenfauna der Mergel von Oberstritten ist
etwas reicher als diejenige der Mergel aus dem alten Schacht
von Schwabweiler und erinnert schon mehr an den Septarien-
thon. Die Schlemmprobe ergab folgende Liste:
1. Quinqueloculina itnpressa Bss.
2. Haplophragmium acutidorsatum Hantk.
156
3. Nodosaria exilis Nbug. (Rss. Sept., pg. 1 4, Tf, II, fig. 1 7.)
4. Bentalina cf. consohina d'Obb* Fragmente.
5. PuUenia buUoides d'Obb. sp. (For. foss. d. Bass. de
Vienne, pg. 107, Tf. V, fig. 9—10.)
6. GruttuUna lanceolata Rbs. (Z. d. g. 6. 1851, pg. 83,
Tf. VI, fig. 50.)
7. Uvigerina gracüis Rsß. (Z. d. g. G. 1851, pg. 77,
Tf. V, fig. 39.)
8. Bulimina inflata Seg.
9. Turrilina alsaiica nov. sp.*
10. Botalia Soldanii b'Obb. Kleine Exemplare.
11. Olobigerina buUoides d'Obb. Häufig.
12. PulvinuUnapygmaea y.Eahtk. (Clav. Zab. Seh., pg. 78,
Tf. X, fig. 8.)
13. Pulvinulina petroUi n. ßp. Tf. VIII, fig. 15 a, 6, c,
cf. pg. 236.
14. Truncatulina sp.
15. BoUvina Beyrichi RsB. (Z. d. g. G. 1851, p. 83, Tf. VI,
fig. 51.)
16. Cassidulina ohlonga Bss.
In den Mergeln aus der Halde des Wetterschachtes fand
ich nur:
1. Haplophragmium acutidorsatum Hantk.
2. Dentalina consohrina d'Obb. (For. foss. etc. pg. 46,
Tf.n,fig.l — 3;Z.d.d. g.G. 1851,pg.63, Tf.m, fig.9.)
3. Bentalina Adolphina d'Obb. (For. foss. etc. pg. 51,
Tf. n, fig. 18—20.) Eine Art die vom Mitteleocän
(Eressenberg) bis in das Miocän (Baden b. W.) reicht
4. Botalia Soldanii d'Obb.
1. Diese neue Gattung und Art ist weiter unten beim Septarienthon be-
schrieben, wo sich auch die Beschreibung der anderen nov. sp. findet.
1Ö7
5. Olohigerina huUoides d'Obb.
6. Textüaria cf. globigera Schwag. (For. foss. von Kar und
Nicobar,, p. 252, Tf. VH, fig. 100.)
Diese noch sehr kleine Fauna, welche im Ganzen 17 ver-
schiedene Arten umfasst, hat die meisten Species mit dem
elsässer Septarienthon gemeinsam, zeigt aber auch charakteristi-
sche Elemente des Unteroligocäns (Clavuüna Ssfc^oiSchichten).
Man vermisst in derselben noch viele Formen, welche in den
Schlemmrückständen des Septarienthones im Elsass grade die
Hauptmasse auszumachen pflegen. Diese oberen Schwabweiler
Mergel sind daher älter als der Septarienthon und bezeichnen
das Hereindringen des tongrischen Meeres, welches zu Beginn
der mitteloligocänen Zeit den Meeressand in der Rheinebene
und im Mainzer Becken absetzte.
Was die Sandsteine von Schwabweiler anlangt, so zeigen
dieselben eine hellgraue oder gelbliche Färbung, sind ziemlich
grobkörnig, kalkig, mergelig, glimmerreich und treten in unregel-
mässigen Bänken auf, ganz wie bei Altkirch im Ober-Elsa£S.
Die höheren, meist feineren Parthien zeigen auf den Schicht-
flächen wellige Runzeln; ausserdem kommen noch eigenthflmliche
Spuren vor, deren Ursprung ich mir noch nicht zu erklären
weiss. Dieselben bestehen aus kleinen, meist 5 mm langen,
scharfen und öfters etwas gebogenen Rinnen, an deren einem
Ende die Gesteinsmasse wulstartig emporgezogen ist. Die Ver-
theilung auf den Gesteinsplatten ist eine so vollständig regellose,
dass man jedenfalls daraus schliessen kann, dass diese Spuren
nicht auf Druckerscheinungen zurückzuführen sind. Diejenigen
Schichten des Sandsteins, welche eine Anzahl von Blättern ent-
hielten, zeigen eine gröbere Beschaffenheit, gleichfalls eine hell-
graue Farbe, grossen Reichthum an Muscovit-Schüppchen und
ein kalkiges Bindemittel. Die Blattabdrücke sind durch orga-
nische Substanz schwarz gefärbt, haben eine ziemlich rohe Er-
158
haltung und lassen die feineren Nerven und Nervillen niemals
erkennen. Zuweilen wird der Sandstein mürbe und nimmt eine mehr
gelbliche Färbung sowie bituminösen Geruch an; er ist alsdann
oft ganz von kohligen Blattfragmenten erfüllt. Der harte Sand-
stein mit den mehr vereinzelten, besser erhaltenen Blättern
gleicht petrographisch sehr demjenigen von Develier-Dessus
•
bei Delsberg im Berner Jura, sowie demjenigen der Molasse
von Lausanne, welche jedoch einer jüngeren Stufe des Ter-
tiärs angehören, nämlich dem „D^l^montien** Gbeppins (= Aqui-
tanien z. Th.). Während also diese Blättersandsteine zum Ober-
oligocän gehören, liegen diejenigen von Schwabweiler tiefer
als der Septarienthon, ebenso wie die (7fnnamomum-führenden
Schichten aus dem Asphaltkalkcomplex von Lobsann. Wir müssen
sie daher als Unteroligocän ansprechen oder könnten sie höchstens
an die Basis des Mitteloligocäns verlegen. Die Cinnamomum-
Formen, welche eine grosse verticale Verbreitung im Tertiär
besitzen und vom Eocän bis in die jüngsten Tertiärablagerungen
hinaufreichen, scheinen grade zur Zeit des Oligocäns ihren Gul-
minationspunkt zu erlangen. Dieselben überwiegen auch an Arten
und Individuenzahl bei Schwabweiler, und zwar herrschen
namentlich die schmalen Blattformen vor, während die grösseren
und breiten Blätter, wie sie sich namentlich bei Delsberg
finden, noch fehlen. Das breiteste Blattfiragment, welches ich
unter den zahlreichen schmalen Blättern beobachtete, ist anf
Tf. V, fig. 6 abgebüdet.
Bisher wurden folgende Blattformen bei Schwabweiler
beobachtet; es ist zu ho£fen, dass mit der Zeit durch neu hinzu-
kommendes Material die jetzt noch so kleine Liste sich er-
weitern wir.d:
1. Co/rpinus grandis Ung. Wird von LuDWia angefahrt
im Notizblatt des Vereins für Erdkunde zu Darmstadt 1875,
Nr. 161, pg. 66. Die Art liegt mir ebenfalls in Fragmenten vor.
159
2. Salix Zavateri Heeb.? Mosleb erwähnt Spuren von
dieser Art im Catalog für die Sammlung der Bergwerks- etc.
Producte von EIsass-Lotbringen 1873^ pg. 63. Ich konnte unter
meinem Materiale nichts Hierhergehöriges finden ; hingegen liegen
mir Reste von anderen schmalen Weidenblättern vor, die eher
an Salix angusta A. Bbn. erinnern.
3. Ul/nivs sp. von Mosleb erwähnt.
4. Cinncrniofnuni Scheuch»eri Heeb. Wird von Lud-
wig (I. c.) als häufig angegeben. Die Blätter sind namentlich
durch den Verlauf der Seitennerven, welche dem Rande in
paralleler Richtung folgen, ausgezeichnet; auch ist der Blatt-
stiel in der Regel kürzer. Das etwas abweichende Blatt, welches
auf Tf. V, fig. 4 abgebildet ist, dürfte vielleicht auch hierher
gehören.
5. Ctwaa/mmmjmi polymorph/wm (A, Bbn.) Heeb. Sehr
häufig, jedoch in verhältnissmässig schmalen Blatt formen, die
öfters an Cinnamontum lanceolatum Ung. erinnern. Auf Taf. V,
fig. 2 ist ein charakteristisches Blatt abgebildet; dieser Form
gehört die Hauptmasse der schwabweiler Blätter an. Das schmale
Blatt ist an der Spitze verengt, und diese erscheint zipfelförmig,
der Blattstiel ist lang, und die beiden kräftigen Seitennerven
endigen etwas über der Hälfte des Blattes, indem sie sich dem
Blattrande nähern. Taf. V, fig. 5 u. 6 sind kleinere und etwas
breitere Blattformen dargestellt; fig. 8 schliesslich entspricht
einem breiten Blatt aus dem Sandstein von Develier-Dessus
bei Delsberg.
6. CilfinfianMmvwnh la/nceolatum Uno. Ein sehr schmales
Blättchen, welchem die Spitze fehlt, dürfte hierher gehören.
7. (Mtwici/monitmi, tra/nsveraimh Heeb. Wird von Lunwia
(1. c, pg. 66) angeführt. Die Art liegt mir in keinem sicheren
Exemplar vor.
160
8. Cinncumafnv/m atibrotund/wm Heeb. Ist auf Tf. Y,
fig. 7 in einem typischen Exemplare von Schwabweiler abge-
bildet. Die kurzen, verkehrt herzförmigen Blättchen mit kräftigen
Adern, welche zu dieser Art gehören, sind nicht häufig.
9. SmUaoß SUeinnumni nov. sp. (Taf. V, fig. 1). Das
schmale lancettförmige Blatt ist etwa 10 cm lang, bei einer
grössten Breite von kaum 1 ,8 cm. Nach der Spitze hin verjüngt es
sich ganz allmählich, ist an der Basis etwas ausgeschnitten und
seitlich nur wenig erweitert. Die seitlichen Flügel erscheinen
an der Berührungsstelle des Seitenrandes mit dem Bande der
Blattbasis etwas eckig. Der Mittelnerv ist stark und lässt sich
von der Basis bis zur Spitze deutlich verfolgen. Auf jeder Seite
des Hauptnerven liegen 2 sehr schwache Seitennerven, von
welchen die inneren längstens ein Stück weit dem Hauptnerven
parallel laufen. Smüax sagittifarmis Sap. aus dem Oligocän von
St. Zacharie zeigt ebenfalls lange schmale Blattformen, die
sich jedoch durch die Form der Spitze und Blattbasis von
S. Steinmanni hinreichend unterscheiden. Ich kenne überhaupt
keinen Smüax j welcher mit unserer Art verwechselt werden
könnte.
Die Bitumenschichten von Schwabweiler sind von den-
jenigen der anderen elsässer Lokalitäten ziemlich verschieden.
Wie schon in dem Profil erwähnt, tritt das Bitumen schichten-
förmig in dem Gestein auf und ertheilt demselben eine schmutzig-
gelbe Farbe. Die Schichten sind in ihrer Dicke sehr wechselnd,
meist sind es ganz feine Streifchen; sie können jedoch bis zu
2 m Mächtigkeit anwachsen und sind dann durch eingelagerte
Thonlamellen deutlich geschichtet. Das schwabweiler Bitumen
hat einen petroleumartigen, stärkeren Geruch als die Bitumen-
sande von Pechelbronn oder der Pechsand von Lobsann
und erinnert ganz an die, allerdings meist etwas dunkler ge-
färbten Petroleumsände von Hirzbach bei Altkirch im Ober-
161
Elsass. Der DurchschDittsgehalt des Sandes von Schwabweiler
an ausbringbarem Rohöl beträgt nach Mosleb etwa 10 %. Das
Rohöl hat eine dunkelbraune Farbe, während es in dünnen
Schichten durchsichtig hellgelb ist; dasselbe ist sehr leichtflüssig
und besitzt einen aromatischen an Petrolen erinnernden Geruch.
Nach BoussiNGAULTS Analyse ist die Zusammensetzung folgende * :
Kohlenstoff 88,7 Vo
Wasserstoff 12,6 %
Stickstoff 0,4 Vo
101,7 Vo.
Der Betrieb ist bei Schwab weil er jetzt ein verhältniss-
massig sehr geringer; das in den Gruben sich ansammelnde
Wasser wird durch Ausschöpfen mit Tonnen gefördert und das
oben aufschwimmende Bitumen decantirt. Schon im Jahre 1838
wurde bei Schwabweiler Oel gewonnen und zwar anfangs
meist durch Bohrlöcher, aus welchen das bituminöse Wasser aus-
gepumpt wurde. Die Production war jedoch immer eine unbe-
deutende; Daubbee gibt als Maximum 45 Hectoliter per Jahr
an. Im Jahre 1872 wurden nach Angabe von Mosleb 3275,4 Ctr.
ausgesickertes Rohöl und 31320 Ctr. bituminöser Sand von
etwa 3 7o Gehalt gefördert.
Bohrungen, welche in dem Forst von Oberstritten nicht
weit von Schwabweiler vorgenommen wurden, drangen bis zu
grösserer Tiefe vor, und wir können annehmen, dass wir es
hier, wenigstens zum Theil, mit liegenden Schichten des schwab-
weiler Complexes zu thun haben. Septarienthon wurde in keinem
der Bohrlöcher angetroffen. Sie lieferten theilweise ein ganz
dunkles, braunschwarzes Erdöl, und in einem derselben fand man
1. Gf. Daobbiee, Descript., p. 174. Eine genaue Analyse der verschiedenen
Gemengtbeile des schwabweiler Rohöls von Prof. Bayer findet sich im Gatalog von
MosLER p. 27 u. 28.
m. n
[
162
sogar ein ganz zähflüssiges Pech ebenfalls in grosser Tiefe.
Genaue Profile haben die Bohrungen von Oberstritten leider
nicht geliefert, da sie mit dem Wasserbohrer ausgeführt wurden.
Ich habe den verschiedenen Bohrlöchern Proben entnommen und
dieselben untersucht. Es fanden sich ausser unbestimmbaren
Gastropodensteinkernen und Schalen von Cypris sp. die Früchte
von Ohara petrolei n. sp. in einem dunkelgrauen, kalkigen
Mergel.
Chara petrolei n. sp.
Tf. V, fig. 11.
Die kleinen, ovalen Früchte sind ziemlich selten und messen
0,45 — 0,6 mm in der Länge und 0,3 mm in der Breite. Sie
zeigen von der Seite gesehen 8 Spiraluragänge und haben meist
eine dunkelbraune Farbe. Die Basilaröflfnung ist ziemlich gross
und fünfeckig. Das Körnchen war bei allen Exemplaren abge-
fallen. Ich glaube sie nicht mit irgend einer mir bekannten
Chara identificiren zu dürfen. Neben dieser Ai*t fand sich noch
eine kleine CAara- Frucht, welche nur 0,8 mm Länge und
0,2 Breite erreicht und seitlich 10 Spiralumgänge hat.
Profil durch die Petrolenmiagerstfttten im Ünter-Elsass.
Fig. 5.
Zum Schlüsse mag auf das beistehende Profil hingewiesen
werden, welches dazu dienen soll, die gegenseitigen Lagerangs-
Verhältnisse der 3 Hauptbitumenfundpunkte im Unter-Elsass :
Lobsann, Pechelbronn und Schwabweiler zu veranschau-
lichen. Nach der ausführlichen Besprechung auf den vorher-
gehenden Seiten bedarf es hier nur weniger Worte der Erläuterung.
Fig. J.. stellt die Horizontal-Projection im Maasstabe von 1 : 80 000
dar. Die Verbindungslinie von S chwab weiler (Seh.) nach Lobsann
(L), welches, wie aus Fig. JB. ersichtlich ist, nahe am Gebirge und
163
an der Verwerfungsspalte liegt, verläuft von NNW. nach SSO.
Sulz unter dem Wald ist östlich, Pechelbronn westlich von
dieser Linie gelegen.
Fig. 5 A.
H
LJ)arf
Sab^
$
«*^^
•yw
Länge 1 : 60000.
HorizonUl-ProjectIon.
SehmUntkuler
sS.
^B
Fig. 5 B.
Länge 1 : 40000. Hohe 1 ; 10000.
F. VerwerfangMpalte ; L. = Bergwerk Lobunn ; P. = Bergwerk Pechelbronn ; Seh. =. Bergwerk Sehwabweiler. Dnrchfchnitt
durch die oligocAnen, petroleamftthrenden Mergel Im Unter-Elsasa. a. Alluvium ; d. Diluyium ; sp. fieptarienthon ;
ap. ÄBphaltkalk ; m. brackischei m' marine oligocAno Mergel; ps. Peehsande; p. Petroleuiiiaande.
Fig. 5 a
; parallel der
rfUDgaspalte.
Auf dem Querschnitte B sind unweit Lobsann die Conglome-
rate der Walkmühle, welche etwa im Niveau des Asphaltkalkes liegen,
im^ Hintergrunde angedeutet. Der ganze tertiäre Schichtencomplex
zeigt ein sanftes Einfallen nach der Ebene hin (etwa 2^); nur
164
bei Schwab Weiler ist das Einfallen ein stärkeres und er-
reicht 26^^. Es wäre hiernach möglich, dass zwischen Sulz und
Schwab^^eiler eine etwas grössere Verwerfungsspalte läge,
welche jedenfalls auch im Sinn der grossen Vogesenspalte ver-
laufen würde. Die ganze Höhe zwischen Schwabweiler und
Sulz ist jedoch von Löss mehr oder weniger bedeckt, und lässt
sich bis jetzt daher noch nichts sicheres darüber sagen. Der
Septarienthon bedeckt die Mergel und Sande des Unteroligocäns
bei Lobsann sowie in einem isolirten Fetzen bei Sulz unter
dem Wald und zwar auf dem Fussweg nach Ketsch weiler.
Die abweichenden oberen marinen Mergel von Schwabweiler
und Oberstritten sind, wie ich versucht habe darzuthun,
etwas älter.
Die Verwerfungsspalte, obwohl offenbar nicht weit von
dem alten Küstenrande entfernt, ist jünger als der Septarien-
thon und bewirkt dessen Abschneiden am Buntsandstein des
Hochwaldes. Ferner ist der Septarienthon an der Verwerfungs-
spalte abwärts geschleift worden (cf. Fig. 4, pag. 131), was
darauf hindeutet, dass die Masse des Hochwaldes sich nach-
träglich gesenkt hat. Für denselben Umstand spricht eine Beob-
achtung, welche mir von Herrn E. Haug mitgetheilt wurde,
dass nämlich das Hochwaldmassiv eine Kappe von Volziensand-
stein trägt, während weiter westlich, jenseits der eingesunkenen
Scholle von Limbach, derselbe vollständig über dem Bunt-
sandstein fehlt. Der Volziensandstein hätte sich alsdann nur auf
dieser etwas gesunkenen Parthie erhalten können.
Im Uebrigen ist noch zu erwähnen, dass die ganze Ter-
tiärdecke dieser Gegend flache Mulden und Sättel zu bilden
scheint, welche normal zu der Gebirgsaxe stehen. Der schematische
Durchschnitt C bei Lobsann, welcher parallel der Verwer-
fungsspalte läuft, gibt davon eine Vorstellung.
165
va
n. Das Petroleumgebiet von Hirzbach
im Ober-Elsass.
(Tiefstes Mitteloligocän bis Unteroligocän.)
Nachdem wir die Petroleumlagerstätten des Unter-Elsass
in so eingehender Weise behandelt haben, können wir uns bei
den weit weniger bekannten und unwichtigeren Vorkommnissen
des Ober-Elsass kürzer fassen. Das Hauptinteresse gipfelt darin,
zu zeigen, dass das Petroleum im Unter- und Ober-£isass in
genau demselben geologischen Niveau auftritt, und dass das
Vorkommen von Hirzbach bei Altkirch die allergrösste Analogie
mit demjenigen von Schwabweiler besitzt.
■ ■l'^.l.liw>'.';';''i'?rrrT^
Profil von Hirzbach nach Altkirch.
Ungefähr Ton NNO. nach SSW. Daa Einfallen der Schichten ist im Grossen Oanzen von
SW. nach NO. gerichtet, es konnte daher nicht genau wiedergegeben werden und
erscheint zu stark. Der Maasstab ist der doppelte der alten franz. Karte (1 : 80000),
und die relativen Hdhen sind mit einem kleinen Uolostoric-Barometer bestimmt. — -
A == Altkirch; H = Hirzbach; J = Ill-Fluss; B — Dilnviam und Alluvium; •' =r
diluvialer Lehm mit Eleph. primigenlus; 1—8 = AufschlUsso; 1 = grosser Steinbr.
im ob. eoc. Melanienkalk ; 2 kleiner Stb. im Melanienkalk (östl. v. Altk.) ; 3 mittel-
ollgocine Mergel. Aufsch. in der Wiese; 4 Marnerie Gilardoni (im oberen Theile
ist der diluv. Lehm aufgeschlossen); 6 Stb. Im alp. dilnv. Gerolle (kaolinlsirte Gra-
nite, gelber Sand etc.); 6 Sandsteine mit Cinnamomum (einfallend in den Berg);
7 — 8 Mehrfache Aufschlüsse in den sandig-mergeligen, petrolführenden UnteroUgocän-
schichten.
Wir beginnen mit der Beschreibung des beigefügten Profiles,
welches von NNO. üach SSW. verläuft und die Orte Altkirch
und Hirzbach berührt. Die Hügel nördlich von Altkirch (1)
1
166
bestehen aus obereocäDem Melanienkalk, welcher nochmals unter-
halb der Stadt Altkirch zu Tage tritt. Schlägt man von Alt-
kirch den ungefähr nach Süden führenden direkten Weg nach
Hirzbach ein, so gelangt man bald hinter der Stadt an die
„Marnerie Gilardoni*'. Wir haben hier einen grossen Aufischluss
in Mergelmassen, die vollständig denjenigen von Schwabweiler
gleichen. Graue, sehr feine und zarte Mergel, die jedoch, nament-
lich in den tiefern Lagen, recht hart und etwas sandig werden,
herrschen vor. Dieselben erhärten zuweilen sogar zu mergeligen,
glimmerreichen Sandsteinen, welche auf den Schichtflächen die
nämlichen welligen Bunzeln zeigen wie bei Schwabweiler.
Vereinzelte Schmitzchen von glänzender Kohle in den Mergeln
deuten auf Pflanzenreste hin. Ausser einem Zramna- Zahn, den
Delbos (1. c, pg. 48) erwähnt, fanden sich in den Mergeln
einige sehr sparsame Foraminiferen , die alle sehr klein und
unscheinbar sind:
1. Nodosaria cf. capitata Boll. Fragment eines kleinen
Exemplares.
2. Glohigerina buUoides d'OßB.
3. Truncatulina Weinkauf ß Rss. (Sitzungsb. der k. Ak.
d. Wiss., B. 48, pg. 68, Tf. VUI, fig, 97. Wien.)
4. Pulvinulina pygmaea v. Hantk.
5. Textilaria cf. globigera Schwag. Schwefelkiessteinkern,
ident mit dem Exemplar von Schwabweiler.
Auf dem Höhenzuge zwischen Altkirch und Hirzbach
finden wir Diluvialschichten, welche das Tertiär überlagern.
Zu Unterst liegt ein gelber Lehm mit Elephas primigenius (s'),
darauf folgen alpine DiluvialgeröUe mit kaolinisirten Granitstficken
und Streifen von orangegelbem Sande. An dem Abhänge nach
Hirzbach treten die Oligocänschichten etwas seitlich vom Weg
an einer kahlen Stelle im Walde wieder zu Tage. Es zeigen
sich sehr sandige, glimmerige Mergel öfters mit weissen pulverigen
167
aluminitartig aussehenden Ealkknollen. Diese Mergel wechseln mit
festen, grauen, glimmerhaltigen, bei der Verwitterung gelblichen
Sandsteinen, welche Blattreste einschliessen. Mit voller Sicherheit
konnte ich bisher nur Cinnamomum polymorphum Heeb erkennen
und zwar genau dieselben schmalen Blattformen wie bei Schwab-
weiler (cf. Tf. V, fig. 2). Diese Sandsteinbänke fallen nach dem
Berg zu ein und gehören daher zum Liegenden der Mergel
von Altkirch. Nahe an der Strasse nach Hirsingen, etwa
1 Kilometer in östlicher Richtung von dem erwähnten Punkte
entfernt, stehen die gleichen Schichten nochmals in sehr ver-
wittertem Zustande an. Ein Stück des Profils ist hierauf durch
das Alluvium der 111 verdeckt, und erst hinter dem Dorf Hirz-
bach tritt das Oligocän wieder im Bach zu Tage. Es wechseln
daselbst blaugraue, öfters sandig glimmerige Mergel mit Petrol-
sandschichten. Die Petrolsande sind ganz wie diejenigen von
Schwabweilerbeschaffen; sie haben eine gelbliche oder braune
Farbe und einen starken aromatischen Geruch. Auf Klüften ist
zuweilen dickeres, dunkleres Erdöl ausgeschieden, welches empor-
steigt und auf dem Wasser des „Oelbaches" in schwarzen Par-
thien umherschwimmt.
Im Jahre 1782 wurde dicht hinter dem Ort Hirzbach
von einem Herrn H abtmann ein 30 Fuss tiefer Schacht abge-
teuft und einiges Oel durch Auskochen des Sandes gewonnen.
Drei Jahre später wurden die Arbeiten durch den Tod Habt-
MANNS unterbrochen. Seitdem sind noch mehrfach kleinere
Versuche gemacht worden, die Oelsande von Hirzbach auszu-
beuten, ohne dass man jedoch wesentlich tiefer eindrang als
das erste Mal. In neuster Zeit (1883) hingegen wurden bei
Nieder-Sept, etwa 8 Kilometer in südsüdöstlicher Richtung von
Hirzbach entfernt, grössere Tiefenbohrungen (bis zu 270 m)
vorgenommen. Dieselben führten leider bisher zu keinem befrie-
digenden Resultat und lieferten nur Spuren von Bitumen.
168
Zur VerYoUständigUDg der geologischen Verhältnisse des
Tertiärs bei Altkirch soll hier noch erwähnt werden, dass man
vor kurzem in der Gegend dieser Stadt bei Anlage einer Wasser-
leitung über den grauen Mergehi schwarze schiefrige Letten
entdeckte. Eine mir von Herrn tok Albebt mitgetheilte Probe
erwies sich als zu den mitteloligocänen Fischschiefem gehörig.
Wir hätten also auch hier, gleichwie im Unter-Elsass, eine Ueber-
lagerung der brackischen petroleumführenden Unteroligocän-
schichten durch marines Mitteloligocän. Summiren wir hierauf
nochmals die geologischen Verhältnisse des Oligocäns in der
Umgebung von Hirzbach-Altkirch : wir hatten zu unterst
z. Th. petrolsandfuhrende, z. Th. sterile, fossilleere, graue Mergel,
welche wir ebenso wie diejenigen von Schwabweiler zum
Unteroligocän steUen. Dieses Unteroligocän enthält nach oben
hin einen Complex von wechsehiden, grauen Mergeln und Blätter-
sandsteinen, die uns ihrerseits zu ganz ähnlichen grauen Mergeln
in ihrem Hangenden hinüberfuhren. Diese letztgenannten Mergel
der .Mamerie Gilardoni^ bei Altkirch zeigen jedoch schon in
höherem Grade ein marines Gepräge und entsprechen den nahe
gelegenen identischen Mergeln von Dammerkirch, welche wir
wegen eingelagerten, fossilreichen Sandschichten zum Meeressande,
d. h. dem tiefisten Mitteloligocän stellen müssen. Schliesslich,
finden wir noch bei Altkirch den Fischschiefer als Aequivalent
des Septarienthones über den besprochenen grauen, marinen
Mergeln. Alle diese Oligocänschichten ruhen offenbar discordant
auf dem obereocänen Melanienkalke auf.
169
Theorien über die Entstehung des Erdöls
im Elsass.
Es liegt Dicht in der Absicht unserer Arbeit, diese Frage,
welche mehr chemischer Natur ist, ausführlicher zu erörtern; ich
kann jedoch nicht umhin, über den schon so viel besprochenen
Gegenstand wenigstens einige Worte zu sagen.
Ueber die Bildung der elsässer Petroleumlagerstätten herr-
schen zwei entgegengesetzte Ansichten. Die eine nimmt an, dass
das Bitumen sich nicht auf der tertiären Lagerstätte gebildet
habe, sondern dass es (wohl durch Vermittlung der Verwerfungs-
spalte) aus älteren Schichten emporgedrungen und in die tertiären
Sande, Sandsteine und Kalke infiltrirt worden sei. Es werden
namentlich als Beweise hierfür die Imprägnationserscheinungen
angeführt. Diese Ansicht wurde in neuerer Zeit ntimentlich von
Stbii^pelhai^n mit Eifer verfochten*. Abgesehen davon, dass
diese Theorie die Schwierigkeiten, welche bei einer Erklärung
der Bildung des Petroleums vorliegen, nicht aufhebt, indem sie
dieselbe in eine ältere Zeit zurück verlegt, scheint sie mir
speciell für das Elsass durchaus nicht anwendbar zu sein.
Die andere Ansicht, welche eine Entstehung an Ort und
Stelle annimmt, ist wohl die allgemeiner adoptirte. Ich glaube
mich derselben auch anschliessen zu müssen. Für die Entstehung
des Bitumens zur Tertiärzeit selbst spricht zunächst der Um-
stand, dass wir das Petroleum in einem bestimmten Niveau
des Oligocäns sowohl im Unter- wie im Ober -Elsass antreffen;
wäre es imprägnirt, so würden wir das Oel ebenfalls in anderen
1. L. Stbippxlmani«. Die Petroleom-Industrie Oestreich-Deutschlands. Leipzig,
1878.
170
Sedimentschichten finden, was nicht der Fall ist '. Die Nähe der
grossen Yerwerfiingsspalte ist zwar im Unter-Elsass vorhanden,
fehlt aber im Ober-Elsass, scheint also nicht von Einfluss ge-
wesen zu sein. Das ganze Auftreten des Bitumens im Elsass,
die innige Verbindung in welcher es mit dem Braunkohlenkalk
bei Lobsann steht, die langen schmalen Lager bei Pechel-
bronn, die allgemeinere Yertheilung des Petroleums bei
Schwabweiler, ebenso wie die Association mit Brackwasser-
organismen sprechen dafür, dass wir es mit einer Lagunen- und
Deltabildung zu thun haben. Lobsann lag nahe an der Küste,
wie aus den gefundenen Versteinerungen erhellt. Die dort vor-
kommenden Pisolithe, ebenso wie die tuffartigen Kieselkalke mit
Ohara Volizi weisen vielleicht, auf das Vorhandensein warmer
Quellen hin, welche möglicher Weise bei der Bildung des
Asphaltkalkes mitgewirkt haben. Die grosse Analogie der pechel-
bronner Bitumenlager mit den verzweigten Armen eines Fluss-
deltas ist aufiallend (cf. Atlas-Karte Nr. I). Selbst Stbippelmakn,
der so entschieden die Infiltrationstheorie vertritt, konnte nicht
umhin dies anzuerkennen. Die schmalen, sandigen Streifen würden
alsdann den öfters wechselnden Flussläufen entsprechen, die
umliegenden Mergel wären Hochwasserabsätze in dem angren-
zenden Sumpfland. Das Oel der pechelbronner Sandstreifen
steht unter hohem Gasdruck und wird von den ringsumgebenden
Mergeln fast hermetisch abgeschlossen. Es wäre möglich, dass
unter diesen Umständen, die kaum ein Entweichen von Destilla-
tionsproducten gestatten, die gewöhnliche langsame Ueberführuug
des organischen Detritus in Braunkohle nicht stattfand, und
1. Von SnipPELMANN wird das Vorkommen von etwas Pech in einer Druse
im Muschelkalk von Molsheim betont. Ich möchte auf einen derartigen ganz
unwichtigen und vereinzelten Fund kein Gewicht legen. Das molsheimer Pechvor-
kommen ist auch in der geologischen Landessammlung vertreten.
171
£rdöl gebildet wurdet Auch ist zu beachten, dass die elsässer
Bitumenlager früher jedenfalls in noch höherem Grade als jetzt
von mächtigen undurchdringlichen Mergelmassen belastet wurden.
Uebrigens scheint es mir, als ob man diesen äusseren Umständen
nicht einzig und allein die Entstehung des Bitumens zuschreiben
dürfte; es liegt vielmehr nahe zu vermuthen, dass auch das
ursprüngliche Material ein etwas anderes war als dasjenige,
welches zur Bildung der Braunkohle diente. Der geringe Stick-
stolfgehalt (l,i %) im Rohöl von Pechelbronn weist darauf
hin, dass auch animalische Substanz dem wohl der Hauptmasse
nach vegetabilischen Detritus beigemengt war. Letzterer bestand
wahrscheinlich aus sehr hinfalligen und wenig holzigen Gewächsen.
Der innige Zusammenhang zwischen Braunkohle und Bitumen,
welcher uns schon bei Lobsann auffiel, tritt auch bei Pechel-
bronn hervor, indem jedes Bitumenlager von einer braunkohlen-
reichen Mergelzone eingefasst wird. Dieser Umstand erscheint
mir sehr bemerkenswerth und zeigt deutlich, dass es nicht zu-
lässig ist, für beide Producte, Bitumen und Lignit, eine princi-
piell verschiedene Entstehung anzunehmen, so dass wir etwa
das Bitumen für infiltrii't und die Kohle für an Ort und Stelle
gebildet erklären könnten.
Die Petroleumlager von Schwabweiler scheinen mehr von
der Küste entfernt im freien Meere entstanden zu sein. Wir
sehen dort die Oelsandflötzchen, ebenso wie die einzelnen mehr
oder weniger imprägnirten , sandigen Mergelstreifen in ausser-
ordentlicher Feinheit geschichtet, ein Umstand der nicht grade
für eine nachträgliche Infiltration spricht.
Dass in geringerem Maasse eine Wanderung des Bitumens
1. Es bildete sich unter ähnlichen Verhältnissen an anderen Orten manchmal
das gleiche Product. So findet man zuweilen in den Gephalopodenschalen des Lias
Ton Langenbrficken und anderer Punkte flüssiges Erdöl, welches offenbar hier
unter völligem Abschluss als Endproduct aus dem verwesenden Organismus entstand.
172
and Erdöls schon während und auch noch nach der Bildung
desselben stattfand, ist sehr wahrscheinlich, und so würde es
sich erklären, dass vorwiegend, wenn auch nicht immer, das
lockere und zur Aufnahme desselben geeignete Material imbibirt
wurde.
Da wo das Oel in grösserer Nähe der Oberfläche zu liegen
kam und durch Verwerfungen und Spalten mit der Luft in
Berührung gelangte, wurde dasselbe oft in höherem Grade oxydirt
und verlor seine flüchtigeren Bestandtheile. Es bildeten sich
Pech, Asphaltkalk und Pechsand, wie z. B. bei Lobsann. In den
tieferen Lagen hingegen, wo es abgeschlossen und geschützt war,
wie bei Schwabweiler und in den tieferen Schichten von
Pechelbronn, erhielt sich dasselbe als leichtflüssiges Oel;
immerhin mögen auch die ursprünglichen Bildungsverhältnisse
hierauf schon von Einfluss gewesen sein*.
1. Hierzu ist zu bemerken, dass ein sehr tiefes Bohrloch bei Oberstritten
zähflüssiges Pech lieferte, während in der Regel auch im Elsass gerade die tiefen
Bohrungen leicht flüssiges Erdöl ergeben. (Cf. p. 189.)
173
in. Meeressand
im Elsass und in der Oberrheinebene.
Der mitteloligocäne Meeressand, welcher, wie Sandbebgeb
schon lange nachgewiesen und wie Lepsius es neuerdings bestätigt
hat, unter dem Septarienthon liegt, also die tiefere Abtheilung
des Mitteloligocäns bildet, entspricht dem Tongrien der belgischen
Geologen. Er ist nur zum Theil äquivalent dem Tongrien der Elsässer
und Schweizer, indem diese die Grenze gegen das Aquitanien
etwas höher gelegt haben. Somit wurde hier die höhere Stufe des
Mitteloligocäns — das Rupölien oder der Septarienthon — nicht
ausgeschieden. Der Grund dafür ist wohl darin zu suchen, dass der
Septarienthon hier im Süden nicht typisch entwickelt vorkommt,
sondern dass er durch die ÄmpHtsyleSchieiery eine südliche und
relativ weit verbreitete Facies desselben, vertreten wird. Die
typische Entwicklung des Meeressandes findet sich im Mainzer
Becken, wo die klassischen Fundorte Weinheim bei Alzey und
Waldböckelheim in der Gegend von Kreuznach zahlreiche
Fossilien geliefert haben. Von hier aus lässt sich derselbe in
vereinzelten Vorkommnissen durch die Oberrheinebene hindurch
bis über Basel hinaus in den Berner Jura verfolgen.
Am Abhänge des Odenwaldes bei Heppenheim wurden
von Seibebt Sandsteine mit Meeressandversteinerungen nach-
gewiesen*. Weiter südlich wurden von Bbkecke und Cohen bei
Grossachsen ebenfalls Meeressandfossilien in einem kalkigen
1. Notizblatt des Vereins für Erdltande ete. 1858. Darmstadt, pg. 7 und 87. —
R. Lbpsids. Das Mainzer Beeiden. Darmstadt, 1883, pg. 40.
174
Sandstein angetroffen ^ In der Pfalz am Abhänge der Haardt,
sowie im Elsass längs des Yogesenrandes müssen wir wohl einen
grossen Theil der Conglomerate als Aequivalent des Meeres-
sandes ansehen. Bei Leinweiler, nördlich von Eschbach
unweit Landau, enthalten die dort anstehenden Muschelkalk-
conglomerate fossilführende Schichten*. Es fanden sich nach
Sandbebgeb und Gumbel:
1. Ostrea callifera Lamk.
2. Pecten pictus Goldp.
3. Modiola delicatula Desh.
4. Pectunculus obovattis Lamk.
5. Lamna denticulata Aa.
6. Balanen.
7. Foraminiferen.
Hierzu kommen noch Zähne von Lamna contoriidens Aa.,
welche ich aus der Gegend von Landau erhielt.
Im Elsass und zwar bei Weisse nburg, an der Walkmühle bei
Lobsann, zwischen Preuschdorf und Wörth, am Bastberg bei
Buchsweiler, am Scharrachberg, Bischenberg und bei Bern-
hardsweiler etc. sind die Gonglomerate alle sogut wie fossilleer;
auch stehen sie nicht in direkter Beziehung zum Septarienthon,
weshalb ich dieselben nicht bei dem Meeressande abhandebi,
sondern in einem besonderen Kapitel als mitteloligocäne Eüsten-
bildungen beschreiben werde. Das Gleiche gilt von dem Schön-
berg bei Freiburg.
Erst in der Umgebung von Basel, in Ober-Baden, in der Pfirt
und im Berner Jura — hier namentlich in der Gegend von Dels-
berg — ist der Meeressand wieder besser entwickelt und fossil-
1. E. W. Benecke and E. Goren. Geognostische Beschreibung der Umgegend
von Heidelberg. Strassburg i. E., 1881, pg. 500.
2. GüMBEL. Lconb. Jahrb. 1853, Tf. VH. Sandbebgei. Mainzer TertiHirbeckefl
1863. Gi'MBEL. Geognostische Verhältnisse der Pfalz, 1865.
175
führend. Was den Berner Jura betrifft, so fallt derselbe nicht
mehr in unser Untersuchungsgebiet hinein, und. ich verweise
deshalb hier auf die Arbeiten von Gbepfin^ welcher den
dortigen Meeressand beim Terrain tongrien behandelt und
namentlich aus den schwarzen sandigen Mergeln von Neucul
zahlreiche Fossilien anführt.
Der Meeressand in Ober-Baden ist von Sandbebgeb' genauer
untersucht worden, und sind die wichtigsten Fundpunkte Stetten
sowie Schloss Bötteln bei Lörrach, wo derselbe direkt dem
Jura auflagert. Sandbeboeb gibt folgendes Profil von Stetten
unweit Lörrach:
1. Hauptoolith (im Liegenden).
2. Kalksandstein mit einer Bank von Ostr. caUtfera,
3. Kalksandstein mit vielen Gerollen von Hauptoolith,
Korallenkalk etc. Cerithium lima, Cer. Bohlayet, Natica
creissatina, Neritina fulminifera^ Lamna ct^spidaia und
Pflanzenresten.
4. Grobe Conglomeratbank, meist jurassische Gerolle.
Im Meeressand von Ober-Baden wurde bisher . an Fossilien
gefunden':
Bei Stetten.
1. Cerithium troMeare Lamk.
2. Cer. Bollayei Desh.
3. Cer. dissitum Desh.
4. Cer. lima Desh.
5. Neritina ftUminifera Sandb.
1. J. B. Gbeppin. Le Jura Bernois et districts adjacents. Berne, 1870, pg. 162.
2. SAiiDBEacEa. Die Conchylien des Mainzer Tertiärbeckens, pg. 414. Wies-
baden, 1863.
3. Die Angabe der Fossilien in den folgenden Listen rührt von SANDBEncKa
her, soweit nichts anderes bemerkt ist.
176
6. Naiica crassaiina Lamk. sp.
7. Tritönium flandricum de Kon.
8. Corbtda gibba Oliv. (= subpisiformis Sandb.')
9. Tellina Heberti Desh. nach Angabe von Greppik.
10. Spondylus ienuispina Sandb. nach Angabe von Gbeppik
11. Ostrea caUifera Lamk.
12. Lamna cuspidaia Ag.
Bei Rötteln nördlich von Lörrach.
1. HaliÜierium Schinei Kaüp. Zähne nach P. Mebian
und H. y. Meyeb.
2. Trochus rhenanus Meb.
3. Tellina Heber ii Desh.
4. Cyiherea incrassaia Sow. var. ovalis Sandb.
5. Cyth. splendida Meb.
6. Isocardia subiransversa d'Obb.
7. Cardium cingulaium Goldf. (= tenuisukalum Nt8t.
= striatulum Phil.)
8. Lucina Heberti Desh.
9. Lucina squamosa Lamk. Eine Art der sables de Fon-
tainebleau.
10. Luc. Thierensi Heb. naCh Ang. Gbeppinb.
11. Cardita Omaliana Ntst. nach Gbeppin.
12. Nucula Greppini Desh.
13. Pectunculus obovatus Lamk.
14. Pect, angusticosiatus Lamk.
1. Corb, subpisiformis Sandb. ist von Professor von K(knbn mit der jüngeren
noch recent vorkommenden C. gibba Olivi vereinigt worden (Palaeont. XVI, 2,
pg. 262). — Auch in den nachstehenden Listen bin ich den von Kceüen in seinen
Arbeiten über das marine Mittel-Oligocän Nord-Deutschlands (Pal. XVI, 2) und Beitr.
zur Kenntniss der Molluslien-Fauna des norddeutschen Tertiärgebirges (Pal. XVI, 3),
vorgenommenen Identificationen und Berichtigungen gefolgt.
177
15. Pecten picius Gfold.
16. Osirea caUifera Lamk.
Ferner gibt Gbkppik mit dem Fundorte Lörrach noch an:
1. Pleuroioma Selysii de Eon.
2. Pleurot, intorta Bbocc. (= Morreni Ntst.)
3. Delphinula sp.
4. Calyptraea striaieUa Nybt.
5. Hipponyx cornu'copiae Depb. Eine Art des Pariser
Grobkalkes (Mt. Eoc), die auch in den Sables moyens
(Ob. Eoc.) vorkommt.
Diese 30 angeführten Arten finden sich alle im Mainzer
Becken mit Ausnahme von Lticina Thierensi und Hipponyx cornu-
copiae. Im Tongrien von Delsberg sind sie ebenfalls vertreten,
nur fehlt: Lucina sqtuimosa, Isocardia subtransversa, Hipponyx
comu-copiae, Tiritonium flandricum, Cerithium lima und Ceri-
thium dissitum,
«
Eine ähnliche Meeressandbildung wie diejenige von Stetten
und Bötteln finden wir im Süden von Basel bei Aesch, von
wo ich nach Sandbeboeb und Gbeppik folgende Arten anführe:
1. Pholadomya peciinata Meb. Eine Art, die im Mainzer
Becken fehlt.
2. Panopaea Htberti Bosq.
3. Pecten fasciculaius Sandb.
Das Vorkommen von Rädersdorf in der Pfirt ist schon
lange wegen seiner Halitherienreste bekannt. Dieselben wurden
zuerst von Duvebngy* beschrieben und abgebildet. Die Originale
befinden sich noch in dem Strassburger zoologischen Museum.
1. DuvBRNOT. M^m. de la Soc. d'hist. nat. de Strasbg., II, pg. 9, 1835,
(als Lamantin fossil beschrieben). — Gompt. rend. Acad. Paris, 1836. — Blainville.
Ost^ographie, Manatus^ Tf. X. — Merian. Verhandlungen der natarf. Ges. zu Basel,
1836—38 (als Halianassa Studeri v. Met.). — Lepsics. HaUtherium Schinzi, pg. 163.
Darmsfadt, 1878.
III. 12
178
Von Lepsiüs wurden diese Halitherienreste dem H. Schinsi Kauf.
zugerechnet. Der Steinbruch von Rädersdorf, welcher die
betreffenden Knochen lieferte, war in einem Felde angelegt
worden, um Bausteine für ein Schulhaus zu gewinnen, und ist
längst wieder eingeebnet worden. Ausser dem Halitherium er-
wähnt Delbob in seiner Beschreibung des Haut-Rhin noch Fisch-
zähne und den Pecien bifidus Münst., sonst ist meines Wissens
nichts von Rädersdorf bekannt geworden. Einige in der Strass-
burger Sammlung vorhandene Steinkerne von dort, welche mit
sicherem Fundorte versehen waren und wahrscheinlich von
Gbesslt an Düveenoy geschickt worden sind, erscheinen daher
um so mehr erwünscht. Dieselben bestehen aus einem weichen,
gelben Kalksandstein. Ich bestimmte sie als:
1 . Cassidaria nodosa Sol. Findet sich auch im Mainzer
Becken ebenso wie im Tongrien von Delsberg.
2. Pcmopaea Heherti Bosci.
3. Cytherea splendida Meb. Das einzige gute Exem-
plar, welches mir vorliegt, ist sehr gross (37 mm lang,
22 mm breit) und von länglich eiförmiger Gestalt, wo-
durch es sich der Cyth, laevigata Lmk. aus dem fran-
zösischen Eocän sehr nähert. Tf. XI, fig. 17.
4. Isocardia subtransversa d*Orb.
5. iMCina tenuistHa H^
6. Modiola micans Au Bbn. Tf. XI, fig. 15, 16 a, h.
Die Stücke von Rädersdorf sind sehr schön als Mo-
delle erhalten und zeigen noch vollständig die feine,
aus Längslinien bestehende Skulptur. Verglichen mit den
Exemplaren aus dem Mainzer Becken (Trift bei Wein-
heim) erscheinen sie grösser, bauchiger und etwas
runder. Die Art nähert sich hierdurch ähnlich wie die
erwähnte Cyth. splendida einer älteren Verwandten,
• 179
von welcher sie abstammen dürfte, nämlich der Mo-
diola capillaris B^BH, aus den Sables moyens (Ob. £oc.)^
7. JPecten biftdus Münst. (nach Ang. von Delbos). Eine
Art der Sables de Fontainebleau, die auch im Mittel-
oligocän von Kassel vorkommt.
8. Lamna contortidens Ag.
9. Lomina denticulata Ag.
Wenn es sich nachweisen liesse, dass wie bei zwei der
oben genannten Arten, der Modiola micans und Cyiherea spien"
diday die Meeressandformen des südlichen Complexes bei Basel
und im Berner Jura überhaupt ein älteres Gepräge tragen, als
diejenigen des Mainzer Beckens, so wäre hierin eine neue Stütze
für die Ansicht geboten , dass das Meer von Südwesten her in das
Elsass eindrang und schliesslich das Mainzer Becken überfluthete.
Die Formen wären alsdann möglicherweise aus dem französischen
Meere auf diesem Wege zu uns eingewandert, um an ihrem
neuen Wohnorte noch eine viel reichere Entfaltung zu erlangen.
Nicht weit von Kädersdorf bei Oltingen stehen Meeres-
sandschichten an, die Reste von Peciunculus geliefert haben.
Dieselben bestehen zumeist aus Molassesandstein, welcher sehr
grobe KüstengeröUe von 30 — 40 cm Durchmesser enthält".
An diese typisch ausgebildeten Meeressande schliessen sich
dann noch solche Bildungen an, welche eine mergelige oder
mergelig sandige Facies des gleichen Horizontes bilden und in
der Gesammtheit ihrer Fauna vielleicht ein etwas jüngeres Ge-
präge tragen. Wir können hierher die obersten grauen Mergel
der „Marnerie Gilardoni" bei Altkirch stellen, denn sie über-
lagern die Blättersandsteine und Mergel des Unteroligocäns , in
1. Deshayks. ÄBim. s. vertöb. du bass. de Paris, I, Tf. 75, fig. 25 — 27. In
meiner DEOAT'schen Ausgabe ist die Art im Text fälschlich mit einer anderen Zahl
versehen.
2. Delbos. Descr. d. döp. d. H.-ß., pg. 45, 11.
180
welche sie allmälig übergehen, und werden von Melettaschichten
bedeckt. Diese sterilen Meißel haben jedoch nnr das Interesse,
dass sie einem fossilreichen Mergel, der in einem Anfschloss
bei Dammerkirch westlich von Altkirch gewonnen wird,
petrographisch sehr ähnlich sind. In der Meigelgmbe westlich
von Dammerkirch, nicht weit von der französischen Grenze,
bietet sich uns etwa folgendes Profil von oben nach vnten':
2,5 nL Lehm.
2,5 m. Dilaviale Kiese.
10,0 m. Blaugraue, sandige, glimmerige Mergel vom Ha-
bitus der Mergel von Altkirch.
Das Einfallen ist ein sehr schwaches (ongeiahr 3*) von
SW. nach NO. gerichtetes. Die Meißel selbst enthalten nnr sehr
sparsame Bmchstucke von Moscheln, während im unteren Niveau
derselben eingeschaltete graue, ziemlich grobe und mei^elige
Sandschichten ganz davon erfüllt sind. Die oberste dieser Sand-
schichten von 1,3 cm Mächtigkeit lieferte mir namentlich eine
reiche Ausbeute. Bei dem mehrmaligen Besuche des Au&chlusses
sammelte ich folgende Arten:
1. Adearbis deea^saius Sani«.
2. liatiea yysH o^Osb. Nur mangelhaft erhaltene Exem-
plare. Zahlreiche von Naäca angebohrte Schalen deuten
auf grössere Arten der Gattung hin. {N. crassaüna. . . ?)
3. Cl$ef%ap9is speetostts Schloih« vmr. oxydactylus
Saxdb. Fragmente.
4. Murex I^ehaye^t Ntst.*
1. Der Mf der KociLn'sdMB Kirte ufefebeBe Tertürpankl bei DaBBer-
kirck eatspridil ucht usoca Aifschluss. soaden liegt f*sl 1 Kfloaeter teUieh
diToo entfernt lastehei tm TeiiürsdüditeB ist jetzt an dieser Stelle nichl Behr
2. Diese Art» snrie Plewiomm rfsmlmris m Ko5. (sack toü Kta!CDi.= bd^ica
Geldt) fUffe ich Mch gütiger Hittbrilwig des Hemi Dr. W. Kiuas ia Paris hier an.
181
5. Fu»u8 elongatus Nyst. (Tf. XI, fig. 14.) Es finden
sich sehr grosse Exemplare ; eines derselben misst 2 1 mm
in der Breite und 66 mm in der Länge, ergänzt würde
die Länge etwa 75 mm betragen. Sehr ähnliche grosse
Exemplare kommen im Meeressande von Weinheim
bei Alzey ab und zu vor.
6. JPlenrotoma regula/Ha de Eon.
7. Heurotoma cf. Selyaii de Kon. Fragment.
8. Ostrea cyafhula Lahr.
9. JPecten decussatus y. Münst.
10. JPeCtm piCttlS OOLDF.
1 1 . Bohrmuschellöcher in den Schalen von Pect, obovatus.
Dieselben scheinen von Lithodomen {Lith. [Modiol,]
delicatula Debh. ?) herzurühren, ich konnte jedoch
noch keine Schalenreste davon auifinden.
12. Pectuncultis ohovatus Lamk. Sehr häufig grosse
Exemplare.
13. Pectwncvlus angtisHcostatus Lahk.
14. Ifucula piligera Saübb. Eine Art, die sich auch am
Zeilstück bei Weinheim im Mainzer Becken findet.
15. NuGula cf. Greppint Desh.
16. Jjuclna ttnduZMa Lamk.
17. Cardiv/m scroMwida Meb.
18. Ca/rdiwni cinffiiUxtu/m Goldf.
1 9. Cyprina rotundata Braun. Die elsässer Exemplare
werden sehr gross. Ein ungemein dickschaliges Exemplar
mit kräftigem Schloss erreicht eine Breite von 110 mm
und eine Höhe von 97 mm.
20. OyOierea incrassata Sove. Meist var. ovalis Sakdb.
und ein Exemplar, das ich zu var. obtusangularis
Sandb. stellen möchte.
21. Cyfherea splendida Meb. Häufig.
182
22. Psamniobta Jleyehi nov. sp. Tf. XI, fig. 10—13.
Diese neue und recht grosse Psammobie hat eine ziemlich
dünne, flache, quer verlängerte Schale, welche ungleich-
seitig und vom kürzer als hinten ist. Der Unterrand
der Schale ist grade und verläuft parallel dem Schloss-
rand; er geht ganz allmäh'g in den Vorderrand über,
während letzterer zu dem Schlossrande eine gerundete
Ecke bildet. Die Hinterseite der Muschel erscheint
breit, schief abgestumpft und gerundet. £in breiter
und stumpfer Kiel verläuft vom Wirbel nach der un-
teren Ecke der Hinterseite; ausserdem sind noch zwei
schwache Eielandeutungen vorhanden, welche vor dem
Hauptkiele liegen. Dieselben verlaufen ungefähr in der
Mitte der Muschel vom Wirbel schräg rückwärts nach
dem Unterrande. Die Schalenoberfläche ist etwas zer-
fressen und rauh, dieselbe war wohl jedenfeüls mit
einer Epidermis bedeckt. Ziemlich unregelmässige feine
und scharfe Anwachsrippen von wechselnder Stärke
bedecken die ganze Oberfläche. In der rechten Klappe
stehen zwei massig grosse Cardinalzähne, in der linken
konnte ich nur einen einzigen schrägen Zahn wahr-
nehmen. Der Schlossrand ist etwas nach Innen umge-
bogen und besitzt eine starke Bandnymphe, welche
das kurze, kräftige Ligament trägt. Die Muschel war
an beiden Enden ganz schwach klaffend. Sie findet
sich ziemlich häufig bei Dammerkirch, allerdings
meist in Bruchstücken. Ferner zeigte mir Herr Dr.
BöTTGEB in seiner Sammlung zerbrochene Exemplare
derselben Art, welche von Herrn Dr. 0. Meyeb in einem
Meeressandaufschlusse am Welschberg unweit Alzey
gesammelt waren. Schliesslich kenne ich unsere Art noch
aus dem Tongrien von Courrendelin unweit Delsberg.
183
23. Teilina Nysti Desh.
24. Corhidoniya sp.
25. CorbtUa gibba Olivi (= subpisifor^nis Samdb.)
26. CorbtUa mibarata Sandb. Vorwiegend eine Art des
Cyrenenmergels (Hackenheim Mainz. B.).
27. Corbula sp. 8 mm lang, 3,5 mm breit. Die einzige
mir vorliegende Klappe ist schwach gekielt, verlängert,
stark gestreift und hat einen ziemlich kräftigen Schloss-
zahn.
28. Panopaea Heberti Bosq.
29. Quinqtieloculina triangtUaris d*Obb. (For. foss.
d. Bass. d. Vienne, p. 288, Tf. XVm, fig. 7, 8.)
Diese Art, die auch im Meeressand von Weinheim
vorkommt, findet sich in der Sandschicht.
30. Quinqueloc. iMdwigi Ras. (For. desSeptth., pg. 10,
Tf. I, fig. 12.) In der Sandschicht.
31. Quinqueloc. Haiieri d'Obb. (= Hauerina d'Obb.
1. c, p. 286, Tf. XVm, fig. 25 — 27.) In der Sand-
schicht gleichfalls im Meeressand von Weinheim.
32. Polymorphina (jOhittuJlina) la/nceolata Rss. Im
Mergel.
33. Bolivina cf. antiqua d'Obb. (For. foss. d. B. d.
Vienne, pg. 240, Tf. XIV, fig. 11, 13.) Im Mergel sehr
selten.
34. Globigerina bulloides d'Obb. Im Mergel.
35. Fulviniüina pygtna^a v. Hantk. Im Mergel.
36. l^uncatulina Weinkauffl Rss. Im Mergel.
Ausserdem beobachtete ich noch im Mergel andere kleine
Pulvinulinen, Truncatulinen und Bolivinen. Von Echinodermen
fand sich ein Bruchstückchen eines Seeigels. Von Crustaceen
verschiedene Ostracoden-Arten. Ferner eine grosse Schuppe von
184
einem Teleostier, Zähne von Lamna aupidata Ag. nnd ron
Lamna denticulata Ao., sowie Bbtttreste Ton Cimnamommm tL
Scheuchzeri Hkeb*, Salix (?) sp. nnd TerkoUtes Holz.
Die Fanna Yon Dammerkirch ist hiernach im Wesent-
lichen die des Meeressandes, obwohl sie einige Anklänge an
die unteren marinen Cyrenenmeigel (Elsheimer Meeressande
nach Lepsius) zeigt, welche namentlich sich im Auftreten ron
Carbula subarata^ Nuctda päigera nnd in der relatiren Hänfi^eit
anderer Arten, wie Cyprina roiundaia nnd Ctfiherea incrassaia
geltend machen. Bemerkenswerth ist noch das Vorkommen einer
ForaminiferenCauna mit kleinen Tmncatnlinen, PulYinnlinen, 61o-
bigeiinen und Bolirinen (ähnlich wie bei Altkirch nnd Schwab-
weiler), welche auf tieferes Meer hinweisen, während doch der
eingeschaltete Sandstreifen mit seinen ?ielen Conchjlien, sowie
mit Holz- und Bbittresten nicht allzuweit Ton der Küste zum
Absatz gelangen konnte.
Am Schlüsse müssen wir noch bei der Behandlung des
elsässer Meeressandes einige Vorkommnisse betrachten, welche
von DeiiBOs zum Tongrien gestellt wurden und eine Anzahl
Versteinerungen geliefert haben. Da sich an den betreffenden
Stellen jetzt keine Fossilien mehr finden, so war es mir nicht
möglich, durch Vermehrung der Listen grössere Sicherheit for
die Classification zu gewinnen.
In erster Linie ist das Vorkommen bei Egisheim in der
Gegend von Colmar zu nennen. Delbos (Descr. d. H. R., pg. 65)
gibt an, dass die grossen Steinbruche im Süden des Ortes lagen.
Gelbe Sandsteinbänke wechseln daselbst mit Mergellagen, die
oft eine weissUche Färbung zeigen. Das Tertiär ist Yon 4 — 5 m
Löss bedeckt. Nur einzelne Bänke enthielten bei Egisheim
1. Die Blattfragmeote fon Chmamomwm wurden mir fk^imdlicher Weise vod
Herrn Dkkcu in Strassborg mitgetheitt.
185
Fossilien, welche überdies noch recht selten waren. Delbos er-
wähnt von Egisheim folgende Arten:
1. Certihium plicatum Bbüg.
2. Cer. laevissimum Schlth. sp.
3. Cer. trochleare Lame.
4. Cer. lima Desh.
5. Xenophora scrutaria Phil. (= LeyeUiana Bosq.)
6. Serpülorhis n. sp.?
7. Neritina fulminifera? Sandb.
8. Natica crassatina Lamk. sp.
9. Natica sp.
10. Columbella inomata Sanbb.
11. Sepiifer denticülatus Lamk. sp.
12. Peciunculus angusticostatus Lamk.
13. Cardium Raulini Heb. Eine Art des Pariser Beckens,
die im Mainzer Becken durch C, scröbimda Meb.
vertreten wird.
14. Cytherea incrassata Sow. sp.
15. Cytherea splendida Meb.
16. Notidanus primigenius Aa. (Delbob Nachtrag I. c.
pg. 511.)
Zu dieser Liste von Meeressandfossilien, in der immerhin
der relative Reichthum an Cerithien auffallt, verhalten sich folgende
Arten, die Delbos damit promiscue anfährt, sehr heterogen.
1. Cerithium margaritaceum Bboc. sp. Eine Art des Cyrenen-
mergeis. (Ob. Ölig.)
2. Cyrena semistriataD:EBH. Gleichfalls eine Art desCyrenen-
mergels.
? 3. Corbtcula Faujasi Desh. Die Leitform der Corhicuta"
Schichten. (Ut. Mioc.)
Ich vermuthe, dass diese Arten mit den obengenannten
nicht zusammen in einer Schicht gefunden worden sind, was
186
auch Delbos nicht direkt behauptet. Angenommen, das8 bei
dem meist mangelhaften Erhaltungszustand die Bestimmungen
richtig sind, so erscheint es mir am wahrscheinlichsten, dass
die drei letztgenannten Arten aus anderen Au&chlüssen bei
EgisheiiQ oder {lus einer höheren Schicht des Steinbruches
stammen. Das Vorkommen von Cyrenenmergeln im Ober-EIsass
unterliegt keinem Zweifel \ um so mehr, als auch dieselben im
Unter-EIsass fossilreich entwickelt sind. Das Auftreten der Cor-
bicula Faujasi im Ober-Elsass wäre in hohem Grade interessant,
ist aber nicht grade wahrscheinlich; sie wird ausser von Egis-
heim nur noch von Ffeche-Tfiglise (Döpart. du Haut-Rhin)
angegeben.
1. Durch Herrn Deecke erhielt ich kürzlich einige von Boncourt (bei Moni-
b^liard) stammende Stücke einer hellgelben, feinkörnigen und sehr harten Kalk-
molasse mit zahlreichen Resten von Cyrena semistriata Desh. als einzigem Fossil.
Diese Schichten, welche völlig der typischen Meeressandfossilien ermangeln, stehen
in Beziehung zu den Conglomeraten des gleichen Fundortes, die aus Jurakalk besteben
und gehören vermuthlich zum Oberoligocän.
187
IV. Der Septarienthon im Ünter-Elsass,
Die Kenntniss des Septarienthones im Elsass war bisher
eine unvollständige, und obwohl das Vorkommen von marinen
Mergeln im Hangenden des Asphaltkalkes bei Lob sann schon
seit langer Zeit bekannt war, und schon Voltz darauf aufmerk-
sam gemacht hatte, so war doch bisher keine volle Sicherheit
bei der Altersbestimmung dieser Schichten erlangt worden.
Daubbee stellte (1852) in seiner Beschreibung des Haut-Rhin
sämmtb'che Schichten von Lobsann zum Miocän. Sanbbebgeb,
welcher in seinem Werke ^Land- und Süsswasserconchylien der
Vor weit" (1870— 1875) den Asphaltkalk und die marinen Mergel
erwähnt (pg. 307), bringt den ersteren zum tiefsten Mitteloli-
gocän, während er bemerkt, dass die Mergel eine Anzahl der
Fossilien aus dem Horizonte der Natica crassaiina enthalten.
Im Jahre 1873 spricht Mosleb in seinem Catalog für die
Sammlung der Bergwerksproducte etc. von Elsass-Lothringen
die unterelsässer petroleumführenden Schichten wiederum als
Miocän an*. Ludwig, welcher im Notizblatt des Vereins für
Erdkunde zu Darmstadt 1875 die Tertiärschichten der Um-
gegend von Sulz u. d. Wald behandelte, war so glücklich, eine
Anzahl von Versteinerungen von Lobsann zu erhalten, darunter
1. Auch Delbos stellte 1870 in einem Vortrag irAlsace pendant la päriode
tertiaire» (conf.de Mulhouse) die Schichten von Lobsann noch in das Miocän und
parallelisirt sie mit dem Calcaire de Chätenois bei Montböliard, welcher nur
JXr. osculum Thom. geliefert hat und unserem Landschneckenkalk im Mainzer
Becken entsprechen dürfte.
188
18 Foraminiferen * und einige Mollusken. Auffallender Weise
bekennt er sich am Schlüsse seiner Arbeit zu der Ansicht, dass
die unteren Süss wasserschichten von Lob sann dem Blätter-
sandstein von Münzenberg und den Braunkohlen vom Hessen-
brücker Hammer in der Wetterau entsprächen. In dem Abriss
der Geologie von Elsass- Lothringen 1878 stellte Professor
Benecke, dem Vorgang von Professor Sakdbebgeb folgend, die
Mergel von Lob sann zum Mitteloligocän und zwar zu dem Sep-
tarienthon. Diese letztere Ansicht über das Alter der marinen
Mergel von Lobsann bestätigte sich vollständig durch die neueren
Befunde, namentlich durch das Vorkommen der Leda Deshaye-
siana und durch die Untersuchung der reichen Foraminiferenfauna.
Diejenigen Stellen, an welchen der Septarienthon im Unter-
Elsass mir Fossilien lieferte, sind Lobsann, Drachenbronn,
Sulz unter dem Wald und Heiligenstein bei Barr, nicht
weit von dem Odilienberge. Die drei ersten Vorkommnisse zeigen
die grösste Uebereinstimmung und liegen so nahe bei einander,
dass sie sich nicht getrennt behandeln lassen; wir wollen mit
ihrer Besprechung beginnen.
Der Septarienthon von Lobsann bildet, wie schon in dem
Profile (pg. 106) gezeigt wurde, das Hangende des Asphalt-
kalkes, und seine an der Verwerfungsspalte schräg abwärts ge-
schleiften Schichten wurden in dem neue'h Schacht bis zu einer
Teufe von 60 m verfolgt. Die wirkliche Mächtigkeit des Septarien-
thones von Lobsann ist zwar keine so bedeutende, muss aber
doch mindestens auf 40 m geschätzt werden. Die petrographische
1. Es werden Ton Lcdwig folgende Foraminiferen too Lobsann angegeben:
Baptophra^mium Bumboldü Rss., Gaudnfina diiiosioma Rss^ Glanduiina graeHU
Rss., Pi'odoiaria pungens Rss., .V. soiuta Rss., N. BDaUi Rss., .V. amsobritui d'Oib.,
«V. öaeirMium Rss., N, eppraximata Rss., Textilaria pedinaia Rss., Tk. aitatuata
Rss., HtmcatuHna hidda Rss., TV*. Dutempiei o'Oib., CrisMlaria subplana Rs$.,
Cr. depauperata Rss., O*. ooacmiia Rss., O*. ämbasa Rss., Cr, arüadata Rss.
189
Beschaffenheit ist eine ziemlich einförmige. In dem neuen Schachte
fanden sich bis zu 3 m Tiefe graue, gelbgeflammte, mergelige
Thone mit zahlreichen kleinen, wasserhellen oder hellgelben Gyps-
krystallen, Brauneisenkügelchen ^ und vielen Foraminiferen, unter
welchen namentlich die PseudotruncatuUna (früher IVuncatulina)
Butemplei massenhaft und in grossen Exemplaren auftritt. Bis zu
Hm Tiefe fanden sich alsdann hellgraue, zarte Mergel mit vielen
kohligen Algenresten. Von 1 1 m bis zu 60 m folgen braungraue,
dunklere Mergel mit sehr viel Schwefelkiesstängelchen und Concre-
tionen, welche die ganze Schlemmprobe schwarz färben, grossen
plattgedrückten, agglutinirten Böhrchen, Haplophragmien , Pleca-
nien, Botalien und zahlreichen anderen Foraminiferen. Der in
einem Stollen hinter dem Asphaltkalk gefundene Mergel gleicht
dem letzteren vollständig in seiner Beschaffenheit und Fauna,
nur dass derselbe eine hellere, mehr graublaue Farbe zeigt.
In den Mergeln von Lobsann finden sich, wenn auch
nicht gerade häufig, ächte Septarien; ausserdem treten grosse,
strahlig concretionirte Kugeln von Markasit auf. Das letztgenannte
Mineral wird auch von Daubbee erwähnt, welcher angibt, dass
es in Zwillingsverwachsungen nach oo P bei Lobsann vor-
kommt. Sehr schöne, wenn auch kleine derartige tafelige Zwillings-
verwachsungen von meist 5 Krystallen fand ich in einer Schlemm-
probe in grösserer Anzahl.
Ueber den Septarienthon von Sulz ist nicht viel zu sagen;
derselbe bildet offenbar eine isolirte, von der Erosion verschont
gebliebene Parthie, welche direct die petroleumsandführenden
Mergel zwischen Sulz unter dem Wald und Betschweiler
überlagert. Die Aufschlüsse, welchen ich meine Schlemmproben
1. Es ist anzunehmen, dass das Vorhandensein von Brauneisen und Gyps in
den oberen Schichten wohl nur dem Einfluss der Atmosphärilien zuzuschreiben ist,
welche dieselben aus Markasit und Kalk bildeten; auch wurde der Mergel hierbei kalk-
armer und plastischer.
eotnahm, befindeu sich am Fussweg von Sulz nach Ketsch*
Weiler in einem Graben und dicht an dem Orte Retschweiler
selbst, welches Dorf noch z. Tb. auf Septarienthoo zu liegen
scheint. Die Foraminiferenfauna dieser Schlemmproben gleicht
deijenigen von Lobsann und ist ausgezeichnet durch das Vor-
kommen schöner, grosser Cristellarien, Nodosarien, TniDcatulinen
und Haplophragmien. In dem Septarienthon von Retschweiler
scheinen auch stellenweise brackische Schichten noch vorzu-
kommen, indem eine Schlemmprobe desselben zahlreiche Ostra-
coden und Früchte von Chara Volizi enthielt.
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Bttehend
Das dritte Vorkommen unweit der Siebenbrunnenmahle an
der Bergstrasse, welche tod dem Bergwerk Lobsano nach dem
Dorfe Drachenbronn führt, habe ich der Kürze halber nach
dem letztgenannten nahe gelegenen Orte bezeichnet. Dasselbe
ist in sofern interessant, als es uns zeigt, dass kleine Bitumen-
191
sandschichten noch bis in das Niveau des Septarienthones hinauf-
reichen. Die Schichten in dem beistehenden Profil, welches von
NO. nach SW. verläuft, zeigen ein schwaches, nach der Ebene
zu gerichtetes Einfallen. Wir haben zu oberst im Wald lockeren
Sand und Schotter, der aus der Verwitterung des Buntsand-
steins vom Hochwald entstanden und herabgeschlemmt worden
ist (1.). Dann Septarienthon (2.) mit vielen Foraminiferen,
welcher bei 3. ein Bitumensandflötz von durchschnittlich 0,6o m
Mächtigkeit enthält. Dieser Bitumensand ist dunkelbraun, fein-
körnig, zerreiblich und hat nur einen schwachen Geruch. Unter
demselben liegen wieder kalkige Mergel mit reicher Foramini-
ferenfauna (4.). Zum Schlüsse folgen aus Kalk, Sand und Mergeln
bestehende Schichten (5.), welche wohl schon dem Horizont
des Asphaltkalkes entsprechen.
An dieses Profil schliessen wir das Ergebniss der Bohrung
Nr. IV aus dem Jahre 1864 an, welches von oben nach unten
folgende Schichten zeigte:
Nr. IV.
1. Lockerer Sand 6,8o m.
2. Blauer, thoniger Mergel mit Gyps und Pyrit. 13,84 m.
3. Reicher Bitumensand 0,56 m.
4. Kalkiger, blauer Mergel 0,95 m.
5. Heller Kalk 1,20 m.
6. Kalkiger Mergel mit Pyrit 2,84 m.
7. Sehr sandiger Mergel. . . . « 1,56 m.
8. Gelblicher Sand (bituminös) 0,74 m.
9. Mergeliger, gelber Sand 1,65 m.
10. Heller Kalk mit kleinen Bitumenschmitzen . 0,4i m.
11. Grober, gelber Sand 0,7i m.
12. Heller Kalk mit kleinen Bitumenschmitzen . 0,ii m.
Ganze Mächtigkeit == 31,36 m.
192
Das Bohrloch Nr. V wurde im Jahre 1882 abgeteuft und
ergab folgendes Profil:
Nr. V.
1. Ackerkrume . 0,» m.
2. Grauer, gelbgeflekter Mergel mit vielen Fora-
miniferen 1,55 m.
3. Sandiger Mergel mit zerbrochenen Septarien . 1,24 m.
4. Bitumensand 0,78 m.
5. Blaugraue Mergel 0,85 m.
6. Gelbliche Mergel 0,4o m.
7. Blaue Mergel 0,4o m.
8. Bitumensand 0,ii m.
9. Bläuliche Mergel mit sehr vielen Foraminiferen. 0,63 m.
Ganze Mächtigkeit = 6,26 m.
Die Mergel aus diesem Bohrloche ebenso wie die zu Tage
anstehenden Mergel wurden auf Foraminiferen untersucht und
enthielten eine reiche Fauna, in welcher namentlich die grossen
Gristellarien und Nodosarien auffallen. Diese Mergel gleichen
im Allgemeinen sehr denjenigen von Sulz.
Wir fassen die Fauna der drei genannten Lokalitaten zu-
sammen. Es wurden bisher folgende Fossilien daselbst im Sep-
tarienthon gefunden:
Gastropoden.
CerUhium 2 sp. nach Angabe von Daubbee. Lob sann.
1. CertOiium cf. eva/ricosum Sandb. Fragment. Lob-
sann.
2. NaUca cf. Nysti d'Obb. Lobsann.
3. Dent€Uiuni sp. Kleine Fragmente. Lobsann.
4. Chenoptis specioans Sohloth. var. oxydactylus
Sandb. Diese Art wird schon von Ludwig als Ch. cf.
193
oxydactyhis erwähnt mit der Bemerkung „sehr lang und
spitz". Es liegen mir ebenfalls mehrere Bruchstücke der
Art von Lobsann vor, darunter auch eine der scharfen
Flügelspitzen des rechten Mundrandes.
5. Cassidanria nodosa Sgl. Aus dem neuen Schacht von
Lobsann.
6. Tomc^ella cf. simtUaia Sgl. sp. In den Schlemm-
proben von Lobsann und Drachenbronn.
Ausserdem fanden sich kleine Brauneisensteinkerne ver-
schiedener Gastropoden in allen Schlemmproben. Ein sehr
eigen thümlicher Steinkern (Tf. XI, fig. 9) stammt von Sulz.
Er erinnert in seiner Form etwas an Strophostoma, ist jedoch nur
1 mm lang und hat eine längliche Mündung. Derselbe ist rechts-
gewunden, weshalb er wohl nicht einem Pteropoden angehört hat.
Lamellibranchier.
1. JPeeien pictus Goldf. Nach Angabe von Sandbeegeb.
Lobsann.
2. JPecten sp. üeberreste eines grossen flachen und fast
ganz glatten Pecten, welcher nur am Rande schwache
Streifen zeigte. Dieselben gehören wohl nicht zu P.
pictus, Lobsann.
3. Ptn/na sp. Nach Angabe von Ludwig. Lobsann.
4. ?Pee^nct«2't^o&o<;aft^LA][K.NachSANDBEBa£B. Lob-
sann.^
5. Leda Dehayesicma Dugh. Im neuen Schachte nicht
selten. Lobsann.
1. Leider kenoe ich den Pectuncuhis Ton Lobsann nicht, neige jedoch zu
der Annahme, dass es nicht der P, obovaius sein dttrfte, welcher anderwärts im
Septarienthon fehlt, sondern der P, PhiUppi^ den Bottger neuerdings ^auch im Sep-
tarienthon Ton Offenbach nachgewiesen hat.
m. 13
194
6. Jfu4naa Cliastelli Sandb. Nach Ludwig. Ich habe die
Art gleichfalls beobachtet Lobsann.
7. Xneula Oreppint Desb. Nach Sanbbebgeb. Lobsann.
8. Nuctda piligera Sandb. Nach Ludwig. Ich habe diese
Art ebenfalls beobachtet. Lobsann.
9. JNMdium sp. Kleine charakteristische Steinkeme
dieser eingeschwemmten Susswasserform fand ich bei
Sulz.
Ferner deuten kleine ^t<cf<2a-artige SchwefeUdessteinkeme
mit z. Th. anhaftender Schale auf die Gattung NucuUna hin,
die sich auch im Septarienthon von Offenbach findet. Von
Nuctda sind sie leicht durch ihre bauchige Form zu unter-
scheiden. Lobsann, Drachenbronn.
Brachiopoden.
1. Terebratida (Megerlea?) Haasi nov. sp.* (Tf. XI,
fig. 6 — 8). Von Ludwig wird ein kleines, ghittes,
schlankes [?] Exemplar von TerehrcUula sp. erwähnt.
Es liegen mir zahlreiche Individuen von Lobsann vor,
welche wohl zu dieser Species gehören dürften. Das
kleine, sehr flache, eiförmige, am Stirnrand abgestutzte,
am Wirbel zugespitzte Gehäuse erreicht höchstens 2,5 mm
Länge bei einer Breite von 2 mm; meistens bleiben
jedoch die Exemplare kleiner. Ein Gerüst war nicht zu
beobachten, da es immer von dem Schwefelkies, welcher
das Innere der Schale erfüllt, zerstört ist. Die perforirte
Klappe ist etwas gewölbt und zeigt eine schwache mediane
Depression, welche endigt, bevor sie den grade abge-
i. Da das Armgerüst nocb unbekannt ist, so habe ich den Familiennamen
Terebratula gewählt, welcher nichts anderes als die Zagehörigkeit za den Tere-
ffratulidae aussagen soll; immerhin mag darauf aufmerksam gemacht werden, dass
unsere Art in mancher Beziehung sich dem Subgenus Megerlea nähert
195
schnittenen Unterrand erreicht. Die kleinere Klappe ist
ungemein flach und zeigt in der Mitte die Spur eines
sehr langen Medianseptums. Der Schlossrand verläuft
ziemlich grade. Die Area ist verhältnissmässig gut ent-
wickelt und scharf begrenzt Die Deltidialöffnung ist gross,
und von dem Deltidium ist bei keinem meiner Exemplare
noch etwas zu sehen. Im Wirbel der grossen Klappe
befinden sich starke Zahnstützen, die namentlich an
Steinkernen deutlich als Rinnen hervortreten (fig. 8).
Die Schale ist sehr dünn, faserig und glänzend, sie zeigt
bei Yergrösserung sehr feine unregelmässige Längs-
streifen, sowie zuweilen auch sehr feine, gleichmässige
Anwachslinien. An losgelösten Schalenstücken war bei
durchfallendem Lichte und Aufhellung durch Glycerin
keine Punctirung zu sehen. Auf den Schwefelkiesstein-
kernen zeigt sich nach Entfernung der Schale eine
netzartige oder schuppenförmige Skulptur von feinen,
erhabenen Linien, welche auch zuweilen schon durch
die sehr dünne Schale hindurchschimmert, und deren
Maschen nach dem Stirnrande hin immer mehr in die
Länge gezogen erscheinen (fig. 7). Bei der ausserordent-
lichen Feinheit der Schale im Vergleich zu der relativen
Grösse dieser rhombischen schuppenartigen Eindrücke
ist nicht wohl anzunehmen, dass es die Abdrücke der
viel feineren, verkalkten Faserzellen der Schale sind.
Man wird anfangs versucht anzunehmen, dass die
vorliegenden Exemplare nur jugendliche Individuen seien;
dieselben sind jedoch so häufig und in ihrer Grösse so
constant, dass dies nicht grade wahrscheinlich ist, zumal
da sich niemals auch nur ein Bruchstück eines grossen
Exemplars fand.
196
Wfirmer.
1. Spirorbis sp. Eine kleine, eng aufgewundene Art,
welche 1,5 mm mis8t Ich fand sie bei Lobsann auf
Pectenschalen aufgewachsen. Vielleicht ist es die gleiche
Art, welche Ludwig von Lobsann als Serptda sp.
erwähnt
Echinodermen.
1. SptUangus sp. Die schon von Daubbbe erwähnten
plattgedrückten Spaiangus-ViesXt von Lobsann liegen
mir vor. Auch finden sich in allen Schlemmproben kleine
Seeigelstacheln.
Crastaceen.
1. Bairdia cylindracea Bobn. (Z. d. d. g. 6. 1855,
pg. 359, Tf. XX, 5.) Bei Lobsann sehr selten.
2. Cytherella SeffrMii Born. Lobsann.
3. Cytherella äff. intermedia Born. Lobsann^
Ausserdem noch verschiedene andere weniger aufiallige
Ostracoden, sowohl bei Lobsann, als auch bei Sulz und*
Drachenbronn. Namentlich diejenige Schlemmprobe von Retsch-
weiler, welche Charck Voltzi enthielt, zeichnete sich durch eine
grosse Menge von Ostracoden aus.
Fische.
1. Kleine, unbestimmbare Fischzahne.
1. Diese 3 Arten beßnden sich in der Sammlung des Herrn HEHaMANN; ich
fand sie in den Schlemmproben, welche mir derselbe gütigst mittheiltc.
197
Foraminiferen.
Agglntinantia.
1. Haplophrngmium plotcenta Rss. (Z. d. d. g. 6.
1851, pg. 72, Tt V, 33 als Nonionina placenta.)
Tf. VII, fig. 6. Diese sehr grosse Art ist immer involut
und hat eine fein agglutinirende, rauhe Schale; sie
zeigt nur beim Befeuchten die dunkleren Punkte, wie
auf fig. 6 und gehört zu den perforirten involuten
Haplophragmien, die man früher zu Nonionina stellte.
Sie findet sich bei Sulz, Drachenbronn und Lob-
sann. An dem letztgenannten Orte ist sie weitaus am
häufigsten.
2. H€K/plophr€igniitini acutidorsatuni y. Hantk.
(Clav. Szab. Seh., pg. 12, Tf. I, fig. 1.) Tf. VII, fig 5.
Besitzt einen spitzeren Bücken als die vorige Art, und
die Kammern sind meist in der Mitte etwas vertieft.
Sie findet sich seltener bei Lobsann und Sulz.
3. Haplophragmiwm deforme n. sp. Tf. VIII, fig. 1.
Diese unscheinbare, grob agglutinirte Art^ steht wohl
noch dem Hqpl. crassum Bss. von Wieliczka am
nächsten. Das Gehäuse besteht aus 4 — 5 Kammern,
welche durch nicht sehr deutliche Nähte getrennt sind;
die Kammern bilden eine Spirale, welche ihrerseits
wieder in mannigfacher Weise zusammengedrückt und
deformirt ist. Die Zusammendrückung des Gehäuses
findet jedoch nie von der Seite statt, so dass eine
i. Man würde zweckmässig solche Arten als agglutinirende bezeichnen,
welche anf einer kalkigen Schalengrundlage fremde Körperchen wie Sandkdrnchen
u. dergl. anheften, und diejenigen, welche ihr GehSiuse vollständig aus verkitteten
Sandkörnchen u. dergl. aufbauen, agglutinirte Formen nennen. Eingehende Unter-
suchungen über diesen Punkt existiren jedoch, wie ich glaube, noch nicht.
198
regelmässig comprimirte Form zu Stande käme, wie
z. B. bei Jugendstucken von Hap. HumboldÜ. Von
Hap. crassum weicht unsere Art durch ihre anregel-
mässige, stets vorhandene Zusanunendrückung und durch
ihre geringere Kammerzahl ab. Sie erreicht gewöhnlich
eine Grösse von 0,7 mm. Die abgebildeten, noch ver-
hältnissmässig regehnässig gebauten Exemplare stammen
von Lobsann; sie findet sich ferner bei Sulz und bei
Drachenbronn und ist nirgends selten.
4. Haploph/ragmiti/m SbumboldH Rss. typ. (Z. d. d.
g. G. 1851, pg. 65, Tf. m, 17, 18.) Tf. VU, fig. 1.
Häufig bei Lobsann, Sulz und Drachenbronn. Tf. VU,
fig. 2. Bei Sulz finden sich ausserdem die kurzen
breiten Formen, welche ich von Hartmannsweiler im
Ober-Elsass Tf. VH, fig. 1 abbilde und als var. lata
n. V. bezeichne.
5. Heiplophragmiti/ni Lobsan/nense nov. sp. Tf. VU,
fig. 3, 4. Diese Art steht dem Hapl [Spiroltna] agglu-
tinans d'Orb. nahe, unterscheidet sich aber durch
viel niedrigere Kammern, welche auch in grösserer
Zahl vorhanden sind. Ferner ähnelt ihr das Hap,
Simplex Rss. (Ob. Oligoc), welches jedoch durch die
Form seiner Spirale abweicht. Das ziemlich grobagglu-
tinirte Gehäuse ist bischofstabförmig, zuweilen mit sehr
langem, graden oder schwach rückwärts gebogenen
Stiele und erreicht manchmal über 2 mm Länge. Der
Spirale Theil ist seitlich sehr wenig comprimirt und
besteht in der Kegel aus 9 Kammern, welche durch
deutliche Nähte getrennt sind. Sowohl die Kammern
des Stieles, wie diejenigen der Spirale sind viel breiter
als hoch. Die Mündung ist einfach punktförmig und
liegt in der Mitte der flachen Oberseite der jüngsten
199
Kammer. Die Art findet sich ziemlich häufig bei Lob-
sann, Drachenbronn und Sulz.
6. Clci/vtUina sp. ined. In der Form ähnlich der Clav,
cylindrica v. Hantk. (üt. Oligoc), jedoch schlanker.
Mündung kurz röhrenartig. Sulz, sehr selten.
7. JPlecanitmi carinatum d'Orb. sp. (For. foss. B. d.
Vienne, pg. 247, Tf. XIV, 32—34.) Tf. VII, fig. 10.
Ungemein häufig bei Sulz, Lobsann und Drachen-
bronn. Hierher gehören wohl auch die von Ludwig
als Textü. aiienuaia Rss. und peciinaia Rss. ange-
führten Arten.
8. VemetiHina compressa n. sp. Tf. VIII, fig. 23.
Das grob agglutinirte, breite Gehäuse erreicht öfters eine
Grösse von 1,3 mm und besteht aus 3 Eammerreihen,
welche meist in grader Linie nebeneinander herlaufen,
zuweilen aber auch etwas gedreht erscheinen. Die
Mündung ist gewöhnlich undeutlich und liegt am
inneren Theil der jüngsten Kammer, da wo die
3 Kammern sich berühren. Die Anzahl der Kammern
ist eine geringe und lässt sich nicht genau angeben,
da die Nähte an dem grob agglutinirten Embryonal-
theile nicht wahrnehmbar sind. Das Gehäuse ist mehr
oder weniger stark zusammengedrückt, so dass, wenn
es auf der breiten Seite liegt, einerseits zwei, anderer-
seits drei Kammerreihen sichtbar sind. Fig. 2, a, h stellt
ein sehr wenig comprimirtes, massig grosses Gehäuse
dar. Fig. 3 zeigt ein anderes stark comprimirtes Ge-
häuse von der breiten Seite. Die Art unterscheidet
sich von allen mir bekannten Verneuilinen durch ihren
etwas unregelmässigen Aufbau und ihre starke Zu-
sammendrückung. Sie ist ziemlich selten bei Lobsann,
Sulz und Drachenbronn.
200
9. Gaudryina chilostotna Rss. <7P. (Rss. Septfh.
pg. 4, Tf. I, fig. 5 und Z. i i g, G. 1852, pg. 18),
bei Sulz und Lobsann var. globulifera Bss.,
Tf. Vn, fig. 8, 9. Eine Varietät mit mehr kugeligen
Kammern und einem grösseren vielkammerigen Em-
bryonaltheil. Ist häufiger als der Typus bei Lobsann,
Sulz und Drachenbronn.
10. Oaudryina siphoneOa Rss. typ. (Z. d. d. g. G.
1851, pg. 78, Tf. V, 40—42.) Tf. VH, fig. 7.
Ziemlich häufig bei Lobsann und Sulz. An dem
letzteren Orte finden sich auch Exemplare ohne Sipho-
nalverlängerung an der Mündung; dieselben unter-
scheiden sich im übrigen nicht vom Typus und ich
glaube nicht, dass man sie als Art trennen darf. Ich
bezeichne sie als var. asiphonia n. y.*
Perbnte oaloarea.
1 1 . Lagena vulgaris P. & J. (Bss. Monogr. d. Lag.
Sitzungsber. d. k. k. Ak. d. Wiss., Bd. 46, pg. 321,
Tf. I, fig. 15; Tf. n, fig. 16, 17.) Drachenbronn,
selten.
12. Lagena hisptda Ras. Q. c. pg. 335, Tt VI, 77,
79.) Drachenbronn, selten.
13. Lagena hysirix Rss. (L c. pg. 335, TC VI, fig. 80.)
Drachenbronn und Lobsann, selten.
14. Lagena ct. ViUardeboafia jtQbb. (Beuss L c.
pg. 329, TL IV, fig. 53.) Lobsann.
15. Lagena et inomaia itQrb. (Bss. L c. pg. 320,
1. Dis Fehlen des Siphos kann nkht ein Meriunl Ar einen noch
liehen Zostnnd sein, indem oft gerade sehr gross« ond kr&flige Eiemplare desselben
ei
201
Tf. I, fig. 12; d'Obb., Voy. d. PAm^r. m^rid. For.,
pg. 21, Tf. V, fig. 13.) Das einzige kleine Exemplar
von Lobsann erinnert durch seine viereckige Form
sehr an diese Art.
16. Visswirina globosa Bobn. (Rss. 1. c. pg. 339, Tf. VII,
fig. 88. Bobn. Z. d. d. g. G. 1856, pg. 317, Tf. XU,
fig. 4.) Ziemlich selten bei Lobsann und Sulz.
1 7. Nodoaanria ccUomorpIia Rss, (Septth. Tf. I, fig. 1 5
bis 19.) Selten bei Lobsann.
18. Nodosaria JEwcOdi Rss, (Z. d. d. g. G. 1851, pg. 58,
pg. 59. Rss. Septth. pg. 13, Tf. 2, fig. 18.) Sulz,
Lobsann und Drachenbronn. Tf. X, fig. 21.
19. Nodo8€uria eocUis Neuow (Denkschr. d. k. k. Ak. d.
Wiss. Xn, pg. 75. Rss. Septth. pg. U, Tf. H, fig, 17.)
In Fragmenten findet sich die Art noch häufiger als
die vorige bei Sulz, Lobsänn und Drachenbronn.
Tf. X, fig. 18—20.
20. Nodosaria hactHM'wm Rss. (Septth. pg. 14, Tf. I,
fig. 24, 25.) Sulz, Lobsann.
2 1 . Nodosmria (Dentälina) subcostulata Rss. (Septth.
pg. 14, Tf. II, 19—21; sie ist daselbst aus Irrthum
als N, conspurcata angeführt.) Lobsann und Sulz.
22. Ifodm (Dentalind) ct. grandis Rss. (Septth. pg. 15,
Tf. I, fig. 26—28.) Fragment von Sulz.
23. Nodm (DentaHnä) soltOa Rss. (Z. d. d. g. G.
1851, pg. 60, Tf. 3, fig. 4 als N. soluta Bobn.
Z. d. d. g. G. 1865, pg. 322, Tf. XH, fig. 12.)
Diese ist eine von denjenigen Formen, die sowohl in
gebogenen {Bentalina) als in graden {Nodosaria)
Exemplaren vorkommen. Reubs bemerkt (Septth.
pg. 15), dass es auffallend sei, dass die graden
Exemplare stets beinahe doppelt so gross sind als die
202
übrigen. Die gleiche Beobachtung konnte ich im Elsass
machen, und es fragt sich hiernach, ob nicht doch
vielleicht die N. soluia Bobk., d. h. die grossen graden
Exemplare, eine selbständige Form bilden, Tf. X, fig. 6,
7, 8. Lobsann, Drachenbronn und Sulz, ziemlich
häufig.
24. Nodoaaria cf. atipUata Rss. Lagenenartige No-
dosarienbruchstücke von Lobsann, erinnern an die
N. stipitata aus dem Miocän von Lapugy (1850 Rsuss.
Denkschr. d. k. k. Akad. d. Wiss., I, pg. 336, Tf. XLVI,
fig. 4) ; ähnliche Fragmente fand Reubs im Septarien-
thon von Kreuznach.
25. JSod. (Dentalinä) granulosa nov. sp. Tf. X, fig. 3.
Diese schöne und ziemlich seltene Art gleicht in ihrer
Form manchen Exemplaren der N. soluta Rss., nur
dass die Nähte, die zwar nicht so sehr eingeschnfirt
sind, eine deutliche Nahtlinie zeigen. Sie weicht von
allen in diese Gruppe gehörigen glatten Formen durch
ihre feine aus unregelmässig zerstreuten, körnigen Er-
habenheiten bestehende Skulptur ab. Die Grösse des
abgebildeten Exemplares, bei welchem die Embryonal-
kammer abgebrochen ist, beträgt 2,s mm. Ein anderes
kleineres Bruchstück mit Embryonalkammer zeigt, dass
dieselbe eine ziemlich kugelige Form besitzt und in
eine kurze Spitze ausgezogen ist. Alle Exemplare,
welche ich gesehen habe, waren schwach gekörnelt,
besassen eine gestrahlte Mündung und zeichneten sich da-
durch aus, dass die jüngste Kammer sehr an Grösse über-
wiegt. Die Art ist ziemlich selten bei Sulz und Lobsann.
26. Nodoaaria cf. conspurcata Rss. (Z. d. d. g. G.
1851, pg. 59, Tf. III, fig. 3. — Sitzungsber. der
k. k. Ak. d. Wiss., Bd. 48, pg. 43, Tf. U, fig. 13.)
203
Sehr seltene Fragmente dieser auffallenden Form kommen
bei Lobsann vor.
27. Nodm {Dentalina) conaobrina d'Obb. (For. foss.
B, d. Vienne, pg. 46, Tf. 11, fig. 1—3. — ßss.
Septth., pg. 16, Tf. II, fig. 12—13.) Ziemlich häufig
bei Sulz und Lobsann. Var.' emaciata Rss. (Z. d.
d. g. G. 1851, pg. 63, Tf. III, fig. 9), zu welcher
wohl auch die Formen gehören, die Bobnemann zu
Beut pauperata d'Obb. stellte. Ich habe solche Formen,
welche mit der Abbildung von Bobnemann (Z. d. d.
g. G. 1855, Tf. Xm, fig. 7) übereinstimmen, früher
ebenfalls als D. pauperata angeführt (Neues Jahrb.
«
für Min. etc. 1882, Briefl. Mittheilungen, pg. 8); die-
selben dürften auch zur D. consohrina var. emaciata
gehören. Letztere findet sich bei Lobsann.
28. Hod. {JDentaZina) appraodmata Rss. (Septth.
pg. 18, Tf. II, fig. 22). Lobsann und Sulz.
29. Ifod, (DentaXina) Suliifensis nov. sp. Tf. X, fig. 1 6,
17. Eine Form aus der Gruppe der D. approximata^
welche sich jedoch durch ihre bedeutendere Dicke und
ihre niedrigeren, in geringerer Anzahl vorhandenen Kam-
mern auszeichnet Sie erinnert durch ihre flachen Nähte
und ihre Form auch an die D. megapolitana Bss. aus dem
Pläner von Basdorf. Das glasige glänzende Gehäuse
misst gegen 1 mm und erreicht bis zu 7 Kammern ; es
ist schwach gebogen und lässt die Nähte namentlich auf
der Gonvexseite durchscheinen. Das Gehäuse verjüngt
sich nach unten stärker als bei D. approximata und
endigt in einer nicht gezipfelten Spitze. Die jüngste
Kammer zeigt eine deutlich gestrahlte, etwas seitliche
Mündung. Ziemlich selten bei Sulz.
30. Ifod. (Dentalina) capitata Boll. (Sitzungsber.
204
d. k. k. Ak. d. Wiss., Bd. 18, pg. 223, Tf. I, fig. 4.
— Rss. Septth. pg. 18.) Der Typus, wie er sich
namentlich im Oberoligocän findet (Sitzungsber. Bd. 50,
pg. 20, Tf. I, fig. 8 — 10), und welcher ziemlich lange
Nahtialten zeigt, kommt bei Sulz vor. Var. Bucht
Rbs. ursprünglich von Rbubs als Art aufgefasst (Z. d. d.
g. 6. 1851, Tf. III, fig. 6), dann später mit D. capi-
tata vereinigt (Rss. Septth. pg. 18). Sie zeichnet
sich namentlich durch eine etwas längere Form der
Kammern und durch kürzere, wenig entwickelte Naht-
falten aus. Dieselbe ist im Septarienthone am häu-
figsten; sie wiegt auch bei Sulz, Drachenbronn und
Lobsann vor. — Yar. striatissima n. v. Die
hierhergehörigen Formen zeichnen sich durch sehr
starke Entwicklung der Nahtfalten aus, welche zuweilen
beinahe das ganze Gehäuse bedecken; im übrigen stimmt
sie mit dem Typus überein. Diese Varietät findet sich
bei Sulz. Tf. X, fig. 4, 5.
31. üTod. (JDentaZina) sp. ined. Mehrere Bruchstucke
einer sehr grossen Art mit flachen Kammern und
deutlicher Nahtlinie, welche Fältelung zeigt, liegen
mir vor. Fragmente mit 6 Kammern sind 4 mm lang
und fast 1 mm breit. Ziemlich selten, Lobsann.
32. Jfod. (DenUUina) pungens Rs& (Z. d. d. g. 6.
1851, pg. 64, Tf. m, fig. 13. — Rss. Septth. pg. 19,
Tf. n, fig. 16.) Sulz.
33. Nodoaaria lAidwigi Rss. (Septth. pg. 19, Tl n,
fig. 23). Reuss besass von dieser sehr seltenen Art nur
ein einziges vollständiges Exemplar aus dem Septarien-
thon von Alsfeld; Zwei von meinen Exemplaren von
Sulz stimmen mit der REuss'schen Abbildung selbst
in der Kammerzahl überein; ich möchte sie daher
205
zum Typus der Art rechnen. — Zwei andere Exem-
plare, welche bis zu 6 und 7 Kammern erreichen,
gleichen zwar den vorgenannten sehr, weichen aber
durch eine nicht ganz so starke Verjüngung des
älteren Gehäusetheiles, sowie durch eine grössere Zahl
von Rippen (18—20) auf den oberen Kammern ab.
Die letzte Kammer ist auf ihrem oberen Theile glatt
und endigt in einer kurzen gestrahlten Spitze, während
die Embryonalkammer mit kurzem Gentralstachel ver-
sehen ist. Ein derartiges von Sulz stammendes Exem-
plar ist auf Tf. X, fig. 1 abgebildet.
34. Nodosa/Ha Herrma/mU nov. sp. Tf. X, fig. 2.
Diese Art, welche der N, skobina Sohwag. (Kar Nico-
bar) noch am nächsten steht, ist ausgezeichnet durch
die ausserordentlich starke Verjüngung des älteren
Gehäusetheiles, dessen unterste Kammern nicht mehr
deutlich wahrzunehmen sind und in eine Spitze auslaufen,
welche gewöhnlich unten ein wenig umgebogen er-
scheint. Die Rippen sind scharf und werden durch
sehr breite Zwischenräume getrennt. Sie sind je nach
der Grösse des Exemplars in einer Anzahl von 12 bis
16 vorhanden. Man beobachtet sowohl Einschaltung,
wie auch häufig Gabelung von Rippen. Die Kammer-
zahl, bei dem relativ kleinen abgebildeten Exemplar
von 2 mm Länge, beträgt wohl 9, bei grösseren
Stücken von 3,? mm Länge über 10; genau lässt sich
dieselbe nicht angeben, da die ältesten Kammern der
unteren Spitze nicht deutlich getrennt sind. Unsere
Art ist von N. skobina dadurch ausgezeichnet, dass
sie eine mehr keulenförmige Gestalt hat, welche
namentlich an jüngeren Exemplaren deutlich hervor-
tritt, dass sie eine schärfere, deutlicher gestrahlte
206
MündüDgsspitze und eine gerisgere Anzahl Ton kräftigen
Rippen besitzt. Nod. fissicosia t. Haistk« (üt. 01jgoc.)i
welche ihr gleichfalls nahe steht, hat einen anders
beschaffenen EmbiyonaltheiL Die Art ist bei Snlz
selten.
35. Xo€U {I}enialina) spinescetMS Rss. (Z. d. d. g. 6.
1851, pg. 62, Tl m, 10.) Selten bei Lobsann.
36. Giandtdina laertgaia itOrb. (For. foss. d. B. d.
Yienne p. 29, Tt I, fig. 4, 5.) Findet sich ziemlich
selten bei Snlz nebst der Tar. elliptica Bss.
(Sitznngsber. d. k. k. Ak. d. Wiss., Bd. 48, pg. 47,
Tt m, fig. 29—31.) Tal X, fig. 22. Bei Lobsann
fand sich anch die Tar. inflata Bonir. (Z. d. d. g.
G. 1855, pg. 320, Tt XH, 6, 7.) Tf. VH, fig. 12.
37. Gtand^aina graeitis Sss. (Septth. pg. 21, Tf. n,
fig. 25 — 27.) Nach Angabe Ton LrDwio bei Lobsann.
(cf. pg. 188 Anmerk.). Ich habe diese Species nicht
gefunden.
38. jPtfmdie^OaHa sp. iBed. AehnGch der Fr<mä. ie-
mtissima t. Hastk. ans dem Unteroligocin. Lobsann
' und Snlz.
39. PiMfnia bnUaides dOsb. sp. (For. foss. d. B. d.
Yienne i^. 107, Tf. V, fig. 9, 10.) Hinfig bei Lob-
sann, Snlz und Drachenbronn. Tf . IX, fig. 23, a, h.
40. PHBenia eotnpres^iHseuia Rss. (Z. d. d. g. 6.
1851, pg. 71, Tt V, 31. — Septth. pg. 34.) Ziem-
lich häufig bd Lobsann, Sulz und Drachenbronn.
Tt IX, fig 22, o, 6.
41. CriMenaHa Orfm*« R^ ^tzungsber. d.k. k.Ak.
d. Wiss:, Bd. 48, Tt IT, fig. 54; Tf. V, fig. 55. 59.)
Lobsann.
42. CYisMlaria brath^pira Ras. (^Sitzui^sber. Bd. 88,
207
pg. 49, Tf. III, fig. 43; Tf. IV, fig. 43). Meine
Stücke entsprechen mehr der Cr, navis Bobk. (Z. d.
d. g. G. 1855, Tf. XIV, fig. 51), welche Reuss mit
Cr. hrachyspira identificirt (Bss. Septth. pg. 33.)
Lohsann.
43. OHstellaria simplidssima Ras. (Sitzungsber., Bd.
48, pg. 51, Tf. IV, fig. 51 — 53.) Lohsann.
44. CHstella/Ha eoccisa Born. (Z. d. d. g. 6. 1855,
pg. 328, Tf. XIII, fig. 19, 20.) Lohsann.
45. OHMeUaria subplcma Rss, (Septth. pg. 27, Tf. III,
fig. 12.) Nach Angahe von Ludwig hei Lohsann.
46. Cristellanria {JRobnUna) tomgenHalis Rss. (Si-
tzungsher. Bd. 48, pg. 54, Tf. VI, fig. 66.) Sulz, Loh-
sann und Drachenhronn.
47. OHMeUaria (BobtUina) grata Rss. (= radiata
Born. Z. d. d. g. G. 1855, pg. 30, Tf. IV, fig. 1. —
Sitzungsher. Bd. 48, pg. 54, Tf. VI, fig. 65. — Septth.
pg. 29.) Lohsann.
48. Cnt9tellaria(BobtUinä)linibo8aR88. (Sitzungsher.
Bd. 48, pg. 55, Tf. VI, fig. 69.) Nach Angahe von
LüDWia bei Lohsann; ich fand nur ein Exemplar hei
Drachenhronn, welches vielleicht hierher gehören
könnte.
49. CHMaUaria {BobtUina) depauperata Rss. (Z.
d. d. g.G. 1851, pg. 70, Tf. IV, fig. 29. — Sitzungsher.,
Bd. 48, pg. .54, 55, Tf. VI, fig. 67, 68; pg. 66,
Tf. Vin, fig. 90, 91 var. callifera.) Findet sich nehst der
var. callifera hei Lohsann, Sulz und Drachen-
hronn.
50. OHstella/ria (BobtUina) orHctUata Rss. (Sitzungs-
her., Bd. 48, pg. 53; Tf. V, 62, Tf. VI, 63.) Nach
Angabe von Ludwig hei Lobsann.
208
51. CHsiellarta (Bobidina) Osndburgensis v. M.
(Rss. Sitzber. Bd. 18, pg. 238, Tf. IV, fig. 44, 45.
Bd. 50, pg. 30. — Septth. pg. 33, Tf. IV, fig. 7.)
Lobsann und Drachenbronn.
52. CHMeUaria (BobtUina)princeps Rss. (Sitzungsber.
1864, pg. 466, Tf. V, fig. 3.) Drachenbronn, Lob-
sann und Sulz.
53. Cristellaria {Bofmlina) cf. insignis Rss. (Si-
tzungsber. 1864, pg. 466, Tf. V, fig. 4.) Sulz. Exem-
plare ohne Nahtleisten.
54. CristeUaria (BobtUina) Gerlmidi noT. sp. Tf. IX,
fig. 25. Die Umrissform des ungemein comprimirten Ge-
häuses ist breit eiförmig, die Umgänge bedecken einan-
der, die Embryonalkammer wird nicht von den anderen
Kammern umhüllt und ist zuweilen auf der einen Seite
bauchig gewölbt, wie es überhaupt für diese Art
charakteristisch ist, dass sie selten ganz gleichseitig
evscheint. Schwach-bogige Nähte trennen die massig
gewölbten Kammern von einander und verdicken sich
oft auf dem älterep Theil des Gehäuses leistenartig,
ebenso wie der umschlossene Theil des Kieles; an der
Peripherie erscheint letzterer stumpf und nicht sehr
stark entwickelt. Die beiden Leisten auf der Stirn-
seite der Endkammer stehen sehr eng und sind kraftig
ausgeprägt. Die Grösse beträgt bei einem meiner
Exemplare 6,s mm; dasselbe zeigt 15 Kammern,
meistens erreicht die Art jedoch nur 3 — 4 mm. Die-
selbe ist mit i2. depauperafa Rss. v. callifera ver-
wandt und gleicht derselben etwas in der Jugend.
Die Kanmiem sind jedoch bei unserer Art schmäler
und weniger bauchig, auch umfassen sich dieselben
niemals. Femer ist das ganze Gehäuse in höherem
209
Grade zusammengedrückt. Die schöne und grosse Art
findet sich bei Sulz und Lobsann. Ein etwas ab-
weichendes Stück von 5 mm Durchmesser mit etwas
schmäleren Kammern fand sich bei Drachenbronn.
55. CHstellaria (Mobulina) Alberti nov. sp. Tf. IX,
fig. 24. Das sehr zusammengedrückte Gehäuse ist ziem-
lich stark und ^ick gekielt, zeigt eine ovale Form und ist
über der Embryonalkammer, welche kugelig hervortritt,
etwas ausgeschnitten. Die Kammern sind beträchtlich ge-
wölbt und werden durch schwach-bogige Nähte getrennt,
welche öfters an ihrem centralen Ende leistenartig
verdickt sind. Die Schalenoberfläche ist glatt und etwas
glänzend. Die Mündung ist wenig verlängert und
schwach gestrahlt. Bei einer Anzahl von 10 — 11 Kam-
mern beträgt der grösste Durchmesser 4,5 mm. Diese
stattliche Form ist sehr constant und leicht kenntlich.
Sie lässt sich nur mit R. Kulingii Hantk. aus den
Glavulina Szaböi-Schichten und mit R. Beyrichi Bobn.
von Hermsdorf vergleichen. Von der ersteren weicht
sie namentlich ab durch ihre nicht umfassenden Um-
gänge und durch ihre gewölbten Kammern, die in viel
geringerer Anzahl vorhanden sind. Von der anderen
ist sie durch ihre Umrissform und durch ihre kugelig
verdickte Embryonalkammer unterschieden. Lobsann
und Sulz.
56. JPolymorphhia {Glohulhia) gibba d*Orb. (For.
foss. d. B. d. Vienne, pg. 227, Tf. XIII, fig. 13, 14.)
Sulz, Lobsann, Drachenbronn. Tf. IX, fig. 10,
11, 12, 13, a, 6.
57. JPolymarphina (Gattniina) obtusa Born. (= ylo-
bosa Bobn. Z. d. d. g. G. 1855, pg. 34G, Tf. XVIII,
III. ' 14
210
fig. 1, 2. — Bss. Septth. pg. 37.) Tt ü fig. 14, 15.
Lobsann und Drachenbronn«
58. JPolffmwrpläina (GiMidina) äff. minitna Bch».
(Z. d. d. g. G. 1855, pg. 344, Tt MI, fig. 3.) Tt K,
fig. 16. Die sehr kleinen Exem^are Ton Lobsalin
sind am nnteren Ende etwas Stampfer.
59. Pdymorplnna {GfMulinä) laneeolaia Rss. iZ. d.
d. g. G. 1851, pg. 83, Tt M, fig. 50.) Tt IX, fig. 18,
19, 20. Sehr Tariabel und sehr vielgestaltig. Snlz,
Drachenbronn nnd Lobsann.
60. JPolffmorphhia {Cftobuliua) äff. angn^a Egg.
(For. d. Mioc Ton Ortenbarg. J. Egger 1857, pg. 33,
Tt IX, 13—15.) Tt IX, fig. 17. Ein Exemplar, welches
dieser Art ähnelt, fand sich bei Salz.
61. Polifmarphina {Gniialina) proN^na dOkb.
(For. foss. d. B. d. Yienne, fg. 224, Tt XU, fig. 26
—28.) Tt IX, fig. 21, a, 6, c. Typas and var. del-
toidea Bss. (Bss. Septth., Tt IV, fig. 8.) finden sich
bei Snlz, Lobsann nnd Drachenbronn.
62. Poliffnorphifia{GfiU9ilina)MS.mucronaiaTaaii,
(Tbbqcsk, Mem. d. 1. Soc geoL d. Fr., UL seT.j Tm. 2,
1882. Foram. de Teocene des enr. de Paris, pg. 133,
Tt XXI, fig. 37—39). Die elsässer Stacke auter-
scheiden sich darch weniger tiefe Nähte. Lobsann.
63. TTvigerina gracilis Rss. (Z. d. d. g. G. 1851,
p. 77, Tt V,fig. 39). Salz, Lobsann, DrachenbronD.
64. Uvigertna sp. sp. Verschiedene gestreifte ÜTigerinen-
Formen, meist mit tiefen Nähten. Sie sind gewissen
noch anbeschriebenen Arten, die aas dem Septarien-
thon Ton Batingen stammen, nnd die ich in der
Sammlang des Herrn Dr. Steixiiaxii gesehen habe,
211
sehr ähnlich und finden sich bei Draichenbronn,
Lobsann und namentlich bei Sulz.
65. Bulimina inflata Seg. Tf. IX, fig. 6 a, 6, c. Diese
Art, welche von Skoüenza zuerst aus dem Pleistocän
von Catania beschrieben wurde (cf. pg. 155), fand sich
nachher noch an anderen Stellen, so bei Girgenti und
auf Kar Nicobar. Sie ist ungemein verbreitet und meist
ziemlich häufig im elsässer Oligocän und wurde schon
von einigen Orten erwähnt. Bei Lobsann, wo die
Art in Menge auftritt, ist sie recht variabel, und es
stimmen alsdann durchaus nicht alle Formen mit dem
Typus von Sequenza oder mit der Abbildung von
ScHWAGEB (Kar Nicobar, Tf. VII, fig. 91) überein,
welche namentlich durch ihre kurze spitze Gestalt und
ihren treppenförmigen Aufbau der Kammern gekenn-
zeichnet sind. £s finden sich stark verlängerte Exem-
plare, die sich dann der B, marginata d'Obb.
nähern. Ferner kommen in den noch zu erwähnenden
Mergeln von Aue im Ober-Elsass Stücke vor, bei
welchen die Spitze etwas zipfelförmig wird. Auch die
Skulptur ist nicht bei allen Exemplaren gleich stark
ausgebildet. Die Schale ist dünn, glatt und glänzend;
sie lässt nur bei besonders günstiger Erhaltung feine
Punktirung wahrnehmen. Die abgebildeten Exemplare
sind sehr kurz und gedrungen; sie stammen von
Heiligenstein. Andere Formen, welche dem Typus
näher stehen und höchstens etwas schwächere Dornen
haben, finden sich bei Sulz und Lobsann, wo auch
sehr grosse verlängerte Individuen vorkommen, die
über 0,4 mm messen.
66. Btd'ltnina sp. ined. In der Form ähnlich der f. elongaia
d'Obb., aber gestreift. Nur ein Exemplar. Lobsann.
212
67. Turrilina alsatiea b. sp. Tf. VIII, fig. 18, 19. (Als
Roialia alsatiea sp. med. Neues Jahrbuch. 1 882, Briefl.
Mittbeil.) Turrilina not. gen. Gehäuse tburmformig mit
regelmässig spiral augeordneten Kammero. Schale glatt,
glänzeud und fein punktirt. Die Mündung besteht aus
einer horizontalen, ziemlich breiten Spalte. Die Scheide-
wände sind einfach. Die Gattung steht der Gattung Bu-
limina am nächsten , mit welcher sie den thurmformigen,
spiraligen Aufbau der Kammern gemeinsam hat; sie
weicht jedoch durch die Beschaffenheit der Mündung
ab und erinnert hierin mehr an die Gattung Roialia.
Ich hatte die Art anfangs wegen ihrer Aehnlichkeit
mit jR. buliminoides Rss. zu den Rotalien gestellt, bis
ich mich durch Dünnschliffe von der einfachen Be-
schaffenheit der Kammerscheidewände überzeugte*.
IVim7t9ia alsatiea n. sp. — Tf. VIII, fig. 18, 19.
Das glatte, glänzende Gehäuse ist bald rechts, bald
links gewunden*, misst in der Regel 0,2> mm und zeigt
4 Umgänge. Gewöhnlich kommen nur 3 — 4 massig
bauchige Kammern auf einen Umgang. Die Nähte sind
ziemlich tief. Die Mündung bildet stets eine breite
Spalte am inneren Rande der jüngsten Kammer. Die
Art, bisher noch die einzige der obigen Gattung, ist
sehr verbreitet im Mitteloligocän des Elsass und
findet sich unter anderem auch bei Lobsann und
Sulz nicht selten.
1. Der Güte des Heim Scbacko in Berlin verdanke ich sehr sehwne Exem-
plare der A. b^iimmoklcs Rs$. aus dem norddeotschen SepUnenUmn. lo eiflem
Dünnsrbliir von dieser Art konnte ich doppelte Scheidewände wahrnehmen.
2. Ich habe mehrere Hundert Exemplare, sowohl von dieser Art, wie auch
von Jl. Cironfpna Rss. darauf hin untersucht und fand schliesslich, dass die An-
zahl der rechts- und linksgrwundcnen StQcke sich ungefähr gleich blieh.
213
68. VirgiUina Schreibend Cz. (Naturw. Abhandl. von
W. Haidinoeb, Bd. II, 1848. J. Gzjzek, foss. For. d.
Wiener Beckens, pg. 147, Tf. VIII, fig. 18 — 21.) Sehr
selten bei Lobsann.
69. Sp/Meroidina varia^Uis Rss. (Z. d. d. g. G. 1851,
pg. 88, Tf. VII, fig. 61 — 64. Rss., Septth., pg. 40.)
Häufig bei Sulz, Lobsann und Drachenbronn.
70. Rotalia Girardana Rss. (Z. d. d. g. G. 1851,
pg. 73, Tf. V, fig. 34.) Sie ist in typischen grossen
Exemplaren häufig bei Sulz, Lobsann und Drachen-
bronn. Viel seltener sind kleinere flache Formen, die
an jß. Soldanii d'Obb. erinnern, aber eine lange
Mündungsspalte haben wie R. Girardana,
7 1 . F8eudotr^uncaiuiinal>ut€7nplei d*Obb. sp. Tf. VIII,
fig. 10. (In d'Obbigny, For. foss. d. B. de Vienne, p. 157,
Tf. VIII, fig. 19—20 als Rotalia Dutemplei; — Rkuss,
For. d. Septarth. 1865, pg. 44, Tf. VIII, fig. 10.) Die
Art wurde von d'Obbigny als Rotalia beschrieben und
von Reuss später jedenfalls wegen der groben Perforirung
zu Truncatulina gestellt, indem man fein perforirte
Formen mit doppelten Scheidewänden als Botalien
ähnliche, grobperforirte, mit einfachen Kammerscheide-
wänden als Truncatulina bezeichnete. Bei der obigen
Art zeigte es sich nun, dass dieselbe im Dünnschliff
doppelte Scheidewände und zwar in einer etwas an-
deren Art als bei den Botalien zeigte. Um mich davon
zu überzeugen, ob auch die „Truncatulina** resp.
Rotalia Dutemplei anderer Fundorte die gleiche Eigen-
thümlichkeit zeigte, untersuchte ich Exemplare der
Art, welche aus dem Septarienthon von Hermsdorf,
aus dem Miocän des Wiener Beckens und vop Lapugy
stammten und mir gütigst von Herrn Schacko in
214
Berlin überlassen wurden. Ich fand bei denselben ganz
die gleiche Beschaffenheit der Kammerscheidewände
und stelle daher einstweilen für die frühere Botalia
resp. Truncaiulina Dutemplei d'Okb. sp., da ich sie
nicht wohl mit Roialia noch TruncatuUna Tereinigen
kann, die neue Gattung FseudoiruncatuUna aul
FseudotruncatuUna nov. gen. Gehäuse spiralig
gebaut, ähnUch wie bei den Rotalien. Die Scheide-
wände der Kammern gleichen in Bezug auf ihren
äusseren Aufbau, ihre Krümmung und ihre Beschaffen-
heit an der Mündungsspalte ganz den ächten Trun-
catuCnen , sind jedoch doppelt, d. h. sie bestehen aus 2
dünnen, dicht aneinander liegenden Schalenblättem.
Diese beiden Kalkschichten der Scheidewand sind imper-
forirt, während der spiralaufgerollte Schalentheil be-
trächtlich dicker ist und grob und weitläufig perforirt
erscheint Ausserdem beobachtete ich noch mit grosser
Constanz eine andere Erscheinung bei der Fseudotrun-'
catuUna^ die nicht mit den sehr feinen inneren Scheide-
wänden zu verwechseln ist : nämlich eine beiderseits an
die Scheidewände angelagerte Schicht, die sich auch
auf der Innenseite des Spiralblattes verfolgen lasst,
also eine innere Auskleidung der Kammern bildet; eine
Art Yon »depöt organique'. Diese Auskleidung, welche
an die äussere Umrindung durch eine Schmelzmasse,
wie man sie bei anderen Truncatulinen beobachten kann
(Anm. fig. 10), erinnert, verschliesst jedoch da wo
sie dem Spiralblatt aufliegt in der Regel nicht die groben
Poren desselben. Fig. 9 a zeigt einen Durchschnitt einer
Fseudotruncaitdina bei schwacher Yergrösserung, um
den allgemeinen Habitus zu zeigen; fig. 95 zeigt bei
stärkerer Yergrösserung eine normal beschaffene Schei-
215
dewand ; 9 c zeigt eine Scheidewand, bei welcher
auf der einen Seite ein Theil der äusseren Schicht
abgebrochen ist. Ich glaubte auf diese immerhin inte-
ressante Erscheinung, so wie ich sie beobachtet habe,
wenigstens hinweisen zu müssen, obgleich es mir noch
nicht möglich war, umfossendere Untersuchungen anzu-
stellen, welche nicht im Sinne dieser Arbeit liegen
würden'.
Fig. 9.
Zur Artbeschreibung der P. Dutemplei d'Osb,
sp. ist nichts neues hinzuzufügen. Ich will nur die von
Reüss gemachte Beobachtung, dass die Exemplare
des Septarienthones gewöhnlich eine grössere Zahl von
Kammern zeigen, als das von d'Obbiont aus dem
I. Zum Vergleicb mit der oben von PsatdotrwncaluUna Kcgebenen Abbil-
dung Tolgea bi«r noch zwei Sliiuen: bg. 10 von einer ächten TfuneaHiUna , der
T. loöala d'Ohb. von GruDlaod und fig. 1 1 von einer ächten RoCalia, der S. Schro-
dterl o'One, von China, beides ziemlich grosse recente Formen.
Fig. 10.
Fig. 11.
216
Wiener Becken abgebildete Exemplar, anch für das
Elsass bestätigen. Die Art ist sehr häufig bei Sulz ujVf.
und Drachenbronn, seltener bei Lobsann.
72. Pulvtnnlina pygmaea v. HAimL. (Fauna d. Clav.
Szaböi-Sch. 1875, pg. 78, Tf. X, fig. 8.) Tf. VHI,
fig. 13. Nicht selten bei Sulz und Lobsann.
73. PulvlntUina trochtfinrmis d. sp. Tf. VIII, fig. 14.
Das ungemein kleine Gehäuse hat eine bienenkorb-
artige Gestalt, ist auf der Nabelseite flach und auf
der Seite der freiliegenden Spirale sehr stark gewölbt,
umgekehrt wie es gewöhnlich bei den Pnlvinulinen
und Truncatulinen der Fall ist. Der Durchmesser be-
trägt nur 0,12 mm. Es sind auf der convexen Seite
5 Umgänge vorhanden, welche sich kaum erweitem.
Auf der flachen Seite, die eine schwache Nabelver-
tiefung in der Mitte zeigt, sind 7 Kammern sichtbar.
Die Kammerscheidewände resp. Nähte sind sehr deutlich
und meist etwas leistenartig verdickt. Die Schale ist
sehr fein punktirt und hat keinen Glanz. Die Form
der Mündung liess sich nicht ganz genau erkennen,
es scheint jedoch dieselbe wie bei anderen Pulvina-
linen beschaffen zu sein. Ich habe die bei Lobsann
ungemein seltene Art nur deshalb abgebildet, weil 8ie
wegen ihrer auffallenden Form ziemlich isolirt dasteht.
Die einzige Art, die sich in ihrer Gestalt einiger-
massen mit ihr vergleichen lässt, ist ü. badensis Gz.
aus dem Miocän von Baden.
74. PulvintUina perlata d. sp. Tf. VIII, fig. 12.
Diese kleine Form schliesst sich noch am meisten an
die miocäne Discorhina turris Kabb. und die Treitt-
catulina horrida Kabb. aus dem Senon von Leizers-
dorf an. Das Gehäuse ist auf der Nabelseite viel
217
stärker gewölbt als auf der Seite der freiliegenden
Spirale. Auf der letzteren sind drei deutliche Umgänge
vorhanden, während auf der anderen Seite sechs
Kammern der letzten Windung sichtbar sind. Dieselben
berühren sich in der Mitte vollständig und lassen kein
Nabelloch frei. Unsere Art besitzt keine scharfe Kante
an der Peripherie, wie die beiden oben genannten
Arten. Die Skulptur ist sehr auffallend und besteht
aus kleinen, sparsam und unregelmässig vertheilten
Körnern, welche namentlich die Seite mit der frei-
liegenden Spirale bedecken, während die Nabelseite
in der Mitte mehr oder weniger frei davon bleibt.
Die Nähte sind alle deutlich und ziemlich tief, die
Schalenoberfläche ist fein punktirt, die Mündungs-
spalte ist ziemlich lang und schmal, die Grösse
beträgt 0,3—0,2 mm. Lobsann, Drachenbronn und
Sulz.
75. PuivinuUna petrolei n. sp. Tf. VIII, fig. 15. Das
Gehäuse ist oval, etwas niedergedrückt, auf der Nabel-
seite viel stärker gewölbt als auf der beinahe flachen
entgegengesetzten Seite und misst 0,» — 0,3 mm. Die
Schale ist sehr fein punktirt. Eine schwache Nabel-
vertiefung ist wahrnehmbar. Die Nähte sind massig
flach. An der Peripherie ist keine scharfe Kante vor-
handen. Auf der gewölbten Seite sind fünf Kammern
sichtbar, auf der anderen, welche zwei Umgänge zeigt,
neun, von denen jedoch die inneren nicht deutlich
begrenzt sind. Die letzte Kammer überwiegt bedeutend
an Grösse. Unsere Art steht der P. {Botalia) Hauten
d'Obb. am nächsten. Sie unterscheidet sich von ihr
dadurch, dass sie eine gedrungenere Gestalt besitzt
und breitere Kammern hat, von denen nur fünf statt
218
sieben auf der Nabelseite sichtbar sind. Ziemlich häufig
bei Lobsann.
76. Puivinulina Lobsannensis n. sjf. Tf.YIII, fig. 16.
Das Gehäuse ist breit, eiförmig, ein wenig comprimirt
und beiderseits gewölbt; es misst in der Regel 0,2 mm.
Die Kammern sind alle sehr deutlich sichtbar und
werden durch tiefe gebogene Nähte Ton einander ge-
schieden. Die Seite, auf welcher die Spirale sichtbar
ist, zeigt 9 — 10 Kammern, welche ebenso me die
Windungen schnell an Umfang zunehmen. Auf der
anderen mehr convexen Seite sind nur 6 Kammern
wahrzunehmen. Die Schale ist fein, aber deutlich
punktirt, was namentlich dann hervortritt, wenn das
Innere des Gehäuses durch einen Schwefelkieskern
ausgefüllt ist. Diese Art lässt sich wohl nur mit der
P. hudensis v. Hantk. vergleichen, ist jedoch lange
nicht so zusammengedrückt und an der Peripherie
nicht so zugespitzt wie diese. Ziemlich selten bei
Lobsann und Sulz.
77. TruncattUina Weinkauffi fiss. (Sitzungsber., Bd.
48, pg. 68, Taf. Vm, fig. 97.) Tf. VIII, fig. 11. Häufig
bei Lobsann, Sulz und Drachenbronn.
78. TruncatiUina ludda Rss. (Septth., pg. 44, Tf. IV,
fig. 15.) Nach Angabe von Ludwig bei Lobsann.
79. GloMgeHna bulloidea dOrb. (For. foss. d. B. d.
Vienne, pg. 163, Tf. IX, fig. 4—6.) Tf. IX, fig. 1, 2.
Lobsann, Sulz und Drachenbronn.
80. Bolivina Beyr^ichi Rss. (Z. d. d. g. G. 1851, pg. 83,
Tf. VI, fig. 51.) Ziemlich häufig. Lobsann, Sulz und
Drachenbronn.
81. Bolivina sp. a. ined. In der Form der B, nobilis
y. IIai^tk. sehr ähnlich, gleicht jedoch in der Skulptur
219
mehr der viel schmäleren B. semisiriaia v. Hantk.,
indem nur der untere Theil des Gehäuses gestreift
ist, während der obere feine Punktirung zeigt. Lobsann
und Drachenbronn.
82. BoUvina sp. b. ined. Sehr kleine und schmale For-
men mit sehr vielen Kammern (bis zu 11 Kammern
jederseits). Sie ähneln der B. antiqua d'Obb., sind
aber an der Seite nicht scharf gekielt wie diese. Lob-
sann und Sulz.
83. Cassidulina oblanga Ras. (Denkschriften d. Ak. d.
Wiss., Bd. I, Wien 1850, Tf. III, fig. 5, 6.) Selten
bei Lobsann.
84. ChUostom^la cylindroides Rss. (Z. d. d. g. G.
1851, pg. 80, Tf. VI, fig. 43.) Sulz, Drachenbronn
und Lobsann, an dem letzteren Orte namentlich häufig.
Imperforata oaloarea.
85. Comuspira polygyra Rss. (Sitzungsber. d. k. k.
Ak. d. Wiss., Bd. 48, pg. 39, Tf. I, fig. 1.) Sulz,
Lobsann und Drachenbronn. An dem ersten Orte
am häufigsten.
86. Comtispira involvens Rss. (Denkschr. d. k. Ak. d.
Wiss., I, 1851, pg. 370, Tf. XLVI, fig. 20. — Septth.,
pg. 5.) Lobsann, Sulz, Drachenbronn.^
87. Comuspira sp. Lobsann.
88. SpiroloctUlna nov. sp. ined. Steht der Spiroloc.
(Quinqueloculina ?) tenuis Cz. (Naturw. Abhandl. von
Haidingeb, Bd. V, 1848, pg. 149, Tf. XIII, 31—34)
am nächsten, welche auch bei Hermsdorf im Septarien-
1. Die Cornuspiren, welche anderwärts meist zu den Seltenheiten gehören,
sind im Elsass in den beiden oben genannten Arten häufig und verbreitet.
220
thoD vorkommt (Rss., Septth., pg. 10). Das sehr kleine
dünne Gehäuse unserer Art unterscheidet sich nament-
lich durch die stets etwas rauhe Schalenbeschaffenheit
und durch die grössere Zahl von Kammern, welche
in der Mitte nicht mehr scharf von einander zu unter-
scheiden sind. Ziemlich selten. Sulz und Lobsann.
89. QuinqueloctUhui triangtUaris d^Orb. (For. foss.
d. B. d. Vienne, pg. 285, Tf. XVIII, fig. 8.) Es finden
sich im Elsass solche Formen der Art, wie sie Bobne-
MANN ais Q, Etmani von Hermsdorf beschrieb. (Z. d.
d. g. G. 1855, pg. 351, Tf. XIX., fig. 6.) Dieselben
wurden von Reuss (Septth., pg. 9) mit Q. triangularis
vereinigt. Man könnte diese besonders breiten Formen,
wie sie für den Septarienthon charakteristisch sind, als
var, Ermani Bobn. festhalten. Sie finden sich ziemlich
häufig bei Sulz, Lobsann und Drachenbronn.
90. Quinqueloculina inipressa Rss. (Z. d. d. g. G.
1851, pg. 87, Tf. VII, fig. 59.) Es finden sich bei
Sulz namentlich solche Abarten, welche sich der Tri-
loculina turgida Rss. nähern, sodass sich die Ansicht
von Reuss, dass beide Arten einander sehr nahe stehen,
auch hier bestätigt (Septth., pg. 9). Die Thatsachc ist
insofern von Interesse, als sie zeigt, dass sich die
Grenze zwischen Trilocülina und Quinqueloculina ver-
wischen kann.
91. Trilocülina turgida Rss. (Z. d. d. g. G. 1851,
pg. 86, 87, Tf. VII, fig. 58.) Sulz. Neben dem Typus
finden sich noch besonders dicke, kugelige Formen,
die ich als var. inflata n. v. abbilde. Tf. V, fig. 28.
92. Trilocülina orbicidaris Rom. (Rss., Sitzungsber.,
Bd. 18, pg. 251, fig. 35.) Sulz.
Die in der obigen Liste angeführten Foraminiferen sind
221
durchaus noch nicht alle an diesen Fundpunkten vorkommenden
Formen, indem Bruchstücke und vereinzelte Exemplare darauf
hinweisen, dass namentlich die Artenzahl der Cristellaricn, Nodo-
sarien, Truncatulinen und Millioliden eine grössere ist^ Da es
sich aber hier nicht um eine Monographie der Foraminiferen
des elsässer Septarienthons handelte, so begnügte ich mich mit
der Hervorhebung der häufigsten und auffallendsten Formen,
zumal da dieselben zur Genüge den Charakter der Septarien-
thonfauna darthun.
Die drei Lokalitäten Lobsann, Sulz und Drachenbronn
weichen nicht viel von einander ab und haben die allermeisten
Formen gemeinsam. Die agglutinirten Foraminiferen, Haplo-
phragmien und Plecanium carinaium namentlich überwiegen an
Menge. Pseudotruncaiulina Duiemplei findet sich massenhaft bei
Sulz und Drachenbronn. Haplophragmium placenta erfüllt in
grossen schönen Exemplaren die Schlemmproben von Lobsann
und Drachenbronn, in welchen auch die Chüostomella cylindroi*
des eine bedeutende Rolle spielt. Die Uvigerinen treten bei Sulz
in sehr grosser Menge auf, während sie im übrigen selten sind.
Ferner ist hervorzuheben, dass an dem letztgenannten Punkt
die Millioliden entschieden am häufigsten vorkommen, was mit
dem schon erwähnten etwas brackischen Charakter der Lokalität
in Einklang steht. Die grösste Formenmannigfaltigkeit wird
jedoch nicht von den FamiUen erreicht, deren Arten sich gerade
durch grosse Individuenzahl auszeichnen, sondern erscheint bei
den durchschnittlich sparsamer auftretenden Cristellarien und
Nodosarien wie anderwärts im Septarienthon.
Der Septarienthonf undpunkt von Heiligenstein befindet
sich in dem genannten Dorfe, welches unweit des Odilienberges,
1. Ich beabsichtige bei Gelegenheit die hier noch nicht erwähnten und ab-
gebildeten Formen nachzutragen, welche mein sehr reiches Schlemmprobenmaterial
enthält.
222
nahe an der Yogesenverwerfung gelegen ist. Das Vorkommen
ist ein ganz isolirtes und liegt an 70 Kilometer in ungefähr
SSWücher Richtung von den vorher besprochenen Orten entfernt
Die graublauen ziemlich plastischen Mergel, ganz von dem Aus-
sehen der Mergel von Sulz u. d. Wald, werden bei Heiligen-
stein in einer kleinen Grube gelegentlich gewonnen und neben
anderen jurassischen Mergeln in einer Ziegelei verwendet Der
Septarienthon scheint nur einen sehr kleinen Flächenraum im
nördlichen Theile des Dorfes zu bedecken und überlagert jeden-
falls die rings um den Ort anstehenden jurassischen Schichten.
(Derselbe liegt wahrscheinlich auf den JETtimp^'manti^-Schichten
auf.) Ich vermochte nicht trotz allen Suchens in der Gegend
ein anderes Septarienthonvorkommen zu finden*. Auch an den
Vogesenvorbergen, deren Gipfel aus oligocanen Eüstenconglo-
meraten bestehen, und welche nicht weit von Heiligenstein
entfernt liegen, an der Gloriette bei Barr und am Bischenbei^
bei Oberehnheim konnte ich keine Spur von Septarienthon
entdecken. In der ganzen Umgegend von Heiligenstein stehen
keine Unteroligocänschichten an, und der Septarienthon lagert
direkt der mesozoischen Formation auf, ein Umstand, der auch
für die Transgression des Meeres zur Mitteloligocänzeit spricht
Die Foraminiferenfauna von Heiligenstein ist von der-
jenigen der oben besprochenen Fundorte ziemlich abweichend,
was wohl der Hauptsache nach einem Unterschied in der Facies
zugeschrieben werden muss. Es überwiegen bei weitem in dem
Schlemmrückstand von Heiligenstein Bolivina JBeyrichi und
VirfftUina Schreibersi, von welchen namentlich die letztere bei
Lobs an n sehr selten ist. Plecanium carinaium^ Pseudotruncatulina
Dutemplei, sowie die Pullenien und Polymorphinen fehlen auf-
fallender Weise ganz. Die Cristellarlen treten sehr zurück. Haplo-
1. Die Mergel an dem Bahnhofe Yon Epfig an weit Barr sind absolut fossilleer
und zeigen einen abweichenden Schlemmröckstand ; ihr tertiäres Alter ist fraglich.
223
phragmium acutidorsatum ersetzt ausschliesslich das bei Lob-
sann viel häufigere Hqplophragmium placentae während an Stelle
der Chüostomella cylindroidcs die Ällomorphina trigona getreten
ist. Im Allgemeinen ist die P'auna ärmer als die von Lobsann.
Ich fand folgendes:
Hollasken.
1. Kleine unbestimmbare Gastropodensteinkerne.
2. Kleine bauchige Brauneisensteinkerne, welche wohl von
Fisidium sp. herrühren.
3. Cor&i^o7/»j/a? Kleine dreieckige ungleichschaUge Braun-
eisensteinkerne, die in der Form am meisten an Corhu-
lomya triangula Nyst. erinnern.
Foraminiferen.
1. Haplophragmitim {wuMdorsatum v. Hantk.
Meist kleinere Exemplare (bis zu 0,g mm gross) häufig.
Tf. VII, fig. 5.
2. Haplophrag^nviim deforme n. sp. Selten. Tf. VIII,
fig. 1.
3. UaplopliragnvVii/in sp. med.
4. NodosaHa EwaZdi Rss. Tf. X, fig. 21.
5. Nodosaria eoctlis Neüg. Tf. X, fig. 18 — 20.
6. Nodosaria cmisobrina d*Obb. Tf. X, fig. 9 — 12.
7. Nodosaria {Dentalina) approxiniata Rss. Tf. X,
fig. 13-15.
8. Nodosaria capitMa Boll. var. Buchi Bss. Selten.
9 . Nodosaria cmispurcMa Rss. (Sitzungsber. d. k. k.
Ak. d. Wiss., Bd. 48, pg. 43, Tf. II, fig. 10—12.)
10. Ortstellaria Böttgeri Rss. (= CrsL Böttcheri Bss.
Sitzungsber., Bd. 48, pg. 49, Tf. III, fig. 38—42.)
Selten. Tf. IX, fig. 26, a, 6, c.
224
11. Biilimina ifißata Seg. Tt IX, 6, a, 4; 6, r.
1 2. rtrguluuM Sehreibersi Gz. Sehr biiifig. Tl IX
tig. 8, 9, a, h.
13. Turrilina al^Miea n. spu Ziemlich häufig. Typ.
Tt VÜI, fig. 18. Forma producta n. f., Tf. Vffl, fig. 19;
als solche bezeichne ich die etwas schmälereD und
längeren Formen, welche 5* , Umgänge und 0^ mm
Länge erreichen. Sie finden sich seltener als der Typus,
Ton dem sie nicht scharf zu trennen sind.
14. JBaialia Girardana Bss. var. Die Exemplare Ton
Heiligenstein stimmen nicht vollständig mit dem
Typus aus dem norddeutschen Septarienthone. Sie sind
kleiner, flacher und erinnern an B. Soldami b'Osb..
zeigen jedoch eine sehr lange Mund^alte und haben
auf der Seite der fi^ien Spirale sehr deutliche, bis
zur Mitte hin unterscheidbare Kammemähte. Häufig.
Tf. IX, fig. 5, a, h.
15. Pl«/Hnff«/ifia 8U Odiliae m. spu Tf. Vm, fig. 17.
Das länglich eiförmige, wenig comprimirte, iast gleich-
seitige Gehäuse besteht aus auffiülend wenig Kammern
und hat nur anderthalb Umgänge, welche sich ausser-
ordentlich schnell erweitem. Die Seite mit der frei-
liegenden Spirale hat 6 Kammern, Ton denen die letzte
bei weitem an Grosse überwiegt Die Schale ist sehr
fein punktirt. Diese sehr seltene Art lässt sich nur
mit P. cordifomus Bss. Ton Wieliczka Ter^eichea,
ist jedoch schon durch die viel geringere Kammer-
zahl leicht zu unterscheiden.
IG. Trmu:aiiahui Weinkau ffi Bss.
1 7. Tr9$neatiilh9a A9Mkeriai%a dtOkb. sp. (For. foss. B. d.
Yienne.pg. 152,Tf. VII,25— 27.— Rss.,Septth.,pg.44.)
Nebst anderen seltenen unbestimmten Tmncatulinen.
225
18. GloMgerina buUaides d*Obb. Tf. IX, fig. 1, 2.
19. Bolivina BeyricM Rss. Verschiedene extreme For-
men dieser bei Heiligenstein ungemein häufigen Art
sind auf Tf. VIII, fig. 4—8 dargestellt.
20. AllomorpMna trigona Rss. var. obtusa n. v. (Tf. VII,
fig. 11.) Das grosse und dicke Gehäuse ist sehr stumpf,
dreieckig und namentlich an dem unteren Ende nicht so
spitz wie die von Reuss (Denkschr. d. Ak. d. Wiss., I,
pg. 380, Tf. III, fig. 14, a, 6, c, rf, e) abgebildeten
Exemplare. Die Stücke von Heiligenstein gleichen
hingegen sehr der Abbildung, welche Bbady von einer
recenten AUomorphina^ die er als AI. trigona deutete,
gegeben hat. Ich glaube, dass man diese Formen nicht
ohne weiteres mit A. ^i^ona^identificiren darf und fasse
sie als Varietät auf.
21. CortiMspira polygifra Rss.
22. Quinqtieloeulina impressa Rss. var, subovalis n. v.
Die sehr seltene Form von Heiligenstein zeichnet
sich durch eine etwas mehr verlängerte ovale Gestalt
aus, welche an diejenige der Q. ovalis Bobn. erinnert;
letztere zeigt jedoch eine ganz abweichende Mändung.
Tf. X, fig. 27, a, 6, c.
III. 15
226
V. Mergel mit Ostrea callifera und reicher
Foraminiferenfauna im Ober-Elsass
zwischen Gebweiler und Sentheim.
Im Anschluss an den ächten Septarienthon des Unter-
Elsass müssen wir einige Bildungen im Ober-Elsass betrachten,
die sich zwar durch ihre Foraminiferenfauna diesem auf das
Innigste anschliessen , aber in ihrer Molluskenfauna abweichen,
welche eher ein etwas jüngeres Alter zu dokumentiren scheint.
Es fehlen in denselben die bezeichnendsten Elemente des unter-
elsässer Septarienthones, die Leda JDehayesiana, NuaUa Cha-
steUi und andere Arten. An drei Stellen habe ich die in Frage
stehenden Schichten näher untersucht: bei Hartmannsweiler,
Rodern und Aue. Die beiden letztgenannten Orte haben nur
Foraminiferen geliefert, während der erstere auch andere Fossilien
aufweist, die namentlich schon von Delbob studirt wurden, welcher
fast die sämmtlichen Oligocänbildungen unter dem Namen Ton-
grien zusammen&sste.
Auf dem Weg von Sulz bei Gebweiler nach Hart-
mannsweiler^ stehen nicht weit von dem letzteren Orte blau-
graue gypshaltige Mergel an, welche in der „Marnerie Zeller ^
gewonnen werden. Es ist jetzt von der Lagerung und dem
1. Die Fundstelle Hartmao nsweiler wird von Delbos als Oilweiler
(= Ollwiller) bezeichnet nach dem Schloss Ollweiler In der Nähe von Hart-
mannsweiler. DiLBOs. Descr. d. d^p. du H.-R., If, pg. 59, 41.
227
Profil, welches Delbos angibt, nicht mehr viel zu sehen, und
die grossen Mergelgruben zeigten nur einförmige Mergelmassen
und einige umherliegende Blöcke von hartem grauen Kalksand-
stein, welcher aus einer tieferen Schicht unter den Mergeln
stammen sollte. Wir geben daher einen Auszug des DsLBOB'schen
Profiles (H. R., II, pg. 59).* Das Einfallen der Schichten beträgt
11 ^ und ist nach Süden gerichtet: .
1. Ackerboden und vielleicht Lehm (Löss?) . . 0,6o m.
2. Kalkiger Mergel • 0,so m.
3. Bank von braungelbem, grobem Kalksandstein,
welcher mit Mergeln wechselt. Aehnlich dem
Kalksandstein von Ruf ach. Dieselbe lieferte
einen Fischzahn und andere unbestimmbare
Fossilien : 0,6o m.
4. Etwas kalkige Mergel l,oo m.
5. Kalkige, eisenschüssige Mergel
6. Blauer, ziemlich harter Sandkalk 0,8o m.
7. Mergel
8. Weicherer Sandkalk mit kohligen Pflanzen-
resten und Pyrit. Er enthält Pectunculus (1),
Cardium (I) und Cerißiium (1)
9. Hauptmasse der blaugrauen abgebauten Mer-
gel mit einer Bank von ziemlich feinem Kalk-
sandstein im Liegenden, welche nicht weiter
durchteuft wurde. Die Mergel enthalten Austern,
der Kalksandstein Pecten und einige andere
Fossilien. Ganze Mächtigkeit 9 — 10 m.
An diese Mergel schliessen sich wohl diejenigen an, welche
zwischen Gebweiler und Orschweiler bei Bergholz ge-
wonnen wurden, und welche ich nicht untersuchen konnte. Die-
selben sollen nach Angabe von Delbob die Kfistenconglomerate
unterteufen.
228
Zwischen Thann und Sentheim, nicht weit vom Yogesen-
abhang, stehen beträchtliche Mergelmassen an, welche mit den-
jenigen von Snlz übereinstimmen und an verschiedenen Stellen
zu Tage treten. Ich habe namentlich in der Gegend Yon Bodern
ans einigen kleinen Ziegeigmben, welche weiter keine Fossilien
enthielten, Proben zur Untersuchung entnommen. Der Mergel
ist durch den Einfluss der AtQiospharilien schon etwas verändert;
er zeigt eine blaugraue Farbe und gelbe Flecken. Im Schlemm-
rückstand enthält er vieb Brauneisen und Eisenoiyd und ist
reich an Foraminiferen.
Weiter südlich von diesem Vorkommen auf dem Fussweg
von Sentheim nach Aue (= Lauw auf den französischen
Karten) befinden sich im Wald kleine Mergelkauten, aus welchen
zum Theil ächte Amphisyle-SchiefeTj zum Theil blaugraue Mergel
vom Charakter der Mergel von Bodern zu Tage gefördert
werden. Diese Mergel enthalten sehr viele Foraminiferen und
erinnern durch manche Formen schon einigermassen an die viel
ärmere Foraminiferen&una der Fischschiefer. Es lässt sich bis
jetzt nicht entscheiden, ob diese die Fischschiefer unterteufen, be-
decken oder einfach mit ihnen wechssellagem. Jedenfalls müssen
sie zu denselben in sehr inniger Beziehung stehen, was eben-
falls für ihr mitteloligocänes Alter sprechen würde. Weiter süd-
lich von diesem Orte ist mir kein an Foraminiferen reicher
Mergel aus dem Gebiete mehr bekannt, der sich mit dem Sep-
tarienthon vergleichen liesse. Es scheint, dass derselbe von
hier ab ganz und gar durch den Fischschiefer ersetzt wird.
Die Fauna der besprochenen Mergelablagerungen zwischen
Gebweiler und Sentheim ist nachstehende:
Gastropoden.
1 . CerUhium plicatti^n Lamk« Nach Delbos (l-c, pg. 42)
ohne Angabe der Varietät von Hartmannsweiler.
229
Lamellibranchiaten.
1. Ostrea caZUfera Lahk. Nach Angabe von Delbob im
blaugrauen Mergel von Hartmannsweiler. Dieselbe
ist häufig und liegt mir in sehr schönen, grossen und
dickschaligen Exemplaren vor, welche gegen 13 cm
Durchmesser zeigen. Hierher dürfte auch die Ostrea
subgigantea Raul, et Delbos gehören, welche von
Hartmannsweiler (DsiiBos, 1. c, pg. 43) erwähnt
wird, und von der ich mit 0. caüifera übereinstimmende
Exemplare in Mülhausen gesehen habe.
2. JPecten pictus Goldf. Nach Angabe von Delbos bei
Hartmanns weiler.
3. FectuncuZus obovdtus Lahk. Nach Delbos bei Hart-
mannsweiler.
4. lAidna annuUf^a Sandb. Nach Delbos bei Hart-
mannsweiler.
5. iMdna divaricata Lamk. Nach Delbos bei Hart-
mannsweller.
6. Cardtti/m Itavlini Heb. Nach Delbos bei Hart-
mannsweiler.
7. Cyrena cofwexa Bbong. (=8eniistri(Ua Desu.) Nach
Delbos bei Hartmannsweiler. Die Schicht, in welcher
die Art vorkommt, ist nicht bezeichnet; auch ist nicht
bemerkt, ob sie sich mit den anderen Arten zusammen-
findet. Obwohl die Art im Mainzer Becken nur in den
Cyrenenmergeln vorkommt, so ist zu bedenken, dass
dieselbe im Pariser Becken und in England schon im
Unteroligocän auftritt und sich am Oberrhein im Mit-
teloligocän (Breisgauer Blätterschichten) nach Sandbebgeb
(Mainz. Becken, pg. 309) findet. Ferner wurde sie schon
■ «■MtflBMl
230
aus den wahrscheinlich unteroligocänen Steinmergeln von
Eff ringen in Ober-Baden erwähnt.
8. Corbictda donadna A. Braun. Von Delbos ohne
weitere Angabe von Hartmannsweiler erwähnt; sie
soll sich auch in den Mergeln von Meroux (Haut-Rhin)
finden. Diese Art, welche der vorigen äusserlich gleicht
und in den miocänen Carbicula'&chichten des Mainzer
Beckens vorkommt, ist mir noch etwas zweifelhaft. Ihr
Vorkommen in den blauen Mergeln mit Ost cäUifera
und den zahlreichen Foraminiferen wäre sehr merk-
würdig. Dieselbe wird daher wohl aus einer höhern
Schicht stammen, oder es dürfte ein Irrthum bei der
Bestimmung vorliegen.
Fische.
1. lAi/mna cuspidata Ag. Nach Angabe von Delbos in
der gelben Kalksteinbank von Hartmannsweiler.
2. Carcharodon sp. Nach Aussage und Beschreibung
von Herrn Zelleb muss sich ein hierher gehöriger Zahn
in den Mergeln gefunden haben.
Foraminiferen.
Agglutinantia.
1 . Atmnodiscus pellvMdvs n. sp. (cf. pg. 147). Findet
sich auch in den unteroligocänen Mergeln von Lam-
pertsloch. Selten bei Bodern. Tf. VI, fig. 1.
2. Ha/plaphragniiu/m placenta Rss. Hartmanns-
weiler, Rodern und Aue.
3. Maplophrcigmiufn a^euHdorsattmi v. Hamtk.
Rodern.
231
4. Haplaphrcigmi'u/m laMdarsatum Born. sp. (Z.
d. d. g. G. 1855, pg. 339, Tf. XVI, fig. 4.) Sehr
selten bei Ködern.
5. Haplophra>gmiv/m deforme n. sp. (cf. pg. 197).
Selten bei Hartmannsweiler, etwas häufiger bei
Rodern und Aue. Tf. VIII, fig. 1.
6. Haplophrcigniiuifn HumboldH Rss. Sehr häufig
bei Hartmannsweiler nebst var. latum. Tf. VII, fig. 1.
7. Maplophragm/tum Lohsamnense d. sp. (cf.
pag. 198.) Hartmannsweiler. Tf. VII, fig. 3, 4.
8. JPleccmiv/m carinatutn d*Obb. sp. Sehr häufig bei
Hartmannsweiler, ferner bei Aue. Tf. VII, fig. 10.
9. GiJMänryina siplwneUa Rss. typ. und var. asi-
phonia n. v. (cf. pg. 200). Häufig bei Hartmanns-
weiler. Tf. vn, fig. 7.
10. Oaudryina ehUostoma Rss. Der Typus sehr häufig,
seltener die var. globulifera Rss. bei Hartmanns-
weiler und Aue. Tf. VH, fig. 8, 9.
Perforata oaloarea.
11. Lagena hispida Rss. Selten bei Aue.
12. Ftssurina glohoaa Bo&n. Aue und Hartmanns-
weiler.
13. Nodosa/Ha Ewaldi Rss. Rodern und Aue.
14. Nodosaria exilia Xeug. Rodern, Aue und Hart-
mannsweiler.
\b. Nodoaanria bacfriditmi Rss. Rodern, Aue und
Hartmannsweiler.
16. Nodosaria {DentaZina) 80ltUa Rss. Hartmanns-
weiler und Aue.
17. Nodosaria {Dentalina) cansobrtna ttObb. Ro-
dern und Hartmannsweiler.
232
18. Nodasaria (Denidlina) äff. approximata Rss.
Aue. Weicht vom Typus ab und ähnelt auch der N,
{Dent) Suleensis von Sulz und Aue.
19. Nadosaria (Denidlina) VemeuiU itOrb. (For.
foss. du B. de Vienne, pg. 48, Tf. n, fig. 7, 8. —
Z. d. d. g. G. 1855, pg. 324, Tf. Xm, fig, 8.) Aue
und Rodern«
20. Nodosm {DenUUina) cf. inomata dObb. Fragmente
von Hartmannsweiler.
21. Nodosaria {DenidUnä) pungens Rss. Aue und
Hartmannsweiler.
22. JTod. (penialina) capitata Soll. yar. Buchi Bss.
Hartmannsweiler.
23. NodOM/Ha Herrmanni n.8p. (cf. pg. 205). Hart-
mannsweiler. Tl X, fig. 2.
— Ifodasaria sp. sp. Bruchstücke yerschiedener an-
derer Arten. Hartmannsweiler, Aue und Rodern.
24. Cflandulina UieHgaia dOsb. Hartmannsweiler.
25. dandulina gracUis Rss. Aue. Nicht so spitz wie
auf der Abbildung Yon Reüss (Septth., pg. 21, TL H,
fig. 25—27).
26. BuUetiia can^pressiuacula Rss. Aue, Rodern und
Hartmannsweiler.
27. FtiUefiia buUoides dObb. sp. Aue, Rodern und
Hartmannsweiler.
28. CritMiaria spu Aehnlich der Crist degans y. Hantk.
(Clayulina Szaböi-Sch.), jedoch in der Totalgestalt mehr
gekrümmt. Ein Exemplar yon Hartmannsweiler.
29. CrisU (Bobnlina) tangenHalis Rss. Hartmanns-
weiler.
30. CWM. {Bobiilina) cf. ang^iMmargo Rs& (Z. d. d.
g. G. 1851. pg. 67, Tf. IV. fig. 22.) Hartmannsweiler.
233
3 1 . Cri^m (jRobulina) depav/perata Rss. Meist Formen,
die zu var. callifera Rbs. hinneigen. Hartmanns-
weiler.
32. Crist. (jRobiUinä) condnna Rss. (Sitzungsber. d.
k. Ak. der Wiss., Bd. 48, pg. 52, Tf. V, fig. 58.) Aue.
33. Christ. {BobuHna) simplicissima Rss. Aue.
34. Cfrist. (jRobiUina) pHnceps Rss. Hartmanns-
weiler.
35. Crlst. (Bobulinä) Alherti n. sp. (cf. pg. 209). Hart-
mannsweiler. Tf. IX, fig. 24.
— Andere Cristellarien und Bobulinen namentlich von Hart-
mannsweiler.
36. JPolymorphina (OlobtUinä) gibba d*Obb. Hart-
mannsweiler, Bodern und Aue.
37. JPolymorphina {ChJMulinä) obtusa Bobn. Hart-
mannsweiler.
38. Polymorphina {CMtuUna) prohlema d'O&b.
var. deltoidea Bss. Hartmannsweiler und Aue.
39. Po^j/^ito^Aina ((Tulfi^ina) toneeo2a^a Rss. Hart-
mannsweiler.
40. JPolymorphina (Outtulina) sororia Rss. (£xtr.
des Bull, de l'Acad. roy. de Belg., U. s6r., Tm. XV, 1,
pg. 17, Tf. n, fig, 25—29. — Sitzungsber. Bd. 48,
pg. 57, Tf. Vn, fig. 72.) Aue.
41. JPolymorphina (Cftittulina) mai^cronata Tebq.
(M4m. d. la Soc. g^ol. de France, IH, 1882, pg. 133,
Tf. XHI, fig. 37—39.) Hartmannsweiler und Aue.
42. TJvigerina gra^cüis Rss. Hartmannsweiler.
43. Thrlgerina sp. sp. Aehnliche Formen wie sie von Sulz
erwähnt wurden (pg. 210). Hartmannsweiler.
44. Sphaeroidina varioMUs Rss. Aue, Bodern und
Hartmannsweiler.
234
45. BiMmina inflata Sb& Aue, Rodern and Hart-
mannsweiler.
46. FMysUnneUa HamÜeeni n« sp. Stimmt mit der
F^r überein, welche tok Habtkeh (Foraminiferen-
fiuina der Clav. Szaböi-Sdu, pg. 44, TL Xm, fig. 17)
gibt and als P. eocäna GäxB. bezeichnet Letztere
weicht meines Erachtens dorch ihre Yid hügligeren
Kammern and tieferen Nähte von der HASTKxir^schen
Art betrachtlich ab. Diese nähert sich noch mehr der
P. aUemans Schwao., ist aber nicht so zugespitzt wie
diese. Aue, selten.
47. Turrilina aUaUea n. sp. (cL re. 212). Aue, Bo-
dern. Tt Vm, fig. 18.
48. Batalia Girardana Rss. ty]i. H&ufig bei Hart-
mannsweiler, Aue und Bodern. Ausserdem Yar.
mamillata n. v.; als solche bezeichne ich die grossen
Ezemphire mit stark kugelig eihobenem Embryonaltheil,
wie sie sich bei Aue finden. Tt IX, fig. 4.
49. £ola{<a9ra<aRss.(Septtii.pg.47,Tf.IV,fig.l7.)Aue.
50. Pubrinulina p^gtnaea y. Hastk. Aue, Rodern.
Tf. vm, fig. 13.
51. PulfHnulina peirolei iL sp. (d. pg. 217). Hart-
mannsweiler. TL vm, fig. 15.
52. PulvinuUna periaia n. sp. (cf. pg. 216). Bodern,
Hartmannsweiler, Aue. An den beiden ersten Orten
ungemein häufig. Tl YIH, fig. 12, a, i, c.
— JPiUvinMlina sp. sp. Verschiedene einzelne Exemplare
anderer Arten.
53. Pseudotnineatulina IhOetnpiei dObb. sp. (cl
pg. 213). Hartmannsweiler, Bodern und Aue.
54. n'wneaiuiifu^WeifUkau/ßliss.UtLTtmsLnnsw eiler y
Bodern und Aue.
235
— Tnjmeatulina sp. sp. Verschiedene andere Formen.
55. Olohigerina hulloides ivOrb. Aue, Bodern und
Hartmannsweiler.
56. Teoctilaria gra^Mlima sp. Tf. VIII, fig. 9. Das
zierliche kleine Gehäuse zeigt jederseits 7 — 8 Kammern
mit sehr deutlichen, tiefen Nähten und ist nicht compri-
mirt. Die vier jüngsten Kammern jederseits sind bauchig,
kugelig und untereinander an Grösse wenig verschieden.
Das Gehäuse ist dreimal so lang als breit, endet unten in
einer feinen Spitze und misst 0,3 mm. Die Schale ist glatt,
•
glänzend und sehr fein punktirt. In der Gesammtform
ähnelt unsere Art der T. elongaia y. Hantk., hat jedoch
viel bauchigere Kammern. Sie ist sehr selten bei Aue.
57. Teoctüaria n. sp. ined. Verwandt mit der T. sub-
flabeüiformis v. Haktk. aus den Glavulina Szaböi-
Schichten, von welcher sie sich namentlich durch ihren
mehr viereckigen Umriss unterscheidet. Sehr selten, Aue.
68. TexMaria globiger a Sohwao. (Foss. For. von Kar
Nicobar, pg. 252, Tf. VII, fig. 100). Sehr selten. Rodern.
59. TextOarta aisoHca n. sp. (cf. pg. 306). Die gleiche
Art wie von Bufach. Rodern.
60. Bolivina BeyrieM Rss. Aue, Hartmannsweiler
und Rodern.
61. Bolivina aff.noMUsy.RxtmK. Hartmanns weiler.
62. CtMsiäulina oblonga Ras. Hartmannsweiler, Ro-
dern und Aue. An dem letzteren Orte ungemein häufig.
Tf. X, fig. 31, 32.
63. AllomorpMna mctetostoma Karb. (Sitzungsber.
d. k. k. Ak. d. Wiss., Bd. 44, Abth. 1, 1861, pg. 448,
Tf. n, fig, 4.) Aue.
64. Allomorphina trigona Rss. var. obtusa n. v.
(cf. pg: 225). Aue. Tf. VII, fig. 11.
236
Imperforata oaloarea.
65. Corwuspira polygyra Rss. Hartmannsweiler,
Rodern und Aue.
66. Comuspira itwolvens Rjss. Hartmannsweiler
und Rodern.
67. QuinquelociUina impressa Rjss. Aue.
Ausser den angeführten Mollusken und Foraminiferen fanden
sich noch bei Hartmannsweiler einige wenige Ostracoden
(Cyiherella sp. etc.) und zuweilen grössere Parthien von ver-
kohltem, sehr schwefelkiesreichem Holz.
Aus der vorstehenden Liste erhellt, dass die Foraminiferen
der ober-elsässer Mergel im Wesentlichen die gleichen sind wie
im Septarienthone des Unter-Elsass. Alle wichtigen und häu-
figen Formen stimmen überein, während nur wenige von den
seltneren Arten fehlen oder durch andere Species ersetzt werden.
Die Uebereinstimmung mit dem Septarienthontypus von Lobsann
ist eine viel grössere als mit demjenigen von Heiligenstein,
nur dass im Ober-EIsass die agglutinirten Formen vielleicht
eine noch grössere Rolle spielen, und die Textilaroideen mannig-
faltiger sind. Chilostomeüa cylindroides , welche für Lobsann
bezeichnend ist, habe ich im Ober-Elsass nicht beobachtet, wäh-
rend daselbst zwei Allomorphinen vorkommen. In diesem einen
Punkte ist also eine grössere Aehnlichkeit mit der Fauna von
Heiligenstein vorhanden. Die grosse Häufigkeit der Cassp-
dulina oblonga^ welche im Unter-Elsass recht selten war, deutet
auf die Verwandtschaft der ober-elsässer Mergel zu den Meletta-
Schichten hin.
Blicken wir am Schlüsse auf die gesanmite mitteloligocäne
Foraminiferenfiauna des Elsass zurück, soweit sie in den zwei
vorhergehenden Gapiteln behandelt wurde, und versuchen wir
1
237
ihre Verwandtschaft und ihre Beziehungen zu andern tertiären
Foraminiferenfaunen hervorzuheben.
Es wurden im ganzen von den 7 besprochenen Fundorten
91 sicher bestimmte Arten aufgeführt S welche sich folgender-
massen vertheilen.
Bei Lobsann 65 Arten.
„ Drachenbronn 38 „
n Sulz unter dem Wald. 52 „
„ Heiligenstein 21 „
„ Hartmannsweiler ... 38 „
„ ßodern 28 „
» Aue 38 „
Diese 91 Species gehören zu 31 Gattungen. Mit Hinzu-
nahme der Clavulina sp. ined., der Frondicularia sp. ined. und
der Spiroloculina sp. ined. sind 34 Foraminiferengattungen im
Elsass vertreten ^ Die Arten vertheilen sich auf die 3 grossen
Hauptordnungen so, dass wir 11 Agglutinantia^ 74 Perforata
ccUcarea und nur 6 Imperforata calcarea haben. Die zweite Ord-
nung überwiegt also bei weitem, während die überhaupt an
Formenmannigfaltigkeit ärmeren Aggluiinantia immerhin noch
reichlich vertreten sind, und die Imperforata^ d. h. Comuspiridae
Und MiUiolidae sehr zurücktreten. Die Biloculinen, von welchen
4 Arten im Septarienthon des Mainzer Beckens und 3 im nord-
deutschen Septarienthon vorkommen, fehlen auffallender Weise
bisher ganz im Elsass'. Hingegen zeigt der elsässer Septarienthon
t. Alle mit cf. oder alT. bezeichneten Formen, sowie die sp. ined. ond die
Varietäten sind nicht mitgezählt.
2. Nach dem Vorgang von Rsuss sind die Nodosarien und Dentalinen, Cristel-
iarien and Robulinen, sowie die Polymorphinen (Guttulina ^ GlolnUina etc.) nicht
getrennt.
3. Neuerdings erwähnt Dsecke {Foraminiferenfauna der Zone des St. Hum-
phriesianum im Unter-Elsass. Abh. z. g. Sp. v. Els.-Lothr. 1884, lY, 1, pg. 4; eine Bilo-
culina sp., die aus dem Tertiär stammen und durch einen Zufall in die jurassischen
238
Elemente wie IVandicularia, PleurostameUa, Cassidulina und Vtr"
gulina, die sonst in demselben za den nngewöhnüchen Eischei-
nnngen gehörend Die Hauptmasse fast aUer elsasser Schlemm-
proben besteht ans Aggluimantia ^ während sich, wie auch
anderwärts, im Septarientbon die Cristellarien, Nodosarien, wie
auch IhinccUulina, FulvinuUna und BoiciUa durch Formenfulle
auszeichnen.
Die beiden wichtigsten Septarienthoniauneny die bisher
genauer erforscht wurden, sind diejenigen des Mainzer Beckens
(Offenbach, Kreuznach, Eckardroth etc.) und Norddeutsch-
lands (Hermsdorf, Freienwalde, Pietzpuhl, Stettin, Söllin-
gen, Salzgitter etc.).
Im Mainzer Becken fanden sich 112 Arten S darunter
5 AggluHnanUay 1 9 Imperfarata und 88 Perfaraia. 44 von diesen
Formen stimmen vollständig mit elsasser Formen nberein, wäh-
rend manche andere sich denselben nahe anschliessen. Bei dieser
relativ geringen Zahl, welche nur 48,4 % von den im Elsass
vorkommenden Arten beträgt, ist jedoch zu bemerken, dass
grade die häufigsten und charakteristischesten Formen Ueber-
einstimmung zeigen , und dass sich sogar die gleichen Varietäten
Mergel Ton Heil igen stein gerathen sein soll. Ich habe die Irt leider nicht ge-
sehen. Immerhin macht es die obige Notiz wahrsdieiolich, dass man im Oligocän des
Elsass noch mit der Zeit Biloculinen auffinden wird.
1. Die einzige Frondicularie des Septarienthons ist Fr. seminMda Rss., die
nar bei Rermsdorf vorkommt, wo sie häufig ist. CasMuihui, VirguUna und Pteu-
rostonieüa waren meines Wissens bisher aus demselben nicht bekannt Ich fand
jedoeh CassiäuUna obUmga Rss. auch im Septarientbon (resp. Fischschiefer) too
Flörsheim bei Frankfort, während in der Sammlung des Herrn Dr. Steinmann
sich ein Eiemplar von VirguNna aus dem Mitteloligocän von Ratingen befindet,
das der F. MtrMersi Cz. offenbar sehr nahe steht Ferner war in der gleichen
Sammlung von demselben interessanten Fundort Ratingen ein Stock von Pleu-
rosiomeUa BatUkeni m., welches mit demjenigen von Aue ident ist
2. Mit Hinzunahme der Cass, obUmga Rss. und der Rot, aUaUea m., die
ich bei Flörsheim fand.
239
wie im Septarienthon des Mainzer Beckens und Norddeutsch-
lands wiederfinden. So z. B. die var. globuUfera Rss. von der
Gaudryina chüostoma Rss., die var. eüipüca Rss. und die var.
inflata Bobn. von der Olandulina laevigata d'Obb., die var,
Ermani (Bobn.) von der Quingueloculina triangularis d'Obb.
und andere. Im norddeutschen Septarienthon kommen an 190
Arten vor, wovon 62 sich im Elsass wiederfinden, also 68,i Vo
der elsässer Gesammtfauna. Es ist hierbei zu bedenken, dass
wir das gleiche Verhältniss wie im Mainzer Becken haben, und
dass die nicht übereinstimmenden Arten zumeist die seltenen,
nur in wenigen Exemplaren beobachteten Formen sind. Im
ganzen befinden sich unter den 9 1 Arten des elsasser Septarien- '
thones 68 Arten, die auch anderwärts im Septarienthon ange-
trofien werden, also immerhin 74,? Vo* Hierzukommen 16 neue
für das Elsass eigenthümliche Arten und 7 Formen, die fflr
verschiedene andere Schichten bezeichnend sind. So finden sich 1
TruncaiuUna pygmaea v. Hantk. und Haplophragmium acutp-
dorsatum v. Hakte, in den unteroligocänen Glavulina Szaböi-
Schichten, Robulina principes Rss. im Oberoligocän, Polymorphina
(Guttulina) mucronata Tebq. im Eocän des Pariser Beckens
bei Vaudancourty Äüomorphina macrostoma Kabb. im Tegel
von Vöslau, Möllersdorf etc., BüHmina inflataSKQ. im Neogen,
ebenso wie die TextUaria globigera Sohwag.
Eine Verwandtschaft zu anderen grossen Foraminiferen-
faunen, wie z. B. deijenigen des Pariser Beckens, welche neuer-
dings durch die Arbeit von Tebquem^ genauer bekannt wurde,
ist kaum vorhanden. Es sind nur ganz wenige Formen denselben
gemeinsam. Grösser sind die verwandtschaftlichen Beziehungen
zu der miocänen Fauna des Wiener Beckens, ganz wie es auch
t. Les Foraminiföres de Töocöne des environs de Paris. 1882. M^m. Soc. gtol.
de France.
240
bei der Fauna anderer Septarienthonfiindpunkte der Fall ist.
SchliessUch tritt eine nicht zu leugnende Aehnlichkeit mit der
Fauna der unteroligocänen Clavulina Szaböi-Schichten von
Ungarn hervor.
Die geringe Uebereinstimmung mit der französischen Fauna
und die grössere Hinneigung zu den älteren und jüngeren Faunen
des südöstlichen Europa scheint keine ganz zufällige zu sein,
zumal da sie noch durch einen anderen Umstand unterstützt
wird, nämlich durch die Identität gewisser mitteloligocäner
Fischformen des Elsass mit solchen der nördlichen Karpathen.
Wir werden somit zu der Annahme gedrängt, dass wenigstens
zur Zeit des späteren Mitteloligocäns (Rup^lien) der elsässer
Meeresarm einerseits frei mit den Meeren des Mainzer Beckens
und der grossen norddeutschen See communicirte, andererseits
dass im Süden und Südosten möglicherweise durch die Schweiz
über Oberbayern (Fischschiefer von Traun stein) und über
Wien ein Zusammenhang mit dem Pannonischen Meere stattfand.
241
VL Die Amphisyle-Schicliten im Elsass
und am Oberrhein.
Wichtigste Litteratnr
über die Amphisyle-Scliieliten im Allgemeinen.
1839. ScHiMPER, W. P. Poissons fossiles dans la molasse du Haut-Rhin.
Llastitut, pg. 294.
1841. Desgleichen. L'Instilut, pg. 262.
1849. Hegkel. Beiträge zur Kenntaiss der fossilen Fische Oesterreichs.
Denkschr. d. k. k. Ak. d. Wiss., 1, 210—242, Tf. 13—17.
Amphisyle Heinrichi abgebildet, Tf. 20, üg. 1, Tf. 25, fig. 1—2,
pg. 233.
1858. Daubr^e, A. Note sur la pr^sence de poissons fossiles dans le
terrain tertiaire de Mulhouse. — M6m. d. 1. Soc. d'hist. nat.
d. Strasbourg.
1859. KoECHLiN-ScHLUMBERGER, J. Notice sur Amphisyle de BouxNviller.
BulL d. 1. Soc. g6ol. d. Fr. (2), XVI, 436.
1859. Merian, P. Fischabdrücke von Pfirt. Verhandl. d. naturf. Ges. in
Basel, II, 3, 345.
1859. ScHiMPER, W. P. Poissons fossiles des schistes bitumineux de Ferrette.
L'Institut, 30. Mftrz 1859, Nr. 1317, pg. 193 und 15. Juni
1859, Nr. 1328, pg. 193.
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1862. MusTON et Parisot. Notice sur le döpöt des schistes bitumineux
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1863. Sandberger, F. Mainzer Tertiärbecken, pg. 431.
in. 16
242
1864. Ludwig, R. Palaeonlograptaica XL (Teutaculites maximus von Nier-
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1865. Meyer, H. von. Meletta*Schichten am Hipping bei Nierstein. Jahr-
buch für Min. etc. 1865, pg. 215.
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k. k. geolog. ReichsanstalL Verhandlungen, pg. 23.
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Silzungsber. d. k. k. Ak. d. Wiss. Wien, LIX, enthält Stein-
dachner, Fische des elsässischen Tertiär.
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1869. ßöTTGER, 0. Beitrag zur palaeontolog. und geol. Kenntniss der
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1870. Sauvage, H. Notice sur les poissons de Froide-Pontaine. Bull. d.
la Soc. g6oL de Fr. (2), XXVII, 397—410.
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Jahresbericht der Senkenberg, naturf. Ges. zu Frankfurt a. M.
1873/74.
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Karpathen. Palaeontographica. B. 26, 1879/80.
1880. Koch, G, Erläuterungen zur geol. Spezialkarte von Preussen, Blatt
Hochheim, pg. 10—15.
1880. Parisot. Description göologique du territoire de Beifort.
1881. MusTON. Notices g^ologiques. Schistes ä poissons de Froide-Fontaine,
pg. 77—89.
1882. RzEHAK, A. Die Amphisylen-Schichten der Umgegend von Beifort.
Verhandlungen der geol. Reichsanstalt 1882, pg. 151.
243
Die mitteloligooänen Fisohschiefer im Elsass
und am Oberrhein.
Synonyme: Amphisyle-Schichten von Schimpeb gleich Me-
letta-Scbichten von H. v. Meybb, wahrscheinlich gleich den
östreichischen Smilno-Schiefern von Haueb und den Menilith-
Schiebten von UoHENEaoEB.
Da die Amphisyle-Schichten in dem Oberrheingebiete eine
wichtige Rolle spielen, so erschien es geboten, bei der Be-
sprechung des elsässer Tertiärs etwas ausführlicher auf dieselben
einzugehen, trotzdem ich nicht viel neues zu dem bekannten
hinzuzufügen vermag. Die Litteratur über diese Schichten ist
bereits eine relativ grosse, in verschiedenen Zeitschriften zum Theil
in Form von kurzen Notizen und Mittheilungen zerstreute, so
dass eine einheitliche Zusammenfassung der bekannten That-
sachen hier wünschenswerth erscheinen dürfte.
Gegen die Mitte dieses Jahrhunderts erregte die Ent-
deckung von marinen Fischen in der Molasse des oberen
Rheingebietes, welche man bisher meist für limnisch gehalten
hatte, einiges Aufsehen unter den rheinischen Geologen. Die
gleichen Fischformen waren etwa um dieselbe Zeit von Heckel
aus den galizischen bituminösen Fischschiefern beschrieben und
abgebildet worden, und es war namentlich die Uebereinstim-
mung eines sehr auffallenden kleinen Fisches aus der Fis-
tulariden-Gattung der Amphisyle Heinricht, welche das Interesse
in Anspruch nahm. Es gelang bald die Fischschiefer an ver-
schiedenen anderen Stellen des Rheingebietes nachzuweisen! So
entdeckte Schill dieselben in Ober-Baden bei Hamm er st ein
und sandte die gefundenen Fiscbreste an H. v. Meyeb zur Be-
schreibung ein. Mebian in Basel wies auf das Vorkommen
244
bei Brislach hin. Mustok, Pabisot und Steindachneb, sowie
Saüyage und Oubtalst studierteu die Lagerstätte und die
Fischreste bei Froide-Fontaine. Schimpeb lehrte die Fisch-
reste von Buchsweiler in der Pfirt kennen, welche er von
Herrn Ch. ScHLUMSEBaEB erhalten hatte. Zur Eenntniss der
Fischschiefer im Mainzer Becken trugen namentlich Sandbebgeb,
Ludwig, H. v. Meyeb, Th. Geyleb, von Fbitsch, Koch, Böttgeb
und andere bei. Eine für die Aufifassung der Fischschiefer be-
sonders wichtige Notiz wurde von Sandbebgeb 1866 publicirt,
in welcher er die Gleichalterigkeit der Fischschiefer oder Me-
letta-Schichten mit dem Septarienthon nachwies. Er betont in
dieser Notiz die Uebereinstimmung der fossilen Fische des Sep-
tarienthones von Nier stein mit denen der elsässer Amphisjle-
Schichten, welche von H. v. Meteb nachgewiesen worden sei.
Er gibt ferner an, dass die von Schill bei Hamm er stein
gefundenen Fischschiefer unzweifelhaft über den Repräsentanten
des Meeressandes von Alzey liegen, und dass nach einer Mit-
theilung von Gümbel an der blauen Wand bei Traunstein
in Ober-Bayern die Fischschiefer zwischen Meeressand und Cy-
rcnenmergel eingeschaltet sind. Es ist also hiermit das mitteloli-
gocäne Alter sowie die Aequivalenz der Fischschiefer mit dem
Septarienthon dargethan. Diese Ansicht bestätigt sich auch bei
näherer Betrachtung der anderen Fischschieferfundpunkte , und zu
derselben gelangten im grossen und ganzen auch J. Kcechlin-
ScHLUMBEBGEB uud Delbos, indem sie die Fischschiefer in ihr
unterstes Miocän unmittelbar über das Tongrien verlegten.
Die Verbreitung der Amphisyle-Schichten ist eine unge-
wöhnlich grosse. Dieselben erstrecken sich mit gleich bleibender
petrographischer Beschafifenheit von den Karpathen über Ober-
Bayern bis in das Bheingebiet, wo sie sich an zahlreichen
Punkten des Oberrheines und an zwei Punkten des Mittelrheines
wiederfinden. Im Süden ist die ächte Fischschieferfacies ent-
245
wickelt, während mehr nördlich im Mainzer Becken, bei Nier-
stein und Flörsheim, schon durch das Vorkommen von Leda
Dehayesiana und zahlreichen anderen Conchylien der voll-
ständige Uebergang zum Septarienthon bewirkt wird. Die Am-
phisyle-Schichten sind bisher nachgewiesen:
In Oestreich-Üngarn an verschiedenen Punkten in
Galizien, Mähren, Schlesien sowie in Steiermark, auf die ich
hier nicht näher eingehen will. Es soll nur erwähnt werden,
dass das einzige Exemplar von Ämphisyle Heinrichiy welches
Heckel abbildete, von Krakowiza in Galizien stammt.
In Ober-Bayern an der Wernleithen bei Siegsdorf
unfern Traunstein.
In Ober-Baden bei Hammerstein nördlich von Lör-
rach.
Im Ober-Elsass bei Buchsweiler in der Pfirt, bei
Unter-Magstatt, Ober-Steinbrunn, Landser, Altkirch im
Sundgau und bei Aue und Guewenheim unweit Sentheira.
In Frankreich bei Froide-Fontaine zwischen Mont-
b^liard und Delle.
In der Schweiz bei Brislach, Canton Solothurn.
In Bheinhessen bei Nierstein.
In der Prov. Hessen-Nassau bei Flörsheim.
Der petrographische Charakter der Schichten ist ein ganz
gleich bleibender am Oberrhein, im Mainzer Becken und in Ober-
Bayern; nur die östreichischen Vorkommnisse weichen nament-
lich durch das Auftreten von Kieselsäure als Menilith etwas ab.
Man kann die Amphisyle-Schichten als einen mehr oder weniger
dünnschieferigen, bituminösen Mergelschiefer bezeichnen. Der-
selbe hat eine graue, graubraune oder beinahe schwarze Farbe.
Er ist im frischen Zustande ganz weich und biegsam und lässt
sich in ungemein dünne Blättchen spalten; nach dem Aus-
trocknen wird er ziemlich hart und nimmt eine hellere Farbe
246
an. Beim Erhitzen verbreitet derselbe einen starken bituminösen
Geruch. Es liegt eine quafa'tative Analyse des Fiscbschiefers von
Froide-Fontaine vor, welche von Herrn Chb. Mook auf
Veranlassung von Herrn Muston gemacht wurde*. Es fanden
sich namentlich Calcium und Aluminium, eine nicht unerheb-
liehe Menge von Eisen, sowie Spuren von Kalium und Natrium.
Von Säuren wurden neben Kohlensaure und Kieselsäure Spuren
von Schwefelsäure und Salzsäure nachgewiesen. Ausserdem fand
sich in nicht erheblicher Menge Bitumen.
Oestreichische Fischschiefer.
Es ist hier nicht geeignet, auf die östreichischen Fisch-
schiefer näher einzugehen, zumal da ich dieselben nicht aus
eigener Anschauung kenne. Ich will nur erwähnen, dass man
in Oestreich 2 verschiedene Horizonte mit Meletta unterscheidet,
von welchen der ältere durch Meletta crenata und Amphisyle
gekennzeichnet ist, wähi*end sich in dem anderen jüngeren
neogenen Fischschiefer namentlich die Meletta sardinites findet.
Nur die ersteren können hier zum Vergleich herangezogen
werden. Man hat dieselben auch Smilno-Schiefer oder Menilith-
Schichten nach dem darin vorkommenden Menilith genannt. Ihre
Schichten sind im Gegensatze zu den jungtertiären Fischschiefern
meist aufgerichtet und zeigen nicht mehr ihre ursprüngliche
Lagerung. Der Verbreitung in Schlesien, Mähren und Galizien
wurde schon gedacht, und ebenso das mehr isolirte Vorkommen,
welches Stub in Steiermark bei Wurzenegg und Prasberg
nachwies, erwähnt. Die Smilno-Schiefer bilden das zweite pe-
troleumführende Niveau der Nord-Karpathen (Ropianka, etc.),
während im Elsass die Petroleumflötze tiefer liegen und noch
1. MosTON. Notices g^ol., pg. 79, 188i. Montb^üard.
247
nicht in den, wie es scheint, nicht sehr mächtigen Amphisyle-
Schiefern beobachtet wurden. In den tiefsten Schichten des
gleichalterigen Septarienthons hingegen fand ich im Unter-Elsass
bei Drachenbronn noch kleine Bitumensandflötze.
Die Fauna der östreichischen Amphisyle-Schichten war
früher schon zum Theil durch Heckel bekannt geworden und ist
neuerdings von Ebambebgeb eingehender studiert und vervoll-
ständigt worden. Derselbe gelangte zu dem Besultat, dass die
Fauna der Earpathen-Fischschiefer (namentlich von Baschka)
noch am meisten Aehnlichkeit mit der obereocänen Fischfauna
von Glarus besitzt, dass aber der Totalcharakter der ersteren
jedenfalls ein etwas jugendlicherer ist. Ob die östreichischen
Fischschiefer absolut gleichalterig mit denjenigen des Elsass
sind, lässt sich wohl noch nicht mit voller Sicherheit entscheiden;
es wäre möglich, dass dieselben eine grössere Zeitspanne um-
fassen und noch tiefer, etwa bis in den Meeressand (Tongrien)
hinabreichen.
Zum Vergleich mit den rheinischen Amphisyle-Schichten
gebe ich nachstehende Liste von Karpathen-Fischen, wie sie
Ebambebgeb (Palaeontographica, Bd. 26 [1879 — 1880], pg. 67)
anführt ^ :
K Lepidopus leptospondylus Heck. sp. (Baschka, Kra-
kowiza, Neuhof, Nicolschitz.)
2. Lepidopus brevispondylus Heck. sp. (Baschka, Ofen
in Ungarn.)
3. Lepidopus dubius Heck. sp. (Baschka, Maunitz.)
4. Lepidopus (?) carpaticus Ebamb. (Baschka.)
5. Hemirhynchus Zitteli Ebahb. (Baycza bei Saybusch.)
6. Palaeorhynchum sp. Schwanzflosse. (Erakowiza.)
1. Ebenfalls za vergleichen ist bier Dr. D. Krambergeb, Bemerkungen
zur fossilen Fischfauna der Karpathen. Verhandlungen der k. k. geol. Reichsanstalt
1882, Nr. 7, pg. 111—114.
248
7. Gohius leptosomus Ebamb. (Baschka.)
8. Gohius macroactus Ebamb. (Wola radiziszowska.)
9. Amphisyle Heinrichi Heck. (Krakowiza.)
10. Merliicius elongaitis Kb,amb. (Baschka, Krakowiza.)
11. Merlucius latus Ebamb. (Baschka.)
12. Meletta longimana Heck. (Krakowiza, Maunitz,
Nikolsburg.)
13. Meletta crenata Ei^ck. (Baschka, Na Bykowca, Za-
kliczyn.)
14. Meletta sardinites (?) Heck. (Wola radiziszowska.)
15. Leuciscus polysarcus Ebamb. (Baschka.)
Fischschiefer in Bayern.
Ueber die Fischschiefer an der Wernleitben bei Siegs-
dorf unfern Traunstein ist mir wenig bekannt. Sie lagern
nach Gümbel zwischen dem Meeressand und den Cyrenen-
Mergeln, und es sollen die schwarzen Schiefer von diesem Orte
petrographisch ganz mit denen des rheinischen Beckens nach
Angabe von Sandbebgeb übereinstimmen. H. y. Meyeb fand in
denselben Meletta-Schufipen (wohl M. crenata Heck.) und cha-
rakteristische ungetheilte Flossenstrahlen, wie sie auch bei Ham-
merstein und Ni er stein vorkommen*. Gümbel erwähnt Pa-
laeorhynchum sp. nov. (Bayr. Alpengeb. 1861, p. 700.)
Fischschiefer am Oberrhein.
Die oberrheinischen Fundstellen von Amphisyle -Schichten
sind zahlreich; ich kenne deren 10, die zumeist dem Elsass
angehören. Die Fischschiefer überlagern im Sundgau die Aequi-
valente des Meeressandes, d. h. die blaugrauen Mergel des
1. Wohl die gleichen Flossenstrahlen finden sich auch bei Bnchsweiler
im Ober-Elsass und bei Flörsheim; es sind vielleicht die radii branchiostegi Ton
Palaeorhynchum? nach Rzehak.
249
Tongriens, wie dies namentlich bei den erst neuerdings auf^
gefundenen Fischschiefern von Altkirch keinem Zweifel unter-
liegt. Die Fischschiefer finden sich jedoch auch auf dem Me-
lanienkalk südlich von Mälhausen, den sie direkt bei Unter-
Magstatt, Landser und Ober-Steinbrunn zu überlagern
scheinend Auf dem obereocänen Melanienkalk wurde bisher
keine Spur von Meeressand bemerkt'. Andere als diluviale
Schichten fanden sich nur bei Ober-Steinbrunn über den Fisch -
schiefern, indem nach Angabe von Delbos die Blättersandsteine
von Habsheim — Bixheim hier an ihrer Basis in Schichten
übergehen, welche petrographisch mit den Amphisyle-Schichten
stimmen, jedoch keine Fossilien geliefert haben.
Das nördlichste Vorkommen ist dasjenige von Aue, welches
schon auf pg. 103 und 228 besprochen wurde. Es scheint, dass an
dieser Stelle die Fischschiefer mit Mergeln, welche dem Septarien-
thon ähneln, wechsellagern und nicht scharf davon zu trennen sind,
wie im Mainzer Becken. Aus einer der kleinen Gruben, in welcher
Fischschiefer gewonnen wurden, konnte ich auch etwas mehr
plastische, graue Mergel entnehmen. Dieselben enthielten eine
viel reichere Foraminiferenfauna, welche ganz an diejenige der
schon besprochenen, aus anderen naheliegenden Gruben ge-
wonnenen Mergel von Aue erinnerte. Es scheint also^ als ob
der Beichthum an Foraminiferen hier sehr von der petrogra-
phischen Beschaffenheit der Mergel abhängt, und während die
bituminösen Mergelschiefer mit Fischresten in ihrer typischen
Ausbildung nur eine spärliche Fauna aufweisen, so beherbergen
die gleichen Schichten, wenn sie eine weniger schieferige, mehr
1. Die genauere Beschreibung dieser Fundstellen findet sich in Delbos und
K(ECRLiN-ScHLiiMBERG£R, DescHption göol. du d^p. du Haut-Rhin, B. II, pg. 70—71.
2. Die Blättersandsteine von Habsheim— Rixhe im dürfen wir nicht als
Aequivalent des Meeressandes ansehen, da sie nach Delbos über den Fischschiefern
liegen sollen. Sonst wäre man versucht, sie mit den badischen Blattersandsteinen
vom Alter des Meeressandes zu parallelisiren.
250
plastische Beschaffenheit annehmeu , sogleich eine abweichende
und reichere Fauna. Die grauen schieferigen Mergel von Gue-
wenheim sind zwar nicht ganz typisch entwickelt und haben
nicht in der Menge, wie diejenigen von Aue, Meletta-Schuppen
und Pflanzenreste geliefert, schliessen sich aber durch ihre Fo-
raminiferenfauna , die allerdings ungewöhnlich reich ist, doch
noch so nahe an die Fischschiefer an, dass ich dieselben einst-
weilen hierher steUe.
Ihre westliche Grenze erreichen die Fischschiefer bei
Froide-Fontaine. Sie stehen dort auf einem ganz kleinen Fleck
nahe an dem genannten Dorfe zu Tage an, konnten aber unter
dem Diluvium im ganzen Thal der Allaine (vall^e de St. Nico-
las) verfolgt werden, wo sie Muston bei Charmois, Eschene
und Bourogne nachwies. Nach der Angabe dieses Autors lagern
die Fischschiefer auf tongrischer Molasse auf, welche wir, wo
dies der Fall ist, als Aequivalent des Meeressandes ansehen
können. Ferner scheint es, dass sich in der Gegend von Mont-
b^liard ächte Gyrenenmergel finden, welche Gustalet als sandig-
mergelige Facies der Fischschiefer mit Cyrenen und Ceriihium
plicatum betrachtet. Es wäre nach Analogie des Mainzer Beckens
anzunehmen, dass diese Schichten fiber dem Fischschiefer folgen,
wäre aber auch möglich, dass an dieser Stelle keine scharfe
Trennung zwischen Mittel- und Oberoligocän stattfindet, und dass
die Cyrenen in tiefere Horizonte hinabreichen.
Der von dem vorigen am weitesten entfernte östlichste Fund-
punkt für Fischschiefer am Oberrhein ist Hammerstein unweit
Lörrach im Badischen. Nach Sandbeboeb liegen die dortigen Fisch-
schiefer über den Aequivalenten des Meeressandes, was mit den La-
gerungsverhältnissen im äbrigen Gebiete in vollem Einklang steht'.
I. Nach Schill sollen die Fischscbiefer von Hammerstein unmittelbar
über Bohnerzthonen (Ob. Eoc.) liegen; cf. Jahrbuch 1863, pg. 449.
251
Die am meisten nach Süden gelegenen oberrheinischen
Fischschiefer finden sich bei Brislach im Canton Solothurn,
ein Vorkommen, auf welches schon von Mebian kurz hinge-
wiesen wurde. Gbeppin gibt keinen weiteren Aufschluss über
die Lagerungsverhältnisse von Brislach und trennt die Am-
phisyle-Schichten ofifenbar nicht von seinem Tongrien. Einerseits
liegen mir in der GBUPPiN'schen Sammlung in Strassburg
gelbe Kalksandsteine mit Panopaea Eeberti Bosq. von Bris-
lach vor, welche mit Sicherheit zum Meeressand gehören; an-
dererseits verdanke ich der Güte des Herrn Dr. Kilian in Paris
Proben von typischem Fischschiefer von demselben Orte, welche
Schuppen der Meleita crenata Heck, enthielten. Da also bei
Brislach einerseits Meeressand (Tongrien), andererseits Am-
phisyle-Schiefer (Rup^lien) vorkommen , so möchte ich vermuthen,
dass auch hier die gleichen Verhältnisse der Ueberlagerung wie
anderwärts statthaben.
In der folgenden Liste sind die bisher am Oberrhein
beobachteten Fossilien der Fischschiefer zusammengestellt. Die
Fische sind meist von H. v. Meyeb, Saxjyage, Schimpeb und
Steikdachneb bestimmt und beschrieben worden. Die wenigen
Foraminiferen , mit Ausnahme der Clavulina carrugata Desh.,
füge ich als neu hinzu.
1. Hypaodon sp. Nach Angabe von Schimpeb bei Buchs-
weiler Ob.-Els. Von dieser Gattung, die nach Agassis
namentlich in der Kreide von Lewes und im London-
thon von Sheppy vorkommt, fand ich nichts unter dem
mir vorliegenden Material von Buchsweiler.
2. Cfybiwm sp. Nach Angabe von Schimpeb bei Buchs-
weiler Ob.-Els. Die Gattung findet sich nach Agassis
auch im Obereocän von Monte Bolca und im London-clay
von Sheppy. Ich habe in der Strassburger Sammlung
nichts dergleichen gefunden.
252
3. Pcdaeorhynchum latum Ag. Nach Angabe von
Steindachneb bei Froi de -Fontaine. Die Art gehört
dem obereocänen Fiscbschiefer von Glarus an.
4. Amphisyle Seinrichi Heck. Nach der Bestimmung
von Steindaghneb. Bei Froide-Fontaine, Bachs-
weiler Ob.-Els., Hammerstein. Die Art ist an den
beiden ersten Orten recht häufig gewesen, während
sie sich im Mainzer Becken seltener findet, und von
Krakowiza in Galizien nur das eine HECKEL'sche
Originalexemplar (welches sich in Brfinn befindet) be-
kannt geworden ist. Die Amphisylen von Buchsweiler
und Froi de- Fontaine erreichen eine viel bedeutendere
(fast die doppelte) Grösse wie das östreichische Exem-
plar. Die Stücke von Flörsheim* hingegen, welche
ich mit denjenigen von Buchsweiler vergleichen
konnte, stimmen ganz mit denselben überein und sind
nur ein wenig kleiner. Amphisyle Heinrichi ist mit
Ausnahme der A. longirostris Blainv. (Ittiologia Ve-
ronese, Taf. 63, fig. 2) die einzige fossile Art der
Gattung. Lebend existiren noch 3 Arten, welche die süd-
asiatischen Meere bewohnen : A. scutata L. (Ost-Indien,
China), A. punctata (Mozambique), A, strigata (? Ost-
Asien).
5. MhineUtis SchiUi H. v. Meyeb« Von Hammerstein.
(Jahrb. 1863, pg. 449.)
6. Meletta crenata Heck. Froide-Fontaine, Buchs-
weiler Ob.-Els.,Nieder-Magstatt; vereinzelte Schup-
pen (?) Brislach, Altkirch, Hammerstein, Aue.
1. Zwei Exemplare von Amphisyle von Flörsheim wurden mir gütigst durch
Herrn von Malzan in Frankfurt zum Vergleich überlassen; andere befinden sich in der
Sammlung des Senken bergischen Institutes.
253
7. MeleUa langimana Heok. {= M. Eeckeli Rzehak.)
Froide-Fontaine.
8. MeleUa PwtisoU Sauv. (Wird von Rzehak nicht als
artberechtigt angesehen.) Sie ist wohl nur eine Varietät
der vorigen. Froide-Fontaine.
9. Meleüina Sahleri Sauv. sp. (Wird von Rzehak zu
Mekitina gestellt.) Froide-Fontaine.
10. Melettlna sp. Nach Rzbhak bei Nieder-Magstatt.
11. Lam^ia contordUens Ag. Froide-Fontaine. Nach
Steindaohneb.
12. Oxyrhina hoMalis Ag. Froide-Fontaine. Nach
Steindaohneb \
13. Cyftierea splendida Meb. Bei Froide-Fontaine
nach Muston.
14. Cyrena aemisttiata Desh. Bei Froide-Fontaine
nach Muston.
15. Clavulina conragata Desh. Dieselbe wurde nach
Muston früher bei Froide-Fontaine in grosser Menge
gefunden*.
16. Zagena catenvlataVfnA^ (Williams on the rec. brit.
spec. of the gen. Lagena in an. and mag. of nat. hist., II.
ser., Vol. I, pg. 19, Taf. II, fig. 20. — Reuss, Mo-
nograph. d. Lagenideen. Sitzungsber. 1862, pg. 332,
Taf. VI, fig. 75—76.) Die Brislacher Form stimmt
1. Rzehak (I. c.) sah ferner noch in der KcscHLiN'schen Sammlung grosse
Pereoidenschuppen, ferner Schuppen eines Barbus, ähnlich denen, die er von mäh-
rischen Fundorten besitzt. Sehr grosse vereinzelte Schuppen, die vielleicht auch zu
Perca gehören, finden sich im Fischschiefer von Flörsheim bei Mainz.
2. Ich habe die Art nicht erhalten liOnnen, und als ich Herrn Huston in
Montb^liard besuchte, war derselbe leider so krank, dass er mir seine Sammlung
nicht zeigen konnte. Im Museum von Montböliard sah ich die Species nicht.
254
mit der Abbildung fig. 75 bei Rbübs und zeigt
ebenfalls nur 72 Längsrippen, so dass sie zu den
grobgenetzten Formen der obigen Art gehört, welche
noch jetzt an den Küsten von England und Norwegen
lebt. Brislach, selten.
17. Fisstirina globosa Rss. Brislach, selten.
18. JüTonionina BuxotyUlana n. sp. Tf. XI, fig. 3, a, h.
Das spiraleingerollte gleichseitige Gehäuse ist ziemlich
stark comprimirt und zeigt meist an 1 0 schmale, durch
bogige und tiefe Nähte getrennte Kammern. Der Rücken
ist ziemlich spitzwinkelig, aber nicht gekielt. Auf bei-
den Seiten befindet sich eine schwache mediane, nabel-
artige Vertiefung. Die Mündung war nicht zu sehen.
Die Schale ist glatt, glänzend und ungemein fein
punktirt. Die Grösse beträgt meist 0,25 mm. Ziemlich
selten bei Buchsweiler. Sehr selten bei Brislach,
Guewenheim und Aue.
19. Poly^norphina sp. Sehr ähnlich der Abbildung,
welche Tebquem (For. de l'^oc^ne de Paris, M6m. Soc.
g^ol. de Fr. 1882), PI. XXII, fig. 38, von der P. prae-
longa Tebq. gibt. Da mir jedoch nur ein Exemplar
von Brislach vorliegt, so ist die Identification mit der
sehr variablen Form des Pariser Beckens unzulässig.
20. Uvigerina sp« Ein einziges nicht sehr gut erhaltenes
Exemplar von Aue.
21. Virgulina Mustoni n, sp. Tf. XI, fig. 4, a, 6. Das
Gehäuse ist spitzkäulenförmig, nicht zusammengedrückt
und misst 0,6 mm. Es besteht aus zwei Kammer-
reihen, die spiralig umeinander gedreht erscheinen,
während die Kammern durch flache, aber deutliche
Nähte getrennt sind. Die Schale ist glatt, glänzend
und äusserst fein punktirt. Die Mündung besteht aus
255
einer senkrechten Spalte, wie bei den Virgulinen und
Bolivinen. Die Art unterscheidet sich leicht von der
F. Schreihersi Cz. schon durch ihre nicht comprimirte
Form, ihre flacheren Nähte und ihre kürzeren breiteren
Kammern. Sehr selten, Froide-Fontaine.
22. Sphaeratdina variaiMis Rss. Froide-Fontaine.
2 3 . Globigerina bidloides d'Obb. Guewenbeim (häufig),
Froide-Fontaine, Brislach.
24. Tmncatulina Wetnkmiffi Ras. Brislach, selten.
25. Tim/ncattUina a/mphisyliensis n. sp.Tf. X, fig. 30,
a, 6, c. Die kleine Art zeigt Verwandtschaft zur 2V. subloba-
iula GuMB. von Kressenberg. Das Gehäuse ist höchstens
0,2 mm gross, auf der Nabelseite stark gewölbt, auf
der anderen Seite flach oder sogar concav eingesenkt.
Es sind lYt Umgänge vorhanden, die sehr schnell an
Breite zunehmen. Es sind auf der Nabelseite 8 Um-
gänge sichtbar, und der Nabel wird meist von einer
kleinen, blasigen Schalenverdickung bedeckt. Die Kam-
mern sind auf der flachen Seite gerandet und lassen
sich in der Mitte nicht mehr deutlich von einander
unterscheiden. Die Schale ist glatt und glänzend und
zeigt namentlich auf der flachen Seite eine grobe
Punktirung. Die Mündungsspalte ist ziemlich breit und
sehr kurz, sie liegt nahe an der peripherischen Kante.
Unsere Art unterscheidet sich von T. sublobatula Gühb.
schon durch ihre breiteren und in grösserer Zahl vor-
handenen Kammern. Sie findet sich bei Guewen-
beim, Aue, Buchsweiler, Froide-Fontaine.
26. JPidvinulina Kiliani m sp. Tf. XI, fig. 1, a, b, c.
Die in den Fischschiefern von Brislach häufige Form
erinnert in ihrer Gestalt ein wenig an P. pygmaea
y. Hantk., welche sich im elsässer Septarienthon fand,
256
weicht jedoch schon allein durch ihre breite Nabel-
ausfüllung ab. Das Gehäuse ist auf beiden Seiten
massig gewölbt, auf der Nabelseite etwas stärker als
auf der anderen und ermangelt eines scharfen peri«
pherischen Kiels. Es sind 3 Umgänge vorhanden, die
an Breite wenig zunehmen; sie lassen eine grosse An-
zahl von Kammern erkennen, welche durch schiefe
und sehr deutliche Nähte getrennt werden, und welche
an der Peripherie etwas bogig gerundet sind. Die
Seite mit der breiten öfters undeutlich körneligen
Nabelausfüllung zeigt 8 — 10 Kammern. Die Mündung
bildet einen ungemein feinen Spalt an der Innenseite
der letzten Kammer. Die Schalenoberfläche ist fein,
aber gut kenntlich und deutlicher als bei P.pygmaea
punktirt. Der Durchmesser beträgt 0,s — 0,s5 mm.
Brislach, Buchsweiler.
27. JPulvinvlina nonioninoides n. sp. Tf. XI, fig. 2,
a, h. Das in einer Ebene Spiral aufgerollte Gehäuse
ist beiderseits fast gleich ausgebildet, wie bei den
Nonioninen. Es zeigt 8 — 9 Kammern, welche durch
tiefe Nähte von einander getrennt werden. Dasselbe
ist etwas zusammengedrückt und auf beiden Seiten
wird die Nabelvertiefung von kleinen Körnchen aus-
gefüllt. Die Mündungsspalte war in den meisten Fällen
an dem sehr kleinen 0,2 mm messenden Schälchen
nicht wahrzunehmen; bei einzelnen Exemplaren be-
obachtete ich jedoch, dass dieselbe nicht genau central,
sondern etwas seitlich gelegen ist. Trotz der grossen
Aehnlichkeit mit den Nonioninen, speciell mit N. gra-
nosa d'Obb., glaube ich die Art doch wegen der
schwachen Ungleichseitigkeit, die in der Lage der
Mündung hervortritt, zu den Pulvinulinen stellen zu
257
müssen*, mit welchen sie auch in der sehr feinen
Punktirung übereinkommt. Buchsweiler, Brislach,
Guewenheim, an dem letzteren Orte selten.
28. Botalia sp. ined. Eine sehr kleine unscheinbare Art
von meist 0,i mm Durchmesser. Altkirch.
29. 2%erriZinaafoaffcain. Guewenheim, Buchsweiler.
30. JRotaZia Soldanii d'Orb. Ich bin genöthigt, die bei
Brislach vorkommenden Formen wegen ihrer kurzen
und hoch gelegenen Mundspalte und ihrer flachen
Gestalt zu der obigen Art zu stellen. Sie scheint die
JS. Girardana Rss. des Septarienthones in der Meletta-
Facies zu vertreten. Brislach, Buchsweiler Ob.-Els.
31. JBolivina Beyrichi Rss. Guewenheim.
32. Bolivina meleUica n. sp. Tf. XI, fig. 6. Die Bo-
livinen, welche sich relativ häufig in den Schlemm-
proben der Meletta- Schichten finden, gehören zur
Gruppe der B. Beyrichi Rss. und nähern sich einiger-
massen den Formen , welche Eggeb aus dem Miocän
von Ortenburg als B. antiqua d'Obb. abbildete,
sind jedoch stärker comprimirt Das Gehäuse hat eine
sehr verlängerte ovale Gestalt, ist unten mehr oder
weniger zugespitzt, seitlich zusammengedrückt, aber
nicht scharf gekielt. Die Nähte sind meistens, und
zwar namentlich in der Mitte, nicht sehr deutlich
und werden öfters erst bei dem Aufhellen durch Gly-
cerin besser kenntlich. Es sind jederseits an 12 Kam-
mern vorhanden, welche eine sehr schiefe Stellung
zeigen. Seitlich gezackte Formen, wie diese durch
eine mehr horizontale Stellung der Kammern bei
1. Das vereinzelte Auftreten sehr ähnlicher aber stärker angleichseitiger Formen
im elsässer Septarienthon ^arnt ebenfalls vor der Vereinigung der obigen Form mit
Nonionina,
m. 17
258
B. Beyrichi zustande kommen, habe ich hier nie be-
obachtet. Die Schale ist ziemlich grob und unregel-
mässig puuktirt. Die Länge beträgt 0,4 — 0,5 mm. Es
scheint als ob diese Species die B. Beyrichi in den
Fischschiefern fast ganz vertritt. Sie findet sich bei
Buchsweiler, Froide-Fontaine, Brislach, Aue,
Altkirch und Guewenheim.
33. Casaidulina oblonga Rss. Guewenheim, Buchs-
weiler.
Die Zwischenlagen von plastischem Mergel in den Fisch-
schiefern von Aue zeichnen sich durch eine reichere Foramini-
ferenfauna aus. Ich habe dieselben in der obigen Liste nicht mit
berücksichtigt und habe absichtlich nur die Foraminiferen aus
den Schlemmrückständen, welche petrographisch den Fischschiefer-
habitus besitzen, aufgenommen. Die Fauna der genannten Mergel
schliesst sich viel inniger an diejenige von Rodern, Aue und
Hartmannsweiler an, welche schon, eingehend besprochen
wurde. Ich beschi*änke mich daher auf die Angabe, dass sie im
Wesentlichen übereinstimmen, dass jedoch die Agglutinantia,
Nodosarien und Cristellarien nur sehr sparsam vorhanden sind,
und dass die Milioliden und Cornuspiriden zu fehlen scheinen.
34. Sabal oayyrachis Stebnb. sp. Froide-Fontaine.
Nach MüSTON.
35. Bfuc€Uyptus oceanica üng. Froide-Fontaine.
Nach Muston.
36. Sphaerococcüides nmltlfidus Brono. sp. Nieder-
Magstatt. Nach Delbos. (= Zonarites multifidus,)
37. Ceramites KoecIUini Heer. Nieder-Magstadt.
Nach Dslbob.
38. Hini€mth€UiaaniphiaylaruniScmKP,Buch8Yi eiler
Ob. -Eis. Nach Schimpeb. (T. d. pal. v^g. I, 190.)
269
39. Ohara sp« Ich fand eine nicht sehr gut erhaltene
grosse Gharafrucht im Schlemmräckstand von Brislach.
Nach MuBTON (1. c. pg. 82) fanden sich bei Bourogne
und Eschene in einer Tiefe von 10 m Baumstämme im Fisch-
schiefer. Unbestimmbare kohlige Pflanzenreste beobachtet man
ferner an den meisten Fischschieferfundpunkten.
Fischschiefer im Mainzer Becken.
Am Mittelrhein wurde die Ämphisyle Heinrichi an 2 Stellen
gefunden, bei Nierstein in Rheinhessen und bei Flörsheim
unweit Mainz. Die Versteinerungen von dem ersten Funkte
stammen aus einem Schacht, der am Hipping abgeteuft wurde.
Das ausgebrachte Gesteinsmaterial soll ganz das Aussehen der
Fischschiefer gehabt haben und zeichnete sich namentlich
durch das Vorkommen eigenthümlicher feinschaUger Pteropoden-
formen aus, die in Menge plattgedrückt auf den Schichtflächen
beisammen lagen und von Ludwig als Teniaculites maximus ab-
gebildet und beschrieben wurden.
Der AufiBchluss bei Flörsheim ist schon seit längerer
Zeit ausgebeutet worden und ist noch jetzt zugänglich; in Folge
dessen ist eine grosse Zahl von Fossilien aus demselben be-
kannt geworden, nach welchen man ihn mit gleichem Rechte
zum Septarienthon wie zum Fischschiefer stellen kann. Ich habe'
mich vergeblich bemüht, in den grossen und tiefen Lettengruben
irgend eine Grenze zwischen den schiefrigen und weniger
schiefrigen Mergeln mit den Gjrpskrystallen zu finden. Auch
habe ich mich davon überzeugt, dass in beiden die Leda De-
hayesiana und in beiden Fischreste vorkommen; letztere sind
allerdings an der Basis der tiefsten, westlichen Grube am
häufigsten. Die an dieser Stelle entnommenen Proben gleichen
vollständig denen von Buchsweiler im Ober-Elsass und zeigen
260
in ihrem Schleminrückstaiide die qiirliche Ueine FonnunifereiH
fauna der Meletta-Schichten.
Nachstehend ist die Faana and Flora der Kschschiefer
des Mainzer Beckens, soweit sie bisher bekannt ist, angefahrt,
and zwar Tomehmlich nach den Angaben yon Bottges,
y. Fbitsch, Gktleb, H. y. Metxb, Lübwio, Koch and Sajtd-
1. AmphisyU Heifmchi Hkck. Zaerst Ton Th. Gktlss
bei Flörsheim nachgewiesen. Flörsheim, Xierstein.
2. Meletta cf. crenaia Heck.* Nierstein.
3. Mdeüa cl longimana Heck. Nierstein.
4. Lamna euspidaia Ao. Flörsheim.
5. Lamna contorüdens Ao. Flörsheim.
6. Lamna deniictdaia Ag. Flörsheim.
7. Noiidanus primigetäHS Ao. Flörsheim.
8. Notidanus recurrus Ao. Flörsheim. Nach gütiger
Mittheilang des Herrn Dr. KixKKLni in Frankfurt nfM.
Eine Art ans der Molasse von Baltringen.
9. Spkyraenodus sp. Flörsheim. (Nach Lepsius)'.
10. Croeodilus sp. Zähne and Platten. Flörsheim.
11. Trionyz (?) sp. Flörsheim.
12. HaUtherium Schimi Kaüp. Flörsheim nach Angabe Ton
Lepsius (Mainzer Becken 1883, pg. 72).
1. Meletta s)i. ludet sidi nacb ILoci (L c pg. 14) iQck im Sphaerosiderit
TOD B recken heim im TaoDUS.
2. Ausserdem noch Reste Ton versdiiedenen KoocfaenisdieB, z. Th. sehr
grosser Arten, welche in letzterer Zeit nicht selten gefonden wordeB. Das llaterial,
welches kh sammelte, ist leider sehr nDgenogend; ich legte dasselbe dem nerra
Dr. DoDEiLEiN in Strassburg iw, welcher der Ansicht war, dass wahrscheinlich
Trichioriden und Seomberoiden daninter seien. Einzelne Reste (Fragment eines
Kdrperstückes und Kiemenhaatstrahlen |f|) scheinen mir auf Palaeorhffnckum hin-
zudeuten.
261
13. Coeloma taunicum H. v. Mbteb. Flörsheim (Lefsius,
pg. 72). Koch führt nur Coeloma sp. an. (K. v. Fbitsch,
Zeitschrift der d. d. g. G., Bd. XXIII, pg. 690—691).
14. Ccdianassa Michelotü Milne-£dw. Flörsheim.
15. Entomostraceen bei Flörsheim und Nierstein nach
BÖTTGEB.
16. Chenopus speciosus Schlth. sp. Flörsheim.
17 . Pleurotoma turbida Sol. Flörsheim.
18. Pleurotoma Selyim de Eon. Flörsheim.
19. Leda Dehayesiana Duch. Nierstein, Flörsheim.
20. Nucula Chasteli Nyst. Flörsheim.
21. Nucula aS.piligera Sandb. Flörsheim (nach Böttgeb).
22. Lucina ienuistriata Heb. Flörsheim, Nierstein.
23. Biplodonta fragilis A. Bbaun. Ni er st ein (nach
Ludwig).
24. Corbula gibha Oliv. Flörsheim.
25. Tentaculites (?) maximus var. laxeannulatus Ludw.
und var. dense-annulatus Ludw. Nierstein. (Pal. XI,
pg. 318, Tf. 50, fig. 21—22.)
26. Oaudryina siphoneUa Rss*. Flörsheim^
27. Plecamum carinatum d'Obb. sp. Ni er st ein.
28. Nodosaria (Dentalina) soluia Rss. Flörsheim.
29. Nodosaria {Dentalina) dispar Rss. Flörsheim.
30. Nodosaria {Dentalina) 2 spp. Nierstein.
31. Glandulina laevigaia d'Obb. var. inflata Bobn.
Flörsheim.
32. Frondicularia sp. Nierstein.
1. Die mit * versehenen Arten sind neu hinzugefügt.
262
33. CrisUUma Bötiffoi Bn. Flörsheis.
34. Pulkmia c^m^essnuaüa Bai. {gamqmdeitmim BSl)
Flörsheim.
35. PolymorpÜma (Glo^imd) sp. Kiersteia.
36. TurrJ'ha ahaiica m* Flörsheim.
ST. Eola^ii Girardina Bss. XiersteiB.
35. Boiilia SolJjni d'Osb.^ Flörsheim. Fiitrrif Eiern-
p!are nihem ach schon etv» der JB. Girariamm,
zeigen ^ber coch ei::e reliliT knrze MnndtKSE^ilte.
39. i\fJrtW^7/«3 moKk'ommoidss m.^ Flörsheim.
40. Pitirfh^ti'na dot. ^. ined.^ Flörsheim. Tervnadt
der P. iro^.hformis m. Ton Lobsann, jedoch iifhrr
ncd mit einer grösseren Kammenahl «12) aaf der
Xabclseite.
41. Tntmcatmli'ßij amjJii^Hfli^nsis m.^ Flörsheim.
42. Tntncjaluuh'i U^k^triiha d'Obb. sp. Xierstein.
43. TrviK3fw4Vii.j ireüivjvfi Bss.* Flörsheim.
44. JBo^'tA/i m^liTTicj BL* Flörsheim.
45. B&uri^a Bf «mrii Bss.* Flörsheim.
46. 02spij)ä^r%a o^^om^j Ess.* Flörsheim.
47. C-yrKityjirj mroh'TWtS Bss. Flörsheim.
45. Tn^'>c^?J9iH2 t-miHK^tywfa BsB. Flörsheim.
49. ^**^ik7.>^iuV*.a sp. Xierstein.
XachsiebezJe Fä&nzen sir-d bisher Ton Flörsheim, Dank
den ULteiscchTirzen Ton Th. Gx:ti.sx l-ekannt grvorden*:
50. Dil^^ssfr\U^ sj^2/iri^:c^:C'i- 52. Xy^'jtmiUs sp.
d^s Ett. 53. Z^y&inoi ^.
51. £riM7«kri-'7-j ««»j^rf »7..2rsrfK 54. Xfr^^^^intf aoSr^ruMnld!»
SCHIMP. EVT-L,
263
55. Sequoia Stemhergi Ung.
56. Finus sp.
57. P. palaeostrohus Ett.
58. ChamaecyjparisHardtiEjSBij.
59. Podocarpus eocaenica Ung.
60. Ephedrites Sotzhianus Ung.
61. Casuarina Haidingeri Ett.
62. Myrica acuminata Ukg.
63. Populus sp.
64. P. Heliadum Ung.
65. Carpinus producta \]^G.
66. Quercus sp.
67. Q. lonchiiis Ukg.
68. JFVcu5 sp.
69. Artocarpidium olmediaefo^
lium Ung.
70. (7mnam(7mtim^o7^m(7i27£uii]
Al. Bb.
11. C. Scheuchieri Ung.
12. C. lanceolatum Ung.
73. (7. Bossmaessleri Hbeb.
74. Laurus Ldlages Ung.
Ib. L. primigenia Ung.
76. Hakea sp.
H.H. plurinervia Ett. ?
78. DryandraBrongniarti Ett.
79. Df'yandroides hdkeaefolia
Ung.
80. Z). angusiifolia Ung.
81. Banksia Ungeri Ett.
82. JS. longifolia Ung.
83. Persoonia Daphnes Ett.
84. ^nc&'om^da sp.
85. Ä.protogaea Ung.
86. Vaccinium acheronticum
Ung. ? [Bb.
87. DiospyrosbrachysepälaAij,
88. TTmwanwwi microphyUa
Ett.
89. Nytnphaea sp.
90. Nelumbium Casperianum
Heeb.
91. Tetrapterys harpyiarum
Ung.
92. Banisteria Haeringiana
Ett.
93. Domheyopsis grandifolia
Ung.
94. StercuUa lahrusca Ung.
95. Ceanoihus zizyphioides
Ung.'
96. (7. lanceolaius Ett.
97. PerwÄ Euphemes Ung. ?
98. P. troglodytarum Ung.
99. Eugenia HaeringianaV^Q.
100. Eucalyptus Haeringiana
Ett.
101. £. oceanica Ung.
102. Phaseolites ertosemaefo-
lium Ung.
103. Cassia hyperborea Ung.
104. C. phaseolites Ung.
105. Acacia sp.
106. ^. SoUfkiana Ung.
1
264
#
Blättersandstein von Habsheim mit Meletta-SohnppeiL
Der Blättersandstein von Habsheim, ,,gr^s ä feuiUes' von
Delbos und E(EOhlin-Sghlümb£BGeb, ist eine Bildung von
ganz localer Verbreitung und findet sich nur auf dem Melanien-
kalkmassiv südlich von Mülhausen, welches von demselben im
Süden und Osten bedeckt wird (cf. pg. 67). Ich war nicht so
glücklich, bei meinen Excursionen um Mülhausen irgend welche
neue Beobachtungen in Bezug auf den Blättersandstein machen
zu können und gebe daher der Vollständigkeit halber nur einen
kurzen Ueberblick seiner geologischen Verhältnisse nach Delbos
und EcEGHLiK-ScHLUMBSBGEB (Dosc. du d^p. du Haut-Rhin,
n, pg. 73—78).
Der Blättersandstein besteht gewöhnlich aus einem weichen,
gelben Kalksandstein mit vielen Muscovitschuppen und besitzt
ein ziemlich feines Korn. Es finden sich in demselben öfters
Lagen von schiefrigem Mergel eingeschaltet, welche in seltenen
Fällen Mektta - Schuf ^en enthalten, so bei Habsheim,
Eschenzweiler etc. Der Blättersandstein überlagert den Me-
lanienkalk an einer Stelle bei Nieder-Steinbrunn direct und
zeigt hier namentlich in seinen oberen Lagen schiefrige Mergel,
die jedoch eine hellere Farbe als die JfeZe//a-Schichten haben
und in geringerem Maasse schiefrig sind. An einer anderen Stelle^
zwischen Ober-Steinbrunn und Walbach, geht der Blätter-
sandstein hingegen an der Basis, wie schon .erwähnt wurde
(pg. 248), in dunkle Mergelschiefer über, die wohl mit den
Fischschiefern identificirt werden müssen. Aus alle dem geht
hervor, dass wir den Blättersandstein als eine ungefähr mit den
Jlfe2e//a-Schichten gleichalterige Bildung anzusehen habend Wir
1. Delbos vergleicht den BUttersandstein von Habsheim mit demjenigen
von Delömont (Oberoligocün). Auch Bleicher spricht denselben als Oberoligocän
an. Bull. 80C. g^ol. 4. Fr. 1880.
265
dürfen denselben daher wohl noch nicht in das Oberoligocän ver-
weisen, zu welchem ich die allerdings sehr mangelhaft bekannten
Blättersandsteine der Strassburger Gegend (Truchtersheim)
rechnen möchte.
Der petrographische Charakter aller tertiären Blättersand-
steine im Elsass ist natürlich ein sehr constanter, da dieselben
wohl sämmtlich ihr Material aus dem Yogesensandstein ent-
nommen haben, und die Grösse des Kornes wohl lediglich von
der Länge des Transportes abhängig war. Es können daher nur
die organischen Einschlüsse — falls sie hinreichend sind — oder
die Lagerungsverhältnisse Au&chluss über das Alter geben. Ich
zähle nachfolgend die verschiedenen Blättersandsteine des Elsass
auf, um zu zeigen, dass fast in allen geologischen Niveau's des
elsässer Tertiärs diese petrographisch sehr ähnlichen Bildungen
auftreten :
1. Blättersandstein von Spechbach. Obereocän. Ohne
Cinnamomum. (Bildet höchst wahrscheinlich das tiefste
Niveau des Melanienkalkes.)
2. Blättersandstein von Schwabweiler Ut-Els. und
Hirzbach Ob.-Els. Unteroligocän. Mit schmalen Cinna-
fitomum-Blattformen. (Liegt an der Grenze der Petrol-
sandmergel und mariner tongrischer Mergel [Meeres-
sand] mit vereinzelten Foraminiferen.)
3. [Blättersandstein im Breisgau. Mitteloligocän. (Vom
«
Alter des Meeressandes nach Sandbebgeb.)]
4. Blättersandstein von Habsheim. Mitteloligocän. Mit
Meleiia-Schu^^en und schmalen Cinnamomum-Bl&ttern.
(Steht in Beziehung zu den Meleiia-Scldchten.)
5. [Blättersändsteinvon Del^mont(Develier dessus)
im Berner Jura. Oberoligocän. (Enthält vorwiegend grös-
sere und breite Cinnafnomum-BlaXÜormen.)].
6. Blättersandstein von Truchtersheim Ut.-Els. Ober-
266
oligocäiL Mit breiten Citmamammm^BbdÜotmem. (Steht
in Beziehong m den Mergeln mit Osina cyaAmla
Lajol im Ünter-Elsass.)
Der Blattersaodstein Ton Habsheim wurde bisher an
folgenden Orten im Elsass beobachtet: Habsheim, Rixheim,
Eschenzweiler, Schlierbach, Uffheim, Nieder-Stein-
brnnn, zwischen Nieder-Steinbrnnn nnd Bantzweiler,
zwischen Ober-Steinbrnnn nnd Walbach nnd bei Walbach.
Man kennt folgende Fossilien ans dem Blittersandstein
Ton Habsheim:
1. Mdetia langimana Heck. Xach Delbos.
2. Cinnamamum Scheuchzeri Heer. Xach Delbos.
3. Cinnamomum poljfmorphum A. Brk. Nach Delbos.
Diese Art liegt mir in schmalen Blattformen in mehreren
Exemplaren Ton Bixheim vor. TL V, fig. 3.
4. Cinnamomum lanceolatum Heer. Liegt mir von Bix-
heim Tor.
5. CinnamoMum sp. Terwandt dem C. lanceokUum^ aber un-
gemein lang und schmal wie ein Weidenblatt Bixheim.
6. Banksia sp. nnd andere Bkttfragmente von Bixheim.
267
Vn. Das Oberoligocän im Elsass
nnd in der Oberrheinebena
Bei der Behandlung des elsasser Oberoligocäns können
wir uns sehr kurz fassen, indem die hierhergehörigen Schichten,
welche in Bheinhessen und im Mainzer Becken in der Gjrenen-
mergel-Gruppe eine so grosse Verbreitung und reiche Gliederung
erlangen, im Elsass sehr zurücktreten. An einigen wenigen
Orten im Unter-Elsass, wie bei Kolbsheim und Truchters-
heim unweit Strassburg waren früher fossilreiche Cyrenen-
mergel aufgeschlossen; es ist jedoch jetzt an beiden Lokalitäten
so gut wie nichts mehr von den Tertiärschichten zu sehen, und
wir sind wesentlich auf die Angaben Daubbeb's über diese
Punkte sowie auf das sparsame Material angewiesen, welches
uns in der Strassburger Sammlung vorliegt.
Bei dem Orte Kolbsheim, am linken Gehänge desBreusch-
thales, bilden die Oligocänschichten einen Sattel, so dass sie an
dieser Stelle verhältnissmässig nicht tief unter der sonst sehr
mächtigen diluvialen Decke liegen. Man hatte daher hier in
früherer Zeit die tertiären Mergel in einer Grube biosgelegt,
welche jetzt allerdings, wieder eingeebnet und mit Löss bedeckt,
einen Weinberg bildet. Daubbee hat uns folgendes Profil (Descr.
pg. 191) des Kolbsheimer Tertiärs aufbewahrt:
1. Löss, von wechselnder Mächtigkeit.
2. Grünliche und blaue Thone mit Kalk und Mer-
geln wechselnd 10,oo m.
3. Sand und mürber Sandstein mit kalkigem
268
Cement. Derselbe enthält Mergelpartbien und
führt marine Conchylien 4,oo m.
4. Gelbe Mergel und mergeliger Kalk, in dünnen
(etwas gebogenen) Schichten wechselnd ... l,oo m.
5. Mergelige, blaugrüne Thone im Liegenden.
In einer Tiefe von 22 m wurden in einer 0,& m mäch-
tigen Schicht von bläulichem Thon im Hangenden des Sandes
nachfolgende Fossilien gefunden. Dieselben wurden von Alexak-
BEB Bbaun bestimmt und sind in Daubbee's Description etc.,
pg. 192, aufgeführt:
1. Cerithium plicatum BsoNa. Es liegt mir var. papilla-
tum Sandb. von Eolbsheim vor.
2. Cer. Lamarchi Bbonq. Liegt mir ebenfalls in Menge
vor. Hierher gehört auch das von Daubbee angeführte
Ger. incrustatum Schloth.
3. Ger. margarüaceum Bbocc. Die Art liegt mir in der
var. calcaratum Gbat. vor.
4. Cer. abhreviatum A. Bbaun. *
6. Ostrea cyafhida Lamk. Die zahlreichen typischen Schalen,
welche mir vorliegen, zeigen z. Th. aufgewachsene Ba-
lauen, und einige derselben sind von Mempranipora
hipunctata Schafh. überrindet*.
6. Cyihera cf. incrassata Sow. Ein nicht sehr schöner
Steinkem, der wohl zur obigen Art gehört, befindet sich
in der Strassburger Sammlung.
\, Obwohl ich auch der Ansicht beipflichten muss, dass Cer, abbreviatum
A;«. Brn. nur die durchschnittlich jQngere Brackwasserform des älteren Cer. JBoblc^ei
Desh. ist, und wir es daher wohl nur mit einer VarieUt oder Mutation zu thao
haben, so hielt ich es doch für zweckmässig, einstweilen noch die alte Benennung
für die so charakteristische Gyrenenmergelform beizubehalten.
2. Die Membranipora aus den Gyrenenmergeln des Mainzer Beckens, welche
zuweilen mit der M. düatata Rss. aus dem Senon identificirt wird, dOrfte zu der
gleichen Art gehören wie die obige.
269
7. Cyrena convexa BsoNa. (^ semisiriataD^^R.^ nach Ang.
von Sandbebgeb. L. und Sw. C. der Yorw., pg. 310).
Generisch werden ferner von Daubbee angeführt: Lucina,
Cardium, Teüina, Pßnopaea und Litorineüa. Der Schlemmrück-
stand einer Mcrgelprobe von Kolbsheim lieferte einige Ostra-
coden-Schälcben nebst den zahlreichen Bruchstucken von Cer.
Lamarcki, jedoch keine Foraminiferen.
Von pflanzlichen Ueberresten sind nur kleine Braunkohlen-
schmitzen und durch Eisenoxyd ersetzte Blatt- und Stengelfrag-
mente bekannt. In einem sehr zarten, hellen, gelblichgrauen Mergel-
stück der Sammlung fanden sich ausserdem kohlige Algenreste.
Durch das zahlreiche Vorkommen von Gerithien und durch
den gänzlichen Mangel an Foraminiferen documentiren die Kolbs-
heimer Schichten ihren brackischen Gharakter. Ihre Fauna,
sowohl wie ihre Lage mehr nach der Mitte des Bheinthales
lassen keinen Zweifel darüber bestehen, dass sie jünger als der
Septarienthon und den Gyrenenmergeln des Mainzer Beckens
gleichzustellen sind.
Das Vorkommen bei dem Orte Truchtersheim, nicht
sehr weit von dem vorigen entfernt, muss nach Daubb^b's An-
gabe viel Analogie mit dem eben besprochenen haben. 300 m
südlich vom genannten Orte fanden sich tertiäre Sandsteine und
Mergel, in welchen Voltz Gerithien beobachtete. Als ich die
Lokalität besuchte, konnte ich noch Spuren von einem sehr
mürben tertiären Sandstein mit kalkigem Gement constatiren,
welcher unmittelbar unter dem Löss anzustehen scheint, und
dessen Blöcke oft in den Weinbergen umherliegen. Dieser gleiche
Sandstein, welcher demjenigen von Kolbsheim entsprechen dürfte,
steht ferner unter dem Löss* des Glöckelsberges bei Bläsheim
1 . Es ist ferner bemerkenswert), dass der Löss zuweilen in seiner unteren
Parthie unregelinässig verUieilte, eckige und stark verwitterte Blöcke des obigen Sand-
steins enthalt.
270
an, wo er ebenfalls jetzt nicht mehr aulgeschlossene blaugraue
Mergel überlagert.
Von Fossilien ist mir nur Weniges aus der Gegend von
Truchtersheim bekannt. Ich habe nachfolgende Arten in
der Strassburger Sammlung gefunden:
1. CerithiumtnargaritaceumBuocc.ytLT. calcaratumGaAT.
Ittelnheim.
2. Cer. plieatum Bbong., var. papillatum Sandb. Itteln-
heim.
3. Ostrea cyaihula Lamk. Truchtersheim.
4. Serpula sp. auf einer Ansternschale. Truchtersheim.
5. Cinnamomum polymorphum Heeb., ziemlich grosse und
breite Blätter im Sandstein.
Die Cerithien stammen aus dem Alluvium von Ittelnheim
dicht bei Truchtersheim und sind offenbar aus den Cyrenen-
mergeln der. dortigen Gegend eingeschwemmt Die Blattreste
sind in einem Stücke des schon erwähnten (pg. 265) groben
und bröckligen Sandsteins enthalten, welcher sehr kalkig ist,
Muscovitschüppchen enthält und eine gelbe Farbe hat'.
Obwohl die Oberoligocänschichten jetzt fast nirgends mehr
anstehend zu beobachten sind, so ist doch aus dem Vorher-
gehenden zu ersehen, dass sie unter der meist sehr dicken
Diluvialdecke in der Kegel nicht fehlen und in ihrem unteren
Niveau wesentlich aus blaugrauen, an Cerithien reichen Mergeln
bestehen, während kalkige Sandsteine oft das Hangende bilden.
Das Vorkommen von Cerithien auf sekundärer Lagerstätte
im diluvialen Sandlöss bei Hönheim, unweit Strassburg, ist
wiederum hierfür eine Bestätigung. Es wurden mir von Herrn
1. Die übrigen Ton Dacbb^e im Anschluss an die Mergel von Kolbsheim
genannten Vorlcommnisse sind zweifelhaft, so die Mergel von Eichhofen und Dam-
bach, welche absolut fossilfrei sind und ebensowohl zum Unterollgocdn gehören
könnten. Di0 Thone von Niederbetschdorf und Surburg hingegen gehören nicht
zum Tertiftr und sind diluvialen oder sogar alluvialen Altera.
271
Dr. ScHiTMACHSB iü Strassburg Fragmente von folgenden Arten
mitgetheilt :
L Cerithium plicatum Bbong., var. papillatum Sandb.
2. Cer. Lamarcki Bbong.
3. Cer. margaritaceum Bbocc. Nur ein sehr mangelhaftes
Fragment.
4. Cer, abhreviaium A. Bbaun. Sehr grosses Exemplar.
In der Strassburger Sammlung befanden sich femer mehrere
Stücke eines blaugrauen Mergels, erfüllt von Cerithien und
Cyrenenfragmenten , welche bei den anderen elsasser Tertiär-
fossilien, jedoch leider ohne nähere Fundortsangabe eingeordnet
waren. Eines der Stücke trug die Bezeichnung Molasse Bas-
Rhin. Die Mergel stammen unzweifelhaft aus dem Unter-Elsass,
vielleicht sogar von Kolbsheim, indem sie einem Mergelstück-
chen von diesem Fundort sehr ähnlich sehen; nur ist die Fauna
eine viel reichere und etwas abweichende von der Eolbsheimer
Fauna. Beim Schlemmen und genauen Untersuchen der Stücke
ergab sich ein solcher Fossilreichthum , dass ich nicht umhin
kann hier wenigstens etwas darauf einzugehen:
L Fische.
1 . Sparoiäea cf • apha^rlcus Pbobst. Pflasterzähnchen
und Kieferfragmente; er entspricht wohl dem früheren
Sphaerodus Uns Aa., der sich auch in den Cyrenen-
mergeln des Mainzer Beckens findet.
2. Otolithen eines Percoidfisches. Von den Süsswasser-
percoiden durch die starke Zähnelung am unteren
Bande des Gehörsteines ausgezeichnet.
n. Cnistaceen.
1. Balcmus sp.
2. Ostracoden, mehrere meist ziemlich grosse und sehr
schöne Arten.
272
III. Glossophoren.
1. Chiton nov. sp. ined. Ein Mondsegment einer kleinen
Art (2^ mm). Die halbkonische Schale ist am Band
mit 8 feinen, ziemlich weit von einander abstehenden,
fransenartigen Ausschnitten versehen. Sie zeigt schwache,
wellenartige, von der Spitze radial verlaufende Er*
hebungen und ist dicht mit flachen Papillen besetzt,
welche von der Spitze nach dem Rande hin beträcht-
lich an Grösse zunehmen.
2. l}rach^is cf« Blie»ianvs Mer. Jhv. selten.
3. Nattca Nygli dOrb. selten.
4. Valvata cyrenophila nov. sp. (Tf. XII, fig. 1 a, 6, c.)
Das völlig flachgedrückte, planorbenartige Gehäuse misst
im grössten Durchmesser gewöhnlich an 1,5 mm, hat
eine Breite von 0,5 mm und zeigt 4 durch flache
Nähte getrennte Umgänge. Die Oberseite ist beinahe
flach und nur wenig in der Mitte eingesenkt, während
die Unterseite ziemlich tief und ganz ofien genabelt
ist. Die Mundung ist beinahe kreisrund und hat ringsum
zusammenhängende, scharfe Ränder. Die Skulptur be-
steht aus ziemlich variabelen SpiraUeisten; in der Regel
liegt eine solche sehr kräftige auf der Oberseite und
eine zweite beinahe ebenso starke auf der Unterseite.
Beide Spiralleisten verschwinden gegen die Mündung
hin vollständig. 2^ischen dieser oberen und unteren
Spiralleiste liegt nun gewöhnlich noch eine wechselnde
Zahl von schwächeren Leisten, welche längs dem sehr
stumpf gerundeten Rücken verlaufen. Diese Beschrei-
bung entspricht denjenigen Formen, welche am häu-
figsten sind und in der Mitte zwischen den Extremen
stehen; von ihnen aus gelangt man durch allmähliche
273
Uebergänge einerseits zu solchen Formen, bei welchen
die Spiralstreifen fast ganz verschwinden, und anderer-
seits zu solchen, bei welchen 2 — 3 scharfe Spiral-
streifen auf der Oberseite stehen. Ausserdem sind
scharfe und sehr feine Anwachslinien vorhanden, welche
mit äusserst zarten, dicht stehenden Spirallinien eine
mikroskopische Gitterung bilden, die am schärfsten
auf den mittleren Windungen hervortritt.
Unsere Art steht der Valvaia hicincta Fuchs (Jahrb.
d. k. k. geol Reichsanst., B. XX, 1870) aus den
Congerienschichten von Tihany am Plattensee (Unter-
plioc.) sehr nahe und dürfte mit derselben genetisch
verwandt sein. Sie unterscheidet sich namentlich da-
durch, dass sie einen stumpferen Bücken und eine
etwas anders geformte Mündung besitzt. Die Spiral-
leisten reichen nicht bis an die Mündung. Femer liegt
auf der Unterseite keine so scharfe Kante, und die
feine Gitterung, welche unsere Art zeigt, wird bei der
ungarischen Form nicht erwähnt.
6. Nematnra compressittsctsla Al. Br. sp. häufig.
6. Nem. lubriceUa Al. Br. sp. selten.
7. Byd/roMa nov. sp. a. Verwandt mit der H. aqui-
tanica Met., jedoch durchschnittlich kleiner, in der
Gestalt etwas mehr oval-conisch und mit kleinerer
Mündung, die zuweilen einen etwas ^emaft^ra-artigen
Charakter annimmt. Ferner ist die Verdickung im
rechten Mundrand kräftiger ausgebildet. Die sehr häufige
Form ist namentlich in der Grösse ungemein variabel.
Var. elongata n. v. Weicht vom Typus durch die
verlängerte Form, die etwas mehr eingeschnittenen
Nähte und die relativ bauchigere letzte Windung ab.
Diese Varietät sah ich in vollständig identischen Exem-
m. 18
274
plaren in der Sammlung des Herrn Dr. 0. Bottoeb
zu Frankfurt; sie entstammten dem Oberoligocän von
Larriey bei Saucats (Gironde). Auch in den marnes
fluvio-lacustres (Untermioc.) von Saucats finden sich
dem Typus von sp. a. genäherte Formen.
8. Hydrobia sp. b« ined. Breiter-conisch und meist
grösser als sp. a. Die Nähte sind etwas flacher; der
rechte Mundrand ebenfalls innen stark verdickt. Sie
ist viel seltener als die erstere.
9. AlsixHa turbiniformis n. sp. (Tat XII, fig. 3 a, b.)
Eine neue, sehr auffallende Brackwassergattung, die
mich einerseits durch Form und Skulptur an Fossarus
Phil, und Fossarulus Bbus., andererseits durch die
Spindelfalte an Odosiomia Flem. erinnert Ferner
gleicht ihr die eigenthümliche Gattung Polyiropis
aus den Congerien-Schichten Ungarns, wenigstens in
einer ihrer Formen der P. balatonica Bolle sp. äusser-
lich sehr, nur dass ihr die Falte der Innenlippe fehlt.
Alsatia nov. gen. Gehäuse dickschalig, Ttir^o-artig,
zeigt mit Ausnahme des oberen Gewindes Gitter-
skulptur. Die Mündung besitzt dicke, etwas umge-
bogene Bänder, ist am oberen Ende etwas in die
Höhe gezogen, ein Charakter, der namentlich auch
in der Skulptur durch das Aufwärtssteigen der
obersten Spiralleiste hervortritt. Es ist eine starke,
ziemlich tief in der Mündung gelegene Spindelfalte
vorhanden.
AI. iurhiniformis n. sp. Zur Gattungsdiagnose ist
nur noch hinzuzufügen, dass diese Art 6 gewölbte
Umgänge hat, 6 mm lang und 4 mm breit ist. Die
obersten 2y, Umgänge sind beinahe glatt; dann
stellt sich eine schöne Skulptur ein, die aus kräf-
275
tigen Spiralleisten besteht, welche durch ziemlich
unregelmässige Querrippen gitterartig verbunden
sind. Ausserdem sind noch Anwachslinien sichtbar,
welche gegen die Mündung hin, wo die Querleisten
verschwinden, sehr deutlich hervortreten. Der oberste
Spiralstreifen bildet eine Kante und erscheint an
den Kreuzungspunkten der Querleisten etwas höckerig.
Die Mündung mit breitem rechten Mundrand ist
ziemlich gross, eiförmig, oben zugespitzt und besitzt
eine starke weit rückwärts gelegene Falte auf der
Spindelseite. Ein Nabelritz ist vorhanden. Sehr selten.
10. Odostamia subtUa Sandb. ziemlich häufig.
11. Tvrb<mUla {ßymola) alsaUca n. sp.* (Tf. XII,
fig. 2 a, 6, c.) Die sehr elegante kleine Schnecke ist 3 mm
lang, hat 8 durchaus flache Umgänge und ein aus
ly, Windungen bestehendes, linksgewundenes und auf
der Axe der späteren Windungen senkrecht stehendes
Embryonalende. Die Naht ist deutlich und scharf, und
die Umgänge neigen dazu, an derselben etwas über-
zuhängen. Die Schale ist bei guter Erhaltung ganz
glatt, ohne wahrnehmbare Anwachslinien. Die Mündung
hat einen einfachen scharfen Mundrand und eine Falte
auf der Spindel, unter welcher eine Nabelandeutung
liegt. Eine nahe verwandte Form dürfte die Syrnola
praelonga Desh. sp. aus dem Pariser Grobkalk sein,
ebenso wie die allerdings grössere 8yr. suhulata Mer.
I. Wollten wir das Genus Turbonilla im Sinne von Adams auffassen, so
müssten wir die obige Untergattung Syrnola^ die durcli ihre glatte Schalenoberfläche
ausgezeichnet ist, wegen der Spindelfalte zu Odostomia stellen (Adams Oen. of Moll.,
I, pg- 230). Die Spindelfalte Ist jedoch gerade hier bei den Turbonillen von geringerer
Wichtigkeit, da sie in sehr verschiedenem Grade der Ausbildung auftreten kann, und
vollständige Uebergdnge zu den Formen ohne Spindelfalte existiren.
276
sp. aus dem Ober- und Mitteloligocän Deutschlands
und anderer Lander.
12. MoUessieria acieula Al. Bb. sp. Sehr selten.
13. CerÜhiufnpUciUiifnBBOve. var.papillatumSAjiBB.
Sehr häufig.
14. Cer» Ziifnarcki Bbovq. Häufig.
15. Cer. margaritaceum Brooc. Meist solche Formen,
die zur var. calcaratum Gbat. hinneigen. Es be-
finden sich sehr grosse Exemplare darunter, welche
eine grösste Breite von 32 mm haben, was bei toU-
ständiger Erhaltung einer totalen Länge von beinahe
70 mm entsprechen würde. Häufig.
16. Cerm aibbreviatum Al. Bb. Häufig.
17. PleuTOtoma (JSaphitama) sp.
18. BtMa {Cyliehna) sp.
lY. Lamellibranchiaten.
1. Ostrea eyathvla Lamk. jav. Meist auf Cer. pUcatum
aufgewachsen.
2. CreneUa {Modiolarid) sp. jav.
3. Cardiwm cf. scobinula Meb.
4. Cardium sp.
5. Cyrena cativexa Bbono. Wenigstens in Bruchstäcken
häufig.
6. Cytherea {CaUista) nov. sp. ined. Eine kleine, stark
concentrisch gerippte Form, welche der grosseren
CaUista concentrica aus dem OberoUgocän von Larriey
wohl noch am nächsten steht.
7. Tellina Nysti Desh.
V. Bryozoen.
1. VinctUaria sp.
277
VI- Würmer.
1. SpirorbU sp.
YII. Echinodermen«
1. Kleine Stacheln und Asseln von Seeigeln.
YIII. Foraminiferen.
Es findet sich im Schlemmrückstand eine grössere Anzahl
von Arten, meist Pulvinnlinen, Truncatulinen, Buliminen, Denta-
linen, Quinqueloculinen etc. Ich will hier nur 2 ganz besonders
häufige und charakteristische Arten hervorheben.
1. BtUimina twiciUa n. sp. (Taf. XII, fig. 13 a, b.) Die
recht häufige kleine Art gehört zum Formenkreis der-
jenigen Buliminen, die einen ganz regelmässig spiralen
Aufbau der Kammern zeigen, und von welchen ich hier
die lebende SuUmina elegantissima d^Obb. von Peru
erwähne, sowie verschiedene Formen des Pariser Eocäns,
die sich an B.pülchra Tebq. von Septeuil, ferner an B,
scalariformis Tebq. und B. flexa Tebq. vom gleichen
Fundorte anschliessen. Keine dieser Arten steht jedoch
so nahe, dass eine Verwechselung möglich wäre.
Das lang-kegelförmige Gehäuse besteht aus sehr zahl-
reichen, durch deutliche Nähte getrennten Kammern,
welche eine regelmässige, rechts oder links gewundene
Spirale bilden. Die Länge des Gehäuses beträgt meist
0,45 — 0,5 mm, und es sind gewöhnlich 6 Umgänge vor-
handen, welche durch eine tiefe Naht getrennt sind. Die
Mündung besteht aus einem kurzen, breiten, verticalen
Schlitz, der in einer Einsenkung am proximalen Ende
der letzten Kammer liegt. Die Schale ist glasig durch-
scheinend und äussert fein punktirt. Die Variabilität ist
verhältnissmässig gering und findet ihren Ausdruck in
278
der mehr oder weniger spitz kegelförmigen Gestalt
des Gehäuses ; auch finden sich zuweilen leicht gekrümmte
und krüppelhaft verdrehte Individuen.
2. QuinqvslocuUna grega/Ha n« sp. (Tf. XII, fig. 10
— 12.) Diese grosse und überaus häufige Art erreicht in
der Regel 1 mm Länge, während vereinzelte Exemplare es
sogar auf 1,5 mm bringen. Die Form ist länglich elliptisch
oder oval, das Gehäuse ist im Querschnitt dreieckig
gerundet und an den Seiten nicht kantig. Die Schale
ist mehr oder weniger von feinen, scharfen und meist
etwas unregelmässigen Längsialtchen bedeckt, welche
auf dem untersten Theile der jüngsten Kammer am
kräftigsten hervortreten. Die Mündung ist schmal, huf-
eisenförmig und hat einen einfachen Zahn ; selten beob-
achtete ich bei grossen Exemplaren, die im übrigen
ganz mit unserer Art übereinstimmen, eine breitere
Mündung mit gespaltenem Zahn (cf. Tf. XII, fig. 12).
Die nächste Verwandte unserer Art ist Q, striolata Rss.,
sie unterscheidet sich namentlich durch ihren kantigen
Rücken. Ich habe diese so ausserordentlich häufige
Quinqueloculina, welche sich neben anderen selteneren
Arten findet, hier deshalb hervorgehoben, weil sie mit
dazu dienen mag, den genauen Fundort unserer Gyrenen-
mergel einstmals wieder zu erkennen.
IX. Pflanzen.
LActctOaria sp. ined. (Tf. XII, fig. 4—9.) Die
Gattung Acicularia b'Abghiao hat in ihrer systema-
tischen Stellung mannigfache Schicksale erlebt. Die-
selbe wurde von b'Abghiag und Michelin zu den
Bryozoen gestellt. Reubs (Sitzungsber. d. k. k. Ak. d. W.
math. nat. Gl., Bd. XLIII, Abth. 1, 1861) definirte
279
ihren Platz in dieser Familie schärfer, indem er ihre
Zugehörigkeit zu den £schariden betonte und auf ihre
Beziehungen zu Lancepora aufmerksam machte. b'Ob-
BiGNY hingegen brachte sie zu Ovulites, Pabkeb und
Jones stellten sie in die Nähe von Bactylopora^ ebenso
Cabpenteb (Int. to the stud. of the Foraminifera 1862).
ZiTTBL schliesslich ordnet sie neben Uteria und Petras-
cula ein.
Herr Münieb Ghalmas in Paris hat sich in neuster
Zeit eingehender mit den Acicularien des Pariser Be-
ckens beschäftigt; er hat jedoch leider seine Arbeit
darüber noch nicht veröffentlicht. Aus den Präparaten,
welche er die Güte hatte mir zu zeigen, geht zur Evi-
denz hervor, dass wir es mit den Fructificationen einer
Kalkalge zu thun haben. — Die einzigen bisher be-
schriebenen Arten sind Acicnlaria Pavantina d'Abch.
aus dem Grobkalk von Paris und Acicularia miocaenica
Beuss aus dem Wiener Becken. Unsere Form stimmt
nicht genau mit einer von diesen beiden Arten überein.
Die Oberflächenbeschaffenheit gleicht noch am meisten
der von Cabpenteb (Int. to the stud. of the Fora-
minifera 1862, PI. XI, fig. 28, 32) gegebenen Abbildung,
welche ebenfalls die undeutliche, sechsseitige Umran-
dung der Oeffnungen zeigt. Als Hauptunterschiede von
Acicularia Pavantina d'Abch. sind hervorzuheben, dass
die Endfläche der ebenfalls lang kegelförmigen Kalk-
körperchen nicht so stark ausgebuchtet ist, und dass die
Kammern mehr kugelig sind und bei guter Erhaltung
nicht mit ihrer ganzen Weite ausmünden. Adcülaria
miocaenica Bss. ist namentlich durch die abweichende
Art der Umrandung der Oeffnungen und ihre noch
schlankere Gestalt unterschieden. Die Oeffnungen stehen
280
bei unserer Art auf der ganzen Oberfläche unregel-
mässig zerstreut und bedecken auch die Seiten sowie
die obere gerundete Parthie. Sucht man irgend ein
System in der Anordnung der Oeffnungen, so kann
man noch am besten eine ziemlich unregelmässige spi-
ralige Anordnung wahrnehmen. Der Durchschnitt ist
gewöhnlich ein elliptischer, seltener ein runder. Zuweilen
ist eine flache, der Länge na^ch verlaufende Einsenkung
auf der einen Seite vorhanden. Die Länge beträgt meist
gegen 1,5 mm. Wenn ich es auch noch nicht wage, auf
die immerhin mangelhaften Beste eine neue Art auf-
zustellen, so möchte ich hier doch wenigstens auf das
Vorkommen der interessanten Gattung aufmerksam
machen, die in den mir vorliegenden Cyrenenmergel-
Schlemmproben häufig ist.
Die oben aufgezählte Fauna ist, wie wir gesehen haben,
eine sehr reiche, aus brackischen und marinen Elementen ge-
mischte; die letzteren treten jedoch zurück, während die ersteren,
wie die Cerithien, Hydrobien, Nematuren, Valvaten und Cyrenen-
bruchstückc bei weitem an Individuenzahl überwiegen. Die sehr
sparsamen rein marinen Elemente können wir als eingeschwemmt
betrachten. Die Analogie mit den ächten Cyrenenmergeln ist
eine so grosse, dass wir geneigt sind, unsere Schichten trotz
dem Vorkommen einiger neuer sehr eigenthümlicher Elemente
als solche zu betrachten.
Es ist von grossem Interesse, dass sich auf der anderen
Seite des Rheines im Badischen die gleichen Schichten, wie die
soeben aus dem Elsass beschriebenen, wiederfinden. 2 Bohr-
«
löcher bei Oos unweit* Baden trafen unter dem Diluvium
den Cyrenenmergel in bedeutender Mächtigkeit an. Wir geben
hier einen kurzen Auszug des Bohrprofiles, welches von Sams-
BEBOEB (Beiträge sur Statistik der inneren Verwaltung von
281
Baden, Heft 11, Geol. Beschreibung der Umg. von Baden 1861,
pg. 11) ausführlicher behandelt worden ist.
1. Alluvium 16,75 m.
2. Diluvium^ meist Eies und Sand . 33,3o m.
3. Blaue, graue, grünliche und bräunliche Thone
in Sand und dünne Sandsteinschi<;hten über-
gehend 51,82 m.
4. Sand und Sandstein mit Thon und Letten-
bänkchen wechselnd 20,i3 m.
5. Schwarzer, schiefriger Thon mit Braunkohle l,oo m.
6. Thon und Sandstein mit eingelagerten Braun-
kohlenschmitzen 19,so m.
7. Wechselnde Schichten von sehr hartem Sand-
stein in Bänken und grünem, grauen und
braunem Thon 86,oo m.
8. Braunkohlenschicht mit schwärzlichem Sand. l,io m.
9. Wie 7 6,16 m.
10. Braunkohle mit schwärzlichem Thon .... 0,9o m.
11. Blaue, meist sandige Thone 14,42 m.
12. Braunkohle, im bläulichen Sande, mit vielen
Trümmern von Conchylien 1,2? m.
13. Sandstein, grüne, graue und gelbe Thone
wechselnd 4,82 m.
256,87 m.
Die in der Schicht 1 2 gefundenen Conchylien sind folgende
nach Sandbebgeb:
1. Ostrea cyaihula Lamk.
2. Cyrena subarata Schlth. sp.
3. Certth. margaritaceum Bbocci.
4. Cer. plicaium Lamk. var. Galeotti Ntst.
\
282
Der Gyrenenmergel zeigt also in Baden, selbst wenn man
annimmt, dass die Schichten nicht horizontal liegen, sondern
bei der nahen Lage an der Rheinthalspalte dislocirt sind, immerhin
eine ansehnliche Mächtigkeit. Ueber den fossilreichen Schichten
liegen sterile Sandsteine, Sande und Letten, welche zuweilen
etwas Braunkohlen enthalten. Diese obere Parthie scheint im
Elsass nicht entwickelt zu sein oder ist durch die Denudation
entfernt worden. Die Gyrenenmergel zeigen überhaupt im Elsass
eine etwas abweichende Lagerung, und während sie in Baden,
wie es scheint, durch die Rheinthalspalte verworfen werden,
fehlen sie hier in der Nähe derselben gänzlich und sind mehr
nach der Mitte des Rheinthaies zu gelegen. Dieser Umstand
hängt mit der Verschiedenheit zusammen, welche zwischen den
2 Rheinthalspalten gerade in der Gegend von Strassburg und
nördlich von Strassburg besteht. Die östliche Schwarzwald-
spalte ist hier eine durchaus einheitliche, geschlossene. Das
Gebirge schneidet gleich einer geraden Mauer gegen das Thal
ab, die älteren Gesteine berühren sich direkt mit den jüngsten
Bildungen, dem Diluvium, und unter diesem liegt, wie es scheint,
in grosser Vollständigkeit der Gyrenenmergel, das jüngste Glied
des Tertiärs dieser Gegend. Ganz anders erscheint die Rhein-
thalspalte in dem entsprechenden gegenüberliegenden Theile
des Elsass; dieselbe ist hier durchaus nicht so einheitlich,
sondern wird wie bekannt^ zunächst aus 2 Hauptspalten gebildet,
von welchen die eine äussere über Zabern verläuft, die andere
über Sulzbad verlaufende sich nachher unter dem Diluvium
weniger gut verfolgen lässt, bis sich beide schliesslich in
der Gegend von Weissenburg wieder einander nähern. Diese
Spalten nun und namentlich die innere sind durchaus nicht so
einheitlich gebildet, wie die Seh warz waldspalte , sondern zer-
1. Bleicher. Essai de göol. compar^e des Pyr^n^es, du Plateau central et des
Vosges, 1870.
283
splittern sieb oft in kleine Parallelspalten. Sie bilden auf diese
Art terrassenartige Scbollen, welcbe nacb dem Rheintbale zu
tiefer eingesunken sind und so ibre jiihgeren Scbicbtenglieder
vor der Denudation bewabrt baben; auf ibnen ist nocb der
Cyrenenmergel anzutreffen. Die anderen mebr nacb dem Ge-
birge gelegenen Partbien sind in grossartigstem Maasse denudirt
worden, so dass zuweilen das ganze Tertiär entfernt worden
ist, oder nur Reste von Eocän und älterem Oligocän übrig blieben :
bis dann im Norden die Scholle des Hocbwaldes, die den Be-
ginn der mehr einheitlichen Pfälzer- Verwerfungsspalte bildet,
uns das Oligocän wiederum in einer vollständigeren Reihen-
folge erhalten hat. Auch in der orographischen Bodenbeschaffen-
heit findet dieser Unterschied der beiden Verwerfungsspalten,
wie man sich durch einen Blick auf die Karte überzeugen kann,
ihren Ausdruck.
Das Vorkommen von Cerithien, welche den Cyrenenmergel
charakterisiren, in der Gegend von Egisbeim etc. im Ober-
Elsass haben wir schon an anderem Orte besprochen (pg. 185),
und wir müssen jetzt noch etwas auf diejenigen Gyrenen-Schichten
im Ober-EIsass eingehen, welche durchaus einen, anderen Cha-
rakter wie die ächten Cyrenenmergel tragen, und die ich eher
für etwas jünger halten möchte; den Typus dieser Schichten,
die sich, scheint es, bis in die Gegend von Montb^liard ver-
folgen lassen, bilden die Ablagerungen auf der Spitze des Vogesen-
vorberges bei Rufach. Bleioheb hat dieselben zuletzt aus-
führlicher behandelt (Bull, de la soc. giol. de Fr. 1879—80,
pg. 222), und wir werden im Wesentlichen diesem Autor, sowie
den Angaben von Delbos und Ecechlin-Sghlumbebgeb folgen.
Oestlich von dem Orte Rufach erhebt sich ein 150 m
hober Hügel, der aus oligocänen Conglomeraten, die mit Sand-
stein und Mergelschichten wechseln, zusammengesetzt ist. Der
untere Theil der Conglomerate wurde bisher immer als ganz
284
fossilleer angesehen. Nur eine der zwischen den Conglomeraten
eingelagerten Mergelschichten ergab beim Schlemmen Forami-
niferen und erwies sicfi noch somit als eine marine Bildung.
Es sind nur einige wenige Arten, die jedoch zu häufig sind und
zu constant auftreten, als dass man dem Gedanken an eine
Einschwemmung aus älteren Schichten Raum geben möchte. Ich
fand folgende 3 Arten, die später bei der Besprechung der
Gonglomerate und Küstenbildungen beschrieben werden sollen:
1. Bulimina coproliihoides m.
2. Textilaria alsatica m.
3. Textilaria inflata m.
Ferner deutet das ziemlich häufige Vorkommen eines nicht
sehr gut erhaltenen glatten Ostracoden (wohl Ctfpris sp.?) auf
eine etwas brackische Beschafifenheit des Wassers hin oder lässt
die Nähe von in das Meer einmündenden Flüssen vermuthen,
die bei der Conglomeratbildung mitwirkten und später die schon
sehr stark ausgesüssten Schichten auf dem Berggipfel bildeten.
Während die eben besprochenen Tertiärschichten , welche
man bei dem AufiBtieg auf den Hügel beobachtet, sehr mangel-
haft aufgeschlossen sind, finden wir auf der Höhe in den
jüngeren Schichten beträchtliche Steinbrüche. Die fossilfuhrende
Schicht ist, wie Bleicher hervorhebt, nur 15 — 20 cm dick,
besteht aus einem gelben, in's weinrothe („rouge lie de vin**)
übergehenden Mergelband, das in einem rothen, mehr sandigen
Mergel eingelagert ist und von Gonglomeraten und Kalksandstein
überlagert wird*.
1. Sehr grosse Analogie mit diesen Mergeln zeigt eine Probe, welche mir
Herr Dkecke von Boncourt (unweit Porrentray) mitbrachte; dieser Mergel ist
gleichfalls mit oligocänen Gonglomeraten vergesellschaftet, zeigt die nämliche rothe
Farbe und enthielt einige kleine unbestimmbare Steinlierne von Gastropoden und
CyprU'Seh^ltu. Die feine Kalkmolasse der Gonglomerate hingegen enthält Cfpr.
convexa.
285
Die bisher bekannten Fossilien sind nach Angabe von
Bleicheb :
L Fische.
Paralates Bleichen Saüv. (Bull. d. 1. s. g^ol. d. Fr. 1883,
pg. 485). Die neue Gattung Paralates^ welche Sauyage für
die bei Rufach häufigen Fische aufstellt, gehört zur Familie
der Percidae und steht der lebenden Gattung Lates am nächsten,
einer Gattung, deren Vertreter im Brackwasser an den Mün-
dungen grosser Flüsse leben, wie L. niloticus Gm. und L. cah
carifer Bl. (China, Indien). Von Bleichee wurde der Rufacher
Fisch als Lebias sp. angeführt. Ausserdem noch eine grosse
Ctenoid-Schuppe.
U. Conchylien.
1. Ostrea caUifera Lamk. nach Angabe von Miegf (Feuille
des j. nat. 1881, pg. 15).
2. Myiilus Faujasi Bbong.
3. Dreissena sp.
4. Neritina fulminifera Sandb. nach Ang. von Mieg. (1. c.)
5. Hydrohia sp.
6. Planorhia sp.
7. Melania? Alle schlecht erhaltend
ni. Artropoden.
1. Larve eines Insects mit unvollständiger Metamorphose
aus der Ordnung der Gicaden.
1. Drei weitere Fossilien, ^Ostrea Mppopodium Nils., Cylherea splendida
Mer. xxik^ Escharina sp.», welche Delbos noch von Rufach anführt, muss ich fort-
lassen, da man absolut nicht weiss, in welchem Niveau des Berges sie gefunden
worden sind.
286
2. Reste eines Hymenopteren.
3. Ziemlich mangelhafte Reste eines Land-Isopoden, welcher
einige Analogie mit den Blattiden haben soll.
IV. Pflanzen.
1. CdUitris Brongniarfi Endl.
2. Callitris Heeri Sap.
3. Widdringtonia?
4. Cinnamomum polymorphum Heeb.
5. C. Scheucheeri Hekb.?
6. Myrsine sp.
7. Myrica sp.
8. Andromeda sp.
9. Salix sp,
10. Bhamnus sp.
11. Ficus sp.
12. Lastrea sp.
Ich habe nur wenige Bemerkungen zur obigen Liste hinzu-
zufügen; zunächst was den Mytilus betrifft, so liegt mir der-
selbe auch vor, und ich glaube, ebenso wie Dblbos und Bleiches,
denselben zu M. Fatyasi Bbong. stellen zu müssen und gebe
eine Skizze davon auf Tf. XII, fig. 14. Femer führe ich noch
das Vorkommen von Cyrena convexa Bboi^g. aus der Myiüus-
Schicht von Rufach an. Interessant ist das Zusammenvor-
kommen dieser beiden Fossilien. Der. Mytilus ist kein oligo-
cänes Fossil und findet sich im Mainzer Becken erst im
Cerithienkalk (Untermiocän) ; er wird im oligocänen Cyrenen-
mergel durch den M. acutirostris Sandb. ersetzt. Die Cyrena
convexa hingegen ist ein acht oligocänes Fossil, beginnt an
der Basis dieser Abtheilung und reicht hinauf in das Ober-
oligocän, wo sie ihren Gulminationspunkt erreicht und dann
erlischt. Die von Bleiches erwähnte Isopodengattung stelle ich
287
zu Eosphaeroma, da sie der im unteren Pariser Oligocän (Buttes
de Chaumont) vorkommenden Eosph. margarum Desm. sp. sehr
nahe steht. Das einzige leidlich erhaltene Exemplar von
Rufach, welches mir vorliegt, misst 13 mm in der Länge und
etwa 9 in der Breite und besitzt eine elliptische Gestalt. Die
Pariser Exemplare, welche ich untersuchte, sind etwas kleiner,
messen meist nur 10 zu 7 mm und sind am hinteren Ende
etwas schmäler. Die Rufacher Art ist nicht hinreichend gut
erhalten, um über die Form und Zahl der Segmente genaues
auszusagen. Im äussern Umriss gleichen ihr auch noch Eosph.
obtusum H. V. Met. sp. aus dem Mitteloligocän (Palaeontog. V,
Tf. 23), der sie wegen der obtusen Form, dem breiten Schwanz-
schilde und der ungefähr gleichen Grösse ähnelt.
Bleiches stellt die Schichten von Ruf ach in das oberste
Tongrien \ und indem er sie mit den anderen Cyrenen führenden
Horizonten des Elsass und namentlich auch mit denen von
Kolbsheim zusammen wirft, erklärt er dieselben also für ober-
oligocän. Wenn wir unsere Ansicht über die etwas heikele Frage
aussprechen sollen, so möchten wir sie dahin formuliren, dass
wir die Schichten zwar noch zum Oberoligocän stellen , sie jedoch
nicht mit den ächten Gyrenenmergeln (Kolbsheim etc.) ver-
einigen, sondern für jünger halten. Das Vorkommen von Myiilus
Faujasi, von Lehias^ sowie der beinahe ganz limnische Cha-
rakter würden sogar für ein miocänes Alter sprechen. Cyrena
semistriata hingegen ist oligocän, und da diese Art relativ im
Ober-Elsass und überhaupt im Oberrheingebiete verbreiteter ist
als der Mytilus, und wir im Uebrigen den limnischen Charakter
durch die nicht unwahrscheinliche Annahme einer benachbarten
Flussmündung erklären können, so haben wir uns bei dieser
1. Das Tongrien ist in der Bleicher' sehen Arbeit entschieden in einem wei-
teren Sinne aufgefasst als üblich, indem er auch noch die Fischschiefer (Rup^lien)
und sogar Oberoligocänbildungen dazu rechnet.
288
Frage, die sich überhaupt dahin zuspitzt, ob wir die Schichten
Untermiocän oder Oberoligocän nennen sollen, einstweilen für
das letztere entscliieden, umsomehr als uns hierin ja auch schon
andere vorangegangen sind.
Als gleichalterig mit den Ru fach er Schichten haben wir
die entsprechenden Ablagerungen des unmittelbar südlich davon
gelegenen Bollenberges, sowie diejenigen des Letzenberges bei
Türkheim anzusehen. Von letzteren ist in Delbob und
Ecechlin-Sghlumbebgeb (Descr. d. H. R. etc., pg. 66, Tf. 4,
fig. 73) ein ausführliches Profil gegeben, welches von Herrn
Faudbl in Colmar herrührt. Der Hügel besteht gleichfalls aus
Conglomeraten, und auf der Höhe desselben fanden sich Cyrena
convexa Bbong. (nach Delbos), Cytherea incrassata Desh.
(Delbos), Mytilus Faujasi Bbokg. (Bleiches) und Pflanzen-
reste. Ganz ähnliche Bildungen finden sich dann ferner in der
Gegend von Montb^liard wieder, auf die wir schon kurz in
einigen Anmerkungen hingewiesen haben (cf. pg. 284), und
welche ausführlicher zu behandeln hier nicht unsere Sache
ist. Somit haben wir erkannt, dass die eben besprochenen
Schichten mit Cyrena convexa etc. im Ober-EIsass nicht mit
den Cyrenenmergeln des Unter-Elsass und des Mainzer Beckens
übereinkommen, sondern abweichend ausgebildet sind und in
Beziehung zu ähnlichen Bildungen der Gegend von Mont-
661iard stehen.
Die eigentlichen „Marnes k Gyrfenes'^ von Delbos, die sich
nur südlich von Mülhausen finden, wie bei Zillisheim, Brue-
bach etc., wurden schon auf pag. 67 und 89 bei Gelegenheit
der schiefrigen Kalkmergel Oberbadens erwähnt. Es werden aus
denselben nachfolgende Fossilien namhaft gemacht, die jedoch
alle sehr schlecht erhalten sind (Delbos, Kcechlin-Schlumbebger,
Descr. H, pag. 82.) :
289
1. Hydrolia venirosa Monf. (= Litortnella acuta Dbp.)
2. Cerith. plicaium Lamk.
3. Cyrena Koechliniana Delb.
4. Modiola angusta? Al. Bb.
5. Dreissena Brardi Fauj. sp.
6. Äraucarites (Sequoia) Siernbergi Göpp.
Sind die Fossilien alle richtig bestimmt, so würde die
Uebereinstimmung mit dem Geritbienkalk (Untermioc), in welchem
sich die obigen Fossilien 1, 2, 4, 5 auch finden, vielleicht noch
die grösste sein. Die einzige Cyrena ist eine neue Art, und der
Äraucarites kommt fast in allen Tertiäretagen vor. Andere
Gründe jedoch sprechen dagegen, vor allem die innigen Be-
ziehungen, die zwischen diesen Steinmergeln und dem ober-
eocänen Melanienkalk obwalten. Die Steinmergel überlagern
immer den Melanienkalk, werden ihm öfters bis zu einem ge-
wissen Grade ähnlich und sind noch nie über den jüngeren
Tertiärschichten der Mülhauser Gegend gefunden worden. Den
sehr benachbarten badischen Steinmergeln mit Cyrena convexa
Bbong. (= semistriata Desh.) und Mytilus socidlis (cf. pag. 89,
Anm.) hingegen gleichen sie mehr, und Gbeppin sieht diese als
tie&tes Oligocän an (cf. Gbeppin. Jura-Bernois etc., pag. 207).
Ferner finden sich nach Angabe von Sandbebgeb (Land. Sw.
1. d. Vorw., pag. 306) im Oberrheinthal „dunkelgraue, harte,
brackische Mergel mit vielen Pflanzenresten, Cyrena convexa
Bbong., SepHfer denticulatus Laülk. sp., Cerithium plicatum Bbug.^
bei Laufen, nahe Sulz bürg; diese Mergel sollen dem Eeuper-
gyps auflagern und von Meeressand bedeckt werden. Mit unseren
oberoligocänen Gyrenenmergeln haben sie also gar nichts zu thun.
Sandbebgeb hält sie für Aequivalente der „Marnes vertes'^,
welche über dem Pariser Gyps liegen, und die er noch zum
Mitteloh'gocän rechnet; ich wäre geneigt, sie zum Unteroligocän
zu stellen. Wir müssen also die Frage über das Alter der
111. 19
290
„Marnes k Gyr^nes" von Delbos hier noch offen lassen. Ich
kann zu deren Lösung gar keinen Beitrag liefern, da die Schichten
eben nicht mehr aufgeschlossen sind, und mir das DELBOs'sche
Material nicht zugänglich war*.
1. Der «Calcaire d'eau douce de Chätenoist (bei Montbölitrd), welchen
Delbos (Descr. pg. 80) beschreibt, gehört wohl in das Untermioc&n. Das einzige
Fossil, welches man aus demselben kennt, ist ffelix osculum Thom, welche im Mainzer
Becken mit dem Gyrenenmergel beginnt und bis in den Litorineüenthon hinaufreicht ;
sie ist am häufigsten im Landschneckenkalk. Die Lagerungsverhaltnisse geben hier
bisher gar keinen Aufschluss.
291
VIII. Oligocäne Conglomerate
und Eüstenbildangen im Elsass.
Auf die oligocänen Googlomerate, welche an zahlreichen
Punkten längs der Vogesen im Elsass, am Rande des Schwarz-
waldes in Oberbaden, sowie in der Gegend von Basel auf-
treten, wurde schon mehrfach, besonders bei der Besprechung
des mitteloligocänen Meeressandes und des Oberoligocäns hin-
gewiesen. Das genaue Alter dieser Gonglomerate ist nicht immer
mit Sicherheit festzustellen, zumal wenn in denselben Fossilien
fehlen, was in der Regel der Fall ist; soviel steht aber fest,
dass dieselben nicht einem einzigen, ganz bestimmten Niveau
des Oligocäns zukommen, sondern vielmehr — als eine Eüsten-
facies mit dem tieferen Oligocän beginnend — bis in das Ober-
oligocän hinaufreichen.
Die am Abhänge der Hardt unweit Landau vorkom-
menden Muschelkalkmolassen gehören jedenfalls zum Meeressand,
wie dies die dort gefundenen Fossilien darthun (cf. pg. 174).
In das gleiche Niveau müssen wir wohl auch die sehr ähnlichen
Gonglomerate des Schlossberges von Weissenburg, sowie die
äusserst harte Nagelfluh stellen, welche bei der „Walkmühle**
nördlich von Lobsann gebrochen wird. Letztere nähert sich
örtlich schon sehr den ebenfalls zum tiefsten Mitteloligocän ge-
hörigen Asphaltkalken und enthält stellenweise Spuren von
Bitumen oder sogar in der unteren Parthie kleinere Einlagerungen
von Bitumensand. Im Asphaltkalk von Lobsann selbst finden
sich schliesslich die Conglomerate wieder, allerdings mit sehr
292
reducirter Mächtigkeit, und die Muschelkalkrollsteine sind,
wie schon erwähnt wurde, öfters durch einen groben Pech-
sand verkittet. — Die Gonglomerate südlich von Lobsann in
der Gegend von Wörth zeigen den gleichen Charakter. Sie
finden sich namentlich zwischen Preuschdorf, Wörth und
Gunstett, sowie bei MorsbronnS bestehen vorwiegend aus
Muschelkalkgeröllen, besitzen keine sehr grosse Mächtigkeit und
sind nicht, wie bei den vorher genannten Orten, zu einer festen
Muschelkalknagelfluh verbunden, sondern bilden, namentlich in
den oberen Lagen, ein ziemlich loses GeröUe, das aus sehr
wohl gerundeten und ungewöhnlich grossen Steinen besteht,
welche mit dem Lokalnamen „Wacken** bezeichnet werden*.
In diesen Gonglomeraten, namentlich oberhalb Diffenbach, be-
obachtete ich femer nur mangelhaft gerundete Stacke eines
dunklen, etwas bituminösen Sandsteines', dem ich auch bei
Gunstett in den unterobgocänen Mergeln unterhalb der Con-
glomerate wieder begegnete. Wie gesagt, haben wir im Liegenden
dieser Gonglomerate, sowie derjenigen von Morsbronn sterile,
graue und grünliche Mergel, den unteroligocänen Mergeln von
Pechelbronn und Weissenburg entsprechend, weshalb wir
dieselben in das Niveau des Meeressandes verweisen möchten.
Eine Ueberlagerung des Septarienthones über den Gonglomeraten
wurde mit Ausnahme des von Lobsann erwähnten Profiles
nicht direkt beobachtet. Es unterliegt jedoch wohl kaum einem
1. Ein abgerolltes StQck verkieseltes Goniferenholz wurde Yon Herrn Hacg
aus Niederbronn in den Conglomeraten bei Forstheim gefanden und mir g&Ugst
mitgetheilt Im Dünnschliff zeigte es deutliche Markstrahlen, die Spiraltüpfel hingegen
waren meistens zerstört. Dasselbe verkieselte Holz findet sich auch im DUu?ium.
Ich glaube nicht, dass.es einer tertiären Gonifere angehört.
2. Daubb^e gibt (1. c. PI. 3, fig. 60) ein kleines Profil, welches die Ueber-
lagerung der harten Nagelfluh durch mehr locker verbundene und grössere Gerolle
zeigt.
3. DaubbiSc, 1. c, pg. 207.
293
Zweifel, dass der Septarieuthon im Walde von Drachenbronn
ein höheres Niveau einnimmt, als die benachbarten Walkmühl-
conglomerate.
Die bisher namhaft gemachten Gonglomerate haben einen
Umstand gemeinsam, nämlich, dass sie alle vorwiegend aus
Muschelkalkgeröllen bestehen, dass ältere krystalline Gesteine,
Grauwacken und DoggergeröIIe in denselben sozusagen fehlen S
Sie lagern entweder dem Muschelkalk, dem Yoltziensandstein,
dem Lias oder unteroligocänen Mergeln auf. Der Muschelkalk
findet sich überall in ihrer Nähe und zieht sich in einem fast
ununterbrochenen Streifen von Niederbronn bis Weissenburg
hin; er bildete ehemals, wie dies auch noch die kleinen ge-
sunkenen Muschelkalkschollen bei Kleeburg und Weissenburg
zeigen, vornehmlich die Uferfelsen des Oligocänmeeres.
Die Conglomerate des grossen Bastberges (329 m hoch) bei
Buchsweiler, welche nach Süden hin zunächst auf die eben
besprochenen folgen, unterscheiden sich von denselben dadurch,
dass sie fast ganz aus jurassischen Gerollen bestehen, unter
welchen wiederum die Bollsteine aus dem Hauptoolith überwiegen;
sie stimmen hierin überein mit den noch weiter südlich gelegenen
Vorkommnissen, von welchen namentlich diejenigen des Scharrach-
berges bei Wolxheim, des Bischenberges bei Oberehnheim,
des Hügels westlich von Bernhardsweiler und der Gloriette
bei Barr hervorzuheben sind. Bei Buchsweiler überlagern die
meist nur locker -verbundenen, vorwiegend aus Hauptoolith be-
stehenden, sehr vollkommen gerundeten GeröUe mit zahlreichen
1. Sehr häufig und charakteristisch sind die aus dem mittferen MuschellLallL
stammenden Hornsteingeröile ; auch finden sich namentlich an der Walkmühle
die schon von anderwärts erwähnten Kieseloolithe aus dem Trochitenkalk. Keuper-
sandsteine, Voltziensandstein und Buntsandstein wirkten auch bei der Bildung der
Coflglomerate mit, was die weissen Quarzkörner in den Gonglomeraten selbst und
die zuweilen eingelagerten Sandsteinschiebten (Walkmühle, Weissenburg) be-
weisen.
294
eingelagerten Mergelschichten den nutteleocänen Sfisswasser-
kalk (cf. pg. 12, fig. 1). Die schmutzig-gelben bis grauen Mergel
sind in hohem Grade kalkig, enthalten oft kleine weisse Con-
cretionen und zeigen einen kalkig -sandigen Schlemmrückstand;
ab und zu finden sich sehr schlecht erhaltene, abgerollte Fora-
miniferen in denselben, die ich für eingeschwemmte jurassische
Formen halte. Der Reichthum an jurassischen Fossilien in den
Bastberg-Conglomeraten ist überhaupt bedeutend ; dieselben sind,
wenn sie isolirt gefunden werden, stark abgerollt, oft kaum mehr
kenntlich, so z. B. die Gryphiten {Gryph, arcuata Lamk.). Die-
jenigen Fossilien hingegen, welche man beim Zerschlagen der
Gerolle findet, sind sehr schön erhalten, und das eingehende
Studium derselben ist insofern von Interesse, als es uns noch
Aufschluss über solche Juraschichten gewähren kann, die einst
in dieser Gegend vorhanden waren, aber jetzt durch die Erosion
entfernt sind. So deutet z. B. ein Block von dichtem, homogenem,
rosa geübtem Kalk mit Eorallenresten (? Thamnastreen) auf
ein bis jetzt in der Gegend unbekanntes Vorkommen hin. Ge-
rolle von dem mitteleocanen Süsswasserkalk sollen auch im
Conglomerat vom Bastberg vorkommen; femer beweisen zahl-
reiche Bohnerzkömer im Conglomerat, dass auch die unter den
eoc&nen Süsswasserkalken und Meißeln der Umgegend liegenden
Bohnerzbildungen hier z. Th. regenerirt worden sind.
Am Scharrachberg (316 m hoch) nördlich von Wolxheim
bedecken ganz ähnliche jurassische Conglomerate, wie am Bast-
berg, die Gipfel eines bedeutenden Yogesenvorberges. Der Ha'upt-
oolith* wiegt, vor, neben ihm findet sich Muschelkalk, selten
1. Bemerkenswerth dürfte Tielleicbt das Vorkommen von Am, {Stephamocera$)
ßlagdeni Sow. in den GeröUen sein, eine im lothringer Korallenkalk bäoüge Art,
während in den BumphriesittHus^hkhien des Elsass sich noch eher neben dem
Leitammoniten der Steph. Braikenridgi Sow. sp. findet, den ich auch aus den
GeröUen des BasQ>erges kenne.
^ 295
Voltziensandstein und YogesensandsteiD, und, wie Daubbee angibt,
sehr selten auch granitische Rollstücke, welch letztere ich nicht
beobachtet habe. An drei Stellen bemerkte ich an der Basis der
Gonglomerate Mergel, die petrographisch den unteroligocänen
grünen Mergeln der Gegend von Pechelbronn gleichen. Sie
fanden sich in einem umgegrabenen Weinberge auf dem Hügel
von Wolxheim sowie an zwei anderen Stellen auf der Seite nach
Scharrachbergheim zu und bestehen aus einem grau-grünen,
nicht sehr plastischen Mergel von beträchtlichem Ealkgehalt,
zuweilen mit weissen Ealkconcretionen. Der Schlemmrückstand
besteht der Hauptmasse nach aus gerundeten weissen und gelb-
lichen Ealkstückchen, ausserdem enthält er Quarztrümmerchen,
Brauneisen und selten etwas Pyrit. Es fand sich in demselben
eine Anzahl von Foraminiferen, welche sich dadurch auszeichnen,
dass sie sehr klein sind, nicht mit bekannten Arten überein-
stimmen und öfters eine rauhe Schalenbeschaffenheit zeigen.
Ausser den Foraminiferen, die vielleicht z. Th. eingeschwemmte
Formen sein dürften, fanden sich schlechte Bryozoen und Zwei-
schalerreste (erstere wahrscheinlich aus Juraschichten einge-
schwemmt) und wenige Ostracoden. Diejenigen Foraminiferen,
welche entweder durch ihre Häufigkeit oder ihre Gestalt auf-
fallen, sind nachstehend beschrieben:
1. Haplophrcbgmium sp. ined.
Ein winzig kleines (Länge 0,25 mm), bischofstabförmiges,
grob agglutinirtes Haplophragmium mit etwa 7 Kammern, die
durch tiefe Nähte getrennt sind, liegt mir vor. Es erinnert
einigermassen an H. veiusium T. & B. aus dem Lias, ist jedoch
nicht identisch mit ihm. Unter den tertiären Formen gleicht
ihm das allerdings viel grössere und breitere H. Lobsannense m.
aus dem Septarienthon des Elsass noch am meisten. Ob diese
296 %
sehr seltene Form eingeschwemmt oder autochton ist, lässt sich
nicht sicher entscheiden.
2. Fiecamiufn Scharrachbergense nov. sp.
Taf. VI, fig. 16 a, 6.
Diese am Scharrachberg häufige Art gehört zu deiyenigen
Plecanien, welche eine vertical gestellte Mündspalte besitzen, also
das agglutinirende Aequivalent der Bolivinen bilden, während die
meisten anderen Plecanien mit feiner horizontaler Mundspalte
(z. B. PI. lacerum d'Obb. sp.) agglutinirende Textilarien sind.
Unsere Art erreicht durchschnittlich eine Grösse von 0,s — 0,4 mm;
die Schale ist grob und zwar kieselig-agglutinirt, so dass sie von
Salzsäure nicht angegriffen wird. Die Form ist spitz kegelförmig, die
Anzahl der zweizeiligen Kammern beträgt meist 7. P. Scharrach-
hergense ist ziemlich variabel, sowohl in Form und Grösse; zuweilen
finden sich gebogene und gedrehte Exemplare, oder auch solche,
die in der unteren Hälfte eine Einschnürung zeigen. Ziemlich nahe
verwandte Formen, die sich jedoch ohne Schwierigkeit von
unserer Art unterscheiden lassen, sind Plec. depravatum Schwag.
aus dem Impressathon Schwabens und Plec. agglutinans Seg. sp.
aus dem Pliocän von Catania. Wegen des häufigen Vorkommens
möchte ich unsere Art nicht als eingeschwemmte Form ansehen.
3. VemeuUina sp. ined.
Taf. VI, fig. 15 a, 6.
Eine eigenthämliche, kleine Art, welche in den Thonen
vom Scharrachberg sehr selten ist, mochte ich wegen ihrer
auffallenden Form nicht ganz bei Seite lassen. Dieselbe zeigt
ein ganz deutlich dreizeilig angeordnetes, 0,2 mm langes Gehäuse,
und jede einzelne Reihe enthält 6 — 7 gerundete Kammern. Die
Schalenbeschaffenheit ist feinkörnig, agglutinirend. Da die Gau-
dryinen in ihrer Jugend dreizeilig und im Alter zweizeilig wachsen.
297
da es ferner vorkommt, dass Gaudrylnen an gewissen Lokalitäten
in der Regel klein und dreizeilig bleiben, so wäre es immerhin
möglich, dass wir es hier bei der geringen Grösse von 0,8 mm
mit einer jugendlichen Oaudryina zu thun hätten; mir scheinen
jedoch folgende Factoren dagegen zu sprechen: erstens, dass
unsere Form zu schlank ist und zweitens, dass dieselbe schon
eine zu beträchtliche Anzahl von Kammern besitzt, um mit einem
Gau dryinen -Embryonalende verglichen zu werden. Ich kenne
keine Form, die der obigen Art sehr nahe steht.
4. Oaudryina ct. globtUifera Rss. jav.
Neben der vorhin genannten Vemeuilina kommen am
Scharrachberg gleichfalls sehr selten solche Formen vor, welche
kürzer und viel breiter sind sowie gleichfalls einen dreizeiligen
Aufbau der weniger stark gerundeten Kammern zeigen. Sie sind
mit der vorigen Form nicht zu verwechseln und dürften wohl Em-
bryonalenden der im elsässer Septarienthon häufigen G. chüostoma
Rss. var. globulifera Rss. sein.
6. Lagena vtUgaris Will.
Taf. VI, fig. 13.
Kleine Lagenen von 0,i5 mm Länge finden sich nicht selten
im Schlemmrückstand; sie gehören zum Formenkreis des Z. vul-
garis, die eine ausserordentlich grosse, verticale Verbreitung
besitzt (Lias? bis recent). Sie sind auffallend klein und ganz
glatt. Das abgebildete Stück ist ein ziemlich schmales Exemplar.
6. Lingulina sp.
Taf. VI, fig. 7 a, b.
Eine sehr kleine 0,2 mm messende Form, welche sehr
selten ist, liegt mir vor. Dieselbe hat 4 Kammern und zeigt
4 breite Längswülste. Sie soll hier nur beiläufig erwähnt werden.
298
7. Nodoaai^ia Wetzeli n. sp.
Taf. VI, fig. 12 a, 6.
•Das kleine Gehäuse (0,22 mm) ist bauchig, spindelförmig,
unten etwas breiter als oben, im Durchschnitt kreisförmig. Die
Mündung steht central und ist einfach rund; der entgegengesetzte
Pol ist mit einer kurzen, geraden Spitze versehen. Etwa 13
Längsrippen sind vorhanden. Die Schale ist glasig und lässt
deutlich 5 innere opake, ausgefällte Kammern durchscheinen,
welche einander nicht umfassen. Diese sehr zierliche Art gehört
zu denjenigen Nodosarien, welche sich mit gewissen Marginulinen-
formen nahe berühren, die namentlich im Lias verbreitet sind,
wie Marg, aequalis Tsbq., M. cuneata Tebq., M. omata Tsbq.
und andere; auch in der Kreide finden sich ähnliche Formen
wieder, von denen ich hier nur M. dispar. Rss. aus dem braun-
schweiger Hils hervorheben will. Andere Formen, die gleichfalls
in die Verwandtschaft der obigen Art gehören, sind als Denialina
beschrieben, so D. Fontannesi Bebth. aus dem Albien von
Montcley (Doubs), oder als OlanduUna wie Ol, cosiata Tebq.
aus dem Lias. Unsere Form kann jedoch mit keiner von
diesen Arten verwechselt werden, und der ausgezeichnete Er-
haltungszustand der allerdings sehr seltenen Art lässt zweifeln,
ob wir es mit einer eingeschwemmten oder autochtonen Form
zu thun haben.
8. MargintUina alsatica n. sp.
Taf. VI, fig. 11 a, 6.
Der Evolubilität und dem elliptischen Durchschnitte nach
gehört diese Form in die Verwandtschaft der Marg. tumida Rss.;
sie weicht jedoch dadurch von den mitteloligocänen Formen
dieser Art ab, dass sie viel kleiner (nur 0,55 mm lang), zier-
licher und am unteren Ende etwas dicker ist. Unsere Form
299
zeigt ferner einen kurzen Sipho an der Mündung, was ebenfalls
bei den eocänen Formen der M, tumida der Fall ist. Die Anzahl
der Kammern beträgt 8, die Nähte stehen in dem unteren Theil
des Gehäuses weniger schräg als oben, das Embryonalende ist
etwas umgebogen und ziemlich dick. M. Parkeri Rss. aus dem
Hils steht unserer Form offenbar auch sehr nahe und unter-
scheidet sich wesentlich durch ihre kleinere Mündungskammer.
Die Art ist selten und meist nur in Bruchstücken bekannt; es
wäre wohl möglich, dass wir es mit einer eingeschwemmten
Form zu thun haben.
9. CrtsteUaria sp. ined.
Taf. VI, fig. 8 a, h.
Das Gehäuse ist breit, gleichmässig flach, sehr evolut, am
Rücken comprimirt, jedoch ohne Kiel. Die Grösse beträgt 0,s mm,
und es sind gewöhnlich 8 Kammern vorhanden. Aehnliche Gristel-
larien sind ziemlich weit verbreitet, ohne dass ich eine wirklich
sehr nahe stehende Form nennen kann^ Die Art ist selten,
zeigt gewöhnlich eine etwas matte Schale und dürfte wohl zu
den eingeschwemmten Formen gehören.
10. CristeUa/Ha conglomeratica n. sp.
Taf. VI, fig. 9 a, h.
Das Gehäuse ist 0,3 mm lang, sehr evolut, schmal, überall
ziemlich gleichbreit und besteht aus 6 Kammern, von welchen
die jüngste lang und schmal ist und an der Stirnseite eine
schwache Ausbuchtung zeigt. Am Rücken ist das Gehäuse ver-
schmälert, gerundet und ungekielt. Die Nähte, namentlich die,
welche die oberen Kammern trennen, sind ziemlich tief. Die
1. Aehnlich unserer Art ist eine Varietät der Crist. semiinvoluta Teeq., welche
auf PI. XIII, fig. 7 in dem Werke von Terqoem, Foram. du Syst. oolith. (Z. de
rim. Parkinson!) 1883, abgebildet ist.
300
«
Mündung ist in eine Spitze ausgezogen. Unsere Art nähert sich
auffallender Weise gewissen Cristellarien, welche Schwagbb aus
dem Impressathon beschrieben hat, so z. B. der Cr. supror
jurassica, Cr. pauperata und Cr. ATberti, l&sst sich jedoch mit
keiner derselben vereinigen. Ich halte die sehr seltene Form
für eine aus den Jura-Schichten eingeschwemmte Art.
1 1. Mobulina Bhenana nov. sp.
Taf. VI, fig. 10.
Eine schöne, grosse Form, die jedoch oft zerbrochen
oder mit corrodirter Schale gefunden wird und nicht häufig
ist. Das involute Gehäuse misst gewöhnlich I mm, zeigt an
16 durch ganz flache Nähte getrennte Kammern, ist massig
bauchig, scharf gekielt und hat keine Nabelscheibe. Die Mündung
ist länglich oval, gestrahlt. Die letzte Kammer zeigt unterhalb
der Mündung eine Einbuchtung. Ich konnte sie: mit keiner der
zahlreichen abgebildeten Robulinen identificiren. Da ich aus
jurassischen Mergeln ^es Elsass ähnliche, wenn auch nicht
ganz übereinstinflnende Formen kenne, so halte ich die Art für
eingeschwemmt und erwähne sie nur, da die sorgfiltig ge-
zeichnete Abbildung einmal angefertigt war.
12. TrunccOulina Weinkauf fi Bss.
Diese typische Art des elsässer SeptArienthones fand sich
sehr selten am Scharrachberg.
13. Ccrwu9pira pygmaea n. gp.
Taf. VI, fig. 14.
Die Art hat eine dichte, rauhe Kalkschale und ist eng
au^ewunden. Die Dicke der Windungen kommt etwa der Breite
gleich, der Durchschnitt derselben ist vierseitig gerundet. Zu-
weilen sind die Exemplare auf der einen Seite gewölbt, auf der
301
anderen trichterartig eingesenkt. Die 5 — 6 äusseren Umgänge
sind sehr deutlich zu sehen, die inneren sind nicht mehr genau
erkennbar. Die Grösse beträgt nur 0,2 mm. Aehnliche Formen
finden sich schon in vortertiären Schichten, so C. fiUformis Bss.
von St. Gassian, C. numismalis Tebq. sp. im Lias, C, lenuissima
GuE. sp. im unteren Malm. Von den grösseren Arten des Sep-
tarienthones, namentlich von C. angigyra Rss., unterscheidet sich
C. pygmaea durch ihre geringe Dicke und ausserordentliche
Kleinheit. Ich wage hier noch nicht darüber zu entscheiden, ob
diese nicht gerade häufige Form eingeschwemmt oder autochton ist.
Ausser den erwähnten Foraminiferen finden sich noch 0,i mm
grosse, dreikammerige Eörperchen, von welchen ich (Taf. VI,
fig. 17 a--c) eine Abbildung gebe. Selbst bei der Aufhellung
mit Glycerin war nichts von Ineinanderschachtelung der Kam-
mern zu bemerken, da die beiden inneren Kammern stets opak
blieben. Die Schale ist glatt, glänzend und bei sehr starker
Vergrösserung fein punktirt. Man möchte unwillkürlich daran
denken, dass man es mit Embryonalenden irgend welcher Fora-
miniferen zu thun hätte; auffallend ist jedoch ^abei, dass diese
Körperchen , wenn sie auch nicht gerade häufig vorkommen, doch
immer die constante Zahl von 3 Kammern zeigten. Ich möchte hier
nur die Aufmerksamkeit auf diese problematischen Gebilde lenken.
Ganz ähnliche Verhältnisse wie am Scharrachberg zeigen
sich auf dem unmittelbar nördlich davon gelegenen Hügel von
Odratzheim, nur dass wir hier unter den Gonglomeraten noch
Bänke eines groben Sandsteines finden.
Folgen wir dem Abhang der Vogesen noch weiter nach
Süden, so treffen wir zwischen Bischofsheim und Oberehn-
heim abermals einen hohen Vogesenvorberg an, den Bischenberg
oder Nationalberg (363 m hoch), der ebenfalls in seinem oberen
Theil aus Gonglomeraten besteht. Das Liegeude der Gonglome-
rate bildet ein eocäner Süsswasserkalk, ungefähr vom Alter des
302
Bachsweiler Kalkes, und über demselben folgen YOrwiegend aus
Hanptoolith bestehende Conglomerate von bedeutender Mächtig-
keit, welche mit Ealksandsteinbänken and graa-gelben Mergeln'
wechseln. Die einzelnen im Conglomerat wechsehiden Schichten
besitzen keine grosse horizontale Erstreckung, sondern keilen
sich sehr schnell aas, ein Umstand^ aof welchen schon Dau-
bbse (L c. pg. 203) hingewiesen hat. Das Conglomerat besteht
ans Haaptoolith und enthalt, namentlich auf der Höhe des
Berges, sehr grosse, oft nur locker verbundene und Yollstandig
gerundete Blöcke. Erwähnt sei hier noch das Vorkommen von
Rollstücken des liegenden Sässwasserkalkes im Conglomerat.
Ganz vereinzelt sah ich auch einige kleinere Stacke von Bunt-
sandstein im jurassischen Conglomerate neben anderen schon bei
dem Scharrachberg erwähnten Gesteinsrollstücken eingebacken'.
Die oligocänen Conglomerate des Bischenberges werden auf der
östlichen Seite, am Fusse des Berges, von typischem Löss (mit
Hx. hispida L., Pup. muscorum L., Cl. parvtda Stud. und Suc,
oblonga Db.) bedeckt.
Der Hügel von Bernhards weiler (248 m hoch), welcher viel
unbedeutender ist als der Bischenberg, zeigt wiederum oligocäne
Conglomerate, welche direkt den Doggerschichten auflagern. Die
Mannigfaltigkeit der jurassischen Gesteine ist hier eine relativ
1. Dieselben enthalten hin und wieder Tereinzelte Foraminiferen, die meist
abgerieben, zerbrochen und jedenfalls aus jurassischen Schichten eingeschwemmt sind.
2. Die Oberfläche des Bischenberges ist mit gewaltigen, eckigen Blöcken Ton
Vogesensandstein meist aas dem Hauptconglomerat übersäet; ähnliche Blöcke finden
sich ziemlich häufig nahe am Vogesenabhang dieser Gegend. Dieselben werden von
Dacbri^e als «blocs erratiques» angesprochen, während Bleichei (Essai de gtol.
comp, des Pyrin^es et des Vosges, 1870, pg. $1) Ton ihnen sagt . . . «Ces €]&-
ments d^tritiques sont superpos^ ou adoss^s aox couches r^gulidres de ces forma-
tions marines, ... et correspondent ä une phase de d^nudation plus rtonte, peut-
6tre pliocöne.» Ich bin eher geneigt, der DAiBRSE'scben Ansicht folgend, sie f&r
diluvial anzusehen.
303
grössere wie in den yorhergenannten Gonglomeraten, auch sind
Stücke des eocänen Sfisswasserkalkes nicht selten. Die einge-
schalteten Mergel und Thonschichten enthielten keine Fossilien.
Auf der Gloriette (an 350 m hoch) nördlich von der Stadt
Barr treffen wir wieder dieselben oligocänen Gonglomerate an; es
sind zum Theil recht grosse und wohl gerundete, glatte Boll-
blöcke, aus ziemlich mannigfaltigen, jurassischen Gesteinen be-
stehend. Häufig sind eisenschüssige Sandsteine der Murchison-
schichten (mit Pecten pumilus Lamk. und Fleurotomaria armaia
MüNST., Harpoc. Murchisonae Sow. sp., etc.). Unter dem Conglo-
merat soll nach Daubbee ein grünlicher Mergel liegen, den ich
leider nicht aufgeschlossen fand, der aber offenbar ein Aequi-
valent der Mergel des Scharrachberges sein dürfte.
Im Anschluss an die besprochenen oligocänen Conglome-
rate, die vorwiegend aus jurassischen und zwar zumeist aus
Hauptoolithgeröllen bestanden, will ich nur noch den Hügel
zwischen Ittersweiler und Blienschweiler nennen, wo sich
ebenfalls jurassische RoUsteine finden.
Versuchen wir das genauere Alter der eben genannten
oligocänen Conglomerate zu ermitteln, so treffen wir auf grössere
Schwierigkeiten. Dieselben haben als einzige Fossilien wenige
Foraminiferen geliefert, die entweder aus Juraschichten einge-
schwemmt sind oder, soweit sie von tertiärem Alter zu sein
scheinen, keinen bestimmten Horizont kennzeichnen. Sie über-
lagern entweder eocäne Süsswasserkalke oder grünliche Mergel,
die wohl zum Unteroligocän- gehören dürften. Bedeckt werden
sie ausschliesslich nur vom Diluvium. Die wahrscheinlichste An-
nahme dürfte noch sein, dass diese Gonglomerate mit dem tiefsten
Mitteloligocän beginnen, der Hauptmasse nach noch zum Meeres-
sand gehören, an einigen Stellen (? Bischenberg) jedoch bis in
höhere Niveaus des Oligocäns hinaufreichen. Sie sind ebenso
wie die Muschelkalkconglomerate des nördlich davon gelegenen
304
Gebietes unzweifelhafte Küstenbildungen , lagern immer auf den
mesozoischen Gesteinen auf, aus dessen Trümmern sie vor-
wiegend gebildet werden, und bestehen meist in den tieferen
Lagen aus feineren, fest cementirten, in den höheren aus groben,
mehr oder weniger locker verbundenen Elementen.
Im Ober-EIsass finden sich ganz in der gleichen Weise
oligocäne Gonglomerathügel am Fusse der Yogesenkette. Der
Hügel, auf welchem Beblenheim liegt, besteht aus Kalksand-
steinbänken und Gonglomeraten, die nach Delbos und Kcechlin-
ScHLüMBEBGEB (1. c. pg. 68) aus Muschclkalk, Vogesensandstein
und Hauptoolith bestehen.
Viel mächtiger und interessanter sind jedoch die Conglo-
merate, welche wir weiter südlich an der Mündung des Münster-
thaies in die Bheinebene, bei Türkheim auf dem Letzenberg
begegnen (ungef. 350 m hoch). Zwischen Wettolsheim und Pfaf-
fenheim zeigen sich dann wiederum mehrfach Spuren von oli-
gocänen Sandsteinen und Conglomeraten, bis wir schliesslich zu den
sehr mächtigen Molassen des Hügels von Rufach (ungef. 390 m
hoch) und des Bollenberges (416m hoch) gelangen. — Sowohl die
Gonglomerate der beiden letztgenannten Lokalitäten, sowie die des
Letzenberges bestehen wieder vorwiegend aus jurassischen Ge-
steinen, welchen sie auch direkt aufgelagert sind. Rollsteine aus
dem unteren und oberen Dogger überwiegen, während triadische
GeröUe seltener sind, und die alten krystallinen Gesteine, sowie
die Grauwacken der Vogesen fehlen. Der wichtigste Umstand
ist jedoch derjenige, dass während im unteren Theile noch ächte
Meeressandfossilien vorkommen S im oberen Theile der Conglo-
merate und Sandsteine des Letzenberges und des Hügels von
1. Am FlorimoDt unweit Colmar fand Claddon Panopaea Beberti Bosq. im
Kalksandstein nnter den Gonglomeraten ; er erwähnt sie ferner vom Letzenberg. Feuille
des jeunes nat. 1882, pg. 101. La colline d'Ingersheim comme Station giologique, bo-
tanique etc.
305
fiufach in eingeschalteten Mergelschichten Fossilien (von Blei-
ches, Delbos, Egqghlik-Sohlümbebgeb und Faüdel) aufgefun-
den wurden, die einem höhereu Niveau angehören. Diese Fossilien
zeigen uns, dass die Conglomerate in dieser Gegend jedenfalls
noch bis in die Oberoligocänzeit hineinreichen. Dieselben wurden
bei Behandlung dieser Formation schon ausführlich besprochen
(pg. 284 — 286) und können hier füglich übergangen werden.
Der tiefere Theil dieser Gonglomerathügel ist ähnlich wie
der obere Theil zusammengesetzt. Während in dem letzteren
neben den Conglomeraten Kalksandsteine und öfters eigenthüm-
lich weinroth gefärbte Mergel vorkommen, so finden wir in dem
ersteren zwischen den Gonglomeraten graue bis gelbe Mergel
eingeschaltet, und die Sandsteine treten zurück. Die unteren
Gonglomerate und Mergel sind gewöhnlich ganz steril, und ich
bemerkte nur an einer Stelle, etwa in der halben Höhe des
Berges von Rufach, eine kleine aber interessante Foramini-
ferenfauna, die zwar an Arten sehr arm, aber relativ reich an
Individuen ist. Neben einem ziemlich häufigen glatten Ostra-
coden fanden sich folgende Foraminiferen :
1. JBtUimina coproUthoides n. sp.
Taf. VI, fig. 4 a, 6, c, d.
Das Gehäuse misst gewöhnlich gegen 3 mm, ist verlängert-
oval, deutlich spiralig aufgebaut und zeigt meist 4 Umgänge. Von
der Oberseite betrachtet, erblickt man bei erwachsenen Exem-
plaren nur 3 Kammern. Die Mündung besteht aus einer breiten,
verticalen Spalte. Die Nähte sind ziemlich tief. Die Schale ist fein
perforirt, was am deutlichsten zu erkennen ist, wenn ein Braun-
eisensteinkern das Innere der Kammern erfüllt. Bei ziemlich vielen
Exemplaren ist die Schalenoberfläche etwas corrodirt. Keine mir
bekannte Buliminenform zeigt eine besonders nahe Verwandtschaft
zu unserer Art. Ziemlich häufig in den Mergeln von Rufach.
III. 20
306
2. Textilarta alsoHca n. sp.
Taf. VI, fig. 5 a, 6.
Das lange, schmale, seitlich zusammengedrückte aber uu-
gekielte Gehäuse zeigt meistens 10 — 11 Kammern in jeder
Reihe und erreicht eine Länge von 0,4 mm. Die Seitenränder
des Gehäuses sind öfters annähernd parallel oder laufen in einem
sehr spitzen, am Ende gerundeten Dreiecke zusammen. Die
Stellung der Kammern zu einander ist ähnlich wie bei Bolkina
elongaia Hahtk., von der sie jedoch durch ihre viel breitere
und kürzere Mündung abweicht, weshalb ich unsere Art noch
zu Teuü'Iaria stelle. Sie ist häufig im Mergel von Bufach.
3. Texitlaria inflaia n. sp.
Taf. VI, fig. 6 a, h.
Diese Art ist verwandt mit der vorigen und gleicht ihr
namentlich in Bezug auf die Mündung, welche vollständig ebenso
hoch wie breit ist, so dass man im Zweifel bleibt, ob man die
Art nicht zu den Bolivinen stellen soIL Sie unterscheidet sich
von der vorigen durch ihre dickeren Kammern, tiefem Nähte
und ihre breitere, dreieckige Form. Sie zeigt bei einer durch-
schnittlichen Grösse von 0,15 mm jederseits nur ungefähr 6 Kam-
mern, die nach oben hin recht gross und bauchig werden. Diese
Form ist sehr veränderlich; auch findet man oft gekrümmte und
gedrehte Exemplare. Sie ist seltener als die vorige und findet
sich mit ihr zusammen.
Dem Abhänge der Vogesen folgend, treffen vrir auch noch
weiter südlich an verschiedenen Stellen die oUgocänen Con-
glomerate an, so bei Sulz unweit Gebweiler, östlich von
Thann, dann in der Gegend von Bodern und Leimbach und
bei Sentheim; neben dem Muschelkalke, jurassischen Gerollen
und dem Voltziensandsteine sind hier der Vogesensandstein. sowie
307
Quarzgerölle namentlich vertreten. Grauwacke und krystalline
Gesteine fehlen und bilden so einen Anhaltspunkt zur Unter-
scheidung von jüngeren, quartären Geröllablagerungen, auf welchen
schon von yerschiedenen Seiten aufmerksam gemacht worden ist.
Die Conglomerate erstrecken sich noch weit nach Süden
und reichen in einzelnen Vorkommnissen bis in die Gegend von
Beifort, Montb^liard und bis in den Berner Jura hinein; sie
bestehen alsdann vorwiegend aus Gerollen von jüngeren Jura-
gesteinen und reichen oft bis in das Oberoligocän hinauf. Ich
erwähne nur als Beispiele einige Vorkommnisse von Conglome-
raten, wie Bourogne, M^zir^ und Boncourt in der Gegend
von Montb61iard.
Am Fusse der Pfirter Berge und in der Gegend von
Basel finden wir vorwiegend eine sandige Entwicklung des
unteren Mitteloligocäns (Meeressandes), über welcher sich dann
später die Fischschiefer absetzten. In der geologischen Departe-
ments-Beschreibung von Dblbos und Kceghlin-Schlümbeboeb
werden beim Tongrien eine ganze Anzahl von Fundstellen er-
wähnt, die hierher gehören dürften, wie Besingen, Hegen-
heim, Neuweiler, Ober- und Unter-Hagenthal, Liebents-
weiler, Bettlach, Roppentzweiler und andere. Eigentliche
Küstenconglomerate finden sich jedoch nur in beträchtlicherer
Entwicklung in der Gegend von Bädersdorf und Oltingen,
und auch diese bestehen vorwiegend aus Gerollen des oberen
Jura (und zwar Astartien).
Verfolgen wir noch in einem kurzen Ueberblick die Küsten-
bildungen längs des Schwarz waldes , so ist zu bemerken, dass
sich dieselben ausschliesslich in Oberbaden finden und nur bis
in die Gegend von Lahr (Schutterlindenberg)* reichen. Sie
1. Genauere Auskunft Ober dieses Vorkommen gibt das neuerdings erschienene
Werk von H. Eck «Geognoslische Karte der Umgegend von Lahr mit Profilen und
Erläuterungent. Lahr, 1884, pg. 100 and tOt.
308
zeigen ganz die gleiche Entwicklung wie im Elsass und bestehen
aus Kalksandsteinen, Conglomeraten und einzelnen Mergellagen.
Der grösste Theil dieser Bildungen gehört offenbar zum Meeres-
sand, wie dies die bei Rötteln und Lörrach gefundenen Fos-
silien anzeigend
In besonderer Weise hervorzuheben sind noch die Con-
glomerate auf der Spitze des 646 m hohen Schönberges bei
Freiburg, welche so vollständig mit depjenigen des Elsass
übereinstimmen, dass schon von Daubbee (1. c. pg. 215 und 398)
auf ihre Aehnlichkeit hingewiesen wurde.
Es bleibt uns noch übrig, einige Eigenthümlichkeiten zu
erwähnen, welche die Gerolle der oligocänen Conglomerate auf-
weisen. Namentlich Daubbee hat schon in früherer Zeit die
Aufmerksamkeit auf diese Erscheinungen gelenkt.
Was die Grösse der einzelnen Gerolle betrifft, so haben
wir schon gesehen, dass dieselbe sehr wechselnd ist; sie sind
zuweilen nicht viel grösser als eine Nuss, oder noch kleiner;
sehr oft erreichen sie Faustgrösse oder beinahe Eopfgrösse, indem
sie einen Durchmesser zwischen 10 und 20 cm haben, ja sie
erreichen sogar 30 — 40 und selbst 50 cm. (Oltingen, Bast-
berg, Gloriette, Görsdorf, etc.). Die ganz grossen Blöcke,
welche 60 — 70 cm messen, finden sich nur in den obersten
Lagen der Gonglomerathügel, sind nicht durch Gement verkittet
und öfters mit Diluvium gemischt, so dass man nicht immer
1. Nach Schill's Angabe fand sich Cyrena convexa Brong. (= semistriata Desh.)
bei Uffhaosen, ein Fossil, aus dessen Vorkommen wir hier keine veitern Schlüsse
ziehen dürfen, indem es sowohl im Unter- wie im OberoHgocän vorkommt. Das Vorkom-
men von Palaeotheriutn magnum Guv. (Schill. g««k Besch. der Umg. der Bäder Qlotter-
thal und Suggenthal. Abb. zur See. Freiburg der top. Karte von Baden, 1862, pg. 20)
im Sandstein von Pfaffenweiler hingegen ist sehr auffallend und erweckt Zweifel,
ob dieser Sandstein nicht vielleicht eher ein Aequivalent der Blattersandsteine von
Spechbach auf der rechten Rheinseite ist und nicht zum Complex der jüngeren
oligocänen Conglomerate und Kalksandsteine gehört. Ein jüngeres als höchstens
unteroligocsnes Vorkommen von Palaeolherium ist wenigstens nicht wahrscheinlich.
309
ganz sicher sein kann, ob sie bei der Verwitterung der ofigo-
cänen Gonglomerate übrig geblieben sind oder aus jüngerer Zeit
stammen (Delbos, I.e., Bd. II, pg. 61). Gewöhnlich zeigen die Ge-
rolle ein und derselben Schicht nicht alhsu yerschiedene Grössen.
Die Gestalt der GeröUe ist in der Regel eine unregel-
mässig ellipsoidische; ihre Oberfläche ist stark gerundet, öfters
sogar geglättet.
Die Gerolle zeigen zuweilen Schürfungen und Reibungs-
erscheinungen, „Traces d'arrachement ou d'^tirement", wie Dau-
BBEE dieselben nennt ; er erwähnt sie vom Scharrachberg und Hörn
bei Wolxheim. Dieselben deuten darauf hin, dass die GeröUe (viel-
leicht in einem theilweise erweichten Zustande) zusammengepresst
und gegeneinander verschoben worden sind; sie sind in ausgezeich-
neter Weise auch am Letzenberg bei Türkheim zu beobachten.
An demselben Orte fanden sich auch HauptoolithgeröUe , die
gegenseitig sehr vollkommene Eindrücke ineinander bewirkt
hatten, so dass es den Anschein gewinnt, als ob das eine Ge-
röUe hart, das andere mehr oder weniger weich gewesen wäre.
Delbos und Kcechlin-Sohlümbebgeb erwähnen ähnUche GeröUe
„galets impressionn^s" von M^zir^ und Bourogne.
In den Rollsteinen, namentUch den grösseren, finden sich
verschiedenartige Löcher und Höhlungen ; ja einzelne sind sogar
im Inneren vollständig ausgehöhlt. Solche hohle GeröUe von
Muschelkalk beobachtete Daübeee bei Görsdorf; sie finden
sich auch anderwärts, z. B. an der Walkmühle (bei Lobsann),
und hohle GeröUe von HauptooUth sah ich bei Bernhards-
weiler. Ueberhaupt sind die hohlen GeröUe keine so seltene
Erscheinung in Conglomeraten und fanden sich auch im Leitha-
kalk des Wiener Beckens; merkwürdigerweise gibt es sogar hohle
QuarzgeröUe im Vogesensandstein der Gegend von EpinaP.
1. Daubbkb, rinstitut, 28. Mftrz n« 1369, 1860.
310
Ferner beschreibt Daubeee (1. c. pg. 206, Taf. III, fig. 59)
solche Höhlungen, in welchen sich kleinere Gerolle finden, die
nach seiner Ansicht diese Löcher ausgehöhlt haben.
Neben den unregelmässigen Löchern, die bei der Ver-
witterung vielleicht aus einer ungleichmässigen Härte und Wider-
standsfähigkeit namentlich der oolithischen Gesteine hervorgingen,
haben wir solche zu unterscheiden, welche regelmässiger, öfters
lang und ziemlich gebogen sind. Daubree deutete dieselben
schon als Bohrmuschellöcher (teredo) und erwähnt sie von Barr*
und von Blienschweiler; man könnte noch andere Orte nam-
haft machen, jedoch ist oft schwer zu entscheiden, ob sie wirk-
lich von Bohrmuscheln herstammen, oder ob sie durch Wurzeln
von darüber wachsenden Pflanzen erzeugt wurden. Immerhin ist
festzuhalten, dass die Bohrmuscheln keinenfalis die Rollblöcke
selbst angebohrt haben, sondern dass Uferfelsen, in welchen
Bohrmuscheln lebten, zuweilen das Material zu den Gerollen
lieferten. Derartige Uferfelsen gab es nun in der Jhat zur Oli-
gocänzeit im^ Elsass, und sie sind uns in einzelnen Fällen sogar
erhalten worden. Daubbee beschreibt solche angebohrte Muschel-
kalkfelsen von Görsdorf unweit Wörth. Eine ähnliche Er-
scheinung beobachtete ich am Hauptoolith des Scharrachberges,
ganz in der Nähe der oligocänen Conglomerate. Sie finden sich
auch am Dreispitz unweit Molsheim, und aller Wahrschein-
lichkeit nach waren sie früher am kleinen Bastberg bei Buchs-
weiler ebenfalls zu sehen.
Diese wahrscheinlich als Bohrmuschellöcher anzusehenden
Gebilde (B Eartensk. Nr. 2), sowie die Eüstenconglomerate (o)
ermöglichen es uns, mit einiger Wahrscheinlichkeit die alte
Strandlinie des OUgocänmeeres im Elsass wiederherzustellen, wie
1 . Abgerollte jurassische Korallenstöcke, welche auf der Gloriette vorkommen
und von jurassischen LiUiodomen angebohrt sind, deren Schalen sich noch darin
finden, sind nicht damit zu verwechseln.
311
dies versuchsweise auf der Kartenskizze (Nr. 2 Atlas) durch den
blauen Ueberdruck geschehen ist. Im Badischen sind uns nur
im Süden durch die Conglomerate einige Anhaltspunkte gegeben.
Nördlich von Lahr kennen wir nichts mehr derart, und es ist
möglich, dass das Meer hier eine grössere Ausdehnung hatte,
als wir sie eingezeichnet haben.
Das ungefähre Zusammenfallen der Verwerfungsspalten mit
den Eüstenconglomeraten ist jedenfalls ein bemerkenswerther
Umstand, welcher zeigt, dass die Grenzen des Meeres nicht
sehr weit über die jetzige Verwerfungsspalte hinausreichten. Ob-
wohl es feststeht, dass die Verwerfungsspalte in der Form, wie
sie jetzt vorliegt, erst eine weit jüngere Bildung ist, dass sie
die mittel- und oberoligocänen Schichten im Elsass noch ver-
worfen hat und an anderen Orten sogar ihre Thätigkeit bis in
noch jüngere Schichten hinauf fortsetzt, so müssen wir doch
wohl annehmen, dass schon zu Beginn der Oligocänzeit eine
Bruchlinie vorhanden war, welche die tiefere Lage der Rhein-
ebene gegenüber den seitlichen Gebirgen, namentlich des Süd-
schwarzwaldes und der Südvogesen, bewirkte.
Becapituliren wir nochmals in kurzen Zügen die Geschichte
des Oberrheiuthales zur Oligocänzeit. Wir haben im Anfang eine
flache Meeresbucht, die sich von Süden her bis in die Gegend
von Colmar erstreckte und die über dem Melanienkalk (Ober-
eocän) und unter dem Meeressand (Mitteloligocän) liegenden
Gypse (cf. Atlas Nr. 2. V Zimmersheim, Wasenweiler,etc.)
bildete ; zur gleichen Zeit ungefähr mögen auch die noch z. Th.
fraglichen Steinmergel mit Cyrenen, die sich an verschiedenen
Orten des Oberrheinthaies finden, entstanden sein. Diese Bucht
verlängert und erweitert sich gegen Norden; es werden die
grünen und grauen brackischen Mergel (Y) niedergeschlagen, in
welchen sich bei Hirzbach und namentlich bei Pechelbronn
312 .
Petrolsandflötze bildeten (wahrscheinlich als Lagunen und Fluss-
deltabiidungen).
Alsdann erfolgt eine Periode stärkerer Senkung; das Meer
dringt weiter nach Norden vor und eine Verbindung mit dem
Mainzer Becken wird hergestellt, welches in dieser Zeit sich
zum ersten Male mit einem tertiären Meere bedeckte. Die
Oberrheinebene bildet jetzt einen ziemlich schmalen Meeresarm
(ungefähr von dem Umriss, wie ihn der blaue Ueberdruck un-
serer Kartenskizze darstellt). An den sich senkenden Strand-
linien, die z. Th. aus Steilküsten vorwiegend von Muschelkalk
und Jurafelsen bestanden, bilden sich die Gonglomerate (ähnlich
wie die quarzitischen Conglomerate am Taunusgehänge im Mainzer
Becken). An den ruhigeren Stellen des Meeres, so in der Gegend
von Basel und im Mainzer Becken, bildeten sich statt der Con-
glomerate fossilreiche Kalksandsteine und Sande. Diese Senkung,
verbunden mit einer stellenweisen Erweiterung des Meeres',
mag fortgedauert haben bis zu der Zeit, wo sich der Rupelthon
bei Sulz-unterm-Wald und Lobsann bildete, wo die fora-
miniferenreichen Mergel bei Hartmannsweiler niedergeschlagen
wurden, und wo Schwärme von Amphisylen das inselreiche
tropische Meer, welches südlich davon lag, bevölkerten (Blätter-
sandsteine von Habsheim, Palmenreste etc. in den anscheinen-
den Tiefseebildungen der Fischschiefer).
Schliesslich beginnt dann der Rückzug des Meeres und die
allmähliche Aussüssung mit den Cyrenenmergeln im Oberoligocän.
1. Der Rnpelthon von Drachenbronn zeigt entschieden eine Transgression
an gegenüber den Meeressand-Conglomeraten der Walkmühje.
Tabellarische üebersicht der Tertiärschichten im filsassJ
(Stork brackitch.)
Oberes.
(BtwM brackiacb.)
Uittlerei. (Marin.)
Oligooän.^
UnteTei. (Brackiacb.)
Ober-Elsas8.
Schiebten von Rnfacb mit
Mytilu* Pat^jcui und Cyr.
eonvexa (= temutriata) etc.
Cyrenenmergel ?
Bl&ttersandstelne m. Meleita.
Fisohaehiefer (B n c b BW e i I e r
Ob.-B., Aue etc.); Mergel
mit Ostr, eaüifera yon 011-
weiter, Rodern etc.
MeeresBandmergel v. Dam-
merkirob und Alt>
kirob; Mefrataand (Rae-
deradorf, Oltingen,
S t e 1 1 e n in Ob.-Bad. etc.).
Orane patreUunfthrtadt Mer-
gel und Bl&ttaraaaditeiiie
yon Hiribacb.
0 jps (Zimmerabeim,
Hattatatt, Waaen-
w e i 1 e r in Ob.-Bad. etc.)
[Steinmergel mit Cyrenen
£ffringen, Istein,
I/aufen in Ob. -Bad. ,
?ZilliBheim i.Ela.etc.j.
Ünter-Elssss.
Blätteraandsteine ▼. T r n c b-
t e r a b e i m , yom Glöckela-
berg etc. Oyranauntrgal von
Kolbsbeim, Truob-
terabeim und Ooa in
Baden.
Hnpeltben
oder
BeptariantboB.
Anhaltkalk yon Lobaann;
Conglomerate der Walk-
mühle ▼. L a n d a u ( Rhein-
pfalz) etc. [Vielleicht anch
die oberaten foraminife-
renfUhrenden Mergel von
Schwabweiler.]
Oraae patrelanrnfSbraBde Mer-
gel und Blitteraaadateiiie
von Scbwabweiler ;
grünliehe Mergel n. Petrel-
aaade ▼. Pecbelbronn;
Peehiaade und Mergel yon
Lobaann; dunkle Mer-
gel aua dem Bohrloch von
Oberatritien etc.
S a
a^
a 9
ff*-
•2 fl
9 -*
^ Oberes. (Limnlaeb.)
Eooän. i
Mlttleree. (Limniacb.)
Melanienkalk (Brnnnatatt,
E 1. • K e m b a in Ob.-Bad.,
Altkirch, Lfimacb-
w eil er etc.) Bl&ttenand-
ateia yon Speohbach,
aowie die Mergel im Lie-
genden dea Melanien-
kalkea.
[Kalk mit Plan. p$eudamtno-
nitu ScHLOTH. yon Hobel
Ct. Solothum.]
Kalk Toa Biieheaberg (Nie-
dermorachweiler,
Bernharde Weiler).
Baehaweiler-Kalk. (Danen-
dorf, Ubatatt in Ba-
den etc.).
a
9
a
o
►
9
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90H
a
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pq
1. Vergleicht man die obigen Schichten dea Elaaaa mit denen dea Pariaer Beckena, wie diea auch
achon an betreffender Stelle im Texte geachehen ist, ao ergiebt eich : Daaa der Bncbaweiler-Kalk äquivalent
dem Kalke von Longpont etc. iat, also dem cbano yerti im Qrobkalk entapricht. Der Melanienkalk dflrfle
zum grdaaten Theil dem calcairo de St.-Ouen namentlich den oberaten Parthien deaaelben entsprechen. Der
Qypa entapricht dem Parlier Oypa. Die mächtigen petroleumftthrenden Mergel dea Elaaaa liegen im
gleichen Niveau, wie die viel unbedeutenderen imarnea verteai über dem Oypa. Der Meereaaand tat gleich
den aables de Fontainebleau. Rupelthon und Fischschiefer haben kein beatimmtes Aequivalent bei Paria,
während die Cyrenenmergel, die Schichten von Rufach und auch der Cerithienkalk im groaaen Garnen
dem Compleze dea calcalre de Beauce mit den darunter liegenden Mergelachichten entaprechen dOrften.
IV.
DIE MIOGÄNSCHIGHTEN
IM OBERRHEINTHALE.
817
Abgesehen Ton den fraglichen „marnes ä cyrenes'' bei
Mülhausen und den sehr stark ausgesüssten BrackwasseV-
schichten von Rufach (pg. 284), die noch zum Oberoligocän
gezogen wurden, kennt man aus dem Elsass keine Schichten,
die eventuell ein miocänes Älter beanspruchen könnten, während
man in angrenzenden Ländern, in der Rheinpfalz, in Baden, in
der Schweiz und möglicherweise auch noch in der Gegend von
Montb^liard — im „calcairevonChätenois" — typische Miocän-
bildungen findet.
Auf die Cyrenenmergel folgt im Mainzer Becken als tiefstes
Glied des Miocäns der Cerithienkalk, welcher zuweilen durch
zahlreiche eingeschwemmte Landschnecken auch als Landschnecken-
kalk entwickelt ist. Derselbe lässt sich in der Rheinebeue über
Neustadt* hinaus bis in die Gegend von Landau verfolgen,
wo er bei Ilbesheim, seinem südlichsten Vorkommen, nochmals
fossilreich auftritt.
Erst ganz im Süden der Rheinebene, in Ober-Baden, finden
wir wieder Bildungen, die einige, wenn auch keine sehr grosse
Analogie mit dem Landschneckenkalk zeigen. Lichtgelb gefärbte
Süsswasserkalke, in ihrer oberen Partie weisse Eieselkalke, graue
Mergel und HornsteinknoUen enthaltend, bedecken den Höhen-
zug der nördlich von Weil das Wiesethal von dem Rheinthale
scheidet und gewöhnlich als Tüllinger Berg bezeichnet wird.
Sandbebgeb (L. Sw. Conch d. Vorw., 1875, p. 449 u. 450) stellt
diese Kalke zusammen mit den Schichten des St. Albansthales
in Basel und deigenigen der Delsberger Gegend in das Niveau
1. Typische Stücke von Cerithienkalk, welche von Neustadt an der Hardt
stammen, befinden sich in der Strassburger Sammlung.
318
des Land8chneckenkalke8 von Hochheim im Mainzer Becken
und rechnet sie zum Untermiocän. Immerhin ist der unter-
schied, den die Kalke von Tüll in gen mit denen von Hoch-
beim aufweisen, sehr beträchtlich. Bei Tüllingen fehlen die
Cerithien vollständig; im Gegensatz zu Ho ebbe im überwiegen
nicht die Landschnecken, sondern die Süsswasserschnecken ; auch
ist Hx. rugtdoaa v. Mabt. verhältnissmässig häufiger. Bei Ge-
legenheit einer Excursion nach dem Tüllinger Berg fand ich
folgende wenige Arten in ziemlicher Anzahl, jedoch mangel-
haftem Erhaltungszustande (Steinkeme nebst Abdrücken); die-
selben sind wohl der Mehrzahl nach schon von dem Fundpunkte
bekannt: Hx. rugulosa v. Mabt., Limnea pachygaster Thom.,
Planorbis comu Bbono. sp. , PL declivis Al. Bb. und Ohara
Meriani Al. Bb. , letztere im Mergel*. Man kann sich nach
den wenigen Arten kein sicheres Urtheil über das Alter
bilden; jedoch hat es für mich den Anschein, als ob die
Tüllinger Kalke jünger wären, als der Landschneckenkalk
im Mainzer Becken und vielleicht sogar zum Mittelmiocän ge-
hören könnten. Die Corbiculakalke des Mainzer Beckens reichen
ebenfalls ziemlich weit nach Süden bis in die Rheinpfalz, wo sie
sich, ausser bei Dürkheim und Neustadt', bei Ottersheim
unweit Göllheim finden, an welchem Orte die Kalkbänke von den
Schalen der Corhicula Faujasi Desh. sp. erfüllt sind. Andere
1. Gbbppin (Jura Bemois et districts adjacents; Beitr. zar geol. Karte der
Schweiz 1870, pg. 175) erwähnt folgende Arten von TQllingen: JZr. Ramondi
Brg., Planorbis depressus Grepp., Pi, torquaNa Grepp., Pupa quadtigranata Al. Bb.,
Chara Meriani Al. Br. — Der Namen PI, depressus Grepp. (M^m. d. 1. soc. helv.
d. sc. nat. 1856; Ter. mod. quat et tert du val de Del^mont, Tf. 111, flg. 6) kann nicht
beibehalten werden, da er von Nyst schon fr&her für einen anderen Planorbis verwendet
worden ist. — Bemerkenswerth ist ferner, dass sich in der Strassburger Sammlong ein
typisches Exemplar von Bx> Bamondi Brg. befindet, welches den Fundort «Env. de
Largue Ht.-Rbin» trägt, also aus der Gegend von Oberlarg im Ober^Elsass stammt
2. S^KfDRERGER. Land- und Süssw.-Conch. d. V. 1870—75. pg. 481.
319
Stücke enthalten Hydrobia inflata Fauj. sp. , Hydrobia ventrosa
Monte, sp. und Dreissena Brardi Fauj. sp. Sehr bemerkenswerth
ist ferner das noch weiter südlich, dicht an der elsässer Grenze
gelegene Vorkommen am Büchelberg bei Lauterburg^ Dieses
isolirte Vorkommen zeichnet sich noch dadurch aus, dass es
verhältnissmässig weit von der Rheinthalspalte und dem Ge-
birgsabhange entfernt ist. Etwa eine Stunde nördlich von Lau-
terburg erhebt sich inmitten des Bienwaldes ein flacher, läng-
lich geformter Höhenzug, der Büchelberg, auf welchem das gleich-
namige Dorf gelegen ist. Dieser isolirte Hügel, welcher aus
dem Diluvium (regenerirter Vogesensand) hervorragt, ist unbe-
waldet und besteht aus Corbiculakalk, welcher in zahlreichen
kleinen Steinbrüchen hier aufgeschlossen ist. Die unteren, harten
Kalkbänke enthalten hauptsächlich Schichten, die von Corbicula
Faujasi Desh. sp. erfüllt sind. Darüber liegen mehr mergelige
Kalke, wechselnd mit dünnen Mergelschichten und ganz inho-
mogenen, von Kalksinter durchzogenen Parthien; schliesslich
liegen zu ober^t meist dünne, plattige Kalkbänke. Hydrobia in-
flata Fauj. sp. ist ungemein häufig und erfüllt zu Tausenden fast
alle Schichten des Gomplexes; viel seltener findet sich neben
ihr Hydrobia ventrosa Montf. sp. Von Heliceen fanden sich Hx.
girondica Noül. und Hx, crebripunctata Sandb. in den höheren
Schichten mit Hydrob. inflata zusammen, ferner ein stark ge-
rippter Abdruck einer nicht gekielten Helix-Axi (? Hx, rugu-
losa V. Mabt.). Ein Block mit Heliceen war ganz erfüllt von
den Samen der Celtis hyperionis ÜNa. sp.' und enthielt den Stein-
1. Ich konnte bisher in der Litteratar keine genaueren Angaben über das Vor-
kommen von Corbicuiakalk unweit Lauterburg finden.
2. Die Samen dieses fossilen Baumes, der mit unserer Linde Verwandtschaft
zeigt, fanden sich, wenn auch selten» im Corbicuiakalk des Mainzer Beckens, so bei
St. Johann unweit Sprendlingen in Rheinhessen. (Büttgkk, Fauna der Corbicula-
schichten im Mainzer Becken Palaeontogr. XXIV N. F. IV, IS^G— 77.)
320
kern und Abdruck einer kleinen Patula^ die der Fat muUicoS'
iaia Thom. am meisten gleicht. Von Cerithien fehlt jede Spur.
Mytilus Faujast Bbong. fand ich nur in sehr mangelhaften
Resten, und l)reissena Brardi Faüj. sp., die noch bei Otterß-
heim unweit Gö 11 heim häufig ist, wurde nicht beobachtet.
Bemerkenswerth ist auch das Vorkommen von Phryganiden (Indu-
sien), deren Röhren ganz aus den Gehäusen von Hydrohia inflata
aufgebaut sind und die einzelne Schichten vollständig erfüllen.
Weiter südlich von diesem Vorkommen kenne ich mit Sicherheit
keinen Corbiculakalk in der Rheinebene mehr, und noch weiter
im Süden, in der Schweiz, haben wir eine ganz andere marine
Entwicklung des Miocäns (Helv6tien).
Die Dinotheriensande schliesslich, welche im Mainzer
Becken die obersten Tertiärschichten bilden, sind bisher noch
nicht im Elsass nachgewiesen worden. Die badischen Bohnerze
von Mösskirch, nördlich von Constanz, welche Dinotherium
geliefert haben, fallen nicht in unser Gebiet hinein , und so viel
ich weiss, ist in den Bohnerzen der Oberrheinebene bisher nichts
dergleichen beobachtet worden. Man kennt jedoch Dinotherien-
reste aus Gebieten, die an das Elsass angrenzen, so z. B. aus
dem Berner Jura, und es wäre durchaus nicht zu verwundern,
wenn die Reste dieses gewaltigen Proboscidiers auch gelegent-
lich einmal im Elsass aufgefunden würden.
Bei dem Dorfe Riedselz, südlich von Weissenburg, sind
eigenthümliche weisse Quarzsande aufgeschlossen, die überhaupt
in dieser Gegend eine grössere Verbreitung besitzen. Diese
Sande zeichnen sich dadurch vor allen diluvialen Sauden und vor
dem Rheinsande aus, dass sie keinen kohlensaueren Kalk enthalten
und des Glimmers fast gänzlich ermangeln. Die einzelnen Sand-
körner, namentlich die grösseren, sind sehr vollkommen gerundet
und bestehen aus wasserhellem Quarz oder aus Milchquarz. Die
Korngrösse der Sande ist je nach der Schicht eine wechselnde;
J
321
die gröberen Schichten bestehen aus lockerem Sande; einzelne
Schichten von feinerem Sand sind durch ein thoniges Cement
schwach verkittet; auch finden sich Bänke von grossen, weissen,
vollkommen gerundeten Quarzkieseln. Die Farbe des Sandes ist
gewöhnlich eine rein weisse, zuweilen wird sie blass rosa und
zeigt von da alle Uebergänge zum ockergelben. Ab und zu
kommen Schichten mit schwarzem Brauneisenerz und Manganflecken
vor. In den Sauden finden sich Thonschichten zuweilen von
heller, röthlich-weisser Farbe, zuweilen dunkler, mehr braun
gefärbt; diese Thonschichten sind manchmal ungemein zart und
enthalten Abdrücke von Gräsern und Fragmente von dicotyle-
donen Blättern. Ausserdem fanden sich keine Fossilien im Thon
oder Sand, und es muss einstweilen noch dahingestellt bleiben, ob
diese Schichten wirklich zum Dinotheriensand gehören, mit welchen
sie am meisten Aehnlichkeit haben, oder ob wir sie zum tiefsten
Diluvium stellen müssen. Die Lagerungsverhältnisse gewähren
wenigstens bei Riedselz keinen Aufschluss. Die Sande mit den
eingeschalteten Thonen haben wahrscheinlich die OUgocänschichten
zum Liegenden und werden von Löss bedeckt.
Reste, welche ebenfalls der jüngeren Tertiärzeit entstam-
men, wurden bei Lahr, und zwar, wie es scheint, in einer
Spalte aufgefunden. So erwähnt Eck* einen Zahn von Masiodon
arvernensis Cboiz. und Job. In der Strassburger Sammlung
befindet sich ebenfalls ein zerbrochener Mastodon-Zahn mit der
Fundortsbezeichnung Lahr.
1. H. Eck. 6eog. Karte der Umg. v. Lahr, 1884, pg. 101.
UL 21
322
NACHTRAG.
Zu den Lophiodonzähnen aus dem Mitteleocän von Buchs-
weiler, die auf Tafel XII abgebildet sind, müssen noch einige
Bemerkungen hinzugefügt werden. Die Unterkieferzähne der
kleineren Lophtodon-Art (fig. 1 5) gehören der städtischen zoolo-
gischen Sammlung von Strassburg und wurden mir von dem
Director Herrn Dr. Dödeelein gütigst zum Abbilden anvertraut.
Die anderen Zähne (fig. 16 — 19) sind Oberkieferzähne, welche
der grossen Lophiodonart angehören und sich beim Zerschlagen
eines Blockes des Süsswasserkalkes von Buchsweiler in der
geologischen Sammlung noch nachträglich vorfanden.
liophiodon SuxoviUanum Guv.
Taf. XII, fig. 15 a, 6.
Die Abbildung zeigt i?' und 2?% die beiden hintersten ünter-
kieferpraemolaren. Diese Zähne messen in der Länge j?* = 17 mm,
p^ =^ 18 mm. Hinter denselben sind noch Reste von den beiden
vordersten Molaren erhalten; ihre Länge beträgt bei m^ 22,5 mm,
bei m* ungefähr 26 mm (leider ist hier der Zahn am hinteren
Ende ganz zerstört). Die Breite von p^ ist = 10,5 mm, von
p^ = 13 mm; die Breite der Molaren lässt sich nicht angeben*
da die Zähne vorn abgebrochen sind. Die Praemolaren sind nur
sehr wenig an den Spitzen abgenutzt; sie besitzen eine hohe Zahn-
krone (p' =16 mm; p^ = 17,5 mm) und lange (bis zu 27 mm
323
messende), kräftige Wurzeln. Die Höhe des ganzen Unterkiefers
zwischen den Molaren und Praemolaren beträgt 4,2 mm.
Zophiodon tapiroides Cuv.
Taf. XII, fig. 17 — 19.
Auf Tf. XII, fig. 17, 18, 19 sind die Praemolaren aus
dem linken Oberkiefer von dieser Art abgebildet; dieselben sind
wie alle ZopÄ/örföw-Praemolaren dadurch leicht von den Molaren
zu unterscheiden, dass sie nur ein Querjoch besitzen. Die Zähne
stammen alle aus demselben Kiefer, obwohl sie nicht ganz und
gar in der ursprünglichen Lage gefunden wurden. Der Grad
der Abkauung ist bei allen der gleiche, die einzelnen Details
sind genau in der Zeichnung wiedergegeben und können daher
hier übergangen werden. Die Maasse sind folgende: der hinterste
Praemolar p^ misst in der Länge = 30 mm, in der grössten
Breite = 38,5 mm; p* l = 27 mm, b = 34,5 mm; p^l = 27,5 mm,
6 = 28 mm; jp* ist fig. 196 nochmals von der Seite abgebildet,
um die ungemein kräftige Wurzel dieses Zahnes zu zeigen. Ich
glaubte, diese Zähne hier abbilden zu müssen, da in Cuyiebs
Ossm. foss. (Tf. II, PI. VI, fig. 2 und 5) nur eine Abbildung
von jp* und jp" der kleineren Lophiodon-Art von Buchsweiler
(L. Buxovillanum) gegeben ist, und die gleichen Zähne von
L. tapiroides in einigen Punkten abweichen.
Aus dem gleichen Oberkiefer, ebenfalls von der linken
Seite, stammt auch der gewaltige £ckzahn, den wir fig. 16 ab-
bilden; er war, wie es scheint, nur wenig aus seiner ursprüng-
lichen Lage verschoben. Der Zahn hat eine sehr grosse, flach
gedrückte Wurzel, die bei völliger Erhaltung jedenfalls an
85 mm lang war. Die Breite der Zahnwurzel bei x y, welche
auf der Tf. XII, fig. 16 durch einen Umriss im Inneren des
Zahnes angedeutet ist, betrug 43 mm, niie entsprechende Dicke
25 mm. Die Höhlung im Inneren der Zahnwurzel war am unteren
324
Theile derselben etwa 28 mm laug und nur 5 mm breit. Die
kurze, kräftige Eckzahnkrone, welche vorn abgebrochen ist, war
wohl an 45 mm lang, hatte vorn-innen eine sehr kräftig markirte
und hinten-innen eine viel schwächere Kante; der Basalwulst
ist ziemlich stark entwickelt. — Aus der rechten Oberkiefer-
hälfte fand sich in demselben Blocke der vorderste Praemolar
jp' und der Abdruck des Eckzahnes.
Aus den auf Tf. XII abgebildeten Zähnen von L. iapiroides
Guy. folgt zunächst, dass diese Art wegen der ungemein starken
Ausbildung der Wurzel bei dem Caninen und dem davorstehenden
Praemolaren p^ nothwendiger Weise ein grösseres Blastem zwi-
schen diesen beiden Zähnen im Oberkiefer gehabt haben muss.
Es ist dies um so interessanter, als es uns ein neues und
wichtiges Unterscheidungsmerkmal von der anderen Lophiodonart
(£. Biixovillanum) des gleichen Fundortes darbietet, von welcher
wir auf pag. 23 nachgewiesen haben, dass ein Diastem zwischen
p^ und c im Oberkiefer fehlte. Aus den CuviEs'schen Abbil-
dungen geht ferner hervor, dass Lop. iapiroides im Unterkiefer
ebenfalls ein Diastem zwischen c und p^ hatte (Cuv., Oss. foss.,
1822, Tf. II, PL VII, fig. 1*). L. Buxovittanum hingegen hatte,
nach der Abbildung von Cüvieb (Tf. II, PL VI, fig. 1) zu
urtheilen, im Unterkiefer ebenfalls kein Diastem.
Zweitens folgt, dass wir den auf Tf. IV, fig. 10 — 13 ab-
gebildeten Caninen von Dauendorf zu L. cf. BuxoviUanum
rechnen müssen, welchen wir wegen der Aehnlichkeit mit einem
1. Es heisst daselbst im Text, pg. 204: • Intervalle entre !a canine et U
molaire qui se trou^e la premiöre, mais qul pourrait bien n'ötre que la deaxiöme
= 0,045 m.» Ist die zuletzt hier geäusserte Ansicht die richtige, so würde das Diastem
zwischen c und />* im Unterkiefer hier statt 45 mm nur etwa 15 mm betragen.
Jedenfalls hätte aber dann jp' im Unterkiefer sehr kleine Wurzeln gehabt und würde
dann sehr verschieden von den mit kräftigen Wurzeln versebenen anderen Praemo-
laren gewesen sein.
325
von RüTiMEYRK erwähnten Zahne als Lophiodon cf. tapiroides
bezeichneten (cf. pag. 23). Dieser Eckzahn weicht nämlich sehr
beträchtlich von dem eben beschriebenen Cauinen ab, wie dies
ein Blick auf die Abbildungen Tf. XH, fig. 16 und Tf. IV,
fig. 10 — 13 lehrt. Der letztere gehörte zwar dem Unterkiefer
an, ist jedoch beträchtlich kleiner als der von Guyieb abge-
bildete, noch im Unterkiefer steckende Zahn von L, tapiroides
(Cüv., Oss. foss., II, PI. VII, fig. 1), weshalb ich ihn jetzt auch
als L, cf. Buxovillanum bezeichnen will. Wir hätten somit von
Dauendorf im Unter-Elsass mit grosser Wahrscheinlichkeit die
beiden elsässer Lophiodonarten zu verzeichnen.
III. 21.
327
INHALTSVERZEICHNISS.
Seite.
Vorwort l
I. Der Buchsweiler-Kalk und gleichalterige
Bildungen am Oberrhein 3
Wichtigste Litteratnr 5
4. Geologische Verhältnisse 5
äl. Palaeontologische Verhältnisse :
A. Sfiugethiere 18
B. Mollusken 32
Hydrobia Dauendorfensis 7i. sp 34
Oleacina (Glandina) Rhenana n, sp 44
Oleacjna (Glandina) Deecke! n. sp 45
Azeca Böttgeri n. sp 46
Papa Baxovillana n. sp 47
Palaeostoa n. g, (P. Fontenayi Rouis sp.) 48
Patala oligogyra n. sp 52
Garychiopsis quadridens n. sp 55
Allgemeiner Charakter der Buchsweiler Fauna und Schluss-
belrachlungen 57
Tabellarische Uebersicht der Buchsweiler Conchylien-Fauna 62
IL Der Melanienkalk oder Brunnstatter-Kalk 63
Wichtigste Litteratnr 66
Allgemeiner geologischer Ueberbiick 6G
Flora von Nieder-Spechbach 71
\, Wirbelthiere des Melanienkalkes 73
2. Conchylien des Melanienkalkes 74
Limnea polita Mer. ined 7U
Limnea subpolita n. sp 79
Nanina Köchlini n, sp 81
Alexia sundgovieosis n. sp 85
328
Seite.
Allgemeine Bemerkungen über den Melanienkalk 87
Tabelle: Vergleichende Uebersicbt der Genera des Melanlen-
• kalkes und des Buchsweiler-Kalkes 92
IIL Das Oligocän im Elsass. Brackische und
Marine Oligocän-Bildungen im Elsass 93
Wichtigste Litteratur 95
Allgemeines über die Oligocänschichten im Elsass 99
L Das oligooäne Petrolgebiet im Ünter-Elsass in der
Gegend von, Snl« n. d. Wald los
A. Bitumenführende Schichten von Lobsann (z. Th. Mittel-,
z, Th. ünteroligocän) 106
Allgemeines Profil von Lobsann 106
Specielle Profile von Lobsann HO
Der Asphallkalkcomplex, seine Gesteine und Versteinerungen 1 12
Flora des Asphaltkalkcomplexes 117
Conchylien desselben 118
Säugethiere desselben 118
B. Bitumenführende Schichten von Pechelbronn (UnteroligocAn) 1 26
Profile und geologische Verhältnisse 126
Beschafienheit der Petroleumfiötze 137
Conchylienfauna 143
Anodonta Daubnieana Schimp. ined 144
Chara variabilis n. sp 145
Foraminlferen aus dem Mergel von Lampertsloch 147
Animodiscus pellacidus n. sp * 147
Haplopbragmiam pasillom n. sp 148
Gristellaria Lamperti n, sp 148
Lingullna Le-Belli n, sp 149
C. Petrolenmsandführende Oligocänschichten von Schwah-
weiler (Tiefstes Mitteloligocän bis ünteroligocän). . . 150
Allgemeine geologische Verhältnisse und Profile 150
Foraminiferenfauna der oberen Schichten 155
Flora der in die Mergel eingeschalteten Sandsteinbänke ... 158
Smilax Steinmanni n. sp 160
Das Bitumen von Schwab weiter 16t
Mergel von Oberstritten i6l
Chara petrolci n. sp 162
Profil durch die Pelroleumlagerstätten im Unter-Elsass ... 162
329
Seite.
II. Das Petrolenmgebiet von Hirzbaoh im Ober-Elsass i65
Foraminiferen der Mergel von Altkircli 166
Theorien Ober die Enteteliung des ErdSla im Elsaee. . 169
m Meeressand im Elsass und in der Oberrheinebene ns
Fauna von Rädersdorf 178
Fauna von DammeriLircb 180
Psammobia Meyeri it. 5p 182
IV. Der Septarienthon im Ünter-Elsass ist
Geologische Verhältnisse 187
Der Septarienthon von Lobsann, Sulz u/W. and Drachen-
bronn T 188
Gastropoden 192
Lamellibranchier 193
Brachiopoden ' 194
Megerlea? Haasi n, sp 194
Wurmer 196
Ecbinodermen , Crustaceen, Fische 196
Foraminiferen 197
Haplophragmium deforme n. sp 197
Haploph. Lobsannense n. sp 198
Verneuilina compressa n. sp 199
Dentalina granulosa n. sp 202
Dentalina Sulzensis n. sp 203
Nodosaria Herrmanni n. sp 205
Robulina Gerlandl n, sp 208
Robulina Alberti n. sp 209
Turrilina n. g. (T. alsatica ». sp.) 212
Pseudotruncatalina n, g, (P. Datempiei d'Oib. Jp.) 213
Pulvinulina troehiformis n» sp 216
Polvinulina perlata n, sp 216
Pulvinulina petrolei n. sp 217
Pulvinulina Lobsannensis n. sp 218
Der Septarienthon von Heiligenstein 221
Foraminiferen 222
Pulvinulina St. Odiliae 224
V. Mergel mit Ostrea oallifera und reicher Forami-
niferenfanna im Ober-Elsass 226
Foraminiferen (von Hartmannsweiler, Rodern und Aue). . . 229
Polystomella Hantkeni ». sp 234
330
Seite.
Textilaria gracillima n, sp 235
Allgemeine Bemerkungen Ober die Septarientbon-Foramini-
feren des Elsass 236
VI. Die Amphisyle-Sohiohten im BIsasB n. am Oberrhein 241
Wicbtigste Litteratur Aber die Ampbisyle-Scbichten im
Allgemeinen 241
Geologiscbe Verhältnisse und geographische Verbreitung
der Fischscbiefer 243
Fische 251
Zweiscbaler 253
Foraminiferet) der Fiscbscbiefer 253
Nonionina Buxovillana n. sp 254
Virgulina Mustoni n. sp 254
Truncatulina amphisyliensis n. sp 255
Pulvinulina Riliani n, sp 255
Polvinulina nonioninoides n. sp 256
Bolivina roelettica n, sp 257
Flora der Fischschiefer 258
Fischscbiefer im Mainzer Becken 259
Blältersandstein von Habsbeim mit Meletta-Scbuppen .... 264
711. Das Oberoligooän im Elsass 267
Aechte Gyrenenmergel von Kolbsbeim 267
Die Fauna eines Cyrenenmergelstückes aus dem Unter-
Elsass, welches ohne nähere Fundortsbezeichnung
sich in der Strassburger Sammlung vorfand 27 t
VaKata cyrenophila n. sp 272
Alsatia n. g, (A. turbioiformis n. sp.) 274
Syrnola alsatica n, sp 275
Buljmina acicula n. sp 277
Qüinquelocülioa gregaria n, sp 278
Gyrenenmergel in Baden 280
Schichten von Rufach 283
Die «Marnes ä Gyrönes» von Dklbos 288
Vin. Oligooäne Conglomerate nnd Eüstenbildangeii im
Elsass 291
Foraminiferen vom Scharrachberg wohl z. Th. einge-
schwemmte jurassische Formen 294
Plecanium Scharrachbergense n, sp 296
Nodosaria Wetzeli n. sp 298
331
Seite.
Marginnlina alsatica n. sp 298
Cristellaria conglomeratica n. sp 299
Robulina Rhenana n. sp 300
Gornuspira pygnaea n, sp 300
Foraminiferen aus den Congloraeraten von Rufach 304
Bulimina coprolitboldes n, sp 305
Textilaria alsatica n, sp 306
Textilaria inüata n. sp 306
Besondere Eigenthümlicbkeiten der Gerolle 307
Kurze Recapitulation der Geschichte des Oberrheinlhales
zur Oligocänzeit \ 310
Tabellarische Uebersicht der Tertiärschichten im CIsass . . 313
IV. Die Miocänschichten im Oberrheinthale 315
Landscbneckenkalk in der Pfalz 317
Sflsswasserkalk von Tüllingen In Ober-Baden 317
Corbiculakalk in der Pfalz, bei Lanterburg dicht an der
elsässer Grenze 319
Vermuthllcbe Dinotheriensande im Unter-Elsass (Riedselz) . 320
Nachtrag :
Lophiodon Buxovillarum Cuv 322
Lophiodon tapiroides Cuv 323
ERRATA.
Seite 21 V. 0. Zeile 16 lies Tf. IV anstatt Tf. III.
» 44 r. 0. » 11 » Tf. I flg. 2 d anstatt flg. 6.
» 107 V. 0. 0 1 0 Ghasteli anstatt Ghastelli.
» 125 V. u. 0 3 vor pg. 27 einzufügen : Abtheilung I.
» 155 V. 0. »15 die Parenthese am Ende dieser Zeile ist an
den Schluss der Zeile 16 m setzen.
0 164 y. u. » 14 lies pg. 15 anstatt 131.
B 172 V. u. 0 1 zu streichen Cf. pg. 189.
» 174 V. 0. n 1 lies Hardt anstatt Haardt.
n 185 V. u. » 6 » CyrenaconvexahnoiiQ^{=sefnistriataDESH.)
anstatt Cyrena semistriata Desh.
» 186 V. u. ») 4 »> Cyrena convexa Brong. anstatt jCyrena
semistriata Desh.
»> Tf. VIll 2 a, 6, 3 anstatt 23.
» Tf. X anstatt Tf. V.
» Seite 215 anstatt Seite 216.
» 0 219 » » 218.
» 199 T. 0.
» 12
» 220 V. u.
• 4
» 331 V. 0.
» 9
Ebendaselbst
» 11
4
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DATE DUE
AUG 1 2 2001^«
STANFORD UNIVERSTTY UBRARIES
STANFORD, GVUFORNIA
94505